erforderlich. Kolonialminister Thomas habe klar dargelegt: „Die britische Krone hat die Aushändi- gung irgendwelcher britischer Kolonien oder Mandatsgebiete nicht e r w o a e n und erwägt sie auch nicht." Zusätzlich möchte Id) sagen, daß wir b e • stimmte Verpflichtungen gegenüber den Völkern haben, die diese Gebiete bewohnen. Wir würden nicht daran denken, diese Verpflichtungen aufzugeben oder diese Gebiete irgendeiner anderen Macht auszuhändigen, selbst um der Erzielung einer allgemeinen Friedensregelun^ willen, die wir alle wünschen, solange wir nicht überzeugt wären, daß die Interessen aller Bevölkerungsteile, die diese Gebiete bewohnen, völlig gesichert wären. Die letzten Worte Chamberlains wurden vom Haus mit Beifall ausgenommen. Mit 361 gegen 14 5 Stimmen sprach das Unterhaus der Regierung sein Vertrauen aus.
Oeutfch-litauischerWirtschastsaustausch
Berlin, 6. April. (DRB.) In Berlin haben Verhandlungen zwischen einer deutschen und einer litauischen Delegation über eine Normalisierung des d e u t s ch - l i t a u i s ch e n Wirtschaftsaustausches stattgefunden. Ziel dieser Berhandlungen ist ein Waren- und Verrechnungsabkommen, die veterinärpolizeiliche Behandlung litauischer Erzeugnisse bei der Ein- und Durchfuhr durch Deutschland, die Regelung des kleinen Grenzverkehrs und andere Fragen. Die Besprechungen haben zu weitgehender Uebereinstimmung geführt. Der kleine Grenzoerkehr und die Fragen des freien Einkaufs in Litauen bedürfen noch weiterer Klärung. Die Delegationen haben deshalb beschlossen, die dafür notwendigen Arbeiten zunächst durchzuführen und alsdann die Besprechungen fortzusetzen.
Studium des Lustfahrtwesens und Schiffbaues ohne Reifeprüfung.
Berlin, 6. April. (DNB.) Der Reichserzie- hunasminister hat ausnahmsweise genehmigt, daß Schüler, die Ostern 1936 nach Oberprima versetzt sind, zum Studium als ordentliche Studierende an den technischen Hochschulen in den Fachrichtungen Luftfahrtwesen oder Schiffsbau oder Schiffsmaschinenbau oder Schiffselektrotechnik sofort, d. h. ohne Besuch der Oberprima und also ohne Reifeprüfung zugelassen werden. Voraussetzung ist, daß das Zeugnis über die Versetzung nach Oberprima in den Lehrgebieten Mathematik und Physik, ferner in Deutsch oder Geschichte die Note „gut", in den beiden anderen der letztgenannten Fächer sowie in Chemie und Geographie mindestens die Note „genügen d" enthält. Dabei bleiben Einschränkungen dieser Prädikate außer Betracht.
Bei der Zulassung zur Diplomprüfung und Promotion tritt für diese Studierenden an die Stelle des Reifezeugnisses das Zeugnis über die Versetzung nach Oberprima.
Bezüglich der Einweisung in den A r b e i t s - dienst zum 1. Oktober 1936 wird das Notwendige veranlaßt werden. Da das Studium der genannten Fachrichtungen Vorpraxis ooraussetzt, wird dringend geraten, sich sogleich um eine P r a k t i - kanten st elle zu bemühen. Sofern diese noch im April angetreten wird, wird die Zeit bis zum Eintritt in den Arbeitsdienst als sechsmonatige Vorpraxis angerechnet. Ein späterer Wechsel des Studiums ist nicht zulässig.
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Auf seinem Gut in St. Georgen in Steiermark wurde der österreichische Vizekanzler a. D. Karl Hartleb wegen angeblicher Betätigung für die nationalsozialistische Partei verhaftet. Hartleb war Abgeordneter des Landbundes und 1927 bis 1929 Vizekanzler im Kabinett Seipel. Bis 1934 war er Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer.
Klandins Gegenplan „zur Organisierung des Friedens in Europa".
Internationale Lustsireitmacht als „Friedenspolizei des Völkerbundes". — Ein System regionaler Pakte zur Verstärkung der kollektiven Sicherheit. — Auswertung überseeischer Gebiete für europäische Ansiedler.
Billigung durch den Mmsterral.
Paris, 6. April. (DNB.) Der M i n i st e r r a t, der am Montagnachmittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik im Elysee zusammen- aetreten war, dauerte von 15 Uhr bis 19.15 Uhr. Zum Schluß wurde folgende amtliche Mitteilung herausgcgeben: Außenminister Flandin trug seinen Ministerkollegen 1. den Entwurf der französischen Denkschrift als Antwort auf den deutschen Plan vom 31. März sowie 2. den aufbauenden Aktionsplan für den Frieden vor, den die französische Regierung dem Völkerbundsrat zu unterbreiten beabsichtigt. Beide Vorschläge wurden vom Ministerrat gebilligt. Des weiteren setzte. Außenminister Flandin seinen Ministerkollegen die Bedingungen auseinander, unter denen die bevorstehende Zusammenkunft des Dreizehner-Ausschusses und die Tagung der Locarnomächte in Genf beginnen werden.
Das eine der Schriftstücke, in dem die französische Regierung an der deutschen Denkschrift ausführlich Kritik übt, wird an die englische Regierung gerichtet sein, das zweite Schriftstück über die „Organisierung des Friedens in der Zukunft" an den Völkerbundsrat. In dem ersten Schriftstück ziehe, so heißt es, die französische Regierung die Schlußfolgerung, daß die deutsche Denkschrift in ihrem ersten Teil völlig verneinenden Charakter habe. Sie fordere daher von den Unterzeichnern des Locarno-Vertrages nachdrücklich die re st lose Anwendung der Bestimmungen, die imFalle einesMiß- erfolges der Verhandlungen mit Deutschland vorgesehen seien. Das zweite französische Schriftstück bestehe aus etwa 25 Artikeln, die einen umfassenden politischen und wirtschaftlichen Grundriß zur Organisation des Friedens in Europa bilden. Der französische Plan bezwecke eine Ausdehnung und Verstärkung der kollektiven Sicherheit in Europa durch einen auf die europäischen Staaten begrenzten Pakt, also nicht mehr eines weltumfassenden Paktes, wie die Völkerbundssatzungen ihn augenblicklich darstellten. Der Pakt würde dadurch gestützt werden, daß man dernVölkerbund bereits in Friedenszeiten gewisse nationale Truppenverbände zur Verfügung stelle, um ein sofortiges Eingreifen des Völkerbundes gegen den Angreifer zu ermöglichen. Außerdem seien Abrüstungsanregungen vorgesehen.
Vermutungen der presse.
Paris, 7. April. (DNB. Funkfpruch.) Der „E x c e l s i o r" veröffentlicht eine ausführlichere Schilderung des französischen Gegenplans, wobei das Blatt allerdings dazu bemerkt, daß es seine Angaben unter Vorbehalt mache, da in Regierungskreisen Stillscheigen bewahrt werde. Der französische Plan sieht einen freien Derbcrnd der Völker Europas zum Schutz gegen alle Kriegsgefahren vor, wobei es den Völkern frei stehe, sich eine beliebige Regierungsform zu geben. Dem Völkerbund würde eine i n - ternationale Luftstreitmacht zur Verfügung gestellt werden, die st ä r k e r sein würde, als die Luftstreitmacht irgendeines
Staates. Diese internationale Luftstreitmacht würde unverzüglich auf Grund eines Völkerbundsbeschlusses zugunsten eines jeden Staates eingreifen, der Opfer eines nicht herausgeforderten Angriffs sei. Diese internationale Streitmacht würde weniger einen strafenden als vorbeugenden Charakter haben. Wenn zwischenstaatliche Streitigkeiten ausbrechen sollten, die in bewaffnete Zusammenstöße ausarten könnten, werde die internationale Streitmacht sofort Verhütungsmaßnahmen zu ergreifen haben, um den Ausbruch von Feindseligkeiten während der Dauer des Schiedsverfahrens zu verhindern.
Die kollektive Sicherheit werde auf dem Grundsatz einer für alle, alle für einen begründet werden. Sie solle, so glaubt das Blatt zu wissen, praktisch durch regionale Pakte nach Art des Locarnooertrages ergänzt werden. Diese Pakte würden unter Ueberwachung des Völkerbundes ineinander greifen. Auf diese Weise würden die verschiedenen Landergruppen mit gemeinsamen Grenzen und gemeinsamen Belangen untereinander eine solidarische Bürgschaft übernehmen. Man würde einen Westpakt, einen Ostpakt, einen Donaupakt, einen Mittelmeerpakt usw. schaffen. „Excelsior" meint, daß auf diese Weise der französische Plan zur „Sicherheits-Charta" der weißen Rasse und zum Hüter der Zivilisation gegen die nationale Selbstsucht werden würde. (?) Besondere Bestimmungen seien für die Auswanderer und für die Auswertung gewisser überseeischer Gebiete vorgesehen, wo unter der Achtung der heiligen Rechte der rückständigen Bevölkerung, die unter dem Schutz des Völkerbundes stehen, europäische Kolonisten angesiedelt werden könnten. Auch die von Sir Samuel Hoare und Eden gemachten englischen Vorschläge zugunsten einer besseren Verteilung der Roh st off- und Absatzmärkte würden in dem Schriftstück „zur Kenntnis" genommen.
Der „Petit Parisien" unterstreicht, daß Frankreich den europäischen Frieden als unteilbar ansehe. Für den Franzosen umfasse Europa auch S o w j et- rußland. Die Sowjetunion sei eine der „getreuesten und rechtgläubigsten" (!) Mitglieder des Völkerbundes geworden. Zur Verbürgerung der europäischen kollektiven Sicherheit werde folgendes vorgesehen: besondere Verträge für die „verwundbarsten" Gegenden, nämlich gegenseitige Beistandspakte, Schiedsgerichtspflicht im Sinne des Genfer Protokolls von 1924, Verstärkung des Artikels 16 der Völkerbundssatzung, der schneller ausgeführt werden könnte, wenn man die Bestimmungen des französisch-sowjetrussischen Paktes zum Vorbild nähme. Dem Völkerbund sollen nationale Truppenverbände zur Verfügung gestellt werden, die im Falle der Gefahr eine Art „Friedens- polizei" ausüben könnten. Der Briandsche Gedanke eines europäischen Staatenbundes werde den Umständen angepaßt werden. Die internationale Verteidigungsorganisation würde einen Stillstand des Wettrüstens ermöglichen.
In einem vor der Ausarbeitung des französischen Planes geschriebenen Aufsatz zollt der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Kammer, B a - stid, in der „Ere Nouvelle" der englischen Regie
rung Anerkennung, weil sie Frankreich ihren Beistand im Falle eines nicht herausgeforderten An- griffes verspreche, zum anderen aber auch — und das lieft man in einer französischen Zeitung selten, weil England nicht auf Verhandlungen mit Deutschland verzichte. Es sei bedauerlich, daß der französische Plan so spät komme. Die große Stärke der deutschen Diplomatie sei ihre rasche Beweglichkeit. Auch England sei erfinderischer als Frankreich. Es wäre übrigens gut, wenn der französische Gegenvorschlag von der öffentlichen Meinung gebilligt werde, was aber erst nach den Wahlen geschehen könne. Frankreich habe die siegreichen Wortgefechte satt. Die „geistige Einkreisung" Deutschlands befriedige Frankreich ebenso wenig, wie die politische Einkreisung. Frankreich wolle aufbauen. Gewisse Teile der Hitlerschen Vorschläge hätten die französische Oeffent- lichkeit beeindruckt. Vor allem fühle sie sich durch das, was über die moralische Abrüstung gesagt werde, angezogen. Möge Frankreich auf die deutsche Anregung zur friedlichen Erziehung der Jugend ober zur Veranstaltung einer Volksabstimmung nicht mit Prozedur-Einwänden antworten.
ZchnMreASDAp.KieMden
LPD. Wiesbadens. April. In diesen Tagen beging die NSDAP. Wiesbaden die Feier ihres zehnjährigen Bestehens. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger war schon am Samstag zu dem Kameradschaftsabend im Paulinenschlößchen erschienen. In einem kurzen Rückblick über die Entstehungsgeschichte des Kreises Wiesbaden feierte der Gauleiter die felbftlofe Kameradschaft, die auch hier trotz der fchwersten Hindernisse das Werk zum Erfolg geführt habe. Es müsse erreicht werden, daß das ganze deutsche Volk zu einem großen Heer Kameraden für den Führer werde. Von unauslöschlichem tiefen Eindruck war die Feierstunde am Sonntagvormittag im Kurhaus. In kernigen Ausführungen gab Hauptschriftleiter S t a e b e einen plastischen Rückblick der vergangenen zehn Jahre. Höhepunkte der Feierstunde waren das C h o r s p i e l „Ewiges Volk" von Brock- meier durch HI. und BDM. und die Wiedergabe der Fünften Sinfonie von Beethoven unter Leitung von Generalmusikdirektor S ch u r i ch t. Nach der Feierstunde traten die Formationen und Gliederungen der Partei zu einem Aufmarsch durch die Straßen der Stadt an. Der Vorbeimarsch endete mit einer großen Kundgebung am Rathaus. Hier ergriff Gauleiter Sprenger nochmals das Wort. Heute fei durch den Nationalsozialismus die ewige und große Sehnsucht der Deutschen, eine Einheit zu fein, erfüllt worden. Unter starken Beifallsäußerungen betonte der Gauleiter, daß alle Völker Frieden wollten; wer sich dieser Erkenntnis entziehe, gerate unter den Marschtritt der Völker und für die Zukunft in Vergessenheit. Ein Volksfest beschloß die Jubiläumsveranstaltungen.
Grundlagen und Ziele des kulturellen Aufbaus.
Die am Samstag im Hotel Kaiserhof in Berlin abgehaltene Arbeitstagung des Reichskulturfenates war in mehrfacher Hinsicht von grundsätzlicher und wegweisender Bedeutung für die Gestaltung und den Neuaufbau des kulturellen Lebens in Deutschland. Zunächst wurden eine Reihe neuer Mitglieder des Reichskultursenats vom Vizepräsidenten der Reichskulturkammer, Staatssekretär Funk, willkommen geheißen: im Kreise der Neuberufenen befinden sich neben dem Reichsunterrichtsminister Rust und dem nun 70jährigen Dichter Emil Strauß u. a. auch der Stabschef der SA., Lutze, der Reichsführer SS., Himmler, und der Reichsjugendführer Baldur v. S ch i r a ch; mit der Wahl dieser Männer ist aufs deutlichste der Wille zu einer einheitlichen Kulturpoli - t i k kundgetan, zu einer Einheit auch von Politik und Kultur, wie sie Landeskulturwalter Müller- S ch e l d soeben auf der Darmstädter Landestagung der Musikkammer Hessen-Nassau als ein Wesenselement nationalsozialistischer Weltanschauung mit prägnanten Worten gekennzeichnet hat. Kultur ist heute im weitesten Sinne und in allen ihren Aeuße- rungen und Formen nichts Zufälliges, abseits und für sich allein Vorhandenes mehr, sondern eine Angelegenheit der Politik, des Staates und der Nation. Es ist auf der Tagung des Reichskultursenates ferner davon die Rede gewesen, wie die Kulturarbeit schon in der Erziehung der deutschen I u - ae n b eine wesentliche Rolle zu spielen habe. Der Frankfurter Oberbürgermeister, Staatsrat Krebs, hat weiterhin auf die notwendige enge und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Reichskulturkammer und den Gemeinden hingewiesen; er sprach von den großen Verpflichtungen, die jeglichem Gemeinwesen heute auch und besonders in kulturellen Dingen auferlegt sind: Bevölkerung und Kunst dürfen heute nicht mehr zwei einander fremde, wenn nicht gar feindliche Begriffe fein, sondern sie gehören nahirnotroenbig aufs engste zusammen, unb es ist eine ber vornehmsten Aufgaben ber Ge- meinbeoerroaltung, unsere schöpferischen Leistungen auf allen Kulturgebieten ben breitesten Schichten der Bevölkerung zugänglich zu machen. Mit Stolz und Befriedigung konnte Oberbürgermeister Krebs feststellen, was bis heute bereits geleistet und geschaffen worden ist; mit Hilfe ber NS.-Kulturge- meinbe und ber NS.-Gemeinschaft „Kraft burch Freube" sei bereits eine neue Blütezeit ber Theater, ber Konzerte unb ber Museen angebrochen; es seien große Erfolge auf bem Gebiete bes Musikwesens erzielt worben; große dankbare Aufgaben warteten für die verständnisvolle und kulturbewußte Gemeindeverwaltung beispielsweise in der Schaffung von Büchereien und von Dichterheimen. Alles in allem: hier wurde in großen Linien aufgezeigt, wie lebendig, vielseitig unb unbürokratisch in ben
Gemeinben auf kulturellem Gebiet gewirkt unb mit ber Reichskulturkammer unb bem Reichskultursenat Hanb in Hanb gearbeitet werben kann unb soll.
Reichsminister Dr. Goebbels zog bann bie Nutzanwenbung aus bem gerabezu überroältigenben Wahlergebnis vom 29. März auch für bas gesamte kulturelle Leben ber Nation; bas Ergebnis sei gerabezu als bie Frucht einer im Grunde genommen künstlerischen Umgestaltung der gesamten deutschen Nation anzusehen und zu bewerten. Der Minister fand auch in dieser Rede, die grundsätzliche Fragen des deutschen Kulturlebens berührte, wieder die prägnanten und überaus schlagkräftigen Formulierungen, die wir aus vielen feiner Reden und Ansprachen kennen. Dr. Goebbels gab auch hier wieder, wie schon oft, dem Reichskultursenat gewissermassen die allgemeine Richtung an, die seine Haltung und sein Wirken im Dienste der gesamten Nation zu bestimmen habe; er lenkte auch, was nicht oft und eindringlich genug geschehen kann, den Blick wieder auf das, was bisher in den drei Jahren nationalfozialistifcher Staatsführung auf kulturellem Gebiete geleistet worden ist: das könne, so führte der Minister aus, recht eigentlich erst von dem vollauf und in feiner ganzen Tragweite ermessen und gewürdigt werden, der die ungezählten Schwierigkeiten und Nöte kennt, welche im Neuaufbau bes Staates zu über» roinben waren. Wie hoch bei biefer Aufbauarbeit bas Wirken ber beutschen Presse einge- schätzt wirb, zeigten sehr einleuchtenb bie Ausführungen bes Ministers über bte ungemein wichtige Erziehung eines Schriftleiter-Nachwuchses, ber bie Weltanschauung bes Nationalsozialismus mit gelegenem Wissen unb Können zu vereinigen habe; zu solchem Können gehört vor allem, was besonbers unterstrichen sei, ein sauberer, anschaulicher unb von Phrasen freier Stil. Es ist bem Minister zu banken, baß er roieber einmal auf bas nationale Gut ber beutschen Sprache mit allem Nachbruck hingewiefen hat. Neben ben Schriftleitern sind auch, wie Dr. Goebbels ferner ausführte, den Schriftstellern wichtige erzieherische und volksbildnerische Aufgaben zugewiesen: es werbe bar auf ankommen, fo sagte ber Minister, bie nationalsozialistijche Weltanschauung noch stärker als bisher im deutschen Schrifttum zu verankern.
Bedeutungsvoll und grundsätzlich zu beachten erscheint ferner die unmißverständliche Ablehnung gewisser Auswüchse auf dem Gebiete des chorischen Spieles. Diese Spielgattung ist ja für uns in Deutschland so verhältnismäßig jung und neu, daß sie, wie jede andere Form auch, ihre Zeit brauchen wird, um sich ein eigenes Gesicht zu geben, um ihre Aufgaben, ihre Möglichkeiten und Grenzen zu erkennen und zu bemessen. Sehr beachtlich auch der Hinweis auf ein echtes und innerlich begründetes Mäzenatentum; es ist förderlich und um so mehr zu begrüßen, als der Staat es durchaus ablehnen muß, aus sozialen Gründen, gewissermaßen aus Mitleid, eine unterwertige und unzulängliche Produktion zu unterstützen und damit zu ermuntern.
Die Mittel der Kunstfonds sollen wirklich und ausschließlich der echten Kunst zugutekommen, und nichts kann uns heute ferner liegen als die Züchtung eines neuen Künstlerproletariates. — Dies find nur einige Fragen aus dem großen Gebiete unseres kulturellen Aufbauwerkes. Noch stehen wir mitten darin, fo erklärte Dr. Goebbels zum Schluß, noch harren viele Aufgaben ber Lösung; aber eine feste und sichere Grundlage haben wir uns heute schon geschaffen.
„Ein neues südwestdeuisches Kulturvolk."
Landestagung der Reichsrnusikkarnrner Hessen-Nassau in Darmstadt.
Die Reichsrnusikkarnrner Hesfen-Nafsau hielt ihre Landestagung 1936 in Darmstadt ab. Nach einer internen Arbeitssitzung der Amtswalter fand ein Empfang im ehemaligen Landtagsgebäude statt. Hierzu hatten sich auch brr Präsibent ber Reichsrnusikkarnrner Professor Dr. Peter Raabe (Berlin), Landeskulturwalter Müller- S ch e l d (Frankfurt), als Vertreter des Reichsstatthalters in Hessen Ministerialrat Ringshaufen, der Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt Kreisleiter W a m b o l d eingefunden.
Nach einem vom Schnurrbusch-Quartett zum Vortrag gebrachten Streichquartett nahm Oberbürgermeister W a m b o l d das Wort zur Begrüßung der Gäste; er stellte dann fest, daß zu der Musikwoche 1936 der Landeshauptstadt bereits zahlreiche Musikschaffende unserer Generation Orchester- und Chorwerke zur Uraufführung eingereicht haben.
Landeskulturwalter Müller-Schelt)
betonte, es fei ein noch viel verbreiteter Jrtrum, daß die Reichskulturkammer eine Einrichtung fei, um bie rein materiellen und Berufsinteressen der deutschen Künstler zu vertreten. Der Präsident der Reichskulturkammer, Reichsminister Dr. Goebbels, bestimme die deutsche Kulturentwicklung und sei dem Führer hierfür verantwortlich. Politik bedeute für den Nationalsozialismus Schicksalsgestaltung unseres Volkes. In diesem Prozeß könne die Kunst nicht irgendeine Sonderrolle spielen; beide fließen ineinander über. Jeder wahre große Politiker werde daher auch ein musischer Mensch sein müssen, und ein nichtmusischer Mensch werde auch kein großer Politiker sein, wenigstens nicht in unserem Sinne. Es ist daher, so fuhr der Landeskulturwalter fort, für uns Nationalsozialisten, vor allen Dingen für die künstlerischen Menschen innerhalb ber nationalsozialistischen Gemeinschaft, ein beglücfenbes unb beraujcfjenbes Gefühl, baß gerabe unser Führer Abolf Hitler auch seinem Wesen unb seiner inneren Einstellung nach ber größte lebenbe Künstler ist. (Stürmischer Beifall.) Ebenso ist es auch kein Zufall,
baß ber Präsibent ber Reichskulturkammer in allen künstlerischen Fragen vielleicht ber empsinbsamste Parteigenosse ist, ben wir überhaupt haben
Was unfern Gau Hessen-Nassau unb bas ganze sübwestbeutsche Kulturzentrum angeht, so barf ich sagen, baß wir nicht nur hier wirtschaftlich vor einem unerhörten Aufschwung stehen, sonbern baß wir auch dahin kommen werden, daß hier ein neues südwe st deutsches Kulturvolk entsteht. Entsprechend dem Willen des Gauleiters werde es in Zukunft eine besondere Aufgabe unb Freude sein, in diesem Gebiet alle Kräfte auf allen Gebieten unseres Kunstlebens zur Auswirkung kommen zu lassen. Er, der Redner, dürfe behaupten, daß es wenige Gebiete in Deutschland gebe, in denen ein Künstler in Zukunft einen so starken Resonanzboden finden werde wie gerade im Rhein-Main- Gebiet.
Anschließend nahm ber Präsibent ber Reichsmusikkammer
Professor Dr. Peter Raabe
das Wort zu einem Vortrag über „D i e Aufgaben ber Reichsmusikkamme r", ber wieberholt spontane Zustimmung fand. Der Gestaltungswille ber Reichsrnusikkarnrner gehe in bret Richtungen: nach ber kulturellen, ber wirtschaftlichen unb ber rechtlichen. Die Reichsrnusikkarnrner diene in erster Linie der Allgemeinheit. Der Aufstieg des einzelnen Musikers werde durch die Reichsmusikkammer in keiner Weise gehindert. Der Redner ging dann auf einzelne Spezialgebiete ein, wie die Erziehung des Nachwuchses, der Pflege ber Hausmusik unb Schulmusik, ber Ausbilbung ber Militär- unb Kirchenmusiker. In ber Musik müsse jeder nach seiner Persönlichkeit gebildet werden, denn im Künstlerischen sei ber einzelne alles, bie Masse nichts, ba ber einzelne hier bas schöpferische Element verkörpere. Professor Raabe forberte bie Zusammenarbeit aller Musikschaffenden unb erklärte, niemals in ber ganzen Geschichte sei es einem Volk so schwer gemacht worben, sich aus seinem innersten Wesen zur Geltung zu bringen, wie es uns heute im Dritten Reich von aller Welt gemacht werbe. Aber barum gelte es, nichts von bem, was bei uns leuchtet, unter ben Scheffel zu stellen. So müßten Volk unb Regierung, Künstler unb Laien zusammenstehen, um ber beutschen Musik ben strahlenben Glanz zu geben, ber unser Reich so herrlich bescheine. In alle Welt gehen müsse, was wir ih unserer Wesenheit sind. (Minutenlanger Beifall.) Landesleiter F i ch t m ü l l e r - Darmstadt beendete seine Schlußansprache mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer, den Freund und Förderer ber beutschen Kunst, worauf bie Kunbgebung mit ben beutschen Hymnen ihr Enbe fand.
Am Abend fand unter Leitung von Professor Raabe im Lanbestheater ein Sinfoniekonzert statt, in bem Werke von Weber, Reger unb Beethoven zum Vortrag kamen. Der Ertrag des Konzerts fließt ber Winterhilfe zu.


