Ausgabe 
11.2.1936
 
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Dienstag, Februar 1936

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

ttr.35 Drittes Blatt

Aus der provinzialhaupistadt

21.45

ig Hauptversammlung Grund". Im Anschluß

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da er sich in unzähligen schweren Kämpfen und schwierigen Lagen aufs beste bewährt hatte. Nach mancherlei Abenteuern und einer gefährlichen See­reise kam Schmidel schließlich wieder in die alte Heimat zurück, wo er seine Erinnerungen aufschrieb, die ein wertvolles kulturgeschichtliches Dokument

Kraft st rom hinüber in die neue Welt und vor allem auch in die La-Plata-Länder gelenkt haben und einen nicht unwesentlichen Anteil an der Entwicklung Argentiniens nahmen, haben Ulrich Schmidel und seine Verdienste nicht vergessen. Ihm zu Ehren haben die Deutschen in Buenos Aires einen .Ulrich - Schmidel - Brunnen* errichtet. Sein Name wird in diesem großen Gedenkjahr argentinischer und damit südamerikanischer Ge­schichte oft genannt werden als der eines tapferen deutschen Mannes, der wie so viele seines Landes und seines Blutes hinauszog in eine fremde Welt und in fremden Diensten Hervorragendes leistete.

fängnis verurteilt. Bei seiner Einlieferung wurden Fingerabdrücke von ihm abgenommen, und es stellte sich heraus, daß diese Abdrücke mit den vor 22 Jahren bei der Leiche des ermordeten Kaufmanns gefundenen übereinstimmten. Nach langem Leugnen legte der Verhaftete auch das Geständnis ab, damals die Tat begangen zu haben.

Am nächsten Donnerstag Hauptversammlung im RestaurantZum kühlen Grund". Im Anschluß an die geschäftlichen Angelegenheiten halt Steuer­inspektor Frees einen Vortrag über Steuer­reform. Näheres in der gestrigen Anzeige.

Dieser Tage wurde ein anderer Kaufmann weae einer Urkundenfälschung zu sechs Monaten G,

aus der Heimat zur Rückkehr veranlaßte. Man entließ den tapferen deutschen Mann nur ungern,

Zisch billig auf den Tisch!

ZdR. Die Öffentlichkeit erfährt soeben, daß an der deutschen Nordseeküste unerwartete Massenfänge von Küstenheringen zu verzeichnen sind. Durch die Plötzlichkeit dieser Meldung wird die Aufmerksam­keit der Verbraucherschaft auf die Unbeständigkeit gelenkt, die bei der Anlieferung von Fischen natur­bedingt ist. Die Ergebnisse des Fischfanges unter­liegen noch weit mehr als irgendein anderes Pro­duktionsgebiet den Naturgesetzen. Der unermüdliche Küsten- und Hochseefischer, der Nacht für Nacht, oder Woche für Woche auf dem Meere seinem schwe­ren Berus nachgeht, hat niemals die Gewißheit, daß seine Arbeit von Erfolg gekrönt ist. Wie oft stand er schon weit draußen in der Ost- oder Nordsee, unter Island, oder an den Lofoten wochenlang auf hoher See und wußte nicht, ob seiner Arbeit der er­wartete Lohn beschieden sein werde. Und trotzdem lassen sich diese Männer von der Unbill des Wetters nicht abhalten, trotzdem fahren sie immer wieder hinaus und hoffen, daß ihnen der Segen des Mee­res in reichem Maße zuteil werde.

eng. Der ältere Dumas soll sich oft halbe Tage in der Küche aufgehalten haben. Nicht nur, daß er selber kochte, er erfand auch eine Reihe neuer Speisenzusammenstellungen, bei denen es recht ver­schwenderisch zuging. Zu einem Gericht wurden beispielsweise auf drei Löffel Mehl allein 14 Ei­dotter vorgeschrieben.

Der Dichter Hoffmann von Fallers­leben kam mehr aus Not zum Kochlöffel, denn in seinem Haushalt ging es sehr knapp zu und es war kein Geld vorhanden, um eine Hilfskraft zu entlohnen. Wenn Hoffmanns Frau viel zu tun hatte, etwa an einem Waschtag, so scheute der Dich­ter sich nicht/ selber an den Herd zu gehen. Der Spargel nimmt unter den Lobpreisungen der Dich- ter verständlicherweise einen Ehrenplatz ein. Voller Begeisterung berichtete Nikolaus Lenau:Heute bin ich wieder bei Riesbeck auf ein großes Spar­gelfressen geladen. Spargel wie Kirchtürme wer­den da gefressen; ich allein verschlang das letztemal 50 bis 60 solcher Kirchtürme und komme mir dabei vor wie eine Parodie unserer politischen prosaischen, durchaus unheiligen Zeit, die auch schon das Maul weit aufsperrt, um alles Heilige und namentlich die guten Kirchtürme wie Spargelstangen zu ver­schlingen". Von Richard Wagner wird be­richtet, daß er als Kind einmal seine Ausgabe von Schillers Gedichten gegen Windbeutel mit Schlag­sahne eingetauscht habe. Der österreichische Dich­ter Franz Grillparzer hatte während seiner zahlreichen Reisen immer Heimweh nach den ge­wohnten Fleischtöpfen. Seine Lieblingsgerichte waren vor allem: gutes Rindfleisch, die österreichi­schen Mehlspeisen und eine Schale guten Kaffees. Er wollte auf zwei Dinge nicht verzichten, soll er einmal geäußert haben: auf Ruhe und weiches Fleisch ...

Fingerabdrücke nach 22 Jahren.

Im Jahre 1913 war in Portland (Oregon) ein Kaufmann ermordet und beraubt worden; die Suche nach dem Täter war damals vergeblich gewesen.

SportamtKraft durch Freude".

heute folgende Kurse:

Fröhliche Gymnastik und Spiele (nur f ü r F r a u e n). Don 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26.

Schwimmen. Frauen und Manner von 20 bis 21 Uhr Volksbad. Nur für Frauen von 21 bis 22 Uhr Volksbad. . _ ..

Reiten. Von 21 bis 22 Uhr: Umversitats-Reit- institut, Brandplatz.__

Zu dem morgigen Scharfschießen unserer Gießener Artillerie bei Gleiberg, über dessen Vorbereitung wir gestern schon näher berichteten, läßt das Postamt Gießen Postautobusse vom Bahnhof bzw. Oswalds- garten in Gießen bis nach Gleiberg fahren. Die Äutobusfe fahren um 9 Uhr, 10 Uhr und 12.30 Uhr am Bahnhof bzw. Oswaldsgarten in Gießen ab.

Durchgangsverkehr nach Rodheim

Bieber am 12. Zebruar gesperrt.

Am 12. Februar findet von 8 bis 16 Uhr in der Gegend von RodheimBieber ein Scharfschießen der 1. Abteilung Feldartillerie-Regiments Nr. 9 statt. Während dieser Zeit ist der Durchgangsverkehr nach Rodheim und Bieber verboten. Der gesamte Fahr­zeugverkehr wird in der Rodheimer Straße über die Krofdorfer Straße nach Krofdorf geleitet. Den Wei­sungen der zur Verkehrsregelung aufgestellten Schutz­polizeibeamten ist unbedingt Folge zu leisten.

Deutschlands wehrpolitische Stellung im Nahmen Europas.

Gestern abend hielt in der gut besetzten Aula der Universität der Oberst im Generalstab Gallen- k a m p einen Vortrag über das ThemaDeutsch­lands wehrpolitische Stellung im Rahmen Eu­ropas".

Der Rektor der Universität Professor Dr. Pfäh­ler begrüßte den Vortragenden mit herzlichen Worten und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß Oberst Gallenkampf über das interessante Thema in Gießen spreche.

Hierauf folgte der Vortrag von Oberst Gallen­kamp. Der Redner behandelte zunächst die geopo- litische Lage, die naturgemäß die Wehrlage Deutsch­lands weitgehend beeinflußt. Er ging dann auf die innere wehrpolitische Lage vor dem Kriege über und entwarf anschließend ein packendes Bild der mili­tärischen Ohnmacht nach dem Kriege, so wie es uns noch im Jahre 1932 entgegentrat. Im zweiten Teil des Vortrags wurde die außenpolitische Wehrlage dargelegt. Die Ausführungen gipfelten in dem Nach­weis, daß es der weitsichtigen Friedenspolitik des , Führers gelungen sei, nach innen gerade durch die > Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht Deutschland zu einem starken Faktor des Friedens in Mitteleuropa zu machen und durch klare poli­tische Führung unser Vaterland wieder als die

Ä; Die deutsche Arbeitsfront vWj? n»5.=Gememf(haftKraft durch frciiöc"

NSG.Kraft durch Freude": 20.30 bis -----

Uhr fröhliche Gymnastik (nur für Frauen) im Lyzeum; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr (nur für Frauen) Schwimmen im Volksbad; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. Stadttheater: 20 bis 23 UhrDer Kanzler von Tirol". Glona- Palaft, Seltersweg:Eva". Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Der Mann mit der Pranke". Musik­wissenschaftliches Seminar der Universität: 20.15 Uhr im großen Hörsaal offener Abend mit Lieder- oorträgen. Oberhessischer Kunstoerein (Turm­haus am Brandplatz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung von Gemälden von Josef Stell) (Berlin).

nach Rio de la Plata gefahren."

Dieses Heer landete am 6. Januar 1536 an der Mündung desSilberstromes", wo Mendoza eine Stadt bauen ließ, die allerdings, weil es dort keine Steine gab, nicht sehr wetterfest war. Doch wird dieser ersten Gründung, wie aus der Feier heroor- §eht, große Bedeutung zugelegt, und man hat das ahr 1936 zu einem großen nationalen Erinne­rungsjahr bestimmt, wodurch nun auch der deutsche Anteil an jenen ersten Kämpfen, die zur Gründung von Buenos Aires führten, hervorgehoben wird. Denn nicht kampflos sollten die Auswanderer das Land gewinnen, und Ulrich Schmidel nahm an all diesen Kämpfen teil. Er und seine Lands­leute wurden immer in den gefährlichsten Situatio­nen eingesetzt, und schließlich gelang es ihnen auch, die ihnen zunächst feindlich gesinnten Indianer zu Fisch- und Fleischlieferungen zu bestimmen und damit eine drohende Hungersnot abzuwehren.

20 Jahre lang blieb Schmidel im Zug der Er­oberer, bis ihn schließlich ein Brief seines Bruders

Goethe am Küchenherd.

Von Dichtern und ihren Magenfreuden

Daß die besten Gedanken bei knurrendem Magen entstehen und daß der Höhenflug der dichterischen Phantasie einen leeren Geldbeutel voraussetzte, ist ein Märchen, und nicht einmal ein schönes. Die Geschichte hat uns gezeigt, daß bie Dichter und Denker keineswegs Kostverächter waren, sondern daß sie sehr gern ihren Anteil an den Tafelfreuden hatten, die den Menschen nur irgendwie erreich­bar sind. Es ist auch nicht bezeugt, daß sich em aut gefüllter Magen zum Nachteil der Poesie aus­gewirkt habe. Goethe z. B. war auch in der Kochkunst ein großer Kenner. Er ließ es sich nicht nehmen, den Küchenzettel häufig selber zu be­stimmen und hat auch mehrfach zum Kochlöffel ge­griffen. Noch als 80jähriger bereitete er den Stu­denten auf der Dornburg einen von ihm selbst er­dachten und erprobten Salat eigenhändig zu. Eine Lieblingsspeise Goethes waren die Frankfurter Brenten, ein erlesenes Mandelgebäck, das er noch aus seiner Frankfurter Kinderzeit und von dem gut regierten Reich der Frau Rat her in bester Erinnerung hatte. Waren Damen bei Goethe zu Gast, so gab es immer, wie Dr. Ernst Koehler in derLeipziger Jllustrirten" ausführt, zum Nach­tisch eine süße' Mehlspeise. Eine Vorliebe hatte der Dichter für Forellen und für Gänsebraten. Der Baumeister Wolff erzählt, daß Goethe davon be­trächtliche Mengen vertilgen konnte und ^ugleid) eine ganze Flasche Rotwein austrank. Das Abend­brot war in feinem Haus jedoch sehr bescheiden. Und natürlich gab es auch Tage, an denen ihm das Essen ganz gleichgültig war. Einem Schreiben an Christiane ist zu entnehmen, daß der Dichter sich fünf Tage lang nur von Zervelatwurst und Rotwein ernährt hat. Schiller hatte eine Vor­liebe für Schinken und Salat. Wieland war em ausgesprochenes Leckermaul. An Kuchen und Back­werk durfte es in feinem Haus nicht fehlen, und ost soll er nachts, wenn er keinen Schlaf finden konnte, aufgeftanben sein, um sich mit Näschereien zu versorgen, bie er sich mit ins Bett nahm. Fried- rich Schlegel würbe von einem Besucher ein­mal in ber "Küche angetroffen. Der Dichter hatte sich eine weiße Schürze umgebunben und war am Küchentisch bamit beschäftigt, grüne Bohnen von ihren Fäden zu befreien. Auf Befragen erklärte er mit Nachbruck, baß er niemanben kenne, ber biese Arbeit zur Zufriedenheit ausführen könne, unb so müsse er sie selber erledigen.

In Frankreich ist bie Verbinbung zwischen Dicht­kunst unb Küchenkunst verständlicherweise besonders

Hier haben wir eine Stadt gebaut, hat geheißen : Buenos Aires, bas ist auf DeutschGuter Winb". So lesen wir in einem kleinen Büchlein, in bem ber deutsche Patriziersohn Ulrich S ch m i b e I aus Straubing in Bayern seine Erlebnisse, Fahrten unb Kriegszüge im heutigen Argentinien vor 400 Jahren schildert, unb bas ben Titel trägt:Wahrhaftige Historie einer munberbaren Schiffahrt, welche Ulrich Schmibel von Straubing von 1534 bis 1554 in America ober Neuewelt bei Brasilia ober Rio be la Plata getan. Was er in biefen 19 Jahren aus- geftanben unb was für seltsame ßänber unb Leut er gesehen. Durch ermelbeten Schmibel selbst be­schrieben."

Die Feiern unb Festlichkeiten, bie zur Erinnerung an bie Gründung ber Stabt Buenos Aires in Argentinien vor 400 Jahren vorbereitet werben, lenken bie Aufmerksamkeit auf biefen jungen Deutschen, ber an ber Entbeckung, Eroberung unb Erschließung bes Lanbes, vor allem aber an ber Grünbung ihrer schönen Hauptstabt einen behut­samen Anteil hat. Wenn Pebro be Menboza durch Enthüllung eines Denkmals zu seinen Ehren als Stabtgrünber gefeiert wirb, so bleiben baneben bie Verbienste besMitdegrünbers von Buenos Aires" unb besersten Geschichts­schreibers berLa-Plata-Länber" unvergessen.

Als unter ber Regierungszeit Kaiser Karls V. in ganz Europa viel von ben großen Schätzen an Golb unb Silber, bie im fernen Sübamerika bei ben Jn- bianerftämmen vorhanben fein füllten, bie Rebe war, vernahm auch Ulrich Schmibel, wie Ernst Ger- Harb I a c o b in berDeutschen Arbeit" ausführt, biese Kunbe. Er, ber als Sahn eines reichen Mannes baheim ein bequemes unb behagliches Leben hätte führen können, würbe von einem mächtigen Taten­drang ergriffen. Er wollte in bie weite Welt hinaus­ziehen unb ba draußen sein Glück versuchen. So fand er sich ein, als wieder einmal ein Zug nach dem Silberstrom", dem La Plata, ausgerüstet wurde.

Folgendermaßen beschrieb er bie Ausrüstung bes Heeres, bem er zugehörte:Bei genannter Stabt Cabiz (Spanien) sind gewesen 14 große Schiffe, mit aller Munition und Notdurft wohl gerüstet, die haben wollen fahren nach Rio be la Plata in Indium. Auch finb allda gewesen 2500 Spanier unb 500 Hochdeutsche, Niederländer unb Sachsen unb unser aller oberster Hauptmann, welcher mit seinem Zunamen geheißen Don Pebro be Menboza. Unter diesen 14 Schiffen hat eins gehört ben Herren Sebastian Neidhardt unb Jakoben Welser zu Nürnberg, so ihren Faktor (ein Angestellter) Heinrich Palmen mit Kaufmannschaft nach Rio be la Plata geschickt. Mit benen bin ich unb anbere Hochbeutsche unb Nieberlänber, ungefähr bis in bie 80 Mann, wohlgerüstet mit Büchsen unb Gewehr

Mich Schmidel und die StadlGuier Mnd"

Zur 400-Lahrfeier von Buenos Aires.

oberste Mappe zur Hand, öffnete sie unb begann. Schon nach ben ersten Worten stockte er. Die Souf­fleuse, welcher ber gaftierenbe Schauspieler Z. sonst alle gewünschten Spielpausen angegeben, für biese Stelle aber keinen besonberen Wunsch geäußert hatte, fürchtete ein Unheil, vielleicht berart, daß er den Text des Berichtes in jene Mappe geschrieben wähnte und ihn nun nicht vvrfand ober baß Schriftstücke vertauscht worben waren, unb währenb sich bieselbe Befürchtung auch der mitspielenben Kollegen zu be­mächtigen schien, sagte sie mit großem Eifer ein unb wiederholte drei- unb viermal benselden An­schlag. _ _

Aber ber Gast bedurfte ihrer Hilfe nicht. Das ge­wahrten auch die mitagierenben Darsteller, benn sie hörten Töne, wie sie sie bei biesem Berichte noch nicht vernommen hatten. Eine Verwunberung, em Staunen klang in seiner Stimme, als ob er nicht begreifen könnte, warum gerabe ihn bas Schicksal dazu ausersehen hatte, diesen erschütternden Be­richt abgeben zu müssen. Tief hinein in ihn selbst griff biese stumme Frage unb erreichte gleichsam ben ganzen Menschen bis auf bie Wege seiner Kinbheit. Dann, als er nach manchen Pausen bes Stockens, in benen biefer Einbruck besonders beut- lich geworden war, feine harte Pflicht erfüllt hatte, war eine ungewohnte Ergriffenheit im Zuschauer­raum und durch die tiefe Ausdeutung dieser Szene wurde die ganze Aufführung in eine Dahn gelenkt, an deren Ende ein unerwartete Erfolg stand.

Der Gast wurde gefeiert, aber er erzählte nie­mandem etwas von der seltsamen Fügung, ber er vielleicht einzig diesen großen Sieg zu verdanken hatte. Als er in der Szene, wo er den Bericht geben mußte, bie Mappe nahm unb aufschlug, war er erstaunt, bas Manuskript eines Bühnenstücks in ben Hänben zu halten unb währenb ihn von ferne her bie Frage erreichen wollte, wie es benn wohl aus bem Theaterbüro unter bie Requisiten geraten sein könnte, steigerte sich seine Verwunberung ms Maßlose: Er las seinen Namen. In kmblichen Zügen stauben ba bie Zeichen seiner Schrift unter dem Titel eines Schauspiels, das Himmel und Erde bewegen sollte. In der Gedrängtheit einer Szene, wo alles aufmerksam seiner Rede lauschte und m einem überdies durch bie Tatsache erhöhten Zu- stanbe, baß er auf Engagement gastierte, begegnete er seiner Jugenb, jener Duelle, bie ihren geheimen Pulsschlag kühn unb mächtig in ben Strom ber Welt tragen wollte. Unb während er mit der lieber» ruschung ringen mußte, in die ihn bas plötzliche i Wiedersehen mit seinem Manuskript versetzt hatte, öffnete sich bie Quelle, als ob ihr bie übermäßige i Spannung ben Ring der Erbe gesprengt hatte, unb ! brach siegend in die Welt.

Dieser Segen des Meeres hatte in ber früheren liberaliftifchen Wirtschaft für ben Fischer nicht im­mer ben flingenben Lohn im Gefolge, ber ihm auf Grunb seiner schweren Arbeit zukam, unb für ben Verbraucher nicht ben billigen Preis, ber möglich war. Wie oft hatte ber Fischer barunter zu leiben, daß er für seine Ware, bie er auf Grunb günstiger Fangergebnisse in ben heimatlichen Hafen brachte, lächerlich niebrige Preise erzielte, weil bie Ware in riesigen Mengen auf ben Markt kam unb ber Er­lös, "ber bei ben Auktionen erzielt mürbe, nicht im entferntesten bas barstellte, was mir heute unter einem gerechten Preis verstehen. Berechtigter Miß­mut unb burchaus begrünbete Unzufriebenheit mä­ren oft neben einem kärglichen Verbienft bie Folge reicher Fangergebnisse. v m

Heute sorgt bie Marktorbnung bes Reichsnahr- ftanbes bafür, baß ber Fischer nichtAngst" zu haben braucht vor großen Fangergebnissen. Die georbnete Bebarssbeckungsmirtschaft im Sinne bes Reichsnährstands sichert ihm ben gerechten Lohn für seine mühevolle unb in ihrem Erfolg nie vor- auszusehenbe schmere Arbeit. Georbnete Absatzmege ermöglichen es heute, für bie reichen Fangergeb­nisse, bie mir in ben letzten Tagen zu verzeichnen hatten unb bie aller Voraussicht nach auch in ben nächsten Wochen noch anhalten merbcn, bem Fischer einen ausreichenben Lohn für feine Arbeit zu ge­währen unb ber Verbraucherschaft im ganzen Reich ben Fisch als gesunbes Nahrungsmittel zu ganz außerorbentlich billigen Preisen zuzuführen.

In ben nächsten Wochen wirb bank biefer georb» neten Absatzverhältnisfe in allen Teilen bes Reiches ein großes Angebot von Fischen auf ben Verzehr warten unb von allen einsichtigen Hausfrauen um so lieber mehr als bisher auf ben Tisch gebracht werben, als bie Fische ebenso gut wie billig unb ebenso nahrhaft wie wohlschmeckenb finb. Der täg­liche Speisezettel kann hierburch äußerst ab­wechslungsreich unb vielseitig gestaltet werben. Unb

barstellen. ... ,..... -----,.... .

Die Deutschen, bie seit Anbeginn ber modernen was noch heute nach Jahrhunberten bem beutschen Kolonisationsgeschichte bis in bie ersten Jahrzehnte Namen zur Ehre gereicht." unseres Jahrhunberts hinein einen machtvollen |

Das Wiedersehen.

Von Gerhard Uhde. \

Der Schauspieler Z. hatte auf Engagement zu ( gastieren. Nach zwanzigjähriger Berufstätigkeit, s nach einer wechselvollen Laufbahn über Schmieren, i Wanbertheater unb Provinzbühnen bot sich endlich i bie Möglichkeit, an bas Theater zu kommen, bas i ihm in seiner Jugend die große Sehnsucht erweckt unb bas trotz Erfahrung unb Reife jenen ursprüng­lichen Glanz für ihn behalten hatte, ber ihm von ber Phantasie bes Knaben verliehen worben war.

Aus biefer Bühne sollte er spielen dürfen, beren Name ihn burch manche bunfle Nacht wie ein Stern begleitet hatte, und nur noch von ihm allein würbe es abhängen, baß seinem Gastspiel ein festes Engagement folgte. Er war in einer Erregung, als ob er zum ersten Male ins Licht ber Scheinwerfer treten sollte, unb die Liebe zu seinem Berufe for­derte in dieser Stunde von ihm den unerschrocke­nen Gang durch alle Verwirrungen eines empfind­samen Herzens, wie ihn ein zaghafter Jüngling für feine Geliebte wagen muß.

Eine Flucht mannigfaltiger Empfindungen jagte wie ein sturmgepeitschtes Wolkenmeer über den Himmel feiner Kindheit, ben er ba oben wußte, rein unb klar, unb wenn ein Fetzen Blau hinburch- fchimmern bürste, leuchtete bie (Erinnerung auf. Wie war es noch? Hatte er nicht einmal gleich als großer Herrscher auf die Bühne springen wollen als ein Dichter mit einem gewaltigen Schauspiel? Ja, er hatte ben Ehrgeiz gehegt, als jüngster jemals aufqeführter Dramenschreiber Erbe unb Himmel zu bewegen unb auf manchem Bogen Papier bas Leben unb ben Sieg eines glühenben Selben bar» zuftellen versucht. Unbefangene Jugenb, bie selbst noch Schöpfer unb Geschöpf zugleich war und nichts von ben Mühen unb Beschwerlichkeiten eines zu gehenden Weges kannte. ...

So betrachtete er seine Kindheit wahrend er zwischen ben Kulissen stand unb auf seinen Auftritt wartete. Da fiel sein Stichwort, unb nun trat er in das Licht ber grellen Lampen hinaus Er spielte einen Felbschreiber, bem in biesem Stucke eine ge­wichtige Rolle zukam. Im Verlause der Szene mußte er seinem Felbherrn einen

Bericht geben, ben er protokolliert hatte. Auf bem Tische, an bem er saß, lag ein Stapel von Akten. Er hatte ihn bei der kurzen vorausgegangenen Ver­ständigungsprobe nicht weiter beachtet, da diese Szene wegen ihrer Einfachheit mit wenigen Worten übergangen wurde. t . ...

Nun war bie Reihe an ihm, das ©cfjnftfturf zu entfalten unb den Bericht vorzulesen. Er nahm bie

Das deutsche Lied im 15. unb 16. Jahrhundert."

Heute abend, 11. Febr., 20.15 Uhr, findet im Großen Hörsaal der Universität ein Liederabend statt. Eintritt frei.

Fahrt zur Automobil-Ausstellung in Berlin vom 22. bis 27. Februar.

Bei dieser Fahrt sind noch Plätze frei. Wir bitten evtl. Anmeldungen umgehend auf der Kreisdienst­stelle Gießen, Schanzenstraße 18, einzureichen. Der Fahrpreis beträgt mit Verpflegung und Eintritt zur Automobilausstellung 27,50 RM.

gibt Auskunft:

Amt für Volkswohlfahri, Gießen-Nord.

Betr.: Pfundsammlung.

Mittwoch, 12. Februar, wird die Pfundsammlung für den Monat Februar im Bereiche der Ortsgruppe von den NSD.-Blockwaltern und -Helfern durch« geführt. ,

Die Hausfrauen werden gebeten, die Spenden bereitzuhalten und den Inhalt der Päckchen auf ber Umhüllung kenntlich zu machen.

PostautoverkehrzumArtiilene Echie en bei Gleiberg.

zugleich trägt derjenige, der den Fijchreichtum nutzt, bazu bei, baß burch restlose Aufnahme ber Fang­ergebnisse bem schwerringenden Fischer eine aus­kömmliche Entlohnung für feine mühevolle Arbeit gewährleistet wird.

Vornotizen.

Tageskalenber für Dienstag.

Stabttheater Gießen.

Heute von 20 bis gegen 23 Uhr das Schauspiel Der Kanzler von Tirol" von Josef Wenter. Spiel­leitung: Kurt Lüpke. Die Vorstellung gilt zugleich als 18. Vorstellung im Dienstag-Abonnement.

Die beiden Nationalpreisträger lesen in Gießen.

Auf Einladung des Goethe-Bundes und des Kauf­männischen Vereins werden am kommenden Don­nerstagabend Richard Euringer unb Eberharb Wolfgang Möller, die Träger des nationalen Buchpreises von 1934 und 1935, aus eigenen Werken lesen. Beide Dichter gelten als ausgezeichnete Mittler ihrer Werke. Es ist zu erwarten, daß unsere Bür­gerschaft diesem literarischen Ereignis besondere Be­achtung schenken wird. (Siehe heutige Anzeige.)

Der Artillerie-Verein Gießen

fordert seine Mitglieder in unserem heutigen An­zeigenteil auf, bei dem Winter-Scharfschießen der Gießener Artillerie-Abteilung am morgigen Mitt­woch bei Gleiberg und am Donnerstaa beim Lol- larer Kopf zahlreich anwesend zu sein. Auf die An­zeige sei besonders hingewiesen.

Hausbesitzer-Verein Gießen.