Ausgabe 
9.10.1936
 
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Das Kabinett Slum Bl dem Druck der Kommunisten nach.

Trotz lebhaften Protestes -er Bevölkerung werden zehn kommunistische Versammlungen in Elsaß-Lothringen genehmigt.

Parts. 9. Okt. (DJIB. Funkspruch.) Die Ver­handlungen des Innenministers und des Vlinifter- präsidenten mit der kommunistischen Partei über für Samstag und Sonntag geplante D e m o n - strationen der Kommunisten in Elsaß- Lothringen haben nicht das von der Regie­rung gewünschte Ergebnis gehabt. Man hatte ge­hofft. die Kommunisten angesichts der in Elsah- Lothringen herrschenden Erregung zur Verta­gung ihrer Kundgebungen bewegen zu können. Sie haben jedoch darauf bestanden, von den ursprünglich vorgesehenen 127 Versammlungen doch 10 abzuhalten. Die Regierung hat sich schliehlich damit einverstanden erklärt, unter der Be­dingung. bah keine öffentlichen Umzüge im Anschluh an die Versammlungen stattfinden.

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Die kommunistischen Parteistellen versuchen, ihren Beschluß mit der scheinheiligen Behauptung .zu rechtfertigen, daß in den Grenzlanden die Feuerkreuzler gegen die republikanische Ord­nung agitieren. Die$)umanite", die aus dem kommunistischen Druck auf die Regierung gar kei­nen Hehl macht, glaubt ankündigen zu können, daß die Verhaftung de la Rocques bevor­stehe, da man bei Haussuchungen belastendes Ma­terial gefunden habe.

Gegen Oberst de la Rocque und einige seiner engsten Mitarbeiter ist in der Tat ein gericht­liches Verfahren eingeleitet worden. Er hat daraufhin an seine Anhänger einen Aufruf er­lassen, in dem es heißt, daß die an der Macht be­findliche Regierung unter dem Moskauer Terror allen Erpressungen nach gebe. Die an­gewandten Methoden seien von den Methoden der Tscheka und der GPU beeinflußt.Im Namen Frankreichs und im Namen der Anständigkeit verlangen wir die Auflösung der kommu­nistischen Partei, die der erklärte Feind unserer Verfassung ist. Wir for­dern auch die Verhaftung ihrer Führer, die die französische Regierung mit Beschlag belegt haben."

Daß mit dem Feilschen um die Zahl der kommunistischen Veranstaltungen in Elsaß-Lothrin- gen die Angelegenheit noch längst nicht abgetan ist, geht aus Pressestimmen hervor. So schreibt das Echo de Paris":10 oder 127 Versammlungen, die kommunistischen Veranstaltungen in Elsaß- Lothringen bleiben eine Provokation. Es ist unglaublich, daß die Regierung sich zu Helfershelfern der Moskowiter macht. Wiederum haben Blum und Salengro ihre Macht­befugnisse mißbraucht."

Lebhafte Empörung in Maß-Lothringen.

Entschiedene Verwahrung gegen die bolschewistische Provokation.

Wie recht die Oppositionspresse hat, ergibt sich aus einem Aufruf des BlattesDer Elsässer" unter der UeberschriftHinaus mit der Mos­kau - B r u t". än dem Aufruf heißt es u. a.:

Kommen diese roten Agenten, um uns die be­rühmte Bruderhand zu reichen? Dort, wo sie das Zepter schwingen, herrscht Sklaventum, Mord und Vernichtung. Wir alle sehen im Geiste den blutig-roten Himmel des unglücklichen Spa­niens, mit allen bestialischen Methoden, die aus Sowjetrußland eingeführt find. Wir verwahren uns mit aller Entschiedenheit gegen die dreisten Provokationen bolschewistischer Agenten im Elsaß wie in Lothringen.

Und daß wir nicht allein stehen, beweist ein Aufruf, der an unseren Plakatsäulen im ganzen Land zu lesen sein wird unter dem TitelW i r dulden das nicht!" Es heißt darin: Die kom­munistische Partei greift das Elsaß an. Die Agita­tionskampagne, die von Moskau befohlen wurde, soll am nächsten Sonntag beginnen.

Das altehrwürdige Elsaß erhebt sich in Massen ohne Meinungs- oder Parteiunterschiede gegen

diese Provokation! Dir wollen hier bei uns den Frieden. Wenn die öffentliche Behörde ihre Pflicht nicht erfüllt, und diese Verseuchung nicht verbietet, so werden wir das Beispiel der pariser nachahmen, die am letzten Sonntag die rote Fahne zurück- gedrängt haben.

Die Regierung sei somit gewarnt, schließt das Blatt. Moskau werde weder in Elsaß noch in Lothringen jemals Meister werden. Wenn die Regie­rung die Elsaß-Lothringer vor dieser Pest nicht schützen könne oder wolle, dann werde sich das Volk s e l b st zu helfen wissen.

Bedrohliches Anwachsen der anarchistischen Bewegung in Frankreich.

Paris, 9. Okt. (DNB) Die Sicherheitspolizei hat in letzter Zeit, wie der Temps meldet, ein gefähr­liches Anwachsen der anarchistischen Bewegung, vor allem in Paris, festgestellt. Früher fanden sich zu den anarchistischen Versammlungen 100 oder 200 Personen ein. Jetzt werden diese Versammlungen von einigen tausend Personen besucht. Diese Bewegung wird von der Regierung mit einiger Sorge beobachtet. Die E x t r e m i st e n , die auf den Erfolg der Kommunisten und den Sieg der Revo­lution und des Antimilitarismus in Frankreich ge­hofft hatten, verlassen angeblich die kom­munistische Partei, um in die Reihen der Anarchisten einzutreten.

Wieder eine Fabrikbesehung in Paris

Paris, 9. Okt. (DNB. Funkspruch.) Eine Pa­riser Papierfabrik wurde am Donnerstag von der Belegschaft kurzerhand besetzt, weil man plötzlich entdeckt hatte, daß der von der Werksleitung täg­lich verabreichte Tee un gezuckert sei! Die in der Fabrik beschäftigten Frauen st e l l t e n ein Ultimatum und als sie keine Antwort erhiel­ten, belegten sie die Werksräume mit Beschlag.

Moskau -ecki die Karten auf.

Oer Vorstoß -er Sowjetunion zugunsten -er spanischen Marxisten im Lon-over Wchteinmischungsausschuß.

Moskaus Hofe.

Moskau, 8. Okt. (DNB.) Der Vertreter der Sowjetunion K a g a n hat, wie bereits gemeldet, am Mittwoch dem Londoner Nichteinmischungsaus­schuß eine Erklärung abgegeben, die einen eindeu­tigen Vorstoß zugunsten der roten Machthaber dar­stellt. In dieser Erklärung, die offenkundig den Zweck verfolgt, von der ständigen Einmischung Moskaus in die spanischen Ereignisse abzulenken, wird u. a. auf Noten der Madrider Re­gierung Bezug genommen, in denen diese bei den Regierungen Deutschlands, Ita­liens und Portugals gegen dieununter­brochene Unterstützung mit Kriegsmaterial" p ro­te stiert habe, die diese Länder den spanischen Nationalisten angeblich angedeihen lassen. Die Madrider Regierung habe von dem Inhalt dieser Noten auch allen anderen Teilnehmern an dem Nichteinmischungsabkommen mit der Bitte Kennt­nis gegeben, Maßnahmen zur Beseitigung des Zu­standes zu ergreifen, da die Madrider Regierung dadurch in die Lage einer tatsächlichen Blockade ge­raten sei, während dieMeuterer" ungehindert von verschiedenen Seiten Kriegsmaterial erhalten hätten. Es folgt dann eine Aufzählung von angeb­lichen Verstößen gegen das Nichteinmischungsabkom­men durch die Lieferung von Kriegsmaterial, wo­rauf die Erklärung Kagans zu folgendem Schluß kommt:Die Sowjetregierung kann sich keinesfalls damit einverstanden erklären, daß das Abkommen über die Nichteinmischung in einen Schutz verwan­delt wird, der die militärische Unterstützung der Meuterer durch einige Teilnehmer an diesem Ab­kommen gegen die rechtmäßige spanische Regierung tarnt. Die Sowjetregierung sieht sich daher genötigt zu erklären, daß sie sich, wenn die Verletzungen des Nichteinmischungsabkommens nicht unverzüglich auf­hören, frei von den Verpflichtungen erachten werde, die sich aus dem Abkommen ergeben."

Eine beispiellose Frechheit."

Einhellige Ablehnung in der englischen Presse.

London, 9. Okt. (DNB. Funkspruch.) Zu der Sowjetdrohung, die rote spanische Regierung aktiv unterstützen zu wollen, meint dieXimes , daß propagandistische Erwägungen im Hinblick auf die gegenwärtigen Diskussionen der Arbeiterpartei in Edinburg die Sowjetpolitik wesentlich beeinflußt hätten. Der russische Verdruß erkläre sich aus der Tatsache, daß die Nationalisten immer näher auf Madrid rückten, und daß die Lage der Links­regierungverzweifelt werde. Moskau be­fürchte nun, die Niederlage der Roten in Spanien werde sich auf die gesamte kommuni- stische Aktion in Europa auswirken. In Moskau hoffe man wohl, durch eine Versorgung der Madrider Regierung mit Kriegsmaterial das Glück noch einmal zugunsten der Roten wenden zu können. Der Geist der Zerstörung und Anarchie sei ein so wesentlicher Teil des kommunistischen Pro­gramms, daß der Verdacht aufkommen müsse, ob die sowjetrussische Regierung nicht etwas unter­nehme, um den Konflikt allgemein zu machen.

DerDaily Telegraph" meint, die Moskauer Drohung habe die Absicht, der Regierung Blum und in einem geringeren Umfange auch der Regierung Englands Schwierigkeiten zu machen. Die Möglichkeit des Abschlusses eines West Paktes ohne gleichzeitige Regelung für den Osten habe Moskau besonders erregt. Das zeige auch der sowjetrussische Versuch, die vorgesehene Fünfmächte-Konferenz zu blockieren. Was England anlange, so suche Moskau wahr­scheinlich, der Regierung neue Schwierigkeiten mit der Arbeiterpartei zu bereiten in einer Zeit, wo die vollste Zusammenarbeit zur Durchführung des Aufrüstungsprogramms notwendig sei.

Daily Mail" sagt, die Sowjetdrohung sei eine beispiellose Frechheit. Die Sowjets hätten niemals ihr Versprechen der Nichtein­mischung gehalten. Die spanische kommuni­stische Regierung sei ein Kind des bolschewistischen Komplotts und bolschewistischen Geldes, das immer noch von Moskau nach Madrid zusammen mit Le­bensmitteln hereinströme. Der wahre Grund sei der Versuch, auf die französische Regierung einen Druck auszuüben, Caballero zu un­terstützen. Die britische Nation sei entschlossen, sich nicht in einen europäischen Krieg zwi­schenrechts" undlinks" zerren zu lassen. Sie halte es für richtig, s i ch aus allem herauszu- halten und aufzurüsten.

Die Labour-Parlh im Schlepptau Madrids.

London, 8. Okt. (DNB.) Die Führer der oppo­sitionellen Arbeiterpartei, Attlee und Green- wood, die im Zusammenhang mit der Lage in Spanien von Schatzkanzler Chamberlain emp­fangen worden waren, legten in Edinburgh in einer

Sondersitzung der Vollzugsausschüsse der Arbeiter­partei, des Gewerkschaftsrates und der Unterhaus­fraktion einen Bericht über ihre Unterredung vor. Wie Reuter erfährt, ist keine endgültige Entscheidung in der spanischen Frage gefallen. Es heißt, daß die drei Körperschaften heute wie­der zusammentreten werden.

Preß Association" glaubt, daß unter den Ab­geordneten der Arbeiterpartei eine starke Strömung dahin wirken wolle, daß mit Rücksicht auf den Ernst der Lage das Parlament früher einberufen werde. Eine Abstimmung werde wahrscheinlich darüber entscheiden, ob die bisher eingehaltene Politik der Nichteinmischung von der Arbeiterpartei beibehalten werde. Man vermutet, daß auf den Rat der Parteiführer die zukünftige Behandlung den Mitgliedern des Vollzugsausschus­ses übertragen werde. Unter Führung von Sir Stafford G r i p p s werde ein Teil der Versamm­lung wahrscheinlich die Forderung erheben, daß mit Rücksicht auf die veränderten Umstände das Waffenverbot gegenüber der roten Regierung in Madrid aufgehoben werden müßte. Zu diesem Zweck gehe unter den Delegierten der Kon­ferenz bereits eine Petition um.

Das Spiel durchschaut.

»Journal de @cnät>ez

Genf, 8. Okt. (DNB.) Journal de Geneve führt über den sowjetrussischen Vorstoß im Londoner Nichteimnischungsausschuß u. a. aus: Es ist tat­sächlich festzustellen, daß die spanischen Nationalisten Unterstützung erhalten haben; aber das gleiche gilt von den Madrider Roten. Die Sowjetregierung ver­steht es meisterhaft, Zweigstellen, mit denen sie an­geblich nichts zu tun hat, zu lenken und zu finan­zieren. Wenn man ihr glauben will, so wüßte sie nichts von der Tätigkeit der III. Internatio­nale. Diese geheuchelte Entrüstung kann nur d i e täuschen, die sich täuschen lassen wol­le n. In Wirklichkeit geben sich die Sowjets nicht einmal mehr die Mühe, ihre Kriegsmaterialliefe­rungen an Spanien zu tarnen. Das' ist aber nur das Vorspiel. Die Hauptsache ist ein poli­tisches Manöver, zu dem Moskau die Zu­flucht nehmen muß, weil die Roten drauf und dran find, das Spiel um Madrid zu ver­lieren.

Die Sowjetnote wird an eben dem Tag über­reicht, wo die Nachricht eintrifft, daß die Nationa­listen die Verteidigungslinie von Santa Cruz durch­brochen haben und einen neuen Vormarsch auf die Hauptstadt unternehmen. Moskau hofft vielleicht, die Energien seiner Parteigänger in Madrid aufzupeitschen. Nachdem es nicht gelun­gen ist, die spanische Anlegenheit in Genf auf - zur ollen, schickt sich Moskau zur Interven­tion an, indem es behauptet, die anderen hätten bereits interveniert. Die Note ist dazu bestimmt, einen starken Druck auf die Regierung Blum auszuüben. In dem Augenblick, wo die Rechte das Haupt erhebt, spielen die Sowjets eine Karte aus, die alle diejenigen an die Seite der ein- mischungslustiqen Kommunisten bringen soll, die in der französischen Volksfront das spanische Frente Populär retten wollen, alle Internationalisten und Liberalen, die auf die Lügenpropaganda von einem demokratischen Spanien hereinfallen. Blum soll i n ein Abenteuer verstrickt werden, und wenn er sich sträubt, gestürzt werden. Man hat den Eindruck, daß die Sowjets ein verzweifeltes Spiel spielen. Sie haben in der letzten Zeit zu viel Mißerfolge erlitten. Spanien entgleitet ihnen, Frankreich ist nicht mehr so sicher, ihr Versuch, das Volk in einen allgemeinen Währungssturz hinein­zuziehen, ist mißlungen. An Europa ist es, seine Kaltblütigkeit zu bewahren und

warnt die Franzosen.

Spanien selbst sein Schicksal ordnen zu lassen, was nicht mehr lange auf sich warten lassen kann. An Frankreich ist es, eine strikte und kluge Neu­tralität zu bewahren, bann wird das Gewitter machtlos vorüberziehen.

Der Druck auf Dlum.

Ernste Besorgnis der Pariser nationalen Presse.

Paris, 8. Okt. (DNB.) Die Pariser Abend­presse übt scharfe Kritik an dem Moskauer Manö­ver. Journal des Döbats schreibt: Für Mos­kau stellt der Bürgerkrieg eine gute Gelegenheit dar, um bie Karten burcheinanber zu bringen. Nachbem bie Sowjetregierung sich ben Anschein gegeben habe, als ob sie bie Neutralitäts­politik annehme, bie bie französische Regierung unter bem Druck ber eigenen öffentlichen Meinung anregte, becfe s l e jetzt ihre Karten auf und versuche die Neutralitätspolitik zum Scheitern zu bringen. Die Leute in Moskau hofften habet auf mächtige Unterstützung in England und in Frankreich. Es fei wenig wahrscheinlich, daß die Art des kommunistischen Vorgehens in England großen Erfolg habe, denn die dortige Regierung scheine nicht geneigt zu sein, sich auf ein spanisches Abenteuer einzulassen. Also werde sich die kommunistische Betätigung vor allem auf Frankreich auswirken, wo die Moskauer Regierung sogar in ber Regierungsmehrheit sichere Agenten habe unb wo bie Dolksfrontpresie unter systematischer Entstellung ber Tatsachen sogar in einem Teil ber Massen bie salschesten Vor- st e l l u n g e n über Spanien unb über bie inter­nationale Lage verbreitet habe. Die Regierung kenne bie außergewöhnlichen Verwicklungen, bie ein Gehorsam gegenüber ben Befehlen ber Sowjets verursachen würbe. Aber in ihrer Mitte säßen Männer, bie bereit seien, bie Sowjetaktion zu be­günstigen. Ihre Schwäche gegenüber ben Extre­misten lasse jede Befürchtung zu. Deshalb müsse man mit unermüdlicher Energie ber fommenben Intrige wiberstehen. Das französische Volk, bas ben Frieden wünsche, wolle keinesfalls bas Spielzeug unb bas Opfer dunkler Manöver sein. Mehr denn je sei d i e Neu­tralität nötig. Wenn es den Sowjets passe,

eine andere Einstellung eknzunshmen, so sei das ihre Sache. Frankreich bürfe sich unter feinem Vorwand ins Sowjetschlepptau be­geben.

Le Jour" schreibt, der sowjetrussische Schritt sei eine Warnung an Europa. Jetzt müsse sich erweisen, ob die Großmächte etwa die Absicht hätten, ber Moskauer Erpressung nachzugeben. Das Echo be Paris" hält es für wenig wahrscheinlich, baß Sowjetrußlanbs Schritt bie Rettung ber spa­nischen Republik bebeute. Hierzu sei es viel z u spät. Kein Vvlksfrvntlanb könne heute noch, selbst mit ben größten Hilfsmitteln, ben Zusammenbruch des Madrider Regimes verhindern. Es handele sich also eher um ein bestimmtes Manöver. Das Blatt glaubt an eine aus der innenpolitischen Lage Sowjetrußlanbs zu erflärenbe Initiative: Durch bie im Lonboner Kontrollausschuß eingenommene Hal­tung wolle ber Sowjetdiktator die öffentliche Mei­nung beruhigen, deren Wortführer er beiseite ge­bracht habe, und gleichzeitig versuche er, bie An­hänger ber Komintern zu besänftigen, bie Moskau burch ben Beitritt zum Nichteinmischungspakt sehr stark verstimmt habe.

La Republique" erklärt, baß es sich für Moskau unter bem Vorwanb, Spanien zu retten, lebiglich barum hanbele, Frankreich z u mißbrau­chen. Moskau habe geschworen, Frankreich zu zwin­gen, Farbe zu bekennen. 72 französische Abgeordnete als Söldlinge Moskaus arbeiteten für bas Mos­kauer Spiel. ,

Die Ausplünderung der Dank von Spanien.

Paris, 9. Okt. (DNB. Funkspruch.) DerFi­garo" teilt mit, baß in Mabrid täglich K i st e n mit Golbdarren unb Golbmünzen an Borb spanischer bzw. französischer Flugzeuge oerlaben würben. Auf biefe Weise habe man zwischen bem 28. Juli unb bem 28. August 2 312 000 Pfunb Sterling nach Paris geschafft. Seit Anfang September seien bie Transporte verstärkt worben, so baß heute meh­rere Milliarben Golb aus Spanien in ber Bank von Frankreich unb in verschie- benen Toulouser Banken untergebracht seien. Ueberbies sei in einer amerikanischen Bank in Pa­ris auf ben Namen bes neuen spanischen Botschaf­ters ein Konto von 150 Millionen Franken eröffnet worben, zur Regelung von Ankäufen auf bie man wohl nicht näher einzugehen brauche. DerFigaro" legt befonberen Nachbruck auf bie Tatsache, baß bas Verhalten Frankreichs in biefer Angelegenheit eine einbeutige Stellungnahme zugunsten einer ber fämpfenben Parteien fei und keineswegs mit dem Geist unb Buchstaben eines Neutralitäts­abkommens in Einklang gebracht werben könne.

Roke Vestien.

Augenzeugenberichte aus Südspanien.

Sevilla, 9. Okt. (DNB.) Das Pressebüro ber 2. D oision teilt weitere Augenzeugenberichte über bie entsetzlichen Verbrechen ber kommunistischen Furie in ben kürzlich von ben Nationalisten be­freiten Ortschaften Sübspaniens mit. In Ante- quer a ermorbeten bie Roten in bestialischster Weise 68 Einwohner. Sie steckten bie Kapuziner­kirche in Branb unb zogen bie kunstgeschichtlich wertvolle Christusfigur burch bie Straßen ber Stabt, um sie zum Schluß zu verbrennen. Sie zün- beten vereinzelte Gehöfte unb zahlreiche Prioat- häufer an. Sofort nach Verteilung von Waffen unb Munition an die marxistische Miliz durch die DolkSfrontbehörben begann das allgemeine Morden. Zunächst wurden die Geistlichen das Opfer des Terrors. Ein durch Mesferstiche schon schwer verletzter Priester wurde dem zu Hilfe eilen­den Arzt entrissen und auf einer Tragbahre so­lange durch bie Straßen geschleppt, bis er verschieb. Ein Kapuzinerpater, ber sich auf ber Flucht ein Bein gebrochen hatte unb in ein Krankenhaus übergeführt werben sollte, würbe ben Pflegern bes Roten Kreuzes von roten Morbbuben entrissen unb niebergeschossen. Ein angesehener Einwohner würbe aus ber Wohnung gezerrt unb trotz ber flehenb­lichen Bitten seiner Frau, bie ein kleines Kinb auf ben Armen trug, nach schlimmsten Mißhandlungen erschossen. Der Bruder bes Opfers, ber vom Balkon aus gezwungen würbe, ber blutigen Tra- göbie beizuwöhnen, sowie sein Sohn, ber sich im Innern bes Hauses aufhielt, wurden ebenfalls ermordet.

Es wurden Leichen gefunden, die A x t h i e b e unb Schußverletzungen aufwiesen. In ben meisten Fällen menben bie roten Bestien bie be» fonbers grausame Methobe an, ihre bebauernsroer» ten Opfer vor ben Augen ber Angehöri­gen hinzurichten. Dabei werben auch Frauen unb Kinber nicht verschont. Einen Einwohner ließ man sechs Tage ohne Essen unb Trinken, bevor man ihn erschoß. Anbere Einwohner würben unglaublichen Mißhanblungen vor aller Oeffentlich- keit ausgesetzt, wonach meistens bie Erschießung folgte. Die Leichen würben auf bem Friebhof mit Aexten verstümmelt.

In O r o p e s a in ber Provinz Tolebo war bas Volksfrontkomitee beim Herannahmen ber Nationa­listen unter bem Vorwand einer Dienstreise nach Madrid verschwunden. Nach der Beschlagnahme sämtlicher Lebensrnittel wurden 135 Personen, darunter ein zweijähriges und ein vierjähriges Kind, in die Gefängnisse geworfen. Dem Kaplan der Franziskaner-Nonnen schnitt man zunächst d i e Öhren ab. Nachdem man ihn dann in ber gräß­lichsten Weise verstümmelt hatte, würbe auf ben Dorfplatz geführt, mit ihm ein Stierkampf veranstaltet, wobei man ihm mehrere B a n b e r i l- I a s in ben Körper stieß. Schliehlich machte man seinen Leiben mit Gewehrkugeln ein Enbe. Ein anberer Geistlicher, ber gerabe eine schwere Operation überftanben hatte, würbe aus bem Kran­kenbett auf bie Straße gezerrt, mit Füßen getre­ten unb bann erschossen. Ein Mann, ber schwer verletzt am Boben lag, mußte mit ansehen, wie seine Frau unb seine Tochter grausam hingerichtet würben. Alle drei würben schließlich zusammen auf ein mit Leichen überfülltes Lastauto geworfen. Ein glücklicher Umstanb ließ ben Mann feinen vertierten Peinigern entkommen.

Waffenfunde bei sozialdemokratischen Funktionären in Danzig.

Danzig, 8. Okt. (DNB.) Vor dem Danziger Schnellgericht kam es zu auffehenerregenben Fest­stellungen über bie illegale Tätigkeit der Danziger Sozialbemokratie, bie nach bem Verbot der Kommunistischen Partei hier bie! Rolle berV o l k s f r o n t" spielt. Gegenstand ber Verhandlung war die Auffindung großer Mengen von W a f f e n in ben Geschäftsräumen ra