König Voris mit dem Führer im Stadion.
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Den Kämpfen, die der fünfte Tag der Olympischen Spiele brachte, wohnten auch der Führer sowie König Boris von Bulgarien, der italienische Kronprinz Umberto, zahlreiche Minister und eine große Anzahl von Diplomaten bei. Unser Bild zeigt den Führer mit König B 0 r i s in der Loge des Stadions. (Prefse-Jllustration-Hoffmann-M.)
„Synthese von Geist und Kraft."
(Sin Gespräch mit Dr. Wilhelm Ehmer, dem Träger der olympischen Silbermedaille im Kunstwettbewerb für Literatur.
Don Ehrhard Evers.
Unter den olympischen Preisträgern des Kunst- Wettbewerbs befindet sich ein deutscher Journalist. Ist es nicht eine den journalistischen Beruf ehrende Selbstverständlichkeit, davon einige Worte gesondert zu berichten?
Dr. Wilhelm Ehmer, Hauptschriftleiter des Lüdenscheider General-Anzeigers, Verfasser des Buches „Um den Gipfel der Welt" (Engel- Horn-Verlag, Stuttgart), ist aus der Arbeitsatmo- svhäre des flachen Westfalenlandes plötzlich in den Lichtkegel olympischen Ruhmes getreten. Sein Roman, der Anlaß zu dieser ungewöhnlichen Ehrung wurde, liegt weniger der Erscheinungszeit als der Konzeption nach schon einige Jahre zurück. „Etwa 1930", so erzählt der Dichter, „fiel mir ein Satz von Professor Dyrenfurth, dem Expeditionsleiter der Himalajabesteiger in die Augen: Sind die Achttausender auf unserer Erde bezwungen? Das bezog sich darauf, daß Mallory und Irvine, die beiden Freunde der englischen Expedition, bei ihrem letzten Gipfelangriff auf den Himalaja im aufkom- mend^n Wonsum zur Spitze emporsteigend, durchs Fernglas gesehen wurden, aber nicht mehr lebend zurückgekehrt waren."
„Hier liegt wohl auch", so erfolgte die Frage, „der Angelpunkt der künstlerischen Formgebung des Romans?" Denn es steht darin, aus dem Gedächtnis zitiert, der Satz: „Es würde nicht schwer sein, Mal- lory auf den Gipfel hinaufzutreiben. Die weitaus schwierigere Aufgabe wäre es, ihn vom Gipfel zurückzuhalten."
„Ja, es war in der Tat die Vermischung der geistigen mit der sportlichen Idee, die den Anstoß zu dem Buche gab. Es war
das großartige Erlebnis, zu sehen, daß junge Menschen, die mit letzter körperlicher Anstrengung um ein ideales Ziel kämpften, in siebentausend und mehr Meter Höhe noch Shakespeare und Byron lasen, während draußen vor der dünnen Zeltwand der Schneesturm mit 30 und 40 Grad Kälte brauste. Eine wahrhaft olympische Leistung, die jedoch weder mit Hinblick auf eine olympische Ehrung geschehen noch ausgezeichnet worden ist. So verschaffte ich mir das Material, die Tagebücher der Expedition, ich studierte sie und schrieb auf, was ich ausgeschrieben habe."
„Und wie sind Sie, wenn es erlaubt ist, an den Bergsteigerstoff überhaupt herangekommen? Sind Sie selbst Bergsteiger, oder haben Sie eine besondere Beziehung gerade zum Himalasa?"
„Der Himalaja selbst war es weniger, obwohl mir Asien insgesamt insofern vertraut ist, als ich in China geboren bin. Indien, die Wüste, die riesenhaften Dimensionen der Erde verlieren in solchem Zusammenhang ihre erschreckende Fremdheit. Aber es handelt sich bestimmt nicht um eine alpinistische Beziehung. Denn eine Schulterverwundung behindert mich. Große Bergtouren verbieten sich damit von selbst."
„Und wenn Mallory ein Flieger gewesen wäre?" „Eben das ist es. Die Synthese von Wille und Kraft, von Geistigkeit und körperlicher Leistung, der persönliche Einsatz und die beinahe mystisch zu nennende Aufgabe — nicht umsonst stehen die seitenlangen Gespräche der jungen Bergsteiger um Sinn und Hintergrund ihres Zieles in diesem Buche. Nicht umsonst wird ihre Weltanschauung gegen das Bekenntnis der Eingeborenenpriester
gesetzt. Hier lag der Reiz des Buches für mich. Das ist sein Geheimnis, ist, wenn Sie «vollen, der fruchtbare Moment gewesen nach der Frage Dyrenfurths, ob denn die Achttausender bezwungen seien."
„Also ein wahrhaft olympisches Geschenk, ihr Himalaja-Buch!" Bescheiden wehrt der Dichter ab.
„Es hätte auch etwas anderes sein können!"
Und doch liegt wohl ein unausweichliches Gesetz zugrunde. Es gibt bei Lawrence in dem dickleibigen Erinnerungsbande einen selbstbekennerischen Satz, der, aus dem Gedächtnis ungefähr nachgebildet, heißen mag: „Ich hätte Dichter werden mögen, wenn ich nicht Kolonisator hätte sein dürfen. Tatsachen schaffen, das ist es."
Ehmer hat mit seinem Buch eine Tatsache geschaffen. Nicht die der Bezwingung des Mount Everest, die noch aussteht. Aber ihre Verwirklichung in einem Buche, das den Gipfel der Welt in ungezählten Gehirnen erst Vorstellung, erst Wirklichkeit
werden läßt. Das dem tapferen Engländer Mallory und seinem Freunde Irvine ein Denkmal setzt in den Herzen derer, die das Buch lesen. Denn es ist ein spannendes nicht nur, nicht allein ein streng tatsächliches, sondern vor allem ein liebenswertes Buch, das unter einem künstlerischen Zwang geschaf- fen wurde. Man spürt das bei der Lektüre. Und man empfindet es noch stärker, wenn man Ehmer gegenübersteht und mit ihm spricht, mit dem Auge das Antlitz abtastend und dabei auf Konturen, auf Linien und Formen stößt, die sich bei Mallory finden: große, klare Augen, stahlblau und durchdringend, ein längliches, wundervoll durchgeformtes Gesicht, Sicherheit in Haltung und Bewegung, von jener unaufdringlichen Gepflegtheit, die sich, bei guten Grundlagen draußen in der Welt erwirbt, dazu angetan, vom besten Bestand deutschen Wesens zu künden.
Das ilt Dr. Wilhelm Ehmer, unser deutscher Roman-Preisträger der olympischen Spiele 1936.
Das Olympische Feuer in Grünau.
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Am Freitag wurde in einem feierlichen Zug durch die Wassersportler das Olymvische Feuer vom Stadion nach Grünau gebracht, wo es auf dem hohen Turm der Bismarckwarte lodert. Unser Bild zeigt das Eintreffen des letzten Fackelläufers in Grünau, von wo aus das Feuer mit einem Boot zur Bismarckwarte gebracht wurde. — (Scherl-Bilderdienst°M.) j
Besinnliche Weltreise.
I.
Abschied vom Westen.
Von unserem E. M-Sonderberichterstatter
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
C 0 l 0 rnby, im Juli 1936.
Ja, wo beginnt er eigentlich? Ist es in Port Said, wo man zum ersten Male einen fremden Erdteil betritt? Nein, dort kann es nicht sein. Diese engen Straßen des Eingeborenenviertels findet man ebensogut in Marsseille, Genua oder Neapel, nur sind sie dort viel schmutziger und schleußlich modern. Heiß ist es in Südeuropa auch und wenn man von den Menschen redet, so sind gerade sie es, gegen die man sich innerlich wehrt. Sie verbreiten so gar nicht den bestimmten Zauber des Ostens um sich, tragen nur den allerniedrigsten Instinkt des Geldoerdienens, den Hang zu Betrüge im Handeln, zur Schau, so daß jeder Besucher sich schnell und weit fort wünscht.
Dann ist es vielleicht das Rote Meer, wo Afrika und Asien bei Perim sich noch einmal auf die Sichtweite nähern? Wo diese beiden Erdteile geheimnisvolle Vorstellungen von Karawanen, Moscheen, Palästen, von Märchen aus Tausend und einer Nacht erwecken? Nein, auch dort nicht! Als wir nach dreitägiger Reise an Perim vorbeifahren, zeigt das Thermometer 40 Grad Celsius. In der Schiffsküche brechen zwei Köche bei 46 Grad ohnmächtig zusammen und es mutet wie ein Wunder an, daß ähnliche Nachrichten bei einer Temperatur von an die 50 Grad nicht auch aus dem Maschinenraum kommen. Der Sprung in das Schiffsbad ist ein verzweifelter Versuch, der unbarmherzigen Sonne ein Schnippchen zu schlagen. Aber auch nur ein Versuch, denn bei 33 Grad Grad Wasserwärme hat man nur einen ganz kurzen Augenblick die vage Vorstellung der Erholung.
„Lauwarme Bäder, mein Lieber, sind die beste Körperpflege", höre ich in diesen Tagen meinen Arzt in Berlin reden, und dann sehe ich mich noch an kalten Winterabenden — wie traumhaft das Wort
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Von Walter von Molo.
Alle Dinge sind miteinander verwoben, darum kann man nur dann verantwortlich über etmas sprechen, wenn man erst die Zusammenhänge aufzeigte. In früheren Jahrhunderten übte der Dichter einen Beruf aus, der ihm erlaubte, seiner dichterischen Berufung zu folgen. Der sogenannte Berufsdichter, der ausschließlich von den Einnahmen seines dichterischen Werkes lebt, war bis zum 19. Jahrhundert soviel wie unbekannt. Erst nach der französischen Revolution und ihren Folgen änderte sich oas.
Der rasche wirtschaftliche Aufstieg brachte in weite Schichten, in das damalige Bürgertum Wohlleben. Was bis dahin zumeist nur geistlichen oder weltlichen Würdenträgern, ihrem Anhang und ganz wenigen Ausgezeichneten zugänglich war, wurde von größerer Menge gefordert, die „nach oben" verlangte. Es kam nach der Dampfmaschine die Unmenge anderer technischer Erfindungen, es wurde viel Geld verdient, und die Bevölkerung nahm ge- waltia zu. Wohl lebte der fürstliche Mäzen weiter, aber oas Bürgertum trat doch immer mehr an seine Stelle, in unpersönlicher Art. Was sich früher von Hof zu Hof, von Mund zu Mund empfohlen hatte, das priesen jetzt die an Zahl zunehmenden Zeitungen. Der Absatz des dichterischen Werkes, der früher im besten Falle einige tausend Exemplare betragen konnte, stieg im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts außerordentlich an; das geistige Eigentum wurde geschützt. Es wurde dadurch möglich, daß dichtende Menschen von dem Erfolg ihrer Arbeit zu leben vermochten, wenn auch der Weg der Größten nach wie vor dornenreich blieb, denn etwas stimmte nicht: Man las in Mengen „das Buch der Saison". Den Erfolg gewannen vornehmlich die, welche die Erwartung der Käufer nicht enttäuschten, die gehorsam Verniedlichung oder grobe Spannung lieferten. Man war stolz, den Geist zu fördern: die Zahl der Dichtenden nahm unheimlich zu. Im ersten Viertel Des zwanzigsten Jahrhunderts begann der Rückschlag, damals wurden bereits, wenn auch nur wenigen Einsichtigen, die Dinge offenbar, die inzwischen alle Welt immer mehr zur Nachdenklichkeit zwingen. Doch es blieb, wie es mit der Gewöhnung geht, „selbstverständlich", daß das Dichten ein Beruf geworden sei. Aus früheren Zeiten hatte man als Mode die Verehrung des Dichters übernommen, man baute sie aus; dies wurde der Dichtung gefährlich. Je mehr Papierfabriken, Buch- druckereien und Derlagsunternehmungen entstanden, desto mehr Bücher wurden gedruckt. Das war zum größten Teile eine rein materialistische Entwicklung, bloß scheinbarer Aufschwung; die Zahl begann den Gehatt zu ersetzen.
Jeder, der Gedichte machte, Theaterstücke schrieb, Romane verfaßte, wurde Dichter genannt, es entstand das Literatentum, die Eitelkeit auf die dienstbar gemachte Druckerschwärze. Allmählich kommandierte die Maschine Geschmack und Richtung, nicht mehr der Drang des Geistes. Im großen Kriege fing die zwangsläufige Umkehr an; sie ist ein langer und schmerzvoller Weg, den alle Völker in ihrer Art wandern müssen. Bei uns ist'dies bereits sichtbarer als anderswo, weil wir seit bald einem Dierteljahrhundert mehr litten und dem Abgrund wie kein anderes Volk nahe waren.
Nach der Revolte im Herbst 1918 bemächtigten sich in Deutschland die Massen der Führung, es war noch nicht das Volk, sondern erst dumpfes Suchen und fehlgreifendes Versuchen, weitere lieber- fteigerung des unrichtigen Weges. Neben dem früheren Literaturbetrieb, der noch lebte und Fortsetzung suchte, entstand die „klassenbewußte proletarische Literatur", die keine Dichtung sein konnte, weil Parteihader und Haß, Gleichgültigkeit gegen die Gesamtheit nicht Triebfeder einer Dichtung von Wert zu sein vermögen. Daneben gewann eine volk- hast gereinigte nationale Dichtung an Boden, welche die Seelen für ein neues Deutschland umstellte und vorbereitete. Doch bevor etwas abbricht, muß es sich ganz überspitzen. Krampfhaft und skrupellos gesteigerte Reklame, wie sie in Deutschland noch nie geherrscht hatte, erzielte Millionenauflagen, was von der Vielzahl der politischen Parteien gefördert wurde. Es entstand eine Gruppe „Berufsdichter", die lediglich Parteidichter waren; ob das Land darüber zugrunde gehen konnte, kümmerte sie nicht. Die wenigen wirklichen Dichter vereinsamten immer mehr mit ihrem Werk in den Jahren nach der Inflation, die tatsächlich beinahe alle Güter, auch die geistigen, vernichtete. War früher der Dichter- lorbeer nur schwer, durch ein treues, hingebungsvoll dahingeopfertes Leben hoher Begabung und Ueberzeugung, zumeist erst nach dem Tode des Dichters zu gewinnen gewesen, so schien das für alle Zeiten vorbei: Jeder, der die Presse seiner Partei zur Seite hatte, nahm ebenso selbstherrlich für sich den Ehrentitel eines Dichters von bleibendem Werte in Anspruch, wie er ihm von seinen Freunden leichtserttg verliehen wurde.
Statt um trennenden Individualismus bemüht sich das neue Deutschland wieder um die Findung und Förderung der Persönlichkeit. Die Ueberzeugung ist wieder allgemein, daß nur der, der seinem Volke, dessen Innerstem, lautwerdend in der Sprache des Dichters, ganz hingegeben lebt, auch den anderen Völkern wertvoll sein kann. Wir wandern den alten oertrouten Weg, aber auf höherem Spiralengang; statt des Bürgertums des 19. Jahrhunderts, statt der ungestalteten Masse vom Herbst 1918 tft nun das ganze deutsche Volk bewußt aufgeschlossen und berechtigt, der Dichtung zu lauschen, von ihr
zu lernen, durch sie Kraft für den Kampf um das Dasein zu gewinnen.
Man organisiert, damit das Wer'' des Dichters dem Volke nahegebracht, damit dieses, ungeachtet der wirtschaftlichen Lage, der Dichtung teilhaftig werden kann; nicht etwa, wie so oft fälschlich von Böswilligen behauptet wird, damit dichterische Begabungen dadurch entstehen sollen. Wir haben sie, und junge Fähigkeiten wachsen in der Stille nach.
Es wird in absehbarer Zeit in Deutschland weniger „Dichter", ober dafür wirkliche Dichter geben, es wird vielleicht keine „Berufsdichter" mehr oder nur sehr wenige geben. Sie werden es nicht leicht haben, weil es kein echter Dichter leicht haben kann, aber sie werden nicht mehr durch leeren Betrieb gestört und vernichtet werden. Sie werden das Recht haben, wieder beanspruchen zu dürfen, daß sie zu den Besten der Nation gehören, die von ihnen lernen muß und ihnen oertrauen darf. Alle Bemühungen des neuen Deutschland sind darauf gerichtet, daß wir dahin kommen.
Balassa.
Von Krank $. Brann.
Dies ist kein Nachruf. Balassa lebt. Wer mich besucht, kann sie sehen und hören, wie sie strotzend von Lebensgesühl in ihr zweites Daseinsjahr geht.
Sie heißt wirklich Balassa. Im Zuchtbuch der schottischen Terriere steht es verbrieft und beurkundet, daß sie altem schottischem Hochcckel entstammt. Der Name Balassa allerdings ist von den Kindern des deutschen Züchters einem Märchenbuch entfernt. Es war der zweite Wurf, und die fünf Welpen mußten alle Namen haben, die mit B an« fingen. Für die Hündin fand sich paffend der Name einer Märchenprinzessin. Nicht ganz zu Unrecht.
>ett ihrer Geburt das Leben einer Prinzessin. Wer wird einen Scotch Terrier schlecht behandeln?
Aber Balassa ist ein langer Name; er hat etwas ?°r1Jipoles' Gewichtiges. Aus Balassa wurde kurz Lassa. Darauf hort sie. (Häufig, wenn es ihr paßt!)
Prächtige Namen erwarb sie auf der letzten Reise. Wir fuhren über die Grenze. Balassa wurde dem Schweizer Zollbeamten gezeigt. Er gab uns eine Bescheinigung, daß wir einen Hund, schwarz und weiblich, eingeführt hätten.
„Sie haben hier ein l vergessen, Herr Beamter" sagte ich altklug. Er überlas seine Quittung noch einmal und sprach es dabei aus: „Ein Hund, schwarz und weibich. Er ist doch weibich?"
„Er ist weibich", bestätigte ich und verließ den netten Mann.
Don der Minute an hatte Balassa einen zweiten Namen. „Weibich, komm hierher, Weibich!" Und sie kommt.
Die Schweiz war voll von reisenden englischen Damen. Der schwarze Hund war ihnen eine oer- traute Rasse. „Lock the nice litfle Scotli!“ Aus Scotli wurde Gottlieb. Einige Wochen hieß Balassa, die Hündin, zur Verwunderung aller Hundekenner Gottlieb.
Als wir ins Reich zurückfuhren, fertigte uns auf der schweizerischen Seite ein solcher Hundekenner ab. Er verstand sich auf die Rasseeinteilungen. Leider versprach er sich; man muß das jedenfalls annehmen. Erfreut rief er beim Anblick Werbichs aus: „Ach, ein rauhbeiniger Terrier!"; sicherlich wollte er rauhhaarig sagen.
Seitdem heißt Balassa nun Rauhbein; und das ist der Name, der ihrer Art am nächsten kommt. Sie ist eine wilde Jägerin in Hos, Wald und Feld. Was ihr zu Gesicht oder vor die Nase kommt, stöbert sie auf und jagt hinterher. Erreicht sie aber mit ihren kurzen Beinen einmal ein Tier, meist ein Huhn oder eine Gans, so bleibt sie davor stehen, wedelt mit dem Schwanz und wirbt um ihre Freundschaft. Das ist dann der Augenblick, in dem das Huhn neuerlich entkommt, und Balassa Mjrt mit hängender Rute und beschämt angelegten Ohren zurück.
Katzen jagt sie auf Bäume oder Dächer hinauf. Das genügt ihr. Auf eine Belagerung, wie wir sie von unserem Schäferhund über halbe Tage lang kennen, läßt sie sich nicht ein.
Ich glaube, sie hat ein gutes Herz. Oder ist es nur, weil sie eine Hündin tft? Vor einigen Tagen lag eine Katastrophe in der Luft. Balassa stöberte in einem Schuppen ein Nest Katzen auf. Es waren S junge, noch blinde Tiere. Die Alte, an sich
umt zur Verteidigung bereit, machte in der Ueberraschung vor dem plötzlich heranpreschenden Hund einen Satz auf eine in der Nähe stehende Tonne und brachte sich in Sicherheit.
Balassa war schon heran. Ich pfiff, pfiff, drohte und war im Trab hinter meinem Rauhbein her. Aber ich wäre äu spät gekommen. Das Gemetzel mußte schon geschehen sein.
Als ich im Schuppen anlangte, verschlug es mir fast den Atem.
Erstarrt, mit gekrümmtem Rücken, saß die Katzenmutter auf der Tonne und fauchte.
Unten im warmem Nest lag Balassa, hatte sich mit den Vorderpfoten die jungen Katzen zurechtgelegt und spielte Mutter.
Tief enttäuscht war sie und immer wieder ging der Blick zurück, als ich sie wegführte.
Ist das eine Geschichte geworden? Ich glaube es selber nicht. Aber wer Hunde gern hat, wird die Zeilen vielleicht lesen und auf eine erfundene Pointe verzichten.


