Nr. 158 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Donnerstag, 9.Zuli 1956
an die ostpreuMe Lustwaffe
nieder des
Schleussner
der neue hochempfindliche FEINKORN Film
OLYMPAN
freiwillig außer Landes gehen lassen. (Einige leben in Buenos Aires oder in Montevideo, die meisten aber sitzen in den argentinischen und brasilianischen Städten und Städtchen rings um die paraguayschen Grenzen herum. Sie warten und hoffen darauf, daß für Paraguay „die Zeiten wieder besser werden , und sie Hetzen und wühlen gegen ihr Vaterland nach der bekannten Art aller Emigranten, denen der
gehüllt.
Gegen General E st i g a r r i b i a hat man die gleichen Vorwürfe erhoben; vollkommen ungerechtfertigt. Es gibt wohl wenige Männer in Paraguay, die einen so lauteren und unbeflekten Charakter haben wie General E st i g a r r i b i a und sein einstiger Waffengefährte und heutiger Gegner Oberst Franco, der provisorische Staatspräsident. Estigarribia ist eine stille, etwas verschlossene Natur, dem man, vielleicht nicht mit Unrecht, einen gewissen Mangel an Kameradschaftlichkeit oorwirft. Persönlich anspruchslos, fast spartanisch einfach, Feldsoldat vom Scheitel bis zur Sohle, stellte er an sich selbst die größten Anforderungen, verlangte auch das gleiche von Offizier und Mann. Mit Belobigungen, Auszeichnungen und Beförderungen war er äußerst sparsam, und gerade das scheint ihm die große Sympathie, die er anfänglich in der Armee genoß, geraubt zu haben.
Man muß sich die Lage einmal vorstellen, um die Tragik in ihrem vollen Umfange zu erfassen. Ein blutiger Krieg ist zu Ende. Unter dem begeisterten Jubel des ganzen Volkes zieht der Feldherr, der das Heer von Sieg zu Sieg geführt, der den stärkeren und in vieler Hinsicht überlegenen Feind niedergerungen hat, an der Spitze der heimkehrenden Truppen in die Landeshauptstadt ein, Ehren über Ehren werden auf ihn gehäuft, und nur wenige
die Bewegungsaufnahme eines einzelnen Kindes ist kein Porträt. Und wenn auch gewisse Unregelmäßigkeit der kindlichen Kleidung, zerzaustes Haar und dergleichen niemals künstlich hergerichtet werden sollen, damit es „echter" wirkt, so dürfen sie auch nicht allzu korrekt beseitigt werden. Kein Mensch glaubt, daß ein Kind wirklich Kreisel oder Reifen spielt, wenn die Haarschleife des Ma- dels streng akkurat ihre kunstvoll gelegte Form zeigt oder wenn der Junge allzu sichtbar seinen Sonntagsanzug anhat, worin er sich kaum zu bewegen getraut. Solche Bilder erinnern zu sehr an jene Atelieraufnahmen der Jahrhundertwende, wo dem Kinde vor einem gemalten Hintergründe ein solches
Hohe preise für alte deutsche Rüstungen.
Bei Sotheby in London fand in den letzten Tagen eine Versteigerung von Waffen und Rüstungen statt, bei der 134 Nummern ein Gesamtergebnis von über 90 000 Mark hatten. Heber bie Hälfte dieser Summe wurde für eine vollständige deutsche Rüstung aus dem 16. Jahrhundert bezahlt, die aus> Helm, Halskragen, Brust- und Rückenpanzer, Armpanzer mit Handschuhen, Schulterblättern, Schenkelschienen und Stahlfchuhen mit schönen Verzierungen bestand. Sie ging an einen auswärtigen Kunsthändler für 48 400 Mark. Ein zweites Stück, eine süddeutsche Turnierrüstung aus dem 16. Jahrhundert, wurde von demselben Käufer für 12 400 Mark ersteigert, der auch für einzelne alte deutsche Waffen hohe Preise zahlte.
Heimatboden zu heiß wurde.
Die Repräsentanten der alten Regierung aber setzte man hinter Kerkermauern: An erster Stelle den gestürzten Staatspräsidenten Dr. Eusebw Ayala und den ihm treu anhängenden Oberbefehlshaber der Armee, General Jose Felix E ft i ° garribia, den Sieger im Kriege gegen Bolivien.
paraguayschen Volkes in einem schweren und opferreichen Kriege anoertraut waren und die das Vertrauen in vollstem Umfange gerechtfertigt haben, wird sich der nüchterne, der ehrliche Beobachter die Frage vorlegen müssen: Was konnte den Obersten Franco und die Mitglieder seiner Regierung veranlassen, die Haft über Ayala und Estigarribia zu verhängen und sie gegen die Wünsche und Forderungen aus fast allen Kreisen des Inlandes, wie des Auslandes aufrechtzuerhalten? Warum beraubte sich die provisorische Regierung dadurch vieler Sympathien und gab den Gegnern so Gelegenheit zu Angriffen über Angriffen?
Die Frage stellen, heißt eigentlich schon sie beantworten. Da Francos Charakter Rache und schmähliche Undankbarkeit fernliegen und einfach die Klugheit es schon geboten hätte, den großen Gegner anders zu behandeln, so kann für die Regierung einzig und allein die Besorgnis maßgebend gewesen fein, daß die Freilassung Estigarribias und A y a l a s den Bürgerkrieg bedeuten würde. Und das ist in der Tat der wahre und ausschließliche Grund für das Verhalten der Regierung. Schon heute hört man in Asuncion flüstern, und in Buenos Aires und in Montevideo, also im Auslande, wird es offen gesagt: Estigarribia ist der kommende Mann!
Vielleicht mögen die Propheten recht haben, denn schließlich ist der General noch ein verhältnismäßig junger Mann und die Zahl seiner Bewunderer ist groß. Vielleicht würde ihn auch Haß und der Wunsch nach Rache bestimmen, eine Erhebung zu leiten, obwohl ihm, der Soldat und nur Soldat ist, die Politik fernliegt und der Präsidentensessel ihn sicher nicht lockt. Es ist aber auch sehr wahrschem- lich, daß er aus Liebe zu Volk und Vaterland, die er oft schon unter Beweis gestellt hat, den Gedan- Een an Bürgerkrieg weit von sich weist, das in das Bild des Charakters dieses großen Soldaten passen würde. v w .
Eines aber ist gewiß: Alle, die zu der Reak- tion gehören, hoffen auf E st i g a r r i b i a, klammern ' sich an den Gedanken, daß er für sie die siegreiche Revolution machen wird, die sie wieder an die alte Krippe zurückführen soll. Der Name Estigarribia ist zum Symbol der Reaktion geworden. Darin liegt bittere Tragik. Die Regierung Franco hat diese Gefahr erkannt, und nur so - ist die furchtbare Härte gegenüber den um ihr Va- ; terlanö so hochverdienten Männern E st i g a r r i • i bia und Ayala begreiflich. Sie mag äußerst be- • klagenswert sein; sie ist für die heutige Regierung ! eine Staatsnotwendigkeit.
Bismarck im Karzer.
Auf der großen Ausstellung „Deutschland", die am 18. Juli am Funkturm in Berlin eröffnet wird, stellt im Rahmen der deutschen Sehenswürdigkeiten die Universität Göttingen einige interessante alte Erinnerungsstücke aus. Man sieht dort ein altes Protokollbuch des Hainbundes, dessen aufgeschlagene Seite die Handschrift von Holtys Gedicht „Ueb immer Treu und Redlichkeit" zeigt; ferner hat man aus Göttingen die Tür des Karzers nach Berlin geschafft. Diese Tür ist zwei Meter hoch und weist als besondere Merkwürdigkeit den eingeschnitzten Namen Bismarcks auf. Viele Menschen im Ausland und auch in Deutschland werden kaum wissen, daß auch der Begründer des Deutschen Reiches, Otto von Bismarck, einmal im Karzer gesessen hat. Er war bekanntlich zu Göttingen Student und führte sich in dieser Universitätsstadt damit ein, daß er im hellen Schlafrock, mit einer seltsamen Mütze und mit Ariel, seiner großen gelben Dogge, am hellen Tage über den Markt nach der Universität ging. Dafür bekam er vom Universitätsrichter die erste Rüge. So begann er am 10. Mai 1832 seine „diplomatische Laufbahn . Der Altreichskanzler war als Göttinger Student auch sonst kein Musterknabe und hat nicht nur einmal elf Tage in dem berühmten Karzer der Universität gesessen, sondern mußte auch nod) ein zweites Mal für sieben Tage hinter der Tur verschwinden, in die er aus langer Weile seinen Namen schnitzte und die nun in der „Deutschland -Aus- stellung im Original zu sehen sein wird.
Kinder beim sommerlichen Spiel
Dankbares Motiv für den Liebhaberphotographen.
Don Walther Appelt.
in gewisser Weise abgeschnürten Lande nicht anders sein kann. Aber selbst wenn die Zeit für die Reformen der Regierung Franco noch nicht reif fein sollte, so werden die weltanschaulichen Gedanken, die sich in den Reformen und Reformbestrebungen wiederspiegeln, doch einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, der sich ständig vertiefen wird, bis er dereinst gestaltende Kraft hat, wenn die Stunde
sei Nolden ein Gast, der jeden Tag ohne sich anzumelden in diesem Hause aus- und eingehen konnte. Dann kam auch Bratt, gleichfalls in vergnügter Stimmung. Man faß einander gegenüber und plauderte angeregt, unterhielt sich über Ereignisse in der Nachbarschaft, sprach von Reiseplanen, kurz und gut, all die kleinen und unwichtigen Dinge wurden gestreift, die der Alltag mit sich bringt, und über die man sich unterhält, wenn es gilt, eine an und für sich nutzlose Zeitspanne möglichst angenehm auszufüllen. Die bevorstehende geschäftliche Hauptsache ließ man vorerst noch vollkommen in den Hintergrund treten; sie wurde mit keinem einzigen Worte gestreift.
Endlich kam das Mädchen und meldete den Abschluß der Vorbereitungen. Die Hausfrau stand auf und bat ihren Gast zu Tisch. Lachend gingen sie ins Nebenzimmer und nahmen Platz Inzwischen kam schon wieder das Mädchen mit Wem und einer Platte Austern. In diesem Augenblick verbeugte sich Nolden lächelnd vor der Hausfrau, ihr für die liebenswürdige Aufmerksamkeit dankend, die sie ihm heute ebenso wie sonst erwiesen hatte. Em einziges Mal nur hatte Nolden geäußert, daß er Austern für sein Leben gerne essen wurde, und nun hätte er darauf schworen können, daß er jedesmal, wenn er bei Bratt zu Gast war, Austern erhielt.
Man sprach nur wenig, sichtlich freute sich die fiausfrau über das Vergnügen, mit dem Nolden soeben die zehnte Auster" schlürfte; sie stand auf, um Licht zu machen, draußen war es noch hell, aber im Zimmer hatten sich die Schatten der Dämmerung überraschend schnell verdichtet. Sie ”uni Tisch zurück und starrte auf Nolden.
Nolden saß zurückgelehnt auf seinem Stuhl, dann ftrÄ'rU di-^and not. Zw.schon Daumen und Zeigefinger lag eine große Perle.
Eine Perle gefunden!" schrie die Frau.
bevor Nold?n^ sie chm hin?eiche n" konn t ehatte Bratt
aufmerksam und zugleich bewunderns
So groß!" sagte er, „so schon und einwandfrei Ol,'$anSnTob"er den Kops, und mehr zu sich W als ju den anderen sagte er triumphierend: „Tau-
1 sende ist diese Perle wert!
; Ohl" sagte seine Frau Überrascht Nolden stand ans er aina aus Bratt zu. „S.e wissen gar nicht . faate Norden, „wie ich mich freue, .ch kann es noch
; * „jrfit lassen, mit einem einzigen Schlage gleich l so viel Gew zu finden einfach glatt zu stnLen.
II.
Oberst Franco und seine Gegenspieler ->
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Asuncion, Mitte Juni.
So gewiß es ist, daß in Europa die Demokratie im Absterben begriffen ist, so fraglich ist, ob sie sich auch schon in Südamerika überlebt hat. Manche Zeichen deuten darauf hin. Aber wenn man sich vergegenwärtig, datz die Entwicklung auf dem süd- omerikanischen Erdteil vergegenwärtigt, daß die Entwicklung auf dem südamerikanischen Erdteil erheblich hinter der Europas nachhinkt, — unbeschadet des Umstandes, daß sie in manchem im Eilzugtempo sich vollzieht —, so erheben sich doch Zweifel, wo die Todesstunde der Demokratie auch in Südamerika bereits geschlagen hat. Davon aber wird letzten Endes der Ausgang des Versuchs abhängen, den man heute in Paraguay unternimmt, indem man ohne Uebergang im Lande staats- und wirtschaftspolitische, soziale und kulturelle Reformen einfuhrt, die zu einem Teil dem Gedankengut des Nationalsozialismus ziemlich eng verwandt sind. Diese Reformen werden Bestand haben, wenn Paraguay heute schon reif für eine so durchgreifende Umfte = hing und Umgestaltung ist. Das zu beurteilen ist vorerst wohl auch für den gründlichsten Kenner des Landes unmöglich, weil dabei ungezählte Unwägbarkeiten von außen hineinspielen, wie es bet einem kleinen rings von mächtigen, teilweise unfreundlich gesonnenen Nachbarn umschlossenen und dadurch
*) Dgl. Gießener Anzeiger Nr. 154 vom 4. Juli.
Man Hot dies der provisorischen Regierung und dem Präsidenten Oberst Rafael Franco persönlich innerhalb und außerhalb von Paraguay schwer verdacht, besonders haben sich die in Paraguay lebenden Ausländer peinlich berührt gefühlt. Präsident Ayala ist ein hervorragender Staatsmann, seine Verdienste um das Land sind groß. Daß dieses den blutigen Krieg, die gewaltigen Opfer, die schweren Lasten ohne Murren ertrug, war das Werk Ayalas, der klug und weitschauend die Politik leitete. Daß er zum Schluß die Nerven verloren haben soll und deshalb die Schuld an dem „faulen Frieden von Buenos Aires" trage, wie ihm von militärischer Seite vorgeworfen wird, ist ungerechtfertigt, denn Paraguay war am Ende seiner Kräfte. Es hatte Uebermenschliches getan; es war fertig. Das Schicksal gebot Halt. Der Frieden von Buenos Aires hat das Land davor bewahrt, sich in verblendeter Selbstüberschätzung zu Tode zu siegen. Bolivien hatte trotz aller schweren Verluste schließlich noch erhebliche Reserven, wenn auch ihm der Frieden nur willkommen sein konnte. Ayala v^d Estigarribia hatten den vollen Ernst der Lage richtig erkannt und zogen einen ehrenvollen Frieden dem gewissen Untergang vor. Man hat auch versucht, die persönliche Ehrenhaftigkeit Ayalas in Zweifel zu ziehen. Es ist bisher nicht der geringste Beweis für Behauptungen solcher Art erbracht worden, andernfalls hätte man sich schon aus rein taktischen Gründen nicht in so völliges Stillschweigen
Oer Gast und die perle.
Don B. Brandeis '
Nolden kannte ihn seit zehn fuhren: Thomas . $ratt war äußerst liebenswürdig und_ in jeher IS i zuvorkommend Nolden erinnerte sich gerne: an hundert Gelegenheiten, Begegnungen mit Bratt, in größerer Gefellfchaft, auf dem Rennplatz, bei abend- lichem Zusammensein; manchmal auch nur zu dritt Nolden, Bratt und feine junge Frau, nnmer und bei jedem Anlaß hatte sich Bratt als em Men ch gezeigt, der einwandfrei m jeder Hinsicht hanbelte und jenes Maß von Takt befaß, um ohne weit res als vornehm und vertrauenswürdig gelten zu tonnen Zu einer Freundschaft zwischen Nolden und Bratt war es trotz dieser zehn Jahre mcht getont- mpn fei es deshalb — wie Nolden dachte — wen bisher zwstchen ihnen kein ernstes und tieferes Er- um zwei Nischen e”nanbetOt”an^na^e®3ueb^^gen:
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ging um eine hohe Z ^d sinn > „ einem Unter- "«V& 4Cäs.": ein Umstand dessen Nachteil b j$Bir kennen ■ÄÄ"*-* & ®^s war ein Versprechen gewesen von^ Mann sehen im Ve griffe st an . Mädchen öffnete,
Staatssekretär General der Flieger Milch übergab in Ostpreußen mit einem feierlichen Akt den verschiedenen Einheiten der Luftwaffe Fahnen. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Paraguay, der Garten Südamerikas.
Von unserem Dr. M.I.-Korrespondenten.
gekommen ist.
Gerade weil in den politischen Ideen, mit denen die heutige Regierung Paraguays ihre Ausgabe zu meistern sucht, manches enthalten ist, was als nationalsozialistisches Gedankengut anzusprechen ist, fehlt es natürlich nicht an Propheten, die von Tag zu Tag das Ende des Regimes Franco als ganz sicher und ganz gewiß bezeichnen. Und an Gegnern fehlt es der Regierung wahrhaftig nicht.
Ihr hauptsächlichster und von ihr auch gefurchtet- ster Feind ist die Reaktion. Die neue Regierung ist nicht so sorglos gewesen wie ihre Vorgängerin. Sie hat mit Energie die Anhänger und auch die Nutz- • ' 1 gestürzten Regimes teils verbannt, teils
ßer Landes gehen lassen. Einige leben
Monate später sitzt der Nationalheld als Staatsgefangener hinter Kerkermauern. Trotz aller Bewunderung für den großen Feldherrn, trotz aller Sympathien für den lauteren Charakter, trotz allen Mitleids mit den Männern, denen die Geschicke des
Viele Eltern oder Väter fangen überhaupt nur zu photographieren an, weil sie recht viele nette Erinnerungsbilder von der Jugend ihrer Kinder haben wollen. Die zu schaffen, ist die rechte Zett, wenn der Sommer die Kinder zum Spiel m den Garten oder auf die Straße ruft. Wollen wir unsere Kinder beim winterlichen Spiel oder Zeitvertreib photographieren, so kommen wir selten ohne künstliche Lichtquellen aus. Das heißt aber auch, daß nicht immer sogleich gute, ungezwungene Aufnahmen glücken können. Wer dadurch etwa entmutigt sein sollte, möge gefälligst jetzt Schluß machen mit der dummen Rede, die Kinder „eignen sich nicht" für Bilder der gewollten Art. Ein neuer Versuch unter den ganz anderen Bedingungen des Sommers wird seinen Irrtum richtigstellen.
Er muß nur • von vornherein wissen, was er will. Eine Gruppenaufnahme mehrerer Kinder oder
„Sie find ein Glücksvogel", antwortete Bratt, gleichzeittg schloß er seine Hand. „Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll?"
Nolden sah Bratt verständnislos an: „Mir danken — für was?"
„Für die Perle!" lachte Bratt.
„Für meine Perle?" fragte Nolden gedehnt.
Bratt versuchte wieder zu lachen. Es gelang ihm kaum. Seine Mundwinkel waren erschlafft und zeigten den starren Ausdruck von gezwungener Heiterkeit. Er klopfte Nolden auf die Schulter.
„Ein guter Scherz — Ihre Perle!"
Dann riß er sich plötzlich zusammen und tagte vollkommen ernst: „Selbstverständlich gehört die Perle nur mir."
„Ich habe sie aber gefunden", sagte Nolden hart.
„Ja", erwiderte Bratt, „allerdings, aber in einer Auster, die ich gekauft habe, die mein Eigentum ist.
„Ich bin Ihr Gast", sagte Nolden, „Sie haben mir die Auster geschenkt."
Wieder lachte Bratt auf, diesmal lag unverkennbar in seiner Stimme ein großer 5)01)11. „ßieber Nolden", sagte er herausfordernd, „Sie dürfen nicht denken, daß ich Sie mit Perlen bewirte, wenn Sie zu mir kommen. Wir kennen uns zwar schon ^Jttein", unterbrach ihn Nolden, „ich lerne Sie erst heute kennen."
Dann war es, als versuchte Nolden eine letzte
„Ich habe die Perle gefunden — Ihnen hat die Auster gehört — wollen wir doch den Gewinn teilen!" , . , ,, —, „
Bratt stand immer noch an derselben Stelle vor dem Licht. Er ballte die Hand um die Perle noch krampfender zusammen. Abweisend kalt und starr stellte er fest: „Herr Nolden — ich bin nicht m der Sage, Ihnen auch nur eine halbe Perl- vorzu etzem
„Dann kann ich ja gehen," jagte Nolden plötzlich.
Die Frau hatte bisher starr und wortlos den Streit beider Männer verfolgt. Jetzt trat sie Nolden entgegen: „Bleiben Sie doch, bitte, zum Essen! Zu Bratt gewandt sagte sie: „Ihr hattet doch für nachher etwas vor?!" . ... ...
„Danke!" sagte Nolden kühl, „ich danke für beides. Und guten Abend!"
Dann ging er. ,. , ., u .
Draußen, als das Gartentor hinter ihm zustel, blieb er auf der Straße stehen und atmete hörbar
Er "wußte, fein Vermögen war gerettet. Denn > Bratt hatte die Prüfung nicht bestanden.
, Die Perle war falsch. „ f , ,, - Nolden hatte die Perle von Hause nutgebracht.
AW


