Ausgabe 
6.5.1936
 
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iuartete mft Fcmgspseferelen auf, drei Benkos er­wiesen sich als sehr kraftvolle Akrobaten von gedie­genem Können, Lia Wilke und ihr Partner un­terhielten mit ihren Künsten auf Fahrrädern, zwei Ebertys zeigten einen Perchenakt von erstaun­licher Sicherheit und Gadby Rex setzte für Bruch- teue von Sekunden die Zuschauer mit seinem To­dessprung aus der Zirkuskuppel in äußerste Span­nung. Ein buntes Bild boten die 15 Schamils, die russische Tanzkunst, Musik, Gesang und waghalsige Reitszenen zeigten. Ein römisches Reiten mit drei ungesattelten Pferden beschloß das anregende Pro­gramm.

jföK ; r *pie deutsche Arbeitsfront

N.0.-6emeinschaftKraft durch freude

Vekriebswarke und Delriebswanderwarle.

Die am vergangenen Sonntag, 3. Mai, durchge­führten Betriebswanderungen und Ausflüge sind umgehend zu melden: Angabe des Ausflugsortes und die Teilnehmerzahl ist erforderlich.

Termin zur Meldung an die Kreisdienststelle, Gießen, Schanzenstraße 18, Samstag, 9. Mai 1936.

Heidelbergsahrt.

Anläßlich der am Sonntag, 10. Mai, stattfinden­den Heidelbergsahrt führen wir eine Wanderung durch nach Neckargemünd Waldhilsbach Kö­nigstuhl. Einige Teilnehmer können sich für diese Wanderung noch melden, unter Umständen gehen zwei Wandergruppen.

Gauwanderlag.

Am Sonntag, 17. Mai, werden im ganzen Gau Wanderungen durchgeführt. Der Kreis Wetterau veranstaltet eine Sternwanderung nach Kloster Arnsburg bei Lich. Alle Betriebswarte und Wan­derwarte geben jetzt schon Anweisungen bekannt und nehmen persönlich mit ihren Kameraden des­halb Fühlung. Spätestens bis 13 Uhr müssen alle Wandergruppen in Kloster Arnsburg eingetroffen sein. Die Wanderung kann zu Fuß oder mit dem Rad durchgesührt werden.

Volkstanz.

Am Donnerstag, 7. Mai, 20 Uhr, üben wir wie­der im Haus der Arbeit, Schanzenstraße 18 (Gro­ßer Saal). Wer sich am Volkstanz noch beteiligen will, kann sich dort anmelden. Bedingung ist Zu­gehörigkeit zur HI., BDM. oder DAF. Pünktliches Erscheinen ist notwendig.

SportamtKraft durch Freude".

Heule folgender Kursus:

Allgemeine Körperschule, Frauen u n d M ä n n e r. Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26.

Reichssporlabzelchen.

Am Samstag, 16. Mai, beginnt ein Vorberei­tungskursus für das Reichssportabzeichen. Die Ko­sten für den sechsstündigen Kursus betragen für DAF.-Mitglieder 1,80 Mk.; für Nichtmiglieder 3, Reichsmark. Am Schluß des Kurses wird die Prüfung für das Reichssportabzeichen abgenom­men. Anmeldungen an die Geschäftsstelle, Schanzen­straße 18, erbeten.

*

** Ernennung beim Versorgungs­amt Gießen. Anläßlich des Nationalen Feier­tages am 1. Mai 1936 ist der Derwaltungssekretär Eduard Pilgram vom Versorgungsamt Gießen zum Verwaltungs-Inspektor ernannt worden.

** Maienblasen am heutigen Mittwochabend ab 19 Uhr vom Turm der I o h a n n e s k i r 'ch e: 1. ChoralAllein Gott in der Höh' sei Ehr', Leipzig 1539; 2.Die Ehre Gottes" von Beethoven; 3.Im schönsten Wiesengrunde", Volkslied aus dem 18. Jahr­hundert.

** Fundsachenverzeichnis. Das Ver­zeichnis über die im Monat April gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur der Polizeidirektion, Landgraf-Philipp- Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberech­tigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb von zwei Monaten beim Fundbüro wäh­rend der Dienststunden geltend zu machen.

** Unfall a u f der Straße. Der 59jährige Oberassistent i. R. Konrad Lauer von hier wurde, als er gestern durch die Hammstraße ging, an­scheinend plötzlich von einem Unwohlsein überfallen und stürzte zu Boden. Er fiel dabei so unglücklich, daß er einen Schädelbruch erlitt und durch die Frei­willige Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik gebracht werden mußte.

Willy Neumann (1885 Gießen) wieder in der Nationalmannschaft.

Der Gießener Fahrer Willy Neumann vom Radfahrerverein 1885, der durch Brems- bzw. Lenker­bruch bei den Rennen in Hannover und Köln sich nicht unter den Ersten placieren konnte und deshalb wieder aus der Nationalmannschaft ausgeschieden war, konnte sich bei dem Rennen um denGroßen Straßenpreis des Saarlandes" durchsetzen und wurde von der obersten Radsportbehörde wieder in die Nationalmannschaft berufen. Neumann startet am kommenden Sonntag beiRund um Frankfurt".

Kunstturn Länverkampf DeutschlandItalien.

Deutschland führt in Mailand.

Der Kunstturn - Länderkampf zwischen Deutsch­land und Italien in Mailand wurde bereits am Dienstagnachmittag begonnen. Auf dem Platze des Mailänder TurnvereinsKraft und Schönheit" wurden die Freiübung und der Pferdsprung ab­gewickelt; die beiden Wettbewerbe zogen sich über drei Stunden hin. Grund für diese Verzögerung

In Hannover.

Die deutschen Olympia-Turnerinnen traten am Wochenende in Hannover zum ersten Male vor die Öffentlichkeit. In aller Stille wurden in Hannover in monatlichen Lehrgängen seit dem großen Magde­burger Wettbewerb im Dezember vergangenen Jahres unter Leitung von Reichs-Gymnastikwart Carl Soges Lehrgänge durchgeführt. Fünfzehn deutsche Turnerinnen sind bei dieser Auslese übrig geblieben, die sich jetzt zum ersten Male der Oeffent­lichkeit vorstellten. Im Vergleich zu den früheren Lehrgängen konnte festgestellt werden, daß die Turnerinnen in der Gymnastik schon sehr viel ge­lernt haben Im Kürturnen wurden namentlich am Barren recht gute Leistungen gezeigt. Das Ausschei- dungsergebnis nach vier Stunden Vorführung er­gab den Sieg von Käthe Sohnemann (Ham­burg), früher Gießen (Universitätsinstitut für Lei­besübungen), mit 250 Punkten, gefolgt von Anita Bär wirth (Kiel) mit 237 Punkten und Friedel J b y (Nürnberg) mit 235,5 Punkten. Montag und Dienstag wurde unter Leitung von Reichs-Gym­nastikwart Carl L o g e s und Hermann Ohne- sorge (Berlin) ein Schulungslehrgang durchge­führt, um die Feinheiten der einzelnen Hebungen noch weiter herauszuarbeiten und vor allen Dingen die Gruppenübungen zu pflegen.

Durch eine Neuanordnung ist die seitherige Kreis­bezeichnung grundlegend geändert. Unter diesen Umständen führt der Kreis VIII (Lahn-Dill) in Zukunft die Bezeichnung Sportkreis Gießen.

Das spielerische Programm am Sonntag war nicht gerade reichhaltig. Es erfuhr dazu noch durch einige unvorhergesehene Absagen eine wesentliche Verminderung, so daß im ganzen Kreis verhältnis­mäßig wenig Betrieb herrschte.

In der B e z i r k s k l a s s e kam das einzige Tref­fen nicht zustande, weil der vom Gau 13 zu stellende Schiri ausblieb.

Die 2. K r e i s k l a s s e sah nur das Spiel Tv. Allendorf (Lumda) Tv. Grüningen 7:5 (2:3), das einen vollkommen überraschenden Aus­gang nahm. Es ist zwar bekannt, daß die Gast- aeber auf eigenem Platz sehr gefährlich sind, es hätte aber niemand erwartet, daß es ihnen gelingen würde, Grüningen noch sicherer als das Ergebnis besagt, zu schlagen. Wenn auch bis zur 1. Halb­zeit die Gäste noch knapp in Führung lagen, so kam Allendorf nach dieser Zeit immer mehr auf. Als dann Grüningen noch einen Mann durch Heraus­stellung verlor, war der Widerstand gebrochen. Grüningen hat dadurch erneut zwei Punkte ver­loren, die es vielleicht nötig hätte.

To. Katzenfurt trat in Dutenhofen ohne Grund

war, daß sich die Kampfrichter fast nach jeder ein­zelnen Hebung zu einer Besprechung zurückzogen, um die Uneinheitlichkeit in den beiderseitigen Auf­fassungen über die Wertungen auszugleichen. Be­sonders stark trat diese Verschiedenheit der Auf­fassungen beim Pferdsprung zutage.

Bei den Freiübungen sicherte sich die deutsche Mannschaft mit 75.975 zu 73.250 Punkten die Führung; keiner der acht deutschen lutner blieb unter neun Punkten. Die beste Note erhielt der Bremer Steffens mit 9.700 Punkten; bester Mann der Italiener war Olympiasieger Neri mit 9.650 Punkten.

Beim Pferdsprung wurden die Italiener etwas zu gut bewertet, so daß sie anfangs die Füh­rung an sich rissen, Becker und Volz holten dann aber auf und als Schwarzmann volle zehn Punkte erhielt, war die Führung der Deutschen wieder hergestellt; die Gesamtleistung am Pferd war allerdings mit je 75.225 Punkten die gleiche. Auch hier war Olympiasieger Neri der beste Ita­liener mit 9.825 Punkten.

Nach den ersten beiden Hebungen stand der Kampf 151.200 zu 184.473 Punkten zugunsten Deutschlands.

Tv. Groß-Rechtenbach Tv. ©ar- benheim 9:1 (6:0): Recht eindeutig mußte sich Garbenheim mit seiner neuen Mannschaft in Groß-Rechtenbach geschlagen bekennen. Groß-Rech- tenbach war allerdings auch in einer Form, die wir noch von den Pflichtspielen her kennen und die der Mannschaft die besten Aussichten gibt.

Tv. D u t e n h o f e n II To. A l l e n d o r f (Lahn): 2:7 (2:2): Nach vieler Mühe ist es Allen­dorf gelungen, wieder eine Mannschaft zusammen­zustellen, die gestern zum erstenmal antrat. Wenn auch die Reservemannschaft von Dutenhofen kein überragender Gegner war, so beweist trotzdem das Ergebnis, daß Allendorf spielen kann.

Tv. Lützellinden 2. Jgd. To. Ober­kleen 1. Jgd. 4:6 (2:1): Auch Lützellinden hat jetzt eine zweite Jugend, die am letzten Sonntag zum ersten Male auf den Plan trat. Sie war ihrem Gegner, der recht gut zusammenspielte, zwar eben­bürtig, verstand es aber nicht, auch ihrerseits Tore zu werfen.

Handball im Turnverein 1846 Gießen.

Tv. Wetzlar-Niedergirmes Jugend gegen

Tv. 1846 Gießen Jugend 2:13.

Die Handballjugend löste am Sonntag eine Rück­spielverpflichtung in Niedergirmes ein. Durch das Fehlen zweier der besten Leute mußte eine Mann- sHaftsumstellung vorgenommen werden. Die dafür eingetretenen Jungens fügten sich aber schnell in die Mannschaft ein und lösten ihre Aufgaben gut Daß sich die Mannschaft zur Zeit in einer guten Form befindet, konnte sie auch diesmal wieder be­weisen. Mit nicht weniger als 13:2 konnte sie die sehr flinke und spielstarke Mannschaft des To. Wetz­lar-Niedergirmes schlagen, was man nach dem knapp errungenen Sieg im Vorspiel (6:5) nicht er­hofft hatte. Ausschlaggebend für dieses hohe Er­gebnis war in erster Linie der Sturm, der sich von der besten Seite zeigte.

Das Spiel war durchaus keine so einseitige An­gelegenheit, wie man dies aus dem Ergebnis schlie­ßen könnte. Beide Mannschaften bemühten sich, den Zuschauern ein faires und sehr schnelles Spiel zu zeigen.

Taunus-Geländefahrt der Moiorgruppe Hessen.

Die NSKK.-Motorgmppe Hessen veranstaltet mit Genehmigung der Obersten Nationalen Sport­behörde (ONS) am 10. Mai 1936 die Taunus- geländefahrt 1936 für Krafträder und Per- sonenkraftwagen.

Zum ersten Male wird eine derartige Gelände­prüfungsfahrt in der nächsten Umgebung von Frankfurt a. M. durchgeführt werden. Start und Ziel befindet sich in Kronberg im Taunus.

Die Meldungen zu dieser Fahrt sind bisher so zahlreich eingegangen, daß zu befürchten steht, Kronberg wird für die Unterfunftsgebung nicht ausxeichen. Der Hauptteil der Fahrer wird vom NSKK. und der Wehrmacht gestellt, daneben wer­den die Fahrer der SS., des DDAC., HI. und dergleichen als ernsthafte Mitbewerber eintreten.

.Heber die Strecke kann naturgemäß im voraus nichts gesagt werden, da die Streckenführung letzten Endes auch von der Witterung der letzten Woche abhängig fein wird. Dazu kommt noch, daß durch das letzte Unwetter im Taunus starke Verwüstun­gen durch Windbruch aufgetreten sind, die natür­lich die Schwierigkeiten noch erhöhen werden.

Die Fahrt beginnt am Sonntag, den 10. Mai 1936, 7 Uhr, in Kronberg und wird gegen Mittag in Kronberg beendet fein. Die Motorgruppe Hessen bittet heute schon alle Ausflügler, die durch Kron­berg kommen, auf die Veranstaltung Rücksicht zu nehmen und ganz besonders die Einfahrtsstraßen für den Autoverkehr vollständig frei zu lassen.

Mercedes-Sieg in Eng and.

I Auf dem Strand von Southport gelangte eine ! Schnelligkeitsprüfung über eine englische Meile zur : Entscheidung. In diesem Rennen war ein deutscher ; Wagen am schnellsten, und zwar ein 7-Liter-Mer- cedes-BenzSSK", von C. Doyle gesteuert, im Besitz der Prinzessin Mdivani befindlich.

Einen neuen Weltrekord fuhr der Eng­länder George Eyston in den Salzwüsten bei Bonne­ville im amerikanischen (Staate Htah. Mit einem Dieselmotorwagen erreichte der Engländer über die fliegende Meile einen Stundendurchschnitt von 225,675 Kilometer.

Gute Möbel bei Koos

____Giessen Schulstr6

Die Schulung der deutschen Olympia-Turnerinnen

Handball im Sporlkreis Gießen.

nicht an, so daß die Platzbesitzer billig zu einem Erfolg und zwei weiteren Punkten kamen.

Die beiden Jugendspiele nahmen zwar nicht den erwarteten Ausgang, sie stellen aber auch keine Heberraschung dar.

Tv. Lang-Göns Tv. Münchholzhau­sen 9:4 (6:2). Eindeutiger noch als erwartet, konnte Lang-Göns feinen stärksten Rivalen niederringen. In einem harten, aber spannenden Kampf mußten auch die Gäste die Vormachtstellung von Lang-Göns im Jugendhandball anerkennen. Nach dem gestrigen Spiel zu urteilen, wird wohl keine Mannschatt den Platzbesitzern den Endsieg noch streitig machen.

To. Ruttershausen Tv. Lützellin­den 9:7: Eine außerordentlich schwache Leistung boten in diesem Spiel beide Mannschaften. Schwach war vor allem Lützellinden, das keinesfalls den guten Ruf, der ihm vorausging, rechtfertigen konnte. Aber auch die Platzbesitzer waren nicht auf der Höhe, so daß kaum irgendwelche Schlüsse auf die zukünftigen Spiele gezogen werden können.

Freundschaftsspiele.

To. Münchholzhausen Tv. Roth 8:4 (6:2): Die Platzbesitzer konnten ihre derzeitige Form erneut unter Beweis stellen. Denn der Sieg über die gewiß nicht schlechten Gäste konnte erst nach Kampf festgestellt werden.

Käthe Sohnemann, die derzeit beste deutsche Geräteturnerin, hat ihre Ausbildung auf dem Ge­biete der Leibesübung zum Teil in Gießen ge­nossen, und zwar im Rahmen des Turnseminars der Aliceschule bzw. des Instituts für Leibesübungen unserer Unioerfität. Sie gehörte auch dem Turn­verein 1846 an und startete damals im Jahre 1933 für diesen Verein beim Deutschen Turnfest in Stutt­gart mit gutem Erfolg.

Und in Bad-Nauheim.

Wie wir in anderem Zusammenhang schon mit- gcteilt haben, findet der nächste

Schulungslehrgang der Olympiaturnerinnen vom 4. bis 8. Juni in Bad-Nauheim statt. Damit verbunden ist die zweite öffentliche Vorführung der Olympia-Turnerinnen; sie wird am 7. Juni in einem größeren Rahmen als das Schauturnen letzten Sonntag in Hannover durch­geführt werden und die Vorentscheidung treffen für die Auswahl der acht besten Turne­rinnen, die die deutsche Mannschaft bei den Olym­pischen Spielen bilden werden.

Die endgültige Aufstellung der deutschen Turne- rinnen-Mannschast wird nach einem großen Vor­führungsschauturnen am 4. und 5. Juli in der Dietrich - Eckart - Freilichtbühne in Berlin vorgenommen.

Noman von Marlise Köllinq.

Hrheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau.

8. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Josua sah aus seinen schwarzen Kulleraugen Jens Petersen mit einem Ausdruck tiefster Verach­tung an. Hätte er nicht den angeborenen Respekt seiner Rasse vor allen Weißen besessen, er hätte eine nicht mißzuoerstehende Bewegung mit dem Zeigefinger gegen seinen Kopf gemacht.

Was sollen Josua dagegen sagen, Mr. Schul­meister? Am besten, Josua schweigen und trinken noch ein Korn."

Jens Petersen mußte lachen. Aber der Gedanke, wer nun sein Nachbar werden würde, ging ihm doch mächtig im Kopf herum. Mit dem alten Hubert Zedlitz hatte er geradezu freundschaftlich gestanden. Zuerst hatte es zwar Mord und Tot­schlag gegeben, denn Hubert Zedlitz schien es darauf anzulegen, sich mit jedem zu verkrachen. Doch an Jens Petersens ruhiger Freundlichkeit war sogar Hubert Zedlitz' Mißtrauen gescheitert, schließlich waren sie beide die besten Freunde geworden.

Wie oft hatte Jens Petersen an Winterabenden drüben in dem niedrigen Wohnzimmer Hubert Zedlitz' gesessen, hatte den alten Mann von seinen Reisen und Irrfahrten durch die halbe Welt erzäh­len hören. Wie oft hatte er im Sommer neben ihm gestanden und bewundert, mit welch reifer Meister­schaft der Maler die herben Motive Oevenshöes auf die Leinwand bannte. Jens Petersen hatte sich nicht allzuviel mit Malerei abgegeben. Aber daß dieser absonderliche Kauz, dieser Hubert Zedlitz, die Seele der geliebten Insel verstand und wiedergab wie kein anderer, das begriff und fühlte Jens Pe­tersen in tiefster Seele.

Er hatte den Tod des alten Mannes ehrlich be­trauert. Wer würde sein Nachfolger fein? Hoffent­lich nicht irgendwelche hergelaufene, unangenehme Städter, die das schöne alte Bauernhaus mit Betriebsamkeit, Grammophonlärm und ähnlichen Scheußlichkeiten erfüllten. *

Nachdenklich schaute er zu dem Haus.Endlich allein" hinüber; trutzig sah es aus und verkörperte treffend die kraftvolle SelbstgenügsamkeitEndlich allein". Wie fest gefügt es dastand! Wie sicher mit seinem tief herabgezogenen dunkelgrauen Schindel­dach. Ein schönes Anwesen: der Garten, die weiten Wiesen, der Rvggenschlag man mußte es nur zu pflegen verstehen. Hnd das war hier in diesem her­ben Klima nicht leicht. Wenn das nötige Geld da­gewesen wäre, man hätte am liebsten die Felder dazugekauft. Aber das Geld hatte man nun einmal nicht, und es ging auch so.

Doch wie schön war es, daß man mit allem hier auf Oeoenshöe so verwachsen war. Man kannte die Familien, war überall gut Freund, die Kinder lieb­ten einen. Man konnte etwas schaffen an diesen jungen Menschen hier. Hnd in den Ferien gab es immer noch genug Gelegenheit, sich weiterzubilden oder Reisen zu machen.

Nein, wenn Jens Petersen sein Leben über­dachte, so mußte er dankbar und zufrieden sein. Der einzige Schatten auf fein Leben war nun auch verblaßt. Das Grab auf dem windverwehten Fried­hof am Norderende, das Grab Marie Krügers, be­einträchtigte mit feinem Dunkel nicht mehr feine Lebenszuversicht.

5.

Eine ganze Woche lang hatte der Regen über dem Lande gelegen. Aber zum ersten Dfterfeiertag klärte es sich auf. Die dunkelgraue Wolkendecke wurde immer Heller, und schließlich leuchtete sieg­reich das erste Zipfelchen blauen Himmels hindurch.

Als Benedikte und Hans-Hermann in Stralsund den Zug verließen, lag die volle Sonne auf den schönen alten Backsteinbauten der nordischen Stadt.

Zum Hafen?" fragte Hans-Hermann einen Träger, der mit dem Schubkarren den Bahnsteig entlangfuhr.

Da gehen Sie man immer gerade aus, ich komme dann schon mit dem Gepäck an Bord. Wo wollen Sie denn hin?" fragte der Träger in sei­nem behaglichen pommerschen Platt.

Mit dem DampferBismarck" noch Oeoenshöe."

Geht in zweieinhalb Stunden, Herr," erwiderte der Mann.

Hans-Hermann gab ihm seinen und Benediktes Gepäckschein. Dann gingen sie dem Ausgang zu.

Benedikte wies nach oben.

,Ist das nicht eine gute Vorbedeutung? Seit sieben Tagen der erste blaue Himmel!"

Unb dann faßte sie Hans-Hermann übermütig unter den Arm und sagte:

So", nun gönnen wir uns erst mal ein gutes Mittagessen, ehe wir zur Besichtigung unseres Gu­tes fahren."

Hans-Hermann lächelte:

Gut? Das klingt mächtig großartig, Bene­dikte. Paß auf, es ist eine ganz kleine Klitsche, so klein wie meine Zigarrenkiste .Hnd wer weiß wie verwahrlost. Ich habe zu Onkel Hubert in dieser Beziehung nicht das geringste Zutrauen."

Ich um so mehr," sagte Benedikte etwas heftig. Sie ließ auf Onkel Hubert nichts kommen.

Hans-Hermann schwieg. Wenn Benedikte dieses Eigensinnsgesicht machte, war nichts mit ihr anzu­fangen. Er hatte Onkel Hubert niemals kennenge­lernt, er wußte nichts von ihm, außer daß er das verlorene Schaf der Familie gewesen war. Dazu nun dieses verrückte Testament. Es war ja ganz nett, daß er sich ihrer so großzügig erinnert hatte. Aber der Wortlaut dieser letztwilligen Verfügung sah doch sehr danach aus, als ob Hubert Zedlitz sich einen bösen Witz mit Benedikte und ihm hatte erlauben wollen.

Schweigend gingen sie beide der Stadt zu. Bene­dikte schaute Hans-Hermann von der Seite an:

Freust du dich denn gar nicht ein bißchen, Junge? Ich weiß doch, daß du die Arbeitslosigkeit und die Jurisprudenz bis dahin" sie machte eine Bewegung zum Halsesatt hast. Herrgott, Junge, jetzt gibts doch etwas zu tun. Jetzt gibts doch etwas anzufassen! Ich bin ganz toll vor Freude, wenn ich denke, daß ich nun mein ganzes Leben nicht mehr im Geschäft verbringen muß. Don früh bis abends Geld kassieren, Abrechnungs­zettel nehmen, Listen führen, Angst haben, daß es nicht stimmt. Nein, ich komm mir vor wie im Paradies!"

Erst mal das Paradies besehen, Benedikte", gab Hans-Hermann etwas skeptisch zur Antwort.Ich will dir deine Illusion ja nicht von vornherein ka­putt machen, aber irgendeinen Haken bat die Sache!"

Benedikte wollte etwas entgegnen, aber man war vor dem HotelGoldener Löwe" angelangt,

der altbekannten Gaststätte der Hafenstadt. Hnd hier konnte Benedikte wieder einmal so recht den Gegensatz zwischen sich und Hans-Hermann feststel­len. Während sie, in äußeren Dingen bescheiden, sich mit einer billigen Mahlzeit begnügen wallte, erklärte Hans-Hermann auf einmal:

Zukünftige Gutsbesitzer können sich schon einmal ein feudales Mittagessen leisten. Wenn wir später einmal von unserer Insel herüberkommen, kennt uns hier jede Katze. Da wollen wir doch gleich einen guten Eindruck machen."

Sieh doch einer an", neckte Benedikte den Vet­ter und Jugendgespielen,auf einmal gefällt sich hier jemand ganz gut in der Rolle desGutsbe­sitzers", obwohl er eben erst kein gutes Haar an Onkel Huberts Erbe lassen wollte."

Hans-Hermann sah Benedikte mit einem verhak- tenen Blick an:

Unb wenn die Erbschaft Onkel Huberts auch kei­nen Pfennig wert wäre, schon die Tatsache, daß ich mit dir zusammen fein soll, Bena, ist gut und gern eine Million wert."

Nur so wenig?" versuchte Benedikte zu scherzen, aber es kam etwas unfrei heraus.

Merkwürdig, sie wußte es schon seit langem, daß Hans-Hermann sie lieber hatte, als ein Vetter eine beliebige Base. Und auch ihr war er der liebste von all den unzähligen Jungen der weitverzweig­ten Familie. Im Familienrat war oft genug die Rede davon gewesen: Benedikte und Hans-Hermann würden gut zu einander passen. Sie hatte sich in­nerlich niemals gegen diesen Gedanken gewehrt kam Zeit, kam Rat. Vorläufig hatten sie beide mit den äußeren Schwierigkeiten des Lebens noch viel zu stark zu kämpfen.

Wie kam es nun, daß ihr plötzlich angstvoll zu­mute wurde vor Hans-Hermanns verhaltenen Wor­ten? Jetzt erst ward ihr so recht bewußt, wie das zukünftige Leben sie ganz eng mit dem Vetter zusammenschließen mußte. Wenn sie sich entschloß, die Erbschaft anzunehmen, dann waren sie Tag für Tag auf engstem Raum miteinander zusam­men. Hnd was ihr vor kurzer Zeit noch als etwas Schones erschienen wäre, ließ sie plötzlich un­ruhig werden, sie wußte nicht warum.

(Fortsetzung folgt!)