„Neunte Symphonie" im Stahlschrank.
Ein Gang durch die kostbarste Musikbibliothek der Erde.
Unzählige strömen täglich durch das massige Por- tal der Staatsbibliothek in Berlins über» lieferungsreicher Straße Unter den Linden. Ernster Schaffensdrang treibt sie zu den Bücherschätzen, den 2 8 0 0 0 0 0 Bänden, die wertvolles Geistesgut für alle Zeiten festhalten.
Dieser riesige Gebäudekomplex mit seinen drei» zehn Stockwerken birgt unter vielem anderen die Musikbibliothek, die als Sammlung ihrer Art das Kostbarste und Wertvollste darstellt, das die Welt aufzuweisen hat. Das Musikschaffen der ganzen Erde, aller Völker, aller Zeiten und aller Instrumente ist erfaßt. Und dieses lückenlose Ge» samtbild macht diese einzigartige Sammlung allen am Musikleben Interessierten so wertvoll: denn hier finden sie alles, dessen sie zur Ausübung ihres Berufes bedürfen. Den primitiven Gesang eines alten Naturvolkes sowohl wie den flüchtigen Schlager unserer Zeit; und um den Lichthof, drei Stockwerke hoch aufgebaut, das Hauptmagazin, das den umfangreichsten Teil der Sammlung enthält, die unendlich vielen musikalischen Drucke, deren Zahl sich von Jahr zu Jahr mehrt. Aber die wahren Schätze, die N o t e n m i l l i a r d e n , wie sie einer nannte, das sind die nirgends in so großer Anzahl anzutreffenden Autographen aus der Zeit unserer großen Klassiker.
Es ist nicht jedem vergönnt, diese unersetzlichen Schätze zu besichtigen. Aber wer einmal das Glück hatte, für den werden es Augenblicke unvergeß» lichen Erlebens sein, zumal, wenn es unter Führung des Betreuers dieser Räume, Professor Dr. Schünemanns, geschah. Kostbarkeiten über Kostbarkeiten bergen die schmucklosen grauen Stahl» schränke, die von den Büsten großer Musiker gekrönt werden. Was darin ruht, ist einmalig und von unersetzlichem Wert. Kompositionen von Bruckner und Reger, solche des Goethefreun- des Zelter und ein anderes Blatt, Schuberts „E r l k ö n i g". Friedrich des Großen Schriftzüge zeigt eine von ihm selbst für einen Sänger aus- gezierte Arie von Hasse „Sag ihm, daß ich treu bin." Hier fesseln uralte Gesangbücher die Aufmerksamkeit, dort die Musikbibliothek der Prin» zessin Amalie, der Schwester Friedrichs, die eine eifrige Schülerin Bachs war: und wieder an anderer Stelle steht man vor vergüten Handschriften aus dem 11. Jahrhundert und den ersten Notendruckversuchen, darunter der älteste, 1601 entstandene Operndruck „L'Euridice".
Eine Schranktür öffnet sich, Reihen ledergebundener Bände stehen da. Eine kurze Handbewegung nur: „Alles Beethoven". — Und dann liegt vor uns die „Neunte Symphonie" in Urschrift. Unendlich viele Blätter, bedeckt mit den weitausholenden Schriftzeichen und bizarren Notenköpfen des Ruhelosen. Korrekturen und immer wieder Korrekturen stellt man fest, mit Tinte, Rotstift, sogar mit dem Federmesser. Und hier begreift man das Wort von den Notenmilliarden. „Eine Seite Beethoven wird mit 1000 Mark bezahlt", belehrt uns der Hüter dieser Schätze. Und der Schrank scheint schier unerschöpflich. Man darf in der „Missa solemnis“ blättern, in dem Skizzen- buch zur „Zehnten Symphonie", deren Vollendung das Schicksal versagte. Aber weit mehr noch erzählen andere Dinge von der Tragik im Leben dieses Großen: Drei Kalender, angefüllt mit Bemerkungen über häuslichen Aerger mit Mägden,
mit Aufrechnungen und vielem sonst. Hier und da ein Tag anaekreuzt und daneben die Bemerkung: „Böser Tag". Da wird einer Kassette auch der berühmte, niemals abgesandte Brief an die „U n» sterbliche Geliebte" entnommen, deren Namen niemand mit Sicherheit zu sagen weiß. Und vielleicht das Erschütterndste sind die 13 7 Konversationsbücher, entstanden aus bitterster Notwendigkeit, da die Unterhaltung mit dem tauben Meister in den letzten Lebensjahren nur noch schriftlich möglich war. In ihnen findet man aucy die Aufzeichnungen aus den letzten Lebens- tagen des Meisters.
Wir schreiten weiter. Mozart. „Don ihm ist in Originalen fast alles vorhanden, was er von seinem siebenten Lebensjahre bis zu seinem Tode schuf", heißt es als Einführung. Die Aufzählung erübrigt sich. Dem Wunsch, dieses oder jenes zu sehen, folgt die Erfüllung, gleich ob es sich um „Cosi fan tutte“, „Jdomeneo" oder die „Entführung aus dem Serail" handelt. Aber einen genaueren Blick werfen wir in die Vartitur der „Z a u b e r f l ö t e , und es bedarf nur dieser kurzen Inaugenscheinnahme, um festzustellen, mit welcher Leichtigkeit der Salzburger Meister seine Melodien zu Papier gebracht haben muß. Zierliche, klare und leserliche Notenzeichen und Schrift vom ersten bis zum letzten Blatt, nirgends eine Abänderung.
Wie anders der dritte Große in der Reihe unserer Klassiker, der Leipziger Thomaskantor Johann Sebastian Bach, der größte einer Musikschaffenden Familie, die sich in ihrem Wirken vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis ins 19. Jahrhundert hinein verfolgen läßt. Wuchtig und klar stehen die Notenköpfe auf den Linien, das Papier ist ausgenützt bis zur letzten Ecke. Ehrfürchtig steht man vor dem gewaltigen Werk der „M a t t h ä u s p a s s i o n", der „Johannespassion", dem „Wohltemperierten Klavier" und der „Kunst der Fuge", Professor Dr. Schünemann weist auf eine Besonderheit hin. Keine Arbeit scheute der Thomaskantor, die Klarheit seiner Komposition zu wahren. Aber es mag auch Ehrfurcht vor dem Stoff gewesen sein, die ihn veranlaßte, die Worte des Erlösers in der „Matthäus» passion" mit roter Tinte zu schreiben.
Aber leider, an den Schätzen, die uns Johann Sebastian Bach hinterließ, nagt der Zahn der Zeit. Die Tinte siegt über das Papier. Schon jetzt hat mancher Notenkopf das Papier durchlöchert. Und so ist man gezwungen, die großen Werke den Händen eines berühmten Konservators anzuvertrauen, die sie vor dem weiteren Verfall schützen werden.
Der Gang durch diese wertvollste aller Sammlungen hat sich gerundet. „Es mag genügen, dem Schaffen dieser drei Großen eingehender nachgegangen zu sein", schließt der Direktor der Musikbibliothek. „Aber da wir bei Bach waren: Hier noch das ,Anna-Magdalena-Bach-Buch< von 1725. Es ist ein Geschenk Bachs an seine Frau. Ihr sind alle Eintragungen gewidmet, als er sie sich Aum Ehegemahl verwählte, verfaßte er das am Schluß stehende Hochzeitsgedicht. Und für sie schrieb er auch auf drei Seiten eine erschöpfende Anweisung für den ,Generalbaß^ — allerdings mit dem Zusatz, daß alles weitere der »mündliche Unterricht besser ersetzen werde." Und das war mit das Schönste, das wir sahen: Johann Sebastian Bach als Bräutigam, Vater und Hüter seiner Familie.
Adolf Ness.
Aus aller Well.
Uebergabe des Frontkämpferheimes Jlfesleln an den Reichskriegsopferführer.
In Anwesenheit des Reichskriegsopferführers Lberlindober fand die Uebergabe des Frontkampferheims I l f e ft e i n bei Ilsenburg im Harz statt. Unter den zahlreichen Ehrengästen befand sich auch der Leiter der Gruppe hirnoerletzter Krieger in der NSKOV., Pg. Schüßler aus München, einer der ältesten Parteigenossen und treuesten Gefolgsmänner des Führers. Reichskriegs, opferführer Oberlindober führte u. a. aus, es fei ihm eine Freude, das Heim feiner Bestimmung zu übergeben und in ihm eine Stätte weihen zu können, an der das deutsche Volk seine Achtung und Ehrfurcht vor den großen Opfern, die die Kriegsverlctzten ihrem Vaterland gebracht haben, bekunde. Das Frontkämpferheim Jlfeftein ist ein Geschenk der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Hauptfürsorgestellen an den Reichskriegsopferführer.
3m Kugelballon über den Südatlantik?
Einem Vertreter des Hamburger Tageblatte gegenüber hat sich der Hamburger Freiballonführer Dr. Zinner zu dem wohl allzu wankelmütigen Plan bekannt, den Atlantischen Ozean im Süden zwischen Afrika und Südamerika im einfachen Kugelballon zu überqueren. Er will dabei den günstigen Nordostpassat ausnutzen, also einen stetigen Wind, der den Ballon in fünf bis acht Tagen über den Südatlantik tragen könnte. Dieser Wind mache es erforderlich, nicht die für- zeste Strecke zwischen Batehurst und Pernambuco zu wählen, sondern die nach Ansicht Dr. Zinners in der Windrichtung günstiger gelegene, aber erheblich weitere Strecke zwischen Casablanca und dem Mündungsgebiet des Amazonas. Ein 5000* Kubikmeter-Ballon würde, wie er meint, für die etwa 6000 Kilometer lange Strecke genügen. Eine verschließbare Gondel hält Dr. Zinner nicht für er- forderlich. Es genügt, wenn der Korb aufblasbare Gummiwülfte erhält, die den Korb schwimmfähig machen. Funkgeräte oder wenigstens einen Rund- funkempfänger für Aufnahme von Wettermeldungen müßten natürlich mitgenommen werden. Zum Schluß feiner Ausführungen verwahrte sich Dr. Zinner dagegen, daß es sich um eine Sensation handele. Er will die geplante Unternehmung als „Sportfahrt" gewertet wissen.
Segelflug Peter Riedels von Malmö nach Kopenhagen.
Der bekannte deutsche Verkehrsflieger Peter Riedel, der sich zur Zeit mit einer deutschen Segclfluaexpedition unter Führung von Professor Rheinoorf in den skandinavischen Ländern befindet, führte mit seinem Segelflugzeug „Sperber" einen bemerkenswerten Flug über den Sund aus. Riedel ließ sich über dem Flugplatz von Malmö Hochschleppen und klinkte nach kurzer Zeit in 400 Meter Höhe aus. In etwa eineinhalbstündigem Kurven hatte Riedel über Malmö eine Höhe von etwa 1500 Metern erreicht, er nahm dann Kurs über den Sund in Richtung Kopenhagen, überflog ihn verhältnismäßig schnell und führte über der
dänischen Hauptstadt eine Reihe von Kunstflügen durch. Etwa zwei Stunden, bevor Riedel zur Landung ansetzte, hatte man in Kopenhagen das seltsame Schauspiel, ein Segelflugzeug mit den vielen Möven um die Wette fliegen zu sehen, was fliegerisch besonders interessant war, da die Möven dem Segelflieger die Aufwinde zeigten. Riedel landete dann auf dem Flughafen Kopenhagen.
Mutter und , Tochter wegen Kindestötung verurteilt.
In Trier verhandelte das Schwurgericht gegen die 21jährige Gertrud Zilz aus Erden (Mosel) und ihre 51jährige Mutter Gertrud Zilz. Während die Tochter beschuldigt wird, ein neugeborenes Kind vorsätzlich getötet zu haben, steht die Mutter unter der Anklage, ihre Tochter zur Begehung des Verbrechens angestiftet zu haben. Das Mädchen gab die Tat zu, behauptete aber, von ihrer Mutter zu dem Mord angeftiftet worden zu fein. Diese bestreitet, das Mädchen zur Begehung des Verbrechens aufgefordert zu haben, machte allerdings Ausführungen, die so unglaublich erschienen, daß an den Angaben des Mädchens nicht zu zweifeln war. Das Gericht verurteilte die Tochter wegen Kindestötung zu drei Jahren Gefängnis, die Mutter erhielt wegen Anstiftung zum Totschlag acht Jahre Zuchthaus. Ihr wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt.
Die Narrenkappe.
Der schädige Hut.
Der dänische Dichter Ludwig H o l b e r g, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in meisterhaft geschriebenen Lustspielen Schwächen und Eigenarten seiner Zeitgenossen geißelte, legte wenig Wert auf seine Kleidung. Jahrelang kannten ihn seine Kopenhagener Mitbürger nicht anders als mit einem abgetragenen Mantel und einem mehr als alten Hut auf dem Kopf, der zu mancherlei Anzapfungen Anlaß gab.
So trat auch eines Tages ein junger Mann auf der Straße auf den Dichter zu und fragte ihn mit hämischem Grinsen: „Mein Herr, nennen Sie etwa bas schäbige Ding, das Sie da auf dem Kopf tragen, einen Hut?"
Holberg wurde nicht böfe. Er sah den jungen Mann von oben bis unten an, dann blieben feine «liefe am Kopf haften, und er fragte zurück: „Und ene, nennen Sie etwa das schäbige Ding da unter Ihrem Hut einen Kopf?"
Das Rezept.
Der bekannte und beliebte Berliner Arzt Heim, im Volksmund der „alte Heim" genannt, verfügte über eine glückliche Dosis gesunden Humors. Eines Tages wurde er ßu einer Patientin gerufen, die Jtarr unter Migräne litt. Sie wollte jedoch nur jragen, ob sie ein ihr empfohlenes Hausmittel ohne Gcsahr anwenden könne. „Mir routbe empfohlen", |agte sie, „eine Portion Sauerkraut auf den Kopf (311 legen, wenn die Schmerzen eintreten. Was halten öie baoon, Herr Doktor?" Heim nickte ernsthaft: „Sehr gut — aber vergessen Sie ja nicht, auch eine Bratmur ft oben drauf zu legen!"
Bessere Schaufenster - bessere Geschäfte.
Schaufenster - Dekorationskurse der Deutschen Arbeitsfront und der Wirtschastsgruppe Einzelhandel.
Nicht nur auf den Einheimischen, sondern auch vorwiegend auf den Fremden sind die großen Geschäftsstraßen mit ihren lockenden Schaufenstern von unbestreitbarer Anziehungskraft. Und es sind nicht nur die Frauen, die gern einen Bummel durch solche Straßen unternehmen und von ihm fast immer etwas mitbringen.
Das Schaufenster des Einzelhändlers soll aber nicht nur eine Schau fein, sondern es soll ein sinnvolles, auf Bedarf und Kaufkraft abgestelltes Bild bieten, das sowohl die Güte der Ware, Die Größe der Auswahl, roje auch gleichzeitig den guten Geschmack und die Preiswürdigkeit des Gebotenen unaufdringlich herausstellt. Zwischen einem Schaufenster, das nur Bedarf decken will, und einem solchen, das Bedarf weckt, besteht ein weiter Unterschied.
Das alles wird von vielen Einzelhändlern noch zu wenig beachtet. Ein Blick in den Geschäftsstraßen der Stadt läßt erkennen, daß gerade in mittleren und kleineren Betrieben ein empfindlicher Mangel an dekorationsgewandten Kräften besteht. Es fehlt der klare, fachliche Aufbau in den Schaufenstern, der erfahrungsgemäß erst den Verkaufserfolg bringt.
Der alljährliche Schaufensterwettbewerb im Rahmen des Reichsberufswettkampfes hat das Verständnis für die wichtigste Einzelhandelswerbung schon geweckt. Aber immer ist, besonders bei den Inhabern mittlerer und kleinerer Geschäfte, noch eine erschreckende Gleichgültigkeit anzutreffen.
Um auf dem wichtigsten Gebiet der Werbung des Einzelhandels, der Schaufensterdekoration, eine Leistungssteigerung zu erreichen, führen die DAF., Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung, und die Wirtschaftsgruppe Einzelhandel Dekorations- lehrgänge durch. Hierzu wurden hervorragende Fachkräfte verpflichtet, die in vielen Städten bereits seit Jahren mit größtem Erfolg auf diesem Gebiete tätig sind. Der Unterricht beginnt am Mittwoch, 10. Juni, 20 Uhr, im Haus der Deutschen Arbeitsfront, Oie» hen, Schanzenstraße 18, Saal, in zwei täglich statt- findenden Lehrgängen, einem Tageslehrgang von 8 bis 13 Uhr und einem Abendlehrgang von 20 bis 23 Uhr. Jeder Teilnehmer wird individuell behan- beit. Der Lehrplan umfaßt folgende Gebiete: prak- tifches Dekorieren, Preisschilderschreiben (Pinsel), Plakatmalen (Spritz- und Tupftechnik), Farbenlehre usw. Eigenes reichhaltiges Dekorationsmaterial aus allen Branchen 'erlaubt die Aufstellung von 15 Schau- fenfterEojen, in denen täglich praktisch gearbeitet wird.
Die Aufforderung zur Teilnahme an diesen Lehrgängen ergeht sowohl an Betriebsführer als auch an Gefolgschaftsmitglieder. Anmeldungen nimmt entgegen und Auskunft erteilt die Deutsche Arbeitsfront, Kreiswaltung Gießen, Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung, Schanzenstraße 18, Telefon 3275.
Segelflug und Schule.
Kreisversammlung des NS.-Lehrerbundes des Kreises Gießen.
Gfl.-Bereichsführer Dr. Ouvrier
Die jünafte Kreisversammlung des N S.- Lehrerbundes des Kreises Gießen in der sehr gut besetzten Turnhalle der neuen Pestalozzischule war einer ebenso ernsten, wie großen Zukunftsaufgaben, die das Dritte Reich dem Jugenderzieher übertragen hat, der Charaktererziehung durch den Segelfliegerfport gewidmet.
Die Versammlung, der fachliche Vorbesprechungen vorausgeaangen waren, wurde eingeleitet durch eine Besichtigung der
Ausstellung der Arbeiten der Modellgruppen, die in den Seitengängen des oberen Stockwerkes und auf der Empore, von einem Bild des Fliegergenerals Göring im Blickpunkt bestimmt, aufgebaut war. Eine größere Anzahl von Dolksfchulen und die Gießener höheren Schulen hatten ihre Bastel- und Modellarbeiten ausgebreitet, die den Werdegang der Segelfliegermodelle, angefangen von dem zeichnerischen Entwurf bis zur Herstellung der Einzelteile und Modelle erkennen ließen. Die Bewertung dieser Unsummen von Kleinarbeit sprach später sehr treffend Kreisschulrat N e b e I i n g bei der Preisverteilung aus.
Ein musikalisches Vorspiel des Lehrerorchesters und ein gemeinsames Lied eröffneten die Kreisver- fammlung.
Kreisschulrat Nebeling
verband mit den Begrüßungsworten die Bekanntgabe geschäftlicher Mitteilungen. U. a. wies er auf den verbilligten Sonderzug zur Reichstagung des N S L B. in Bayreuth und auf die am Mittwoch, den 10. Juni, überall stattfindenden B e - zirkslehrertagungen hin, bei denen alle Mitglieder zu erscheinen haben. Weiterhin gab er bekannt, daß die Schulungsarbeit in der Neumühle bei Mainz fortgesetzt und Meldungen sofort abgegeben werden müssen. Der
Kreissachbearbeiter Turnlehrer Mohr gab Anweisungen für die Vorbereitungen zum Jugendfest 1 936. Er führte die Wettkampfeinteilungen und Durchführungsbestimmungen an und ersuchte um Einhaltung der Termine. Ganz besonders lenkte er das Augenmerk der Erzieher auf die Beteiligung jedes einzelnen Schülers an den Einzelwettkämpfen. Das Jugendfest 1936 wird am 20. Juni als Tag des Jungvolkes und am 21. Juni als Tag der Hitler-Jugend durchgeführt. Weiterhin besprach er die Durchführung der Sommerkampfspiele und die Durchführung des Schemm-Schwimmens.
Nachdem Kreisschulrat N e b e l i n g noch auf eine Versammlung der Fachschaft II (Höhere Schulen) am 17. Juni hingewiesen hatte, bei der über „Die Gießener Frauen-Oberschule" gesprochen werden wird, leiteten Schargesänge und ein Gedichtvortrag der Flieger-HI. zur eigentlichen, dem Segelflugsport gewidmeten Tagung über.
Kreisschulrat Nebeling sprach von den besonderen Aufgaben, die dem deutschen Erzieher gestellt sind, durch die über den Bau von Segelflugmodellen zu leistende Erziehung der Jugend im Sinne des Wehrgedankens. Die auch im Kreise Gießen im letzten Jahr begonnenen Arbeiten waren so erfolgreich, daß bereits ein Modellfliegen veranstaltet werden konnte. Die fleißige Arbeit einiger Gruppen hatte dadurch neue Anregungen und neuen Auftrieb gegeben, die durch die Ausstellung der bis jetzt angefertigten Arbeiten ausgedehnt werden soll. Mit einer Uebersicht über die ausgestellte Arbeit verband der Kreisschulrat die Anerkennung für die Modellgrup- pen, die damit bewiesen haben, wie viel Genauigkeit, Ausdauer, Fleiß, Opfermut und Treue zur Sache aufgewendet wurden.
Besondere Worte der Anerkennung sand er für die Erzieher, die neben ihren Dienststunden in vorbildlicher Weise der Jugend durch Rat und Tat und Mitarbeit zur Seite gestanden haben, so daß ihre Arbeit von diesen Werken nicht zu trennen ist.
Zur weiteren Anregung und Förderung dieser Mo- dellarbeiten wurde darum ein Anerkennungspreis der Kreisführung des NSLB. im Gesamtbeträge von 60 RM. für die besten Gruppen ausgesetzt, der eine kleine Hilfe für die Geldopfer bedeuten soll. Für die beste Arbeit, die Genauigkeit, Sorgfalt und Fleiß verrät, wurde der Modellgruppe der Volksschule Großen-Linden der erste Preis Auerfannt. Ausgezeichnet wurden weiterhin die Mo- dellgruppen der einklassigen Volksschule Münster, des Gymnasiums Gießen, des Realgymnasiums Gießen, der Goetheschule Gießen, der Volksschulen Grünberg, Weitershain, Rüddingshausen und Wieseck, der Oberrealschule Gießen und der Volksschule Heuchelheim. Der Kreisschulrat beglückwünschte die Lehrer dieser Gruppen und trug ihnen gleiche Glückwünsche an jeden einzelnen ihrer Gruppe auf. Hierauf sprach der
über „Segelflug und Schule". Ausgehend non einem vor elf Jahren in der Gießener Universität von Fritz S t a m e r über Gedanken zum Segelflug gehaltenen Vortrag, zeigte der Redner die Entwicklung Des Segelfluges und wies nach, wie sich dieser Gedanke in aller Welt durchgesetzt hat. Die weittragende Bedeutung unterstrich der Redner durch die Tatsache, daß Rußland auf diese Weise 52 000 Jungflieger ausgebildet hat. Der deutsche Segelfliegersport brachte uns fünf Weltrekorde ein. Wie lang und mit welcher Ausdauer und Opferbereitschaft der Weg der wagemutigen Segelflieger im Reiche war, das ließ Der Vortragende an einem kurzen Ueberblick, angefangen von den ersten Versuchen 1913 in Darmstadt, über Oskar Ursinus, Den Vater Der Rhönsegelflieger zu Lippisch, Espenlaub und Fritz Stamer bis zum heutigen Tag, deutlich werden. An Fritz Stainers Kampf um Die Geltung Des Segelfluges liefe er Die erzieherischen Werte Des Segelflugsportes klar merDen, Die über seltene Ka» meraDschaft, Opferbereitschaft unD eine innige Liebe Aur Scholle unD Heimat Den Flugschüler Die geheimnisvolle Größe Des Kampfes mit Den Elementen erleben und ihn zum Mann und Kämpfer reifen lasten. So gelang es dem Segelflieger, sich die Anerkennung Des Motorfliegers zu erringen unD
heute ist der Segelflugsport die Grundlage für dle fliegerische Ertüchtigung des Volkes geworden.
Sehr anschaulich schilderte der Redner die große erzieherische Bedeutung des Modellbaues für Den jungen Menschen durch Die maßgerechte und maß- treue, peinlich genaue und gewissenhafte Arbeit, Die in Verbindung mit der Disziplin beim Dienst und der Sauberkeit beim Fluge selbst ihren Lohn findet in Der Freude am Geschaffenen. Der müheselige Weg führt dann erst zum Bau des bruchsicheren Gleitflugzeuges und hierbei schaffen Die erforderliche gewissenhafte und verantwortungsvolle Zusammenarbeit, die Hinnahme mancher Enttäuschungen beim Bruch unD Das Hintenanstehen hinter Den Kameraden bis zum endlichen Flug Die beste Auslese. Aber jeher Junge, Der einmal selbst Maschi- nenmobelle gebaut hat, bringt in Der Liebe zur Sache, in Der Sachkenntnis unD in der Bescheidenheit Die richtigen Voraussetzungen mit.
In der fliegerischen Betätigung in Rieder- Ofleiden und später dann auf der Wasserkuppe erhält der Anfänger nicht nur die fachtechnische Fortbildung, sondern die nötigen Erfahrungen zum Abschluß der ersten Etappe seiner Ausbildung. Gerade in der fliegerischen Betätigung scheidet sich der Anfänger vom Mutigen, hier wird der rechte Kerl aus ihm.
Sehr eindringlich schilderte der Redner die Bedeutung der Auswahl des fliegerischen Nachwuchses und die Heranführung weitester Kreise der Jüngsten und Jungen an Die Gedanken des Flugsportes und Der fliegerischen Betätigung. Er sprach von den Möglichkeiten der sportlichen Beteiligung in Nieder- Ofleiden und auf der Wasserkuppe und forderte die Erzieher auf, sofern sie sich nicht selbst betätigen können, alle Gelegenheit wahrzunehmen, um die Jugend mit diesen Sportstätten bekanntzumachen. In einem Appell für den Flugsport hob er nochmals hervor, wie gerade die Erziehung der Jugend zum Kampf und die Bewährung tm Kampf mit den Elementen einer der wertvollsten Faktoren der Ertüchtigung unseres Volkes ist und der mutigste Einsatz für Volk und Vaterland und den Führer darstellt.
In einem Schlußwort umriß noch einmal Kreis- schulrat Nebeling die ganze Schwere der Aufgabe, die Dem Erzieher durch die Heranführung der Jugend zum Segelflugsport gegeben ist, damit er für die Erringung und Sicherung der Ehre und Freiheit, die unser Führer so zielsicher und zukunftsschauend eingeleitet hat, die erforderliche Grundlage schafft. Zur Förderung der Kleinarbeit im Kreise Gießen soll daher auch in diesem Jahre im August oder September ein
Flugwetkbewerb der Modelle
abgehalten werden, der den Beweis für die Flug- tüchtigkeit der geschaffenen Arbeit erbringen soll. Mit einer Aufforderung an alle Modellgruppen zu treuer Weiterarbeit und an die weiteren Schulen zur Errichtung neuer Modellbaugruppen schloß Der Kreisschulrat die Kreisversammlung mit dem Treu» grüß an den Führer. Die Nationallieder beschlossen die Veranstaltung.
Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 482: Danziger Verordnung über den Zahlungsverkehr in Zloty vom 2. Juni 1936. — 483: Bekanntmachung KP 145 der Ueberwachungsstelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. — 484: Neue irische Zölle und Zolländerungen.


