Hr.85 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Dienstag, 7. April 1956
lich. Nun erhielt ein
ort
Zeppelinluftschifs über England im Kriege einen Volltreffer, geriet in Brand
Friedrichshafen, im April.
Als eine lebendige Verkörperung des Sieges des Zeppelingedankens über eine widerstrebende Welt nach einem mehr als ein Menschenalter währenden Kampfe hat der LZ. „Hindenbur g" seine fahrplanmäßigen Atlantik-Fahrten aufgenommen. Mit dem „Graf Zeppelin" wird er durch seine Leistung die Welt zum Glauben an das Zeppelinschiff zwingen, an die Mission der Zeppeline auf dem Gebiete des transozeanischen Verkehrs.
Nur in einem Verkehrsmittel, in dem man sich nicht nur absolut sicher, sondern auch heimisch fühlt infolge aller erdenklichen Bequemlichkeiten, kommen gemütliche Bordgespräche auf, erzählt man sich heitere Geschichten, lacht man von Herzen, während man die Reize der unvergleichlichen Fahrt in diesem modernsten Luftschiff genießt. Die Einrichtungen des LZ „Hindenburg" fordern geradezu zu angeregten Gesprächen heraus.
Ueberall bilden sich um die niedrigen runden Tische kleine Klubfesselgruppen, in der einen Ecke wird Poker gespielt, in der anderen legt man Patiencen, im Musiksalon bilden sich musikalische Zirkel, die Philosophen aber und die Freunde starker Männerrede und heiterer Witze ziehen sich mit Vorliebe in die kleine Bord bar und den anschließenden Rauchsalon zurück.
Diese Fahrgäste nennt man die „B a e d e k e r", weil sich nämlich Bar und Rauchzimmer im „B= Deck" befinden (au!). Sie sitzen hinter einem „R a u h r e i f", einem „LZ 129" oder einer anderen geheimnisvollen Mischung, die nur an Bord des „Hindenburg" der erste Luftschiffmixer der Welt nach streng gehütetem Rezept zu „brauen" vermag, und bald fließt lebhaft der Rede Fluß.
Was ist näherliegend, als daß das Luftschiff selbst den beliebtesten Gesprächsstoff liefert? Zu den zahlreichen althergebrachten guten Zeppelin- Anekdoten sind jetzt schon manche neuen Witze hinzugekommen. Die erwähnten „Baedeker" wollen wir hierzu gar nicht zählen. Dafür gibt aber der im Anrollen begriffene Spezialflügel für das Musikzimmer Anlaß zu schlimmen Geistesblitzen.
Architekt Professor B r e u h a u s hat ihn für den LZ „Hindenburg" konstruiert; denn es sollte der Stolz, die Krone des Komforts des Bordlebens in diesem herrlichen Verkehrsmittel fein, ein so schweres erdgebundenes Instrument mitzuführen. Zweieinhalb Zentner mußten aber doch am Normalgewicht eines Flügels eingespart werden. Die Aufgabe war schwierig, besonders, als sich herausstellte, daß man den Flügel nicht einfach ganz aus Leichtmetall bauen konnte, und zwar aus klanglichen Gründen. Professor Breuhaus baute dann einen Flügel aus Leichtholz, der außen mit Leder bezogen und mit Kanten aus Duraluminium abqesetzt wurde.
Die „Baedeker-Philosophen" stürzten sich nun sofort auf dieses interessante Thema. Ernstlich wurden dabei mit aller Gründlichkeit zwei Preisfragen erörtert, nämlich, ob man auf einem so l e i ch t e tt Flüqel auch schwere Musik spielen könne, und ob ein Flügel aus D u r - Aluminium auch die Wiedergabe von Klavierstücken in Moll gestatte. Das Problem war schwierig und schließlich mußte der Kommandant des Schiffes, Kapitän Lehmann, selbst autoritativ alle Bedenken zerstreuen.
Sehr viel Kopfzerbrechen machte m der angeregten Atmosphäre des Z-Decks im Schatten der Bord-Bar auch die Frage der Schiffstaufe. Der ursprünglich schon für Ende März vorgesehene feierliche Taufakt fiel aus, weil die Deutschlandfahrt als Wahlfahrt später angesetzt wurde als beabsichtigt war und sich die erste Rio-Fahrt unmittelbar anschloß. Dies war wirklich der einzige Grund für die Verschiebung des Festaktes der feierlichen
Iugend-Außbatt.
VfB.-R l.Jgb. — Großen-Buseck l.Jgb. 3:1: Die 1. Jugend konnte auch in diesem Spiel ihren Siegeszug fortsetzen. Allerdings waren die Gäste spielstärker, als man erwartet hatte. Sie gaben sich erst nach hartem Kampfe geschlagen. Bis zur Halb-
nerische Torhüter den Ball glänzend. Langsam konnten die Gastgeber im Felde das Gleichgewicht Herstellen. Nach vier ergebnislos verlaufenen Ecken war Halbzeit. Nach Wiederbeginn schnürten die Gießener durch ihr flaches Spiel den Gegner vollkommen ein, übertrieben aber dabei die Kombination und gaben damit dem Gegner immer wieder Gelegenheit, Erfolge zu vereiteln. Als nach einem Zusammenspiel des linken Flügels Szponick flankte, prallten der gegnerische Torhüter und der Verteidiger zusammen, von dessen Fuß der Ball ins eigene Netz sprang. Die Gießener führten damit mit 1:0. Kurze Zeit später erhöhte Heß durch unhaltbaren 15-Meter-Schuß in die rechte obere Ecke auf 2:0. Das Spiel flaute jetzt ab. Aus einem Strafstoß kurz hinter der Mittellinie entstand vor dem Gießener Tor ein Gedränge und der Halbrechte schoß entschlossen ein. Unter lebhafter Anteilnahme des Publikums versuchten die Gestgeber den Ausgleich herzustellen. Die Gießener Hintermannschaft vereitelte jedoch weitere Erfolge und so trennte man sich mit 2:1 für die Gießener.
Durch Spielerabgabe an die erste war die zweite Mannschaft gezwungen, ihr Spiel gegen Wetzlars Zweite abzusagen.
Die dritte Mannschaft verlor mit 8:4 Toren gegen die gleiche des SV. Wetzlar. Allerdings hatten sie nur 10 Mann zur Stelle. Dazu versagte der Ersatz-Torhüter.
wieder erlangt, und sie machte aus der Not eine Tugend, indem sie versicherte, daß die Blumen schon frisch gegossen waren und man sich umsonst bemüht habe.
Von dem trockenen Humor der Luftschiffer zeugt auch das Bild im Rauchsalon in der Serie der geschichtlich-denkwürdigen Ozeanüberquerungen. Mit zarten Tönen auf silbrig-goldenem Lederuntergrund gemalt, sieht man, wie Kolumbus sich mit seinen Schiffen der amerikanischen Küste nähert. Am Festland stehen einige Indianer mit wilden Gesten, den Blick auf Kolumbus gerichtet. Darunter liest man in Plattdeutsch die resignierten Worte: „Nu Helpt bat nix, n u sind wir entdeck t".
Besonders zahlreich sind die Anekdoten aus der Kriegszeit, die die alten Zeppeliner bei besonderer Gelegenheit erzählen. Ihre Urwüchsigkeit verrät, wie man sich nur durch bittersten Humor den schwierigsten Lagen gewachsen zeigte. So wird als Muster einer anormalen Landung jene Geschichte berichtet von dem Marineluftschiff, das zwei Jahre brauchte, um in seine Halle eingebracht zu werden. In der stürmischen Neujahrsnacht 1916/17 war man gelandet. Um Mitternacht befand sich glücklich die erste Hälfte des Luftschiffes in der schützenden Halle, als ein Sturmwind das Luftschiff den Händen der Haltemannschaft entriß und entzweibrach. Auf diese Weise konnte die zweite Hälfte erst im nächsten Jahre eingebracht werden.
Auf dem LZ „Hindenburg" ist zum ersten Male im Rauchsalon das strenge Rauchverbot gefallen, das bisher auf allen Luftschiffen Gültigkeit hatte. Da die Luftschiffer fast durchweg starke Raucher sind, wirkte das Verbot bei langen Fahrten schmerz-
und stürzte ab. Einer von den beiden schwerverwundet Geborgenen berichtete, daß der Kommandant, als er über sich die tödliche Stichflamme fah, mit lauter Stimme durch das dem Verderben geweihte Schiff die Worte gerufen habe: „Don jetzt an ist ^n-inchen an Bord erlaubt.". Dr. A. D.
Bahnrennen in Gießen
Zu dem Eröffnungsbahnrennen des Gießener Radfahrer-Vereins von 1885 wurde eine große Anzahl von Meldungen abgegeben. 'Aus der Vielzahl der Meldungen wurden von dem Veranstalter folgende Fahrer verpflichtet: Gebr. Schorn, Paduscheck, Klingma, Danz, Tobias, Kopp, Naupert, Weiler, Breuer (sämtlich Köln), ferner Müller (Neuwied), Bork (Dortmund), Gelpke (Neuwied), Göbel (Wetzlar), Mebus (Göbelnrod), sowie die Gießener Fahrer Neumann, Preiß, K. Muhl. Spatz und Kraft.
BfD.-Reichsbahn Gießen.
Die Ligamannschaft mif 2:1 Tore in Kirchhain siegreich.
Als Leutheuser II und Haupt absagen mußten, hatte man bei den Gießenern jede Aussicht auf einen Sieg aufgegeben. Aber es kam wieder einmal anders! Die Ersatzleute fügten sich gut ein. Die Spielstarke der Gastgeber, verglichen mit der der hiesigen Bezirksklasse, erschien' unter dem Durchschnitt. Sie hatten wohl eine körperlich gute Mannschaft, die aber, was Technik und Zusammenspiel anbelangte, niemals richtig im Bilde war. Heroor- zuheben war das faire Spiel beider Mannschaften.
Die Gießener spielten zuerst gegen den Wind, diktierten aber die ersten 20 Minuten das Spielgeschehen vollkommen. In engmaschiger Kombination lief der Ball von Mann zu Mann, ohne daß hieraus aber Erfolge entstanden, denn die Hintermannschaft des Gastgebers sorgte dafür, daß das Tor rein blieb. Verschiedene Chancen wurden von den Gte- ßenern vergeben. Als Szponick nach einem Alleingang in vollem Lauf aufs Tor schoß, hielt der geg-
Taufe, und sie hat gar nichts mit der Tatsache zu tun, daß das neue Luftschiff, damit es bei den Nordatlantikfahrten des Sommers in die Halle von Lakehurst paßt, der Heckspitze um zwei Meter beschnitten (verkürzt) wurde. Alle noch so scherzhaften und naiven Vermutungen sind natürlich völlig hinfällig.
Sehr viel Freude und Anlaß zu Heiterkeit geben die schönen Fachausdrücke aus der Luftschiffersprache, wenn etwa beim Ausbringen aus der Halle die Kommandos durch die „Flüstertüte" gegeben werden, oder wenn der Kommandant beim Aufstieg „die Hofe fallen" läßt. Die Wasserhosen, so genannt nach der Form der Behälter, haben wegen der Plötzlichkeit der Ballastabgabe schon manches unliebsame Ereignis hervorgerufen. Wir sprechen gar nicht von den zahlreichen unfreiwilligen, tragikomischen Duschebäoern, die schon häufig genug Männer der Haltemannschaft abbekommen haben.
Im Jahre 1911 erfuhr die Tochter des damaligen Frankfurter Oberbürgermeisters A d i ck e s den rauhen aller herzlichen Ton der Luftschiffer, besonders wenn sie zur Landung schreiten. Das junge Mädchen stand mit einem riesigen Blumenstrauß auf dem damaligen Frankfurter Luftschiffhafen, dem Gelände westlich der Festhalle, als die „Viktoria- Luise" zur Landung ansetzte, um diesem die Vlumen als Gruß der Stadt zu überreichen. Da sich das Schiff im letzten Augenblick etwas plötzlich dem Boden näherte, ließ der Kommandant, um die Annäherung abzudämpfen, rasch noch eine Hose fallen, eine Wasserhose von 20 Zentner. Das unglückliche Mädchen mit* dem Blumenstrauß bekam von dem himmlischen Guß soviel ab, daß sie mit ihren Blumen zu Boden fiel. Als der erste Schrecken vorüber war, baff-’ Ho ihre Fassung ober
Zeppelingespräche an Bord
Nene Witze und alte Anekdoten. - Don Wasserhosen und „Baedekern"
Besuch bei Pferden.
Don Selene Doigi-Niederichs.
Stammvater.
Kammer neben Kammer des Gestüts ist bewohnt vom kurzen, gedrungenen, eisen- oder fliegenschimmeligen Muttertier, von falbem, knochigen Jungzeug. Und rum, überraschend steht er da, em gut Teil seines blinkenden Kachelraumes füllend, Vater einer Reihe von Jahrgängen: der Patriarch. Hinter eisernen Stäben drückt er, ein Denkmal seiner selbst, mit unbeirrbaren Hufen den Erdboden.
Sein Kopf dreht sich heran. Kühl und glänzend an der breiten Fabelstirn ruhen die Augen. Doch schon die abenteuerliche Art, wie das fuchsige Mähnenhaar sie umwirrt, verrät, daß sie fähig sind, in Flammen auszubrechen. Jetzt schleppt er den Körper nach: geschmeidige Wucht des Elefanten, Löwenruhe — Urtier, bestimmt hunderte von Formen zierlicheren Lebens aus sich heraus zu lassen!
Eine Tafel unterrichtet in französischer Sprache über seinen belgischen Stammbaum. Man wagt es, obgleich Vertraulichkeit diesem Riesen gegenüber schlecht am Platze ist, schiebt die Hand zwischen die Trallen. Ohne Abwehr, ohne Zustimmung läßt die hellhäutige Nase sich tätscheln und stubbsen.
Plötzlich dröhnt des Hengstes Vorderhuf, unverkennbares Lärmzeichen, gegen die Holzwand. Seine Augen, kurzsichtig und übersichtig, haben an den Zunächststehenden vorbei den Wärter erspäht, der soeben, bei Beginn der Futterstunde, den Eimer klirrend in das gemauerte Becken taucht. Schon wird die Tür seitwärts geschoben, im vollen Holz- qefäß schwankt der Trank. Doch der Hengst weigert sich, mault, senkt nicht den mächtigen Streitroßbogen des Halses.
Nanu? Der Wärter lacht, schiebt den Eimer eine Spanne tiefer in den Vorschlag. So ist Goliath es gewohnt, so will er es haben, unverzüglich setzt das Tier, lautlos saugend, die Lippen auf. Wie er so steht und säuft, sachte nach vorn gelegt, bietet er m freier Sicht dar, was er ist: Genius der Zugkraft. Was braucht er, einmal ins Geschirr gespannt, anders zu tun, als das Gleichgewicht seiner Masse zu verändern. Liegt erst das Schwergewicht vorn man möchte den Karren sehen, der nicht stracks aus dem Dreck gerissen wird. Gaben der Natur, durch Auslese gesteigert: die gefesteten Zotteljaulen der Beine, unterer Riß des Bauches, der Erde naher als dem Rücken, mit unerhörter Stemmkraft begavl die Wölbung der Kruppe. Freilich, der Schweif, künstlich zum Stummel gekürzt, ist so was nun
schön? Doch! erläutert der Wärter, sonst sieht so ein Hinterteil nach nichts aus. Leider hat er, was die Steilheit des Abfalls betrifft, wahrscheinlich recht. " ,
Der Huf des Hengstes dröhnt, befehlerischer dis vorhin. Unwillkürlich drängt es sich auf: diese Keulengewalt treffe einen Gegner, diese geruhsame Masse gerate in Wallung, hebe sich im Reiterkampf, Pferd gegen Pferd und Mann gegen Mann, dieser Schlund entlasse den Rausch bluttrunkener Schreie ... Im Augenblick? Bewahre, nichts ist los.
Er will ganz einfach neues Wasser. Der Eimer, noch nicht leer, verjüngt sich, hat im unteren Teil nicht Raum für das klobige Maul.
Schon bringt der Wärter einen frischen Eimer. Dieser angetrunken halbvolle, auf dem Fasern und Blasen schwimmen, mag noch recht fein für das unruhige, im Wachstum zurückgebliebene Halbblut nebenan, dem züchterische Erfahrung die magere Befuanis eines Probierbengstes aufgezwungen hat.
Stuten.
Saubere Abteile zu beiden Seiten des kühlen, gelüfteten Mittelganges. Jede der braunen, noch winterhaarigen Stuten hat ihr Tage oder Wochen altes Fohlen neben sich, behütet unauffällig sein Tappen, Schnuppern und Aeugen. So ein österlicher Springinsfeld aus edlem Blute, was immer er aufnimmt mit dem jungen luftigen Blick, durchfährt seinen ganzen Körper: spielerisch, aufbegehrend wird sinnfällig in der närrischen Stellung seiner Füße, in der Wachsamkeit von Hals, Ohr oder Schwanz. Insgeheim vergewissert er sich stets ein wenig zur Mutter hin, streicht um ihre Hüften, tut aus dieser Sicherheit einen hurtigen Doppel- schlag hinterwärts gegen die gaffenden Fremdlinge. Zwischendurch nestelt er gestreckten Leibes seinen Kopf unter den willigen Schenkel der Alten, saugt ein Maul voll, steht verquer, äugt und tänzelt abermals. , ,, . .
Wenige Schritte weiter, platt in der Streu em Liegendes, ganz jung, mutterseelenallein. Seine Flanke fliegt in raschem Jugendatem. Jetzt erschrickt sein Kopf, steilt sich, schmeichelt suchend zur em= tretenden Stallwache. Der Mann kraut es, redet ihm zu wie einem Kinde, — nanu, will es nicht hoch? Es ist noch schwach auf den Beinen, erklärt er, muß den Kummer erst gewohnt werden — er greift in die Wolle der Kruppe, zottelt ermunternd am Widerrist. Da kriegt das Tier gleichsam Luft unter die Flügel, rappelt sich auf, stelzt umher, flaumigen Felles, auf hohen Spreizbeinen, mit chmalem Leibe, feurigem Schaukelpferdkopf — m der ganzen bezaubernd ausdrucksvollen Unausge- alichenheit Uivoc
Lebt die Mutter nicht? Doch, der Wärter deutet geringschätzig zum Nebenraum. Eine junge Stute mit Hautwunden, Sackoerband am Auge steht lauschend, unzugänglich, verstört. Sie hat schwer geboren, sich selbst mit den Hufen verletzt, ist beim Zupacken am Kopf geschunden worden; kaum war zur Hilfeleistung pn sie heranzukommen. Nicht nur, daß sie sich.toll angestellt hat während der Weben, sondern auch dies: später hat sie nach dem Erstling gehackt, getreten, ihn nicht an sich herangelassen, nur durch sein gutes Glück ist er mit dem Leben davongekommen. „So eine Jungfer, nach drei Tagen noch keinen Tropfen im Euter!" Nun gedeiht das Kleine bei Kuhmilch.
Der Mann wendet sich zu seinem Pflegling, redet zärtlich, haucht ihm in die Nüstern, schließt seine Hände um den feinen unruhigen Rassekopf.
Die Stute nebenan, deren Nerven das Grauen festhalten, die leibliche Nähe ihres Kindes nicht ertragen — jetzt gerät sie in Aufruhr. Die natürlichen Gefühle: Anspruch auf Zärtlichkeit, Not, daß dem Jungen Schaden drohe, gewinnen Oberhand. Sie tritt hin und her, stößt die Nase über das mannshohe Trallenwerk, entblößt die gelben Zähne, behält die Ohren schräg an den Kopf geklemmt. Sieh einer, wie affig sie sich tut! kopfschüttelt der Führer
Weiter schiebt er in den nächsten, die volle Breite des Gebäudes fassenden Raum. Frei umher im Halbdämmer auf weichem Belag stehen die hochtragenden Stuten. Hängenden Kopses, schlaff, pflanzenhaft; nichts erregt ihre Teilnahme. Aus einer Bodenluke fällt Heu auf den schweren Rücken einer Dunkelbraunen. Sie schüttelt sich nicht, tut keinen Schritt seitwärts, und doch liegt unter diesem Träg- sinn etwas Waches, Verhaltenes: dienende Inbrunst, die wundertätig um die reifende Frucht ihres Blutes pulst.
Oie „Bibliothek der Geräusche".
Kürzlich wollte ein Regisseur im Filmatelier in Hollywood durchaus ganz naturgetreu wiedergeben, wie es klingt, wenn ein Golfball vorübersaust. Der erfinderische Techniker versuchte es mit einer Fliegenklatsche, mit einem Luftgewehr, schließlich wurde ein Tierstimmenimitator herbeigeschafft, ein Meister im Hervorbringen der unmöglichsten Töne und Geräusche. Kein Bemühen gab den gewünschten Ton naturgetreu wieder. Schließlich, als alles nichts half, ließ man wirklich einen Golfball vorüberfliegen und siehe da, es klang „echt"! Um Zeit und Geld zu sparen und solche zeitraubenden Ex- ‘"rim-'nfe zu vermeiden, haben die meisten großen
zeit konnten die Gießener eine 2:1-Führung erreichen. Nach der Pause stellten sie durch einen weiteren Treffer den Sieg sicher.
VfB.-R. 1. Ägd. — Wieseck 1. Jgd. 3:1: Die Gießener überraschten in diesem Spiele nach der angenehmen Seite. Die Zusammenarbeit und das Verständnis der einzelnen Mannschaftrteile war bedeutend besser als in den letzten Spielen. Das Ergebnis entspricht dem gegenseitigen Kräfteverhältnis.
Gpielvereinigung 1900 Gießen.
Klubkampf 1900 — Klein-Linden 5:3 Punkten.
Der Klubkampf in Klein-Linden gestaltete sich zu einem schönen Erfolg.
Die erste Jugend enttäuschte nach der angenehmen Seite. Sie war dem Gegner überlegen, konnte dies aber nicht durch Tore zum Ausdruck bringen, da die besten Torgelegenheiten nicht ausgenutzt wurden. Die Mannschaft hatte keinen Versager, jeder tat sein Bestes. Das Treffen endete 1:1.
Die zweite Jugend hatte nicht nötig, dieses Spiel zu verlieren. Ein Elfmeter wurde herschenkt und außerdem ließ der Tormann zwei durchaus haltbare Bälle passieren. Die Mannschaft zeigte sonst ein schönes Spiel und hätte das Spiel unbedingt gewinnen müssen. 2:3 für Klein-Linden.
Die erste Schülermannschaft trat mit vier Mann Ersatz an und hatte schwer zu kämpfen, um sich gegen die tapfer wehrenden Gastgeber siegreich durchzusetzen. Aber die kleinen 1900er hatten doch die größere Spielerfahrung sowie die bessere Ballbehandlung und gewannen mit 5:1 verdient.
Ebenso wie die erste Schülermannschaft machten es die Kleinsten des Vereins. In einem spannenden Kampf wurde der Gegner mit 5:1 verdient geschlagen.
Neumann (Gießen) in der Nationalmannschaft der Straße.
Arn Sonntag lief als erstes Straßenrennen der Saison „Berlin—Cottbus—Berlin". Das Rennen der Amateure führte über eine Strecke von 105 Kilometer. Nicht weniger als 164 Fahrer starteten in der A-Klasse. Auch Willi Neumann vom Gießener Radfahrer-Verein von 1885 nahm an bie- jem Rennen teil. Der Gießener konnte sich sehr gut
Willy Neumann (links) im Gespräch mit dem Vereinsführer des Radfahrervereins 1885, Erwin Hauck. — (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) durchsetzen. Trotz zweimaligen Sturzes konnte er immer wieder Anschluß an die Spitzengruppe finden. Sieger des Rennens wurde Schultze (Chemnitz) vor G ä n ß l e r (Frankfurt). Wenige Sekunden später lief eine 28 Mann starke Gruppe ins Ziel im Wannsee-Stadion ein. Unter diesen war auch Neumann. Diese 28 Mann wurden alle auf einen Platz gesetzt. Auf Grund ihrer Leistungen wurden 58 Fahrer in die- Nationalmannschaft berufen. Zu dieser zählt nun auch Willi Neumann. — Das nächste Rennen der Nationalmannschaft läuft am Dstersonntag in Hannover. Dort wird der Gießener ebenfalls an den Start gehen.
Ateliers eine Geräusch-Bibliothek, die jede gewünschte Art von Lärm sofort gebrauchsfertig liefert und von der ein englischer Fachmann Wunderdinge erzählt. Ein Kellner läßt ein Tablett fallen: bitte sehr, hier haben sie den erforderlichen Krach dazu. Oder soll ein trompetender Elefant, ein schreiendes Baby, ein Sturm auf hoher See sein, wollen Sie galoppierende Pferde, eine Zugentgleisung ober etwa das leise Anschlägen einer Roulettekugel im Spielsaal hören? Es ist nicht mehr nötig, Zeit und Geld mit Suchen und Probieren zu verschwenden. Hier kann man alles haben, nach dem Alphabet georbnei, sofort greifbar.
Wenn ein Tonfilm gebreht wirb, fo gibt es immer zwei verschobene Negative, bas eine, bas bie Bilbeinbrücke aufnimmt, bas anbere, bas bie Photographie bes Tones empfängt. Wenn man in bas Mikrophon spricht unb sich bas Negativ bann ansieht, so wirkt es ungefähr, als wäre bie Spur eines Blitzstrahles aufgenommen, ber über bas Blatt hinwegzuckte, unb bas soll nun gerabe bie eigene Stimme fein! Diese Tonfährte kann sogar von ben Männern, bie bie Tonschnitte machen, auf allerlei Arten behanbelt werben. Die Stimme einer Primabonna scheint jeber Einwirkung unzugänglich. Unb boch läßt sie sich ohne Mühe behanbeln: Hier kann ein Stück herausgeschnitten werben, hier kann man ein Mausquieken einflicken ober plötzlich ein paar Meter Jobeln hineinstücken.
„Hilde Petersen postlagernd."
Eine Neuerscheinung ber Ufa, bie unbestritten schon bessere Lustspiele gebreht hat. Wir können uns oorstellen, baß unter bemselben Titel ein wirklich hübscher unb brauchbarer Film zustanbekäme, unter» haltfam unb lustig, vielleicht sogar ein wenig ernsthaft unb ohne Umstänbe, aber mit sicherem Blick für Menschen unb Dinge aus bem Alltag gegriffen. Hingegen entstaub eine krampfhafte unb langatmige Verwechselungsgeschichte, beren Witz sich auf bie üblichen Schwanksituationen konzentriert. Das Drehbuch schrieb Dinah Nelken nach einer Novelle von K. R. Neubert. Die Spielleitung hat Viktor Janson. Von ben Darstellern: Suse Graf, Alice Treff, Ralph Arthur Roberts und Rolf W a n f a ; sie haben alle vier bas Zeug bazu, ihre schaufpielerischen Gaben auf einem ergiebigeren Felbe zu betätigen. Im Beiprogramm bringt ber Gloria-Palast neben ber For-Wocheu- schau ein zweites Lustspiel, einen Bilbber'cht „Deutsche Arbeiter heute" (von ber Mabeira-Fahrt mit „Kraft. burch Freube") unb einen Vorspan« zu bem Film „Heißes Blut" mit Maritta Röck.
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