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Reifeeindrücke in Afrika.

Prof. Or. Hummel spricht im Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschast.

Der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesell­schaft veranstaltete am gestrigen Freitag im großen Hörsaal der Universität einen gut besuchten Vor­tragsabend, den die Leiterin, Frau Hummel, mit Willkommensworten eröffnete.

Universitäts-Professor Dr. Hummel, der im Jahre 1929 an dem Internationalen Geologen- Kongreß in Pretoria (Transvaal) teilgenommen und anschließend einen großen Teil des afrikanischen Erdteils bereist hatte, sprach, unterstützt von einer großen Anzahl Lichtbilder, über seineReiseein- orücke in Afrika". Von Swakopmund, dem Hafen Deutsch-Südwests, ausgehend führte den Vortragen­den die Reife hinein in das afrikanische Land mit seiner vielgestalteten Erdoberfläche, dem eigenarti­gen Pflanzenwuchs und der unendlichen Weite. Eines der wichtigsten Wirtschaftstiere, die ihm hier auffielen, die schwarzköpfigen Schafe, die in großen Herden gezüchtet werden und eine der Hauptein­nahmen der Kolonisten und Farmer sind, zeigte er im Bilde. Der Norden Südwests ist reich an Kupfer und lieferte früher dem deutschen Mutterland einen erheblichen Anteil seines Bedarfs. Jetzt haben die Engländer diese Minen im Besitz. Eigen­artig waren die fensterlosen Häuser der Schwarzen anzusehen. Von Südwest führte der Reiseweg in 4'/-tägiger Bahnfahrt durch Südwest hindurch nach Kapstadt und dann in nördlicher Richtung yinaus nach Pretoria. Hierbei kam der Redner auch auf die Buren zu sprechen, für die wir früher so viele Sympathien hatten, und die während des Krieges als erste unsere Kolonien besetzten und sich sehr wenig dankbar erwiesen haben. Die Bilder zeigten die Art des Wohnens der Weißen, die sich erst müh­sam ihre Häuser bauen müssen. Das englische Pre­toria ist schon eine ansehnliche Stadt, wie auch Rho- desia für die Engländer sehr wertvoll ist. Cecil Rhodes, einer der größten englischen Eroberer und Mehrer des Kolonialbesitzes, hat dem Lande seinen Namen gegeben. Eine einfache, zwischen Felsblöcken liegende Grabplatte kündet von seinen Taten.

Die Reise führte dann weiter durch das Land an den Viktoria-Wasserfällen vorbei, an denen sich die Fluten des Sambesi aus 100 Meter Höhe her­niederstürzen, vorbei im Kongo nach Deutsch-Ost­afrika, jener wertvollen deutschen Besitzung, die uns Kautschuk, Sisal, Kopra, Elfenbein, Baumwolle

und Kaffee lieferte. Zwar hat man jetzt reichere Kautschukquellen entdeckt und die Bäume Ostafrikas sind nicht mehr so wertvoll, aber für uns bedeutete der Besitz des Landes mit seinen Rohstoffen doch außerordentliche Vorteile. Besondere Pflege wird noch dem Kafsee gewidmet, der mit eine der Wirt­schaftspflanzen des Landes ist. Diese aus der Hei­mat Abessinien eingeführte Pflanze erfordert aber, wie auch z. B. der Wein, reiche Pflege, gute Be­wässerung und darum viele Arbeit. Dennoch sind viele deutsche Pflanzer wieder nach Ostafrika zu­rückgekehrt und haben hier den ihnen von den Eng­ländern enteigneten Besitz zurückkaufen müssen. Iu den Einkünften des Landes zählen auch die Erträg­nisse der Tierherden.

Der Redner schilderte die Beschwerlichkeit der Reisen durch diese Lande und illustrierte die Er­findungsgabe der Pflanzer, die sich eigene Fahr­zeuge als Kombination von Personen- und Last­kraftwagen bauen, um Herr der unwegsamen Pfaoe und Straßen zu werden. Vom Tanganjika-See führte die Reise bis zu dem nördlicher gelegenen Kilimandscharo, dessen 6000 Meter hohe schneebe­deckte Gipset das Land überragen, und fand in Daressalam ihr Ende.

Eindringlich schilderte der Redner noch die schwie­rige wirtschaftliche Lage der Deutschen, die alles daransetzen müssen, um auf diesem für das Mut­terland so wichtigen Vorposten sich behaupten zu können. Mit dem Wunsche, daß diese Kolonien recht bald wieder zurückgeaeben werden und das an Deutschland begangene Unrecht auch hinsichtlich der Kolonien aus der Welt geschafft werden möge, schloß Professor Hummel seine fast zweistündigen, mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen.

Frau Hummel sprach dann über Ziel und Weg des Frauenbundes, der in erster Linie das deutsche Schulwesen unterstützt und durch Bücher­spenden usw. die Deutschen in Afrika in ihrem schweren Kampfe um deutsche Art bestärkt. Sie brachte hierzu auch die Stellungnahme der Führe­rin der NS.-Frauenschaft zum Ausdruck, die die Frau zur Helferin für die Frau und Mutter jen­seits der Reichsgrenzen aufruft und auch dem Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft neue Wege und Aufgaben im Rahmen der Aufbauarbeit zumeist. Mit dem Treuegelöbnis zum Führer wurde der Abend beschlossen.

men, Bauwerke, die in vollendeter Harmonie in der Landschaft stehen. Diele großartige Schlösser, von Seen umgeben, inmitten reizvoller Parks, interessante Aufnahmen aus Freilichtmuseen und vieles andere stellten das Land, seine Kultur, seine Geschichte plastisch vor das geistige Auge der Be­sucher. In weiteren Teilen des Dorttags sah man Norwegen, seine Fjorde, die Lofoten, schließlich noch Lappland und Spitzbergen in besonders an- schaulichen Bildern.

Der Redner wußte seine Bilder mit einer schier ungeheuren Fülle von geschichtlichen Daten und Tatsachen zu ergänzen: er schilderte aus seinen eige­nen reichen Erlebnissen die nordischen Länder, kennzeichnete die Menschen und manches feine (Er­lebnis mit ihnen, er wußte manche humorvolle und manche nachdenkliche Episode einzustreuen, so daß den Besuchern des Abends ein vollständiges Bild des Charakters der nordischen Länder erschlossen wurde. Die Bilder waren über alles Lob erhaben. Die Zuhörer zollten dem Redner herzlichen Dank.

Lustschutz-Beratungsstunde

Mit Wirkung vom 7. Februar hat das Luft- schutzreoier II des RLB. eine Beratungsstunde über Fragen des Selbstschutzes der Zivilbe­völkerung eingerichtet. Diese Beratungsstunde findet jeden Freitag in der Zeit von 18 bis 19 Uhr in der Wohnung des Revierführers North, Ebelstraße 17, statt.

Gießener Dochenmarktpreise.

* Gießen, 8. Febr. Auf dem heuttgen Wochen­markt kosteten: Mvltereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Landbutter 1,42, Markenbutter 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, dos Stück 4 bis 10, frische Land­eier Klasse A 13, inländische, ungezeichnete Eier 10 bis 11, Wirsing, das Pfund 10 bis 15, Weiß­kraut 10 bis 12, Rotkraut 15 bis 18, Gelbe Rüben 9 bis 12, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosen­kohl 20 bis 30, Feldsalat 70 bis 90, Tomaten 45, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 30 bis 65, Schwarz- wurzeln 20 bis 30, Kartoffeln, das Pfund 4 Pf., der Zentner 3,30 bis 3,50 Mk., Aepfel, das Pfund 10 bis 30 Pf., Birnen 25, Nüsse 45, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mk., Suppenhühner 80 bis 85 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1 Mk., Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 25 bis 40, Salat 30 bis 35, Endivien 10 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 15, Sellerie 5 bis 40 Pf.

*

** D t e Marktuhr ist da. Die von Ober­bürgermeister Ritter in seiner kürzlichen großen Rede angekündigte Einrichtung einer Uhr auf dem Wochenmarktplatz ist nunmehr verwirklicht worden. Die Uhr hat ihren Platz an dem städtischen Markt­laubengebäude an der Ecke des Brandplatzes. An dieser Stelle ist sie von allen Teilen des Marktes aus gut zu sehen.

** Arbeitsvergebungen. Das städtische Hoch- und Tiefbauamt schreibt in unserem heutigen Anzeigenteil die Vergebung von Arbeiten für den Neubau des Schlachthof-Derwaltungsgebäudes unh für die Neubauten in der Schottstroße und am Schwarzlachweg aus. Unsere Handwerksmeister seien auf die Bekanntmachungen besonders hingewiesen.

** Die Anmeldung der ABC. -Schützen betrifft eine Bekanntmachung des Stadtschulamtes in unserem heutigen Anzeigenteil. Die Eltern der schulpflichtig werdenden Kinder seien auf die Be­kanntmachung besonders hingewiesen.

** Die Bezahlung der Strom- und Gasgelder betrifft eine Bekanntmachung der Direktion der städtischen Betriebe in unserem heu­tigen Anzeigenteil. Auf die Bekanntmachung fei be­sonders hingewiesen.

Amtsgericht Gietzen

Wegen Widerstandes im Sinne des § 113 RStGB. wurde der schon vorbestrafte D. W. aus Gießen durch Strafbefehl zu einem Monat Gefäng - n i s verurteilt. Der Angeklagte fuhr am 30. August o. I. zwischen 18 und 19 Uhr mit seinem Fahr­rad in unvorschriftsmäßiger Weise die an jenem Tage sehr belebte Kurve SetterswegHindenburg- wall. Als ihn der Dienst tuende Polizeibeamte nach seinen Personalien fragte, weigerte sich der Ange­klagte und widersetzte sich auch seiner Mitnahe zur Polizeiwache. Erst mit Hilfe eines weiteren Beam­ten konnte der Angeklagte im Auto zur Polizei ge­bracht werden. Der gegen den Strafbefehl verfolgte Einspruch blieb ohne Erfolg.

Der H. W. aus Gießen erhielt wegen Betrugs- durch Strafbeiehl drei Monate Gefängnis. Auf den Einspruch des Angeklagten wurde in der

MIO MUMM.

Roman von H. von Hellennann.

Copyright 1936 by Aufwärts-Derlag G. m. b. H., Berlin SW 68

16. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Grete guckte ihn ganz erstaunt an. Was war in den allezeit lustigen, liebenswürdigen Bruder ge­fahren? Sie trat auf ihn zu, legte einen Arm um feine Schulter, den er vergebens ungeduldig abzu- jchütteln suchte.Junge, was ist denn mit dir, kannst du keinen Spaß mehr vertragen? Hast du etwas ausgefressen? Wir sagen uns doch sonst immer alles!" Ihre herzliche Stimme bat.Warum bist du so komisch zu Dr. Goebel gewesen?"

Der hochaufgeschossene Jüngling fuhr herum. Weil ich den Kerl nicht leiden kann", stieß er heftig hervor. ,Lrnrner kommt er und macht sich bei uns breit, als gehöre er zu uns, aufdringlich nenne ich das! Und wie er Mutti immer ansieht die merkt nichts und du natürlich auch nicht, aber ich--" Etwas schien ihm in der Kehle

zu würgen, seine Stimme schlug vor Erregung um. Ich ferne dir wenn der Mensch noch lange bleibt, gehe i ch 1" Damit löste sich Hans Mervius von der Schwester Arm, riß die Mutze vom Nagel und stürmte hinaus. Schmetternd fiel die Tür hin­ter ihm ins Schloß. v . _x

Grete aber stand mit offenem Mund und starrte ihm nach. War Hans verrückt geworden?

17. Kapitel.

Wenn Fräulein Merviusmodern" gewesen, wäre, so hätte sie, mit gewissem Rüstzeug für alle sich durch ein Zusammensein mit einem berühmten Mann möglicherweise ergebenden Eventuantaten gewappnet und mit Erwartungen diverser Art ihren Poften bei Soante Selld^n angetreten. Daß sie es nicht war, empfand der Schwede in angeneh­mer Bestärkung seines ersten Eindrucks.

Ganz geschäftsmäßig erwiderte sie fernen Gruß, richtete sich in ihrer Ecke häuslich ein unv faß wenige Minuten später mit gezücktem Bleistift und blanken Augen da, ganz gespannte Aufmerksamkeit.

Er war der Mann, der ein wenig.langer brauchte, um feine Gedanken zu sammeln, die durch Ideen-

gestrigen Hauptverhandlung festgestellt, daß er als Ar­beitsloser und Unterstützungsempfänger von Herbst 1934 bis Frühjahr 1935 Arbeiten verrichtete, ohne dem Arbeitsamt davon pflichtgemäß Mitteilung zu machen. Das Gericht verkündet am 11. Februar die Entscheidung.

Oberhessen.

Oer Frühjahrs-pferdemarkt in Friedberg.

Friedberg, 7. Febr. Der Friedberger Frühjahrspferdemarkt 19 3 6 ist, wie all­jährlich, mit einer Prämiierung verbunden, die am Dienstag, 25. Februar, stattfindet. Die jetzt schon bei der Bürgermeisterei Friedberg vorliegenden zahlreichen Anmeldungen lassen erwarten, daß die diesjährige Prämiierung in bezug auf die Anzahl der vorgeführten Zuchtpferde alle bisherigen weit übertreffen wird. Es gilt als selbstverständlich, daß die Prämiierung ein ganz hervorragendes pferde­züchterisches Bild bieten wird. Fachmännischerseits wird anerkannt, daß gerade in der Wetterau und deren Nachbargebieten im letzten Jahrzehnt in der Pferdezucht besonders gute Erfolge erzielt werden. Den Richtern wird es keine leichte Arbeit fein, aus der Fülle des vorgeführten guten Warmblut-, Halb­blut- und Kaltblutpferdematerials die besten Tiere herauszufinden. Die Stadt Friedberg, die cs sich traditionsgemäß zur Aufgabe macht, die heimische Pferdezucht nach Kräften zu fördern, übergibt den Siegern Barpreise.

Landkreis Gießen

§ Wiefeck, 7 Febuar. Die hiesige Orts- bauernschaft hielt gestern abend in der Wirt­schaft Keller ihren zweiten diesjährigen Schu- l u n g s a b e nd ab, der von Ortsoauernführer Rodenhausen geleitet wurde. Nach der Be-

verbindung dieser blonden sonnigen Frische mit Ju­genderinnerungen an sein Heimatland in Unord­nung geraten. Ader schnell hatte auch er sich gefaßt und schlug ein Heft mit kurzen Notizen auf.

So, nun sollen wir arbeiten. Ich beginne mit den Vorbereitungen zu der ersten Tour durch Nord­persien, wo wir ein uraltes Tempel der Sonnen­anbeter entdeckten, mit viele Priestergräber in der Nähe. Es war Sven Hedin, der mich zu dieser Tour anregte, er war Hausfreund bei uns und kannte mein leidenschaftlichen Wunsch, die Erde zu durch­forschen nach nach Spuren vergangenen Leben."

Sven Hedin", dachte Grete,Gott, wie inter­essant!" Fragen sprangen auf ihre Lippen, müh­sam unterdrückt. Schnell sonst kam sie nicht nach.

Selldsn sprach klar, aber ziemlich rasch, mit hel­lem, etwas singendem Tonfall. Eine Stimme, die gewiß gut im Freien trug. Sie mußte schreiben, wie er redete, alle Korrekturen konnten erst später gemacht werden. Es war gar nicht so leicht ----

Ihre Brauen runzelten sich vor lauter Eifer, die Lippen schoben sich zusammen, als seien sie mit einem Bindfaden eingekräuselt. Der Mann, der sie zufällig ansah, ob sie auch mitkomme, mußte un­willkürlich lächeln, so drollig sah das aus.

Geht es, Fröken?"

Sie nickte nur selbstvergessen, ungeduldig weiter strebend wie ein gezügeltes Vollblut. Es ließ sich gut arbeiten mit solch williger Hilfskraft, die gottlob nicht bei jedem Fremdwort Glotzaugen machte. Bald vergaß Selldön, daß diese Hilfskraft ein junges Mäd­chen war mit goldener Flechtenkrone und blauen Augen, feine Gedanken konzentrierten sich ganz auf sein Werk, vertieften sich in die Einzelheiten jener denkwürdigen ersten Forschungsreise, die ihn bei­nahe das Leben gekostet.

Als er endlich aufhörte, hatte Grete rote Flecke auf den Wangen und eine ganz verkrampfte Hand, aber ihre Augen glänzten: es war if)r gelungen, das fast zweistündige Diktat lückenlos aufzunehmen. Freilich ob man auch alles lesen konnte?

,Letzt ich werde arbeiten für mich und Sie schrei­ben meine schöne Rede korrekt auf die Maskine ab", bestimmte Selldön,ich will wohl gern Cocktails mixen, aber nicht die Sprachen in meine Vortrag. Da liegt das Papier." Ohne ein weiteres Wort begab er sich ins Nebenzimmer an den großen Schreibtisch und war wieder in schriftliche Berech-

grüßung sprach der Ortsbauernführer überDie Tierzucht in der Erzeugungsschlacht". Gesundheit und volle Leistungsfähigkeit, sagte der Redner u. a., bilden die Voraussetzungen für die Wirtschaftlich­keit unserer Viehbestände. Nicht auf die Zahl der gehaltenen Tiere kommt es an, sondern daß diese höchste Nutzung abwerfen. Nur in gesunden Stäl­len, die hell und gut füftbar sind, deren Fußboden wasserundurchlässig sind und deren Krippen leicht zu reinigen sind, kann gesundes Vieh heranwachsen. Schwere Schäden richtet auch die Tuberkulose an, deren zielbewußte Bekämpfung eine zwingende Notwendigkeit ist. (Eine planmäßige Bekämpfung erfolgt am besten durch das staatlich anerkannte freiwillige Tuberkulosetilgungsverfahren. Durch die in manchen Gemeinden stark auftretende Unfrucht­barkeit entstehen dem Viehbesitzer und damit der deutschen Volkswirtschaft große Verluste. Der Vor­tragende gab bann eine Mitteilung bekannt, wonach das Sollaufkommen des Flachsanbaues in unserer Gemarkung 4500 Quadratmeter beträgt. Insge­samt erklärten sich 22 Bauern und Landwirte be­reit, die geforderte Anbaufläche mit Flachs auszu­stellen. Außerdem muß noch auf jeden Hektar selbstbebauten Boden 1 Quadradmeter Flachs von jedem Grundbesitzer ober Pächter als Adolf-Hftler- Flachs-Spenbe angepflanzt unb ber Ertrag adgc- tiefert werden. Der Versammlungsleiter gab noch Verfügungen über Rassenerhebungen beim Vieh, den erwerbsmäßigen Anbau von Blumen und den Uebergang der Reichsbetriebsgemeinschaft in den Reichsnährstand bekannt und wies dringend auf rechtzeitigen Kauf von Hochzuchtsaatgut von Kar­toffeln hin. Mit dreifachem Sieg-Heil auf den Füh­rer wurde die Tagung geschlossen.

8 Alten-Buseck, 7. Febr. Am Mittwoch­abend fanden sich die N S. - F r a u e n s ch a f t und die Frauenhilfe unseres Ortes zu einem hauswirtschaftlichen Vortrag im Saale von Wilh. Rühl ein. Die Frauenschaftsführerin Frau Sarg begrüßte die zahlreich Erschienenen. Fräulein

nungen und Notizen versunken. Bei ihm war Ar­beit Arbeit!

Grete tat einen tiefen Atemzug, dachte bedauernd an die leckeren Schnitten, die Mutter Margret ihr fürsorglich mitgegeben und begab sich in die Fen­sternische an die Schreibmaschine, deren Tasten sie schadenfroh anzublecken schienen. Sie konnte dem arbeitenden Mann da drüben doch nicht einfach sagen:Bitte, jetzt will ich erst mal ein bißchen ver­pusten und frühstücken", wenn er es nicht tot.

Einen kleinen Seufzer unterdrückend, machte sie sich an die Arbeit. Und vergaß bald darauf alles um sich herum im Bemühen, die krausen Ausdrücke des Schweden ins gute Deutsch zu formen, ohne ihnen die Ursprünglichkeit zu rauben, das Wesent­liche seiner lebendigen, knappen Rede unangetastet zu lassen. Es war schon ein ordentliches Stück Ar­beit für den Neuling.

Als es eins schlug und Sellden mit einem Blick auf die Uhr seine Mappen und Hefte zuklappte, war Grete noch nicht fertig. Ganz ängstlich sah sie zu ihm auf, der einige der beschriebenen Bogey aufnahm unb durchlas, aber der Forscher nickte zufrieden.

So ist es gut, sehr gut, Fröken Mervius. Wie­viel gibt es noch können Sie in eine .Stunde fertig fein? Ja? Dann bleiben Sie noch, denn mor­gen wir wollen weitermachen. Oder wollen Sie heim? Dann müßten Sie heute nochmals kommen."

Als sie hastia verneinte, nickte er.Also morgen um neun auf Wiedersehen. Tak fa rnycket, Fröken!" Ein fester Händedruck, und Grete war allein.

Gewiß geht er zum Essen", dachte sie empört, ob ich hier oben vor lauter Hunger verelende, ist ihm höchst egal. Ein gefühlloser Mensch." (Ergrimmt schlug sie auf die protestierend klirrenden Tasten unb sah erstaunt auf, als bie Schloßuhr ihr gegenüber einen Schlag tctt. Erst hglb zwei, unb sie war gleich fertig! Aber jetzt knurrte ber Magen hörbar, eine derartige Vernachlässigung nicht ge- roöhnt.

Schon in Hut unb Jacke, öffnete sie bas Früh-; stückspaket unb biß hastig in eine der belegten Schnitten. Dabei blickte sie im Zimmer umher. (Ein Vertrauen batte dieser Mann, sie so ganz allein hier zu lassen Nebenan war gewiß sein Schlafzimmer nein, erst der dritte Raum konnte es sein. Ob da auch alles so kunterbunt durchein- artberlag wie hier die Schriftsachen?

(Thrift (Gießen) sprach bann In anschaulicher Weise über die Bedeutung des Seefisches für die deutsche Volkswirtschaft und über seine Verwertung im Haushalt. Nach dem Vortrag, der mit großem Interesse ausgenommen wurde, verabreichte Frl. Christ den Frauen Kostproben von den ver­schiedensten Fischgerichten, die allgemeine Aner­kennung sanden. Die Frauenschaftsführerin dankte Frl. Christ für ihre lehrreichen Ausführungen und schloß den Abend in üblicher Weise. Dieser Tage veranstaltete die Sängervereinigung Al­te n - B u s e ck einen Familienabend im Saale von Wilh. Rühl. Der Vereinsführer überreichte einigen treuen Sängern Ehrennadeln mit der Aufforderung an die übrigen Mitglieder, diesen Sängern .nach­zueifern. Chöre, Volkslieder und humoristische Dar­bietungen zweier Gießener Sangesbrüder unter­hielten aufs beste. Reicher Beifall belohnte einige Liedervorträge des Chorleiters Schreiner. Die Jugend beschloß den unterhaltungsreichen Abend mit Tanz.

A Lollar, 7. Febr. Die Kriegskamerad- schäft Lollar hielt imSchwanen" ihre dies­jährige Hauptversammlung ab. Kameradschafts­führer Taubert würdigte in seiner Ansprache zunächst die Bedeutung des 18. und des 30. Januar. Den Toten der Kameradschaft wurde eine Minute stillen Gedenkens gewidmet. Für sehr gute Schieß­leistungen konnten einige Kameraden ausgezeichnet werden. Geschäftsbericht und Kassenbericht ergaben ein erfreuliches Bild günstiger Entwicklung. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten hielt Kamerad Eberle einen Vortrag über den Luft­schutz, in dessen Verlauf er zur genauen Ausfüllung der in alle Haushalte verteilten Luftschutz-Frage­bogen und zum Beitritt in den Reichsluftschutzbund auffovderte. Das Treuegelöbnis zum Führer und der gemeinsame Gesang des Deutschland- und des Horft-Wessel-Liedes beschlossen die Versammlung. Ein gemütliches Beisammensein vereinte die Kame­raden noch einige Zeit bei frohem Gesang alter Soldatenlieder.

)-( Staufenberg, 7. Febr. Vor den N S.

F r a u e n s ch a.f t e n und den Evangelischen Frauenhilfen von Lollar, Staufenberg, Dau- bringen und Mainzlar lief hier der Film des Rajsepolitifchen Amtes der NSDAP. Die Sünden der Väter". An Hand reichen statisti­schen Materials wurde zunächst deutlich vor Augen geführt, wie sehr der Staat und damit jeder ein­zelne belastet wird durch die große Anzahl Erbkran­ker, die die Allgemeinheit ernähren und versorgen muß. Wieviel besser konnte dieses Geld angewandt werden! Der Hauptfilm selbst gibt ein erschütterndes Bild menschlichen Elends und fordert eindringlich die energischste Bekämpfung aller erbkranken Ver­anlagung. Die lehrreihen Bilder verfehlten auf die Frauen nicht ihre Wirkung!

Steinbach, 7. Febr. Am Mittwoch fand hier die zweite Holzversteigerung der Gemeinde Steinbach statt. Die Preise konnten ge­gen die letzte Versteigerung etwas anziehen, da die Zahl der Steigerer groß, die Holzmenge klein war.

# Göbelnrod, 7. Febr. Der hiesige G e - fangoereinEintracht" hielt unter Leitung seines Vorsitzenden Heinrich Kern in der Gastwirt­schaft von Wilhelm Becker seine Generalversamm­lung ab. Der Vorsitzende erstattete zunächst den Be­richt über das verflossene Vereinsjahr. Die Rech­nungsablage, von den Sängern Heinrich Weber und Emil Münch geprüft, gab keinen Anlaß zu Beanstandungen. Der Besuch der Singstunden im verflossenen Vereinssahr war gut. Der Verein nahm an zwei Sängerfesten teil. Der Vorstand wurde in der bisherigen Zusammensetzung erneut in seinen Aemtern bestätigt. Der Chormeister des Vereins, Lehrer Allendörfer, ermahnte die Sänger zu weiterer treuer Mitarbeit im Dienste des deutschen Liedes. Sodann wurde die Versammlung in üblicher Weise geschlossen.

# L i ch, 6. Febr. Die Hausangestellte Marie Formhals aus Ettingshausen konnte dieser Tage auf eine 2 5jährige Tätigkeit im Hgiishglt der Fgmilie des Spenglermeisters Hein­rich Walz in Lich zurückblicken. Aus diesem An­laß wurden der Jubilarin von der Familie Walz, ihren Arbeitskameraden und von anderer S"ite wertvolle Geschenke zuteil. Der Vorstand des Alice- srauenvereins ehrte Fräulein Formhals im Namen der Landesverwaltung des Deutschen Roten Kreu­zes, Alicefrauenverein, durch die Ueberreichung einer Ehrennadel und Gabe.

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Den letzten Bissen in den Mund stopfend, griff sie nach einer Hausjoppe, die vom Stuhl gefallen war, und hing sie an den Messinghaken an der Wand. Die halbe Verschnürung lose oder abgeris­sen.Die mag er sich nur selber annähen", dachte Frau Margrets ordnungsliebende Tochter,dazu gebe ich mich nicht her--" und sah sich um,

denn die Tür war hastig aufgegangen. Der Joppen­besitzer betrachtete sie erstaunt.

Sie lag auf dem Boden", erklärte Grete in kühler Mißbilligung ihr Tun,und zerrissen ist sie auch."

Und Sie haben Hunger und ein schlechtes Ge­wissen", vollendete Selldsn schuldbewußt.Bitte, verzeihen Sie mich und kommen Sie mit zum Lunch, es soll gleich serviert sein!"

Aber Grete dankte.Sie sehen mich noch leidlich bei Kräften, Herr Selldön, zum Nachhausewanken langt es schon noch. Meine Mutter erwartet mich und mein Lieblingspudding, zu Ehren des ersten Arbeitstages", lachte sie, versöhnt durch seine zer­knirschte Miene.

Dann Sie werden ein Auto nehmen, sonst wird der Braten kalt", bestimmte der Schwede und ge­leitete seine junge Sekretärin hinunter ans Portal, wo er sie trotz ihres Protestes in eine herbeigerufene Taxe zwang.Und morgen Sie kriegen Zeit zum Essen! Auf Wiedersehen"

Grete winkte grüßend mit der Handtasche, setzte sich bequem zurück und steckte die Nase in die Luft. So hielt man das Leben ganz gut aus!

18. Kapitel.

Die Ausstellung der Werke Joachim Draus wurde ein gesellschaftliches Ereignis. Wochenlang vorher hatte Goebel unter Einsatz feiner ganzen Persönlich­keit und unter (Entfaltung seiner bisher ihm selbst nicht bewußt gewordenen Geschäftstüchtigkeit den Boden vorbereitet zur Aufnahme seines Schützlings.

Nun stand er in der Vorhalle der Kunsthandlung, die durch Aufstellen schöner Vlastiken und Blatt- pflanzgruppen den besonderen Charakter des Tages betonte, und empfing die Pressevertreter, denen der Vormittag gewidmet war. Diese durch kein Publi­kum gestörte Besichtigung war ungemein wichtig für Draus Zukunft, denn hier sprachen die Sach­verständigen strengen Richterspruch, jenseits von jeglicher Gefühlsbewertung.

(Fortsetzung folgt!)