bei
wirtschaft zur Verfügung zu stellen und sich
den
Aus -er Provinzialhauptsta-t
(Sommermorgen am Waldrand.
beim
9
Singa-
Singa-
Musterung 1936
Samstag.
„Gold nach
Sonntag.
„Gold nach
Gloria-Palast, Seltersweg: pore."
Tageskalender für
Gloria-Palast, Seltersweg:
Arbeitsamt.
Gewerbsmäßiges Austragen von Werbeschriften für andere genehmigungspflichtig.
stört. m .
Gedankenverloren schlendre ich am Waldrand entlang. Gebüsch und Baumgruppen, die stellenweise den' Weg nach der Feldseite einfassen, verdecken mir mitunter den Ausblick nach den Wiesen und Aeckern, von denen prächtiges Aehrengold heruberleuchtet. Ader das merke ich kaum, so vertieft bin ich m
NSG. Die Einbringung der Ernte ist eine Aufgabe von höchster Bedeutung für unser gesamtes Volk, von der sicheren Bergung hängt unsere Rah- rungsfreiheit und damit auch unsere politische Freiheit ab.
Das schlechte weiter der letzten Zeit hat die (Erntearbeiten sehr erschwert. Dazu kommt ein fühlbarer Arbeilermangel in der Landwirtschaft. Ls ist des- halb nationale Pflicht für alle, die dafür in Frage kommen, der Landwirtschaft bei den Ernte- arbeiten Hilfe zu leisten.
In dankenswerter weise haben sich der Reichs- und Preuhische Minister des Innern und der Reichsarbeitsführer damit einverstanden erklärt, daß diejenigen wädchenüber17Iahre nicht mehr zur Ableistung der künftigen Arbeitsdienstpflicht der weiblichen Iugend herangezogen werden, die nach- weislich vor dem 1. Oktober 1937 freiwillig wenig- stens neun Monate Landarbeit geleistet haben.
Die weibliche Landjugend, die sich für die Landarbeit zur Verfügung stellt, tut damit gleichzeitig Dienst an der Allgemeinheit. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen richten sich nach den ergangenen Tarisordnungen. Der Reichsnährstand wird sich die Betreuung der diesem Aufruf folgenden Iugend besonders angelegen fein lassen.
Wer der Landwirtschaft hilft.
hilft damit feinem Völkel
wir rufen hiermit die weibliche Jugend über 17 Iahren auf, sich für den Dienst in der Land-
Auf Grund seiner 18. Bekanntmachung vom „ 7. 36 hat der Werberat der deutschen Wirtschaft für das gewerbsmäßige Austragen von Werbeschriften eine Genehmigungsvflicht eingeführt. Wer vom 1. September 1936 ab gewerbsmäßig als selbständiger Unternehmer Wirtschaftswerbung für andere durch Austragen von Werbeschriften durchführen will, muß im Besitze eines vom Werberat der deutschen Wirtschaft ausgestellten Genehmigungs- schreibens sein, andernfalls ist er zur Ausübung des bezeichneten Gewerbes nicht mehr berechtigt. Die vom Werberat erteilten Genehmigungen werden in seinem Mitteilungsblatt „Wirtschaftswer-
zuständigen Arbeitsämtern zu melden.
Dr. w a g n e r, Landesbauernführer.
Kretschmann, Präsident des Landesarbeitsamts Hessen.
Aufruf!
Freistellung von arbeitsdienstpflichtigen Mädchen für die Landarbeit.
alter Bummler!"
Mit diesen Worten wendet sich unser Tischgenosse grinsend an mich ,
Ja, wir kommen alle wieder nach Haus, früher oder später. , , .
Was brauche ich lange danach zu forschen, wo der Westen aufhört. Der Osten ist »mm er : tn uns Es bedarf nur eines kleinen Windhauches, um das Feuer zu einem Brand zu entfachen. Tanger, Port Said, Perirn, das ist ganz gleich, nie weih man, wann dieser Windhauch kommt. In Ceylon freilich ist man mit Sicherheit dem Osten wieder verfallen. „ _ .. -,
Was spielt es für eine Rolle, daß die Schild- fröten im Graben des Tempels vom heiligen Zahn Buddhas zu Kandy ebenso genau wissen, wann Fremde da sind, wie die zahlloses mehr oder nunter heiligen unter den Menschen. Sie recken gierig ihre Hälse wie die Gläubigen ihre Hände. Man gibt dem stillen Gelehrten in der Bibliothek genau JO wie dem Führer durch den Tempel. Man ärgert sich über den scheußlichen Betonbau des neuen Tempels. jedoch nicht mehr, als über einen entarteten Verwandten, den man im Innern seines Herzens doch liebt. Ein Blick auf den Buddha aus wasserhellem Bergkristall, auf die schöngeschwungenen Linien des alten Tempels, in das verklarte Gesicht des Wächters der heiligen Bücher läßt alle Kritik verstummen.
Man schilt sich undankbar und unzuverlässig, wenn uns hier im Osten Europa nur noch wie durch einen dichten Schleier sichtbar wird, obwobl man er|t knapp- vier Wochen fort ist. Das merkwürdige Phänomen, das man sich dagegen trotz v^riayri- ger Abwesenheit, auch auf die nebensächlichsten Dinge des Ostens besinnt, als seien sie ™r einer Stunde geschehen, nimmt man als selbstverstandl ch
Schon die Heimfahrt von Kandy gleicht daher d^r täglichen Untergrundbahnfahrt eines Berliners vom Zoologischen Garten zum Adols-Hitler-Platz. S sehr find wir in 5 Stunden in einer ganz anderen Welt wieder heimisch geworden. Alles dreht sich um den Osten: Gegenwart, Vergangenheit und Zu-
Ein selten schöner Sommermorgen lockt mich in aller Frühe zum Spaziergang in Gottes freie Natur. Die Sonne ist noch nicht lange hinter dem bewaldeten Höhenrücken aufgetaucht. 3n verschwenderischer Fülle schickt sie nun ihre belebenden ©trabten auf die regensatte, morgensnsche Erde. Wie Diamanten glitzern die schweren Tautropfen an den saftigen Gräsern der prächtigen Dorfwiesen. Seit langer Zeit ist das Firmament wieder einmal hoch. Das farblose, eintönige Gewölk verzieht sich, hier und da tauchen verschämt einige blaue Fetzen auf. Allem Anschein nach will der Himmel nach langem Schmollen endlich wieder einmal sein sommerliches Festkleid anlegen.
Frohgemut schreite ich weiter. Ich komme durch fruchtbare Kartoffel- und Rübenfelder, die sich m strotzender Frische zu beiden Seiten des Weges aus- breiten. Ein kräftiger Erdgeruch steigt aus den braunen Schollen und vermählt sich mit der wur- zigen, reinen Morgenluft. Leise streicht em war- mer Wind vom nahen Walde herüber.
Allmählich regt es sich in der erwachten Natur. Vögel zwitschern. Bienen summen. Behäbige Käfer krabbeln über den verfahrenen Feldweg. Langsam und bedächtig hoppelt ein verschlafener Hase nach dem schützenden Walde. Auf einem schmalen Grasweg gelange ich zum Waldrand.
Unter dem dichten Blätterdach einer knorrigen Eiche lasse ich mich zu kurzer Rast nieder. Noch ist weit und breit fein Mensch zu sehen. In tiefem Frieden liegt die sommerliche Landschaft. Druden, in unmittelbarer Nähe der Waldspitze, beginnen die Getreidefelder. Auch sie sind noch vereinsamt. Was wollten auch schon um diese Zeit die Menschen dort? Der Boden ist nach dem gestrigen Re- gen aufgeweicht. Es werden Stunden vergehen, bis der fleißige Landmann feine unterbrochenen Erntearbeiten fortsetzen kann. Ich bin also ganz unge-
fU©ert oder Unwert solcher Stimmung, was will es bedeuten? Die zahllosen Europäer des^Ostens machen, bis auf wenige, die gleichen /
Und doch braucht der Westen sie. Das Wort ent weder Europäer ober Asiat" ist schlechtes Mar eben, hat nicht Kipling das Wort von ,,tke call o the east" geprägt und ist er nicht trotzdem em gu ter Engländer geblieben? .
So beginnt denn der Bericht au£» ö
Heimat, mit ihren Problemen, ihren Menschen und ihrem Schicksal.
Französische Sportler im Saus Gießen.
Die Pressestelle der Stadtverwaltung teilt uns
Wie das Verkehrsamt der Stadt Gießen auf Anfrage bei der Kommandantur des Olympischen Dorfes in Berlin erfahren hat, wohnen im Haus Gießen zur Zeit 26 französische Sportler.
birgt sich in einer der benachbarten Jungbuchen. Lange muß ich suchen, bis ich es wieder erblicke. Regungslos sitzt es nun in einer Astgabel. Zeit- । weise dreht es vorsichtig das Köpfchen und späht i nach seinem Verfolger. Es ist in einer peinlichen i Lage. Wohin soll es entfliehen? Der Waldweg ist , an dieser Stelle sehr breit, und die nächsten Bäume ind selbst durch den kühnsten Sprung nicht zu erreichen. Also muß es geduldig ausharren, bis diese zweibeinige Neugierde wieder verschwunden ist.
Aber ich denke noch nicht ans Verschwinden. Es ist gar zu schön hier, und dann interessiert es mich auch, wie sich das flinke Tierchen, das man mit Recht das Aeffchen der deutschen Wälder nennt, aus seiner unfreiwilligen Gefangenschaft rettet.
In einiger Entfernung setze ich mich an den Waldrand. Ab und zu schaue ich nach dem rotbraunen Bündel. Es rührt sich nicht und scheint meine Geduld auf eine harte Probe stellen zu wol- len. Na, ich habe ja Zeit und kann warten. — Eine Viertelstunde nach der anderen verrinnt. Plötzlich fahre ich schmerzgepeinigt in die höhe. Es zwickt mich am ganzen Körper. Verflixt noch em- mal! Was ist denn das schon wieder? Natürlich, ausgerechnet in die Nähe eines Ameisenhaufens habe ich mich gesetzt. Was hilft aber alles Schimp- fen? Davon werde ich die kleinen Quälgeister nicht los. Ich schlage mich deshalb seitwärts in die Büsche und beginne eine gründliche Revision.
Dann erst schaue ich wieder nach meinem Eichhörnchen. Es war in der Zwischenzeit auch nicht müßig und hat meine Verlegenheit weidlich aus- genutzt. Gerade springt es über den Weg und chimpft wie ein Rohrspatz. So deute ich mir wenigstens sein wütendes Fauchen. Mit einem langgezogenen Laut, der wie höhnisches Gelächter klingt, verschwindet es im Walde. Na ja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Ein Glück nur, daß niemand diesen unliebsamen Zwischenfall mitangesehen hat. So bleibt das Ge- chehene unter uns. Das Eichhörnchen verrät mich nicht. Sonst müßte ich lange Zeit manche Anspielung meiner Freunde hören. Don wegen Naturbeobachtung und so---
Mein Unmut ist bald verflogen. Wie könnte ich auch bei so schönem Wetter verstimmt sein? Es wird zusehends wärmer. Die Sonne meint es wirklich gut. Anscheinend will sie das Versäumte der vergangenen Wochen nachholen.
Auf den Feldern wird es allmählich lebendig. Die Dorfbewohner nehmen ihre mühselige Ernte- , arbeit wieder auf. Sensen sausen! Sicheln klirren! Erntemaschinen werden angefahren! Man versucht, । auch sie in den Arbeitsprozeß einzureihen, hat aber i Heuer nur selten den gewünschten Erfolg damit. = Ja, die Lagerfrucht und das regnerische Wetter der letzten Zeit! Beide machen unseren braven Land- 1 teilten schwer zu schaffen. Wenn wenigstens das ' Wetter nun etwas besser würde, damit unsere Brotfrucht glücklich unter Dach und Fach kommt.
Da sehen wir wieder einmal, wie hilflos wir Menschen eigentlich sind. Vieles können unb wissen wir. Manche Rätsel löste der menschliche Geist. In scheinbar unergründliche Tiefen drang er em und schuf Klarheit. Aber auf das Wetter werden wir zeitlebens keinen Einfluß auszuuben vermögen 5)ier müssen wir uns vor einer höheren Macht beugen und ihr vertrauen.
Unter diesen Gedanken schreite ich langsam^dem
klingt — nur zögernd ins Wasser von 33 Grad hineingehen. Selbst unsere malaiischen Boys, Kinder der Tropen, schleichen nur noch über die Decks. Mit Genugtuung stellt man fest, daß sie genau so schwitzen wie gewöhnliche Sterbliche, und daß sie m unbewachten Augenblicken dann wie tot an irgendwelchen versteckten Plätzen liegen. ..
In den Kabinen ist es unerträglich. Ungebanöigter i Schlaf kämpft mit dem Verlangen nach Kühlung. Beides ist nicht zu vereinen. Einige Verzweifelte lassen nachts den Ventilator laufen, andere fluchten auf das obere Deck. Sie alle gewinnen einige ©tun- den trügerischen Schlafes. Schon wenige Tage später flehen fie dafür Schlange beim Schiffsarzt und holen ich Medizin gegen eine schwere Bronchitis die uner- hört hartnäckig ist und Wochen dauern kann. Die Phlegmatiker sieht man sich mehrere Tage verschämt lächelnd kratzen. Sie hatd er „Rote -und" gefaßt, ein Hautausschlag, der unerträgliches Jucken ver- urfacht, Das „Tor der Tränen" überstehen die Me- thodike'r, deren einzige Bewegung außer dem Essen darin besteht, sich unter der Dusche mit Afndolseife zu waschen, die gewissermaßen der Maulkorb des „Roten Hundes" ist.
Bei so viel Superlativen des Leidens ist es alten Beteiligten gleichgültig, wo der Westen endet und der Osten beginnt, zumal im Golf von Aden ein starker Westmonsum bläst und im Handumdrehen bei vielen eine verdächtige Blässe auf das Gesicht zaubert. Unsere Malaien haben dafür em nur ihnen eigentümliches, charmantes Wort: Kui, Kui". Wenn man es richtig ausspricht, bedarf es keiner weiteren Erklärung. _.
Ja wo um altes beginnt dann der Osten?! Dte Steinkolosse Colombos, die nach ununterbrochener Fahrt am Morgen des neunten Tages vor uns auftauchten, scheinen es auch nicht zu fein. Das Auto, das uns zusammen mit einem holländischen Verwaltungsbeamten nach Kandy hinaus- fährt, beherbergt daher zunächst auch nur Ifr-triften. Etwas leidend von dem Erlebten schauen wir zum Fenster hinaus. Plötzlich ertönt hinter uns eine Stimme: .
„Sieh doch, die erste Sawah (Reisfelder), rote herrlich frisch das junge Grün!" „
Neben mir ein ruhiges „Hm, Hm .
„Sie doch, Gummibäume, Ananas, dort die Papaya (Melonenart)! Ist das nicht Kembang Se- patoe und das nicht die Pagodenblume?"
„Sieh doch die beiden Elefanten dort unten im Fluß! Kaffee, Tee, den Affen dort auf dem Kokos- bäum! Wir find wieder zu Haus!" fällt es neben mir freudig erregt ein. r _ , _.
„Zu Haus?" waae ich einzuwerfen. „Haben Sie das nicht auch vor drei Jahren gesagt, als Sie von Indien aus Marseille anliefen und später als ©te auf dem Bahnhof von Den Haag standen?"
Unser Tischgenosse vom Schiff sieht mich einen Augenblick etwas komisch an unb „brummt dann wieder, diesmal ärgerlich, „hm, hm".
Fwd. Mit dem 31. August 1936 ist die Ein- ührungszeit des Arbeitsbuches beendet. Durch eine Verordnung des Reichsarbeitsministers, die in die- en Tagen zu erwarten ist, wird daher bestimmt werden, das ab 1. September 1936 kein Arbeiter oder Angestellter des arbeitsbuchpflichtigen Per- onentreijes mehr beschäftigt werden darf, der nicht m Besitze des Arbeitsbuches ist. Wer diese Vor- chrift nicht beachtet, ob Unternehmer ober Betriebsführer, Arbeiter ober Angestellter, setzt sich der Gefahr der Bestrafung aus. Deshalb werden Arbeiter und Angestellte, die bas Arbeitsbuch unge- achtet ber wiederholten Bekanntmachungen unb Hinweise noch immer nicht beantragt haben, letztmalig aufgeforbert, ben Antrag beschleunigt beim zuständigen Arbeitsamt zu stellen. Wer Zweifel hat, ob er arbeitsbuchpflichtig ist, hole sich Auskunft
Ich habe bas ungemütliche Gefühl, etwas Takt- loses gesagt zu haben unb schweige eine Viertel- ftunbe lang.
„Sehen Sie boch, jene Kreuzuna zwischen einer Spanierin unb einem Fakir, ben Kamm tragenben Singhalesen bort? Ich muß immer wieder darüber lachen. Diese Symphonie eines fünfzigfachen Grüns, das sich fast bis zur Spitze des höchsten Berges hinaufzieht, nur unterbrochen von den wie Riesen- sträuße wirkenden Bäumen in rot, lila, violett, gelb, blau und orange, gehört zum Zauber des Ostens genau so, wie dieses eigentümliche Aroma der einheimischen Küchen und der schwelenden Holzfeuer! Riechen Sie nur!" . ,
Die Stimme, die bas sagt, kommt mir seltsam bekannt vor. Sie spricht geheime Gebanken aus unb als brüllendes Gelächter um mich ertönt, merke ich erst, daß ich bas selbst gesagt habe.
„Es gibt eben Leute, bie früher nach Hause kommen, unb anbere, die eine Zeit lang brauchen, Sie
Die Polizeidirektion Gießen hat in einer Bekannt- machung in unserem gestrigen Blatte die Dienst- pflichttgen in ber Stabt Gießen zur Aushebungs- Mufterung 1936, bie am Samstag, 22. Augusi, ftattfinbet, aufgerufen. Die Dienstpflichtigen feien auf biefe wichtige Bekanntmachung noch einmal
Dorfe zu---
Vornoiizen.
meine Gebauten.
Plötzlich fahre ich erschrocken zusammen. Ich vernehme einen unbefinierbaren, zornigen Laut, ben ich noch nie in meinem Leben horte. Es ist em Gemisch aus Pfeifen, Fauchen, Gurren, Schmatzen, Schnalzen, Grunzen. Dazu raschelt es heftig im Gebüsch. Selbstverstänblich bleibe ich sofort stehen und schaue nach ber fraglichen Stelle, kann aber beim besten Willen nichts entdecken. Totensttlle wie vorher! Nichts rührt unb regt sich. — — —
Was mag bas gewesen sein? Em Tier? Ober vielleicht ein Mensch, der sich einen Scherz mit mir erlauben will? Das kann ich mir aber nicht gut denken. Einen solchen Laut bringt kein Mensch hervor. Jedenfalls muß ich der Sache auf den Grund gehen. Ich begebe mich daher zu der Baumgruppe, von der ich das Geräusch vernahm. Es sind vier Jungbuchen, die dort am Wegrand stehen. Man könnte sie mit Orgelpfeifen vergleichen. Erne ist immer größer als dte andere. Bei allen reicht bas Astwerk bis auf ben Hoben herab. .
Hier, an ber ersten Buche, muß es gewesen fern. Ich will gerabe vorsichtig einige Aeste ausemander- biegen, ba ertönt unmittelbar vor nur ^"der bie- fer eigenartige Laut, und ein unbestimmtes Etwas huscht blitzschnell am Stamm hinauf. Verdutzt asie ich die Aeste fahren und schaue nach der Baum spitze. Zunächst sehe ich nichts. Ich ducke mich etwas. Ach, sieh da! Ein Eichhörnchen! Das ist also der Störenfried, der mich so erschreckte.
Fest drückt es sich an den Stamm. Es kehrt mir den Rücken zu. Anscheinend wahnt es sichI sehen. Um es bester beobachten zu können, gehe uh aus eine Wiese, die sich an dieser «teile in Den Wald hineinzwängt. Nun sieht es mich. Ärgerlich raunet es und peitscht mit l^nem buschigen Schwanz den Stamm. ^rnig funkeln die schwär- m!ch^kau^ .. pchsterlichen Wclldweg.
WährenddessenPlätz-h-n und °°r- b-sand-r- h-ngen-ies-n.
Sitzung der Ratsherren.
Der Oberbürgermeister kündigt in einer Bekanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil eine öffentliche Sitzung der Gießener Ratsherren für nächsten Montag, 10. August, 17 Uhr an. Neben ber eierlichen Einführung unb Verpflichtung bes Bei- leorbneten Subheimer ist eine Reihe weiterer Tagesordnungspunkte vorgesehen. Auf bie Bekanntmachung sei besonders hingewiesen.
Amt für Volkswohlfahrt.
Ortsgruppe Gießen-Rord. Cebensmittel-Opferrlng.
Am Montag, 10., bis Mittwoch, 12. b. M., roirb bie Pfundsammlung durchgeführt. Die Mitglieber werben gebeten, die Pfundpäckchen bereitzuhalten und die Mitgliedskarten zur (Eintragung vorzu- legen. Die Päckchen sind inhaltlich durch eine klare Aufschrift kenntlich zu machen.
Helft dem Hoten Kreuz!
Die Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz und zahlreiche Freunde und Helfer ihrer Arbeit werden nach der Genehmigung des Reichsinnenministers am morgigen Sonntag eine Geld-Samm- lung zum Besten des Roten Kreuzes durchführen. Die Tätigkeit der Sanitätskolonne kommt bekanntlich jedermann ohne Ansehen der Person ober des Standes zugute. Niemand wird sich dem Gedanken verschließen können, daß auch er zu jeder Zeit in die Lage kommen kann, diese Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Daher versäume niemand, den Sammlern unb Sammlerinnen eine nach besten Kräften bemessene Spenbe für bie Arbeit des Roten Kreuzes zu geben.
Wichtig für Fernsprechteilnehmer.
Dom Postamt Gießen roirb uns mitgeteilt: Künftig können in Gießen sämtliche Ferngespräche nur noch unter ber Nummer 00 angemelbct ro?r- ben. Der sog. Sofortverkehr mit einigen Aemiern (Anmeldung unter Nummer 9) fällt jetzt weg, weil schon seit längerer Zeit möglichst alle Ferngespräche im Anschluß an die Anmeldung sofort her- gestellt werden. Einer unterschiedlichen Anmeldung der Ferngespräche bedarf es daher nicht mehr.
Keine Beschäftigung ohne Arbeitsbuch.
bung" bekanntgegeben.
Deutsche Schäferhunde-Abrichtung.
Bei der Fachschaft für Deutsche Schäferhunde kann jedermann seinen Hund abrichten. Die Leitung ist in bester Hand. Die Tiere werden aus- gebildet als Schutz-, Polizei-, Such- und Melde» hunbe. Der Beweis ist erbracht, bah die Ausbildung der Deutschen Schäferhunde in ber Fachschaft unb der Ehrgeiz ber Führer, Hunde bis zur höchsten Prüfungsstufe brachten. Den Liebhabern der Deutschen Schäferhunde roirb über Anschaffung von Jungtieren und älteren Tieren Rat erteilt, damit sie bei Ankauf vor Schaden bewahrt bleiben. Ferner ist es bas Bestreben ber Fachschaft, baß das beste Material erworben wird. Ferner wird jedermann über Zucht, Aufzucht, Fütterung usw. belehrt. Hebungen werden vorerst Dienstags unb Donnerstags, 18.30 Uhr, auf ber Bleiche an der Lahn abgehalten. Dort treffen sich die Hundeliebhaber.
Der Fachschaftsleiter:
Georg Klös, Polizei-Derwaltungs-Oberasssttent.
Lernt Kurzschrift und Maschinenschreiben!
Don ber Ortsgruppe Gießen ber Deutschen Stenographenschaft wirb uns geschrieben:
Die Kurzschrift lernen unb meistern, heißt Fleiß unb immer wieder Fleiß entfalten, heißt Ausdauer üben, heißt peinliche Genauigkeit bis ins kleinste sich xu eigen zu machen unb betätigen, heißt rasche Auffassung sich aneignen und raschesten Entschluß zu fassen. „
Wer muß heute stenographieren können? Wer muß heute auf der Maschine schreiben können? Mancher ist geneigt, die Fragen mit einem Hinweis auf den kaufmännischen Beruf, den Zeitungsmann usw. zu beantworten. Für diese Berufe ist es allerdings eine Selbstverständlichkeit, Kurzschrift und Maschinenschreiben zu beherrschen. Unsere vielschreibende Zeit macht aber in Wirklichkeit die Kurzschrift und das Maschinenschreiben für jedermann zur Notwendigkeit, jeder muß stenographieren und auf der Maschine schreiben können. Ueberaü_ gilt es, sich Notizen zum machen, Dorträge, Eindrücke und Gespräche schnell festzuhalten, private und geschäftliche Briefe zu schreiben. Stenographie und Maschinenschreiben sollte heute eigentlich jeder beherr- söyen, der Anspruch auf gute Allgemeinbildung er- fjebt.
Die vom Reichsminister des Innern beauftragte Pflegestätte für Kurzschrift und Maschinenschreiben, die Deutsche Stenographenschaft, bietet mustergültigen Kurzschrift-Unterricht und zweckmäßigen Unter- richt im Maschinenschreiben (Zehn-Finger-Blmd-
pore."
Tageskalender für
Tagesbefehl
NSG. Die Einbringung der Ernte verlangt, infolge der Ungunst des Wetters, einen erhöhten Einsatz von Arbeitskräften. Der deutsche Bauer ringt unter Aufbietung letzter Kraft um die Sicherstellung der Ernährung des deutschen Volkes. Wir, als die Jugend Adolf Hitlers, wollen nicht beiseite stehen, sondern wollen uns einsetzen und helfen, soweit wir es mit unserer jungen Kraft vermögen. Für das Gebiet Hessen-Nassau tritt folgende Anordnung mit sofortiger Wirkung bis zum 15. September 1936 in Kraft:
1. Die Führer der Landeinhetten haben die bei (Ernfearbeilen beschäftigten Igg., foroeit dies bisher noch nicht geschehen ist, von jedem Dienst zu beurlauben.
2. Die Dienste der Landeinheiten, insbesondere an Sonntagen, sind, nach Rücksprache mit dem Ortsbauernsührer, für den Einsatz in der (Ernte zu verwenden. Bei der Arbeit ist der Dienstanzug zu tragen. Alle näheren Einzelheiten sind mit den zuständigen Ortsbauernfüh- rem zu vereinbaren.
3. Die Vannführer sehen sich sofort mit den Kreisbauernführern in Verbindung, um den Einsatz der Stadteinheiten in den nächsten Sonntagen zu besprechen. Der Dienst der Stadteinheiten ist bei ihrem Einsatz in der (Ernte selbstverständlich über den ganzen Sonntag auszudehnen.
4. Die Bannführer verhandeln sofort mit den Kreis- bzw. Ortsbauernführern über den Ein- sah der Zeltlagerbelegfchaften bei der (Ernteeinbringung in den umliegenden Dörfern. Kameraden! Als Nationalsozialisten wissen wir, was wir dem deutschen Volk zu jeder Stunde schul- big sind. Der deutsche Bauer ist in diesen Wochen in harter Bedrängnis. Wir Hitlerjungen wollen I zeigen, daß wir zu ihm stehen.
Heil Hitler!
Der k. Führer des Gebietes 13 Hessen-Nassau. Erich Brandt, Oberbannführer.


