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Spielgruppen ebenfalls in das Spalier eingereiht, wo unserer hessen-nassauischen Gruppe das Glück beschieden war, im Spalier gegenüber dem Stufen- aufgang zu stehen, von wo aus der Führer den Mittelweg betrat.

Sie hatte die große Freude, den Führer, der sich besonders lange bei den Trachtengruppen aufhielt und vielen die Hand reichte, zweimal begrüßen zu können, und zwar einmal auf seinem Wege nach der oberen, dann auf feinem Gang nach der unteren Tribüne.

Unvergeßlich wird allen Trachtenträgern der lang­ersehnte Augenblick bleiben, in dem sie dem Führer in die Augen schauen, oder sogar von ihm einen Händedruck erhalten konnten. Strahlende Freude leuchtete aus allen Gesichtern der Volksgenossen, als der Führer mitten unter ihnen weilte.

Hochbefriedigt von dem großen und unvergeß­lichen Erlebnis dieses Tages fuhr unsere Trachten- aruppe nach dem Abschluß der Feier vom Bücke- berg wieder nach ihren Quartieren zurück.

Am gestrigen Montag früh trat ein großer Teil der Trachtengruppe im Autobus die Rückfahrt nach den Heimatorten an, während unser Heimatdichter Gg. Heß und 8 Trachtenpaare aus dem Schlitzerland bis zum Donnerstag mit den Landarbeiterurlaubern aus Hessen-Nassau einige Fahrten nach dem Teutoburger Wald unter­nehmen, um auf diesen Fahrten und bei einem Ka­meradschaftsabend mit ihren Darbietungen aus dem heimatlichen Volkstum zu unterhalten.

Aus der Provinzialhauptstadt

Neue Saat.

Das Erntedankfest ist vorbei. Das gesamte deutsche Volk hat es in Gemeinschaft mit den Bauern gefei­ert. Wohl war es ein nasses und mühevolles Jahr, aber wir brachten Gott doch unseren Dank dar für die Ernte. Mit Zuversicht können wir in die Zukunft schauen. Kühl wehte schon der Wind, und dunkle Wolken zogen am Himmel dahin. Doch lag auf allen Gesichtern Freude und der Abglanz eines frohen Tages. Das Erntedankfest ist für unsere Bauern ein großer Feiertag.

Aber noch ist viel zu tun. Im Felde warten die letzten Kartoffeln und die Dickwurz. An den Bäumen hängen noch Aepfel und Birnen. Eine Ruhepause gibt es nicht. Die Nächte werden kalt. Es friert. Aber unverdrossen schirrt der Bauer feine Pferde am frü­hen Morgen an und fährt hinaus in den dämmeri­gen Morgen. Er sitzt nicht auf dem Wagen, er geht nebenher, denn eisige Lust weht ihm entgegen. Sein Pfeifchen brennt, und der Atem der Pferde mischt sich wie Dampf mit dem Rauch des Tabaks.

Der Acker ist leer. Noch vor wenigen Tagen rat­terte hier die Maschine und schleuderte die Kartof­feln aus der Erde. Willige Helfer lasen die Knollen auf und füllten die Säcke. Lachen und stohe Zurufe schwirrten über das Feld. Dann wurde der Segen heimgesahren.

Nun ist die Erge genügend abgetrocfnet. Knecht und Magd sind drüben auf dem Acker und ernten die Dickwurz und Kohlraben. Der Bauer aber spannt die Pferde vor den Pflug. Dem Boden wird keine Ruhe gegönnt. Die blinkende Pflugschar reißt die Erde auf. Sie ist noch feucht, und der Pflug geht tief. Am Ende des Ackers rastet der Bauer für kurze Zeit, holt tief Atem und überschaut die stisch gezogene Furche. Wie angewachsen steht er, wie mit der Erde verwurzelt. Dann wendet er geruhsam, und wieder schneidet das glänzende Eisen tiefe Fur­chen in das Land.

Die Ernte wurde geborgen. Neues Leben soll sich im Erdenschoß regen. Es gibt keinen Stillstand. Ringsum liegt die dampfende, erwartungsvolle Erde, von schweren Nebeln bedrückt, kalter Wind reißt die bunten Blätter von den Bäumen. Der Herbst ist da, und der Winter folgt bald. Aber unbezwingbar ist das Leben.

Neue Saat soll keimen und neues Brot bringen.

Die Sonne schaut für kurze Augenblicke hinter den Nebelfetzen und Wolken hervor. Der Acker ist fertig gepflügt. Während einer kurzen Rast am schützenden Wagen wird bas Frühstück eingenom­men. Dann kommt die angehängte Säemaschine zu chrem Recht. Ihr Bauch wird mit goldenen Körnern gefüllt. Schon ziehen die Pferde die Maschine übers Land. Gleichmäßig, in schnurgeraden Rillen werden die Körner in bas Erbreich versenkt.

Zur Mittagszeit hat ber Bauer seine Arbeit be­endet, hängt Wagen und Maschine wieder zusammen

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Vornan von Ilse Schuster.

Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68

16. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Leonhardt und Herdegen flitzen ab, und ©unter» mann nimmt die Zigarre aus dem Mund, als er den funkelnden Wagen vor sich sieht. Der sieht ja fast noch besser aus als damals, als er ihn ver­schenkt hat. Da könnte sich Herder eine Scheibe von abschneiden und sich ein Beispiel dran nehmen.

Wenn es nicht unbescheiden ist und es Ihre Zeit erlaubt, bitte ich Sie um eine kurze Fahrt, Herr ©Untermann. Die ist nötig, damit ich weiterspre­chen kann."

©Untermann ist belustigt, er hat auch nichts wei­ter vor, als die Abendzeitung zu lesen, seine Frau ist im Theater, ein Männergespräch in der Abend­stunde ist nicht zu verachten. Außerdem hat er für den Retter seines Jungen noch immer eine Menge übrig. Er setzt sich in den Wagen und harrt der Dinge, die da kommen sollen. Es geht erst ganz gemütlich durch ein paar Straßen, aber als sie ins Freie kommen, erlebt er ein blaues Wunder. Sie rasen los, daß er sich unwillkürlich sesthält, er war­tet daraus, daß der Wagen irgend etwas tut: ent­weder zerknallt oder durch die Luft fliegt. Es ist doch nicht möglich, daß das

He, junger Mann! Anhalten! Sie haben ja den Teufel im Leib!"

Im Wolde stoppt. Er dreht sich um und fragt:

Hübsch, was? Aber es ist Ihr alter Wagen, Herr ©Untermann, ich habe mir ein bißchen den Motor hochgekitzelt, und wenn es recht ist, fahren wir wieder nach Hause."

Aber bitte etwas dusemang! Mir bleibt hier hinten ja die Lust weg", bittet ©Untermann. Im Stillen freut er sich über den blonden Schopf am Steuer.

Ich lasse was Kräftiges anfahren, meine Herren. Setzen Sie sich unter die Linde, ich bin sofort zurück", sagt er geschäftig, als sie wieder aussteigen.

Halt den Daumen, Julius!", knurrt Leonhardt.

und fährt heimwärts. Er hat fein Werk getan. Er hat neue Saat ausgelegt für das kommende Jahr. Nun kann der Winter kommen. Der Bauer weiß, daß die Körnchen wohlgeborgen in der Erde liegen, daß sie keimen und wachsen werden, daß auch der rauhe Ostwind ihnen nichts anhaben kann. Und im ©eiste sieht er schon seinen Acker mit den hoch­gewachsenen Halmen im Winde sich bewegen.

H.

Jahrgang 1915.

Zur Einstellung des Jahrgangs 1915 in die Wehrmacht richtet ein Angehöriger des Jahrgangs 1914 ein Wort an seine jungen Kameraden:

NSG. An einem Tag im Manöver, irgendwo auf einem Sturzacker, mitten im Gefecht des Re­giments, fand ich ein stark verrostetes Hufeisen. Glück auf dem nächsten Manöverball? Keine halbe Stunde war ich Besitzer dieses eisernen Glück­bringers, als uns in einer Ruhepause die Ver­längerung der aktiven Dienstzeit auf zwei Jahre mitgeteilt wurde. Seien wir ehrlich diese Nach­richt schlug in der Kompanie wie eine Bombe ein. Zivile" Hoffnungen und Wünsche mußten auf ein Jahr zurückgestellt werden. Nur einer, unser Pferde­halter und Blitzdichter, erfaßte sofort die neue Lage. Auf Anhieb aktualisierte er sein schon vor Wochen verfaßte Reservelied, das das ganze Bataillon mit Begeisterung sang:

uns an, daß er esseelisch" nicht aushalte. Er hat esseelisch" ausgehalten die Einzelausbildung, Truppenübungsplatz und Herbstmanöver. Auch er hat gelernt, daß es beim preußisch-deutschen Kom­miß nicht darauf ankommt, ob man mit den neuen Eindrücken, die allenthalben auf einen einftürmen, seelisch" fertig wird. Kommiß heißt Gemeinschafts­leben, Unterordnung, sich bedingungslos fügen. Wer die Voraussetzungen für ein männliches Leben aus dem Dienst in der Bewegung mitbringt, findet sich schnell zurecht, den anderen hilft die Kameradschaft.

Das was wir nach einem Jahr Dienst in der Wehrmacht den jungen Kameraden vom Jahrgang 1915 zu sagen haben, soll nüchtern und sachlich fein. Prahlerei ober Angeberei ist ebenso töricht, wie die Verbreitung von Fabelgeschichten. Wir wollen dabei nicht verschweigen, daß uns der Dienst manchmal schwer gefallen ist. Wir wollen unsere neuen Kame­raden nicht im unklaren darüber lassen, daß wir oft die Zähne zusammengebissen haben. Für persön­liche Wünsche ist bei der Erfüllung der Wehrpflicht kein Raum. Aber der Rekrut soll sich immer vor Augen halten, daß er niemals allein steht, daß neben ihm Kameraden marschieren, die ebenso empfinden wie er, und die einspringen, wenn es not tut. Als Nationalsozialisten haben wir nach den Worten des Führers und Obersten Befehls­habers der Wehrmacht zu denken und zu handeln, die er 1935 auf dem Parteitag der Freiheit den jungen Soldaten des neuerstandenen Volksheeres zurref:Wenn ihr meint, euer Opfer wäre zu groß,

KomödieGustav Kilian, Manufakturwaren en gros und en detail, gegr. 1821, obere Gasse Nr. 19* von Harald Bratt, unter der Spielleitung des In« tendanten, in Szene. Das Stück fand bei feinen Aufführungen in Gießen herzhaften Beifall und löste ungeteilte Heiterkeit aus. Dauer von 20 bis 22.45 Uhr.

Vortragsabend der Klavierschule Korner.

Die Klavierschule Minna Körner veranstaltet am Sonntag, 11. Oktober, im Saal ihrer Schule einen Vortragsabend. Zur Ausführung kommen deutsche und norwegische Werke. Auf die heutige Anzeige sei besonders hingewiesen.

NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Nord.

Betrifft: Gemeinschaftsempfang der Eröffnung des Dinterhilfswerkes 1936/37 am Dienstag, 6. Oktober 1936.

Der ©erneinschaftsernpfang findet für die Orts­gruppe Gießen-Nord pünktlich um 20 Uhr im Eaf6 Leib, Walltorstraße, statt, HJ.-Gefolgschaft 2/116, BDM.-Mädelgruppe 2/116, sowie die Amtswalter der DAF., Ortsgruppe Gießen-Nord, müssen spä­testens um 19.45 Uhr vor dem Caf6 Leib anae- treten sein. Die Amtswalter und Helfer der NSV. und NS.-Frauenschaft, Ortsgruppe Nord, müssen ebenfalls bis spätestens um 19.45 Uhr ihre Plätze eingenommen haben. Die Politischen Leiter der Ortsgruppe Nord treten um 19.30 Uhr pünktlich vor der Geschäftsstelle, Walltorstraße 16, an.

Alle sonstigen Partei- und Volksgenossen, die dem Gemeinschaftsempfang beiwohnen wollen, haben pünktlich im Caf6 Leib anwesend zu fein.

Thomas, Ortsgruppenleiter.

Amt für Dolkswohlfahrt.

Ortsgruppe Gießen-Ost.

Vetr. Lebensmittel-Opferring.

Die Sammlung wird Dienstag, 6., und Mitt­woch, 7. Oktober, von der NS.-Frauenschaft durch­geführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen oereithalten und die Mitgliedskarte zur Eintragung oorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sicht­bar anzugeben.

Ab 1. Oktober kommt die Sammlung dem Win­terhilfswerk flupute. Es wird gebeten, daß sich außer den Mitgliedern auch diejenigen Volks­genossen beteiligen, die in der Lage sind, das WHW. zu fördern.

Gießen-Mitte.

Bett. Pfundfammlung.

Am Mittwoch, 7. Oktober, werden die Spenden (Pfundsammlung) durch die NS. Frauenschaft ein­gesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und die Mitgliedskarte zur Quittungs­einzeichnung bereitzuhalten. Die Sammlung erstreckt sich während der Dauer des WHW. wieder auf alle Volksgenossen.

*

Der Führer eröffnet das Winterhilsswerk 1936/37

Heute, Dienstag, 6. Oktober, 20 Uhr.

An jeden Volksgenossen wird das Mnkerhllfswerk des deutschen Volkes heran­treten. Für jeden Volksgenossen wird es daher von Bedeutung fein, die Rede des Führers zu hören.

Die Rede des Führers wird über alle deutschen Sender übertragen. Die Gießener Ortsgruppen führen anläßlich der Rede einen Gemeinschaftsempsang durch:

1. Gießen-RNtte im Großen Hörsaal der Universität.

2. Giehen-Rord im CasL Leib.

3. Gießen-Ost im Schühenhaus.

4. Gießen-Süd im Studentenheim.

Alle politischen Leiter, alle NSV.-Waller und -Helfer, alle DAF.-Valter, die RS.-Irauenschaft, HI. und BD2IL nehmen an dem Gemeinschaftsempsang teil.

Die Beteiligung der 52L, SS. und RSKK. wird folgendermaßen eingeteilt: Die gesamte Gießener SA^ außer Marine-SA., im Lass Leib.

RSKK. im Großen Hörsaal der Universität.

Marine-SA. im Studentenheim.

SS. im CafL Leib.

Die Volksgenossen werden zu diesem Gemeinschaftsempsang eiageladen.

Kreisleitung der NSDAP. Dettersv.

Mutter, laß den Anzug da, denn wir dienen noch ein Jahr. Klopp Parademarsch und Griff, Noch ein Jahr der stramme Schliff ...

Wir vom Jahrgang 1914 dienen ein zweites Jahr. Die älteren Kameraden ziehen den Waffenrock aus, um ihn denNeuen" zu geben, die in diesen Tagen in die Kasernen einrücken. Sie wissen von vorn­herein, daß sie für zwei Jahre das Zivil mit der Uniform vertauschen. Sie finden in uns, denAl­ten", Kameraden, die erst vor knapp zwölf Mona­ten die Schmerzen und Nöte des Rekruten am eige­nen Leib erfahren haben. Die Erinnerung daran, wo uns in den ersten Wochen der ©Hefei drückte, ist bei uns noch frisch. Sie weckt in uns kein Ge­fühl der Ueberlegenheit, sondern verpflichtet uns zur Kameradschaft.

Soldatenleben Soldatendienst sieht in Wirklich­keit häufig ganz anders aus, als cs den jungen Wehrpflichtigen geschildert wird. Ich weiß nicht, in welcher Welt der Kamerad, der sich auf unserer Stube zunächst völlig von uns abschloß, bis zum ersten Antreten auf dem Kasernenhof gelebt hatte. Als er allein nicht mehr weiter kam, vertraute er

dann denkt an die Taten eurer Väter im Welt­kriege. In einer Stunde Trommelfeuer haben sie größere Opfer gebracht, als ihr sie in eurer Dienst­zeit im Frieden bringt."

Schütze Georg Wallmann.

Dornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Stadttheater: 20 bis 22 Uhr,Reims". Gloria- Palast:Moral". Lichtspielhaus: ,Hilde und die 4 PS".

Stadttheater Gießen.

Heute abend findet die erste Wiederholung von Reims" statt. Drama von Friedrich Bethge. Spiel­leitung: Theodor H a e r t e n. Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr. Die Vorstellung findet als 3. Vorstellung der Dienstag-Miete statt.

= Stadttheater Gießen: Spielplan- änberung für die NS.-K ulturgemeinde. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die für die erste Vorstellung des Theaterrings der NS.-Kulturgemeinde am Samstag, 10. Oktober an» gekündigte Aufführung vonDonna Diana" findet nicht statt. Dafür geht die entzückendeKattun"-

** Medizinische Fakultät der Uni­versität Gießen. Der vom 11. bis 17. Oktober angesetzte allgemeine Fortbildungskurs der Medi­zinischen Fakultät Gießen fällt aus. Der Kurs über Unfallbehandlung und Unfallbegutachtung am Frei­tag, 16. Oktober, und Samstag, 17. Oktober, findet statt.

** Sonntagsrückfahrkartenzum Bauerntag der K r e i s b a u e r n s ch a f t >Oberhessen-West in Friedberg. Für den Besuch des Bauerntages der Kreisbauernschaft Ober- Hessen-West, der bekanntlich vom 10. bis 14. Oktober in Friedberg stattfindet, ist seitens der Reichsbahn insofern eine Erleichterung gewährt worden, als von Samstag, 10. Oktober, 0 Uhr bis Dienstag, 13. Oktober, 24 Uhr von allen Stationen im Um­kreis von 75 Kilometer um Friedberg Sonntags­rückfahrkarten nach Friedberg gelöst werden kön­nen. Die Sonntagsrückfahrkarten-Ausgabe ist jedoch beschränkt auf die Stationen des Volksstaates Hessen und des Regierungsbezirkes Wiesbaden.

** Von einem Motorradfahrer u m ge­rn n n t. Am gestrigen Montagabend ereignete sich an der Ecke GoethestraßeHindenburgwall ein Verkehrsunfall. Dort wurde ein Gießener Einwoh­ner beim Überschreiten der Fahrbahn von einem Motorradler umgefahren. Der Mann mußte mit einem komplizierten Knöchelbruch am rechten Bem von der Sanitätskolonne der Chirurgischen Klinik zugeführt werden. Der Motorradler blieb unverletzt.

** Zusammen st zwischen Lastauto und Motorradler. Am gestrigen Montag gegen 15 Uhr ereignete sich auf der Landstraße

Das Debüt war gut, rede nun verständlich und nicht wie ein Buch mit sieben Siegeln, sonst ver­steht er es nicht. Guck dir mal den dort an."

"Das ist der Chauffeur, der ist mir damals auch ausgefallen, nicht wegen seiner schicken Uniform, sondern wegen seiner erschütternden Sachkenntnis, der fährt dir mit Anstand jedes Jahr einen Wagen zu Klump. Den sticht jetzt sein alter Patient in die Nase, der Junge wird sich wundern, was aus dem für ein feuriger Knabe geworden ist."

'n Abend, Herr Kollege! Kennen Sie chn wie­der? Probefahrt gefällig?"

Ich habe vorhin schon ein bißchen was gesehen, allerhand Sachen!"

Lassen Sie sich das mal erklären, Herder, das lohnt sich." ©Untermann ist mit einer Kiste Zigar­ren miebergefommen und winkt Leonhardt und Herdegen heran.Ich möchte ja nun auch gerne wissen, was da passiert ist!"

Bereitwillig gibt ihm Wolde Auskunft. Er macht es ausführlich und hat Spaß daran, den eleganten Chauffeur ein bißchen aufs Glatteis zu führen. Der macht es ja mit3a, ja" undSicher" undGanz richtig" und hat im übrigen außer verheimlichter Hochachtung für denNichtfachmann" roeni-g Ver­ständnis. Es geht seinem Herrn nicht viel anders, für ihn ist aber entscheidend, was er selber erlebt hat, und das war allerhand.

Und Sie sagen, daß man das mit jedem Wagen machen kann?", will er wissen.

"Mit jedem. Auch mit Ihrem!", versicherte Herdegen.

Wie wärs, Herder?"

Der bekommt einen dunkelroten Kops und fängt an zu stottern.

Haben Sie keine Angst. Ich bin schon zufrieden, wenn Sie mir den Wagen gut behandeln und end­lich mit mehr Gefühl schalten würden. Und nun ihre Frage, Herr im Wolde, deshalb kamen Sie doch hauptsächlich? Aber bitte gemütlich unter dem Lindenbaum!"

Wie geht es Ihrem Jungen, Herr ©Untermann, ich hätte ihm gern einmal guten Tag gesagt," fragt Leonhardt, ehe er sich setzt.

Er ist früh in die Falle gegangen, weil er zei­tig hoch muß. Ausmarsch mit der HI. Und nun legen Sie mal los!"

Es bleibt ein paar Minuten ganz still, der Rauch der Zigarren ringelt sich in die laue Abend­luft, ein paar Mücken summen mit hellem Ton um die Köpfe der Männer, und in den Gläsern perlt ein spritziger Mosel.

Wenn ich es kurz machen darf, Herr ©Unter­mann: ich brauche Geld. Nicht für mich, sondern für den Wagen. Den Beweis, daß ich etwas davon verstehe, habe ich Ihnen erbracht. Jetzt geht es mir aber um mehr, das war nur ein Privatspaß, und ich bin gern bereit, mir Ihren Wagen daraufhin auch einmal anzusehen.

Wir haben nun bald in ganz Deutschland die fertigen Autobahnen. Dazu brauchen wir auch die richtigen Wagen. Die Straßen verringern durch ihre Ausmaße und Anlagen die Gefahr auf ein Minimum, sie ermöglichen eine Reisegeschwindig­keit von 200 Stundenkilometer. Mit den augen­blicklichen Konstruktionsprinzipien schafft das kein Wagen, ohne empfindlichen Schaden zu erleiden." Leonhardt macht eine kurze Pause, damit ©Unter­mann sich mit dem, was er zu sagen hat, etwas vertraut machen kann. Verstohlen blickt er zu sei­nem Kameraden Herdegen hinüber. Der nickt kurz und zustimmend zurück.Man kann vielleicht auf zwei ganz verschiedenen Wegen zur Erledigung des Zieles und somit zum vorteilhaftesten Autobahn» wagen kommen: durch die richtige Konstruktion des Fahrgestells und seiner Maschinenanlage, einschl. Kraftübertragungsorgane, oder eine andere Form­gebung des ganzen Fahrzeuges, abweichend von der heutigen. So gibt es einen Weg, beides zu ver­einen. Mein Kamerad Herdegen baut auf die Formgebung, ich auf das Fahrgestell. Man könnte versuchen, die augenblicklichen Konstruktionsgegen- sätze zwischen Heckmotor und Frontantrieb auszu­gleichen, sodaß beide Prinzipien gleichzeitig ange­wendet werden."

Augenblick!", sagt ©Untermann interessiert und wiederholt die letzten Sätze.

Ingenieur Herdegen hat mit steigendem Interesse ßugehört, was der Kamerad da entwickelt, ist per» Dämmt aktuell. Soviel Kenntnisse und Einfühlungs­vermögen in die Materie hätte er ihm nun doch nicht zugetraut. Er schaltet sich fast erregt in die Ausführungen Leonhardts ein.

Da könnte man ja auch bei zwei Motoren ein stark übersetztes Getriebe anwenden und braucht

bei hohen Endgeschwindigkeiten keine Angst zu ha­ben, daß die Maschinen überdreht werden. Dazu kommt eine ideale Gewichtsperteilung.

Verzeihen Sie, Herr ©Untermann, aber was da mein Kamerad anregt, ist mir selber neu und überrascht mich. Das ist nämlich allerhand Leonhardt."

©Untermann raucht dicke Wolken. Er ist immer ein guter Geschäftsmann gewesen und hat es mehr mit dem Fortschritt als mit dem Rückschritt gehal­ten. Er rechnet schon, aber da er mit Motorbau nicht ganz vertraut ist, kommt er nicht weit.

Was wollen Sie nun von mir, Herr im Wolde? Geld, sagten Sie vorhin. Wozu?"

Ich muß erst mal eine Werkstatt haben, ich brauche das vorhandene Konstruktionsmaterial, wie Motoren, Antriebsorgane für Heck- und Frontan­trieb. Ich muß jetzt erst einmal ein ganz neues Chassis bauen, und das kostet eben, mein Werk­zeug reicht auch nicht ganz aus."

Die Summe?" fragt knapp ©Untermann, das Projekt hat ihn, es wäre eine Chance, um zu ver­dienen.

Ein paar tausend Mark, Herr ©Untermann, vielleicht Pier". Leonhardt ist blaß geworden, das Herz dröhnt ihm wie ein Hammer gegen die Rip­pen, aber keiner merkt es, weil keiner feine wahre Besessenheit für Maschinen kennt.

Kommen Sie mal mit, meine Herren!"

Schweigend gehen sie hinter dem Hausherrn her. Der führt sie durch den Garten, auf einen freien, unbebauten Platz. Ein Holzhäuschen steht da, eine Pumpe, Gartengeräte liegen herum und Kinder- spielzeug.

Hier sollte vor einem Jahr mal ein Tennisplatz her, ich habe den Plan dann aufgesteckt. Jetzt toben die Kinder herum, und Herder hat einen kleinen Geräteschuppen hergesetzt. Ich stelle Ihnen den Platz für Ihre Werkstatt zur Verfügung, mich interessiert Ihr Problem, meine Herren, und ich hätte mich dann auch gern hin und wieder von der Arbeit und ihren Fortschritten überzeugt. Außerdem sparen Sie die Miete. Ich bewillige das Geld, die Werkzeuge kann ich ergänzen, soweit es notwendig istt Ein­verstanden?^

(Fortsetzung folgt.)