Wege im Nebel.
Vornan von Käthe Melmer.
(Copyright by Aufwärts-Derlag, Berlin SW 68.)
27 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Daß ihm im Innern seines Herzens nicht ganz so zuversichtlich zumute war, verriet Gerhard Janna freilich nicht. Der Gedanke, daß Olga Will- noff bei Rammelt ihre Intrigen gesponnen hatte, in mehr als einer Beziehung sogar, hatte chn sei der Eröffnung, die ihm Walter gemacht hatte, nicht mehr verlassen. Es ftaftb jetzt als sicher für ihn fest, daß sie zuerst Rammelt von seiner Rückkunft und erneuten Beziehungen zu Janna in Kenntnis gesetzt hatte, dann womöglich das Gutachten selber gegen ihn und seinen Bruder ausspielen wollte. Er kannte sie ja wahrhaftig gut genug, um zu wissen, daß nicht, wie sein Bruder es gememt hatte, selbstlose Uneigennützigkeit hinter ihrem Tun stand.
Jannas Stimme weckte ihn aus seinem Grübeln.
„Woran denkst du, Gerhard? Fürchtest du dich nun auch vor ihm?" _ o
„Ich mich fürchten? Wo denkst du hin? Ich bin schon mit andern Dingen fertig geworden in meinem Leben. Ich werde auch schon mit diesem Ram- melt fertig werden! Und nun leg dich erst noch einmal eine 'Weile hin und versuche mir 'einmal ganz deutlich zu erklären, was es eigentlich mit diesen Schulden, ich meine also deinen und Frau von Bergmanns Verpflichtungen Rammelt gegenüber, auf sich hat!"
Wie ein Kind ließ sich Janna ZUM Ruhebett führen und sich die Tränen von den blassen Wangen trocknen. e, .... .„
„Wenn ich das alles nur selbst ganz klar wußte sagte sie Zweifelnd. „Aber Tante Amalie hat mir die Akten selber nie gezeigt. Seit Vaters Tod durfte man mit ihr überhaupt nicht über derartige Ding reden. Sie bekam dann gleich Wemkrampfe, und es dauerte lange, bis man sie wieder beruhigen konnte. So kam es von selbst, daß leder 'M Hause das Thema vermied. Man kann es ja auch> ver- stehen, wenn man bedenkt, wie verwohnt Tante
Amalie einmal gewesen ist und wie sehr der fast völlige Ruin meines Vaters sie mittreffen mußte, bei dem auch sie ihr ganzes Vermögen verloren hat!"
„Frau von Bergmann hatte also deinem Vater ihr Vermögen zur Verfügung gestellt?"
„Ja, zwischen ihr und ihrem Bruder bestand stets eine sehr große Anhänglichkeit. ,Was mir gehört, gehört auch dir!" pflegte sie zu sagen. Du mußt nämlich wissen, daß Tante Amalie vor zwei Jahren, als Vater noch lebte, ein umgänglicher, verständnisvoller Mensch war, mit dem man alles besprechen konnte. Ihre Verschlossenheit, ihr ganzer nervöser Zustand stammt erst aus diesen schrecklichen Tagen nach Vaters Tod. Damals zog sie ja auch erst zu uns. Aber es war manchmal recht schwer, mit ihr auszukommen ..."
„Wie ist aber nun Ralf Rammelt helfend eingesprungen?" warf Gerhard ein.
„Eigentlich schon in der letzten Zeit vor Vaters Tod. Vater war damals schon sehr krank, die Aerzte selbst gaben wenig Hoffnung mehr. Ralf verbrachte Damals manche Stunde an Vaters Bett, obwohl ich selbst es nie gern gesehen habe, da Vater nach seinen Besuchen immer sehr erregt war."
„Verstanden sich die beiden eigentlich gut, dein Vater und Rammelt?"
„Ralf nannte sich Vaters Freund! Und auch Vater bat wohl immer ein großes Vertrauen In ihn gesetzt, sonst hätte er ihm in Geldsachen nicht so unbedenklich nachgegeben. Und Ralf selber muß ja schließlich für Vater eine Menge ubriggehabt haben, wenn er mit seinem Vermögen für ihn und seine Tochter, ja selbst für seine alte Schwester eintreten konnte! Er hatte Vater wohl auch noch Geld geliehen, große Summen, die weder er noch wir Ralf je zurückgeben könnten. Das eben ist es ja, was mich mehr als alles andere bedruckt.."
„Sag einmal, Janna, hast du eigentlich deiner Tante erzählt, daß du dich mit mir in Oberhof ^arma wurde unwillkürlich rot. Zu überraschend, zu plötzlich kam die Frage.
Nein Gerhard! Tante Amalie hat dich ja nie kennenaelernt.Natürlich weiß sie von dir Damals hm sie an deinem Geschick sogar großen Anteil ge- nommen. Aber jetzt--sie fragt mich eben nicht
mehr, und warum sollte ich von selbst anfangen mit Dingen, die ihr doch nur das Herz schwer machen würden, wenn sie sie wüßte?"
„So hat sie dich also doch auf ihre Art gern?"
„Gewiß hat sie das, sehr sogar, — schon als Tochter ihres Bruders! Ich glaube auch, daß sie sich oft großen Kummer um mich gemacht hat. Wie oft hat sie mich im Anfang zweifelnd gefragt: »Bist du denn glücklich, Sanna?* Nur nach und nach, als es für uns ja doch keinen Ausweg mehr gab, ist eben auch diese Frage bei ihr verstummt, und nur manchmal sieht sie mich noch mit traurigen Blicken an, so daß ich am liebsten in ihre Arme stürzen und mich aussprechen möchte. Aber dann schon im nächsten Augenblick ist sie wieder so verschlossen, daß man kein Wort herausbringen kann. Kannst du das verstehen, Gerhard?"
Sinnend nahm Gerhard Brand ihre Hande, wie in tiefem Nachdenken starrte er eine Zeitlang vor sich hin, blickte dann tief in «ihre Augen: „Gewiß kann ich das verstehen, Janna! Arme Tante Amalie! Die alte Dame muß viel durchgemacht haben, daß sie so werden konnte! Aber nun hör einmal zu! Ich muß jetzt unbedingt fort! Ich habe noch etwas Dringendes zu erledigen, das keinen Aufschub duldet. Sag, kann meine Janna noch einmal tapfer fein? Nein, nicht meinen! Nicht den Mut sinken lassen! Es wird schon noch alles gut endigen, glaub mir! Nur den Mut nicht verlieren!"
Noch einmal drückte er sie an sich, bann, ehe Jie noch ein Wort der Antwort, eine Frage an iyn gerichtet hatte, war sie auch schon wieder allein.
Lange noch grübelte sie über seine Worte nach. Fast kam es ihr vor, als hätten feine letzten Worte Über die alte Dame, feine Teilnahme für sie, einen besonderen Sinn gehabt."
Sie lächelte plötzlich, fröhlich, fast befreit. „Nur Mut!" hatte er gesagt. Sicher hatte er einen neuen Weg, auf dem es Hilfe und Rat für sie beide gab! „Nur Mut!" Nun, so wollte auch sie wieder Mut haben!
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In dem behaglichen Wohnzimmer Frau von Bergmanns, dessen Einrichtung gediegenen Geschmack verriet, deckte das Mädchen den Äaffeettsch.
„Sagen Sie, Minna, weshalb war eigentlich das
tum» bei uns nicht zur Macht gelangten, und der es ermöglichte, daß wir heute in der Lage lind derartige Feiern veranstalten zu tonnen. Zwilchen- tiurd) trug der hiesige Kirchengesangoerein zur Der- fdjonerung ber dreier zwei Chore vor. Inzwischen war der von der Kampfzeit her in unserer Stadt bekannte Pg. Wenbnagel eingetroffen und aufs herzlichst« begrüßt worden. Pg. ffienimagel hielt eine Ansprache und zog einen Vergleich zwischen der Kampfzeit und heute, wobei er betonte daß erst bei einer solchen riickschauenden Erinnerung die g-nze Troße der Wandlung deutlich werde, die seit der Machtübernahme durch den Führer lick in Deutschland vollzogen ha? Er bezeichnete dtest Wandlung ab ein Wunder, das sich nur durch d e Einigkeit'des deutschen Volke- vollzogen habe. Als Eegenstuck führte er dann frühere Zeitepochen an, wie z.B. den 30|at)rigen Krieg, wo von 15 Mil.
^iitschen nach Beendigung des Krieges nur noch 5 Millionen ubrtggeblieben waren. Der Red- ner forderte auf, dem Führer, der fein ganzes Le- den nur Jur die Erhaltung des deutschen Volkes einfetzte, den Dank dadurch zu beweisen, daß auch wir uns ganz in seinen Dienst stellen und ihm dadurch zur Forderung und Vollendung seines Lebens- wertes behilflich feien. Die Rede, die mit ftürmi- schem Beifall ausgenommen wurde, klang in ein dreifaches Siea-Heil auf den Führer aus. Mit dem Gesang des Horst-Wesfel-Liedes wurde die Feier geschlossen.
+ Beue r n, 8. Dez. In unserem Orte ereignete sich em 21 uto Unfall. Ein Personenwagen der aus dem Bersröder Weg in die Hauptstraße einbiegen wollte, fuhr einem anderen Personenkraft- wagen in die Flanke. Glücklicherweise entstand nur Sachschaden. — Bei der K a r t o f f e l s p e n d e für das Winterhilfswerk wurden in unserem Orte 120 Zentner gespendet und zur Bahn gebracht .
+ Grünberg, 6. Dez. Am Samstagabend fand in der Turnhalle eine gut besuchte Kundgebung der NSDAP, statt. Redner war der aus der Kampfzeit hier noch in gutem Andenken stehende Pg. Oskar W e n d n a g e l. In fünfviertel- ftündiaen Ausführungen zeigte er die große Wand- lung, die im deutschen Volke sich vollzogen hat, die er als das Werk des Führers pries. Gegenüber den Verfallzeiten, wie sie in der Geschichte unseres Volkes infolge der religiösen, weltanschaulichen und politischen Spaltungen immer wieder kamen, hob er die durch den Führer wieder geschaffene Volks- gemeinsckaft hervor, die sich auf die deutschen Tugenden Der Ehre, Treue und Tapferkeit gründet. Der Redner erntete lebhaften Beifall für seine packenden Ausführungen. Einleitend wies der Redner auf zwei Vorkommnisse aus feiner Betätigung zur Kampfzeit in Grünberg hin, sein Auftreten als Diskussionsredner gegen den Sozialdemokraten Dittmann und an die Sonnwendfeier 1932, bei der ein Überfallkommando aus Butzbach zur Verhin- berung dieser Feier nach hier beordert wurde.
> Harbach, 7. Dez. Der Reichsmütterdienst im Deutschen Frauenwerk veranstaltete in der Zeit vom 23. November bis 5. Dezember einen Müt - terschulungslehrgang für Säuglingspflege. Der Kursus war recht gut besucht und fand am Samstagabend mit einem Gemeinschaftsabend seinen Abschluß. Schwester Jula Kliff - m ü l l e r hat es verstanden, sich in ber kurzen Zeit die Sympathie ber hiesigen Einwohnerschaft zu erwerben. Die Kursusteilnehmerinnen holten sich manche Anregung für ihre Betätigung in ber Säuglingspflege. Nicht zuletzt fei Schwester Jula Kliff- müller für die Ausgestaltung ber schönen Abschiedsfeier, an ber sich auch der BDM. beteiligte, Dank gesagt. Lied- und Gedichtsvorträge, Kanons, Spiele und Reigen wechselten in bunter Reihenfolge miteinander ab. Die Frauenschastsleiterin und Bürgermeister Münch dankten der Kursusleiterin für die große Mühe, die sie sich bereitet hatte.
— Allertshausen, 8. Dez. Wegen ber sehr stark auftretenden Grippe mußte die hiesige Volksschule geschlossen werden. Don der Krankheit sind auch viele Erwachsene betroffen.
"V Watzenborn-Steinberg, 7. Dez. Der hiesige Männergesangverein „Eintracht" hielt im Vereinslvkal „Zum grünen Baum" seine Jahresschluß-Hauptversammlung ab. In Vertretung des Dereinsführers leitete der 2. Vorsitzende Karl Häuser IX. die Versammlung. Nach Begrüßungsworten gedachte die Versammlung in ehrwürdiger Weise ihres im abgelaufenen Jahre gestorbenen Ehrenmitgliedes Heinrich Wallbott. Es folgte der Geschäftsbericht, aus dem zu ersehen war, daß ber Verein unter der Stabführung seines Charme isters Georg H a r n i fch wiederum ein gutes
Der Bauerntag in Schotten.
Bedeutungsvolle Kundgebung der Kreisbauernschast Oberheffen Ost.
NSG. Schotten, 7. Dez. Für bas Landvolk im Voaelsberg war der Bauerntag ber Kreisbau. ernsthaft Oberhessen-Ost ein Tag ber Stärkung im gemeinsamen Gedanken des Nationalsozialismus. Die umfangreiche Ausstellung, die bereits am Mitt- hoch, dem 2. Dezember, durch den Landesbauern- uhrer Dr. Wagner eröffnet worden war, bildete )en Anfang des Bauerntages und fand an fämt- Liepen Tagen ein fo überraschend allgemeines Interesse, daß die Räume bis 23 Uhr geöffnet bleiben mußten.
Am Samstag nahm der Bauerntag mit einer
Versammlung ber Ortsbauernführer einen Anfang. Landesobmann Seipel rief den versammelten Bauernführern in Erinnerung, daß die Erhaltung der Blutskraft unseres Volkes und die Sicherung unserer Ernährung die beiden großen Aufgaben des deutschen Landvolks sind. Weiter behandelte der Landesobmann die agrarpolitische Gesetzgebung und die Wirtschaftspolitik des Reichsnährstandes. Der Grundgedanke unserer Marktordnung ist die Schaf- ung einer Sicherheit und Beständigkeit für alle am Wirtschaftsleben beteiligten Kräfte, — für Erzeuger, Verteiler und Verbraucher. Die wirtschaftliche Einigung konnte nur durch die Gründung einer Drgani- ation erreicht werden, die in der Ernährungsfrage ür die Gesamtheit die Grundlage ist. Unserer heutigen Ernährungswirtschaft ist ber volle Erfolg belieben, wenn bie Leistungssteigerung ber Landwirtschaft durch die Disziplin der Veroraucherschaft unterstützt wird. Nach eingehender Behandlung von Einzelfragen ergriffen die Geschäftsführer des Ge- treidewirtfchaftsverbandes ebenfalls das Wort. Am gleichen Nachmittag fand die
Arbeitstagung der Hauptabteilung II, deren Aufgaben und Ziele durch den neuernannten Landeshauptabteilungsleiter Scharck in der Öffentlichkeit vertreten wurden, statt. Von ber Feststellung aus, daß unsere Landesbauernschaft nach Klima und Bodenbeschaffenheit bie größten inneren Unterschiede aufweist, ging der Redner zu einer Darstellung wichtiger Maßnahmen über. Aus den Erfahrungen der Praxis und der Forschung wird eine immer intensivere Landwirtschaft aufgebaut, und es ist vor allem notwendig, daß die ländliche Jugend durch eine gründliche Schulung zur vorbild- liehen Bewirtschaftung des deutschen Ackers befähigt wird. Weitere Referate galten den Tagesfragen auf den Gebieten des Pflanzenbaues und der Tierzucht.
Vogelsberger Heimatabend.
Am Samstagabend vereinte ein Vogelsberger Heimatabend die Schottener Bevölkerung und ihre Gäste in der Turnhalle, die sehr stark besucht war, Nach einleitenden Musikstücken rief Bürgermeister Mengel den Gästen einen Willkommensgruß der
Stadt zu. Der Schottener Männerchor trug einige Chore vor und erntete reichen Beifall. Besondere Anerkennung fand ein ernstes Stück, von Kräften des Eichelfachfener Arbeitslagers gespielt. Die Schottener Frauenschaft ließ oas Spiel „Als ich Abschied nahm, als ich wiederkam" auffuhren, bas begeistert aufgenommen wurde. Musikstücke, Heimatlieder, Mundartgedichte u. bgl. wechselten miteinander ab.
Der Sonntag brachte bann zunächst die
Arbeitstagung der Hauptabteilung I,
in deren Verlauf zunächst Kreisleiter K r o m m • Schotten, bas Wort ergriff. Dann sprach Landeshauptabteilungsleiter Finger über die Aufgaben der Hauptabteilung I, deren Pflicht die Betreuung und Erziehung des bäuerlichen Menschen ist. Der Redner wies auf die Neuordnung Des Begriffes Landarbeiter hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese in der weiteren Zukunft einen festen Landarbeiter st and sichern werde. Die Beschaffung von Arbeitskräften für das Jahr 1937 wurde ebenfalls besprochen, gleichzeitig wurde auf die Notwendigkeit der bäuerlichen Siedlung im Osten als Grenzwall hingewiesen.
Oie Großkundgebung
am Sonntagnachmittag gestaltete sich zu einer ber eindrucksvollsten Bauernversammlungen, die jemals im Vogelsberg stattgefunden haben. Ungefähr 2000 Männer und Frauen kamen um bie Mittagszeit in Schotten zusammen unb füllten schon vor Beginn der Kundgebung den Saal und die Empore der Turnhalle bis auf den letzten Platz. Alle Gliederungen der Partei sowie des Reichsarbeitsdienstes waren durch Fahnenabordnunaen oertreten. Bezirks- bauernführer Straub eröffnete bie Dersamm- lung und begrüßte den Landesbauernführer herzlich. Dr. Wagner ergriff sofort das Wort zu feiner großangeleoten Rede, die bie Stellung unb Aufgabe des Bauern im nationalsozialistischen Reich zum Gegenstand hatte. Der Landesbauernführer zeigte den Versammelten, welche Aufgaben der erste Dierjahresplan des Führers vom Februar 1933 enthielt unb in welch umfassender Weise sie gelöst mürben. Der neue Vierjahresplan hat das ganze Volk zu einer noch festeren Leistungsgemeinschaft vereint, und die erste Pflicht der Landwirtschaft ist es, das Brot für Arbeiter und Soldaten zu schaffen. Die unversiegbare Kraftquelle zu allen notwendigen Anstrengungen ist nur bie anständige Gesinnung jedes Deutschen, der Nationalsozialismus.
Wie sehr der Landesbauernführer die Schwierigkeiten unb Sorgen der Landwirtschaft kennt, bewies jede Einzelheit dieser Rede, bie immer wieder von spontanen Beifallsäußerungen unterbrochen wurde und dem oberhefsischen Landvolk neuen Kampfgeist und Leistungswillen gegeben hat.
Stück zum kulturellen Aufbau beigetragen hat unb schöne Erfolge buchen konnte. So wurde außer ber Teilnahme am Wertungsfingen in Garbenteich eine Sängerfahrt nach Frankfurt a. M. angetreten, wo der Chor am 24. Mai d. I. in der Stunde des Chor- gefanges fein Können unter Beweis stellen konnte. Der Rechner Georg K o l m e r gab den Kassenbericht bekannt, ber erstmalig keine Beitragsrückstände aufweist und mit einem Guthaben von 404,62 Mark abschließt. Nach Ueberprüfung ber Rechnung durch die Sänger Heinrich Schm and t und Karl Brücke! wurden dem Rechner und Vorstand Entlastung erteilt. Der Verein zählt zur Zeit 156 Mitglieder. Für das kommende Jahr roeroen beide Rechnungsprüfer beibehalten. Sechs Mitglieder wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt und erhielten das Diplom: Karl Ruckelshausen, Georg Kolm er, Karl Reitschmitt, Karl S ch m a n d t IV., Georg Balth. Häuser und Karl Haas. Außerdem wurden den vier Erstgenannten die silberne Ehrennadel für 25jährige aktive Sängertätigkeit überreicht. Karl Reitschmitt sprach dem Verein den Dank aus und schloß mit dem Appell an die jungen Sänger, ihrem Vorbild nachzueifern. Eine besondere Ehrung wurde dem Chormeister Georg Harnisch zuteil, durch dessen zehnjährige zielbewußte Leitung des Chores der Verein feinen beachtlichen Stand zu verdanken hat. Zum Zeichen des Dankes überreichte der Versammlungsleiter ein Geschenk. Der Dereinsführer Karl Ruckelshausen wurde wiedergewählt, somit
bleibt der Vorstand in seiner seicherigen Zusammensetzung bestehen (außer dem zweiten Führer, ber sein Amt nieberlegte). Das Wintervergnügen findet voraussichtlich am 9. Januar 1937 statt. Zum Fahnenträger wurden die Sänger Otto Zammet und dessen Stellvertreter Walter M u ch e bestimmt: Ortsgruppenleiter Wilhelm Philipp richtete bie Mahnung an bie Sänger, auch fernerhin treu zum beut- chen Liede, zu dem hohen deutschen Kulturgut, zu tehen. Hierauf schloß der Versammlungsleiter den zeschäftlichen Teil. In fröhlicher Sängerkamerab- chaft unb bei manchem Liede blieben bie Sänger noch lange beisammen.
Lang-Göns, 8. Dez. Am morgigen Mittwoch kann unser Mitbürger Konrab Rudolph, Obergasse, in voller körperlicher unb geistiger Rüstigkeit feinen 7 9. Geburtstag feiern. Dor einigen Monaten begingen er und feine Ehefrau bas Fest der goldenen Hochzeit.
s. Lang-Göns, 7. Dez. Seit einigen Tagen hat auch bei uns bie Holzhauerarbeit in den Gemeindewaldungen begonnen. Da im letzten Winter sehr viel Holz geschlagen morden war und noch Reste davon zu verarbeiten sind, ist die Menge, bie gefällt wird, in diesem Jahre nicht sehr groß. Etwa 800 Raummeter kommen in Betracht.
ch Li ch, 4. Dez. Auf der zweiten Landessach- gruppen - Geflügelausstellung des Gaues Nassau- Hessen konnten die nachstehenden hiesigen G e» flügelzüchter schöne Erfolge erzielen. Es errangen: Karl Alles auf Zwergwyandotten, dunkel:
viermal gut. — Karl Fey auf dieselbe Rasse: sehr jut und gut. — Georg Schmidt II. auf Rhein- I änber, schwarz: zweimal sehr gut unb zweimal jut. — Albert ©ieoemann auf Zwerg-Langschan, chwarz: sehr gut mit Ehrenpreis, sehr gut 2 unb ehr gut 3.
— Rodheim (Horloff), 7. Dez. Die Gemeinde läßt gegenwärtig längs des Bachufers Zwet - chenbäume anpflanzen. Diese 21npffan- ung wirb sich nicht nur als nützlich erweisen, andern sie wirb auch xur Verschönerung bes Tales beitragen. — Die Ho lzhauerarb eiten sollen in der nächsten Woche beginnen. Dank des Rückganges ber Arbeitslosigkeit können in diesem Jahre wieder Landwirte dabei beschäftigt werben.
Kreis Friedberg.
* Münzenberg, 8. Dez. Am Sonntag feierte bie Evangelische Mäochenschar chr 2 0. Jahres- e st, wozu alle früheren Mitglieder, sowie aus- wärtige Mädchenscharen eingeladen waren. Mor« gens fand in Der reichgeschmückten Kirche ein gut- besuchter Festgottesdienst statt. Der durch seine rühere Tätigkeit in der Gemeinde bekannte Pfarrer Studienrat B e y r i ch (Offenbach) hielt bie Festpredigt. Mittags hielt Fräulein L i n d e h o l z einen Vortrag, unb am Abend versammelte man sich zu einem gemütlichen Beisammensein im Gasthaus „Zur Burg".
kreis Schotten
□ Laubach, 7. Dez. Die kürzlich zur Hebung des hiesigen Viehstandes angeregte Errichtung einer Jungviehweibe hat einen guten Erfolg gezeigt. lieber 20 Bauern unb Landwirte haben sich zur Gründung einer Weidegenossenschaft bereit erklärt. Das für die Weide benötigte Wiesen» gelänbe liegt im Laubacher Stadtwalb an der Straßenkreuzung nach Schotten (sog. Neue Wiese) und hat eine Große von 38 Morgen. Hiervon gehören 26 Morgen der Stabt unb 12 Morgen dem Grafen zu Solms-Laubach.
♦ Ulfa, 8. Dez. Gestern verstarb in ber Chirurgischen Klinik zu Gießen ber etwa 38 Jahre alte Steinbrucharbeiter Richard Graf von hier. Der bedauernswerte Mann hatte im Frühiahr dieses Jahres bei seiner Arbeit einen Schädelbruch erlitten, dessen Folgen er nunmehr erlag.
♦ Eichelsdorf, 8. Dez. Gestern übernahm ber kommissarische Bürgermeister unserer Gemeinbe, Bg. Dahmer, Schotten, die Geschäfte. — Die rippe tritt hier fo stark auf, baß bie Schule geschlossen werben mußte. Die Krankheit verläuft im allgemeinen leicht. — Dieser Tage verstarb im Alter von fast 99 Jahren bie älteste Einwohnerin unseres Dorfes, Frau Katharine Elisabeth Schenk.
# Groß-Eichen, 7. Dez. Am Donnerstagabend zeigte die Gaufilmstelle hier in der Turnhalle den Tonfilm „Friefennot". Im Beiprogramm sah man den Film „Nordlandfahrt".
Kreis Alsfeld.
l Als selb, 7. Dez. Am vergangenen Sonntag fanb in ber festlich geschmückten Turnhalle in Anwesenheit ber Lehrmeister unb einer Anzahl von Gasten bie feierliche Lossprechung ber Jung-Gesellen bes Kreises Alsfeld unter Überreichung ber Gesellenbriefe statt. Kreishanbwerksmeister Koch (Alsfeld) In feiner Eigenschaft als Kreisbetriebsgemeinschaftswal« ter bes Handwerks wies in feiner einleitenden An» »auf die Bedeutung ber Gesellenprüfung e spätere Erlangung ber Berechtigung als Handwerksmeister hin, Die heute Voraussetzung für Die Selbständigkeit eines jeden Gewerbes fei. Er betonte insbesondere die Wichtigkeit und Bedeutung einer guten Schulung des handwerklichen Nachwuchses. Hierauf nahm Kreishandwerksmeister Koch die feierliche Lossprechung ber jungen Gesellen bes Kreises Alsfeld, deren Zahl etwa 60 betrug, in Form eines Gelöbnisses ber Prüflinge zum Hanowerk und zum Staat vor. Hieran schloß sich die Überreichung der Gesellenbriefe an bie jungen Gesellen an. In seiner Schlußansprache überwies Kreishandwerksmeister Koch die Jung-Gesellen in den Schutz der Altgesellen, für bie Alt-Geselle Heinrich Loth - Alsfeld eine entsprechende Erklärung abgab. Der Kreishanbwerksmeister legte ben Prüflingen bringenb ans Herz, in die Welt hinaus zu gehen unb ihre Kenntnisse draußen in den verschiedenen Berufszweigen zu erweitern. Die würdige Feier wurde von Musikstücken der Kapelle Schmidt sowie von stimmungsvollen Gedichtvorträgen durch Junggesellen umrahmt.
# Ober-Ohmen, 7. Dez. Die Holzhaue« rei in ben Waldungen der Freiherrn von Riedesel und denen ber Gemeinde hat dieser Tage begonnen.
Mädchen von Herrn Dr. Rammelt heute mittag bei Ihnen? Hatte sie etwas zu bestellen?"
„Ach, die Pauline? Nein, zu bestellen hatte sie nichts. Sie fragte nur, ob Herr Dr. Rammelt hier märe. Ich habe ihr gleich gejagt, bei uns wäre er nicht, aber sie schien es nicht einmal glauben zu wollen. Sie war auch ganz aufgeregt darüber, aber einen Grund hat sie weiter nicht angegeben!"
„Hat sie auch nach Fraulein Janna gefragt?"
„Ja, nach Fräulein Janna auch. Und als ick ihr sagte, die wäre auch nicht hier, wollte sie sogar chre 2ldreffe haben. Aber bie wußte ich ja selber nicht."
„Ist auch ganz gut so. Die Adresse von Fräulein Janna geht das Mädchen von Dr. Rammett 'n schließlich nichts an! Uebrigens,--wenn die
Pauline noch einmal zurückkommen sollte, schicken Sie sie doch bitte zu mir heraus."
Noch lange, nachdem bas Mädchen gegangen war, blieb Amalie von Bergmann am Fenster stehen, nahm bann endlich am Tisch Platz, um etwas zu genießen.
Doch schon nach wenigen Minuten schob sie bie kostbare Tasse aus Meißener Porzellan mit einer müden Bewegung zurück. Es lag wie ein Druck auf ihr, feit Janna ohne Abschied wieder fortgegangen war. „Irgend etwas muß vorgefallen fein", sagte sie leise vor sich hin. Nur einen kleinen Zettel hatte Janna hinterlassen. „Nicht böse fein, Tantchen! Ich bin nur auf ein paar Tage eingeladen. Später erkläre ich Dir alles!" hatte darauf gestanden. Mehr hatte sie nicht angegeben. Nicht, wer sie eingeladen hatte, keine Adresse, nichts!
Arme, kleine Janna! dachte die alte Dame. Nein, sie war nicht glücklich! Statt besser, war es im Lauf ber Zeit in dem Verhältnis zwischen ihr und Ralf Rammelt nur schlimmer geworden. Die Zeit, die für andere Mädchen die Zett bes schönsten und ungetrübtesten Glückes bedeutete, war für sie eine Zett ber Qual unb des Kummers geworden. Wie aber sollte es bann erst werben, wenn beibt verheiratet waren?
Amalie von Bergmann seufzte tief auf, preßt» bie Finger wie im Krampf an bie Schläfen. Wenn sie nur helfen könnte! Aber chr waren ja die Hände gebunden. Nichts, nichts konnte sie tun.
(Fortsetzung folgt 1)


