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6.6.1936
 
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Verlag: Vrühl'sche UnloerfitSts-Vuch- und Steinönidcrd R.Lange in Sieben. Schrlstleltrmg und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7 Mengenabschlü^Staff^ö

Nr.l29 Erstes Blatt 186. Jahrgang Samstag, 6. Juni 1936

Eichener Anzeiger

Das Kabinett Blum und der Streik

Männer, die, wie es in dem Wahlaufruf unserer Heimattreuen Front heißt,ihr Leben in unserer Mitte zugebracht haben, die unsere Brüder und Landsleute sind, Blut von unserem Blut und Fleisch von unserem Fleisch".

So lautet unsere Heimattreue Parole auch dies­mal, wo wir nicht mit dem Stimmzettel prote­stieren, sondern wählen: keine Stimme einer alt­belgischen Gruppe! Ja, es gilt nicht nur die Anzahl der Stimmen, die die Heimattreue Front bei den Par­lamentswahlen auf sich vereinigte, zu erhalten, son­dern sie noch zu erhöhen unddie gewonnene Stel­lung auszubauen". Die altbelgischen Parteien haben unter dem Eindruck des Heimattreuen Sieges vom 24. Mai ihre Propagandatrommel um so lauter gerührt. Die Sozialdemokraten möchten ihre vernichtende Niederlage wenigstens zum kleinen Teil wettmachen, und die Katholische Union kämpft ja nicht nur in unserem Gebiet um ihren Bestand, sondern auch in Altbelgien, wurde sie doch drüben in der altbelgischen Wallonie durch den Einbruch der Rexisten so erheblich geschwächt, wie sie es sich niemals hat träumen lassen. Kommu­nisten und Liberale aber schalten bei uns überhaupt aus, ebenso wie die seltsameagrarische Sonder­liste", die es am 24. Mai auf ganze 80 Stimmen gebracht hat.

Zahl der Streikenden im Laufe des Freitag von 3000 auf 12 000 gestiegen sein. Am Samstagfrüh sind die meisten PariserZeitungen wie­der erschienen. Aber inwieweit die Versorgung der Vororte und der Provinz mit den Zeitungen möglich ist, läßt sich noch nicht übersehen. Der übliche Vertrieb mit den Lieferungswagen der Firma Hachette hat sich noch nicht wieder eingespielt. Die großen Pariser Zeitungen haben für die Beförderungen ihrer Zeitungen nach den Bahnhöfen und den Vororten Lastkraftwagen gemietet. In der Nähe der ZeitungJournal" überwachen in 50 Meter Entfernung sieben Abtei­lungen republikanische Garde die freie Zu- und Ab­fahrt der Wagen.

die auch bei uns am jüngsten Wahlsonntag mit rund 2400 Stimmen einen beachtlichen Erfolg er­zielte, und deren Führer, Leon D e g r e l l e, so­eben eine bemerkenswerte Erklärung zur Frage Eupen-Malmedy abgegeben hat. Die Stimmen, die die Rexisten erhielten, wurden gewiß nicht deshalb abgegeben, weil ihre Träger mit der belgischen Re- gierungspolitik in Eupen-Malmedy einverstanden sind. Sie galten Rex als dem hartnäckigen Be- kämpfer der verhaßtenUnion" und waren Aus­druck der gleichen Unzufriedenheit, wie sie auch die Anhänger der Heimattreuen Front, angesichts des Zustandes der Entrechtung, in dem wir Eupen-Malmedyer unter dem Druck des Aus­bürgerungsgesetzes leben, bejeett. Aber kann Rex die Interessen unserer Heimat wirklich ehrlich ver- treten? Degrelle erklärte,die völkische Struktur von Eupen, Malmedy und St. Vith müsse erhalten bleiben, und wenn Belgien dazu nicht imstande sei, müßten die Gebiete an Deutschland zurückgegeben werden". Das war ein Satz, der sich hören läßt, aber warum kam er erst jetzt,nachder er ft en Wahl? Haben die Rexisten gemerkt, daß sie ohne klare Stellungnahme zur Frage Eupen-Malmedy keine größeren Erfolge in unserer Heimat erzielen können, und hoffen sie nun, mit Hilfe der Er­klärung ihres Führers am 7. Juni besser abschnei­den zu können?

Kundgebung der Postbeamten gegen Mandel.

Paris, 6. Juni. (DNB. Funkspruch.) Bei der Amtsübergabe im Postministerium kam es zu feindseligen Kundgebungen der Post­beamten gegen den ausscheidenden Postminister Mandel. Weibliche Postangestellte machten sich besonders bemerkbar und riefen Mandel, als er das Postministerium verließ, im Korridor nach: Schlagt ihn tot! Raus mit ihm! Wir sind froh, dich los zu werden!" Als Mandel im Wagen saß, stimmten die vor dem Ministerium versammelten Postbeamten und Briefträger die Internatio­nale an.

kann, daß die neue Volksfront-Regierung auf die Wünsche der Moskauer Sendboten gütigst Rücksicht zu nehmen hat. Die französischen Kommunisten, die eine Beteiligung an dem Volksfront-Kabinett Läon Blums abgelehnt haben, wollen nichtsdestoweniger zur Macht gelangen, aber sie wählen zu diesem Zweck nach bewährter Taktik nicht den legalen Weg über die verfassungsmäßigen Einrichtungen, sondern den Umweg über dieHerrschaft der Straße", wofür der Streik ein treffliches Beispiel ist. Hier konnten sie zeigen, daß sie der Gefolgschaft der Massen sicher sind, daß sie es in der Hana haben, die Situation zu verschärfen oder zu mildern, je nachdem, wie es die Lage erfordert. Der Streit in den lebenswichtigsten Industriebetrieben Frank­reichs muß als eine erste unverhüllte Drohung ber

Die belgischen Provinzialratswahlen Eupen-Malmedy wählt wieder heimattreu.

Von unserem Eupener Berichterstatter.

ist entgegen den Erwartungen, die besetzten Be­triebe würden am Tage vor der Regierungserklä­rung des Linkskabinetts Blum geräumt werden, gewachsen. Nicht weniger als eine halbe Million französischer Arbeiter haben die Fabriken besetzt, und zwar nicht nur in Paris, sondern überall in den industriellen Departements des Nordens. Hin­zu kommt, daß die Streikbewegung auch auf die Betriebe Übergriff, die dem Fremdenverkehr dienen und der mächtige Beamtenoerband droht ebenfalls mit Streik Die Gewerkschaften sind machtlos. An und für sich zahlt der französische Arbeiter sehr un­gern Beiträge. Schon in Friedenszeiten wies Frank­reich im Verhältnis zur Gesamtarbeiterzahl den ge- rinaften Prozentsatz Organisierter auf. Auch heute noch hat sich das nicht geändert. Nach dem Aus­weis des französischen Metallarbeiterverbandes für 1935 waren z. B. nur 47 000 Angehörige dieser Be­rufsbranche gewerkschaftlich organisiert, und die Zahl soll sich erst unter den Ereignissen des Mai auf rund 60 000 gehoben haben. Wirtschaftlich ist diedirekte Aktion" der Arbeiter kaum verständ­lich, denn ihr Realeinkommen ist, während die Le­benshaltungskosten seit 1930 in Frankreich um min­destens 20 v. H. gefallen sind, durchschnittlich nur um etwa 7 v. H. gesunken und durch die letzten Be­willigungen der Arbeitgeber stehen sich die Arbeiter jetzt besser im Gegensatz zu den Festbesoldeten und Beamten, als jemals vorher. Aber die Forderungen sind mehr oder minder ohne Rücksichtnahme auf die Wirtschaftslage Frankreichs politifcherNatur.

Paris, 6. Juni. (DNB. Funkspruch.) Im Büro des Ministerpräsidenten fand eine Besprechung statt, an der Ministerpräsident Blum, Innenminister S a l e n g r o , Wirtschaftsminister Spinasse und Arbeitsminister L e b a s , ferner der Generalsekretär des Gewerkschaftsverbandes Jouhaux und eine Abordnung des ständigen Verwaltungsausschusses des Gewerkschaftsverbandes teilnahmen. Wie ver­lautet, wurde die Ausdehnung des Streiks und das Eindringen nichtgewerkschaft­licher Elemente in die Streikbewegung, die Arbeiterforderungen zum Gegenstand habe, bespro- chen. Es seien Maßnahmen getroffen worden, um die Versorgung von Paris zu sichern und die Verbreitung falscher Nachrichten zu unterbin­den. Die Gewerkschaftsvertreter sollen der Regie­rung ihr Vertrauen erneuert haben. Die Streikbe­wegung stände nun völlig unter der Aufsicht des Gewerkschaftsverbandes, es feien Verhandlungen angebahnt, um eine möglichst baldige Beilegung des Streiks herbeizuführen. Im Rundfunk verlas der Generalsekretär Jouhaux eine Erklärung, in der er erneut betonte, daß die Streiks nur korpo - rativeArbeiterforderungen zum Gegen­stand hätten, aber keinen politischen oder aufrührerischen Charakter trügen. Der Gewerkschaftsführer bezeichnete die Versorgung der Bevölkerung und den Gesundheits- und Sicherheits­dienst als notwendig und fügte hinzu, die Dauer der Spannung hänge nur von dem Willen der Arbeitgeberverbände ab. Er ermahnte zur Ruhe und zum Vertrauen der Arbeiterklasse.

Auf feiten der Arbeitgeber hat der Freitag keine Aenderung gebracht. Die Metallindustriellen weisen den Vorwurf zurück, daß sie grundlos die Verhandlungen abgebrochen hätten und teilen mit, daß weitere Fabriken von den Arbei­tern besetzt worden seien und daß verschiedent­lich leitende Angestellte mit Gewalt in ihren Büros und Werkstätten zurückgehalten würden. In der Citroen-Automobilfabrik hat nach dem Scheitern von Einigungsverhandlungen der Streik und die Besetzung der Werke aufs neue begonnen. Dagegen soll hie Versorgung der Stadt Paris mit Milch und Fleisch sicherge­stellt sein und in diesen Zweigen keine Streik­gefahr mehr bestehen. Auch soll eine Ausbreitung auf das Gastwirtsgewerbe nicht zu erwarten fein. Verschiedene Pariser Lichtspieltheater haben geschlossen und bei den Filmwerkstätten wird zumeist nicht mehr gearbeitet. Wenn die Be­wegung anhält, werden viele Pariser Kinos in der nächsten Woche schließen oder ihre laufenden Filme auf dem Programm behalten müssen. Ergebnislos verlaufen sind die Verhandlungen, die am Freitag über die Belieferung der Stadt Paris mit Treibstoff und Schweröl geführt wer­den sollten. Die Arbeitgeber-Vertreter sind nicht er- fd)ienen, haben aber eine Zusage für eine neue Sitzung am Samstagfrüh gegeben.

Die Zahl der Streikenden in Paris und Umgebung wurde am Freitagabend mit 210 000, die der Streikenden im Norddeparte­ment mit 90 000 (gegen 50 000 am Freitagmorgen) angegeben. In der Gegend von Lille wird die Zahl der Streikenden mit 30 000 beziffert. Vor den chemi­schen Werken Kuhlmann soll es zu verschiedenen Zwischenfällen gekommen sein. In Rouen soll die

fei, und daß nach dem Scheitern seiner Regierung nur der Faschismus übrig bliebe. Inwieweit seine Beweisführung die Parteiversammlung wirklich überzeugt hat, ist schwer zu sagen. Jedenfalls wurde die Tagung nach außen hin in bestem Einverneh­men geschlossen. Leon Blum umarmte sich mit seinen hauptsächlichen Mitarbeitern, während die begeisterte Versammlung fang und Beifall klatschte.

Der neue Ministerpräsident hat auch geäußert, daß schleunige und greifbare Erfolge seiner Reaie- rungsarbeit notwendig seien, um ine mißtrauische öffentliche Meinung zu überzeugen. Es sollen daher nicht weniger als vierzig Gesetzentwürfe von ent­scheidender Bedeutung unverzüglich der Kammer vorqelegt werden, die von ihr noch vor der Som­merpause, mit deren Beginn erst zum 10. August gerechnet wird, zu verabschieden sind. Als vordring­liche Ausgaben wurden von Läon Blum aufgezahlt. Die Macht des französischen Faschismus brechen (was wahrscheinlich heißen soll, daß die Rechtsver­bände aufgelöst werden), die demokratischen Frei­heiten verteidigen (womit die Kommunisten am wenigsten einverstanden fein ® erb en), Oie Herr­schaft der Großbanken und Trusts bekämpfen (im heutigen Frankreich zweifellos eine dringliche Auf­gabe), die Arbeitslosigkeit beseitigen und die Wirt- Khaftstätigkeit beleben (sicherlich nicht weniger dringlich, aber der marxistischen Dere endungstheorie zuwider), unter der höheren Beamtenschaft republika­nischen Geist verbreiten und die Armee demokrati­sieren (auch dies im Widerspruch zu den marxifti- jchen Leitsätzen), die Militärdienstzeit wieder auf ein Jahr herabsetzen (wie in Deutschland) und

Der NM Kurs in Frankreich.

di- im Frühjahr 1932 gewählte fron- Solche Kammer und die in ihr zur Führuna be- rusene radikal,oziale Partei herriots gegenüber der wachsenden wirtschaftlichen und sozialen Notlage und den drängenden außenpolitischen Fragen ret­tungslos versagt hat, ist jetzt di - neue Volks- Vertretung, die aus den Unzufriedenheits- jjafylen vom 26 April und 3. Mai heroorgegangen ift im Begriff, rhre Gefetzgebungsarbeit aufzu- "Ä? IS verfaffungsgeni- auf vier Jahre 9re Legierung, der sie ihr Vertrauen schenkt, ist nach parlamentarischen Begriffen, die man m Deutschland nur noch vom Hörensagen kennt, ein Koalitionskabinett von So-

Radikalsozialisten unter sozialistischer Führung, das allein über keine Mehr­heit verfugt, sondern auf die allerdings ver- 1Prod)ene Unter st ützung der Kornmu- n i st e n angewiesen ift. Daß dieses kommunistische Versprechen keine feste Grundlage ist, auf der die dringend notwendige Regierungsarbeit auf weite Sicht aufgebaut werden könnte, darüber wird sich der neue Ministerpräsident, von dem Laval einmal gesagt hat, daß er der klügste Mann in der ganzen Kammer sei, zu allererst im klaren sein. Von seiner parlamentarischen Erfahrung und seiner Geschick­lichkeit wird es also abhängen, ob das gebrechliche Schiff der Minderheitsregierung zwischen der kom­munistischen Scylla und Charybdis der Rechts­opposition eine Zeitlang heil hindurchgesteuert wer­den kann.

Die neue Regierung, die erste sozialisti­sch e der Dritten Republik, besteht fast ausschließ­lich aus neuen Männern, die bisher noch nicht an der Regierung gewesen sind. In dieser Hinsicht ist tatsächlich dem Volkswillen Genüge ge­leistet worden, der bei aller Unklarheit und Gegen­sätzlichkeit bestimmt in dem Verlangen einig war, daß die bisherige verhängnisvoll unfähige Regie­rungsführung abzutreten habe. Von sämtlichen Par­teien in Frankreich sind aber allein die Sozialisten und die Kommunisten noch nicht an der Macht ge­wesen. Die ersteren sind nun durch die Wahlen ge­zwungen worden, die Verantwortung zu übernehmen. Versagen auch sie, so scheint der Kommunismus in Frankreich unvermeidbar, es sei denn, daß er von den Rechtsoerbänden mit Waffengewalt verhindert würde. Jedenfalls ist es bei der gegenwärtigen Stimmung der Niederge­schlagenheit und Gereiztheit im französischen Volk kaum denkbar, daß nach einem Fehlschlag des sozia­listischen Experiments das liebe, alte Spiel des all­monatlichen Kabinettswechsels von neuem einsetzt.

Auf dem sozialistischen Parteitag in Paris hat Lson Blum sich angelegen sein lassen, besonders zu betonen, daß das von ihm geleitete Kabinett keine sozialistische, sondern nur eineVolks­front"- Regierung sei. Er kann aber nicht bestrei­ten, daß die neue Regierung, zum mindesten in innenpolitischer Hinsicht, ausschließlich unter sozia­listischer Leitung steht. Nur auf den Gebieten der Außenpolitik und der Wehrmacht ist den Radikal- sozialen maßgeblicher Einfluß eingeräumt worden. Leon Blum hätte also sehr wohl die Möglichkeit, feine marxistischen Theorien zur Anwendung zu bringen. Wenn man sie in den langen Jahren der Opposition als allein seligmachende gepriesen hat, müßte man, an die Macht gelangt, auch den Mut haben, ihren Wert in der Wirklichkeit zu erweisen. Oder sollte der ganze Marxismus nur theoretische Bedeutung haben und für praktische Regierungs­arbeit vollkommen ungeignet sein? An diesem Punkte hat denn auch auf dem Parteitag die hef­tigste Kritik des linken Flügels eingesetzt. Das Pro­gramm der neuen Regierung müsse, so forderte man, eindeutig antikapitalistisch sein; denn sonst werde das Experiment Blum eben nur ein letzter Versuch zur Aufrechterhaltung des parlamentarisch- kapitalistischen Regimes und der Uebergang zur kommunistischen Herrschaft sein. Leon Blum hat das entschieden bestritten und es als unmöglich hin­gestellt, daß er den französischen Kerenski abaeben werde, auf den kurz darauf der französische Lenin zwangsläufig folgen müsse. Er behauptete, daß der Kommunismus in Frankreich überhaupt unmöglich

Allgemein soll die Schulzeit bis zum 16. Lebens­jahre ausgedehnt werden, ferner verlangen die Ar­beiter, daß nach dem 60. Lebensjahr die Altersver­sorgung in Kraft tritt und vor allem dreht sich der Kampf um die 40ftünöige Arbeitswoche bei erhöhter Lohnzahlung. Der marxistische Ministerpräsident hat versprochen, für diese Forderung, die vor dem In­ternationalen Arbeitsamt in diesem Sommer ver­handelt wird, einzutreten. Die französische Arbeiter­schaft ist nur zu einem Teile fachlich vorgebildet. Die Arbeitslosigkeit erstreckt sich durchweg auf die Ungelernten, während bei den gelernten Arbeitern bereits die Nachfrage das Angebot überwiegt, vor allem infolge der erhöhten Rüstungsaufträge. Zu­dem weigert sich selbst der ungelernte französische Arbeiter, in gewissen Industrien, z. B. in Stein­brüchen und Gruben, zu arbeiten. Seit 1930 hat Frankreich fast 600 000 ausländische Arbeiter, durch­weg Polen und Italiener, ausgewiesen, die in sol­chen Betrieben tätig waren. Es ift bemerkenswert, daß die noch in Frankreich verbliebenen schätzungs­weise 700 000 ausländischen Arbeiter nicht entlassen werden, weil sich der eingeborene Franzose weigert, deren Tätigkeit zu übernehmen.

Privatkapital kann also feinen Einfluß dahin aus­üben, daß die geplanten Arbeitsbeschaffungswechsel der Bank von Frankreich nicht diskontiert werden. Deshalb verlangen die Linksparteien die volle Ge­walt über die Banken und damit über den Mecha­nismus der Währungsmaschinerie. Ob sie diese Ge­walt erlangen werden, steht dahin. Wenn sie in die Hände der Linken gerät, ist es eigentlich selbstver­ständlich, daß trotz aller Versicherungen der fran­zösischen Linken der französische Franken abrutscht. Schon heute ist der Franken z. B. auf dem Haupt- Valutenmarkt in London einem sehr scharfen Ver­kaufsdruck ausgesetzt. Der französische Sparer und die Londoner City-Leute scheinen der Meinung zu sein, daß eine katastrophale Entwicklung des Fran­kenkurses bevorstehe, auch aus budgetären Gründen, wenn nicht rechtzeitig L6on Blum eine Abwertung des Franken vornimmt.

Die französische Streikbewegung ist zweifellos eine Folge des kommunistischen Wahlsieges, sie kommt gerade jetzt den Bolschewisten außerordentlich gelegen, weil die Komintern damit dokumentieren

Eupen, 4. Juni 1936.

Am 7. Juni finden die belgischen Provinzial- ratswahlen statt. Demgemäß hat auch nach der Parlamentswahl vom 24. Mai der Kampf zwischen uns Eupen-Malmedyern und den altbelgischen Gruppen, die plötzlich ihr Herz für uns entdeckt haben, nicht aufgehört. Die Fronten sind die gleichen geblieben: hier geschlossen und fest­gefügt unsere Heimattreue Front, zu der sich am 24. Mai die große Mehrheit der boden­ständigen Bevölkerung bekannte, dort sechs alt­belgische Parteien, die jede für sich be­hauptet, sie wolle und werde bestens für uns sor­gen, wenn wir sie wählen ... Ja, am 7. Juni wer­den wir wählen, und zwar unsere Heimattreuen Vertreter. Galt es am 24. Mai durch die Abgabe weißer und ungültiger Zettel dem Protest gegen das uns angetane Unrecht vor aller Welt zu be­kunden, so gilt es jetzt, möglichst viele gut Heimat­treue Männer nach Lüttich zu entsenden, um dort in der Körperschaft der Provinz unsere Interessen praktisch wahrzunehmen. Das aber können nur

Frankreich an die erste Stelle der friedfertigen Nationen setzen" (aber wo bleibt denn da Sowjet­rußland?). Diese Kostproben des Regierungspro­gramms zeigen, daß es sich um ein Gemisch von mehr oder minder wichtigen Aufgaben handelt, bei denen von marxistischer Nutzanwendung roenia zu spüren ist, und die zum Teil den kommunistischen Wünschen gradezu widersprechen.

Die General st reikgefahr in Frankreich

Daß die Rexisten sich so verspätet zur Sache mel­den, mindert das Vertrauen, das wir in ihre Worte sicher gern setzen möchten. Wir warten daher ihre Taten ab, haben wir doch in der Ver­gangenheit auch von anderen belgischen Gruppen, die uns nachher bitter enttäuschten, die gleiche lieb­liche Musik vernommen. Wir zweifeln nicht daran, daß Degrelle es ehrlich meint, aber wir vergessen auch nicht, daß Rex in unserer Heimat den Wahl­kampf vielfach so geführt hat, als ob es eine Frage Eupen-Malmedy und eine geschlossene Heimattreue Auffassung nicht gebe. "Rex ist uns als Bundes­genosse im Ringen um das Recht willkommen, aber noch fjat diese neue altbelgische Partei nicht unter Beweis gestellt, daß sie auch noch nach der Wahl für Eupen-Malmedy einsteht. Daher folgt die bodenständige Bevölkerung auch am 7. Juni der Losung der Heimattreuen Front, bekennt sie sich zu den deutschen Männern, von denen sie aus Erfah­rung weiß, daß sie Vertrauen verdienen und keinen m x m m . anderen Ehrgeiz kennen, als für das Wohl der Und dann noch em Wort zur R e x - P a r t e i, I Heimat zu arbeiten.

lieber die schlechte Lage der französischen Staatsfinanzen und die Unmöglichkeit, die neuen Forderungen mit dem Gange der finanziel­len und wirtschaftlichen französischen Konjunktur zu vereinbaren, haben wir bereits früher das Not­wendige gesagt. In der letzten Woche konzentrierte sich das französische Interesse daraus, ob eine um­fassende Krediterweiterung und Arbeitsbeschaffung durchführbar ist, während gleichzeitig die freie Goldwährung aufrecht erhalten werden soll. Bei der Kapitalflucht der Franzosen ist das un­wahrscheinlich. Deshalb geht der Kampf der Marxi­sten und Kommunisten hauptsächlich um die Beein­flussung bzw. Verstaatlichung der amtlichen Noten- muD ti,«: uiiueiyume ^roijung ver­

dank. Die Bank von Frankreich wählt ihren Gou- Sowjets an die Adresse der bürgerlichen Republik verneur durch 200 dec wichtigsten Aktionäre. Das! angesehen werden.