Ausgabe 
7.3.1936
 
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len scheinen, wenn das innere Verhältnis der an­grenzenden Völker zu ihren Lebensmöglichkeiten ein möglichst ungünstiges ist. Und zwar: je ungünstiger, um so triumphaler scheint ihnen der Erfolg ihrer weitschauenden Politik zu sein. Ich möchte, daß das deutsche Volk an dieser Unvernunft lernt und selbst nicht in ähnliche Fehler verfällt. Ich möchte, daß die deutsche Nation lernt, in Völkern geschichtliche Realitätenzu sehen, die der Phantast wohl weg- wünschen kann, die aber tatsächlich gar nicht weg- zudenken ist, daß es unvernünftig ist, geschichtliche Realitäten in einen Gegensatz bringen zu wollen, zu den Erfordernissen ihrer möglichen Lebens­behauptungen und zu ihren verständlichen Lebens- ansprüchen. Ich möchte daher, daß das deutsche Volk die inneren Beweggründe der national­sozialistischen Außenpolitik versteht, die es z B. auch als sehr schmerzlich empfindet, daß der Zu­gang eines 33 Millio nen Volkes zum Meer über e i n st i g e s Reichsgebiet führt, die es aber als unvernünftig, weil unmog- lich. erkennt, einem so großen Staat den Zugang zum Meer einfach abschneiden zu wollen.

Es kann nicht der Sinn und der Zweck einer überlegenen Außenpolitik sein, Zustände herbei- zuführen, die dann zwangsläufig sofort nach ihrer Veränderung schreien würden. Es ist wohl möglich, daß, besonders unter Berufung

Sie europäische Völkerfamilie.

gemein schäft verschiedener Rechtsord­nung und Rechtswertung aufrechterhalten zu können. Jeder solcher Versuch führt zu einer Aufladung der Willensenergien bei den von dem Unrecht betroffenen und damit natürlich wieder zu einer Ausladung der Angstpsychose bei den Schuldigen. Ich halte aber eine solche Entwicklung nicht nur für nicht vernünftig, sondern im Gegen­teil für sinnlos und außerdem für sehr ye- fährlich. Ich halte sie für besonders kritisch, wenn dazu noch eine geistige Verhetzung stattfindet, die, ausgehend von kurzsichtiaen Lite­raten und international bekannten Unruhestiftern, hinter dieser Unvernunft auch noch die Leiden­schaft aufaepeitschter und verwirrter Volksmassen mobilisiert. Wenn ich diese Be­fürchtungen ausspreche, dann drücke ich nur das aus, was Millionen Menschen ahnen, fühlen oder erleben, ohne sich vielleicht über die tieferen Ursachen Rechenschaft ablegen zu können. Ich habe aber ein Recht dazu, vor Ihnen, meine Herren Abgeordneten des Reichstages, diese meine Auffassungen klarzu­legen, weil sie zugleich die Erklärung sind für un­ser eigenes politisches Erleben, für unsere Arbeit im Innern des Volkes, aber auch für unsere Stel­lungnahme nach außen.

Wenn die übrige Welt oft von einerdeutschen Frage" spricht, dann wird es zweckmäßig sein, sich zugleich eine objektive Klarheit über das Wesen dieser Frage zu verschaffen. Für gar manche be­steht dieseFrage" im deutschen Regime, in dem gar nicht begriffenen Unterschied des deutschen Regimes gegenüber dem anderen Regime, in der als bedrohend empfundenen sog.Aufrüstung" und in all dem, was man in der Folge dieser Auf­rüstung als Fata Morgana zu sehen vermeint. Diese Frage besteht für viele in der behaupteten Kriegs- lüft des deutschen Volkes, in den schlummernden Angriffsabsichten oder in der höllischen Ge- schicklichkeit der Ueberlistung feiner Gegner.

Dies aber scheint mir unbedingt erforderlich zu sein, wenn man in der Zukunft bessere und be­friedigendere Resultate erreichen will als letzt. Und dies gilt besonders für Europa. Die euro­päischen Völker stellen nun einmal e i n e F a m 11. t e auf dieser Welt dar. Ost streitsüchtig, aber trotz alle­dem miteinander verwandt, verschwistert und ver­schwägert, geistig und kulturell sowohl als wiN- schafmch voneinander nicht zu trennen, ja nicht einmal auseinander zu denken. Jeder Versuch, die europäischen Probleme anders als nach den Gesetzen einer kühlen und überlegenen Vernunft zu fehen und zu behandeln, führt zu Reaktionen, die für alle unangenehm sein werden. Wir leben tn einer Zeit des inneren sozialen und gesellschaftlichen Aus­gleiches der Völker. Der Staatsmann, der den Sinn dieser Zeit nicht erkennt, und in dieser Richtung nicht ausgleichend in seinem Volke die Spannungen zu mildern und wenn möglich zu beseitigen versucht, wird eines Tages den Explosionen erliegen, die dann zwangsläufig entweder den Ausgleich herbei­führen werden oder, was noch wahrscheinlicher ist, zunächst ein chaotisches Trümmerfeld zu­rücklassen. Es ist weise von einer Staatsführung, der turbulenten Unvernunft die Zügel anzulegen, allem dann aber auch dem ersichtlichen Drange der Zeit zu gehorchen und überlegen zu jenem sozialen Ausgleich hmzusteuern, der das eine Extrem abbaut, ohne deshalb dem anderen Extrem zu erliegen. Es läßt sich heute für Europa die Pro- phezeiung aussprechen, daß dort, wo dieser Prozeß nicht in so überlegener Weise geleitet wird, die Span­nungen zunehmen werden, um endlich dem geistigen Zuge dieser Zeit gehorchend, v o n s e l b st zum Aus­gleich zu drängen.

Es gehört aber auch zur Weisheit des Aufbaues und der Erhaltung einer Völkerfamilie, wie diese in Europa gegeben ist, diese innerstaatlichen Gesetze auch überstaatlich anzuwenden. Es ist wenig klug, sich einzubilden, auf die Dauer in einem so beschränkten Hause wie Europa eine Völker-

Was ist in Wahrheit diedeutsche Frage"?

rung des Dranges zur Lebensbe- haupkung. And daß satte Völker vernünf­tiger sind als hungrige und daß nicht nur die eigenen Regierungen inkereffiert sein sollen an einer ausreichenden Ernährung ihrer Bürger, sondern ebenso auch die umliegenden Staaten und Volker. And daß daher die Ermöglichung einer solchen Lebensbehauptung im höchsten Sinne des Wortes im Interesse aller liegt.

Es ist dem Fortschritt vorbehalten, die gegenteilige Auffassung zu finden und selbst als Kriegsgrund zu proklamieren, nämlich die Meinung, daß e i n Teil oer europäischen Völkerfamilie umso besser

fahren würde, fe schlechter es den am deren ginge. Das deutsche Volk braucht kem- besonderen Bechilfen zu seiner Lebeizsbehauptuna. Es will nur keine schlechteren Chancen besitzen, als sie auch anderen Völkern gegeben sind. Dies aber ist die eine deutsche Frage.

Und die zweite deutsche Frage ist folgender' Weil infolge der außerordentlich unglücklichen all- gemeinen Verhältnisse und Voraussetzungen der wirtschaftliche Lebenskampf des deut- schenVolkessehrschwer ist, die Intelligenz, der Fleiß und damit der natürliche Lebens­standard aber sehr hoch sind, ist eine außer­ordentliche Anspannung aller Kräfte notwendig, um diese erste deutsche Frage zu meistern.

Das deutsche Volk verträgt es nicht, entrechtet und mißhandelt zu werden.

Das moralische Urteil von Versailles kann nicht verewigt werden.

aus bieMach!", Politiker solche vergewalli- gungen natürlicher Lebensinteressen vornehmen können, allein je mehr und je häufiger und in je schwereren Fällen dies geschieht, um so grö­ßer wird der Druck nach einer Entla­dung dec aufgespeichertea und vergewalttgten Kräfte und Energien fein. Dies führt dann zur Häufung immer neuer Mittet zur Abwehr und steigert damit wieder zwangsläufig den Gegen­druck der zusammengepreßt werden sollenden Lebenenergien des betroffenen Volkes und dann liegt die Welt in angstvoller Unruhe und Ah­nung drohender Explosionen und will nicht er­kennen, daß in Wirklichkeit nur bie Unvernunft seiner sog. Staats­männer an diesen bedrohlichen Entwicklun­gen schuld ist. wieviel Sorgen würden der Menschheit und besonders den europäischen Völkern erspart geblieben sein, wenn man n a - türliche und selbstverständliche Le­bensbedingungen respektiert und bei der politischen Gestaltung des europäischen Lebensraumes sowohl als auch bei der wirt- schafttichen Zusammenarbeit berücksichtigt haben würde.

Nein, meine Herren Politikaster! Die deutsche Frage besteht in etwas ganz anderem. Hier leben auf einem sehr begrenzten und nicht überall frucht­baren Boden 67 Millionen Menschen. Das sind rund 136 auf einem Quadratkilometer. Diese Menschen sind nicht weniger fleißig als die anderer euro­päischer Völker, ab er aud) nichtwenigeran­spruchsvoll. Sie sind nicht weniger intelligent, aber auch nicht weniger lebenswillig. Sie haben genau so wenig Sehnsucht, sich für eine Phantastik um jeden Preis heroisch totschießen zu lassen, als etwa der Franzose oder der Engländer. Sie sind aber auch nicht feiger und nicht, auf keinen Fall sind sie etwa ehrloser als die Angehörigen anderer europäischer Völker. Sie sind einst in einen Krieg hineingerissen worden, an den sie so wenig glaubten wie andere Europäer und für den sie auch genau so wenig verant­wortlich waren. Der heutige junge Deutsche von 25 Jahren war zur Zeit der Vorgeschichte und

des Beginnes des Krieges gerade ein Jahr alt, also wohl kaum verantwortlich zu machen für diese Völ­kerkatastrophe. Ja selbst der jüngste Deutsche, der dafür verantwortlich hätte sein können, war bei der damaligen Festsetzung des deutschen Wahl­alters 25 Jahre alt. Er zählt somit heute zumindest 50 Jahre; d. h., die überwältigende Mehrzahl der Männer des deutschen Volkes hat den Krieg einfach zwangsläufig mitgemacht, wie die Masse der Ueberlebenden des französischen ober englischen Vol­kes auch. Wenn sie anständig waren, dann haben ie damals genau so ihre Pflicht erfüllt, sofern sie chon das Älter dazu besaßen, wie dies jeder an­ständige Franzose und Engländer tat. Wenn sie un­anständig waren, haben sie dies unterlassen und vielleicht verdient oder für die Revolution gearbei­tet. Diese sind aber heute gar nicht mehr in unseren Reihen, sondern sie leben zum größten Teil als Emigranten bei irgendwelchen internationalen Gast­gebern.

Ls kann dies aber überhaupt nur dann gelin­gen, wenn dieses Volk auch nach außen hin das Gefühl der politischen Gleichberechtigung und damit der po­litischen Sicherheit besitzt. Es ist uti- möglich, ein Volk von Ehrgefühl und von Tapferkeit in der Wett auf die Dauer als He­loten halten zu können. Ls gibt keine bessere Bestätigung für die angeborene Friedensliebe des deutschen Volkes als die Tatsache, daß es sich trotz seiner Fähigkeit und trotz seiner Tapferkeit, die wohl auch von den Gegnern nicht bestritten werden können, sowie trotz seiner großen Volkszahl nur einen fo beschei­denen Anteil an Lebensraum und an den Lebensgütern der Welt ge­sichert hat. Allein gerade diese immer mehr nach innen gewandte Art des deutschen Wesens ver­trägt es nicht, in unwürdiger Weise entrechtet oder mißhandelt zu wer­den. Indem der unselige Friedensverlrag von Versailles die geschichtlich geradezu einzige Ver­ewigung eines Kriegsausganges nach der moralischen Seile hin festlegen wollte, hat er jene deutsche Frage geschaffen, die un­gelöst eine kritische Belastung Europas und ge­löst eine Befreiung Europas darsiellt. Und ich habe mir nach der Unterzeichnung des Friedens­vertrages im Jahre 1919 vorgenommen, diefe Frage einmal zu löfen. Richt, weil ich Frankreich oder irgendeinem anderen Staat etwas zuleide tun will, sondern weil das deutsche Volk auf die Dauer das ihm zugefügte Leid nicht tragen kann, nicht tragen will und nicht tragen foll!

Im Jahre 1932 stand Deutschland am Rande desbolschewistischenZusammenbruchs. Was dieses Chaos in einem so großen Staat für Europa bedeutet haben würde, werden ja vielleicht einzelne europäische Staatsmänner in der Zukunft an anderen Orten noch Gelegenheit haben zu studieren. Ich habe aber jedenfalls die lieber- Windung dieser äußerlich gerade wirtschaftlich am ichtbarsten in Erscheinung tretenden Krise des deut- chen Volkes nur erreicht, durch die Mobilisie- ung der allgemeinen sittlichen und moralischen Werte der deutschen Nation. Der Mann, der Deutschland vom Bolschewismus retten wollte, der mußte die Frage verdeut­schen Gleichberechtigung zur Entscheidung und damit zu Lösung bringen. Nicht, um anderen

Sie, meine Abgeordneten, Männer des Reichs­tages, kennen den schweren Weg, den ich gehen mußte seit jenem 30. Januar 1933, um das deutsche Volk aus seiner unwürdigen Stellung zu erlösen, um ihm Schritt für Schritt die Gleichberechtigung zu sichern, ohne es dabei aus der politischen und wirtschaftlichen Gemeinschaft der europäischen Na- tionen zu entfernen und besonders ohne aus der Abwicklung der Folgen einer alten Feindschaft wie­der eine neue zu erzeugen.

Ich werde einmal von der Geschichte die Be­stätigung beanspruchen können, daß ich i n k e i- ner Stunde meines Handelns für das deutsche Volk die pflichten ver­gessen habe, die ich und die wir alle der Aufrechterhaltung der europäi­schen Kultur und Zivilisation gegenüber zu fragen schuldig sind. Es ist aber eine Voraussetzung für den Bestand dieses

Völkern ein Leid zuzufügen, sondern im Gegenteil um ihnen durch die Verhinderung des Hereinbre- chens eines im letzten Ausmaße für Europa gar nicht vorstellbaren Ruins, vielleicht sogar noch ein großes Leid zu ersparen. Denn die Wiedergewinnung der deutschen Gleichberechtigung hat dem französischen Volk nichts Schmerzliches zu- aefügt. Allein der rote Aufruhr und der Zusammen­bruch des Deutschen Reiches hätten der europäischen Ordnung und der europäischen Wirtschaft einen Schlag versetzt, von dessen Folgen die meisten euro­päischen Staatsmänner leider keine richttge Vorstel­lung besitzen. Dieser Kampf um die deutsche Gleich­berechtigung, den ich nun drei Jahre lang führte, ist nicht die Aufrichtung einer europäischen Frage sondern ihre Lösung.

Es ist ein wahrhaft tragisches Unglück, daß gerade durch den Versailler Friedensverlrag ein Zustand geschaffen wurde, an dessen Bei­behaltung das französische Volk glaubte be­sonders interessiert zu sein. So wenig reale Vorteile dieser Zustand für den einzelnen Franzosen in sich bergen konnte, so groß war die unreale Verklammerung, die zwischen der Versailler Diskriminierung des deutschen Volkes und den französischen Interessen zu bestehen schien.

Vielleicht war es auch die Schuld der charakter­lichen Schwäche der deutschen Nachkriegsjahre und unserer Regierungen, insbesondere aber unserer Par­teien, daß dem französischen Volk und den ernfteh französischen Staatsmännern die Unrichtigkeit dieser Auffassung nicht genügend zum Bewußtsein ge­bracht werden konnte. Denn je schlechter die einzel­nen Regierungen der vor uns liegenden Zeit wa­ren, umso mehr hatten sie das nationale Erwachen des deutschen Volkes selbst zu scheuen. Um so größer daher auch die Angst vor jeder nationalen Selbstbe- finnnung und damit umso unverstandener ihre Haltung gegenüber der allgemeinen internationalen Diskriminierung des deutschen Volkes. Ja sie be­nötigten geradezu diese schändliche Fesselung, um ihr trauriges eigenes Regime auf diese Weise zu stützen. Wohin dieses Regime Deutschland geführt hat, zeigte eindringlich der drohende Zusammen­bruch.

Nun war es natürlich schwer, die Wiederherstel­lung der deutschen Gleichberechtigung gegenüber einer so eingewurzelten Gewöhnung unserer Nach­barn an die Nichtgleichberechtigung, als für diese nicht nur schädlich, sondern im Gegenteil im letzten Grunde sogar, als international nützlich nachzu­weisen.

am Ende gerade in der Vielgestaltigkeit seiner Kulturen so eigenartigen Kontinents, daß er nicht denkbar ist, ohne das Vorhan­densein freier und unabhängiger Rational st aaten.

Es mag jedes europäisches Volk überzeugt sein, daß es den größten Beitrag zu unserer abend­ländischen Kultur gestiftet hat. Im ganzen aber wollen mir uns nichts wegwünschen von dem, was die einzelnen Völker gegeben haben, und wol­len daher auch nicht streiten über das Gewicht ihrer einzelnen Beiträge, sondern müssen nur erkennen, daß aus der Rivalität der europäischen Einzel­leistungen ohne Zweifel die Spitzenleistungen stam­men auf den verschiedensten Gebieten der mensch­lichen Kultur. So sehr wir daher berett sind, in die­ser europäischen Kulturwelt mitzuarbeiten als freies und gleichberechtigtes Glied, so hartnäckig und eigen­sinnig möchten wir aber das bleiben was wir find.

Welchen Sorten M die übrige Well von der sinn­losen Erschwerung des deutschen Lebenskampfes?

Deutschland kennt seine europäische Verpflichtung.

Dieses deutsche Volk hat genau so viel Vorzüge als andere Völker und natürlich auch genau so viele Rachteile und Gebrechen. Die deutsche Frage lag nun darin, daß dieses Volk z. B. noch im Jahre 1935 für eine Schuld, die es nie begangen hat, eine Minderberechti- gung tragen fall, die für ein ehrliebendes Volk unerträglich, für ein fleißiges Volk leidvo11, und für ein intelligentes Volk empörend ist. Die deutsche Frage besteht weiter darin, daß man durch ein System un­vernünftiger Handlungen, Maßnahmen, haß­erfüllter Verhetzungen sich bemüht, den an sich schon sehr schweren Kampf um die Lebensbe­hauptung noch mehr zu erschweren. Und nicht nur künstlich, sondern widerna­türlich und unsinnig zu erschweren. Denn es hat von dieser Erschwerung der deut­schen Lebenshaltung die übrige Wett nicht den gering ff en Vorteil.

Auf den deutschen Menschen trifft pro Kopf der Bevölkerung 18mal weniger Grund als z. B. auf einen Russen. Es ist verständlich, wie schwer allein dadurch der Lebenskampf um das tägliche Brot sein muß und es auch ist. Ohne die Tüchtigkeit und den Fleiß des deutschen Bauern und die organi- satonsche Fähigkeit des deutschen Volkes wäre eine Lebensführung für diese 67 Millionen kaum denk­bar. Was aber soll man nun von der geistigen Ein­falt jener halten, die diese Schwierigkeiten vielleicht sogar erkennen und sich dennoch künsllich in Presse- artifeln, Publikationen und Vorträgen und über unser Elend freuen, ja geradezu triumphierend jedem Anzeichen dieser unserer inneren Not nachsehen, um

sie der anderen Welt mitteilen zu können. Sie wür- )en anscheinend glücklich sein, wenn diese Not bei uns noch viel größer wäre, wenn es uns nicht gelänge, durch Fleiß und Intelligenz sie immer wieder erträg­lich zu machen. Sie haben keine Ahnung davon, daß die deutsche Frage ein ganz anderes Ge­sicht bekommen würde, wenn erst einmal die Fähigkeit und der Fleiß dieser Millionen erlahmen und damit nicht nur das Elend, sondern auch die politische Unvernunft ihren Einzug halten würden. Und dies ist eine der deutschen Fragen, und die Welt kann nur interessiert sein daran, daß diese Frage der Sicherung der deutschen Lebenshaltung von Jahr zu Jahr erfolgreich gelöst werden kann, genau so wie ich wünsche, daß auch das deutsche Volk die in seinem eigensten Interesse liegende glückliche Lösung dieser Lebens­fragen bei anderen Völkern begreift und würdigt.

Die Meisterung dieser Frage in Deutschland ist aber zunächst eine Angelegenheit des deutschen Volkes selbst und brauchte die übrige Welt überhaupt nicht zu interessieren. Sie berührt die Interessen anderer Völker nur in sofern, als das deutsche Volk bei der Lösung dieser Frage gezwungen ist, wirtschaftlich als Käufer und Verkäufer auch mit den anderen Völkern Verbindungen aufzunehmen.

Und hier würde es wieder nur im Interesse dieser anderen Wett liegen, diese Frage zu ver­stehen, d. h. zu begreifen, daß der Schrei nach Brot bei einem 40-, 50- oder 60-IHU- lionen volk nicht eine ausgekochte Boshaftig­keit des Regimes oder bestimmter Regierungen ist, sondern eine natürliche Aeuher-

Die drücke jur Verständigung mit Frankreich.

Ich habe in diesen drei Jahren leider nur zu oft vergeblich immer wieder versucht, eine Brücke zur Verständigung zum fran- zösischen Volk zu schlagen. Je mehr wir uns aus der Bitternis des Weltkrieges und seiner Nach- jahre entfernen, um so mehr versinkt in den mensch­lichen Erinnerungen das Böse, und das Schönere des Lebens, der Erkenntnisse und Erfahrungen tritt in den Vordergrund. Was sich einst als erbitterter Gegner gegenüber stand, würd igt sich heute als tapferer Kämpfer eines vergangenen großen Ringens und sieht sich wieder als Träger und Forterhalter einer großen allgemein mensch­lichen Kultur.

Warum soll es dann nicht möglich fein, den zwecklosen jahrhundertelangen Streit, der keinem der beiden Völker einen endgültigen Entscheid ge­bracht hat, bringen konnte, und bringen wird, ab- zubrechen und durch die Rücksichtnahme einer höhe- ren Vernunft zu ersetzen? Das deutsche Volk ist nicht interessiert daran, daß das französische leide und umgekehrt: wo läge der Vorteil für Frankreich darin, wenn Deutschland in Not verkommt? Welchen Nutzen hat der französische Bauer, wenn es dem deutschen schlecht geht oder umgekehrt? Oder welch ein Vorteil bietet sich für den französischen Arbeiter etwa aus der Not des deutschen? Welchen Segen konnte es aber für Deutschland bringen, für den deutschen Arbeiter, den deutschen Mittelstand und das deutsche Volk überhaupt, wenn Frankreich vom Unglück heimgesucht würde?

Ich habe versucht, die Fragen einer haßerfüll- I len Llassenkampffheorie Im Innern Deutsch­

lands im Sinne einer höheren Vernunft zu 15- sen, und es ist mir dies gelungen. Darum soll es nicht möglich fein, das Problem der allgemeinen europäischen Volks- und Staatengegenfähe aus der Sphäre des Unvernünftigen, Leidenschaftlichen herauszu­heben und unter das ruhige Licht einer höhe­ren Einsicht zu stellen? Ich habe mir jedenfalls einst geschworen, ebenso zah und tapfer für die deutsche Gleichberechtigung zu kämpfen und diese so oder so durchzusehen. Die umgekehrt aber auch das Verantwortungsgefühl zu stärken für die Rotwendigkeit einer europäischen gegen­seitigen Rücksichtnahme und Zusammenarbeit.

Wenn mir aber heute von feiten meiner inter­nationalen Gegner aus vorgehalten wird, daß ich doch diese Zusammenarbeit mit Ruß­land ablehne, so muh ich demgegenüber fol­gendes erklären: Ich lehne und lehnte sie nicht ab mit Rußland, sondern mit dem auf die Herrschaft der Welt Anspruch erhebenden Bol­schewismus. Ich bin Deutscher. Ich liebe mein Volk und hänge an ihm. Ich weiß, daß es nur dann glücklich fein kann, wenn ihm das Leben nach seinem Wesen und seiner Art möglich itt. Ich will nicht, daß über das deutsche Volk, das mcht nur meinen, sondern auch durch sein ganzes Leben hindurch immer herzlich lachen konnte, das Grauen der kommunistischen internattonalen Hahdiktatur ge­senkt wird. Ich zittere für Europa bei dem

Gedanken, was aus unserem alten menschenübev>