186. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Ur. 287 Srste§ Blatt M. Jahrgang Dienstag. 8. Dezember OZ6
W • M ® annahm, oon Anzeigen
Wn« Kmm-nL A ▲ ▲ <▲. ▲A AA A A A A ▲▲ ^8v.u^N°-mLag-
Heimat IM Bild Die Scholl- ■ W B Bb Bila BlMlv ■■ M Iw bI^v Grundpreise mm höhe
Monarr-Vezugrprets: ■ ■ W ■ 8/ IÄ IT ■ ■ MV ■ MW W W 1711 W 17 W für Anzeigen oon 22 mm
Mit 4 Beilagen RM.1.95 MW WW Bf MM W< W W W / ■ I | Br II I Bf W Breite 7 Rps.. für Text- Ohne Illustrierte . 1.80 M W M W BL W H WL W JC W M BB W M W M W anzeigen von 70 mm Breite
Zustellgebühr .. . -.25 M Bk ■ ■ WT W | M W W Mk 50 Rpf.,Platzvorschrift nach
Auch bei Nichterscheinen B W ^^F M W ^7 vorh.Bereinbg.25°/„ mehr.
?nfolgelnTöZ«r^U(BeroCatt fVdF Ermäßigte Grundpreise:
Seneral-Anzcher für Gbechessen WW
granifurt am Main 11686 vruckl und Verlag: vrühl'sche UniversttStsvuch- und Steindruckerei v. Lange in Sieben. Schriftieitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 1 Mengenabschlüsse Staffel B
Vierjahresplan vom Arbeitseinsatz gesehen.
Don Or. Erich Schmidt, Berlin.
Das Bild und die Lage unseres Arbeitseinsatzes haben seit 1933 eine so gründliche Wandlung erfahren, daß wir heute vor völlig neue und andere Aufgaben gestellt sind. Zweifelten 1933 vielleicht manche im stillen daran, ob es möglich würde, die Zusage der Ueberwindung der Arbeitslosigkeit in den ersten vier Jahren einzulösen, so stehen wir heute vor der Notwendigkeit der Sicherung der Arbeitskräfte für die Größe der zu bewältigenden Aufgaben. Damit aber ist die planvolle Leitung des Arbeitseinsatzes in den Vordergrund getreten. Es kommt darauf an, jede einzelne Arbeitskraft zur höchstmöglichen Auswirkung kommen zu lassen und den Facharbeiternachwuchs für die Zukunft zu sichern.
Schon 1934 haben sich die ersten Anzeichen der jetzt gestellten Aufgaben bemerkbar gemacht. Damals handelte es sich um die Landwirtschaft. Die Erzeugungsschlacht war eingeleitet worden, um möglichst völlige Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes zu erringen. Das aber fiel in eine Zeit, da die ersten großen Erfolge im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit in der gewerblichen Wirtschaft sich fühlbar machten.
Ehemals städtische Arbeiter, die ursprünglich vom Lande stammten und in den Jahren der Wirtschaftskrise in ihre ländliche Heimat zurückgewandert waren, strebten danach, in die Stadt zurückkehren zu können. So trat in der Landwirtschaft zuerst das Problem auf, vor das wir heute auch für wichtigste Zweige in der gewerblichen Wirtschaft gestellt sind: nämlich die Aufgabe der Sicherung der Arbeitskräfte. Für die Landwirtschaft suchte man sie zu lösen durch das Gesetz zur Regelung des Arbeitseinsatzes vom 15. Mai 1934. Es ermächtigte den Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, anzuordnen, daß die am Tage des Inkrafttretens der Anordnung oder in vorhergehenden Jahren in der Landwirtschaft tätigen Arbeiter und Angestellten nur mit besonderer Zustimmung mit nichtlandwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt werden dürfen. Weiterhin wurden durch das Gesetz die von einer solchen Anordnung erfaßten Betriebe verpflichtet, auf eine besondere Weisung hin die Arbeiter oder Angestellten zu entlassen, die in den letzten drei Jahren in der Landwirtschaft tätig waren. Präsident Dr. Syrup hat von der damaligen Ermächtigung rasch Gebrauch gemacht. Bereits am 17. Mai 1934 erließ er seine Anordnung über die Beschränkung des Einsatzes landwirtschaftlicher Arbeitskräfte und die Ermächtigungsanordnung über die Rückführung Angehöriger landwirtschaftlicher Berufe in die Landwirtschaft.
Das so schon 1934 für die Landwirtschaft gegebene Problem der Sicherung der Arbeitskräfte für Gegenwart und Zukunft ist jetzt eine Aufgabe auch der gewerblichen Wirtschaft durch den Vierjahresplan geworden. Es ist notwendig, die vorhandenen Produktivkräfte, qualifizierte Facharbeiter, Fabrikanlagen und Rohstoffe so einzusetzen, daß die mit dem Vierjahresplan gestellten Aufgaben ihre Lösung finden können.
Die mit Recht in der gesamten Oeffentlichkeit besonders stark beachteten sechs Anordnungen des Beauftragten für den Vierjahresplan, Ministerpräsidenten Generaloberst Göring, die am 7. November erlassen wurden, und die fünf, die in den letzten Novembertagen erlassen sind, wollen die Sicherung des sinnvollen Einsatzes unserer Produktivkräfte vom Arbeitseinsatz her lösen. Die Anordnungen selbst haben ja ausgesprochen, in welcher Reihenfolge die gestellten Aufgaben staats- und wirtschaftspolitische Bedeutung'haben. Zuerst kommt die Wehrhaftmachung. Dann folgen die Sicherung der Ernährung, der Ausbau der heimischen Rohstoffwirtschaft, die Forderung der Ausfuhr, sowie die Schaffung gesunden Wohnraumes für die arbeitende Bevölkerung. Diese Reihenfolge soll in erster Linie dadurch eingehalten werden, daß die Arbeitskräfte ihr entsprechend zum Einsatz gelangen. War bei der Landwirtschaft die Aufgabe gegeben, die Zahl der benötigten Arbeitskräfte an sich zu sichern, so kommt es letzt daran, an die in der Eisen- und Metallwirtschaft und im Baugewerbe vorhandenen Facharbeiter im Sinne der genannten Reihenfolge der Vordringlichkeit der Aufgaben einzusetzen und für die Zukunft den Facharbeiternachwuchs sicherzustellen.
Wie das erreicht werden soll, haben wir aus dem Wortlaut der Anordnungen gelesen. Es genügt deshalb hier eine kurze Zusammenfassung Zunächst sind von 1. Dezember 1936 an die Be riebe ver- p lichtet, Mehreinstellungen von Metallarb eitern nur mit Zustimmung des Arbeitsamtes vorzunehmen, wenn durch sie die Gefolgschaft d s Betriebes an Metallarbeitern in einem Kalendervierteljahr um 10 oder mehr erhöht wird. Zu den Metallarbeitern in diesem Sinne zahlen auch Ve- triebsbeamte, Werkmeister und Techniker, soweit sie eine ordnungsmäßige Ausbildung als Fachkräfte des Eisen- und Metallgewerbes abgeschlossen haben, sowie die Personen, die nach den Eintragungen im Arbeitsbuch als gelernte oder angelernte Berufs- TS aS?»-«-.»• <*ws von Bauvorhaben an das Arbeitsamt vom 1. De zember an geschaffen, soweit bei privaten Bauvorhaben mehr als 5000 Mark und bei öffentlichen mehr als 25 000 Mark Arbeitslöhne an der Baustelle erforderlich werden. Weiterhin wurdeni Chlfsr- anzeia^n für die Anwerbung oder Vermittlung von Metallarbeitern und Baufacharbeitern ohne ausdrückliche Genehmigung des Präsidenten der Reichs-
Oie innerpolitische Kriegserklärung in Frankreich.
Verwirrung um Blum.—Paris als Handlanger der Moskowiter.
politisch das System Blum unterstützen, das in der Fortsetzung der Barthouschen Einkreisung spolitik mit Sowjetrußlands Hilfe beruht, retteten ihn vor einem glatten Zusammenbruch. Weil man das fürchtet, was feit 60 Jahren nicht geschehen ist, daß nämlich der Präsident von Frankreich die Kammer auflösen würde, nimmt man mit Blum vorlieb, obgleich gerade an seinem Sowjetpakt, an seinen Mitarbeitern, wie dem Luftfahrtminister C o t, an der seltsam geteilten Neutralitätspolitik gegenüber Spanien sich aus Rechtskreisen sehr begründete Anklagen wider ihn erheben. Die Außenpolitik Frankreichs, die Wiederholung des Vorkriegsabkommens mit England und Belgien, rettete Blum, denn auch die französischen Nationalisten erblicken in dem Bündnis mit Sowjetrußland ein Gegengewicht gegen das erstarkende Deutschland, wobei sie die b o l s ch e wist i s ch e W e l t g e f a h r, die ihnen bereits kräftig auf den Nägeln brennt, so sehr verkennen, daß sie, wie übrigens auch Mister Churchill, der Altengländer, von Stalin verlangen, er solle die Komintern auflösen und gar zertreten, um ein idealer Bundesgenosse nach westlich-demokratischen Vorstellungen für die Franzosen und Briten werden zu können. Diese Illusion wird ergänzt durch das System der Pakte mit und neben Genf, obgleich man sich nicht verhehlt, daß Genf bis jetzt überall versagte.
Es ist gewiß, daß die breiten französischen Massen durchaus den Frieden wollen, zumal Deutschland keine territorialen Differenzen mit Frankreich hat. Diesem Bedürfnis haben die unterschiedlichen Redner in der Kammererörterung auch Rechnung getragen, indem sie versicherten, Frank
reich mische sich doch auch nicht in die Händel der Welt, sondern wolle nur nicht bedroht werden und seine Grenzen intakt halten. Das Ziel ist klar und unterscheidet sich gar nicht vom deutschen. Aber die Mittel dazu sind, gerade weil sie unklar und widerspruchsvoll sind und aus der schiefen Ebene der Vorkriegsbündnispolitik und des geheimen Techtelmechtels mit dem englischen, bolschewistischen und anderen Generalstäben bestehen, doch durchaus für den Frieden gefährlich, für Deutschland und Italien herabsetzend und diskriminierend. Man mag darüber lächeln, daß rechtsstehende Abgeordnete, wie de Keryllis, Taittinger und Pber- negary die Wiederanknüpfung der Beziehungen zu Italien für notwendig erachteten, um Deutschland vollständig zu isolieren. Sie vergessen, daß Frankreich grundsätzlich eine Politik treibt, die das Interesse Italiens als Bagatelle behandelte und behandelt.. Aber dieser Wunsch nach Isolierung Deutschlands ist doch bezeichnend für die französische Politik schlechthin.
Demgegenüber hat sich noch am Sonntagabend die äußerste Linke für die Fortsetzung der kommunistischen Politik ausgesprochen, und es ist bemerkenswert, daß unter anarchistischem Vorsitz Jouhaux und andere Marxisten an einer Kundgebung zugunsten des roten Spaniens teilnahmen, deren Schlagworte wie „Nieder mit dem Krieg", „Es lebe die Weltrevolution", „Es gibt keine Neutralität für Spanien" in dem Ruf des anarchistischen Sprechers endeten, Regierungen wie die von Leon Blum müßten hinweggefegt werden. Das ist die Antwort der Linken und Blums Eiertanz. Es ist die i n n e r p o l i t i f ch e Kriegserklärung.
Meisten sprengen sranzösischekolonialkundgebung
Die Polizei ist dem roten
Paris, 8. Dez. (DNB. Funkspruch.) Der Präsident des französischen Arbeitgeberverbandes, der ehemalige Unterstaatssekretär G i g n o u x sollte in Niort in einer Versammlung über das „französische Kolonialreich und der Kampf gegen die Krise" sprechen. Dazu kam es aber nicht, denn
die Versammlung wurde von Kommunisten und Sozialdemokraten gesprengt.
Rund 500 Marxisten hatten die beiden obersten Ränge des Saales schon vor Beginn des Vortrages besetzt und eröffneten ein wüstes Pfeifkonzert, als der Versammlungsleiter dem Redner das Wort erteilte. Während einer halben Stunde tobte der Mob, sang die Internationale und stieß Beleidigungen und sogar Drohungen aus. Inzwischen versuchte man, dadurch einigermaßen die Ruhe und Ordnung wiederherzustellen, daß ein Filmstreifen über Nordafrika gezeigt wurde. Als dieses Mittel versagte, wurde die Polizei benachrichtigt.
Die Ermahnungen des Polizeikommissars und
Mob gegenüber machtlos.
seine Aufforderung, die Ränge zu räumen, fruchteten nicht. Deshalb wurde Gendarmerie zu Hilfe geholt, die auch den ersten Rang räumen konnte. Die Räumung des zweiten Ranges konnte sie jedoch nicht erreichen. Da die Erregung im Saale wuchs, wurde eine ganze Abteilung INobilgarde von der Polizeipräfektur entsandt, doch wollte der Hauptmann der Abteilung jede Gewaltanwendung vermeiden. Seiner Aufforderung, den Rang freiwillig zu räumen, kam die Kommune ebenfalls nicht nach.
Die roten Störenfriede lärmten bis 23 Uhr weiter, bis sie, dessen überdrüssig, unter dem Gesang der Internationale endlich abzogen. Die Mitglieder des Kolonialbundes, der den Abend veranstaltet hatte, stimmten daraufhin die Marseillaise an und verließen, durch ein Spalier von Gendarmen und Polizei vor Belästigungen der Roten geschützt, ebenfalls den Saal.
Sie Kriegshetzer in Paris.
Marxisten, Kommunisten und Anarchisten toben gegen Blum.
Paris, 7. Dez. (DNB.) Der sogenannte Ausschuß für ein freies Spanien veranstaltete am Sonntagabend in der Pariser Winterradrennbahn eine öffentliche Kundgebung für die Aufhebung der Nichteinmischuna Frankreichs in die spanischen Angelegenheiten. An dieser Kundgebung sollte ursprünglich auch der Präsident der katalanischen Generalidad Companys teilnehmen, dem aber die französische Regierung die Einreise nicht gestattet hatte. Die Winterradrennbahn war diesmal nicht so gefüllt, wie bei früheren ähnlichen Kundgebungen. Man bemerkte vor allem zahlreiche Anarchisten. Unter den Anwesenden sah man den kommunistischen Senator Cachin, die Partei
freunde des Ministerpräsidenten, die Abgeordneten Zy r omf ki und P inert, sowie den bekannten radikalsozialistischen Abgeordneten Archimbaud und den Generalsekretär der marxistischen Gewerkschaften Jouhaux.
Die Hetzkundgebung wurde von dem Vorsitzenden der anarchistischen Vereinigung Frankreichs geleitet, der zu Beginn scharf dagegen protestierte, daß man Companys gehindert habe, nach Paris zu kommen. Er entwickelte sodann die Ziele der Vereinigung und schloß seine Brandrede mit dem Ausruf: „Nieder mit dem Krieg, es lebe die spanische Revolution, es lebe die Weltrevolution!" Als der berüchttgte Vorsitzende der
Während in Frankreich infolge der letzten Kammerdebatten die Gegensätze scharf aufeinander» platzen, hat Deutschlan d am Tage der nationalen Solidarität ein Drittel mehr als im Vorjahre in die Opferbüchsen gesteckt, deren Inhalt den Opfern der Wirtschaftspolitik der vergangenen Systemregierungen zugutekommen. Nicht weniger als 5363267,50 Mk. sind an jenem Tage eingekommen. Das deutsche Volk hat die Stärkung gerade seiner wirtschaftlich schwächsten Glieder als Ziel genommen. Es dient dem Frieden, indem es die Notstände im eigenen Lande beseitigt, und es wird fortfahren in diesem edelsten Menschendienst. In Frankreich denkt kein Mensch daran, etwas ähnliches zu tun. Dort ist der Parteiwirrwarr gerade in diesen Tagen aufs höchste gestiegen, die Meinungen sind unter bolschewistischer An- feueruno auf das schroffste zersplittert, und fein Mensch weiß drüben, um was es eigentlich geht, wofür man sich erhitzt, weshalb man sich als innerpolitische Gegner auf das kräftigste befehdet. Nur, daß drüben alles in Zerrüttung ist, ist eine Tatsache, die sich auch dem Mann auf der Straße aufdrängt und die allgemein beklagt wird, ohne daß man die Kraft hätte, das Notwendige zu tun.
Man ist von Frankreich derartige innerpolitische Krisen, die mit dem ganzen Elan der Rasse aus- getragen werden, gewohnt. .Aber die jetzige K r i se i st mehr. Es ist der Versuch der mos» kowitischen Sendlinge, die Verwirrung zu steigern, um daran ihre Giftsuppe zu kochen, und die Helfershelfer der französischen Kommunisten sehen jetzt entsetzt, was sie eigentlich taten. Als am 14. Juli 1935 feierlich und unter dem Gesang der Internationale die Volksfront gebildet wurde, die Marxisten unter L6on Blum und die Radikalsozialisten unter Herriot sich dieser Linksidee verschrieben, war es dem unbefangenen Beurteiler klar, daß der eigentliche Eckstein dieser sogenannten Volksfront Moskau war. Mittlerweile hat die Volksfront bei den Kammerwahlen gesiegt. Leon Blum wurde Ministerpräsident. Er führte inner- politisch jene Finanzpolitik durch, die eine Klasse zu ungunften aller anderen bevorzugte. Er versicherte, trotzdem würde der Frank gehalten. Aber Blum war der erste, der dem Drängen der inflationistischen Kreise nachgab und den Frank entwertete. Er regte den Nichteinmischungsausschuß an, aber als er endlich gebildet wurde, sprach er sich mit englischer Unterstützung gegen die strikte Neutralität aus, wonach also Freiwillige nicht in das spanische Kriegsgebiet gehen dürften. Bis dahin beschränkten sich die Kommunisten lediglich auf gesinnungstreue Opposition, sie drangen in die Gewerkschaften ein, deren Leiter Jouhaux offiziell die Blum-Politik mitmachte, inoffiziell dagegen mit den Kommunisten eine Regierung der eigentlichen Macht gegen die Kammer aufzog und die bolschewistische Politik des Kreuzzuges gegen alle friedliebenden Nationen auf das kräftigste unterstützte. Blum befand sich seit Wochen im Strahlungskreis dieser sich kreuzenden Lichtquellen. Unmittelbar vor der Kammeraussprache versicherte er, wenn die Kommunisten in der bevorstehenden Kammererörterung sich der Stimme enthalten würden, betrachte er die Volksfront als aufgelöst und würde demissionieren. Prompt wurde am Samstag bei der Kam- merabftimmung Blum van ihnen im Stich gelassen. Die Kommunisten enthielten sich der Stimme, aber kurz nachher versicherte Blum, obgleich praktisch die Volksfront zerbrochen war, er werde trotzdem am Ruder bleiben. Wie lange noch, das bestimmen die Kommunisten, die nach ihren Erfahrungen mit der Beständigkeit und der Festtgkeit Blumscher Worte natürlich jetzt noch weiter wühlen werden.
Der Eindruck der Kammeraussprache und die Erschütterung der Volksfront ist in der französischen Oeffentlichkeit gewaltig. Die Ereignisse galoppieren fast in der französischen Innenpolitik. Ausgerechnet die Kommunisten brachen aus dem Blumschen Gemäuer der Politik aus. Nur die Stimmen der Rechten, die wenigstens außen
anftalt verboten. Endlich soll auch eine möglichste Rückführung der Metallarbeiter und Baufacharbeiter in ihrem Beruf erfolgen, die jetzt mit anderen Arbeiten beschäftigt werden. Auch dafür wurde eine Anzeigepflicht vom 1. Dezember an geschaffen. Auf Grund der Anzeige haben die Arbeitsämter mit den fraglichen Unternehmern und Arbeitern zu verhandeln. Ein Zwang zur Rückführung in den erlernten Beruf wird aber nicht ausgeübt Es ist nur die Möglichkeit vorgesehen, daß solche Facharbeiter, die für die Rückführung in Frage kommen, ihr Arbeitsverhältnis fristlos lösen können, wenn sie vom Arbeitsamt eine ihrer Berufsausbildung entsprechende Arbeitsstelle nachgewiesen erhalten.
Sehr wesentlich ist die Erste Anordnung vom 7 November, die durch entsprechende Lehrlingsausbildung den zukünftigen Facharbeiterbedarf für die Eisen- und Metallwirt- schaft, sowie für das Baugewerbe sicherstellen will. Hier sind zum ersten Mal Vorschriften zur Einführung gelangt, die Präsident Dr. Syrup bereits am 5. September in einem Aufsatz im „jungen Deutschland" als möglich bezeichnet hat. Schon damals wies Dr Syrup auf die Notwendigkeit hm, zu einer v e r st ä r k t e n L e h r l i n g s a usbr ldu n g im Baugewerbe und in der Metall- und Maschinenindustrie zu kommen, weil gerade m diesen beiden
großen Schlüsselgewerben empfindliche Lücken in der Facharbeiterausbildung durch die Wirtschaftskrise entstanden sind. In der Berufsgruppe der Eisen- und Metallerzeugung und -Verarbeitung einschließlich des Maschinenbaues, der Elektrotechnik, Feinmechanik und Optik war die Zahl der den Arbeitsämtern zur Besetzung aufgegebenen offenen Lehr- und Anlernstellen auf 25 159 in dem Berichtsjahr vom 1. Juli 1931 bis 30. Juni 1932 abgesunken. In dem letzten Berichtsjahr, für das die abgeschlossenen Zahlen vorliegen, nämlich für die Zeit vom 1. Juli 1934 bis zum 30. Juni 1935 war sie zwar bereits wieder auf 71 996 angeftiegen. Beide Zahlen betreffen die Lehr- und Anlernstel- len für männliche Lehrlinge. Aber auch die vorhandenen Lehr- und Anlernstellen des letzten Berichtsjahres standen gegenüber den Berufswünschen der Jugend um mehr als die Hälfte zurück. Denn vom 1. Juli 1934 bis zum 30. Juni 1935 hatten sich 151 785 Ratsuchende, fast überwiegend Jugendliche, an die Berufsberatungsstellen der Arbeitsämter gewandt, um in eine Berufsausbildung in der genannten Berufsgruppe hineinzukommen. Beim Baugewerbe lagen die Verhältnisse so, daß dieZahl der gemeldeten offenen Lehr- und Anlernstellen im Berichtsjahr 1931/32 auf 5674 gesunken war. Im letzten Berichtsjahr betrug sie 20 957, blieb aber hinter
den Berufswünschen der 31 527 Ratsuchenden ebenfalls erheblich zurück.
Diese wenigen Zahlen zeigen, welche empfindlichen Lücken die Krisenjahre in der Ausbildung des Facharbeiternachwuchses gerade für diese beiden wichtigen Schlüsselgewerbe, deren Einsatz jetzt besonders notwendig ist, gerissen haben. Sie zu schließen, bezweckt die Erste Anordnung. Durch sie ändert sich nichts für die Betriebe, die schon bisher ihre Pflicht in der Lehrlingsausbildung erfüllt haben. Daß die anderen entweder jetzt zur Ausbildung selbst oder, soweit sie hierfür ungeeignet sind, zu einer geldlichen Forderung herangezogen werden, das wird jeder gerecht Denkende nur begrüßen.
Das gleiche ist auch von der Anordnung zu sagen, die endlich das so schwerwiegende Problem der älteren stellenlosen Angestellten lösen wird. Auch hier haben viele Betriebe ihre Pflicht getan, was daraus hervorgeht, daß die Zahl der stellenlosen älteren Angestellten zum Beispiel zwi« scheu 40 und 60 Jahren von 153 664 am 16. Juni 1933 auf 89 848 am 31. Oktober 1935, dem Stich- tag der letzten Altersaufgliederung der Stellenlosen, zurückgegangen war. Aber zur völligen Lösung ist es eben notwendig, nun auch die heranzuziehen, bis bisher auch in dieser Frage immer nur andere vorangehen ließen.


