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Nr. M Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 8. August (936

möglich gehalten hatten. Dann

erst konnte es sich

wieder auf seine ursprüngliche Bestimmung besin-

werden zur Ueber-

zwang zur Besinnung. Unritterliche Siegerwillkür

nen und Helfer des Menschen Windung von Raum und Zeit.

Der deutsche Dichter Theodor Fontane hat einmal gesagt, der Mensch könne Gott nicht dank­bar genug dafür sein, daß er ihn nicht wissen lasse, was der folgende Tag ihm bringt. Der englische Schriftsteller H. G. Wells denkt anders; er durch­kreuzt die göttliche Weltordnung und prophezeit munter in die dunkle Zukunft hinein, sehr pessi­mistisch, wie sich das bei einem Autor, dessen Leser­kreis auch in England ständig kleiner wird, eigent­lich von selbst versteht, und immer mit Bezug auf die eigene Person, was gleichfalls nicht Wunder nehmen kann. Kurz, Wells schmückt sich mit der literarischen Märtyrerkrone in spe und malt die Zeiten, in denen solches geschieht, mit den schwär­zesten Farben aus. Um aber seiner apokalyptischen Weissagung Nachdruck zu verleihen und gleichzeitig seine weiland Leser an ihre Käuferpflichten zu er­innern, wählte er die Form des N a ch r u f s und schrieb sich im englischen Rundfunk selbst einen gar rührenden Gedächtnisartikel. Er sieht sich als Toter im Sarge liegen? Niemand kennt mehr den ver­gessenen, einst so berühmten Schriftsteller, der im biblischen Alter von 97 Jahren in einem Londoner Armenhaus elend gestorben ist. Diese nicht mißzu­verstehende Anspielung auf den Undank der Welt mußte aber begründet werden. Und so erzählt denn Herr Wells weiter, daß er im Jahre des Heils 1938 von Faschisten schwer verwundet worden sei,

telligenz dafür einsetzen, um ein Problem zu lösen, das des Schweißes der Edlen wert ist.

Stelldichein geben und zum ersten Male in der Geschichte der wiedererstandenen Olympischen Kämpfe die Segelflieger ihr großes Können zeigten und um den Olympischen Sieg kämpften, zeigt es sich deutlich, wie sehr wir Otto Lilienthal zu Dank verpflichtet sind, denn er war der Wegberei­ter, er war der Erste, der uns von der Schwere der Erde löste und uns den Wea frei machte in den Luftraum ... durch seinen Opfertod.

Ein Menschenalter ist vergangen, seit Otto Lilien- thal wieder zur Erde zurückfand und die braunen Schollen sich auf seinen Sarg senkten. Wir haben erlebt, wie sich in Deutschland niemand fand, die Versuche fortzusetzen, denen er sein Leben geopfert hatte. Wir haben erlebt, wie der französische Haupt­mann Ferber, wie Chanute, wie schließlich die bei­den Brüder Wilbur und Oroille Wright weiter­bauten auf dem Gedankengut, das der Altmeister als Erbe zurückgelassen hatte. Wir sahen, daß die Verbindung zweier genialer deutscher Erfin­dungen, die des Gleitflugzeuges von Li­lie n t h a l und die des leichten, schnellaufenden Motors von D a im ler und Benz, die end­gültige Erfüllung brachten. Wir wurden Zeuge der Eroberung des Luftraumes in den Jahren vor dem großen Völkerringen, erlebten schließlich, wie das Flugzeug im Weltkriege zur furchtbarsten Waffe wurde und getrieben durch die Not der Zeit eine technische Entwicklung durchlief, wie wir sie nie für

Opfer müssen gebracht werden!

Zum vierzigsten Todestage Otto Lilienthals, des Wegbereiters der Iliegekunst

Don Kurt A. (3f. Jentfiewicj.

Allerdings ... damals herrschte die Maschine, damals bestimmte der Motor die Entwicklung. Wie­der war das Gedankengut Otto Lilienthals in den

Als Gustav Lilienthal am Morgen des 10. Au- aust 1896 auf die Schreckenskunde vom Absturz seines Bruders in den Rhinower Bergen bei Rathenow an die Bahre des Vaters der Fliegekunst eilte, da öffnete der Schwerverletzte noch einmal die Augen und sprach die Worte, die in ihrer Schlichtheit und überzeugenden Eindringlichkeit zum Leitsatz aller Pioniere des Menschenfluges wurden und es heute noch sind:Opfer müs­sen gebracht werden!" Dann umfing ihn, der zur Höhe und zum Licht gestrebt hatte, der dunkle Schatten der Ohnmacht, und in der Nacht zum 11. August ging Otto Lilienthal, der erste Mensch, dem es gelungen war, den uralten Mensch­heitstraum vom Fliegen 311 erfüllen, in der Berg- mannschen Klinik zu Berlin ein in die Ewigkeit.

Ein großes, reiches, von heißem Streben und harten Kämpfen erfülltes Leben verlöschte, ein Jkaridenschicksal hatte sich erfüllt, sieghaft aber überstrahlte diesen Opfertod der große Gedanke, dessen Verwirklichung sich der Lebende zum Ziel aesetzt hatte, und über das Grab auf dem Fried­hof in Lichterfelde bei Berlin erhob sich die Idee Otto Lilienthals zum Siegessiug eines neuen an- brechenden Jahrhunderts. Vierzig Jahre lie­gen zwischen dem heldenmütigen Sterben des ersten Fliegers und dem Heute. Tag für Tag und Nacht für Nacht donnern über den kleinen Hügel, den Lilienthal einst in Lichterfelde für seine Flugver­suche errichtete und den jetzt eine würdige Ehren­stätte ziert, die schweren Maschinen des Luftver­kehrs, tummeln sich im Aether über seinem Grabe die Sportflugzeuge und Militärmaschinen, ziehen die lautlosen Segler der Lüfte ihre Kreise. Und gerade in diesen Tagen, da sich die Jugend der

Diejenigen unserer männlichen Zeitgenossen, die da meinen, ihre werte Erscheinung während der Nacht durch Anlegung eines Pyjamas verbessern zu können, mögen es sich gesaat sein lassen, daß sie sich irren. Jedenfalls haben geschworene Feinde des Schlafanzugs in USA. und Kanada einenKlub der Nachthemden" gegründet, der sich die er­habene Aufgabe stellt, das durch den Pyjama ver­drängte ehrwürdige Nachtgewand, das ganz zu Unrecht in den Fluch der Lächerlichkeit gekommen sei, wieder zu Ehren zu bringen. Der Pyjama, so argumentiert man, sei an der allgemeinen Ver­weichlichung und Verweiblichung der Menschlichkeit schuld, und wir gingen doch einem eisernen und männlichen Zeitalter entgegen. Alle bedeutenden Männer, Cäsar, Napoleon, Lincoln, hätten, wie die historische Forschung festgestellt habe, stets in Nachthemden geschlafen, also sei allein das Hemd der sichere Garant menschlicher Größe. Die Gründe sind wahrhaft überzeugend, wenn auch die nahe­liegende Frage, auf Grund welcher besonderen Eigenschaften das Nachthemd seinen Trägern zum Helden qualifiziert und warum umgekehrt der Py­jama das Nahen des eisernen Zeitalters verzögern soll, vorerst noch offen bleiben muß. Wie nun die Sache auch auslaufen mag, auf alle Fälle zeigt sie, daß es selbst heute noch Männer gibt, die sich mit Ernst und Eifer um der Menschheit große Gegen­stände bemühen und ihre ganze Kraft und Jn-

gebracht werden!"

Sie brachten Opfer! Die alten Soldaten des großen Krieges und die Jungen, die zu ihnen ge- stoßen waren. In ihnen feierte der Vater des Menschenfluges eine herrliche Auferstehung. Man hatte ihnen die Motoren genommen. So eroberten sie den Luftraum aufs Neue. Motorlos ... mit Hängeleitern, wie sie Lilienthal benutzt hatte, dann mit Gleitflugzeugen und später mit Seglern. Und wie er ausgegangen war vom Fluge der Vögel, 0 waren auch ihnen Bussard, Storch, Adler und Möwe Vorbilder. Denken wir an L ö ß l, an Fer­dinand Schulz, an Günter Groenhoff! Auch ie mußten sterben wie Otto Lilienthal, damit die Idee weiterlebe durch ihren Opfertod.

Was einst der Fliegeberg in Lichterfelde, was die Rhinower Berge im letzten Jahrzehnt des ver« gangenen Jahrhunderts waren, das wurde nun die Rhön, auf dem die deutschen Segelflieger auf steinernem Sockel das Denkmal mit dem ge­fesselten Adler errichteten, als Dank an die ge­fallenen Flieger des Weltkrieges, zugleich aber auch als Mahnmal, nicht eher zu rasten, als bis die Ketten, die man Deutschlands Fliegerei . angelegt hatte, gesprengt waren und Deutschland wieder die Schwingen regen könne zu neuem Höhenflug.

Die . Ketten sind gefallen. Don der Wasserkuppe aus hat der Segelflug einen Siegeszug angetreten durch die ganze Welt. Frei ist unsere Sportfliegerei, das neue Deutschland hat wieder eine Luftwaffe geschaffen zum Schutze seines Luftraumes, und über alle Länder Europas, ja weit über die Gren­zen unseres Erdteils hinaus tragen unsere Ver­kehrsflugzeuge die Farben unseres Vaterlandes. Das Flugzeug hat uns wahrhaft zum Herrn ge- macht über Raum und Zeit, es hat die Ozeane, die höchsten Gebirgszüge, die weitesten Wüsten überwunden, es rückt die Völker der Erde näher aneinander. Technik und Wissenschaft haben uns zu diesen gigantischen Leistungen befähigt, Mut und Können haben sie vollbracht. Aber und nicht nur heute, da sich der Tag des Opfertodes des Altmeisters Otto Lilienthal zum vierzigsten Male jährt, sondern immer und zu jeder Stunde, wenn wir ein Segelflugzeug lautlos feine Kreife ziehen sehen, wenn wir das Donnern der Flugmotoren hören, müssen wir daran denken, daß er es war, der den Grundstein legte, daß sein Sterben die Stufe wär, die uns zur Höhe führte.

Denn nur wer der Vergangenheiten Geheimnisvollen Zauber spürt, Kann recht in sich die Kraft bereiten. Die zu der Zukunft großen Taten führt." Aus dieser Erkenntnis heraus hat der Reichs­minister der Luftfahrt, Generaloberst Göring vor wenigen Wochen dieLilienthal-Gesell­schaft" ins Leben gerufen und ihr die wissen­schaftliche Betreuung der Luftfahrtforschung über­tragen. Er hat damit im Namen des deutschen Volkes Lilienthal geehrt und diesem ersten Luft­fahrtforscher ein lebendiges Denkmal gesetzt. Wir aber wollen wie bisher seinen Namen in unseren Herzen tragen und niemals vergessen, daß er uns den Weg gewiesen hat zur Eroberung des Luft­raumes.

daß 1942 in England die Räterepublik ausgerufen und er selber in den Kerker geworfen wurde, den er als körperlich und geistig vollkommen gebrochener Mann nach unsäglichen Leiden verließ. Der Aermste! Der einzige Trost für uns ist, zu wissen, daß der fruchtbare Schriftsteller noch immer im Besitz der­selben blühenden Phantasie ist, die einst seinem BucheDie Geschichte unserer Welt" einen kurz­fristigen Riesenerfolg verschafft hat.

Randglossen zur kleinen Zeitgeschichte Don Ernst von Aiebelschüh.

Man gebe sich keiner Täuschung hin: das alte Rom das wir lieben und das fast allen großen Deutschen der Vergangenheit eine zweite Heimat geworden ist, das Rom der Casaren und deren christlichen Nachfolger, der Päpste, ist langsam, aber unaufhaltsam im Verschwinden begriffen und wird in absehbarer Zeit einer ganz modernen Weltstadt Platz gemacht haben, die nichts mehr duldet was sich den heutigen Anschauungen von Hygiene, Verkehrssicherheit, Zeitersparnis und Re- Präsentation nicht bedingungslos fügt. Nieder­legungen ganzer Stadtteile, Abtragung wertvoller historischer Gebäude, Durchbrüche und Anlage neuer und großartiger Straßen alles weist darauf hin, daß Pietätsrücksichten das neue Italien nicht davon abhalten werden, die ewige Stadt feinem frischen Ruhme zum Opfer zu bringen. Man konnte sich damit trösten, daß dies der Lauf der Welt fei: das republikanische Rom mußte dem kaiserlichen und dieses dem christlichen weichen. Nur wissen wir, welche Unsumme formgestaltender Kräfte damals den Nachfolgern das Recht gab, das Werk der Vor­gänger durch eigene Leistung abzulösen, während wir heute doch begründete Zweifel haben, ob das faschistische Italien den riesigen Aufgaben, die es sich mit wachsendem Machtgefühl stellt, auch inner- lich gewachsen sein wird. Der aufs Große gerichtete Wille allein macht es nicht, das wissen auch sehr patriotische Italiener von heute, andernfalls wären die Bedenken gegen das neue Projekt Mussolinis, die Peterskirche freizulegen und durch eine breite Triumphftraße zugänglich zu machen, nicht so leb­haft, wie es in der Tat der Fall ist. Nach dem bereits genehmigten Plan soll die altehrwür­dige Leostadt am rechten Tiberufer von einer grad­linigen Verbindung durchschnitten werden, die an der Enaelsburg beginnt und durch eine Art Sieges­tor Anschluß an die Kolonnaden Berninis findet. Gewiß ein großartiger Gedanke, nur müßte ihm der alte Borgo geopfert werden, von dem jeder Rom-Reisende weiß, wie sehr er mit seinen engen Gassen und ärmlichen Häusern durch das Kunst­mittel des Gegensatzes die städtebauliche Wirkung des unvermutet aufwachsenden Peterdoms und der Kuppel Michelangelos steigert. Man kann also nur hoffen, daß, wenn das Projekt durchgeführt wird, der Takt, auf den hier alles ankommt, groß genug ist, um eins der herrlichsten Städtebilder der Welt nicht unwiederbringlich zu schädigen.

vernichtete Deutschlands Fliegerei. Aus den Para­graphen des Friedensdiktats schmiedete man Fesseln, um den deutschen Aar, der im ritterlichen Kampfs nicht niederzuringen gewesen war, an den Boden zu fesseln. Man nahm uns, was wir befaßen, matt verbot uns den Motorflug und glaubte, uns damit die Möglichkeit jeder fliegerischen Betätigung ge­raubt zu haben. Das war ein Irrtum. Denn die Männer, die im Getümmel der vernichtenden Ma­terialschlachten hinter donnernden Motoren den Steuerknüppel geführt und die deutsche Ueberlegen» 1 heit zur Luft behauptet hatten, die verbündeten sich damals mit der innerlich aesund gebliebenen, zu­kunftsgläubigen Jugend unseres Volkes, und wäh­rend der Bürgerkrieg der Revolutionszeit Bruder gegen Bruder trieb, während Not und Hunger ihrs Geißel über deutschem Lande schwangen, da zogen sie in die Einsamkeit der Rhön, hinauf auf die Wasserkuppe, sahen dem majestätischen Fluge der Bussarde zu und besannen sich auf Otto Lilienthal, der mit den Worten gestorben war:Opfer müssen

Welt in Berlin zu den Olympischen Spielen ver­sammelt hat, da die Sportflieger aus allen Län- Hintergrund gerückt. Aber das deutsche Schicksal bern der Erde sich in der Reichshauptstadt ein1 ^mnnn utr N»sinnn»m llnrith>rfirfu> (Riortorwntttür

Es läuft im Grunde auf genau dasselbe hinaus, ob man sich, wie im atheistischen Rußland, den Leuten zubeweisen" bemüht, daß Gott nicht exi­stieren könne, oder ob man es macht wie in Hol­lywood, wo jetzt unter Aufgebot riesiger Mittel ein Luxusfilm gedreht worden ist, der den Titel Grüne Weiden" führt und sämtliche Him­melsbewohner vom Erzengel Gabriel bis zum lie­ben Gott leibhaftig auftreten läßt ein Riefen- Kitschgemälde, in dem Gott der Herr ein Neger ist, | der für die Probleme der Welt nur ein joviales Lächeln hat, die Engel, als Girls frisiert, gewagte Purzelbäume schlagen und auch sonst nichts unver- sucht bleibt, den naiven Kinobesucher in dem Glau­ben an die Unsterblichkeit seiner Seele und der Hoffnung auf ein besseres Jenseits zu befestigen. Die geschäftstüchtigen Unternehmer brüsten sich so- gar noch, mit diesem himmlischen Filmspektakel ein gutes Werk zu tun, indem sie den Zweiflern und Ungläubigen die letzten Dingeauf humorvolle Weise" nahebringen, aber die öffentliche Meinung in Hollywood scheint doch über die Zulässigkeit die­ser religiösen Propaganda anderer Meinung zu sein, und ihr Widerspruch spricht für das gesunde Urteil der Nation. Auch in England hat der Film einen solchen Sturm der Entrüstung hervorgerufen, daß er alsdie ungeheuerlichste Geschmacklosigkeit, die man jemals der Welt vorgesetzt hat", kurzerhand von der Zensur verboten wurde. Wenn auch Gründe des Anstandes und der Vernunft die Her­steller des Films schwerlich überzeugen werden, der zu erhoffende Millionenausfall wird feine Wir­kung sicher nicht verfehlen. Bei solchen Herrschaften fängt die Einsicht immer erst mit dem verdorbenen Geschäft an.

Oi 0 Oer Große.

Zur 1000 Wiederkehr seines Krönungstages am 8. August.

Don Or. Friedrich Bubendey.

Die Geschichtswissenschaft ist ihrem Wesen nach eine wertende Wissenschaft.

Hans F. K. Günther.

Während die Naturwissenschaft aussagt, was ist, urteilt die Geschichtswissenschaft über das, was war. Das ist der Sinn der Geschichtswissenschaft; sie hat die Aufgabe, zu werten. Wer werten will, muß einen Maßstab haben. Maßstäbe der deutschen Ge­schichtswissenschaft sind Volk und Rasse. Wollen wir daher eine Persönlichkeit der deutschen Geschichte werten, so müssen wir untersuchen, was sie für das deutsche Volk und für die nordische Rassewert" ist. So auch müssen wir Otto I. zu werten ver­suchen, um zu erfahren, ob er wirklich der Große war und auch für uns heute noch der Große ist. Otto I., bereits von seinem Vater Heinrich I. zum Nachfolger auf dem Thron ausersehen, war vier- undzwsnzig Jahre alt, als er zum deutschen König gewählt wurde. Seine hohe ritterliche Gestalt, sein volles blondes Haar, seine blauen Augen zeugten von nordischer Herkunft.

Warum aber ließ sich Otto I. nach der Königs­wahl vom Erzbischof von Mainz krönen? Lag nicht in dieser Krönung durch einen Vertreter des Pap­stes ein Zugeständnis an die Macht der römischen Kirche? Hatte nicht Heinrich I. es abgelehnt, sich von einem Priester salben zu lassen? Suchte Otto I. die Freundschaft der römischen Kirche? Ja, er suchte sie. Nicht aus Schwäche, nicht aus Anlehnungsbe­dürfnis und nicht, weil errömisch" gesinnt war. Otto I. suchte die Freundschaft der römischen Kirche, um sie auf diese Weise um so stärker und nachhal­tiger seinen deutschen Zielen, seiner deutschen Poli­tik dienstbar zu machen. Denn dieser junge, mäch­tige König war seiner deutschen Sendung immer bewußt, von ihr aufs tiefste ergriffen und beseelt. Sein Ziel war es, seinem Vater würdig nach­eifernd, Deutschland groß und stark zu machen.

Um dieses Ziel zu erreichen, mußte Deutschland unter einer kräftigen Führung einig sein. So war ftto I. von Beginn seiner Regierung an fest ent­schlossen, die Eigensucht und den Eigennutz der Stammherzöge zu brechen. Als diese sich wider­setzten, seiner deutschen Politik zu folgen, setzte er sie ab, und übergab ihre Lande seinen Verwandten. Als auch diese ihn aus selbstsüchtiger Familienpoli- uk an seinem Ziele hinderten, Deutschland zu einen, bekämpfte er auch sie, setzte er auch sie ab, uni)

übertrug ihre Lehen geistlichen Fürsten, die damit zum ersten Male ein weltliches Szepter in der Hand hielten. Otto I. schuf sich mit diesen Kirchenfürsten ergebene und getreue Gefolgsmänner. Denn diese geistlichen Beamten konnten nicht in Versuchung kommen, eigenbrötlerische Stammespolitik zu trei­ben. Da sie unverheiratet und ohne Erben waren, besaßen sie nur den einen Ehrgeiz, ihrem König und seiner Politik zu dienen. Starben sie, konnte der König ihre Herrschaftsbereiche nach eigenem Gutdünken neu besetzen.

Der Weg, den Otto I. einschlug, war um so rich­tiger, als er auf diese Weise mit der römischen Kirche freundschaftlich verbunden, auf die Besetzung aller geistlichen Aemter den stärksten Einfluß aus­zuüben vermochte. Da er alle geistlichen Aemter und Würden nur deutschgesinnten und deutschfühlenden Priestern anvertraute, gewann er die der christ­lichen Kirche innewohnende Macht für sich und seine deutsche Einheitspolitik. So wurde Otto I. auch ein wahrhaftiger König und herrschte in Deutschland unumschränkt. Don allen deutschen Kaisern und Königen, die die Geschichte kennt, war er wohl der mächtigste und dem Ziele am allernächsten, Deutsch­land für alle und ewige Zeiten die Vorherrschaft im Abendlande zu sichern.

Aber warum zog er nach demSüden"? Es war nur folgerichtig, daß Otto I. trachtete, auch das Oberhaupt der Kirche unter feine Botmäßigkeit zu bringen. Auch das gelang ihm. Er zwang den römischen Papst, ihn als Oberlehnsherrn anzuer­kennen und setzte das Gebot durch, daß kein Papst ohne Zustimmung des deutschen Königs oder Kai­sers gewählt werden dürfe. Mit diesem Bestreben, sich die Kirche völlig untertänig zu machen, hing die Eroberung Italiens zusammen, die ihm die deutsche Kaiserkrone brachte. Im Jahre 962 wurde Otto I. Kaiser des Heiligen römischen Reiches deut­scher Nation. Er stand auf der Höhe seines Ruh­mes, zu dem feine erfolgreichen Kriege, die er zur Sicherung der deutschen Herrschaft führen mußte, insbesondere sein Sieg über die Ungarn auf dem Lechfelde bei Augsburg (955), gewaltig beigetrcgen hatten.

Als Otto I. im Jahre 973 in Memleben gestorben und mit feiner ersten Gemahlin Editha im Dom des von ihm errichteten Erzbistums Magdeburg beige­setzt war, hatte er mit Recht den Ehrentitelder Große" erworben. Können auch mir ihn heute noch den Großen nennen? Wenn je ein deutscher Kaiser für sein Volk gelebt und gestrebt, gekämpft und gesiegt, regiert und geherrscht hat, dann Otto der Große. Daß die enge Verbindung der deutschen Kaiserwürde mit der römischen Kirche Deutschlands Verhängnis werden sollte, kann Otto I. nicht zum

Vorwurf gemacht werden. Hätten alle deutschen Kaiser sich die Macht über Rom so zu erobern ge­wußt wie er, es wäre nicht zu der Ohnmacht Deutschlands gekommen, deren Zeuge das Mittel- alter war.

Nur das' könnte Otto I. vorgeworfen werden: daß er es für möglich gehalten hat, nordischen Geist mit römischen Geist verschmelzen zu können. Heute wissen wir, daß sich germanisch-nordischer Geist nie­mals mit südlich-morgenländischem Geist vereinen läßt, weil beide einander rassisch entgegengesetzt sind. Otto I. hatte dies nicht erkannt. Man mag einwenden, daß sein deutsches Blut ihn den rechten Weg hätte weisen müssen. Wer aber wagt zu be­haupten, daß in diesem König und Kaiser das deutsche Blut nicht gesprochen hat? Wenn Otto I. trotzdem das Bündnis mit der Kirche einging, so nur, weil er von seiner Macht zu erfüllt war und sie für so stark hielt, selbst deutschen und römischen Geist zu einer höheren Einheit verbinden zu können. Uns aber mag die große Tragik Ottos I., deren er sich nicht bewußt war, lehren, daß eine deutsche Dolkwerdung ohne die Zielsetzung des nor­dischen Gedankens scheitern muß.

Heil-Erden.

Seit Urzeiten sind anorganische Erden als Heil­mittel verwandt worden, und in neuerer Zeit hat sich vor allem eine im Harz vorkommende Lößart als ein vielseitiges, einfaches und billiges diätetisches Mittel von großer vorbeugender und heilender Wirkung erwiesen. Dieses natürliche Erzeugnis des deutschen Bodens hat der Dresdner Professor Dr. Marttn Vogel zusammen mit Dr. R. Kunze mit Hilfe neuzeitlicher wissenschaftlicher Methoden auf die physikalischen und chemischen Eigenschaften hin genauer untersucht und über die Ergebnisse auf der Wiesbadener Tagung der Reichsarbeitsgemein­schaft für eine neue deutsche Heilkunde, die gemein­sam mit dem Kongreß für innere Medizin abge­halten wurde, berichtet. Die Wirkung beruht, wie die WochenschriftHippokrates" seinen Ausführun­gen entnimmt, hauptsächlich auf der Fähigkeit, die Salzsäure des Magens wie auch Fäulnisstoffe und andere Darmgifte zu binden. Dabei wird aber nicht wie sonst bei säureabstumpfenden Mitteln die ge­samte Salzsäure gebunden, sondern immer nur ein Ueberschuß, und dadurch eignet sich diese Heilerde vorzüglich als Mittel gegen Ueberfäuerung. Magen- und Darmstörungen, besonders Durchfälle infolge ver­dorbener Nahrungsmittel, werden durch die Heil­erde meist rasch zum Sttllstand gebracht. Bei Ver­stopfung bewirkt sie umgekehrt meist eine geregeltere

Entleerung durch Anregung der Darmwände. Dar­über hinaus wirkt die Heilerde auf das Gesamt­befinden sichtbar günftig ein, und bei Eiterungen und Entzündungen leistet sie, wenn sie nach Art der Lehmumschläge angewandt wird, gute Dienste.

Zeitschriften.

Der Naturforscher" vereint mitNa­tur und Technik", August-Heft: mit 28 Abbildungen und 2 Bildtafeln. Preis vierteljährlich 2,50 RM., Einzelheft 1 RM. Hugo Bermühler Verlag, Berlin- Lichterfelde N, Bismarckstraße 3. Beim Durch­blättern des Auguftheftes fällt wieder der über­raschende Reichtum an ausgezeichneten Naturauf­nahmen auf, die von ersten Fachkennern verfaßte Aufsätze außerordentlich anschaulich machen. Dtr be­kannte Physiologe Professor Dr. Emil Abderhalden veröffentlicht zum erstenmal seine Ergebnisse über neue Möglichkeiten, genau die Verwandtschaft und die Abstammung von Tieren, aber auch von Men­schen festzustellen. Universitätsdozent Dr. von Ser- talanffy zeigt an bemerkenswerten Aufnahmen, wie weit die Beherrschung der tierischen Entwicklung nun in der Hand des Menschen liegt. Die Frage nach dem Endzustand der Pflanzengesellschaften, die auch für die Praxis der Forstwissenschaft bemer­kenswert ist, behandelt Professor Dr. Walter von der T. H. Stuttgart auf Grund seiner Untersuchun­gen in unseren früheren Kolonien. Der bekannte Tierphotograph Ernst Krause hat eine Reihe von trefflichen Aufnahmen gemacht, die die Brutpflege und Brutfürsorge im Tierreich in neues Licht rücken. Dr. Eisentraut vom Zoologischen Museum in Berlin gibt anregende Erläuterungen. Der Del» geologe Professor Dr. Karl Krejci-Graf hat aus China einige Aufnahmen von der Südchijiesischen Kalklandschaft mitgebracht. Otto Krösche hat schone Aufnahmen aus dem Leben der Flußregenpfeifer gemacht und der Referent für Vogelkunde in der Reichsstelle für Naturschutz Dr. Glasewald-Berlm hat dazu einen erläuternden Text geschrieben. Dr. Stracke-Braunschweig führt in die noch immer nicht ganz gelüfteten Geheimnisse der Pflanzenwuchsstoffe ein, jener Hormone, die neben aller Düngung das Wachsen unserer Pflanzen in eigentümlicher und überraschender Weise beeinflussen, Dipl.-Ina. Pacht» ner-Stuttgart berichtet über die technische Verwend­barkeit des Leichtmetalls Beryllium. Die Trink­wasserversorgung unserer großen Städte, und zwar aus Seen, Flüssen und Talsperren sowohl, als auch aus dem Grundwasser behandelt Dr. Seeler-Ham- bürg. Seine Ausführungen werden durch die aus­gezeichneten Aufnahmen aus den Städtischen Wasserwerken Düsseldorf hervorragend ergänzt.