Ausgabe 
9.1.1936
 
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Mitglieder der NSKOD. vorgenommenen Samm­lung wurden hier 30,60 Mark aufgebracht.

# Daubringen, 8. Jan. Das Standes­amt s r e g i ft e r für das Jahr 1935 verzeichnete in unserem Orte 18 Eheschließungen, 7 Sterbefälle und 12 Geburten.

* Leihaestern, 8. Jan. Die hiesige Frei­willige Feuerwehr hielt im Lokal des Kame­raden Heß eine Generalversammlung ab, in der man sich besonders mit dem für den 1. Februar be­vorstehenden 10. Stiftungsfest beschäftigte. Brand­meister Wagner gab die Richtlinien für die Ver­anstaltung bekannt und erläuterte das vorgesehene Programm. Im weiteren Verlaufe des Abends be­richtete Brandmeister Wagner über feine Teil­nahme an einem Lehrgang in der Feuerwehrfach- schule in Mainz und vermittelte dabei feinen Kame­raden viel Wissenswertes. In der üblichen Weise wurde die Versammlung geschloffen.

s. Lana-Göns, 8. Jan. Dieser Tage wurde von der Gaufilmstelle der FilmKrach um Jolanthe" im Saalbau Hebbel vorgeführt. Der Besuch war äußerst gut, der lustige Film löste viel Heiterkeit aus. Nach dem Standesamts-

Deutscher!

Du sollst deinen Eintopfsonnlag halten! Am 12. Januar ist Eintopssonntag.

reg ist er wurden im Jahre 1935 in unserer Ge­meinde 24 Kinder geboren, 13 Ehen geschlossen und 15 Einwohner beerdigt. Die Geburtenzahl ist eine der niedrigsten der letzten Jahrzehnte. Unser Dorf zählt zur Zeit 1977 Einwohner. Im Jahre 1934 wurden 32 Kinder geboren, 20 Ehen geschlossen und 18 Sterbefälle verzeichnet. Bei der am Sonntag vorgenommenen Sammlung der Mit­glieder der NSKOV. wurden in der hiesigen Orts­gruppe (Lang-Göns, Holzheim und Ober-Hörgern) über 184 Mark erzielt. Bei einer Versammlung der hiesigen Bauernschaft gab der Ortsberater Albert Weil wichtige Bekanntmachungen des Reichsnährstandes sowie Ratschläge für die neue Erzeugungsschlacht bekannt. Außerdem dankte er den Bauern für ihre treue Arbeit im letzten Jahre. Anschließend fand eine Zusammenkunft der Milch- oenoffenschaft statt, bei der der Vorsitzende Albert Brücke! über einige Bestimmungen über Milchlieserung, Reinigung usw. sprach.

L i ch, 8. Jan. Der Sturm 5/M147 der Motorbrigade Kurhessen beabsichtigt, am Samstag, 18. Januar, in der Turnhalle ein Konzert z u - gunsten des Winterhilfswerks zu ver­anstalten. Es wird ausgeführt von dem Musik- zug der Motor st andarte 14 7 unter Lei­tung von Musikzugführer Walter H o r ft.

3 Lich, 9. Jan. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in unserer Stadt gestern die Nachricht, das im Krankenhaus zu Mainz unsere Stadtschwester Gretchen Menges an den Folgen eines Darm­leidens verstorben ist. Am 24. Oktober vorigen Jahres war es ihr noch vergönnt, unter Anteil­nahme aller Bevölkerungskreise ihren 60. Geburts­tag zu feiern. Aber schon damals weilte sie in un­serem städtischen Spital, um sich einer Operation zu unterziehen. Einigermaßen genesen, verließ sie das Krankenhaus. Gegen Jahresfchluß nahm sie, die sich fast nie Erholung gegönnt hatte, einen längeren Urlaub und begab sich nach Mainz zu ihrer Schwester, um sich in deren Familie zu er­holen. Doch wurde sie wieder schlimmer krank und mußte das Krankenhaus aufsuchen. Am Mittwoch­vormittag verschied sie, nachdem auch eine dort vor­genommene Operation ihr schweres Leiden, einen todbringenden Darmschluß, nicht mehr beheben konnte. Krankenschwester Gretchen Menaes wurde am 24. Oft. 1875 als erste Tochter des Fuhrmanns Ludwig Menges zu Lich geboren. Sie ließ sich als Krankenschwester ausbilden und widmete ihr ganzes Leben den Kranken unserer Stadt. Jahrzehntelang hat sie ihren schweren Beruf bei Tag und Nacht in Treue ausgeübt und viel Leid und viele Not lin­dern helfen. In allen Kreisen unserer Stadt wird man der treuen Dienerin ein gutes Andenken be­wahren.

^Obbornhofen, 8. Jan. Im Gemeindehaufe fand dieser Tage eine Versammlung der Ortsbaue rnschaft statt, die sich mit dem zwei­ten Kampfabschnitt der Erzeugungsschlacht befaßte. Die für die Ablieferung benötigten Kontingentsmar­ken für Weizen wurden verausgabt Dann verlas der Ortsbauernführer Hch. R u l l m a n n verschie­

dene Rundschreiben der Landesbauernschaft Hessen- Nassau, die sich u. a. mit der Vermehrung des scholleeigenen Eiweißes, den Urlauberaustausch von Bauern, Landwirten und landwirtschaftlichen Ar­beitern und dem Flachsbau befaßten. Sofort er­klärten sich einige Betriebsführer bereit, eine ent­sprechende Fläche mit dieser Gespinstfaserpflanze zu bebauen. Da die Fahrtkosten zur Reichsnährstands­schau vom 19. bis 26. Mai sehr verbilligt sind, wird hier mit einer geschlossenen Teilnahme gerechnet.

Kreis Friedberg.

= Butzbach, 8. Jan. Die am Sonntag durch­geführte Sammlung der Kriegsopfer für das Winterhilfswerk brachte ein sehr gutes Ergebnis. Nicht nur alle 1500 Abzeichen konnten abgefetzt werden, darüber hinaus wurden noch durch weitere freiwillige Spenden 67 Mark vereinnahmt, fo daß das Gesamtergebnis 367,07 Mark beträgt. Ein derart guter Sammelabschluß war bis jetzt hier noch nicht bei Straßensammlungen zu verzeichnen.

Kreis Büdingen.

LPD. Büdingen, 8. Jan. Die etwa 40 Jahre alte Frau des Weißbinders Wilhelm Nazare- n u s aus den) Kreisort Düdelsheim hatte ihrem Mann, der während des Winters in einer Holz­hauerkolonne arbeitete, Essen in den Wald gebracht. Als sie wieder nach Hause ging, stürzte ein in der Schwebe hängender Baum, den die Frau nicht

bemerkt hatte, gerade in dem Augenblick herunter, als sie darunter durchgehen wollte. Sie wurde durch einen Ast so schwer am Kopf getroffen, daß der Tod auf der Stelle eintrat.

Kreis Alsfeld.

< Nieder-Ohrnen, 8. Jan. Arn 1. Januar 1936 ist unser seitheriger Bürgermeister Carle infolge Erreichens der Altersgrenze in den Ruhestand getreten. Zu feinem Nachfolger wurde Willi Doll ernannt und von dem Kreisamt sowie der Kreisleitung Alsfeld verpflichtet. Der neue Bür­germeister hat die Amtsgefchäfte am 1. Januar über­nommen.

Kreis Wetzlar.

ED Wißmar, 8.Jan. Bei der Kriegsopfer- Sammlung für das WHW. am vorigen Sonntag wurden in unserem Orte 67,68 Mark ein­genommen. Hier ist man zur Zeit mit der An­legung einer Dorf- und Kriegschronik be­schäftigt, wobei die Arbeiten von einigen Volks­genossen freiwillig übernommen wurden. Die Ver­einsführer unseres Ortes haben die Förderung dieser gemeinnützigen Arbeit zugesagt. Zur Ausgestaltung der Kriegschronik werden die alten Soldaten Vor­drucke zur Ausfüllung und Beifügung eines Bildes erhalten, Kosten entstehen ihnen dadurch jedoch nicht. Man hofft, mit dieser Dorf- und Kriegschronik ein Werk zu schaffen, das auch für künftige Generatio­nen von hohem Wert fein wird.

Generalversammlung der Spielvereinlgungisvv

Im VereinslokalZur Stadt Wetzlar" hielt gestern abend die Spieloereinigung 1900 ihre Ge­neralversammlung ab. Vereinsleiter Hohmann begrüßte die Mitglieder und gedachte sodann der im vergangenen Jahre verstorbenen Mitglieder des Vereins, zu deren Ehren man sich von den Plätzen erhob. Anschließend erstattete der Vereinsleiter die Jahresberichte für 1934 und 1935. Aus dem Be­richt des Jahres 1935 ging hervor, daß der Verein dank der aufopfernden Arbeit verschiedener Mit­glieder des Vorstandes, insbesondere des stellver­tretenden Vereinsleiters Karl Keiner, auch in diesem vergangenen Jahre wieder manchen Erfolg verzeichnen konnte. Erfreulich ist es, daß ein Mit­gliederzuwachs zu verzeichnen war. 97 Neuauf­nahmen stehen nur 47 Abmeldungen gegenüber. Nach dem Vortrag der Jahresberichte erftatteten die einzelnen Fachwarte Bericht über die Tätigkeit in ihren Abteilungen. Zunächst berichtete der Leicht- athletik-Fachwart Gg. R i ch t b e r g über die er­folgreiche Arbeit der

Leichlalhlelikableilung.

Der Bericht ließ erkennen, daß unter der Trai­ningsleitung von W. Schmidt auch in diesem Jahre manche hervorragende Leistung erzielt wer­den konnte. Auf die Leistungen im einzelnen einzu­gehen erübrigt sich an dieser Stelle, denn kurz vor Schluß des vergangenen Jahres veröffentlichten wir bereits eine Ueberfchau über die Tätigkeit der Leichtathletikabteilung.

Richtberg erstattete dann auch den Bericht der Handballabteilung,

in dem zunächst betont wurde, daß die Gau-Liga- mannschaft in der Spielserie 1934/35 nicht sehr glücklich kämpfte, im Hallenhandball-Turnier aller­dings wieder glänzend abschnitt und dann in der Spielserie 1935/36 wieder sehr gut in Form kam, so daß sie gegenwärtig an dritter Stelle in der Tabelle steht und das beste Torverhältnis auzuwei- sen hat. Nach der Spielsperre im Sommer des ver­gangenen Jahres konnte 1900 mit drei Handball­mannschaften in die Spiele eingreifen. Die zweite Mannschaft konnte bisher einen mittleren Tabellen­platz erringen, während sich die Jugend nicht immer behaupten konnte. Erfreulich für die Abteilung war, daß ihr bester Mann, Krüger, des öfteren für Repräsentativspiele des Gaues in Anspruch genom­men wurde und gegenwärtig als der beste hessische Handballstürmer bezeichnet' wird. Nachstehende Uebersicht gibt Aufschluß über die im vergangenen Jahre ausgetragenen Spiele:

Liga II. Elf Jugend

Spiele Gew. Unentsch. Verl. Tore 18 10 1 7 180:155

11 5 1 5 75:71

9 2 0 7 44:71

Im weiteren Verlauf der Versammlung berichtete bann der Jugend-Obmann Rohrbach über die

Entwicklung und den Stand der Jugendabteilung.

Er betonte, daß der zahlenmäßige Bestand der Ju­gend gegenüber dem Vorjahre der gleiche geblieben jei, daß jedoch von Seiten der erwachsenen Vereins­mitglieder der Jugend mehr Aufmerksamkeit zuge­wandt werden müßte. Drei Mannschaften konnten zu den Verbandsfpielen gemeldet werden. Die bis­herige erste Jugend-Mannschaft wurde im vergange­nen Jahre geschloffen aktiv. Die nachrückende erste Jugend konnte an die Leistungen der vorhergegan­genen Jugendelf noch nicht anknüpfen. Hoffnungs­volle Kräfte stehen in der Schülermannschaft. Mit der Bitte, der Jugendarbeit im Verein erhöhte Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen, schloß der Jugendobmann seinen Bericht.

Anschließend sprachen die Fußballfachwarte R e i» ning und W. Muhl über

Arbeit in den aktiven Fußballmannschaften, wobei besonders betont werden mußte, daß bisher der Ligamannschaft leider der taktische Führer fehlte. Im übrigen wurde herausgestellt, daß sich die Mann­schaften meist intensiv einsetzten, wenngleich es an kritischen Zeitabschnitten nicht gefehlt habe. In der Spielserie 1934/35 konnte die Liga den zweiten Ta­bellenplatz erringen, in der gegenwärtigen Spiel­serie beunruhigen bedenkliche Formschwankungen. Anschließend eine Uebersicht über die im Laufe des Jahres 1935 ausgetragenen Spiele:

Liga:

Spiele Gew. Unentsch. Verl.

Gesellschaftsspiele 21 10 3 9

Verbandsspiele 16 6 7 3

Pokalspiele 3 2 0 1

II. Mannschaft: Spiele Gew. Unentsch. Verl. Gesellschaftsspiele 12 9 2 1

Verbandsspiele 16 4 3 9

III. Mannschaft:

Tore 44:44 39:32 8:3

Tore 39:11 28:46

Spiele Gew. Unentsch. Verl. Tore Gesellschaftsspiele 2 0 1 1 0:1

Verbandsfpiele 12 ' 4 1 7 27:33

Nachdem noch über Veränderungen, bzw. Ver­besserungen der Platzanlage berichtet worden war, erstattete der Kassenwart den Kassen­bericht, der in Anbetracht notwendig gewordener großer Ausgaben und des in Fortfall gekommenen Beitrags der Jugendlichen nicht sehr gunftig lauten konnte. Die Kaffe wurde von den Prüfern in Ord­nung befunden. Dem Rechner, wie auch dem gesam­ten Vorstand und den Fachwarten wurde Ent­lastung erteilt.

Im weiteren Verlauf des Abends hatte sich ditz Versammlung unter der Leitung des Alterspräsi­denten Karl M ü ll e r mit der Wahl des Vorstaus des zu beschäftigen. Zum vorläufig amtierende» Vereinsleiter wurde Willy Sch m i d t bestimmt, zuns stellvertretenden Vereinsleiter W. Kraushaar. Der neugewählte Vereinsleiter bestimmte foband die übrigen Vorstandsmitglieder und Mitarbeiter« Fußballfachwart bleibt weiterhin Willy Muhl, Leichtathletik und Handball übernimmt wieder Gg» Richtberg. Für den Jugend-Ausschuß rourbeit Helmut Weiß, Gerharb B ö tz unb Karl Rohn bestimmt. Das Amt bes ersten Schriftführers mußte freigehalten werben. Als zweiter Schriftführer wal­tet Karl Neuweiler. 1. Kassenwart wurde mieberum R. Gümbel, 2. Kassenwart E. B o tz. Platzkassierer bleiben E. B o tz unb W. Krämer^ Werdewart würbe mieberum W. Kuhnert. Ztt Beisitzern würben K. Keiner unb W. Hoh« mann gewählt.

Das Ehrenmitglied Karl Müller bankte in kurzer Ansprache allen, bie sich für die Mitarbeit für das Jahr 1936 zur Verfügung stellen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es in der Spielvereini­gung 1900 auch weiterhin vorwärtsgehen möge. Der derzeitige Vereinsleiter W. Schmidt rief noch einmal zur eifrigen Mitarbeit im Verein auf und betonte, daß es notwendig fei, der Tradition der Spielvereinigung auch für die Zukunft gerecht zu werden. Mit einem dreifachen Sieg-Hell auf den Führer Adolf Hitler, auf bas Vaterland und auf den Verein, der feine ganze Arbeit in den Dienst des Vaterlandes stellt, schloß der Vereins­leiter die Versammlung.

Skiläufers Freuden/'

Filmvorlrag des Skiklubs Gießen.

Nachdem der Winter bereits Anfang Dezenwer sich sehr verheißungsvoll einführte und auch die Gießener Skiläufer mehrmals gute Gelegenheiten hatten, dem Skisport zu huldigen, ist eine unfrei­willige Ruhepause im Lager der Skiläufer einge­treten. Vor einigen Tagen kehrten zehn, Gießener Jungens und Mädchen von der Gau-Jugendfki- fahrt des Fachamts Skilauf (Skiklub Gießen) ins kleine Wcllsertcll, nach 14tägigem Aufenthalt in Schnee und Sonne, zurück.

Um diese schneelose Zeit auszunutzen, veranstal­tet der Skiklub Gießen am kommenden Montag, 13. Januar, eine Skifilmvorführung:Skiläufers Freud." Dieser Film führt den Zuschauer in das Gebiet der diesjährigen Winterolympiade, der Alp­spitze und der Zugspitze. Sausende Abfahrten im Rahmen eines Rennens zeigen die hohe Kunst des Skisports, während einsame Wanderfahrten durch die herrliche Winterlandschaft bes Hochgebirges füh­ren. Zeitlupenaufnahmen werben lehrreich bie Ent­wicklung ber verfchiebensten Bogen unb Schwünge bis zum neuesten Temposchwung zeigen. Ausnah­men aus bem Schwarzwald, dem Riesengebirge u. a. werden nicht nur den Wintersportler, sondern auch jeden Natur- und Lichtbildfreund begeistern. Sprungäusnahmen bes besten Skispringers ber Welt, bes Norwegers Birger Ruud, ßanglaufbilber bekannter Finnen unb Norweger mit kraftfparen- ben, rgumgreifenben Schritten, Torlauf in be- stechender Technik beschließen biesen ausgezeichneten Skifilm.

Das IBinterfporfproramm für Gau und kreis.

Bei guter Schneelage werben noch im Januar bie Kreismeifterschaften im Vogels­berg und die Gaumei st erschaften im Taunus ober ber Rhön ausgetragen. Die Kreisjugenbskiläufe finb für ben 18. unb 19. Januar im Vogelsberg unb bie Gaujugenb- skiläufe für ben 22. unb 23. in ber Rhön vorge­sehen. Die Melbungen für all diese Wettkämpfe zeigen schon heute, baß mit sehr interessanten und scharfen Rennen zu rechnen ist. So konnte man be­reits an ben Weihnachtstagen eine ReiheSki­kanonen" beim eifrigen Training für ben Torlauf beobachten.

Am 4. und 5. Februar treffen sich in Frank­furt a. M. bie Teilnehmer an ber Gau-Olympia- fahrt.

gegen spröde Kauf

Nichk müde werden, 'Annelies?

Vornan von Bernhard Langer.

Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin.

29. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Wenn ich nun noch mal mit der Frau rede unb ihr alles richtig oorftellc ...?" begann Frau Euge- nie nach einer Weile zaghaft roieber.Ober wür­dest bu nicht mal ein ernstes Wort mit ihr sprechen? Vielleicht nimmt sie boch Vernunft an. Und wenn sie Günter wieber aus den Augen ist ..."

Der Senator lachte kurz und grollend auf.

Die läßt bestimmt nicht locker^ das kann ich dir versichern. Ich habe sie längst durchschaut. Sie ist imstande, mir zu antworten: Mein bester Herr, er= aluben Sie, bas ist nämlich unsere eigene Ange­legenheit, von der Sie gefälligst Ihre Finger lassen wollen! Und wenn Ihnen die Geschichte nicht paßt und Sie etwa beabsichtigen, Ihre Hand von Gün­ter abzuziehen bitte, ich bin selber reich genug und kann es mir leisten, einen armen Mann zu hei­raten!' Nein, das ist vollkommen zwecklos. Wenn der Junge nicht von selber dahinterkommt, was an dieser Frau ist, bann wird ihm nicht zu helfen fein, wenigstens sehe ich im Augenblick keinen Weg dazu."

Sie sprachen noch lange hin unb her. Aber als ber Senator sich erhob, um wieber ins Geschäft zu gehen, waren sie noch ebenso ratlos wie zuvor.

11. Kapitel.

Mias Stimmung war am anderen Morgen nicht gerade rosig. Sie hatte eine unruhige Nacht hinter sich. Den Nachmittag und den Abend hatte sie in Gesellschaft verbracht, so daß sie nicht viel zum Nachkommen gekommen war; aber als sie zu später Stunde ihr Hotelzimmer aufgesucht hatte, waren die widerstreitenden Gedanken unb Befürchtungen plötzlich wieder aufgetaucht. Sie hatte versucht, sich die Situation vom Mittag klar und nüchtern noch einmal zu vergegenwärtigen. Es bestand kein Zweifel darüber, daß sie Günter durch ihre Aeuße- rung, die er als grobe Taktlosigkeit empfunden, tief

verletzt hatte. Es war ja auch nicht abzuleugnen, daß sie ihn dadurch in eine außerordentlich peinliche Lage versetzt hatte. Man war feiner durchaus noch nicht fo sicher, daß man sich das ungestraft leisten konnte, und es würde aller Geduld und Geschick­lichkeit bedürfen, den nicht abzustreitenden Fehler wieder gutzumachen.

Und diese Annelies Fahrenkamp welche über­legene Ruhe bas Mädchen einem entgegenzusetzen verstand! Sie wußte offenbar, was sie wollte und die richtigen Waffen dagegen konnte man nicht an­fetzen, eben weil man zu viel Rücksichten auf Gün­ters empfindsame Natur unb angeborene Ritterlich­keit zu nehmen hatte.

Es stanb [ebenfalls fest: man hatte einen schweren Fehler begangen! Unb es hieß jetzt, eine anbere Taktik einzuschlagen. Ein Glück, daß es gelungen war, die Frau Senator zu beeinflussen! Günter würde schon beizeiten zu spüren bekommen, daß er von dieser Seite keine Schwierigkeiten zu befürch­ten hatte, unb bas würbe ihm ben Entschluß, sich von seiner Verlobten zu trennen, erheblich erleich­tern. Man würde die gute Fra?« Senator übrigens schon noch dahin zu bringen wissen, daß 'sie bie Entwicklung der Dinge nicht nur stillschweigend duldete, sondern tatkräftig unterstützte. Wenn man es verstand, sie richtig anzufassen, hatte man leichtes Spiel mit ihr.

Damit schob Mia die Angelegenheit für heute von sich. Als sie die eingegangene Post in Empfang nahm, war sie äußerlich wieder ganz bie große Dame, bie ben Dingen bes Lebens überlegen gegen- überftanb.

Unter ben eingegangenen Postsachen befanb sich ein Brief von ihrer Freunbin unb Gesellschafterin, ben sie mit lebhaftem Interesse öffnete. Lore Birk- ners Briefe zu lesen, waren immer ein richtiger Genuß. Die Freundin besaß eine scharfe Beobach­tungsgabe, unb blendende Darftellungsroeife, zün­dender Witz und beißender Sarkasmus machten .hre Ergüsse jedesmal zu einem sprühenden, kni­sternden Feuerwerk, das man mit Behagen über sich ergehen ließ Auch ihr heutiger Brief war in dieser Beziehung ein Meisterwerk. Mia lachte ein paar­mal laut vor sich hin.

Mit einem Male aber nahm ihr Gesicht ben Aus- brucf heftigen Erschreckens an. Lore Birkner hatte sicb di- Hauvtlacb- für den Scbluß bes Briefes auf­

gespart. Sie war nach jenem Abend noch ein paar­mal mit Costa zusammengetroffen, unb er hatte Mia mit keinem Wort wieber erwähnt. Anschei- nenb war bie Sache wirklich für ihn abgetan. Aber man konnte nie wissen, wie es einmal kommen würbe, unb wenn es ein bloßer Zufall war, der es an das Tageslicht brachte, daß Costa Mias Aufenthaltsort kannte. Mia würde natürlich sofort auf den Gedanken kommen, daß diese Kenntnis von ihr, Lore Birkner, stammte. Man mußte also Vorbeugen. Daß Costa nicht verraten würde, wo­her er diese Kenntnis hatte und daß er auch im übrigen reinen Mund halten würde, stand zwar fest; aber Mia war sehr mißtrauisch, und man tat daher gut, ihren sehr begründeten Vermutungen beizeiten einen Riegel vorzuschieben.

Lore Birkner schrieb also:

Unb nun, liebe Mia, kommt bas Wichtigste meiner heutigen Epistel! Leiber ist es nichts An­genehmes: Costa scheint Dir nämlich auf die Spur gekommen zu fein! Ich traf ihn neulich zufällig und hätte am liebsten einen Bogen gemacht, um seinen ewigen Fragen nach Dir aus dem Wege zu gehen. Aber ich'konnte ihm nicht ausweichen, und das war gut, wie sich bann herausstellte. Ich sah ihm sofort an, baß etwas nicht in Orb- nung war. Er war ein bißchen oerbattert, ein bißchen elegisch, ein bißchen empört und ein biß­chen vorwurfsvoll. Eine ganz amüsante Mischung im allgemeinen! Aber ich wußte in diesem Falle sofort, daß kein Grund zur Belustigung vorhan­den war. Unter uns gesagt, Mia, ich finde die Behandlung, bie Du bem armen Kerl zuteil wer­den läßt, schauderhaft. Und ich konnte mir sehr gut vorstellen, daß ich mich geneigt fühlen würde, als milde Trösterin aufzutreten, sofern er solchem Trost zugänglich sein würde und sofern man die Gewißheit haben würde, daß Du Dich eines schönen Tages nicht doch noch wieder anders be­sinnst. Aber das nur nebenbei. Von Dir war mit keinem Wort die Rede. Nicht mal auf Umwegen deutete Costa an, daß er eine Mia Rechberg überhaupt kennt, obgleich ich jeden Augenblick darauf gefaßt war. Erst als er sich wieder ver­abschiedete, erzählte er wie beiläfig, daß er wisse, wo Du Dich aufhältst. Bekannte von ihm hätten Dich dort gesehen. Ich habe natürlich versucht, es ihm auszureden, aber er war feiner Sache

ganz sicher. Offenbar hat er es aus ganz zuver­lässiger Quelle. Dann trottete er wieder ad: ein bißchen verdattert, ein bißchen elegisch, ein biß­chen empört und ein bißchen vorwurfsvoll ...

Mein erster Gedanke war natürlich, Dir sofort Mitteilung davon zu machen. Aber ich wollte Dich nicht beunruhigen oder Dir wenigstens die Stimmung nicht verderben; ich zog es also vor, damit bis zu Deiner Rückkehr zu warten. Und nun habe ich mich noch mal anders besonnen. Du hast anscheinend die Absicht, noch länger dort zu bleiben, und in dieser Zeit kann allerhand geschehen. Ich halte es also für zweckmäßig, Dir Kenntnis davon zu geben, damit Du in jedem Falle vorbereitet bist.

Mia ließ das Blatt sinken. Einen Augenblick saß sie in schreckhafter Bestürzung regungslos da. Dann sprang sie mit einem unterdrückten Ausruf plötzlich auf.

Das war ja eine nette Bescherung! Es war Costa zuzutrauen, daß er eines Tages hier auf­tauchte und seine Rechte geltend zu machen suchte. Wenn er Wind davon bekam, was sich hier ab­spielte, gab es zum mindesten eine heftige Ausein­andersetzung. Vielleicht würde damit sogar alles verloren sein, wenn Günter etwa erfuhr, daß sie vor kurzem noch einem anderen Hoffnung gemacht hatte, war es bestimmt aus ..

Vielleicht war Costa schon unterrichtet. Vielleicht ließ er sie gar beobachten, jeden ihrer Schritte über­wachen. Wenn man ihm nun schreiben würde? Wenn man ihm sagen würde, daß man sich in sich selbst getäuscht habe, daß es doch nicht die rechte Liebe sei und daß an eine Ehe infolgedessen nicht zu denken sei? Man mußte natürlich schonend Vor­gehen und an seine Ritterlichkeit appellieren.

Aber nein, damit würde er sich nicht zufrieden geben, das würde ihn im Gegenteil erst recht ver­anlassen, herzukommen und eine Aussprache herbei­zuführen. Es gab nur eins: zu versuchen, so schnell wie möglich mit Günter ins Reine zu kommen. Dec vollendeten Tatsache gegenüber würde Costa sich wohl ober übel bescheiden müssen, unb er würbe bann wohl auch Kavalier genug sein, Diskretion zu wahren. Ja, das war die einzige Möglichkeit und nun hieß es, mit vollen Segeln loszugehen.

(Fortsetzung folgt!)