len scheinen, wenn das innere Verhältnis der angrenzenden Völker zu ihren Lebensmöglichkeiten ein möglichst ungünstiges ist. Und zwar: je ungünstiger, um so triumphaler scheint ihnen der Erfolg ihrer weitschauenden Politik zu sein. Ich möchte, daß das deutsche Volk an dieser Unvernunft lernt und selbst nicht in ähnliche Fehler verfällt. Ich möchte, daß die deutsche Nation lernt, in Völkern geschichtliche Realitätenzu sehen, die der Phantast wohl weg- wünschen kann, die aber tatsächlich gar nicht weg- zudenken ist, daß es unvernünftig ist, geschichtliche Realitäten in einen Gegensatz bringen zu wollen, zu den Erfordernissen ihrer möglichen Lebensbehauptungen und zu ihren verständlichen Lebens- ansprüchen. Ich möchte daher, daß das deutsche Volk die inneren Beweggründe der nationalsozialistischen Außenpolitik versteht, die es z B. auch als sehr schmerzlich empfindet, daß der Zugang eines 33 Millio nen Volkes zum Meer über e i n st i g e s Reichsgebiet führt, die es aber als unvernünftig, weil unmog- lich. erkennt, einem so großen Staat den Zugang zum Meer einfach abschneiden zu wollen.
Es kann nicht der Sinn und der Zweck einer überlegenen Außenpolitik sein, Zustände herbei- zuführen, die dann zwangsläufig sofort nach ihrer Veränderung schreien würden. Es ist wohl möglich, daß, besonders unter Berufung
Sie europäische Völkerfamilie.
gemein schäft verschiedener Rechtsordnung und Rechtswertung aufrechterhalten zu können. Jeder solcher Versuch führt zu einer Aufladung der Willensenergien bei den von dem Unrecht betroffenen und damit natürlich wieder zu einer Ausladung der Angstpsychose bei den Schuldigen. Ich halte aber eine solche Entwicklung nicht nur für nicht vernünftig, sondern im Gegenteil für sinnlos und außerdem für sehr ye- fährlich. Ich halte sie für besonders kritisch, wenn dazu noch eine geistige Verhetzung stattfindet, die, ausgehend von kurzsichtiaen Literaten und international bekannten Unruhestiftern, hinter dieser Unvernunft auch noch die Leidenschaft aufaepeitschter und verwirrter Volksmassen mobilisiert. Wenn ich diese Befürchtungen ausspreche, dann drücke ich nur das aus, was Millionen Menschen ahnen, fühlen oder erleben, ohne sich vielleicht über die tieferen Ursachen Rechenschaft ablegen zu können. Ich habe aber ein Recht dazu, vor Ihnen, meine Herren Abgeordneten des Reichstages, diese meine Auffassungen klarzulegen, weil sie zugleich die Erklärung sind für unser eigenes politisches Erleben, für unsere Arbeit im Innern des Volkes, aber auch für unsere Stellungnahme nach außen.
Wenn die übrige Welt oft von einer „deutschen Frage" spricht, dann wird es zweckmäßig sein, sich zugleich eine objektive Klarheit über das Wesen dieser Frage zu verschaffen. Für gar manche besteht diese „Frage" im deutschen Regime, in dem gar nicht begriffenen Unterschied des deutschen Regimes gegenüber dem anderen Regime, in der als bedrohend empfundenen sog. „Aufrüstung" und in all dem, was man in der Folge dieser Aufrüstung als Fata Morgana zu sehen vermeint. Diese Frage besteht für viele in der behaupteten Kriegs- lüft des deutschen Volkes, in den schlummernden Angriffsabsichten oder in der höllischen Ge- schicklichkeit der Ueberlistung feiner Gegner.
Dies aber scheint mir unbedingt erforderlich zu sein, wenn man in der Zukunft bessere und befriedigendere Resultate erreichen will als letzt. Und dies gilt besonders für Europa. Die europäischen Völker stellen nun einmal e i n e F a m 11. t e auf dieser Welt dar. Ost streitsüchtig, aber trotz alledem miteinander verwandt, verschwistert und verschwägert, geistig und kulturell sowohl als wiN- schafmch voneinander nicht zu trennen, ja nicht einmal auseinander zu denken. Jeder Versuch, die europäischen Probleme anders als nach den Gesetzen einer kühlen und überlegenen Vernunft zu fehen und zu behandeln, führt zu Reaktionen, die für alle unangenehm sein werden. Wir leben tn einer Zeit des inneren sozialen und gesellschaftlichen Ausgleiches der Völker. Der Staatsmann, der den Sinn dieser Zeit nicht erkennt, und in dieser Richtung nicht ausgleichend in seinem Volke die Spannungen zu mildern und wenn möglich zu beseitigen versucht, wird eines Tages den Explosionen erliegen, die dann zwangsläufig entweder den Ausgleich herbeiführen werden oder, was noch wahrscheinlicher ist, zunächst ein chaotisches Trümmerfeld zurücklassen. Es ist weise von einer Staatsführung, der turbulenten Unvernunft die Zügel anzulegen, allem dann aber auch dem ersichtlichen Drange der Zeit zu gehorchen und überlegen zu jenem sozialen Ausgleich hmzusteuern, der das eine Extrem abbaut, ohne deshalb dem anderen Extrem zu erliegen. Es läßt sich heute für Europa die Pro- phezeiung aussprechen, daß dort, wo dieser Prozeß nicht in so überlegener Weise geleitet wird, die Spannungen zunehmen werden, um endlich dem geistigen Zuge dieser Zeit gehorchend, v o n s e l b st zum Ausgleich zu drängen.
Es gehört aber auch zur Weisheit des Aufbaues und der Erhaltung einer Völkerfamilie, wie diese in Europa gegeben ist, diese innerstaatlichen Gesetze auch überstaatlich anzuwenden. Es ist wenig klug, sich einzubilden, auf die Dauer in einem so beschränkten Hause wie Europa eine Völker-
Was ist in Wahrheit die „deutsche Frage"?
rung des Dranges zur Lebensbe- haupkung. And daß satte Völker vernünftiger sind als hungrige und daß nicht nur die eigenen Regierungen inkereffiert sein sollen an einer ausreichenden Ernährung ihrer Bürger, sondern ebenso auch die umliegenden Staaten und Volker. And daß daher die Ermöglichung einer solchen Lebensbehauptung im höchsten Sinne des Wortes im Interesse aller liegt.
Es ist dem Fortschritt vorbehalten, die gegenteilige Auffassung zu finden und selbst als Kriegsgrund zu proklamieren, nämlich die Meinung, daß e i n Teil oer europäischen Völkerfamilie umso besser
fahren würde, fe schlechter es den am deren ginge. Das deutsche Volk braucht kem- besonderen Bechilfen zu seiner Lebeizsbehauptuna. Es will nur keine schlechteren Chancen besitzen, als sie auch anderen Völkern gegeben sind. Dies aber ist die eine deutsche Frage.
Und die zweite deutsche Frage ist folgender' Weil infolge der außerordentlich unglücklichen all- gemeinen Verhältnisse und Voraussetzungen der wirtschaftliche Lebenskampf des deut- schenVolkessehrschwer ist, die Intelligenz, der Fleiß und damit der natürliche Lebensstandard aber sehr hoch sind, ist eine außerordentliche Anspannung aller Kräfte notwendig, um diese erste deutsche Frage zu meistern.
Das deutsche Volk verträgt es nicht, entrechtet und mißhandelt zu werden.
Das moralische Urteil von Versailles kann nicht verewigt werden.
aus bie „Mach!", Politiker solche vergewalli- gungen natürlicher Lebensinteressen vornehmen können, allein je mehr und je häufiger und in je schwereren Fällen dies geschieht, um so größer wird der Druck nach einer Entladung dec aufgespeichertea und vergewalttgten Kräfte und Energien fein. Dies führt dann zur Häufung immer neuer Mittet zur Abwehr und steigert damit wieder zwangsläufig den Gegendruck der zusammengepreßt werden sollenden Lebenenergien des betroffenen Volkes und dann liegt die Welt in angstvoller Unruhe und Ahnung drohender Explosionen und will nicht erkennen, daß in Wirklichkeit nur bie Unvernunft seiner sog. Staatsmänner an diesen bedrohlichen Entwicklungen schuld ist. wieviel Sorgen würden der Menschheit und besonders den europäischen Völkern erspart geblieben sein, wenn man n a - türliche und selbstverständliche Lebensbedingungen respektiert und bei der politischen Gestaltung des europäischen Lebensraumes sowohl als auch bei der wirt- schafttichen Zusammenarbeit berücksichtigt haben würde.
Nein, meine Herren Politikaster! Die deutsche Frage besteht in etwas ganz anderem. Hier leben auf einem sehr begrenzten und nicht überall fruchtbaren Boden 67 Millionen Menschen. Das sind rund 136 auf einem Quadratkilometer. Diese Menschen sind nicht weniger fleißig als die anderer europäischer Völker, ab er aud) nichtwenigeranspruchsvoll. Sie sind nicht weniger intelligent, aber auch nicht weniger lebenswillig. Sie haben genau so wenig Sehnsucht, sich für eine Phantastik um jeden Preis heroisch totschießen zu lassen, als etwa der Franzose oder der Engländer. Sie sind aber auch nicht feiger und nicht, auf keinen Fall sind sie etwa ehrloser als die Angehörigen anderer europäischer Völker. Sie sind einst in einen Krieg hineingerissen worden, an den sie so wenig glaubten wie andere Europäer und für den sie auch genau so wenig verantwortlich waren. Der heutige junge Deutsche von 25 Jahren war zur Zeit der Vorgeschichte und
des Beginnes des Krieges gerade ein Jahr alt, also wohl kaum verantwortlich zu machen für diese Völkerkatastrophe. Ja selbst der jüngste Deutsche, der dafür verantwortlich hätte sein können, war bei der damaligen Festsetzung des deutschen Wahlalters 25 Jahre alt. Er zählt somit heute zumindest 50 Jahre; d. h., die überwältigende Mehrzahl der Männer des deutschen Volkes hat den Krieg einfach zwangsläufig mitgemacht, wie die Masse der Ueberlebenden des französischen ober englischen Volkes auch. Wenn sie anständig waren, dann haben ie damals genau so ihre Pflicht erfüllt, sofern sie chon das Älter dazu besaßen, wie dies jeder anständige Franzose und Engländer tat. Wenn sie unanständig waren, haben sie dies unterlassen und vielleicht verdient oder für die Revolution gearbeitet. Diese sind aber heute gar nicht mehr in unseren Reihen, sondern sie leben zum größten Teil als Emigranten bei irgendwelchen internationalen Gastgebern.
Ls kann dies aber überhaupt nur dann gelingen, wenn dieses Volk auch nach außen hin das Gefühl der politischen Gleichberechtigung und damit der politischen Sicherheit besitzt. Es ist uti- möglich, ein Volk von Ehrgefühl und von Tapferkeit in der Wett auf die Dauer als Heloten halten zu können. Ls gibt keine bessere Bestätigung für die angeborene Friedensliebe des deutschen Volkes als die Tatsache, daß es sich trotz seiner Fähigkeit und trotz seiner Tapferkeit, die wohl auch von den Gegnern nicht bestritten werden können, sowie trotz seiner großen Volkszahl nur einen fo bescheidenen Anteil an Lebensraum und an den Lebensgütern der Welt gesichert hat. Allein gerade diese immer mehr nach innen gewandte Art des deutschen Wesens verträgt es nicht, in unwürdiger Weise entrechtet oder mißhandelt zu werden. Indem der unselige Friedensverlrag von Versailles die geschichtlich geradezu einzige Verewigung eines Kriegsausganges nach der moralischen Seile hin festlegen wollte, hat er jene deutsche Frage geschaffen, die ungelöst eine kritische Belastung Europas und gelöst eine Befreiung Europas darsiellt. Und ich habe mir nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages im Jahre 1919 vorgenommen, diefe Frage einmal zu löfen. Richt, weil ich Frankreich oder irgendeinem anderen Staat etwas zuleide tun will, sondern weil das deutsche Volk auf die Dauer das ihm zugefügte Leid nicht tragen kann, nicht tragen will und nicht tragen foll!
Im Jahre 1932 stand Deutschland am Rande desbolschewistischenZusammenbruchs. Was dieses Chaos in einem so großen Staat für Europa bedeutet haben würde, werden ja vielleicht einzelne europäische Staatsmänner in der Zukunft an anderen Orten noch Gelegenheit haben zu studieren. Ich habe aber jedenfalls die lieber- Windung dieser äußerlich gerade wirtschaftlich am ichtbarsten in Erscheinung tretenden Krise des deut- chen Volkes nur erreicht, durch die Mobilisie- •ung der allgemeinen sittlichen und moralischen Werte der deutschen Nation. Der Mann, der Deutschland vom Bolschewismus retten wollte, der mußte die Frage verdeutschen Gleichberechtigung zur Entscheidung und damit zu Lösung bringen. Nicht, um anderen
Sie, meine Abgeordneten, Männer des Reichstages, kennen den schweren Weg, den ich gehen mußte seit jenem 30. Januar 1933, um das deutsche Volk aus seiner unwürdigen Stellung zu erlösen, um ihm Schritt für Schritt die Gleichberechtigung zu sichern, ohne es dabei aus der politischen und wirtschaftlichen Gemeinschaft der europäischen Na- tionen zu entfernen und besonders ohne aus der Abwicklung der Folgen einer alten Feindschaft wieder eine neue zu erzeugen.
Ich werde einmal von der Geschichte die Bestätigung beanspruchen können, daß ich i n k e i- ner Stunde meines Handelns für das deutsche Volk die pflichten vergessen habe, die ich und die wir alle der Aufrechterhaltung der europäischen Kultur und Zivilisation gegenüber zu fragen schuldig sind. Es ist aber eine Voraussetzung für den Bestand dieses
Völkern ein Leid zuzufügen, sondern im Gegenteil um ihnen durch die Verhinderung des Hereinbre- chens eines im letzten Ausmaße für Europa gar nicht vorstellbaren Ruins, vielleicht sogar noch ein großes Leid zu ersparen. Denn die Wiedergewinnung der deutschen Gleichberechtigung hat dem französischen Volk nichts Schmerzliches zu- aefügt. Allein der rote Aufruhr und der Zusammenbruch des Deutschen Reiches hätten der europäischen Ordnung und der europäischen Wirtschaft einen Schlag versetzt, von dessen Folgen die meisten europäischen Staatsmänner leider keine richttge Vorstellung besitzen. Dieser Kampf um die deutsche Gleichberechtigung, den ich nun drei Jahre lang führte, ist nicht die Aufrichtung einer europäischen Frage sondern ihre Lösung.
Es ist ein wahrhaft tragisches Unglück, daß gerade durch den Versailler Friedensverlrag ein Zustand geschaffen wurde, an dessen Beibehaltung das französische Volk glaubte besonders interessiert zu sein. So wenig reale Vorteile dieser Zustand für den einzelnen Franzosen in sich bergen konnte, so groß war die unreale Verklammerung, die zwischen der Versailler Diskriminierung des deutschen Volkes und den französischen Interessen zu bestehen schien.
Vielleicht war es auch die Schuld der charakterlichen Schwäche der deutschen Nachkriegsjahre und unserer Regierungen, insbesondere aber unserer Parteien, daß dem französischen Volk und den ernfteh französischen Staatsmännern die Unrichtigkeit dieser Auffassung nicht genügend zum Bewußtsein gebracht werden konnte. Denn je schlechter die einzelnen Regierungen der vor uns liegenden Zeit waren, umso mehr hatten sie das nationale Erwachen des deutschen Volkes selbst zu scheuen. Um so größer daher auch die Angst vor jeder nationalen Selbstbe- finnnung und damit umso unverstandener ihre Haltung gegenüber der allgemeinen internationalen Diskriminierung des deutschen Volkes. Ja sie benötigten geradezu diese schändliche Fesselung, um ihr trauriges eigenes Regime auf diese Weise zu stützen. Wohin dieses Regime Deutschland geführt hat, zeigte eindringlich der drohende Zusammenbruch.
Nun war es natürlich schwer, die Wiederherstellung der deutschen Gleichberechtigung gegenüber einer so eingewurzelten Gewöhnung unserer Nachbarn an die Nichtgleichberechtigung, als für diese nicht nur schädlich, sondern im Gegenteil im letzten Grunde sogar, als international nützlich nachzuweisen.
am Ende gerade in der Vielgestaltigkeit seiner Kulturen so eigenartigen Kontinents, daß er nicht denkbar ist, ohne das Vorhandensein freier und unabhängiger Rational st aaten.
Es mag jedes europäisches Volk überzeugt sein, daß es den größten Beitrag zu unserer abendländischen Kultur gestiftet hat. Im ganzen aber wollen mir uns nichts wegwünschen von dem, was die einzelnen Völker gegeben haben, und wollen daher auch nicht streiten über das Gewicht ihrer einzelnen Beiträge, sondern müssen nur erkennen, daß aus der Rivalität der europäischen Einzelleistungen ohne Zweifel die Spitzenleistungen stammen auf den verschiedensten Gebieten der menschlichen Kultur. So sehr wir daher berett sind, in dieser europäischen Kulturwelt mitzuarbeiten als freies und gleichberechtigtes Glied, so hartnäckig und eigensinnig möchten wir aber das bleiben was wir find.
Welchen Sorten M die übrige Well von der sinnlosen Erschwerung des deutschen Lebenskampfes?
Deutschland kennt seine europäische Verpflichtung.
Dieses deutsche Volk hat genau so viel Vorzüge als andere Völker und natürlich auch genau so viele Rachteile und Gebrechen. Die deutsche Frage lag nun darin, daß dieses Volk z. B. noch im Jahre 1935 für eine Schuld, die es nie begangen hat, eine Minderberechti- gung tragen fall, die für ein ehrliebendes Volk unerträglich, für ein fleißiges Volk leidvo11, und für ein intelligentes Volk empörend ist. Die deutsche Frage besteht weiter darin, daß man durch ein System unvernünftiger Handlungen, Maßnahmen, haßerfüllter Verhetzungen sich bemüht, den an sich schon sehr schweren Kampf um die Lebensbehauptung noch mehr zu erschweren. Und nicht nur künstlich, sondern widernatürlich und unsinnig zu erschweren. Denn es hat von dieser Erschwerung der deutschen Lebenshaltung die übrige Wett nicht den gering ff en Vorteil.
Auf den deutschen Menschen trifft pro Kopf der Bevölkerung 18mal weniger Grund als z. B. auf einen Russen. Es ist verständlich, wie schwer allein dadurch der Lebenskampf um das tägliche Brot sein muß und es auch ist. Ohne die Tüchtigkeit und den Fleiß des deutschen Bauern und die organi- satonsche Fähigkeit des deutschen Volkes wäre eine Lebensführung für diese 67 Millionen kaum denkbar. Was aber soll man nun von der geistigen Einfalt jener halten, die diese Schwierigkeiten vielleicht sogar erkennen und sich dennoch künsllich in Presse- artifeln, Publikationen und Vorträgen und über unser Elend freuen, ja geradezu triumphierend jedem Anzeichen dieser unserer inneren Not nachsehen, um
sie der anderen Welt mitteilen zu können. Sie wür- )en anscheinend glücklich sein, wenn diese Not bei uns noch viel größer wäre, wenn es uns nicht gelänge, durch Fleiß und Intelligenz sie immer wieder erträglich zu machen. Sie haben keine Ahnung davon, daß die deutsche Frage ein ganz anderes Gesicht bekommen würde, wenn erst einmal die Fähigkeit und der Fleiß dieser Millionen erlahmen und damit nicht nur das Elend, sondern auch die politische Unvernunft ihren Einzug halten würden. Und dies ist eine der deutschen Fragen, und die Welt kann nur interessiert sein daran, daß diese Frage der Sicherung der deutschen Lebenshaltung von Jahr zu Jahr erfolgreich gelöst werden kann, genau so wie ich wünsche, daß auch das deutsche Volk die in seinem eigensten Interesse liegende glückliche Lösung dieser Lebensfragen bei anderen Völkern begreift und würdigt.
Die Meisterung dieser Frage in Deutschland ist aber zunächst eine Angelegenheit des deutschen Volkes selbst und brauchte die übrige Welt überhaupt nicht zu interessieren. Sie berührt die Interessen anderer Völker nur in sofern, als das deutsche Volk bei der Lösung dieser Frage gezwungen ist, wirtschaftlich als Käufer und Verkäufer auch mit den anderen Völkern Verbindungen aufzunehmen.
Und hier würde es wieder nur im Interesse dieser anderen Wett liegen, diese Frage zu verstehen, d. h. zu begreifen, daß der Schrei nach Brot bei einem 40-, 50- oder 60-IHU- lionen volk nicht eine ausgekochte Boshaftigkeit des Regimes oder bestimmter Regierungen ist, sondern eine natürliche Aeuher-
Die drücke jur Verständigung mit Frankreich.
Ich habe in diesen drei Jahren — leider nur zu oft vergeblich — immer wieder versucht, eine Brücke zur Verständigung zum fran- zösischen Volk zu schlagen. Je mehr wir uns aus der Bitternis des Weltkrieges und seiner Nach- jahre entfernen, um so mehr versinkt in den menschlichen Erinnerungen das Böse, und das Schönere des Lebens, der Erkenntnisse und Erfahrungen tritt in den Vordergrund. Was sich einst als erbitterter Gegner gegenüber stand, würd igt sich heute als tapferer Kämpfer eines vergangenen großen Ringens und sieht sich wieder als Träger und Forterhalter einer großen allgemein menschlichen Kultur.
Warum soll es dann nicht möglich fein, den zwecklosen jahrhundertelangen Streit, der keinem der beiden Völker einen endgültigen Entscheid gebracht hat, bringen konnte, und bringen wird, ab- zubrechen und durch die Rücksichtnahme einer höhe- ren Vernunft zu ersetzen? Das deutsche Volk ist nicht interessiert daran, daß das französische leide und umgekehrt: wo läge der Vorteil für Frankreich darin, wenn Deutschland in Not verkommt? Welchen Nutzen hat der französische Bauer, wenn es dem deutschen schlecht geht oder umgekehrt? Oder welch ein Vorteil bietet sich für den französischen Arbeiter etwa aus der Not des deutschen? Welchen Segen konnte es aber für Deutschland bringen, für den deutschen Arbeiter, den deutschen Mittelstand und das deutsche Volk überhaupt, wenn Frankreich vom Unglück heimgesucht würde?
Ich habe versucht, die Fragen einer haßerfüll- I len Llassenkampffheorie Im Innern Deutsch
lands im Sinne einer höheren Vernunft zu 15- sen, und es ist mir dies gelungen. Darum soll es nicht möglich fein, das Problem der allgemeinen europäischen Volks- und Staatengegenfähe aus der Sphäre des Unvernünftigen, Leidenschaftlichen herauszuheben und unter das ruhige Licht einer höheren Einsicht zu stellen? Ich habe mir jedenfalls einst geschworen, ebenso zah und tapfer für die deutsche Gleichberechtigung zu kämpfen und diese so oder so durchzusehen. Die umgekehrt aber auch das Verantwortungsgefühl zu stärken für die Rotwendigkeit einer europäischen gegenseitigen Rücksichtnahme und Zusammenarbeit.
Wenn mir aber heute von feiten meiner internationalen Gegner aus vorgehalten wird, daß ich doch diese Zusammenarbeit mit Rußland ablehne, so muh ich demgegenüber folgendes erklären: Ich lehne und lehnte sie nicht ab mit Rußland, sondern mit dem auf die Herrschaft der Welt Anspruch erhebenden Bolschewismus. Ich bin Deutscher. Ich liebe mein Volk und hänge an ihm. Ich weiß, daß es nur dann glücklich fein kann, wenn ihm das Leben nach seinem Wesen und seiner Art möglich itt. Ich will nicht, daß über das deutsche Volk, das mcht nur meinen, sondern auch durch sein ganzes Leben hindurch immer herzlich lachen konnte, das Grauen der kommunistischen internattonalen Hahdiktatur gesenkt wird. Ich zittere für Europa bei dem
Gedanken, was aus unserem alten menschenübev>


