Ausgabe 
9.12.1936
 
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Hasenpfeffers besonders niedrig angesetzt werden.

Uebertretungen der Preisbestimmung sind mit Gefängnis und Geldstrafe, an deren Stelle in leich­teren Fällen die Ordnungsstrafe treten kann, be- droht.

Zur Durchführung und Ueberwachung der nun- mehr festgesetzten Preise für Wild und Wildgeflügel hat der Reichskommissar für die Preisbildung gleichzeitig eine Verordnung über die P r e i s a u s- geichnungspflicht im Kleinhandel für Wild und Wildgeflügel erlajfen. Die Preisauszeichnungs­bestimmungen dieser Verordnung sind auch auf das Geflügel ausgedehnt worden, da sich bei der Preis­auszeichnung von Geflügel in letzter Zeit erhebliche Mißstände herausgestellt haben.

Wichtig für alle Schaffenden!

DRV. Immer wieder taucht das Gerücht auf, daß die Sozialversicherten künftig nur noch Ein­heitsrenten und diese nur noch beim Nachweis der Bedürftigkeit erhalten sollen. Wie wir von zustän­diger Stelle erfahren, sind diese Gerüchte völlig un­begründet. Für die Renten aus der Sozialversiche­rung ist und bleibt maßgebend das von der Regie-

Am 13. Dezember ist wiederum Lintopfsonntag! Daß Weihnachten für dich und die Deinen ein Fest der Freude ist, verdankst du der Tat des Führers! Sei dankbar durch dein Opfer am nächsten Lintopfsonntag!

rung Adolf Hitlers im Jahre 1933 geschaffene Ver­sicherungsrecht. Hiernach haben die Versicherten, ihre Witwen und Waisen einen vor den Dersiche- rungsgerichten verfolgbaren Rechtsanspruch auf die Rente, der unabhängig davon ist, ob der Be­rechtigte bedürftig ist, oder nicht. Die Höhe der Rente bestimmt sich nach der Zahl und Höhe der Beiträge. Will also ein Versicherter für sich und seine Hinterbliebenen recht hohe Renten erreichen, so tut er gut, freiwillig höhere Beiträge zu entrich­ten, als seinem Verdienst entspricht. Für die Zwecke der freiwilligen Höheroersicherung stehen noch jen­seits der Pflichtklassen besondere Beitragsklassen zur Verfügung, die sich bei der Rentenberechnung, na­mentlich in der Angestelltenversicherung, günstig auswirken. Unternehmer, die über ihre gesetzliche Pflicht hinaus noch freiwillig etwas Zusätzliches für die Altersversorgung chrer Gefolgschaftsmitglieder tun wollen, können die Höherversicherung dadurch fördern, daß sie die entstehenden Mehraufwendun­gen ganz oder teilweise übernehmen.

Vorsicht bei der Annahme beschädigter Neichsbonknoten.

In letzter Zeit werden erneut Noten in den Ver­kehr gebracht, die in betrügerischer Absicht aus Teilen echter Reichsbanknoten über 20 RM. der Ausgabe vom 22. Januar 1929 zusammengesetzt sind. Diese Noten sind daran zu erkennen, daß die einzelnen Teile durch Klebstreifen verbunden sind und zum Teil verschiedene Nummern aufweisen. Es wird deshalb vor der Annahme zerschnittener und wieder zusammengeklebter Noten gewarnt, da tets die Möglichkeit besteht, daß es sich um Fäl- chungen handelt und der Empfänger Gefahr läuft, ie bei der Reichsbank nicht umgetauscht zu erhal­ten. Wenn sich die Zahlung mit derartigen Noten unte< verdächtigen Umständen vollzieht, ist die Kriminalpolizei zu benachrichtigen. Allgemein emp­fiehlt es sich, zusammengeklebte Noten nicht anzu­nehmen, sondern die Inhaber an die Reichsbank zu verweisen.

Sos Weihnachtspaket.

Wie alljährlich, hat die Deutsche Reichspost wie­der in weitestem Umfange Vorsorge für die recht­zeitige Ankunft der Weihnachtspakete getroffen. Auf der Bahn und auf den Straßen sind außergewöhn­liche Postoerbindungen eingerichtet und die Zustell­wagen, ebenso die Annahme-, Verlade- und Zustell­kräfte überall vermehrt worden. Die Absender von Paketen sollten bei aller Vorfreude aber auch daran denken, daß plötzliche Schneefälle, Eis usw. den Der- kehr stark behindern können und daß gerade vor dem Fest leicht Verspätungen und Anschlußoerfeh­lungen eintreten. Darum also: Weihnachts­gaben nicht er st in allerletzter Stunde bei der Po st einliefern! Während des Weihnachtsverkehrs nehmen die Postanstalten nach

Kolonialbeutscher Abend.

Die Ortsgruppen Gießen des Reichs­kolonialbundes und des Sparerbundes veranstalteten gemeinsam imBurahof" einen kolonialdeutschen Abend, zu dem der Ortsgruppen- sührer Schneider willkommen hieß. Sein be­sonderer Gruß galt dem Kreisverbandsführer des Reichskolonialbundes, Universitäts-Prof. Dr. Hum­mel, der über die Neugestaltung der kolonialen Verbände sprach und deren Untergliederungen in Gaue und Kreise. Durch die in Oberhessen sehr rege Arbeit für den kolonialen Gedanken sind be­reits Grundlagen geschaffen worden. Ganz beson­ders anerkennend sprach sich der Kreisoerbands­führer über die vorbildliche Zusammenarbeit in Gießen und in dem jetzt von ihm geführten Kreise Wetterau aus. Auf dem Wege zum gemeinsamen Ziel der Durchdringung des ganzen Volkes mit dem kolonialen Gedanken wertete er insbesondere die Arbeit des bisherigen Kolonialbundes in Gie­ßen, dessen Führer Schneider er mit der Führung der neuen Ortsgruppe des Reichskolonialbundes be­traute. Zum Schluß wies Prof. Hummel auf die großen Aufgaben hin, die dem neuen Reichsbund erwachsen sind.

SparerbunLsmitglied und Kolonialfreund Missio­nar Walther sprach hierauf über das Thema Meine Erlebnisse in Kamerun vor Kriegsaus­bruch". Don seiner Abfahrt mit dem Dampfer aus beginnend schilderte er sehr eindrucksvoll seine Reise. An Hand von Bildern schilderte der Redner die Schönheiten und die Fruchtbarkeit jener deutschen Kolonie. Auf die vielseitigen Aufgaben des Mis­

sionars als Lehrer und Menschenfreund eingehend, ließ der Redner die Vielseitigkeit dieser von den Deutschen geleisteten Arbeit erkennen, von der er viele erfreuliche Erlebnisse zu berichten wußte. Seine Ausführungen ließen die eigenartigen Sitten und Gebräuche der Neger verständlich werden und zeigten auch die landschaftliche Schönheit und vor allem die Fruchtbarkeit Kameruns, das dem Dater- lande Baumwolle, Zitronen, Gummi, Ananas, Kaffee und viele andere Rohprodukte und Früchte, vor allem auch Oel lieferte. In seinem Schlußworte wiederholte der Redner die Forderung nach der Rückgabe deutscher Kolonien, die deutsche Männer und Frauen in mühsamer Arbeit erschlossen hatten.

Ortsgruppenführer Schneider dankte dem Mis­sionar für die ausgezeichneten Ausführungen, und Kolonialfreund Stephan unterstrich an einem persönlichen Erlebnis in den Kolonien die segens­reiche Arbeit der deutschen Missionare. Der Orts­gruppenführer des Sparerbundes, Lorenz, ver­wies auf die gemeinsamen Bestrebungen der beiden Bünde, die sich auf der Forderung nach Recht und Freiheit für oas Vaterland gründeten. Nach der Neugründuna des Reichskolonialbundes habe die korporative Mitgliedschaft des Sparerbundes zum Kolonialbund aufhören müssen, aber den Mit­gliedern des Sparerbundes ist es unbenommen, sich nun als Einzelmitglieder dem neuen Reichskolonial­bund anzuschließen. Bei den Darbietungen der Musikabteilung des Kolonialbundes verweilten die Erschienenen noch einige Zeit in angeregter Unter­haltung.

Möglichkeit auch außerhalb der Schalterstunden Päckereien ohne besondere Eivlieferungsgebühr an und vermehren, wo es nötig ist, die Paketannahme­schalter. Wenn die Sendungen unversehrt und recht­zeitig in die Hände des Empfängers gelangen sol­len, bann ist es unbedingt nötig, sie gut zu ver­packen und fest zu verschnüren. Dabei soll man für kleinere Päckchen, die zusammen mit den Paketsendungen befördert werden, nicht schwache Pappschachteln verwenden, die leicht eingedrückt wer­den. Die Aufschrift muß haltbar angebracht wer­den, die Anschrift des Empfängers vollständig und deutlich fein; auch die Angabe des Absenders darf auf keiner Sendung fehlen. Obenauf in jede Sen- duna lege man ein Doppel der Aufschrift, damit die Sendung auch dann ihr Ziel erreicht, wenn einmal die äußere Anschrift verlorengehen sollte.

Generalversammlung des OOAL. Giehen.

Der Deutsche Automobilclub (DDAE.), Ortsgruppe Gießen, vereinigte gestern abend seine Mitglieder zur Generalversammlung im Hotel Schütz. Der Leiter der Ortsgruppe, Dr. Kreger, erstattete zunächst den Jahresbericht und schickte seinen Aus­führungen über die Tätigkeit der Ortsgruppe zu­nächst eine Darstellung der Gesamtlage des DDAE. voraus. Er wies besonders darauf hin, daß der Gesamt-DDAC. erfreulicherweise im vergangenen Jahre erheblich an Mitgliedern, gewonnen habe. Durch die neue Sachlage, die sich ergab, nachdem die Durchführung großer autorennsportlicher Ver­anstaltungen in Zukunft nicht mehr durch den DDAE. veranlaßt wird, wird sich der Verband in Zukunft mehr der Touristik zuwenden. Zu diesem Zweck wurde z. B. bereits in unserem Gau ein kraftfahrtouristischer Heimatwettbewerb unter dem TitelDurch den Kurgarten Europas" ausgeschrie­ben. Für diesen Wettbewerb wurden 108 Stempel­stellen in unserem Heimatgebiet geschaffen. Diese Stempelstellen sollen nach Möglichkeit im Laufe eines Jahres besucht werden. Für diejenigen Kame­raden, die die meisten dieser Stempelstellen an­fahren, sind wertvolle Preise ausgesetzt. Der Wett­bewerb erscheint geeignet, den Kraftfahrer in ein enges und herzliches Verhältnis zur Heimat zu bringen.

In feinen weiteren Ausführungen wies Dr. Kre­ger darauf hin, daß es den Ortsgruppen unbe­nommen sei, auch in Zukunft und intern sportliche Veranstaltungen durchzuführen. Das wird auch im kommenden Jahre für die Ortsgruppe Gießen wie­der der Fall sein, und zwar soll eine Ballon- verfolgungsfahrt und eine Wochenend­fahrt in d i e Pfalz stattfinden. Im Laufe des nächsten Jahres ist ferner vorgesehen, eine Fahrt mit Richtern und Staatsanwälten durch die Stadt

und ihrer Außenbezirke zu unternehmen, um damit den Vertretern der Justiz eine Möglichkeit zu geben, Verkehrssünder zu beobachten. In seinen weiteren Mitteilungen gab Dr. Kreger davon Kenntnis, daß sich der Mitaliederstapd der Ortsgruppe von 186 auf 215 erhöht habe. In der Werbung neuer Mit­glieder steht damit die Ortsgruppe Gießen des DDAE. im Gau Hessen an dritter Stelle. Für die kraftfahr-rechtliche Beratung seiner Mitglieder hat die Ortsgruppe Rechtsanwalt Dr. Wämser zum Syndikus verpflichtet. Zum Schluß seines Jahres­berichtes teilte der Borsitzende mit, daß anfangs des nächsten Jahres eine große Faschingsoeranstattung des DDAE. stattfinden solle.

Nachdem der Kassenbericht erstattet war, hielt Rechtsanwalt Dr. Wämser ein aufschlußreiches Referat über das ThemaDie Rechtsprechung bei Gefälligkeitsfahrten."

*

** Der Iustizdienst am 2. Januar 19 3 7. Der Reichsminister der Justiz hat unter Bezugnahme auf einen Beschluß des Reichskabi­netts angeordnet, daß der Dienst der Justizbehör­den am 2. Januar 1937 als Sonntagsdienst ge­regelt wird.

** Personalveränderungen im Ober- landesgerichtsbezirk Darmstadt. Im Bezirk des Oberlandesgerichts Darmstadt-Hessen wurden mit Wirkung vom 1. Januar 1937 ab er­nannt: Amts- und Landrichter Dr. Wolfgang P r e i s e r (Frankfurt a. M.) zum Landgerichtsrat beim Landgericht Mainz; Amts- und Landrichter Karl Bornemann (Frankfurt a. M.) »um Land­gerichtsrat beim Landgericht Darmstadt; Gerichts­assessor Dr. Walter Möller (Gießen) zum Land­gerichtsrat beim Landgericht Mainz; Gerichtsassessor Dr. Oskar Rede! (Darmstadt) zum Landgerichts­rat beim Landgericht Darmstadt; Gerichtsassessor Adolf Rechel (Darmstadt) zum Landgerichtsrat beim Landgericht Mainz; Gerichtsassessor Dr. Hans I ü n g st (Gießen) zum Amtsgerichtsrat beim Amts­gericht Bensheim; Gerichtsassessor Lutz Bechtold (Gießen) zum Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Mainz; Gerichtsassessor Ernst Doll (Alzey) zum Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Offenbach; Ge­richtsassessor Hans Schlottermann (Offenbach) zum Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Offenbach und Gerichtsassessor Walter Scheu (Darmstadt) zum Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Offenbach.

** Ernennung. Ernannt wurde unter ^Be­rufung in das Beamtenverhältnis und dem Vor­behalt des jederzeitigen Widerrufs der Verwal­tungsanwärter Emil Lenz in Gießen zum 23er- waltunqspraktikanten im hessischen Landesdienst.

** Ein Fünfundsiebzigjähriger. Am heutigen Mittwoch kann der Gasarbeiter i. R. Friedrich Schäfer, Wetzsteingasse 32 wohnhaft, seinen 75. Geburtstag begehen

** Preisgekrönte Kanarienzüchter. Bei der am 7. Dezember im Kanarienzucht- und Dogelschutzverein durchgeführten Prämiierung dec diesjährigen Nachzucht durch den Preisrichter K. Becker, Gießen, placierte sich wieder der Stamm des Züchters Heinr. Schmidt (Gießen) mit 303 Punkten an erster Stelle; er erhielt den Ehrenpreis der Vereinigung Deutscher Kanarien­züchter; an zweiter Stelle stand P. D i tz e l mit 297 Punkten; an 3. und 4. Stelle wieder Hch. Schmidt mit 297 bzw. 288 Punkten; an 5. Stelle P. Ditzel mit 282 Punkten; an 6. Stelle Th. Judt mit 264 Punkten; an 7. Stelle Aug. Hatz mit 258 P. und an 8. Stelle derselbe Züchter mit 162 Punkten.

* Autozusammenstoß. Am gestrigen Dienstagmittag ereignete sich an der Kreuzung Gar- tenstraße-Ludwigstraße ein Zusammenstoß zweier Personenautos. Dabei stürzte ein Auto um, wäh­rend das andere gegen das nahegelegene Wohnhaus fuhr. Beide Kraftwagen wurden beschädigt, dagegen kamen die Insassen bis auf einen Mann, der gering­fügige Hautabschürfungen erlitt, unversehrt davon. Ein weiterer Autozusammenstoß ereignete sich am gestrigen Dienstag gegen 18 Uhr an der Ecke Wilhelmstraße/Ludwigstraße. Dort waren ebenfalls zwei Personenwagen zusammengerannt, von denen einer umstürzte, während das andere daneben stehenblieb. Auch in diesem Falle wurden beide Wagen beschädigt, während die Insassen unversehrt blieben.

Große Strafkammer Gießen.

In der gestrigen Sitzung der Großen Strafkam­mer wurde zunächst in nichtöffentlicher Sitzung gegen den 65jährigen P. W. von Gießen verhandelt, dem Vornahme unzüchtiger Handlungen an Kindern unter 14 Jahren zur Last gelegt wurde. W. wurde unter Zubilligung mildernder Umstände zu fünf Monaten Gefängnis, unter Anrechnung von 5 Wochen Untersuchungshaft, oerurteilt.

Sodann wurden zwei Berufungsverhandlungen durchgeführt

Der 45jährige Karl Wick aus Köppern hatte sich am 25. April d. I. in Rodheim v. d. H. gegenüber Politischen Leitern dieses Ortes abfällig geäußert. Er war dafür vom Schöffengericht Gießen zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten verur­teilt worden. Mit der eingelegten Berufung wollte er eine Ermäßigung der Strafe erreichen. Die Strafkammer kam jedoch mit Rücksicht auf die Vor­strafen des Angeklagten, sowie mit Rücksicht dar­auf, daß in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung zwei Zeugen infolge Beeinflussung durch den An- een fast einen Meineid geleistet hätten, zu der

, , daß die vom Schöffengericht ausgesprochene Freiheitsstrafe durchaus angemessen sei, und es verwarf daher die Berufung des Angeklagten.

Der 53jährige H. K. aus Gießen war am 4. No­vember vom Schöffengericht Gießen wegen Urkun­denfälschung zu einer Gefängnis st rafe von 1 Monat verurteilt worden. Ihm war zur Last gelegt, in einem Lehrvertrag, den er mit dem ge­setzlichen Vertreter eines bei ihm in der Lehre be­findlichen Jungen abgeschlossen hatte, nach Unter­zeichnung des Vertrages einseitig eine Abänderung Dorgenommen und von dem Vertrag in einem Rechtsstreit Gebrauch gemacht zu haben. Der An­geklagte, der die Slbänberung an sich zugab, be­hauptete jedoch, er habe sich zur Abänderung berech­tigt gehalten, da der Lehrvertrag insoweit mit den tatsächlichen Abmachungen nicht Übereinstimme. Diese Einwendung konnte dem Angeklagten nicht widerlegt werden Das Gericht kam daher, unter Aushebung des erstinstanzlichen Urteils, zu einem Freispruch und zur Belastung der Staatskasse mit den Kosten des Verfahrens.

Amtsgericht Gießen

Vor den Schranken des Amtsgerichts standen wieder drei Bettler. Zwei wurden zur höchstzuläfsi- gen Haft strafte von j^ sechs Wochen ver­urteilt, außerdem wurde gegen beide gewerbsmä­ßige Bettler die Unterbringung in ein Arbeitshaus angeordnet. Der dritte Bettler kam diesmal mit einer Haftstrafe von vier Wochen davon, lieber kurz ober lang wirb er sich auf bie Unter­bringung im Arbeitshaus gefaßt machen müßen, wenn er sich nicht enblich besinnt urtb einsieht, baß er auf dem eingeschlagenen Wege nicht weiter kommt.

Ein Lollarer Einwohner fuhr am 14. Juli mit feinem Personenkraftwagen mit Anhänger von der

Gute Möbel bei Koos

:____Giessen Schulstn6

Wege im Nebel.

Boman von Käthe Meiner.

(Copyright by Aufwärts-Verlag, Berlin SW 68.)

28 Fortjetzung. (Nachdruck verboten.)

Es war inzwischen dämmrig geworden.

Die alte Dame hatte ihren Platz am Tisch ver­lassen und saß jetzt in einem der Korbsessel, die in dem blumengeschmückten Erker aufgestellt waren, und von dem aus man einen Blick in den weit­läufigen Garten hatte.

Nie, nie hätte es dahin kommen dürfen!" sagte sie laut vor sich hin.Ich, gerade ich hätte es ver­hindern müssen! Und doch--konnte ich es ver­

hindern? Stand nicht alles auf dem Spiel? Alles?"

Wie im Traum schloß die alle Frau die Augen.

Damals...

Ein Krankenzimmer.

Auf weißem Laaer eine bleiche, abgezehrte Ge­stalt. Bernard Heller, ihr geliebter Bruder, dessen Züge vom Tobe schon gezeichnet waren. Stöhnend warf er sich in ben Kissen hin und her. In qual­voller Angst kamen ihm bie Worte über bie Lippen:

Amalie, Schwester! So hilf mir boch! Gib mir einen anberen Rat, wenn bu kannst! Willst bu denn, baß bas Kinb in Armut lebt, in bitterster Armut? Janna, meine verwöhnte kleine Janna! Willst bu, baß bas Grunbstück, bas Haus, das noch die Großeltern erbaut haben, daß euch all das ver­lorengeht, daß die herrlichen Bilder, die unersetz­lichen Andenken unter den Hammer kommen? Daß der gute alte Name in den Staub gezogen wird?

Und das Glück deines Kindes, Bernard? Ist bas nicht mehr wert als aller Besitz?"

Niemanb kann glücklich fein, ber in Armut und Einsamkeit lebt, Amalie! Und Janna wirb auch mit Rammelt glücklich werben! Ralf Rammett liebt boch Janna! Liebt sie leidenschaftlich! Und er ist mein Freund und will so viel für mich tun! Ich kann und will mein Wort an ihn nicht zurück­nehmen!"

Aber Janna liebt chn doch nicht, Bernard! Aller Reichtum kann ihr nicht Liebe und Glück ersetzen!"

So wird sie ihn lieben lernen! So wie sie Ger­hard Brand geliebt hat, wird sie doch keinen Mann mehr lieben können!"

Und trotzdem. Bernhard ..."

Da hatte sich Bernard Heller in unsäglicher Qual in seinem Bett aufgerichtet.

Und wenn du es denn nicht einsiehst, Amalie, so muß ich dir bie Wahrheit sagen, bie mich zwingt, so zu hanbeln! Ich habe nicht nur alles verloren, was ich hatte ich habe auch Schulden, Amalie, große Schulden an andere an dich und auch an Rammelt selbst--. Ich habe

spekuliert, verspekuliert--Wenn Ralf nicht ein­springt --soll mein Name auch noch im Tobe

geschändet fein? ... Ach Amalie, verzeiht mir, könnt ihr mir verzeihen?"

Draußen war es gänzlich dunkel geworben.

Immer noch starrte Amalie von Bergmann burchs Fenster, als konnte sie bie Gestalt ihres toten Brubers noch einmal vor sich sehen.

Was zwischen Janna unb ihrem Vater bespro­chen war, wußte sie kaum. Janna hatte chr nur mit leiser Stimme am Tage nach ber Beeidigung erklärt, baß sie entschlossen sei. Rammelt zu hei­raten. Dann hatte Rammelt bas Haus, wie er sagte, für sich unb Janna, von ben Gläubigern zurückge­kauft, hatte bie übrigen Schulbsummen bezahlt, hatte sie unb Janna zu nie aufhebbarem Dank verpflichtet.

Unb fast zwei Jahre waren nun barüber ver­gangen, zwei lange Jahre fast, in benen sich Janna meisterhaft beherrscht, sich ehrlich bemüht hatte, mit ihrem Verlobten auszukommen, ihm Vertrauen entgegenbringen zu lernen. Unb nun war es schein­bar auch mit ihrer Kraft zu Enbe! Unb sie selber, Amalie von Bergmann, war ihr in ihrem schweren Kampf eine schlechte Beraterin gewesen, hatte sie burch ihr verschlossenes, melancholisches Wesen zurückgestoßen, anstatt ihr zu helfen, sie sich aus­sprechen zu lassen! War es ein Wunber, wenn Janna sich auch ihrerseits zurückzog, das alte Ver­trauen zu ihr nicht mehr aufbrachte?

Aber bas soll nun anbers werben!" sagte bie alte Dame vor sich hin, währenb sie sich langsam erhob unb sich im Dunkeln zum Lichtschalter tastete.

Dann klingelte sie bem Mäbchen.

Geben Sie mir bitte mein Schreibzeug, Minna! Unb warten Ste bann einen Augenblick!"

Schnell brachte bas Märchen ifr das Verlangte.

Dann setzte sich Frau von Bergmann zum Schrei­ben nieber unb gab bann ben Brief bem Mäbchen zur sofortigen Besorgung mit.

Als Gerharb Branb bie breiten Stufen zur Bergmannschen Villa emporftieg, fanb er zu seiner Verwunberung bie Haustür unverschlossen, unb ba auf sein Klingeln niemand zu hören schien, trat er nach kurzem Zögern ein. Ein eigentümliches Gefühl beschlich ihn, als er sich ins Innere des Hauses begab. Sinnend blieb er ehren Augenblick stehen. Nichts schien sich verändert zu haben, seit er bas letztemal in biefen Räumen geweilt,--

vor nun mehr als zwei Jahren!--Mit Janna!

---Wie glücklich waren sie bamals gewesen!

Was wünschen Sie, bitte?"

Fast erschrocken fuhr Gerharb aus feinem Sin­nen empor.

Auf bem Treppenabsatz ftanb Frau von Berg­mann.

Verzeihen Sie, gnäbige Frau! Ich fanb bas Haus unverschlossen, unb ba niemanb auf mein Klingeln öffnete ..."

Ach so, ja, bas Mäbchen ist im Augenblick nicht ba. Wollen Sie sich bann bitte heraufbemühen!"

Unb was wünschen Sie also, unb mit wem habe ich bas Vergnügen?"

Mit einer leichten Hanbbewegung bot Amalie von Bergmann ihrem Gast ihr gegenüber Platz an.

Verehrte gnäbige Fxau--zuerst möchte ich

--" begann Gerharb zögernb,bitte erschrecken Sie nicht---"

Um Gottes willen!" fiel bie alte Dame ein, es ist boch nicht etwa mit Janna etwas passiert?"

Frau von Bergmann war bleich geworben, unb Gerhard bereute es jetzt fast, sich nicht angemelbet zu haben.

Nein, nein!" versicherte er schnell,wirklich, es nt nichts mit Janna geschehen!"

Aber Sie scheinen doch Janna zu kennen, so sagen Sie mir boch, wer Sie sind!"

Fast ungeduldig sah bie alte Dame ihn an.

Ich bin Gerharb Branb .. .1"

Gerharb Branb!!?"

3n tiefstem Erstaunen rief Amalie von Bergmann es aus. Blickte ben großen blonben, sympathisch aussehenben Menschen, ber ihr gegenübersaß, bann ernst unb burdjbringenb an.

Gerharb Branb? Der Verlobte meiner Nichte?

Der seit zwei Jahren als vermißt galt? Ich bitte Sie, sprechen Sie boch!"

Ja, ber bin ich, Frau von Bergmann! Sannas Verlobter! Nur wie burch ein Wunber bin ich ge­rettet worben, nach unsäglichen Mühen roieber in ber Heimat gelandet,---mir mein Glück zu

holen--"

Und um zu finden, daß ein anderer es sich be­reits geholt hat", erwiderte Amalie von Bergmann leise.Aber haben Sie denn Janna schon gesehen? Weiß sie--?"

Gerhard nitfte.

Sa, Frau von Bergmann! Sanna weiß alles! Ich habe sie in Oberhof wiedergesehen---"

Dann erzählte er, verhehlte nichts, die Freude der wenigen Tage, die Angst Sannas, ihren Bericht von dem Gegenübertreten mit ihrem Verlobten, ber offenbar jebe Aussprache mit ihr habe verhindern wollen.

Sn tiefer Erregung hörte Amalie von Bergmann Gerhard Brands Erzählung zu Reichte ihm bann ergriffen bie Hanb, sagte ihm immer roieber, wie sehr, wie unenblich sie sich freue, ben besten Freund ihrer Sanna kennenzulernen, wie sehr sie ihm dank­bar sei für sein Vertrauen!"

Natürlicher wäre es freilich gewesen, wenn Janna mir selber von alledem berichtet, es mir an- vertraut hätte!" fügte sie traurig hinzu.Aber ich kann es wohl verstehen .. Ich selber bin ja schuld daran, habe sie durch mein wortkarges Wesen zu­rückgestoßen! Ader sagen Sie mir nun, was soll geschehen? Wie können roir Janna helfen? Frei­willig wirb Ralf Rammelt Sanna niemals auf» geben, bazu kenne ich ihn zu gut Zwingen aber, --nach allebem was er für uns getan hat, nach aliebem, was wir ihm schulden? Unmöglich!"

Um Ihnen auf Shre Frage antworten zu kön­nen, müßte ich vor allem ein klares Bild über bie Verhältnisse haben, bie zu ber bebrängten Notlage Ihres Herrn Brubers und zu der Verlobung San­nas mit Rammett geführt haben! Ich bin nicht ohne Vermögen. Vielleicht würde sich Herr Dr. Rammelt bereitfinden, die ursprünglich von Sjmen geschuldeten Gelder von mir zurückzunehmen! Wen« Sie mit also vertrauen wollen---"

Amalie von Bergmann nickte dankbar:

Ganz gewiß vertraue ich Ihnen, Herr Brand! Wer anders hätte ein Recht darauf, alles zu er* fahren als Sie?!" (Fortsetzung folgt) .