Ausgabe 
7.9.1936
 
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schäft sei. An diesem Abend sollten die Preisträger beim Gauleistungsschreiben geehrt werden und gleichzeitig die Urkunden der Deutschen Stenograsen- schaft zur Verteilung kommen, die eine Bestätigung über die geleistete Arbeit der Mitglieder darstellen. Die Ortsgruppe könne stolz auf solche wackeren Ser sein, die immer dabei sind, wenn es gilt, amen der Ortsgruppe Ehre zu machen. Eine besondere Ehrung sei den Preisträgern schon da­durch zuteil geworden, daß vor 14 Tagen eine Sonderfahrt mit Omnibussen nach Bad-Nauheim, Bad Homburg und der Saalburg stattgefunden habe, die auch ein voller Erfolg gewesen sei und den Teilnehmern in steter Erinnerung bleiben werde. Ganz besonders erfreulich sei die Tatsache, daß die Ortsgruppe Gießen beim Gautag in bezug auf die Teilnehmerzahl und Gesamlleistungen am besten abgeschnitten habe. Die besonderen Glück­wünsche vom Gaugebiet wurden zur Verlesung gebracht.

Geschrieben wurde in den Abteilungen 80 bis 240 Silben, und zwar konnten im Schnellschreiben 28 Arbeiten mit der NoteHervorragend", 47 Arbeiten mit der NoteSehr gut" und 16 Arbeiten mit der NoteGut" ausgezeichnet werden. Im Richtig­schreiben erhielten 13 die NoteHervorragend", 56 die NoteSehr gut" und 29 die NoteGut". Zwei Arbeiten in französischer Sprache und zwei Arbei­ten in englischer Sprache konnten ebenfalls mit den NotenHervorragend" bzw.Sehr gut" ausgezeich­net werden.

Der Ortsgruppenführer beglückwünschte alle Preis­träger zu diesem glänzenden Erfolg. Anschließend überreichte er den Prüflingen, die erfolgreich bei der letzten Handelskammerprüfung abgeschnitten haben, die Urkunde und das Leistungsabzeichen der Deut­schen Stenografenschafi. 18 0 Silben: Richard Strauch. 150 Silben: Anna Mogold, Grell Roßkath, Marie Schneider, Efriede Tenniger, Esther Freitag.

Weiter konnte Ortsgruppenführer Graf die er­freuliche Mitteilung machen, daß die in der letzten Woche begonnenen Kurse außerordentlich gut be­sucht seien und daß im Laufe der Woche noch wei­tere Anmeldungen erfolgen. Kurzschrift für eng­lische Sprache beginne Montag abend 20.15 Uhr in der Alten Pestalozzischule, der Unterricht wird von einer bewährten Praktikerin für fremdsprachliche Kurzschrift erteilt.

Die Kapelle Einbrodt sorgte für schöne Tanz- und Unterhaltungsmusik, Mitglied Auaust Haas verstand es, durch allerlei lustige Einfälle, erwähnt sei nurDie Fahrt ins Blaue", die Besucher ange­nehm zu unterhalten, so daß die Stunden leider nur allzu schnell vergingen.

Ein zweiter Willy-Tieicheri-Abend.

Die NS.-G.Kraft durch Freude" ließ noch ein­mal Willy Reichert kommen. Auch dieses Auf­treten des bekannten und beliebten Künstlers am gestrigen Sonntagabend brachte nicht nur guten Besuch der Volkshalle, sondern bescherte wiederum Stunden lauterer Fröhlichkeit und heiterer Besinn­lichkeit. Man freut sich bei Willy Reichert und mit ihm, und das ist das Außerordentliche an diesem Künstler, daß sich sofort einHerüber und Hinüber" zu ihm spinnt und Künstler und Zuhörer zur Ge­meinschaft werden läßt für einige Stunden. Bei ihm wirbelt mit Plauderworten, luftigen Einfällen und Humoresken auch die Zeit nur so hin. Es ist nichts Gekünsteltes oder Gemachtes, sondern dieser biedere Schwabe sprudelt über von herzlicher Fröh­lichkeit und heiterer Vesinnichkeit. Und dann, wie er es macht, das allein ist schon zum Lachen. In seinem Mienenspiel und seinem ganzen Auftreten liegt soviel Humor, daß der Zuhörer schon lachen muß, nur wenn derWilly" beginnt, sich durch die Vorhänge vor das Rampenlicht zu bemühen.

Lebt mit mehr Freude, lebt mit mehr Rast", das ist das Rezept, das Reichert einer vom Tempo über­hasteten Zeit gibt. Reichert weiß die Spannung zu steigern; erst schafft Hubert (Gießen) am Flügel die Ueberleitung und zaubert die Unruhe fort, die der Mensch nun mal so an sich hat. So zwischen Klavier und Akkordeon Ludwig Babu la mei­stert das letztere so ausgezeichnet, daß er sich zu Zugaben verstehen muß läßt der Schwabe Reichert dann seinen Humor sprühen und seine Einfälle sprudeln, daß seine Zuhörer nicht aus dem Lacffen kommen. Das lustige Wiener Volkssänger- Duett Hans H a n u s und Eduard Pöltner sorg­ten für nette Abwechslung, für die sie anhaltender Beifall belohnte. Und schließlich schauspielert Rei­chert auch noch, und das in einer wirklich reizen­den SzeneBlond ober Braun", daß das Lachen einfach nicht aufhört. Als eine Pause eintritt, ist

Unbekannte Hracht.

Roman von Krank K. Braun.

34. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Er will bestimmt nichts von uns. Er hat mit dem Interesse des Asiaten die drei Europäer ge­mustert, die ,ba beieinanderhocken. Das ist alles."

John Schnakenbeck lenkte ab. Er wollte die Unruhe überwinden und begann ein anderes Ge­spräch; aber er traf es nicht glücklich.Habt ihr die drei Rettungsboote gesehen, die der Kasten mitführt? Vollkommen verrottete Balgen; vom Regen aufgeweicht und in der Sonne dann ge­sprungen. Gnade Gott, wenn dem Kahn einmal etwas zustößt. Es kommt keine Maus lebend herunter. Dieser Kantonriver ist kein Fluß, son­dern eine Meeresbucht. Schwimmen würde hier aber sowieso nichts nützen. Es scheint, da zieht gleich ein ganzer Schwarm von Haifischen im Kielwasser mit."

Verhaftung und Schiffbruch", sagte Rudolf Terbrügge trocken,was könnte uns sonst noch drohen, weiß jemand noch etwas?" Er lächelte matt; die beiden andern blieben ernst.

Ich halte es hier nicht länger aus", erklärte Hans Lorenzen nach einer Weile und stand auf. Kommt einer mit? Vielleicht bekommt man in der Kantine noch etwas anderes zu trinken als warmen Branntwein. Aber einer von uns muß immer bei den Paketen bleiben."

Ich gehe mit", sagte John Schnakenbeck. Wenn es dir recht ist, Rudolf?" Wir bleiben nicht lange, dann kannst du weg."

Geht nur, beeilt euch nicht, ich liege hier ganz gut." Er sah den beiden nach. Täuschte er sich wirklich nicht? Als sie mitschiffs die Treppe zur Kajüte hinabsteigen wollten, tat auf dem Oberdeck der Chinese in der blauen Jacke ein paar hastige Armbewegungen. Rudolf Terbrügge richtete sich auf. Der Kerl gab doch Zeichen ober Befehle!

In diesem Augenblick ereignete sich schon das, was sie alle drei gefürchtet und verspottet hatten. Ein paar kräftige Chinesen, gekleidet wie die

die Zeit schon weit vorgeschritten, aber unentwegt harren die Zuhörer auf den großen Schluß des Abends, die behende und vortreffliche Parodie auf das Varietö, bei der auch die Tanzparodisten Sid­ney und Ponpon wahre Lachstürme entfesseln und die die Vielseitigkeit und den Ideenreichtum Willy Reicherts aufs Beste zum Ausdruck bringen. Mit demHäberle und Pfleiderer" (Willy Reichert und Oskar Heiler) und einigen Liedern klang der Abend stimmungsvoll aus mit einem besinnlichen Hinweis auf die Fülle und Reichhaltigkeit schwä­bischen Volkstums. Herzlicher Beifall erfüllte die Volkshalle.

** Ein eigenartiger Unglücksfall wird uns aus Ruppertsburg berichtet. Dort passierten am Samstag gegen 19 Uhr ein Motor­radler und ein Soziusfahrer den Henrietten-Hof. Unmittelbar vor dem Hof kam plötzlich ein Pferd des Hofbesitzers in vollem Galopp aus dem Hof gesprengt und setzte mit einem gewaltigen Sprung über das Motorrad hinweg. Dabei wurde der Fah­rer von dem Pferd getroffen, beide Fahrer stürz­ten, wobei der Motorradler einen Schlüsselbein­bruch davontrug, außerdem erhebliche Kopfverletzun­gen erlitt. Der Soziusfahrer flog unter dem Bauch des Pferdes hindurch und blieb unverletzt.

VDA. dem Ziele nahergebrachl. Seif der Zeil, da der größte der Ausländsdeutschen aller Zeiten, Adolf Hitler, die Regierung über­nommen habe, fei die Arbeit leichter. Jeder Volksgenosse müsse einsehen, was Volkstums­arbeit heiße, und er müsse bereit sein, Opfer zu bringen. Trotz weitem Weg müsse das ein­mal gesteckte Ziel erreicht werden.

Arn Schlüsse seiner Ausführungen bat er die Mit­arbeiter um das Vertrauen zu einer Arbeit.

Nach einem weiteren Musikstück und Gedichtvor- trag sprach zum Abschluß des offiziellen Teiles noch einmal der

Bezirksleiter Nebeling.

Kameradschastsabend des VDA.

Die Bezirksleitung des VDA. Gießen hatte die Mitglieder des VDA., Freunde und Gönner am gestrigen Sonntagabend zu einem kameradschaft­lichen Treffen in das Gasthaus Hindenburg einge­laden. Nach einer Symphonie, gespielt von dem Streichorchester der Jugend- und Schulgruppe des VDA. unter Leitung von Musiklehrer N e b e l i n g (Gießen) eröffnete der Bezirksleiter, Schulrat N e - b e I i n g , den Kameradschaftsabend und konnte eine ganze Reihe von Vertretern der Partei, der Behörden und des VDA. begrüßen. Nach einem Gedichtvortrag von Fräulein Kellner hieß

Schulrat Nebeling

insbesondere den Landesleiter Oberschulrat Dr. Leib in Gießen willkommen. In seinen weiteren Aus­führungen kam der Bezirksleiter noch kurz auf die Bedeutung und die Aufgabe des Volksbundes zu sprechen. Dieser Kameradschaftsabend solle nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern alle zusammen­führen, die in der Arbeit des VDA. ständen. Still und unbeobachtet werde gar manches in opfer­bereiter Arbeit geleistet, alles müsse getan werden, scheine es auch noch so unbedeutend. Die große Aufgabe, die dem VDA. gestellt sei, sei nur durch eine straffe Organisation zu lösen. Im neuen Deut­schen Reich fei die Arbeit des VDA. leichter durch­zuführen, als vor der Machtübernahme, da ein starker Staat diese Arbeit schütze. Ziel sei, dafür zu sorgen, daß der letzte Deutsche volksdeutsch denke und handele.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Ein­führung des neuen Ortsleiters von Gießen, Kreisdirektor Dr. Lotz, durch den Lan­desleiter,

Oberschulrat Dr. Leib, Darmstadt.

Der Landesleiter erinnerte zunächst an ein Wort unseres FührersVolkstum kennt Verzicht auf Volkstum". Dann kam er noch einmal kurz auf feine Ausführungen anläßlich der Erbacher Tagung des DAV. zu sprechen und erläuterte, warum der Volksbund neben den Gliederungen der Partei sein Dasein führen müsse.

Der VDA. habe sich feine Aufgabe selbst ge­stellt, und diese Ausgabe werde immer bleiben und müsse an unsere Nachkommen weiter­gegeben werden.

Der Volksbund sei keine Einrichtung, die sich auf das Karitative beschränke, sondern die Gesamtlage unserer Brüder über der Grenze werde studiert, damit man erkenne, wo die Arbeit eingesetzt wer­den müsse. Manche innere Umwandlung habe der Volksbund seit 1933 durchgemacht, auch wenn dies nach außen nicht so in Erscheinung getreten sei. Wenn andere Organisationen sich um Deutsche jen­seits der Grenze kümmern würden, so dürfte man nicht verwechseln, daß es sich bei der einen Orga­nisation um eine Betreuung der Reichsdeutschen im Auslande handle, während die Arbeit des Volks­bundes alle Menschen deutschen Blutes erfasse.

Dann kam Dr. Leib auf innerorganisatorische Fragen zu sprechen und sagte, daß man früher das Amt eines Ortsleiters nicht gekannt habe. Bewußt werde in unserem Landesverband die Ar­beit an einzelnen größeren Orten in die Hände eines verantwortlichen Mannes gelegt, weil man mit dieser Arbeitsaufteilung sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

Er freue sich. In Gießen einen Ortsleiter be­grüßen zu können, der in der Arbeit des VDA. kein Neuling mehr fei und der schon früher durch seinen tatkräftigen Einsatz bewiesen habe, daß er die Aufgaben des VDA. lösen könne.

Dann legte der Redner die örtliche Arbeit in die Hände des Kreisdirektors Dr. Lotz und rief alle

Kameraden zur Mitarbeit auf, damit auch in Gie­ßen die VDA.-Arbeit und der volksdeutsche Wille wieder stark werde. Ausklärend müsse man wirken und beim Ausbau unseres Führers tatkräftig Mit­arbeiten. Der Landesleiter schloß seine Ausführun­gen in der Hoffnung, daß die Arbeit in Gießen, die von opferbereitem Idealismus getragen sei, ihren Fortgang nehmen möge, damit hier ein volks- deutsches Bollwerk entstände.

Der neue Ortsleiter, Kreisdirektor Dr. Lotz, dankte zunächst dem Landesleiter für das Ver­trauen, das er ihm entgegengebracht habe. Wenn er auch selbst zuerst wegen Arbeitsüberlastung Be­denken gehegt habe, dieses Amt anzunehmen, so habe er es danach trotzdem getan, weil er erstens alter VDA.er sei und von dem Gedanken der Volks- tumsarbeit nicht mehr loskomme, und zweitens, weil er der Meinung fei, daß ein guter Deutscher die Arbeit im VDA. nicht ablehnen dürfe. Dieser Kameradschaftsabend gebe ihm die Möglichkeit, mit seinen DÜtarbeitern näher bekannt zu werden.

In einer glücklicheren Zeil als vor der TNachl- übernahme würden heule die Aufgaben des

Kloster Altenberg

Der Oberhefsische Geschichtsverein hatte, um eine bewährte Hebung zu erhalten, für den vorgestrigen Samstagnachmittag seine Mit­glieder $u einem Ausflug eingeladen. Diesmal galt es, zunächst einen Ort zu besuchen, den die Gieße­ner nur selten einmal erreichen, das ehemalige Prämonstratenserinnen-Kloster Al­tenberg, das weithin sichtbar auf der Höhe des rechten Salmufers unweit von Leun gelegen ist. Vor den 36 Teilnehmern des Ausflugs sprach hoch oben Prof. Dr. Rauch aus der Fülle seines Wissens über die Geschichte des Klosters und die Kunstgeschichte der Kirche, lieber die geschichtliche Vergangenheit des Klosters sind wir ausgezeichnet unterrichtet durch die Jahrbücher, die im wesent­lichen der Prior Petrus Diederich in den Jahren 1643 bis 1654 verfaßt hat. Er hat in diesen 13 je 800 Seiten starken Bänden mit unendlichem Fleiß alles zusammengetragen, so daß wir uns heute ein gutes Bild der versunkenen Jahrhunderte machen können. Das Kloster soll um 1180 ge­gründet worden sein. Vermutlich hat die erste Meisterin Christine von Biel viel für ihr Kloster getan. Viel bekannter aber ist der Name ihrer Nach­folgerin Gertrudis, der 1348 selig-gesprochenen Tochter der heiligen Elisabeth, die bereits als Kind nach Altenberg kam. Unter Gertrudis hat das Kloster seine Blütezeit erlebt. In ihrer Zeit ver­mehrte sich der Besitz sehr durch Schenkungen und Stiftungen des hessischen und nassauischen Adels, vieler Bürgerfamilien in Wetzlar und Gießen, Her­born und Friedberg. Am bekanntesten ist Gertrudis Name geworden durch die Bauten, die sie aufführen ließ, vor allem die große Klosterkirche. Aus ver­schiedenen Merkmalen wird die Erbauungszeit der Kirche im Uebergang vom romanischen zum früh­gotischen Baustil deutlich. Ein vor kurzem erst unter dem Verputz wieder sichtbar gemachtes Wandge­mälde, die Krönung Oer Maria darstellend, läßt das ebenso erkennen, wie die Fenster im Ostchor, in dem ein Barockaltar steht. Dor diesem Altar ist das Grabdenkmal der Gertrudis aufgebaut. Es zeigt die schlanken gotischen Formen in großer Reinheit, ja fast schon die hohe Kunst der Spät­gotik andeutend. Ein anderes Wandgemälde, das ebenfalls erst vor kurzem freigelegt wurde, zeigt das übliche St.-Ehristophorus-Bild. Eine Anzahl

Sein Dank galt allen denen, die diesen Kamerad­schaftsabend so würdig ausgestaltet hatten. Dann dankte er nochmals besonders dem Landesleiter für sein Erscheinen und seine Worte, weiter Kreis- oireftor Dr. Lotz dafür, daß er die Ortsleitung übernommen habe. Ferner galt fein Dank all de­nen, die sich in der vergangenen Zeit mit Treue der Arbeit unterzogen hätten, dabei den Leitern der Gießener Schulen und den Behörden, die durch ihr Entgegenkommen es dem Volksbund möglich gemacht hätten, in diesen Kreisen für den volks­deutschen Gedanken zu werben. Zum Schlüsse sprach er die Bitte aus, fernerhin die Aufgabe des VDA. tatkräftig zu unterstützen, und gab bekannt, daß

am 19. September, am Tage des deutschen Volkstums, eine große Kundgebung im Stadt­theater stattfinden werde.

Der heutige Abend habe gezeigt, daß der VDA. von allen Kreisen des Volkes getragen werde. In Zukunft müßten alle zusammenstehen und zusam­menmarschieren. Daß diese Volksgemeinschaft heute Wirklichkeit sei, sei das Werk unseres Führers, ihm galt auch sein dreifaches Sieg-Heil. Mit den beiden Nationalliedern war der offizielle Teil geschlossen. In reger Unterhaltung saß man dann noch kurze Zeit kameradschaftlich zusammen.

Schloß Braunfels.

Grabplatten im Fußboden und an den Wänden lassen erkennen, daß viele Tote in der Kirche bei­gesetzt worden sind: die Meisterinnen, die Priore und später Grafen und Gräsinnen von Nassau und von Solms, so z. B. das Grabmal Bernhards, Grafen zu Solms und Münzenberg von 1459. Heber dem Westraum der Kirche ist der Nonnen­chor errichtet, auf dem 54 Stühle aus Eichenholz für die Klosterfrauen stehen. Der Altar auf dieser Nonnenempore war Petrus und Paulus geweiht. Die wunderschönen Tafeln des Altars befinden sich

Luftschutz ist eine persönliche Angelegenheit eigensten Interesses. Deshalb arbeite mit! komm zu uns!

heute im Braunfelser Schloß. Das Kloster wurde um 1535 evangelisch. Es (jat dann in der Zeit der Gegenreformation und im 30jährigen Krieg viel gelitten, wurde es doch damals nicht weniger als 60mal geplündert. Heute dürfen wir das Kloster Altenberg nicht nur als steinernes Denkmal für die Geschichte des Klosters ansehen, sondern vor allem als ein Stück Geschichte unserer Heimat, als ein Zeugnis für das Wirken und Leben unserer Vor­fahren, durch das wir uns mit jener Vergangen­heit. verbunden fühlen.

Ueber Biel und Leun erreichte der Autobus das herrliche Städtchen Braunfels, dessen ragendes Schloß schon lange vorher sichtbar gewesen war. Das auf der Höhe des Berges errichtete Schloß, das in feinem ältesten Teil aus dem 13. Jahrhun­dert stammt allerdings ist davon kaum noch etwas erhalten>, gehört der Braunfelser Linie des Hauses Solms, bas auch vielfache Beziehun­gen zu Gießen und dem Gleiberg hat. Die Füh­rung durch das Schloß hatte Oberbaurat Seiler übernommen, der sich in feiner Baugeschichte des Schlosses als ausgezeichneter Kenner des weitläu­figen Baues erweist. Vom Markt aus kommt man durch mehrere Torbogen der alten Befestigung in den Schloßhof. Was in dem viel bekannteren Schloß mit feinen vielen Türmen, Sälen und Ge-

übrigen Passagiere, drängten sich an John Schna­kenbeck und Hans Lorenzen heran und packten zu. Es geschah unbegreiflich schnell und geschickt. Die beiden Deutschen waren gewiß keine Schwäch­linge. Aber die Chinesen wußten Griffe, die die beiden auf der Stelle wehrlos machten. Sie pack­ten zu zweit je einen der Weißen bei den Armen, das gelang, ohne viel Aufsehen zu erregen, es wirkte beinahe nur wie eine etwas stürmische Be­grüßung. Sie drehten blitzschnell den beiden die Arme auf den Rücken. Dann ließen sie sie neben sich in die Kajüte hinuntersteigen.

Die Passagiere wichen zurück. Eine Frau stieß einen erschrockenen Schrei aus. Dann war wieder Ruhe. Ein Stein war ins Wasser gefallen; ein kurzer Plumps; schon verebbten die Wellen wieder.

Rudolf Terbrügge überlegte blitzschnell. Was war zu tun? Ganz unsinnig mußte der Versuch gelten, die Freunde zu befreien. Was konnte man ihnen vorwerfen, wohin wurden sie geführt, wer verhörte sie? Die Pakete hatten sie nicht bei sich. Er sah sich forschend nach allen Seiten um. Wurde auch er beobachtet? Die drei Päckchen lagen unter seinem Stuhl. Er überlegte nicht län­ger; es mußte etwas geschehen. Die Pakete mußten vor allen Dingen weg. Gleich würde man kommen und auch ihn festnehmen. Das Geld durfte nicht bei ihm gefunden werden.

Er sprang auf, nahm die drei Pakete an sich und mischte sich in das Gewühl der Menschen mittschiffs. Sorglich vermied er die Kajüten­treppe, wo man die Freunde gefaßt hatte. Er lief nach vorn. Auch dort führte eine Treppe nach unten. Sie schien unbewacht. Er wußte, daß er auf dem Promenadendeck kein Versteck für die Pakete finden konnte. Entschlossen stieg er hinunter. Seine Schuhe polterten geräuschvoll auf den Eisenstiegen. Er wollte in die Vorderkajüte; vielleicht ließ sich dort unter einer Bank ein Ver­steck ausfindig machen oder ...

Eine Idee kam ihm. Man gab die Pakete an der Schänke gegen ein Trinkgeld zur Aufbe­wahrung ab. Er wollte dem Entschluß die Tat folgen lassen. Da kamen ihm Menschen entgegen. Er meinte den Chinesen in der verschossenen Jacke zu erkennen. Sein Herz schlug oben im Halse.

Wohin entfliehen? Unmöglich durfte er sich mit den Paketen festnehmen lassen.

Er sah sich um. Kein Ausweg; umstellt! Die Treppe hinter ihm kamen Leute herab. Vorne die Häscher! Da war seitlich eine Tür. Er riß sie auf. Das Schild hatte er übersehen. Jetzt sah er, daß er in einen Waschraum geraten war. Er schloß die Tür. Der Riegel schnappte zu. Ge­rettet! Auf wie lange? War er gesehen worden? Er horchte. Es war ganz still. Der Raum dämpfte alle Geräusche von draußen ab. Er hörte nur sein Herz pochen. Es schlug sehr rasch. Und seine Taschenuhr tickte. Sonst Stille. Aber wieso tickte die Taschenuhr so eigentümlich? Nicht laut, aber als habe sie mehrere Werke, als habe er zwei ober drei Uhren bei sich.

Er horchte überrascht. Die Töne waren sehr leise. Man mußte schon feine Ohren haben, um sie überhaupt zu vernehmen. Und es mußte sehr still ringsumher fein. Er fetzte die Pakete ab und zog feine Uhr heraus. Sofort stellte er fest, daß sie es gar nicht war, die diese Geräusche von sich gab. Er beugte sich herab und fuhr zurück. Es tickte in den Paketen.

Mit einer Hand, die zitterte, fuhr er sich an die Stirn. Sie war plötzlich schweißnaß. Er berührte seine Schläfen. Vielleicht mußte hier der rettende Gedanke auffpringen ...

Einen Augenblick war er gewillt, die Pakete zu öffnen. Sie enthielten sicherlich nicht Geld. Tsai Ta Wang hatte gelogen. War es da nicht unge­schickt und geradezu dumm, ihm das Wort zu halten!

Aber dann sagte er sich, daß der Chinese mit solcher Möglichkeit gerechnet haben würde. Wenn er die Umhüllung öffnete, würde vielleicht eine Explosion erfolgen.

Die Beklemmung wuchs ins Unerträgliche. Er war gewiß, diese Pakete bargen Höllenmaschinen. Sie mochten auf eine bestimmte Zeit eingestellt sein. Wann war die Minute gekommen;' gleich oder erst in einer Stunde?

Rudolf Terbrügge biß die Zähne zusammen. Lasse ich mich von meiner Phantasie ins Ufer­lose jagen? Nein! Ich höre die Geräusche deut­lich. Tsai Ta Wang wird nicht drei Wecker durch uns nach Kanton bringen lassen. Was will er? Ich muß die Absichten dieses Menschen aufspüren.

Welches ist sein Plan? Wenn wir in Kanton an­kommen, werfen wir die Pakete ins Wasser. Das wäre sinnlos, es entspricht also nicht seiner Be­rechnung. Die Maschinen sollen vorher ihre Wir­kung tun, also solange sie hier an Bord sind.

Plötzlich kam ihm die Erleuchtung. Wie hatte er nur die Anwesenheit des Chinesengenerals an Bord vergessen können! Dem General Chung Tang galt der Anschlag. Drei Höllenmaschinen, die zur gleichen Zeit detonierten, würden das Schiff vernichten. Die Ufer waren weit weg; die Haifische, die Panik... Er begriff alles. Von der Weißen Wolke" würde kein Mensch lebend da­vonkommen. Niemals würde das Unglück geklärt werden. DieWeiße Wolke" versank und die Menschen ertranken oder wurden Beute der Haie. Auch der General Chung Tang. Hunderte von Unbeteiligten. Auch wir, John, Hans und ich. Gelber, elender Schuft!

Rudolf Terbrügge nahm alle feine Gedanken zu­sammen. Es mochte gut sein, daß es sich um Se­kunden handelte. Wenn in dieser Minute der Zeiger die Zündung traf...

Rasch, keinen Augenblick länger gezögert. Er riß das kleine Fenster auf. Behutsam, ad) wieviel achtsamer als bisher, nahm er das erste Paket, hob es hinaus und ließ es fallen. Nichts geschah. Stille. Durch das offene Fenster kam das Rau­schen des Wassers herein. Er ließ das zweite und dritte folgen. Dann schloß er das Fenster und verließ die kleine Zelle. Der Gang war menschen­leer. Er stieg wieder die Treppe hinauf. Als er oben stand, geschah es. Kaum hundert Meter hin­ter dem Dampfer hoben sich in dichten Aufeinan­der drei mehrere Meter hohe Wasserberge steil aus den Fluten. Silberne, übersprühte Fontänen. Gedämpfte Detonationen erschollen. Dann war alles vorüber. DieWeiße Wolke" fuhr weiter. Aber die Menschen standen noch eine ganze Weile an der Reling und schauten erschreckt in das Kiel­wasser des Dampfers.

Was mar das?"

Die Schiffsoffiziere hatten bleiche Gesichter. Rudolf Terbrügge hielt einen von ihnen an. Sein Mut war wieder da.Was war das?" fragte auch er.

(Fortsetzung folgt!)