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unter den gegebenen Verhältnissen kaum möglich und war auch gestern nicht möglich. Unfreundlich war das Wetter, herbstlich naß und kalt, die Teilnehmer konnten während des ganzen Tages nicht „warm" werden, wie es für eine besondere Leistung eben doch sein muß. Der Rasen als Anlauf- und Absprungfläche war naß und glatt, die 100-Meter-Laufbahn wies naturgemäß Unebenheiten auf, die nicht erst ausgeglichen werden konnten, heftiger Wind und immer wieder auch Regenschauer behinderten die Kämpfer, ließen die Glieder steif, die Muskeln zu fest werden.
Und doch beachtliche Leistungen...
Es war um so erstaunlicher, daß trotzdem einige hervorragende Ergebnisse erzielt wurden: 100-Meter- Lauf in 12 Sekunden, Kugelstoßen über 12 und 13 Meter, Weitsprünge bis zu 7 Meter, Pferdsprünge in tadelloser Haltung usw. In der Oberstufe der Turner gab es nur knappste Unterschiede in den Leistungen, in der Turner-Unterstufe wurden Ergebnisse erreicht, die denen der Oberstufe kaum nachstanden. Die Jugendturner ließen erkennen, daß den Vereinen um den leistungsfähigen Nachwuchs nicht bange zu sein braucht. Die Leistungen der Mädchen waren durch die niedrige Temperatur allerdings stark beeinträchtigt. Das kam besonders beim Hochsprung zum Ausdruck.
Unermüdliche Altersturner.
Erstaunlich gute Figur machten die zahlreichen Altersturner, die ebenso eifrig im Wettkampf standen wie die Jungen. Der hiesige Turnverein 1846 trat mit nicht weniger denn etwa 20 Altersturnern an und der älteste der Riege, Turnbruder D a p - per, mit seinen 75 Jahren, ließ während der Hebungen sein hohes Alter kaum erkennen. Mancher über 60jährige stand mit im Wettkampf. Die Jugend verfolgte die Kämpfe der Alten mit ebenfalls großer Aufmerksamkeit.
Erika Röhmigs Jubiläumssieg.
Den Mtv.ern wurde gestern eine besondere Freude zuteil. Erika Röhmig, die in den letzten Jahren bei kaum einem Wettkampf in unserer engeren und weiteren Heimat fehlte, die immer zur Stelle war, wenn sie der Verein rief, konnte gestern einen besonderen Triumph feiern. Sie errang ihren 50. Sieg. Manchen Eichenkranz brachte sie mit nach Hause und manche andere Auszeichnung. Viele der errungenen Siege wurden von ihr schwer erkämpft. In vielen Staffelläufen verhalf sie dem Mtv. Gießen mit zum Erfolg. Erika Röhmig wurde gestern mit Recht viel beglückwünscht.
Die beiden Gießener Turnvereine schnitten bei dem gestrigen Feste wieder erfreulich gut ab. Dies ist um so höher einzuschätzen, da berücksichtigt werden muß, wie zahlen- und leistungsmäßig groß die Konkurrenz in allen Klassen war.
Staffeln und Einzeltämpfe ausgefallen...
Etwa um 13 Uhr machte das Wetter den Turnern einen dicken Strich durch die Rechnung: ein starker und anhaltender Regen ging nieder, dem auch die Tapfersten weichen mußten, Es goß in Strömen.
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Frau Katharine Wasmuth
ist am Samstag, 5. September, im Alter von 83 Jahren sanft entschlafen.
Die trauernden Hinterbliebenen: Hermann Wäsmuth und Frau Susanne Schomber
Minna Bernbeck u. Angehörige.
Gießen, den 7. September 1936.
Die Beerdigung findet Dienstag, 8. September, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt.
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Hoherodskops-Bergfest in Rebel und Regen.
Alles flüchtete in die Häuser und unter das Zelt. Dort standen viele knöcheltief im Wasser. Aber trotzdem war die gute Laune erhalten geblieben. Ja, es wurde sogar gesungen! Nahezu eine Stunde hielt der Regen an. Dann wurden lediglich noch die restlichen Läufe zu den Mehrkämpfen ausge- tragen. Die Staffeln, zu denen sehr viele Meldungen abgegeben waren, mußten ausfallen, auch die Wilhelm-Will-Staffel konnte nicht gelaufen werden. Der Keulenweitwurf wurde ebenfalls abgesagt. So blieb offiziell nur noch die
Siegerehrung
übrig, die die vielgeprüften Wettkampfteilnehmer abschließlich vereinigte.
Der Himmel hatte noch einmal und jetzt endgültig für diesen Tag die Schleusen geöffnet, und so geschah der allgemeine Aufbruch im strömenden Regen. Dichter Nebel, vom Winde gepeitscht, umgab den Berg am Abend wie am Morgen. Nur für kurze Zeit hatte er während dieses Tages den Ausblick freigegeben und den Turnern und Sportlern die herrliche Heimat sehen lassen, die alle Kraft gibt und der — in letzter Sinndeutung — immer wieder auch alle Kraft zurückgegeben wird.
Oie Sieger.
Turner-Oberstufe (33 Teilnehmer, 31 Sieger): 1. I. Arzt, Tv. Maffenheim, 84,5 Punkte: 2. K. Zehner, Tg. Friedberg, 79 P.; 3. K. Grünig, Standarte 116 Gießen, 76 P.
Turner-Unter stufe (192 Teilnehmer, 173 Sieger): 1. Kurt Strack, Mtv. Gießen, 102 P.; 2. Heinr. Christ. Kern, To. Niederflorstadt, 94 P.; 3. Walter Klein, Nachrichtenzug der 2. SS.-Molor- standarte, 92 P.
Turner, Jugend-Oberstufe (104 Teilnehmer, 89 Sieger): Erich Opper, Tv. Reiskirchen, 88 P.: 2. Jos. Schmitt, Tv. und Fechtklub Hanau, 86,5 P.: 3. Otto Geisel, Tv. Alsfeld, 85 P.
Turner, Jugend-Unterstufe (232 Teilnehmer, 189 Sieger): 1. Helmuth Helfrich, Tv. Stockheim, 123 P.; 2. Heinrich König, Tschft. Lauterbach, 121 P.: 3. Hans Imhof, Turn- und Gesangverein Schotten, 121 P.
Altersturner 30 bis 40 Jahre (78 Teilnehmer, 76 Sieger): 1. Karl Reuter, Tv. 1846 Gießen, 91 P.; 2. Gustav Hofmann, Tgmde. Friedberg, 82 P.; 3. Fritz Adam, Tv. Braunfels, 80 P.
Altersturner über 40 Jahre (115 Teilnehmer, 115 Sieger): 1. Rudolf Siegert, Tv. Stockheim HO P.: 2. Hermann Fink, Tschft. Lauterbach, 108 P.; 3. Karl Heß, Tv. Braunfels 105 P.
Turnerinnen-Ober stufe (32 Teilnehmerinnen, 26 Siegerinnen): 1. Erika Röhmig, Mtv. Gießen, 84 P.: 2. Irma Schöpper, Dortelweil, 69 P.-, Zitta Biela, Tv. 1846 Gießen, 65 P.
Turnerinnen-Jugend (151 Teilnehmerinnen, 110 Siegerinnen): 1. Hedi Langlouis, Turn- u. Sportverein Butzbach, 73 P.; 2. Wilma Langer, T. u. F. Hanau, 72 P.; 3. Margreth Grimm, Mtv. Gießen, 66 P.
Zußbalt her heimischen Mannschaften.
1900 — Wehlar 1:1.
1900 — Germania Frankfurt 3:5.
Watzenborn-Steinberg — VfB. 12:1.
(Berichte folgen.)
Oben links: Die un- etmüdlichen Altersturner des hiesigen Turnvereins 1846 nahmen zahlreich und trotz aller Unbilden der Witterung aktiv an den Wettkämpfen auf dem Hoherodskopf teil.
Unten: Erika Röhmig konnte beim gestrigen Bergfest ihren 50. Sieg erringen. Hier wird die Mtverin vom Vereinsführer Karl Müller unmittelbar nach dem entscheidenden Lauf beglück- wsinscht.
(Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
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Unter einem schwer verhangenen Himmel fuhren gestern zu früher Stunde viele Omnibusse, viele Kraftwagen und Motorräder durch das oberhessische Land dem hohen Vogelsberg zu, hinauf auf den Hoherodskopf und brachten viel junges Volk, Männer in besten Jahren, ältere Männer auch, auf den schönen heimatlichen Berg.
1100 Teilnehmer unterwegs.
Das Hoherodskopf-Bergfest — Fest der Turner und Sportler — rief sie, und fast alle, die in den Meldungen ihrer Vereine zugesagt hatten, kamen. 1100 Turnerinnen und Turner, Sportlerinnen und Sportler fanden sich ein, um im Kampf die Kräfte zu messen. Das wenig einladende Wetter hatte nur wenige abgehalten, nach dem schönen Erfolg des Vorjahres, auch diesmal wieder dabei zu fein.
Der Hoherodskopf begrüßte sie alle auf seine Art. Diesmal etwas ungnädig! Der Berg trug die dickste Nebelmütze, die er auftreiben konnte. Er verwehrte stundenlang jede Sicht über Täler und Höhen. Kalter Wind blies aus Südwest, aber er verjagte die Nebel nicht oder wenigstens nur für kurze Zeit. Wie Schemen strebten die Gäste des Berges dem Klubhaus zu. Verlaufen konnte sich selbst in dem starken Nebel niemand. Die Oberwaldstraße — aus Beton, wie die ganze Rennstrecke, ließ keinen Zweifel über den Weg. An der Kreuzung, wo die Schneise zum Taufstein führt, standen viele Omnibusse wie Mammute im Nebel. Der Wald unmittelbar am Klubhaus war auch zum Parkplatz geworden. Wer gegen 9 Uhr morgens zum Klubhaus kam, fand schon kaum mehr einen Platz für den obligaten Morgenkaffee, der den Turner genau so zur selbstverständlichen Gewohnheit zu werden scheint, wie den Skiläufern. Heißer Kaffee war gestern aber auch sehr angebracht, denn es war auf der Höhe erheblich kälter als „unten". Viele verhalfen sich mit geistigen Getränken zur nötigen inneren Erwärmung.
Morgenfeier.
Bald nach der Ankunft bereiteten sich Turnerinnen und Turner zu den Wettkämpfen vor. Im Sportdreß, im Trainingsanzug, int lose umgehängten Mantel strebten sie dem trigonometrischen Punkt am Adolf-Hitler-Stein zu, sammelten sich in Riegen und nahmen zunächst an der Morgenfeier teil, die auch diesmal wieder den Wettkämpfen vorausging.
Der Kreisfachamtsleiter und Führer des Hohe- rodskopf-Bergfest-Ausfchusfes, Dr. Siegert (Stockheim) stellte der Feier ein Wort Jahns voraus, hieß die Flaggen hissen — die des Dritten Reichs, des Reichsbundes für Leibesübungen und eine Fahne mit dem Zeichen der Turner, dem vierfachen „F" — und gab dabei mit folgendem Satz in der Sinndeutung der Fahnen dem Sinn des Bergfestes Ausdruck:
„Flattert hinaus in den Herbsttag und kündet, daß hier die Jugend unseres Hessengattes sich eingefttnden hat, um immer und immer wieder zu bekunden, daß sie sich durch Turnen und Wettkampf stählen will für unseres Vaterlandes Ehr und Freiheit. Tragt ihre Fahnen den Geist der fest verschworenen Hoherodskopf- berggemeinbe, hinaus in die Lande zu unseren Brüdern und Schwestern und mahnt sie.
es uns gleich zu tun, auf daß Deutschlands Jugend stark und wehrkräftig erhalten werde."
Auch der Führer des Reichsbundes für Leibesübungen im Kreise 11 (Friedberg) O11erbein - Friedberg hielt eine Ansprache, in der er in längeren Ausführungen den volksoerbindenden Wert der Leibesübung herausstellte, ferner die Arbeit des Fachamtes 1 auf dem Gebiete der Jugendertüchtigung rühmte, die unbedingte Notwendigkeit der Leibes- Übung für jeden Volksgenossen betonte und die Leibesübung als eine Quelle der Kraft schilderte. Er forderte zur Kameradschaft auf, hielt allen die hohen Pflichten dem Vaterland gegenüber vor Augen und schloß mit einem bekannten Worte von Fichte und den folgenden Verszeilen:
„Ein heiliger Schwur ist's in heiliger Stund' und ginge die Welt auch in Scherben, Deutsch unser Herz, Deutsch unser Mund, Deutsch wollen wir leben und sterben."
Dann hielt noch Pfarrer Schulz von Ilbeshausen eine kurze Predigt, und nachdem das Lied „O, Deutschland hoch in Ehren" zum Abschluß der Morgenfeier gelungen worden mar, gingen alle Wettkampfteilnehmer unter dem Gesang des Liedes
„Turner auf zum Streite“
an die verschiedenen Wettkampfstätten, die mit vieler Mühe hergerichtet worden waren. Zunächst wurden die Mehrkämpfe ausgetragen, die in erster Linie aus volkstümlichen Hebungen bestanden und je nach Altersklasse und Geschlecht mehr oder weniger hohe Anforderungen stellten. So sah man Turnerinnen und Turner, Sportlerinnen und Sportler, Kameraden der SA. und SS. und auch des Arbeitsdienstes — eingeteilt in viele Riegen — beim 100- ober 75-Meter-Lauf, beim Weitsprung mit Anlauf ober aus bem Staub, beim Kugel- ober Steinftoßen, beim Hochsprung unb Ballweitwurf (bie Turnerinnen), beim Sprung über ben Bock, über bas Quer- ober bas Längspferb usw. Viele Sprunggruben waren ausgehoben, die Laufbahn war vorbereitet und mit elektrischen Meßgeräten ausgerüstet — kurzum — es waren alle Vorbereitungen getroffen, um von der organisatorischen Seite her dem Bergfest einen glatten Verlauf zu sichern. An jeder der vielen Kampfstätten unmittelbar am Wald und beim Klubhaus, am Jägerhaus unb am Abvlf-Hitler-Stein, war in ben Stunben bes Vormittags stets ununterbrochener Uebungsablauf. Es gab keine Pause! Eine Riege folgte der anberen unb bie Kampfrichter notierten mit klammen Fingern jede erzielte Leistung. Ein Start an der 100-Meter-Bahn folgte dem andern. Die elektrische Messung gestattete raschesten Ablauf der Rennen. Alle Kampfstätten waren stark umlagert, meist von Wettkämpferinnen und Kämpfern selbst, die jede Leistung des Mitbewerbers um Punkte und Eichenkranz aufmerksam verfolgten.
Kamps unter schwierigsten Umständen.
Eine vergleichende Wertung der gezeigten Leistungen nach erreichten Zeiten und Weiten gegenüber den Leistungen auf Turn- unb Sportplätzen ist für bas gestrige Bergfest nicht möglich. Es ist nicht der Sinn eines Bergfestes auf dem Hoherods- kopf, Bestleistungen erzielen zu wollen. Das ist
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