AurchtbareMglükkalifdemLisebeiTrais-Horloff
Drei Kinder tödlich verungückt.
gleichberechtigte Nation in die Reihe der Großmächte einzugliedern.
Die Versammelten dankten dem Vortragenden für seine außerordentlich fesselnden Darlegungen Mit lebhaftem Beifall.
Neue Bestimmungen für den Nutzviehmarkt in Gießen.
Die Polizeidirektion Gießen hat nach Anhörung des Oberbürgermeisters der Stadt Gießen und mit Genehmigung des Reichsstatthalters in Hessen — Landesregierung — einen Nachtrag über die Einrichtung und den Betrieb des Nutzviehmarktes in Gießen erlassen. Durch diesen Nachtrag wird als neuer § 4 bzw. § 4a folgendes bestimmt:
Der Handel mit Vieh ist in Gießen am Markttag nur auf dem Marktplatz erlaubt. Außerhalb des Marktplatzes ist der Viehhandel am Markttag verboten. An dem Tag vor dem Markttag ist der Handel mit Vieh sowohl innerhalb als auch außerhalb des Marktplatzes verboten.
Unter Handel wird jede auf Kauf, Verkauf, Tausch, Besitzübertragung oder anderweitige Festsetzung eines vereinbarten Kaufpreises gerichtete Tätigkeit verstanden.
Heber jeden während des Marktes abgeschlossenen Verkauf eines Tieres, das auf dem Markt aufgestellt wird, ist von dem Verkäufer unverzüglich nach Kaufabschluß aus laufend numeriertem Block ein Schlußschein nebst zwei Durchschriften wahrheitsgemäß auszufertigen. Die Ausfertigung eines Schlußscheins hat für jedes verkaufte Tier zu erfolgen ohne Rücksicht darauf, ob der Verkäufer gleichzeitig mehrere Tiere an den gleichen Käufer verkauft hat. Außerdem ist jedes Tier beim Auftrieb mit einer Ohrmarke zu versehen.
Die beiden Durchschriften des Schlußscheines hat der Verkäufer dem Käufer auszuhändigen, der beim Abtrieb vom Markt eine der beiden Durchschriften an den Kontrollbeamten am Ausgang abzugeben hat.
öer veterinärärztliche Dienst im Kreise Gießen.
Das Kreisamt Gießen hat nach der Versetzung des Veterinärrats Dr. Schneider von Gießen dessen Dienstbezirk bis zur Wiederbesetzung der Veterinärarztstelle Gießen wie folgt eingeteilt:
1. Zum Dienstbezirk des Kreisveterinäramts Gießen, Tel.-Nr. 3632, Oberoeterinärrat Dr. M o n • narb, Alicenstraße 18, treten folgende Gemeinden: Alten-Bufeck, Großen-Bufeck, Trohe, Röd- aen, Reiskirchen, Burkhardsfelden, Oppenrod, Albach, Steinbach, Hausen, Garbenteich mit Kreisabdeckerei, Lich, Hattenrod, Birklar, Mu- fchenheim und Hof-Güll.
2. Zum Dienstbezirk der Amtsveterinärarztstelle Grünberg, Veterinärrat Dr. Fuchs, Tel.- Nr. 42, treten folgende Gemeinden: Hungen, Inheiden, Utphe, Trais-Horloff, Steinheim, Rodheim, Rabertshausen, Langd, Villingen, Bersrod, Climbach, Allertshausen, Nonnenroth, Beuern, Langsdorf, Bettenhausen, Bellersheim und Obbornhofen.
Dortrag auf das Sommersemester verschoben.
Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:
Mit Rücksicht auf die allgemeinen zur gleichen Stunde angesetzten Trauerfeiern für den ermordeten Lcmdesgruppenleiter G u st l o f f muß der Vortrag von Dr. Scheibe über die deutsche Hindu- kusch-Expedition 1935 auf das Sommersemester verschoben werden.
Warum eine Sparbüchse?
„Was Du tust, das tue ganz", sagt ein altes Sprichwort. Wenn man sich über eine Sache nicht ganz klar ist, beginne man nicht damit, namentlich, wenn man voraussehen muß, daß das zur Verfügung stehende Geld doch nicht reicht, sondern man zuletzt borgen muß. Besser ist es auf jeden Fall, sich die Mittel für ein Vorhaben erst einmal zusammenzusparen. Dieses Sparen — man kann es Ziel- oder Zwecksparen nennen — ist heute so leicht gemacht und kann aus den verschiedensten Gründen erfolgen. Wenn man für einen bestimmten Zweck sparen, öder sich einen Notgroschen zurücklegen will, so ist es am besten, recht frühzeitig damit anzufangen. Wer z. B. für eine Anschaffung sparen will, für eine Reise, um Üch ein Eigenheim dereinst zu kaufen, um für die Ausbildung seiner Kinder zu sorgen, oder um im Alter und bei Berufsunfähigkeit von feinen Erspar-
Am gestrigen Montag gegen 14.30 Uhr ereignete sich unmittelbar bei dem Dorfe Trais-Horloff (Kreis Gießen), an der Bahnstrecke Hungen —Nidda gelegen, ein furchtbarer Unglücksfall au^dem Eise, bei dem leider drei blühende Kinder den Tod fanden.
Die 15 Jahre alte Marie Finkernagel und die 10 Jahre alte Elli Klug aus Trais-Horloff hatten sich in Gemeinschaft mit einer Reihe anderer Kinder zu einem unmittelbar bei Trais-Horloff gelegenen Teiche begeben, deren dort mehrere durch Grundwasser und Regen in den Erdsenkungen der stillgelegten Grube „Friedrich" entstanden sind. Der sog. kleine Teich, den die Kinder aufgesucht hatten, ist etwa 50 Meter lang, 20 Meter breit und ungefähr 3 Meter tief; er liegt etwa 80 Meter von der Straße abseits auf dem früheren Bergwerksgelände. Die Kälte der letzten Tage hatte zu einer Eisdecke auf dem Teich geführt, die aber noch nicht so stark geworden war, daß sie das Betreten des Eises ohne Gefahr möglich gemacht hätte. Die beiden Mädchen, Marie Finkernagel und Elli Klug, betraten die Eisfläche, um zu schleifen. Kaum hatten die Kinder sich wenige Meter vom Teichrand entfernt, als die Eisdecke brach und beide in der kalten drei Meter tiefen Flut versanken. Die Gefahr sofort erkennend, in der die Mädchen schwebten, rief der acht Jahre alte Willibald K u n e r t, ebenfalls aus Trais-Horloff, den verunglückten Mädchen zu, er könne schwimmen und werde sie retten. Mit bewundernswerter Tapferkeit sprang darauf der
nissen zehren zu können, der kann zu einer Sparkasse gehen und sich eine Sparbüchse geben lassen; in diese Sparbüchse tut man je nachdem, wie man es gerade erübrigen kann, natürlich möglichst regelmäßig, einen Groschen, einen Fünfziger oder auch ein Markstück hinein und geht dann, nicht zu selten, zur Sparkasse hin und läßt sich die Büchse öffnen. Ein herrliches Gefühl, wenn das viele Geld so her- ausfällt, das dann auf ein Sparkassenbuch eingezahlt werden kann. Dieses Pfennigsparen — so genannt, weil auch derjenige Volksgenosse es pflegen kann, der in bescheidenen Verhältnissen lebt — mittels der Sparbüchse, die übrigens meist unentgeltlich von den Sparkassen abgegeben wird, ist nicht nur für den Sparer, sondern auch für die Allgemeinheit wichtig. Auf diese Weise gelangen viele Hunderte, Tausende und Zehntausende in die Wirtschaft, wo sie nutzbringend für die Volksgesamtheit und zinstragend für den Sparer verwendet werden. Wer aber sein Geld zu Hause versteckt, kann es leicht durch Diebstahl oder Feuer verlieren.
DHC. Gießen.
Man berichtet uns: Auch die zweite planmäßige Wanderung in diesem Jahre führte die Mitglieder des Zweigoereins Gießen vom VHC. in die unmittelbare Nachbarschaft unsrer Heimatstadt. Aengst- liche Gemüter hatten schon damit gerechnet, daß das bald sprichwörtlich gewordene Regenwetter der letzten Wochen noch weiter anhalten würde. Es sollte jedoch anders kommen. Strahlende Sonne lag über den Gefilden, als sich am vergangenen Sonntag über 60 wanderfrohe VHC.er pünktlich zur festgesetzten Zeit auf der Lahnbrücke zur Teilnahme an der Wanderung einfanden. Auch die Jung-VHC.er waren vertreten. Man sah es ihrem Gesichte an, daß sie mit ganzem Herzen bei der Sache waren.
Unser Weg führte zunächst die Krofdorfer Straße, dann den (Bleiberger Weg entlang, am Steinbruch vorbei zum Hardtwäldchen. Schon von weitem grüßte die Silhouette des Dreigestirns Gleiberg- Vetzberg-Dünsberg, wenn auch noch teilweise in Nebel gehüllt, herüber, ein Panorama, das nicht nur den einheimischen, sondern auch den naturliebenden, nur vorübergehend in unserer Heimat weilenden Wanderer begeistern kann. Schon konnten wir uns an den ersten Zeichen des erwachenden Frühlings »rfreuen. Wesentlich früher als sonst hatten die Kätzchen des Haselnußstrauches ihr Winterkleid gelüftet, und schüchtern, als ob sie der Sache nicht ganz trauen könnten, erhoben am sonnigen Rain Gänseblümchen ihr Haupt. Vom Hardtwäldchen gelangten wir auf sanft ansteigenden Pfaden zur Höhe des Gleiberger Weges. Ueberrafchend erblickten wir hierbei die Kuppe des Gleibergs und feines gewaltigen Bergfrieds. Frei schweifte unser Blick in die Lande,
kleine Bub in die eisige Flut, um die Mädchen herauszuholen. Leider war sein edler Eifer aber nicht von dem erhofften Erfolg belohnt. Sei es, daß die beiden Mädchen in chrer Verzweiflung sich zu fest an den kleinen Retter Hämmerten, ober auch er unter der Einwirkung der eisigen Flut körperlich behindert war, kurzum alle drei Kinder versanken vor den Augen der übrigen am Teichrand stehenden entsetzten Spielgefährten im Wasser. Die Spielgefährten rannten schleunigst zum Dorfe zurück und überbrachten dort die Schreckenskunde. Sofort eilten Männer und Frauen zur Hilfeleistung herbei und begannen mit größtem Eifer ihre Suche nach den Verunglückten. Es gelang ihnen bald, die beiden Mädchen aus dem Wasser herauszuholen. Leider waren aber beide Kinder schon tot. Das Auffinden des kleinen Helden Willibald K u n e r t nahm jedoch erheblich längere Zeit in Anspruch, bis man schließlich nach etwa zwei Stunden auch ihn als Leiche ans Land bringen konnte.
Die drei Kinder gehören zu Bergarbeiter-Familien, die in Werkhäusern der früheren Gewerkschaft „Friedrich" wohnen; die Väter der Kinder sind in dem Schwelkraftwerk Wölfersheim beschäfttgt. Um die beiden Mädchen und ihren wackeren kleinen Helfer, der seinen Opfermut mit dem Leben bezahlte, trauern die Eltern und eine Anzahl Geschwister in jeder Familie, darüber hinaus aber auch die gesamte Bevölkerung des Dorfes und der Umgegend, die den schwer betroffenen Familien herzliche Anteilnahme entgegenbringt.
auf das Silberband der Lahn und die am Horizont erscheinenden umliegenden Bergeshöhen. Ein herrlicher Sonntagmorgen, wie er besser für einen naturverbundenen Wanderer nicht geschaffen werden konnte. Nach eineinviertelstündiger Wanderung erreichten wir die Höhe der Burg Gleiberg, wo wir bei musikalischen Darbietungen eines Wanderfreundes im historischen Saale des Burgwirtshauses Früh- llücksrast hielten. Nicht ohne dem Bergfried einen Besuch abgestattet zu haben, von dessen Plattform sich bei klarem Wetter ein umfassender Ausblick auf die Höhen des Vogelsbergs, Taunus, Westerwald und des hessischen Hinterlandes bietet, wanderten wir über Krofdorf, zur Linken die trutzige Feste des Vetzbergs, durch das liebliche Kropbachtal, am Fuße des Dünsbergs entlang nach Fellingshausen und von da, immer wieder herrliche Ausblicke genießend, nach Rodheim, wo wir wohlverdiente und gut vorbereitete Kaffeeraft halten konnten. Nach entsprechender Stärkung kam auch die Gemütlichkeit zu ihrem Recht. Bei Gesangvorträgen, guten musikalischen Vortragsstücken, wobei auch die Jugend ihr Können zeigte, und Tanz gingen die Stunden des Zusammenseins leider allzu rasch vorüber. Nach einer anspornenden Ansprache des Vereinsführers, bei der er besonders auf die Schönheiten unserer engeren Heimat hinwies und den Teilnehmern nochmals die Wanderung vor Augen führte, verließen wir die gastliche Stätte.
Vollauf befriedigt durch das Erlebte und gestählt für die Arbeit des Alltags brachte uns das Dampfroß gegen 19 Uhr an den Ausgangspunkt der Wanderung zurück. Frischauf zur nächsten Wanderfahrt!
Gießener Dochenmarktpreise.
* Gießen, 11. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse A 12^, ungezeichnete 10 bis 11, Wirsing, das Pfund 10 bis 15, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 15 bis 18, Gelbe Rüben 9 bis 12, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 20 bis 30, Feldsalat 70 bis 90, Tomaten 45, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 30 bis 60, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,30 bis 3,50 Mk., Aepfel, das Pfund 10 bis 30 Pf., Nüsse 45, Blumenkohl, das Stück 25 bis 40, Salat 35, Endivien 10 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 15, Sellerie 5 bis 40 Pf.
*
** c®«men ® 21 Iters Bereinigung 1886/ 1 9 3 6. Zur Gründung einer Altersvereinigung der Damen des Jahrgangs 1886/1936 hatten sich etwa 20 Interessentinnen im „Württemberger Hof" versammelt. Nach kurzer Aussprache wurde die (Brün- düng der Damen-Altersvereinigung 1886/1936 be
schlossen und mit ihrer Leitung Frau C. DetrSS beauftragt. Es wird erwartet, daß sich noch mehr Alterskameradinnen der Vereinigung anschließen und ihre Anmeldungen an Frau Detröe, Licher Straße 45, gelangen lassen.
** Straßensperre. Vom 12. Februar ab wird die Provinzialftraße Ober-Eschbach — Ober- Erlenbach wegen Ausführung von Straßenbau« arbeiten für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Nieder-Eschbach.
Oderheffen.
Zwei Neunzigjährige.
* S) ar bad) (Krs. Gießen), 11. Febr. Am morgigen Mittwoch, 12. Februar, kann der Altoeteran Philipp M ö b u s, Hierselbst, in guter geistiger und körperlicher Rüstigkeit seinen 9 0. Geburts- t a g begehen. Der Jubilar verbrachte seine Militärzeit von 1868 bis 1869 beim Infanterie-Regiment 118 in Darmstadt und nahm dann an dem Feldzug 1870/71 teil. Er machte eine Anzahl Schlachten und Gefechte mit und konnte unoerwundet in die Heimat zurückkehren. Aus seiner Ehe mit Annemarie Möbus, geb. Reitz, stammen vier Töchter. Mit diesen versammeln sich um den Jubilar noch neun Enkel und zehn Urenkel. Seine Ehefrau verstarb im Jahre 1919. Der alte Mann unternimmt noch an jedem Tage feinen gewohnten Spaziergang.
)—( Ruppertsburg (Kr. Schotten), 11. Febr. Am kommenden Montag, 17. Februar, vollendet die Witwe des verstorbenen Bauinspektors Heinrich Högy, Frau Elise Högy, ihr 9 0. Lebensjahr. Die Jubilarin ist geistig noch sehr rüstig und nimmt mit großem Interesse an dem gewaltigen Geschehen unserer Zeit Anteil.
Turn- und Sportvereine halten Rückschau.
Turnverein Grünberg.
Am Samstagabend hielt der Turnverein seine Hauptversammlung im Gasthaus „Taunus" ab. Veremsführer Lehrer Wenzel gedachte mit ehrenden Worten der im vergangenen Vereinsjahre verstorbenen Mitglieder, darunter besonders des Ehren- mitplieöes und einstigen Mitgründers Heinrich Moser. Alsdann erstattete er den Jahresbericht, öer durch die Berichte der Leiter und Leiterinnen der einzelnen Abteilungen ergänzt wurde. Die Mit- gliederzahl zeigte am 1. Januar 1936 einen Stand oon 165 gegen 161 im Vorjahre. Sehr erfreulich ist der Turnbetrieb der Schülerabteilung, das gleiche gilt auch oon den Schülerinnen, lieber die turne» Ache Arbeit in den einzelnen Abteilungen gab der Bericht aufschlußreiche Zahlen. Die Teilnahme an turnerischen Veranstaltungen erbrachte 35 Siege. Die Diplome wurden den Siegern und Siegerinnen überreicht und ein dreifaches „Gut-Heil!" auf sie ausgebracht. Das Winterfest des Vereins an Weihnachten war eine wohlgelungene Veranstaltung. Drei Turngänge wurden ausaeführt, die eine gute Beteiligung aufwiesen. Der Bericht des Kassen- wartes Karl Schmidt ergab eine Einnahme von 3362,96 Mark und eine Ausgabe von 2824,10 RM., jo daß die Rechnung mit einem Ueberschuß von 538,86 RM. abschließt. Als größter Ausgabeposten sind dabei Zinsen in Höhe von 1247,69 RM. verzeichnet. Hierbei konnte der Rechner mitteilen, daß annähernd 200 RM. Zinsen von Privatgläubigern dem Verein geschenkt wurden, wofür denselben der Dank des Vereins ausgesprochen wurde. In gleicher Weise wurde auch eines Spenders gedacht, der dem Verein einen Schuldschein in Höhe oon 50 RM. überließ. Die einzelnen Berichte wurden gutgehei- ßen und dem Kassenwart Entlastung erteilt.
Der Voranschlag für 1936 sieht eine feststehende Ausgabe oon 2000 RM. vor. Der Vereinsführer teilte noch mit, daß der Verein sich zur Uebernahme des im August ftattfindenden Volksturnens der Kreise Gießen-Alsfeld bereit erklärt habe.
Verein für Rasenspiele Lich.
Der Verein für Rasenspiele 1920 Lich hielt in seinem Dereinslokal, dem „Frankfurter Hof", unter starker Beteiligung seiner Mitglieder feine diesjährige ordentliche Hauptversammlung ab. Der 1. Vereinsführer August Merle gab einen Rückblick auf das verflossene Vereinsjahr, dem zu entnehmen war, daß der Verein wieder ein gutes Stück Pionierarbeit auf dem Gebiete des Sports geleistet habe. Rechner Fritz Hermann erstattete den Kassenbericht. Die Prüfung ergab keinerlei Be- anftanbung. Dem Rechner konnte für seine mustergültige Buchführung Dank ausgesprochen und Entlastung erteilt werden. Dem Gesamtvorstand
DflsBilöötiWiioleB.
Vornan von H. von Hellermann.
Copyright 1936 by Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.
18. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
19. Kapitel.
®s war gegen Abend des nächsten Tages, als Elfriede Stalling in der Kunsthandlung erschien und um Erlaubnis bat, die um diese Stunde schon geschlossene Ausstellung einmal allein besichtigen zu dürfen, da ihr das bei dem gestrigen Andrang völ- ig unmöglich gewesen wäre und der gleiche Massenbesuch für die nächste Zeit zu erwarten fei.
"Mein Mann beabsichtigt, etliches zu erwerben und überließ mir die Auswahl, da möchte ich mir gern in Ruhe alles ansehen."
Die liebenswürdige Bitte der reizenden Frau, die den neuentdeckten Künstler zu (einem schönsten B'ld inspiriert hatte, konnte der Angestellte nicht abschlagen. Mit tiefer Verbeugung geleitete er sie zum Eingang.
Still lagen die Säle, die gestern das Geräusch vieler Menschenstimmen erfüllt. Matte Helle fiel durch das Glasdach, auf das Regen leise trommelte, eine Helle, die etwas ungemein Geheimnis- volles und dennoch Beruhigendes hatte. Minuten- lang stand Elfriede reglos in der Mitte des ersten Raumes, ließ den Blick von einem zum anderen der köstlichen bunter Kinderbildnisse schweifen, den Geist, der in diesem Schassen waltete, mehr erfühlend als sehend erfassend. Was war es nur, was ste in seiner Nähe so tief bewegte, sie bis auf den geheimsten Grund ihres Empfindens aufwühlte? Wer war dieser Mann, der ihr doch völlig fremd war und dennoch irgendwie vertraut, der sie nur ein-, zweimal gesehen — und die Unrast ihres Herzens erkannt hatte?
Langsam, zögernd nur ging sie weiter. So still, so friedlich war es hier, nichts vernahm man von dem geräuschvollen (Betrieb der ewig hastenden Alltagsgeschäftigkeit. Wie wohl das tat, einmal allein zu fein inmitten dieses wundervollen, farbenblühenden Reichtums einer reinen Kunst, die
sich verschwenderisch in ihren Schöpfungen verströmte und reicher ward, je mehr sie gab ...
Nun stand Elfriede Stalling an der Schwelle zum letzten Raum, der ihr Bildnis barg. Im Begriff, sie zu überschreiten, stockte ihr Fuß. Aus einem der Korbsessel, die unter der Palmengruppe im Winkel zur Ruhe einluden, hatte sich ein Herr erhoben. Dunkle Augen wiesen unwillig den Eindringling zu dieser verbotenen Stunde zurück — weiteten sich in grenzlosem Staunen, als sie ihn erkannten.
Wie gebannt sahen die beiden Menschen sich an. Dann ging die Frau endlich langsam, wie von fremdem Willen getrieben, auf Drau zu. Und hatte dabei das seltsame Gefühl, daß jeder Schritt, den sie tat, etwas Unwiderrufliches fei, das sie nie wieder ungeschehen machen konnte. Groß, ernst und zwingend lag des Mannes Blick auf ihr, als wolle er fragen: Weißt du auch, was du tust? — Als sie vor ihm stand, ergriff Drau die beiden ihm gereichten Hände behutsam wie eine große Kostbarkeit.
„Sie glücklicher, Sie reicher Mann!" sagte Elfriede Stalling leise. Der Schlag ihres Herzens klang in ihrer Stimme.
Ein wunderbares Aufleuchten verklärte die hageren Züge, die Geist und Energie ebenso fest geformt, wie Not sie gefurcht.
„Da ich Sie sehen darf, bin ich wahrlich beides." Auch in seinen Worten schwang tiefe Bewegung, die Drau jedoch bald meisterte, da sie die schöne Frau deren Hände er immer noch selbstvergessen in Öen seinen hielt, zu überfälligen drohte. Er deutete auf einen Korbsessel.
„Wollen Sie mir ein paar Minuten vergönnen, oamit »ch Ihnen danken kann für die Inspiration, Die fie mir, wenn auch unbewußt, gegeben haben? g® bedurfte eines innerlichen Erlebnisses, eines Zlufroublens meines durch allerlei Nöte abgestumpften, stagnierenden Gefühls, um den Glauben an meine künstlerische Berufung wieder wachzurütteln,
’fJ?0«9 D£erIoJen hatte. Sie haben Begeisterung °Efensfreude neu in mir geweckt. Daß diese m^eU1ir9 zustande kam, daß ich meinen Weg mieber klar vor mir sehe, ist Ihr und nur Jh?
"«he beieinander, so nahe, daß ihre Knie ihre Arme sich bei der leisesten Bewe- gung berührten, und sahen sich glücklich an. Eine
hingebende Innigkeit lag auf dem schönen Frauen- antlitz, die Drau zu Herzen ging. Jetzt sah er, wie sie war, jetzt war die Maske geschwunden, die sie der Welt zeigte...
„Wenn Sie wüßten, wie glücklich Ihre Worte mich machen, Herr Drau! Gibt es etwas Schöneres, als zu wissen, daß man einem Menschen etwas bedeutet, ihm das geben kann, wessen er bedurfte? Wie groß und herrlich ist Ihre Kunst, jedes der Bilder ist eine Köstlichkeit für sich. Das hat Herr Selldön, der schwedische Forschungsreifende, bei dem meine Schwester als Sekretärin arbeitet, sehr treffend ausgedrückt: ,So schön ist das alles, daß das Herz vor Freude fingen möchte.' Er erkannte gleich Ihren Wert, entschuldigte sich, daß er Ihren Namen noch nicht gehört habe."
Wie hold sie war in ihrem Lobeseifer — Aber nun verdunkelte sich der strahlende Glanz der Augen: „Nur das Bild da, das möchte ich ungemalt wissen, trotzdem es wohl ihr Meisterwerk ist —" Sie starrte es an, eine tiefe Falte zwischen den Brauen.
Der Mann hob unbewußt die Hand, als wolle er ste wegstreicheln. „Warum, Frau Stalling?" fragte er sanft.
„Weil es zu viel verrät", erwiderte sie hart, ohne ihn anzublicken. „Das ist gefährlich."
„Gefährlich —?"
„3a. Es zeigt, was man ist, nicht, was man scheinen möchte. Und auf den Schein kommt es an im Leben, lieber Herr Drau, nicht auf die Wahrheit!"
Alle Bewegung trat aus dem schönen Gesicht wie weggewischt, ein spottendes Lächeln lag um den Mund, das dem Maler wehtat. Sehr ernst sah er sie an.
Und unter diesem Blick grenzenlos liebenden Verstehens senkte Elfriede Stalling die Lider, daß Drau die Tränen nicht sehe, die aufstiegen. Warum log sie diesem Mann, der es besser wußte, das vor? — In welchen Sumpf der Unsauberkeit und Gefühlsöde hatte ihr törichtes Verlangen nach „Glück" sie verlockt — Zwischen ihres Gatten meist alkoholseligen Zärtlichkeiten, die sie — sie wußte es nun, — mit anderen teilte, und Brucks sie umlauernder Gier taumelte sie dahin im tollen Wirbel ewig wechselnder und doch sich ewig gleichbleibender Vergnügen, die schon längst allen Reiz der Neuheit verloren hatten. Gab es etwas Jämmerlicheres als
dieses geschäftige Leben des Scheins, dem jeder Wert und Inhalt fehlte? —
Stumm beugte Drau sich vor, ergriff ihre Hand und streichelte sie zart, wie man die Hand einer Kranken streichelt, deren Leiden man gern lindern möchte, ohne es zu vermögen.
„Es ist nicht leicht, sich selber treu zu bleiben", sagte er endlich gedämpft, „aber ich glaube, man leibet noch viel mehr darunter, das zu scheinen was man nicht ist!"
„Das könnte meine Mutter gesagt haben." Mit zitternden Lippen lächelte die Frau und wischte, ohne sich ihrer zu schämen, die Spur ihrer Er- regung fort.
"Die müssen Sie kennen lernen, Herr Drau, bei shr ist gut sein, da fühlt man sich sicher und qe- borgen. An ihrer Schwelle schweigt alles, was nicht gut und froh ist im Herzen."
„36re Güte habe ich schon erfahren, erwiderte er. „Sie hat mich durch Dr. Goebel gleich einlaben Ia||en, schrieb so herzlich, aber — es war mir bisher ganz unmöglich, unter Menschen zu gehen, mochten sie es auch noch so gut mit mir meinen. Es gibt Ver3roeiflung53eifen im Leben, die man nur mit sich allein abmachen kann."
„Ich weiß, ich weiß —" Nun war sie es, bis |eme Hanb ergriff. „Dr. Goebel hat ja nur angedeutet, wie es um Sie stand, als ihn der Zufall nein, ich will es Fügung nennen! — zu Ihnen führte, aber das Wenige genügte, um mich tief zu bewegen, mir nächtelang den Schlaf zu rauben."
Die Liebe, Holde, Gütige--Heiß stieg es
in dem Manne auf. Süßeste Gefahr barg ihre lichte, herzwärmende Nähe — — Er richtete sich auf, lehnte sich in seinen Sessel zurück, als könne er sich ihrem Einfluß so entziehen. Es würde nichts nützen, mied er sie auch fortan — konnte man dem entfliehen, was i n einem war? —
Dom Eingang der Ausstellungssäle her wurden Stimmen hörbar. Elfriede und Drau erhoben sich. Gingen, ohne ein weiteres Wort zu wechseln, an den Fremden vorbei dem Ausgang zu, standen sich einen Augenblick, Hand in Hand gegenüber, bedurfte es der Worte zwischen Menschen, die fick verstanden?
Sie wußten beide, daß sie sich wiedersehen wllr« den — weil sie sich Wiedersehen mußten.
(Fortsetzung folgt!)


