Ausgabe 
7.10.1936
 
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Nr. 235 Erstes Blatt

Mittwoch. 7. Oktober 1056

186. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Srantfurt am Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitüts Buch- und Ztemdruckerei R. Lange in Gießen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel 8

AuchmMesemWinterwir-niemandhungernundfrieren

Der Führer eröffnet das vierte Winterhilfswerk des deutschen Volkes.

Wir alle helfen!

S)erbftftürme brausen über die deutschen Gaue hinweg, Vorboten der winterlichen Jahreszeit. Nicht lange mehr, dann lastet Schnee aus dem kah­len Geäst der Bäume und bitterer Frost läßt Fluß und See erstarren. Wohl dem, der an den wär­menden Ofen heranrücken oder die Hände in den Taschen eines dicken Mantels vergraben kann. Die andern aber, bei denen es nicht zur Winterklei- dung, nicht zu den Kohlen für Herd und Ofen zu­gleich reicht? Sie sollen nie wieder, wie einst, voller Grauen der Jahreszeit entgegensetzen, in die das herrliche, glänzende und funkelnde Weihnachtsfest fällt. Sie sollen auch in diesem Winter wieder wissen

Die erste Türplakette. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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und erfahren, daß die Volksgemeinschaft keine hohle Phrase und kein Schlagwort, sondern eine Ge­meinschaft der Tat und der Einsatzbe­reitschaft ist, in der das Wort gilt: Alle für einen!

So stehen wir nun am Beginn eines neuen Winterhilfswerkes. Es ist das vierte seit der Macht­übernahme durch den Führer. Auf sein Geheiß wurde diese großartige soziale Einrichtung geschaf­fen die in drei winterlichen Zeitabschnitten Geld- und Sachspenden im Werte von mehr als einer Milliarde Mark sammelte und an alle bedürftigen Volksgenossen ohne Unterschied der Person, des Standes oder Alters gleichmäßig weiter verteilte. Für jeden gab es stets etwas, soviel, daß der klirrende Frost aus den Wohnungen der Rentner und Arbeitslosen, der Alten, Kranken und anderen Unterstützungsbedürftigen verbannt werden konnte. Auch Lebensmittel wurden in so großer Menge ver­teilt, daß sich manche Mahlzeit daraus Herstellen

ließ. Ja, im Rahmen der Winterhilfe konnte sogar das Weihnachtsfest zu sefnem Recht kommen und Freude dort verbreiten, wo sonst die dunkle Winter­nacht und das Gefühl des Verlassenseins triumphier­ten.

Wiederum hat der Führer das deutsche Volk auf­gerufen, dem Winterhilfswerk beizutreten. Und wiederum steht ganz Deutschland be­reit, vom Lohn und Gehalt einen Teil abzuzwei­gen und in die Sammelbüchsen zu werfen oder in anderer Form dem WHW. zuzuleiten. Da wird m den Kleiderschrank gesehen und herausgeholt, worauf man verzichten kann, was aber auch noch gut erhal­ten ist, um einen Frierenden wärmen zu können. Da werden wieder die Pfundspenden zurecht ge­legt, da wird auch im kleinsten Haushalt eine Gabe bereitgestellt, die an das Wintertziliswerk und von hier aus an die Volksgenossen weiter geht, deret- wegen der Führer an die Gebefreudigkeit des deut­schen Volkes appelliert hat. Und es wird ge­geben werden! Gerade die Schwere der Zeit ist die Kraft, die auch das neue Winterhilfswerk zu einem vollen Erfolge werden läßt. Denn jetzt gilt es erst recht, die bedürftigen Volksgenossen zu unterstützen und zum Ausdruck zu bringen, daß das deutsche Volk eine Gemeinschaft bildet, in der einer

für den anderen eintritt und in der alle den gleichen Weg marschieren.

Wir alle helfen das ist der Schwur Deutschlands auch in diesem Winter. Er wurde zum erstenmal für das Winterhilfswerk 1933/34 ge­leistet. Er wurde voll und ganz erfüllt. Und zum zweiten Male wurde dieser heilige Eid geleistet, und wiederum wich niemand auch nur einen Zollbreit von seiner Verpflichtung ab. Wiederum 1935/36 griff alles in die Speichen des Winterhilfswerks, wiederum flössen Geld- und Sachspenden in reichem Maße. Erneut rücken wir jetzt im Kampfe gegen Hunger und Rot enger aneinander heran, ver­einigen unsere Kräfte, um den Erfolg um so größer werden zu lassen. Und ein Erfolg wird das Winter- tzilfswerk auch diesmal werden. Das ist gewiß! Denn viel zu tief ist ein jeder deutsche Volksgenosse von der heiligen Pflicht der Nächstenhilfe durch­drungen, als daß es ein Nachlassen geben könnte. Nein, niemand wird beiseite stehen, ein jeder wird sich wieder auf den Posten stellen, auf dem er in den vergangenen winterlichen Jahreszeiten stand und jeder wird hier zum Winterhilfswerk das Seinige beitragen, auf daß es erneut zu einem Siegeszeichen nationalsozialistischer Volksgemein­schaft werde!

Führer besieh!, wir folgen!"

Die große Cröffnungskundgebung in der Deutschlandballe.

Berlin, 6. Okt. (DNB.) Zum vierten Male schickt sich das deutsche Volk an, den großen Kampf gegen Hunger und Kälte aufzunetzmen: Die Aktion für das vierte Wintertzilfswerk des deutschen Vol­kes 1936/37 hat am Dienstagabend begonnen In drei gewaltigen, friedlichen Feldzügen hat die Not­gemeinschaft des deutschen Volkes die Riesensumme von fast 1100 Millionen Mark aufgebracht ein glänzender, überzeugender Beweis für den So- zlalismus der Tat. den der Nationalsozialismus Deutschland gebracht hat und der ohne Beispiel in der Geschichte der Menschheit dasteht.

Der hohen Bedeutung, die dem Winterhilfswerk zukommt, entsprechend, ist in jedem Jahr der Auf­takt hierzu die feierliche Eröffnung durch den Führer. In den vergangenen Jah­ren fand diese Kundgebung im Reichstagssitzungs­saal in der Krolloper statt. Aber die Zahl der freiwilligen Helfer, die auf Einladung des Reichspropagandaministers der Eröffnungs­kundgebung ffets beiwohnen, ist so ungeheuer groß geworden, daß man in diesem Jahre die Deutsch- landhalle, den größten Hallenbau Deutsch­lands, hierzu ausersehen hatte. Auch dieser Riesen- raum war bis au'f den letzten Platz besetzt. Im Parkett und in den Rängen saßen dicht ge­drängt mehr als 20 000 Männer und Frauen, die jahraus jahrein in opfervoller hingehender Arbeit sich an der großen Sammelaktion beteiligen. Dies ist ein Ehrentag für sie Es ist der einzige Lohn für ihre Arbeit und Mütze, daß sie an diesem Tage ihren Führer seben und sprechen hören, in dessen Dienst ihre ganze Arbeit steht.

Aus dem großen Podium an der Stirnwand der Deutschlandhalle hatten sämtliche Reichs­mini st er und Reichsleiter, die Staats­sekretäre, Reichsstatthalter, alle Gauleiter, die führenden Männer der Parteigliederungen, der Wehrmacht und der Polizei ihre Plätze. Auf dem großen offenen Platz vor dem Eingang zur Deutschlandhalle standen Ehren st ürme der SA, SS und des NSKK, im Saal bildete die SS- Verfügungstruppe Spalier. Die Ausschmückung des Saales beschränkte sich allein auf Fahnenschmuck. Nur oben an der Stirnwand des Saales las man in großen silbernen Buchstaben auf Tannengrün das WortW i n t e r h i l f s w e r k 1936/37". Der Führer wurde, als er die Halle betrat und unter den Klängen des Badenweiler Marsches das Spa­

lier durchschritt, mit einem Sturm der Begeisterung und Freude begrüßt. Minutenlang hallten die Heil­rufe durch den Raum. In der Begleitung des Führers waren Reichsminister Dr. Goebbels, Staatssekretär Funk und der Beauftragte für das Winterhilfswerk H i l g e n f e l d t. Standarten und Fahnen marschierten ein.

Staatssekretär Funk

eröffnete dann die gewaltige Kundgebung mit folgender Ansprache: Wieder sind die Blicke von Millionen deutscher Volksgenossen in dieser Stunde voll Hoffnung und Vertrauen auf das mit dieser Kundgebung in allen deutschen Gauen einsetzende große nationalsozialistische Sozialwerk gerichtet, von dem sie eine Linderung der Nöte des Winters erwarten. Wieder steht das Heer der Helfer und Helferinnen bereit, das Letzte für das Gelingen dieses Wer­kes hinzugeben. Auch diesmal soll der Welt offen­bar werden, was die Kraft der Solidarität einer von einem Geiste und einem Willen erfüllten Volksgemeinschaft zu leisten vermag. Wir aber, die wir von Ihnen, mein Führer, mit der Durch­führung dieser hohen Aufgabe betraut worden sind, geloben Ihnen, alle unsere Kräfte wiederum freudig dafür einzusetzen, daß die Ge­meinschaft der Gebenden und Empfangenden als eine echte und wahre Notgemeinschaft noch enger, nod1 stärker wird, bamit m*r Ihnen am Ausgang des Winters melden können, daß in Deutschland kein Volksgenosse gehungert und gefroren hat.

Aeichsminister Dr. Goebbels

gab dann einen groß angelegten Rechenschafts­bericht über die bisherigen Winterhilfswerke, insbesondere über das des Jahres 1935/36 und be­tonte dabei einleitend, daß diese Winterhilfsaktion, die im ersten Jahre noch fast undurchführbar er­schien, heute geradezu eine liebe Selbstver­st ä n d l i ch k e i t geworden sei. Not werde es immer geben, es komme nur darauf an, wie ein Volk feine Kräfte mobilisiere, um ihr zu begegnen.

Wir wollen, so betonte Dr. Goebbels, kein Wittel unversucht lassen, um dem Armen und Bedrängten zu helfen und den Wakel von ihm zu nehmen, daß er um das, worauf er in

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unserem nationalsozialistischen Staat Anspruch erheben kann, betteln muß. Das ist ein A u s- druck jenes deutschen Sozialismus, den Sie, mein Führer, uns schon in der Kampf­zeit gelehrt haben. Ein Sozialismus, der nichts mehr mit Witleid und Wildtätigkeit zu tun hat, und der zugleich ein nationales Bekennt­nis ist.

Das kommende Winterhilfswerk wird das ganze deutsche Volk als eine Einheit sehen. In einer zerrütteten, von sozialen, wirtschaftlichen und natio­nalen Krisen erfüllten Welt wollen wir bei uns zu Hause einen Schutzwall gegen d i e An­archie aufrichten, die wir überwunden haben. Deutschland ist ein Block der Ordnung ge- worden und diese Ordnung beruht auf der sozia­len Gerechtigkeit. Bei uns ist die Volksge­meinschaft nicht nur das Ergebnis einer systemati­schen Propaganda und Dolksaufklärung, sondern darüber hinaus auch des großen geistigen, wirt­schaftlichen und sozialen U m s ch u l u n g s p r o z e s- s e s, den der Nationalsozialismus durchgeführt hat.

Das deutsche Volk, so rief Dr. Goebbels unter langanhaltendem Beifall aus, ist heute von dem sicheren Gefühl erfüllt, daß der Führer an der Spitze des Volkes keine Handlung tut und keine Handlung unterläßt, die nicht am Ende zum Segen und zum Wohl des deutschen Volkes ausschlägt! Darum vor allem fühlt sich unser Volk glücklich und zu­frieden.

Wenn eine mißgünstige Auslandspresse uns vor­wirft, daß wir Sorgen hätten, dann sind wir auf das festeste davon überzeugt, so erklärte der Mi­nister unter erneutem Jubel, daß der Führer immer Mittel und Wege finden wird, um sie mit Hilfe des deutschen Volkes zu überwin­den. Wir haben den nutzlosen Streitereien des Par­lamentarismus ein Ende gemacht, und mit der Tat angefangen. Der Appell des Führers an die Nation hat auch in dieser Beziehung, wie immer, einen Widerhall im Herzen des Volkes gefunden. Wir haben vor allem die Freude gehabt, daß sich die Aermsten unseres Volkes am u n - eigennützigsten und opferbereitesten für diese soziale Tat zur Verfügung gestellt hckben. Stürmischer Beifall begleitete diese Feststellung des Ministers, ebenso wie seine Erklärung, daß unser Volk mit dem Winterhilfswerk nicht nur eine Dankesschuld an die Armen, sondern vor allem auch an den Führer selb st abgetragen und abzutragen habe

Der Winister brachte bann an Hand vieler Zahlen die Bilanz des verflossenen Winterhilfs­werkes zur Kenntnis. Er wertete die Tatsache, baß bas Winterhilfswerk 1935/36 mit 372 Mil­lionen Gesamtergebnis roieberum eine Steigerung gegenüber bem bes Vorjahres barstellt, als einen neuen Beweis für den nachgerade zu "ine- Selbstverstänblich- keit geworbenen Opfergeist unseres Volkes.

Bei dieser Gelegenheit erwähnte der Minister u. a. auch, daß für die von der Reichsbahn f r a ch t« frei beförderten 5 9,3 Millionen Zent­ner Güter 197 674 Waggons zu je 300 Zentner Ladegewicht erforderlich wären, und daß ein aus dielen Waggons zusammengestellter Güterzug die Länge von 1977 Kilometer haben würde, was der Entfernung von Stettin nach Toledo oder von Berlin nach Madrid entspreche. Wer diesen Zug an sich vorbeifahren lassen wolle, müsse 4 9 Stunden warten und würde in jeder Mi­nute 84 Waggons zählen. Mit der Herstel­lung der 39 150 000 verteilten Brote würden sämt­liche Bäckereien von Groß-Berlin 2V4 Monate lang voll beschäftigt sein.

Dr. Goebbels teilte weiter mit, daß die Durch-

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