Ausgabe 
6.6.1936
 
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Italien umsubelte den Eroberer von Abessinien.

Bel seiner Rückkehr nach Italien wurde der zum Vizekönig ernannte Marschall Badoglio mit einer überschäumenden Begeisterung begrüßt. Unser Bild zeigt den Vizekönig bei seiner Fahrt vom Hasen in Neapel zum Bahnhof. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Volksverbundene Gemeindepolitik.

^eichsminister Sr. Frick auf der Vorstandssihung des Deutschen Gemeindetages.

Generaloberst von Seeckt übernimmt sein Regiment.

Berlin, 5. Juni. (DNB.) Zum ersten Male nach dem Kriege ist die alte soldatische Einrichtung, einem Regiment einen Chef zu geben, wieder ausgenommen worden. Das I n f a n t e r i e-R e a i- m e n t R r. 6 7 i n Spandau hat als erster Truppenteil der neuen Wehrmacht den General­obersten von Seeckt zum Regimentschef erhal­ten, eine Ehrung für den großen Soldaten anläßlich seines 70. Geburtstages. Am Freitagnachmittag übernahm nun Generaloberst von Seeckt auf dem Exerzierplatz Ruhleben sein Regiment. Nach der Begrüßung durch Generaloberst Freiherrn von Fritsch meldete der Regimentskommandeur Oberst Seifert dem Chef des Regiments die an­getretene Truppe. Unter den Klängen des Präsen- tiermarsches schritt Generaloberst von Seeckt die Paradeaufstelluna ab. Dann richtete Generaloberst von Seeckt eine kurze Ansprache an sein Regiment:

Mit Stolz und Freude übernehme ich heute als Chef das Infanterie-Regiment 67. Vor 50 Jahren habe ich auch mit dem Gewehr in der Hand in der Front eines eurer Traditionsregimenter gestan- den. Vieles hat sich in den 50 Jahren geändert, aber eines ist geblieben, das ist der deutsche Soldat. Auf drei Säulen ruht die deutsche Armee: auf der Pflicht, der Ehre und der Kameradschaft." Nachdem der General­oberst das Wesen dieser drei Kardinalpunkte der Armee charakterisiert hatte, fuhr er fort:Mit die­sen dreien bin ich alt geworden, mit diesen dreien sollt ihr auch alt werden. Damit gehört ihr heute mir und damit gehöre ich euch! Das Regiment hört auf mein Kommando! Es lebe das Regiment, die Armee, das Vaterland und sein Führer!"

Donnernd hallte das vom Regimentschef ausge­brachte Sieg-Heil über den weiten Platz. Das Mu- ikkorps spielte die National-Lieder. Abschließend ührte Generaloberst von Seeckt sein Regiment an >em Oberbefehlshaber des Heeres, Generalober' von Fritsch, vorbei.

Geschwader General Wever" Dr Führer ehrt das Andenken des ersten Generalstabschefs der neuen Luftwaffe.

Berlin, 6. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Führer und Reichskanzler hat folgende Verfügung erlassen:

Der erste Generalstabschef unserer wiedererstan­denen Luftwaffe, Generalleutnant Wever, ist von uns gegangen. Mitten aus rastloser Arbeit für seine Waffe ist er, beseelt von dem festen Willen auch in fliegerischem Einsatz voranzugehen, auf dem Felde der Ehre geblieben. In dankbarer Anerkennung seiner hohen Verdienste und in dem Wunsch, seinem leuchtenden Vorbild eine bleibende Stätte in der Luftwaffe au schaffen, be­fehle ich: Das Kampfgeschwader 253 führt fortan die Bezeichnung .Kampfgeschwader General W e o e r". Die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften tragen am Rock ein Erinnerungs­band mit dem NamenGeschwader General Wever". Nähere Bestimmungen darüber erläßt der Reichs­minister der Luftfahrt.

Das Geschwader wird sich dieser hohen Ehre stets würdig erweisen und eingedenk sein, daß es Den Namen eines Mannes trägt, der ein ganzer Soldat, ein edler Mensch vorbildlich war in seiner Treue für Volk und Vaterland."

Aufbahrung des Generalleutnants Wever im Reichslustfahrtministerium.

Dresden, 5. Juni. (DNB.) Am Freitagmittag wurde im Dresdener Garnisonlazarett eine Trauer­feier für den Chef des Generalstabes der Luftwaffe, Generalleutnant Wever, und den Obergefreiten Kraus, die am 3. Juni den Fliegertod fanden, abgehalten. An der Feier nahmen u. a. der Be­fehlshaber im Luftkreis III General der Flieger W a ch e n f e l d, ferner der höhere Fliegerkom­mandeur III Oberst Volkmann und als Ver­treter des Kommandierenden General des IV. Ar­meekorps der Chef des Generalstabs Oberst O l b - richt teil. Eine Ehrenkompanie der Fliegergruppe Großenhain erwies den auf dem Felde der Ehre Gebliebenen die letzte Ehrung. Die mit der Reichs­kriegsflagge bedeckten Särge waren im Hof des Garnisonlazaretts inmitten von dunklem Grün aufgebahrt. Hinter den mit Kränzen geschmückten Bahren, die von Ehrenwachen flankiert waren, er­hob sich ein schlichter Feldaltar mit dem Kruzifix.

Nach einem Choral sprachen der evangelische und der katholische Geistliche den Segen. Unter den leisen Klängen des Liedes vom guten Kameraden wurde der Sarg mit der sterblichen Hülle des Generalleut­nants Wever von zehn Offizieren der Luftwaffe durch das Spalier der Ehrenkompanie, die das Ge­wehr präsentierte, nach dem Wagen geleitet, in dem der Verstorbene nach Berlin in das Reichs­luftfahrtmini st erium übergeführt wurde. Während die Wacke des Ministeriums angetreten war, trugen acht Unteroffiziere den Sarg in das Gebäude. Die Amts- und Abteilungschefs des Reichsluftfahrtministeriums waren vor dem Hause angetreten und erwiesen ihrem toten Kameraden bei seinem letzten Einzua in die Stätte seines bis­herigen Wirkens die Ehrenbezeugung. Die Leiche des Obergefreiten Kraus wird am Montag in seinem Heimatort Ruhstorf bei Passau mit militä­rischen Ehren beigesetzt.

Kattowitzer Hochverratsprozeh.

Kattowitz, 5. Juni. (DNB.) Der dritte Tag im Kattowitzer Hochverratsprozeß zeigte, daß in dem sog. Geheimbund Polizeiagenten und Spitzel eine rege Tätigkeit entfalteten. Der An­geklagte Karl Pielorz sagte aus, er habe im Sep­tember 1935 in Erfahrung gebracht, daß eine Ge­heimorganisation unter dem NamenSchwarze Schar" bestand, die von einem bekannten Polizeiagenten namens Adamus aus Königs­hütte geleitet wurde. Erst geraume Zeit später habe er erfahren, daß es sich bei derSchwarzen Schar" um die G e h e i m o r g a n i s a t i o n des Maniura gehandelt habe, den er damals noch nicht kannte. Er habe einmal an einer Sitzung des Gcheimbundes teilgenommen, in deren Verlauf sich Maniura als deutscher Polizeibeamter namens Stein vorstellte und sich mit einer deutschen Ver­kehrstote auswies. Dieser angebliche Stein habe erzählt, er komme aus Hindenburg und habe den Auftrag, in Polnisch-Oberschlesien einen Geheim­bund zu gründen. Schon im Januar 1936 habe Pielorz erfahren, daß Maniura ein ehemali- ger Legionär und Aufständischer war, der den Geheimbund zu dem Zweck gegründet habe, d a s D e u t s ch t u m i n M i ß k r e d i t und in Ge- fahr zu bringen. Pielorz erklärt, über 30 schrift-

Berlin, 6. Juni. (DNB.) Zum ersten Male seit der Gründung des Deutschen Gemeindetages im Mai 1933 waren die Vorstände des Deutschen Gemeindetages und seiner Landes- und Prooinzial- dienststellen, und zwar als A u f t a k t z u m 6. I n- ternationalen Gemeindekongreß, am 6. Juni versammelt. Die im Reichstagssaal bei Kroll stattfindende Tagung wurde durch eine Rede des Reichsinnenministers Dr. Frick eingeleitet.

Ich darf", so führte Dr. Frick u. a. aus,dem Führer heute melden, daß wir alle unser mög­lichstes getan haben, die uns gestellte Aufgabe zu lösen und daß unserem Einsatz der Erfolg nicht versagt geblieben ist, ich darf dem Führer aber auch melden, daß wir auf dem uns gewiesenen Weg unbeirrt weiterschreiten werden, bis auch die letzte deutsche Gemeinde ein trag- fähiges Glied i m Unterbau des Rei­ches geworden ist. Die Finanzpolitik der Gemein­den wird auch in Zukunft auf die Lebensnotwendig­keiten unseres Volkes gerichtet sein und bleiben" Billige Gegenwartserfolge um den Preis unmäßiger Belastung der Zukunft lehnte Dr. Frick ab.Wir lehnen es ab, der Popularität halber auch nur eine Maßnahme zu treffen, über die wir dem Führer unter dem Gesichtspunkt der uns von ihm gestellten Aufgabe nicht jeden Augenblick Rechenschaft ablegen könnten. Das bedeutet manchmal Entsagung, bedeu­tet Aufschub oder gar Aufgabe von Vorhaben, deren Durchführung an sich wünschenswert sein könnte. Die vornehmste Aufgabe des Bürgermeisters ist es, die ihm in der Gemeinde anvertraute Gemein­schaft zu erhalten und immer fester zusammen- zuschließen.

Ein weiterer bedeutsamer Weg der Verwaltung ist die Pflege der Beziehungen zwi­schen Gemeinde und Presse. Der Bürger­meister und seine Mitarbeiter müssen auch für die Beantwortung von durch die Presse an sie heran- getragenen Fragen zur Verfügung stehen.G e - wissenhafte Haushaltsführung und Pflege des örtlichen Gemeinschafts­geistes sind die beiden großen Aufgaben", so schloß Dr. Frick,deren Erfüllung er von dem deutschen Bürgermeister erwarte."

lieber volksverbundene Gemeindepolitik sprach der Vorsitzende des Deutschen Gemeindetages, Reichsleiter Fiehler, Oberbürgermeister der Hauptstadt der Bewegung.

Seit dem Jahre 1933 sei, so führte er u. a. aus, ein gewaltiger Neuaufbau der deutschen Gemeinden festzustellen. Der Führer der Gemeinde ist kein Tyrann feiner Mitbürger Er ist nicht unumschränk­ter Vorgesetzter einer bürokatischen Hierarchie. Volksnahe Verwaltung heißt die ForÜe-

liche Berichte über die Geheimorganisation an den ihm bekannten Polizeispitzel Ptok, der in diesem Prozeß als Belastungszeuge (!) auftritt, ausgehändigt. Ihm sei von einem polnischen Kri­minalbeamten Arbeit und Geld angeboten worden, wenn er Berichte der Polizei zuführe. Dem Be­amten habe er jedoch erklärt, er liefere solche Be­richte schon an den Polizeiagenten Ptok

Hoare erster Lord der Admiralität.

London, 5. Juni. (DNB.) Der frühere Außen­minister Sir Samuel Hoare ist an Stelle von Lord Monsell zum Er st en Lord der Admi­ralität ernannt worden. Hoare trat vor sechs Monaten als Außenminister zurück, da der von ihm gemeinsam mit dem französischen Minister­präsidenten Laval ausgearbeitete Plan zur Rege­lung des abessinischen Streites in England auf schärfsten Widerspruch stieß. Er steht jetzt im 55. Lebensjahr und gilt als eine der fähigsten und be­deutendsten Persönlichkeiten der Konservattven. Seit 1922 ist er fast ununterbrochen im Kabinett ge­wesen. Als fein Hauptwerk gilt die neue Verfassung für Indien, die er im Jahre 1934 im Parlament einbrachte.

Die konservative Presse widmet Hoare herzliche Worte der Begrüßung, während die oppositionellen Blätter, allen voran die sanktionsfreundlicheNews Chronicle", ihr Bedauern zum Ausdruck bringen. In derMoming Post" kommt zum Ausdruck, daß unter denen, die es mit der Regierung gut mein­ten, nur Zufriedenheit über die Ernennung Hoares herrsche. Die Sorge fürben guten Rufder britischen Flotte sei die wichtigste Aufgabe des Tages, und es sei wesentlich, einen Marine­minister zu haben, der stark genug sei, sich feinen Kabinettskollegen gegenüber durchzusetzen. Es sei nicht zu befürchten, daß sich Sir Samuel Hoare mit halben Maßnahmen begnügen werde. Die Rückkehr

rung! Daher ist es selbstverständlich, daß im Ver­hältnis zu den Gemeinderäten und anderen Ehrenbeamten niemals ein diktatorischer Ton ein­reißen darf. Vertrauensvolle, ausführliche, gemein­same Auseinandersetzung über alle irgend bedeut­samen Fragen ist notwendig. Es ist auch nicht zu billigen, fest in der Bevölkerung verwurzelte Bür­gervereine aus unangebrachten Organisations­gelüsten heraus zu zerschlagen. Die nationalsoziali­stische Idee zeigt an der wichtigen Beziehung zwi­schen Gemeinden und Staat besonders ihre frucht­bare Kraft. Der Erfolg der Aufbauarbeit liegt offen zu Tage. Beliefen sich z. B. im Jahre 1932 die von Den Gemeinden an den Staat nicht abgelieferten Staatssteuern in Preußen noch auf 223 Millionen Mark, so betrugen sie Ende 1935 nur noch 0,5 Millionen Mark. Für Zwecke der Arbeitsbeschaffung haben die Gemeinden gewaltige Summen aufge­bracht.

Der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gemeindetages, Oberbürgermeister Dr. Dr. Weidemann (Halle) sprach über das Thema Die Kulturaufgabe der Gemeinden".

Er zeigte, welche überaus bedeutsame Rolle den Gemeinden, Landkreisen und Provinzialverbänden im gesamten Kulturleben zukommt. Er erwähnte dabei, daß die weitaus größte Zahl aller öffent­lichen Kunsteinrichtungen von den Gemeinden ge­tragen wird, z. B. 69 Theater, 64 Kulturorchester und Tausende von Museen und Sammlungen. Mehr als 16 000 Volksbüchereien der Gemeinden vermitteln dem Volk das wertvolle deutsche Schrift­tum. Dr. Weidemann nahm dann grundsätzlich Stellung zurAusbildung des Nachwuch» f e s in Öen Gemeindeverwaltungen"

Im Rahmen des Geschäftsberichtes des Gemeinde­tages betonte dessen Präsident Dr. I e s e r i ch , daß mit der 1933 geschaffenen einheitlichen Spitzenver- tretung aller Gemeinden und Gemeindeoerbände im Deutschen Gemeindetag dieser nicht die Belange irgendwelcher Gruppen von Gemeinden vertritt, sondern gleichermaßen die der Großstädte wie der kleinen Städte, der Provinzen, der Landkreise und der großen Zahl der ländlichen Gemeinden. Selbst­verständlich gibt es innerhalb der verschiedenen Größenklassen und Selbstverwaltungsköcper immer noch Interessengegensätze Hier ist der Deutsche Ge- mcinbetaa berufen, diese Gegensätze zu überbrücken und die Kräfte so zusammenzufassen, daß die Inter­essengegensätze zu einem fruchtbaren gegenseitigen Verhältnis umgestaltet werden. Die Zusammen­arbeit aller Dienststellen des Deutschen Gemeinde­tages mit den Kommunalpolitischen Aemtern der Partei darf als vorbildlich angesehen werden.

Hoares ins Kabinett werde den Kreis der Kabinetts­mitglieder stärken, die für eine möglichst schnelle Aufhebung der Sanktionen seien.Daily Expreß" sieht nach der Ernennung Hoares für die nächsten Monate eine neue Reaie- rungspolitik voraus, die in der Zurückziehung der Verstärkungen der brittschen Mittelmeerflotte und, in freundschaftlichenGesten" zwischen England' 1 und Italien zum Ausdruck kommen werde.

Bölkerbundsversammluna am 30. Juni.

Genf, 5 Juni (DNB.) Der Generalsekretär des Völkerbundes hat den Mitgliedsstaaten im Auf­trage des Präsidenten der Versammlung mitgeteilt, daß die Völkerbundsversammlung am Dienstag, 3 0 Juni, um 11 Uhr, in Genf wieder zu­sammentreten wird. In dem Telegramm wird noch­mals darauf hingewiesen, daß es sich um die Fortsetzung der im Oktober 1935 vertagten ordentlichen 16. Tagung der Versammlung handelt.

Schuschnigg bei Mussolini.

Rom, 5. Juni. (DNB.) Mussolini hat am Freitagvormittag in Forli den österreichischen Bun­deskanzler Schuschnigg empfangen. Die nord- italienische Presse beschränkt sich auf eine ausführ, liche Schilderung der Fahrt des Bundeskanzlers zu Mussolini und seine Weiterreise nach Vene­dig, wo er vom Unterstaatssekretär für das Presse­wesen, Alf ieri, und anderen amtlichen Persön­lichkeiten empfangen worden war. Dr. Schuschnigg wird am Samstagvormittag von Venedig n a ch Wien zurückfltegen.

Annahme der schweizerischen Wehrvorlage.

Bern, 5. Juni. (DNB.) Der schweizerische Na- tionalrat hat die neue Wehrvorlage mit 159 gegen

11 Stimmen angenommen. Bundespräsident Meyer erklärte, daß zur Beschaffung der notwen­digen Mittel in Höhe von 235 Millionen Franken einer Wehranleihe mit zwölfjähriger Laufzeit vor neuen Steuern der Vorzug zu geben sei. Mit der Festsetzung eines niedrigen Zinsfußes werde dieser Anleihe der Charakter eines Wehropf e r s gegeben. Bundesrat Minger erklärte, von den 235 Millionen sollten etwa 190 Millionen zur Arbeits­beschaffung dienen. Der Antrag, den Kredit auf 500 Millionen zu erhöhen und 240 Millionen für die wirtschaftliche Landesverteidigung zu verwenden, würde nur eine Verzögerung bewirken.

Aus aller Welt.

Schnee und Kalle in den bayerischen Bergen.

In den bayerischen Bergen ist in der Nacht zum Freitag mit dem bereits gemeldeten Temperatur­sturz Regen und Schneefall eingetreten. Auf Der Zugspitze herrscht starkes Schneegestöber. Die tiefste Temperatur betrug in der vergangenen Nacht 9 Grad. Freitag früh stand das Quecksilber immer noch auf 8V2 Grad. Dichter Nebel hüllt alle Berg- spitzen ein und verhindert jede Sicht. Auch im Allgäu tragen die Berge dicke weiße Hauben. Bei Jrnrnenstadt ist die Schneegrenze in einer Höhe von etwa 900 Meter. Jrn Tal geht unaufhörlicher Re­gen nieder. Auch in den bayerischen Ostalpen ist auf der Höhe Schneefall, im Tal Dauerregen eingetreten. Die Berchtesgadener und Reichenhaller Berge trugen Freitag früh bis auf 1200 Meter herab ein weißes Winterkleid. Im Tal herrscht Nebel wie im November.

Blitzschlag In eine Arbeitergruppe.

In Bischofsheim (Rhön) schlug bei einem Gewitter der Blitz in eine Arbeitergruppe, die auf dem Steinberg mit dem Behauen von Pflaster­steinen beschäftigt war. Dabei wurde der 29jäh« rige Lorenz Linden auf der Stelle getötet. Drei weitere Aroeiter erlitten schwere Verletzungen.

Eisenbahnunglück bei Oinz. 2 Tote,

6 Schwerverletzte.

Am Freitagabend e n t g l e i st e der aus Frank­reich und aus der Schweiz über den Arlberg kom­mende v-Zug Nr. 122 auf einer zwischen den Bahnhöfen Asten und Ebelsberg (bei Linz) gelege­nen Baustelle, wobei die Lokomotive, der Dienst­wagen, der Postwagen und drei Personenwagen umstürzten. Nach den bisherigen Erhebungen sind zwei Todesopfer zu beklagen, außerdem sind sechs Schwerverletzte und eine große Anzahl Leichtverletzter gemeldet. Hilfszüge sind von Linz und Wien aus sofort an die Unfallstelle abgegan­gen. Der Verkehr wird umgeleitet. Zur Aufrecht­erhaltung der Ordnung hat das Militärkommando in Linz eine Kompanie des Bundesheeres an den Unglücksort entsandt. Wie von privater Seite be­richtet wird, soll die Zahl der Verletzten 25 Per­sonen betragen.

Grohseuer im Hasen von Southampton.

In einem Bananenspeicher im Hafen von Sout­hampton brach ein Feuer aus. Alle Feuerwehren von Southampton mußten zur Bekämpfung des Brandes aufgeboten werden. Auch ein Güterzug wurde schwer beschädigt. Der Sachschaden ist be­trächtlich.

8 Jahre Zuchthaus im Fall Joannis.

Im Prozeß gegen den Sittlichkeitsverbrecher Pfarrer I 0 a n n i s verkündete die Strafkammer Ellwangen folgendes Urteil: Der Angeklagte wird als gefährlicher Gewohnheitsverbrecher wegen 45 Verbrechen wider die Sittlichkeit, in einem Falle in Zusammentreffen mit einem beschimpfenden Unfug in der Kirche zu einer Gesamt st rase von a ch i Jahren Zuchthaus verurteilt. Drei Monate Untersuchungshaft sind anzurechnen. Die bürger­lichen Ehrenrechte werden ihm auf 5 Jahre ab­erkannt. Ferner wird Sicherungsverwahrung ange­ordnet. Die Kosten des Verfahrens hat der An­geklagte zu tragen. In der Begründung des Ur­teils führte der Vorsitzende aus, daß die Haupt­verhandlung in allen 45 Fällen ergeben habe, daß der Pfarrer mit Kindern unter 14 Jahren unzüch« tige Handlungen vorgenommen habe. Nach dem Gut­achten der Sachverständigen fei er als voll zurech­nungsfähig anzusehen. Bei der Strafbemessung wurde als strafverschärfend angenommen das lange hem­mungslose Treiben, die große Zahl der Fälle und die schweren Folgen der Tat. Das Gericht ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß die öffentliche Sicherheit die Sicherungsverwahrung des Ange­klagten verlangt. Da für einen Gewohnheitsver­brecher wie den Pfarrer Joannis kein Platz mehr in der Volksgemeinschaft ist, wurde auch auf Ehren­oerlust erkannt

vier Todesopfer

bei einem Grubenunglück in Oberfchlesien.

Auf der Castellengo-Grube in Martinsau in Oberschlesien hat ein EinsturAunglück vier Todesopfer gefordert. Es handelt sich um den Füller Johann L e p p i ch, den Häuer Maximilian M a i n k a , und die Fördermänner August L i ß und Karl K 0 z y b i k.

Welche Brotarten ißt man bei uns?

ZdR. Kommt man auf Reisen in andere Land­schaften, in andere Städte, gehört es immer zu den ersten Feststellungen, die man macht, daß es dort ganz andere Brotsorten gibt, als man es von da­heim gewöhnt ist. Es sind nicht nur Unterschiede in der Form und Größe oder zwischen Land- und Stadtbrot vorhanden, sondern die ganze Zusammen­setzung des Brotes ist je nach den Gegenden unseres Vaterlandes verschieden. In ganz Ostdeutsch- land, in der Mark und auch in Mittel­deutschland ißt man vor allem Roggenbrot und Zur Abwechslung gern Kommiß- oder Schrotbrot. In den Küstengebieten der Nordsee dagegen sowie am Niederrhein wird hauptsächlich Schrotbrot bevorzugt, aber auch Roggen- und Wei- zenmischbrot sind beliebt. Im Westen und S ü den Des Reiches wird meist Roggenmischbrot und daneben Weizenmischbrot gegessen, reines Roggen­brot oder Weizenfeinbrot findet man selten. Daß verhältnismäßig viel Weizenbrotmischungen im Sü­den Deutschlands gegessen werden, wird aus einem Vergleich der Mehlverwendung ersichtlich. Während der Weizenmehlanteil in Ost- und Mitteldeutschland durchschnittlich nur 2 v. H. beträgt, sind es in West- deutschland 27 v. H., in Süddeutschland sogar 37 v. H. Die Bevorzugung verschiedenartiger Brotsorten ist übrigens nicht etwa eine Sache des Geschmacks, sondern hat tiefere Ursachen. Der Mensch des Nor­dens, ein anderer Menschenschlag, in einem härteren Klima, braucht eine kräftigere Nahrung als der Mensch südlicher Landesteile. Immerhin findet sich bei uns kein ßanbftrid), in dem nur reines Weizen­brot gegessen wird.