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Nr. 182 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Donnerstag, 6. August 1936

XL OLYMPISCHE SPIELE

BERLIN 1936

reichten den auch zum Sieg vor Dünn und Ober­

olympische Eichbäumchen überreichte.

inge eine Sta- . Er will sonst

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Wie unerhört scharf das Rennen war, beweist die 'neue olympische Rekordzeit des Regers von 20,7

Sek., bei der spürbaren Kühle eine außerordentliche

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würde...

Richt genug damit, es gibt noch andere Kleinig- feiicn in Berlin, die einen Journalisten zur Ver­zweiflung bringen können. Im Stadion sind Post­ämter. Eins davon ist für die Presse reserviert und ein Stab von freundlichen Beamtinnen und Beam­ten hilft uns, die Briefe rechtzeitig zu den einzelnen Bahnhöfen und zu den Postzügen zu bringen. Man hat die Sache mit einer Rohrpost sehr fein einge­richtet. 30 Minuten vor Abgang des betreffenden Postzuges sollen genügen, um die Post noch zurecht-

Der 800-Meter-Lauf gab wieder ein außerordentlich spannendes Rennen. Immer wieder versuchte der Italiener L a n z i den amerikanischen Reger Woo­druff zu überholen. Aber dieser behauptete sich

Der Deutsche Lutz Song (links), der eine Pracht­leistung beim Weitsprung zeigte und die Silberne Medaille für Deutschland gewann. Er vermochte aber nicht, an den Negersportler Owens heranzukom­men, der sich mit einem Weitsprung von 8,06 m seine zweite Goldmedaille geholt hatte. Hier sieht man die beiden Rivalen friedlich als Zuschauer. (Scherl-Bilderdienst-M.)

verschwindet. Die höchste Ringzahl auf der Scheibe hat etwa einen Durchmesser von 5 Zentimeter. Geschossen wird mit einfachen Scheibenpistolen, die keinen sogenannten Stecher haben dürfen. Alles das kann der Schütze vorher probieren und trai­nieren. Was er aber nicht vorher kennt, ist das Drum und Dran an den Schießständen. Da stehen hinter ihm interessierte sachkundige Zuschauer, Spo­ren klirren leise, Hacken schlagen zusammen, Stopp­

uhren klicken und leise Worte werden gewechsekL- Alle diese Kleinigkeiten stürzen auf den einen Mann mit der Pistole in der Hand ein und er muß sich konzentrieren, muß alle Nerven zusam* mennehmen, denn ein einziger Fehlschuß kann alles verderben. Und in dieser Umgebung, in diesem auf­reibenden Durcheinander schoß ein kaltblütiger Amerikaner den erstaunlichsten Rekord, der jemals durch ruhige Nerven erzielt wurde.

Von links: der Italiener Giorgio Oberweger (Bronzene Medaille), der Amerikaner Kenneth Carpenter (Goldene Medaille) und der Amerikaner Gordon Dünn (Silberne Medaille). (Scherl-Bilderdienst-M.)

Der Amateurgrundsatz ist hoch und heilig. Nur solange Sport nicht ein selbstischer Zweck, sondern sittliche Pflicht, nicht schales Vergnügen und öde Erlebnissehnsucht, sondern Zucht und Hingabe an ein höheres Ziel ist, darf ihm ein solches Fest bereitet werden. Nur dann ist er wüidig der Förderung aller Regierungen und Völker, nur dann verdient er die Begeisterung der Jugend und die Teilnahme des Alters. Staatssekretär a. D. Dr. Lewald.

Nifhida (Japan) beim Stabhochsprung.

(Scherl-Bilderdienst-M.)

Beobachtungen am Rande.

Don unserem Dr. G. Gt-Sonderberichterstaiier

Berlin, 5. August 1936.

Man hat Sorgen in Berlin! Nicht, daß uns das Tempo dieser Stadt und das Erlebnis der großen Olympischen Spiele aus der Ruhe bringen oder gar stören könnte, nein, daran gewöhnt man sich schnell, nein, es find andere Sorgen, die uns bedrücken. Da ist zum Beispiel der Sohn unserer Wirtsleute, der

2vo-Mter-Laus: abermals Owens

Seine dritte Goldmedaille.

Leistung des dunkelen Laufphänomens. Mit drei Goldmedaillen ist Owens bisher der größte Athlet der XI. Olympischen Spiele 1936.

Dritte Siegerehrung für Jesse Owens.

Unter ungeheurem Jubel der Hunderttausend nahm nach dem 200-Meter-Lauf der Präsident des Olympischen Komitees Dr. Lewald zum dritten Mal die Siegerehrung für das amerikanische Sport­wunder Jesse Owens vor. Die zahlreichen ameri­kanischen Schlachtenbummler nahmen diese dritte Siegeroerkündigung ihres Landsmannes mit gel­lenden Pfiffen und Zurufen auf. Die Mädchen vom Ehrendienst überreichten Jesse Owens, seinem Landsmann Robinson und dem Holländer Ösen-

Klassische Disziplin: Disknswurs.

Wieder zwei Amerikaner. Schröder-Deutschland im Endkampf.

Die dritte Entscheidung des Nachmittags brachte dem Amerikaner Jesse Owens die dritte Gold­medaille. Er gewann den 200-Meter-Lauf glatt m der neuen olympischen Rekordzeit von 20,7 Sek. vor seinem schwarzen Landsmann Robinson (21,1) und dem Holländer O send arp, der sich damit wieder als der schnellste Weiße erwies.

Als der Schweizer Schwab und der Lette Bu- benko das Ziel des 50-Kilometer-Gehens passiert haben, gibt Miller das Startzeichen. Alle schnellen wie aus der Pistole geschossen aus ihren Lochern. Schon ausgangs der Kurve liegt Owens mit Vor­sprung an der Spitze vor Robinson und Osendarp. Federleicht rast Owens dem Ziel entgegen, schwer­fällig, wenn auch schnell, läuft Robinson hinter ihm über die Ziellinie. Osendarp wird in 21,3 Sek. knapp Dritter vor dem Schweizer H ä n n l.

kommen zu lassen. Siesollen", wie gesagt, aber was nun, wenn die Rohrpost nicht mehr mitspielt, wenn die freundlichen Postmädels mit den geschmack­vollen weißen Röcken und den preußisch-blauen Seidenblusen die Achseln zucken und dir sagen, daß die Rohrpost gestört ist? Einmal ist uns das bis­her passiert, und wir haben von unseren Redak­tionen bitterböse Briefe bekommen. Ein zweites Mal kann uns die Rohrpost nicht in Verlegenheit drin­gen, denn jetzt rufen wir täglich zwei Stunden vor Abgang des Zuges bei der Stadionpost an und fra­gen höflich, ob denn heute die Post in Ordnung wäre, und ob die freundlichen Mädchen meinten, daß sie auch in zwei Stunden noch ginge.

Und nun klappt der Betrieb. Man muß eben immer erst mal richtig reingefallen sein. Das ist genau so wie mit dem Essen in Berlin. Ja, man muß doch auch mal Mittagessen ober Abendbrot zu sich nehmen. Hunderttausend Menschen denken genau so, wenn sie bei Sonnenschein und Regen im Stadion gesessen haben. Im Stadion darf aber nichts verkauft werden, und das ist gut so. Stellen Sie fich einen Eisverkäufer ober einen Zigaretten- Boy vor, ber sich zwischen ben Sitzreihen burch- roinbet unb ausgerechnet bann immer seine Waren anpreist, wenn beispielsweise Hein zu einem Wurf ansetzt ober Lutz Long zum Weitsprung anläuft. Aber außerhalb bes Stabions müßte es doch irgenb etwas zu essen geben. Gewiß, es finb Restaurants in ber nächsten Umgebung bes Reichssportfelbes, aber eher werbe ich in ber Lotterie gewinnen, ehe mir bort ein miHeibiger Ober halbwarme Spei­sen reicht. Unb bieten Schmorbraten mit Kartof­feln bekomme ich bann auch nur, wenn ich am Abenb vorher so gescheit gewesen bin, mir eine Platzkarte gegen Entgelt zu besorgen. Unb lange warten können wir alle nicht.

Wenn Sie aber nachts irgenbroo in ben Gast­stätten Berlins zu vorgerückter Stunbe schweigsame Männer treffen, bie sich hungrig auf Riesenportio­nen stürzen, unb wenn Sie bann sehen, wie nach ber Mahlzeit ein zufriebenes Lächeln aus ihren Augen spricht, bann seien Sie Überzeugt, bas finb Männer von ber Presse. Sie schlafen kaum, sie essen selten, sie sollen überall sein, sie schreiben viel unb sie leben boch noch.

Es ist nun einmal zu ben Olympischen Spielen nicht so, baß man Nachmittags im Stabion sitzt unb sich an ben Fabelleistungen ber Athleten er­freut unb bann nach Hause geht, um sich in Ruhe zu überlegen, was nun zu schreiben ist, sonbern man muß auch abenbs noch unterwegs sein. Die Fechter kämpfen meist bis tief in bie Nacht hinein in ber Kuppelhalle bes Sportforums unb bie Rin­ger, Gewichtheber unb Boxer messen ihre Kräfte in ber Deutschlanbhalle vor einem ausgewählt sach- verstänbigen Publikum. Unb trotzbem finbet man noch Zeit für so viele kleine interessante Dinge, bie sich so ganz nebenbei ereignen, unb bie einen wis­senswerten Einblick in bas Privatleben ber Olym­piakämpfer geben.

Sv hat es unzählige Verehrer ber Tilly Fleischer gegeben, bie sich nach ihrem Sieg vor bem Friesen- Hof, bem Olympiaheim ber Frauen, einfanben in ber sicheren Erwartung, wenigstens boch ein Auto­gramm zu bekommen. Sie haben aber alle lange warten müssen, benn bie Olympiasiegerin hatte wichtigere Dinge zu tun. Zuerst hat sie sich unbän- big gefreut über ihren guten Speerwurf, unb als befonbere Genugtuung empfinbet sie ben Sieg bes- halb, weil man sie erst gar nicht in bie beutsche Olympia-Mannschaft aufstellen wollte. Sie hat wegen biejer Maßnahme einen heiligen Zorn ge­habt unb wollte nun gerabe beweisen, baß sie ver- bient, in ber beutschen Mannschaft kämpfen zu bürfen.

Im Olympia-Stabion werben Rekorbe am laufen­den Band gesprungen, gelaufen und geworfen. Man denkt beinahe nur nach Metern, Zentimetern, : Minuten und Sekunden. In diesem Trubel ber : Rekorbe fiel ein einzigartiger Rekorb bisher wenig 1 auf: Die Leistung im Pistolenschießen bes Ameri- ' kaners Leonharb im Mobernen Fünfkampf. Von : 200 möglichen Ringen erreichte Leonharb tatsäch- lich 200 Ringe, unb was bas heißt, kann nur ber 1 richtig beurteilen, ber sich in die Lage ber Pistolen- : schützen hineinbenken kann. Es werben 20 Schuß 1 auf eine 163 Zentimeter große Mannscheibe ge- ' schossen, bie in einer Entfernung von 25 Meter drei Sekunden erscheint und bann 10 Sekunben

roeger.

Schon wenige Minuten nach ber Entscheibung schritten Carpenter, Dünn unb Oberweger, ar folgt von brei Mädels des Ehrendienstes, Exz. L< wald und A. Brundage zur Siegerehrung. Die in Weiß gekleideten Mädels setzten ben Siegern bas schlichte Lorbeerkränzchen auf ben Kopf, während Exz. Lewald bem Sieger Kenneth Carpenter ba;

Als erste Entscheibung am Mittwoch würbe das Diskuswerfen ber Männer beenbet. Wieber waren es bie großartigen amerikanischen Athleten, bie an bas Sternenbanner einen neuen olympischen Sieg hefteten. Kenneth Carpenter (USA.) siegte im zweiten Durchgang ber Entscheibung mit bem neuen olympischen Rekorb von 50,48 Meter. Auch ben zweiten Platz holte sich mit Gordon Dünn, ber mit seinem bereits im Dorkampf erzielten Wurf von 49,36 Meter lange in Führung laa, ein Amerikaner. Der famos gebaute italienische Athlet Oberweger sicherte sich mit 49,23 Meter vor Sorlie (Norwegen) mit 48,74 Meter, Schröber (Deutschlanb) mit 47,93 Meter unb bem Griechen Syltas mit 47,75 Meter bie Bronze-Mebaille.

Bereits am Vormittag war ber britte beutsche Vertreter, Hi 11brecht (Königsberg), der kaum bie 40-Meter-Linie überbot, ausgeschieden. Unser Weltrekorbmann Willi Schröber kam im zwei­ten Durchgang bes Vorkampfes auf 47,22 Meter unb lag bamit gut. Der schwere amerikanische Meister Gordon Dünn sicherte sich mit überaus rationeller Technik durch einen Wurf von 49,36 Meter bie Führung, bie er nach Beenbigung bes Vorkampfes auch sicher hielt. Fritsch (Deutschlanb) konnte sich nicht für ben Enbkamps placieren, da­für gewann Schröder im Stichkampf gegen Bergh. Dieser Stichkampf ging unter lebhaftester Anteil­nahme ber 100 000 Zuschauer vor sich. Jeber hatte einen Wurf, Bergh kam als erster nur auf 46,19 Meter. Mit taktmäßigen Anfeuerungsrufen,Schrö­ber erwache!" unbSchröber, nimm ben Diskus in bie Hanb, bente an bein Vaterlanb!" machten die Zehntausenbe von Zuschauern unseren Mann auf bas aufmerksam, was man von ihm erwartete. Schröber schaffte es. 47,64 Meter weit flog bie Scheibe, ber Deutsche war im Enbkampf.

In ber Entscheibung würbe Schröber zwar von Wurf zu Wurf besser, aber er fanb nicht bie richtige Flugbahn. Immer wieber scheiterte ber Deutsche an ber 48-Meter-Marke. Außer Schröber konnte im Enbkamps nur noch Carpenter seine Leistung steigern. Bei ben amerikanischen Meisterschaften war Carpenter mit einem Wurf von knapp 48 Meter noch von Dünn geschlagen worben, im Olym­pischen Kampf wuchs er über sich selbst hinaus. Sein bester Wurf, im zweiten Durchgang erzielt, lag bei 50,48 Meter. Das bebeutete Olympischen Rekorb, ben bis bahin ber Amerikaner Anbers - son mit 49,50 Meter hielt. Diese 50,48 Meter

ein so wichtigerZipfel ber Fahne" zum Festspiel im Stabion war, biejer Junge hat morgen Ge­burtstag. Dieses Ereignis pflegt sonst über ben Fa­milienkreis hinaus nicht an Beoeutung zu aeroinnen, aber biesmal liegen bie Dinge anbers. Denn ber Elfjährige hat eigenartige Wünsche, bie selbst ben allen Lebenslagen gewachsenen Journalisten richtige Sorgen machen. Zunächst will ber Junge eine Sta- bionfarte zu seinem Geburtstag haben. Er will sonst auf alles verzichten. Der Bengel will aber außer­dem unbebingt ein Autogramm von Jesse Owens haben, unb biefer Wunsch ist ihm nicht auszureben. Es zu beschaffen, hält jetzt auch sehr schwer. Was soll man nur machen, benn es ist boch schließlich eine blamable Angelegenheit, wenn 6 Journalisten im Hause einfach nicht in ber Lage finb, ben Namens­zug bes schnellsten Mannes ber Welt zu verschaffen? Wenn ber gute Owens biefe Sorgen kennen

Hn einem großartigen Kampf errang ber Engländer Whitlock den Sieg im 50-lcm-Gehen vor dem Schweizer Schwab. Unser Bild zeigt den groß­artigen Leichtathleten bei einer kleinen Erfrischung auf ber Strecke, nachbem er bereits 30 l<m zuruck- gelegt hatte. (Scherl-Bilderbienst-M.)

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