Ausgabe 
6.5.1936
 
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Alles für das HilfswerkMller und Kind"!

Opfer und Arbeit des Lyzeums und der Irauenschule.

Gtandkonzeri -er GA.

Am Mittwoch findet von 18.30 bis 19.30 Uhr auf dem

Landgraf-Philipp-Plah

anläßlich des

Dankopfers der Nation ein Platzkonzert des INufikzuges der S2L- Standarte 116 statt.

Sturm 5/116 stellt Sprechchöre und singt S A.. L i e d e r.

Volksgenosse! Trage auch du an diesem Tage durch Linzeichnung in die Spenden- l ist en einen Teil deiner Dankesschuld an den Führer ab.

Gebt freudig und reichlich!

SA.-Standarte 116.

Standartenführer.

Amt für Volkswohlfahrt, Sießen-Nord.

Betr.: O p f e r r i n g.

Am Mittwoch, 6., und Donnerstag, 7. Mai, findet die Einziehung des Opferringes für den Monat Mai statt.

Deutsche Iägerschast.

Jagdgau Oberhessen.

Die Pressestelle des Gaujägermeisters teilt uns mit:

Die Wildmarkierung findet im Jahre 1 9 3 6 ein­heitlich im ganzen Reich durch weiße Wildmarken im rechten Lauscher oder Löffel statt. Diese An­ordnung ist unbedingt au beachten, wenn die Mar­kierung nicht einen erheblichen Teil ihres Wertes einbüßen soll.

(Schutz für das hessische Gast- und (Schankstättengewerbe.

LPD. Durch eine Verordnung des Reichsstatt­halters in Hessen Landesregierung werden mit Wirkung vom 1. Mai die Bestimmungen des §1 der Verordnung vom 22. Oktober 1934, das Gaststätten­gesetz betreffend, auch auf die Ausdehnung bestehen­der Betriebe auf den Ausschank bisher nicht zu­gelassener Arten von Getränken und auf bisher nicht zuaelassene Räume erstreckt. Der angezogene § 1 besagt, daß auf die Dauer eines Zeitraumes von drei Jahren, beginnend mit dem 22. Oktober 1934, im Volksstaat Hessen Erlaubnisse für neu zu er­richtende Gast- und Schankwirtschaften jeder Art grundsätzlich nicht erteilt werden. Ausnahmen dürfen nur in ganz besonders gelagerten Fällen von den Kreisämtern zugelassen werden.

Wer zahlt keinen Beitrag zur Angestelltenversicherung?

Bei der Angestelltenversicherung besteht die Der- waltungsübung, daß Söhne und Töchter, die im Haushalt des Geschäftsinhabers leben und voraus­sichtlich später einmal das Geschäft übernehmen, nicht für die Beitragsleistung an die Angestellten­versicherung heranaezogen werden. Dies hat dazu geführt, daß auch Angestellte in Aktiengesellschaften oder G. m. b. H.s den Antrag stellen, von der Bei­tragszahlung der Angestelltenversicherung befreit zu werden. Sie wiesen bei diesem Antrag darauf hin, daß ihre Eltern als Gesellschafter oder am Kapital der Aktiengesellschaft maßgeblichen Anteil haben.

In einer besonderen Entscheidung hat die An­gestelltenoersicherung ausdrücklich festgestellt, daß für

Das Lyzeum und die Frauenschule hatten sich für die vergangenen drei Wochen seit Ostern eine schöne Aufgabe gestellt: jede Stunde des Hand­arbeitsunterrichts in dieser Zeit war dem HilfswerkM utter und Kind" ge­widmet. Jede Schülerin beteiligte sich. Die Schüle­rinnen brachten zunächst Wollreste und Stoffreste mit und fertigten aus diesem Material ohne großen Kostenaufwand in schöner Bereitschaft zur Hilfe einzelne Kleidungs- und Ausstattungsstücke für Kinder an. Es wurde mit großem Fleiß und mit ebensoviel Liebe gearbeitet und unter den geschick­ten Fingern der Schülerinnen entstanden viele wert­volle Dinge, die nunmehr in Kürze und aus An­laß des Muttertages am 10. Mai der NSV. zur Weiterleitung überwiesen werden.

Alle Arbeit war nun dieser Tage in einer über­sichtlichen Schau im Handarbeitssaal des Lyzeums und der Frauenschule zusammengetragen. Für den Besucher bot sich ein buntes Bild. Welche Fülle der Dinge in dieser dreiwöchigen Arbeit entstand, geht aus der nachfolgenden Aufstellung hervor. Dabei konnte man feststellen, daß alles mit großer Sorg­falt hergestellt war und auch nach der geschmack­lichen Seite, in der Zusammenstellung des Mate­rials und in der Harmonie der Farben, sehr sorg-

diese Fälle die bisher geübte Verwaltungsübung nicht gültig ist. Diese besteht nur für die engste Familiengemeinschaft, aber nicht für Angestellte von juristischen Personen, wobei es gleich ist, in welchem Verwandtschaftsverhältnis die einzelnen Angestellten zu den Kapitalgebern stehen.

Fort mitKonfektion".

Das Reichs- und preußische Wirtschaftsministerium teilt mit: In weiten Kreisen ist bedauerlicherweise noch immer die unschöne BezeichnungKonfektion" im Gebrauch. Dieses überaus überflüssige Fremd­wort hat weder einen genau abgegrenzten Begriff, noch ist immer zu. ersehen, ob ein Waren- oder Wirt­schaftszweig gemeint ist. Im übrigen hat es einen wenig angenehmen Beigeschmack. Es sollte daher künftig allgemein an Stelle des Fremdwortes Kon­fektion nur noch die BezeichnungKleidung" oder Bekleidung" bzw.Bekleidungsindustrie" ange­wandt werden.

Störungen der Ruhe und Ordnung durch Musizieren ufn>.

Die Polizeidirektion weist darauf hin, daß anhal­tendes Musizieren, insbesondere Klavierspielen, Spielenlassen von mechanischen Musikapparaten (Grammophon, Radiolautsprecher u. dgl.) im Freien oder bei offenen Fenstern meist eine erhebliche Be­lästigung der Nachbarschaft bildet und häufig den Tatbestand des § 360, Ziffer 11 des Reichsstrafge­setzbuches (ungebührliche Erregung ruhestörenden Lärms oder Verübung groben Unfugs) erfüllt. Die Polizeibeamten sind angewiesen, einzuschreiten.

Umtausch alter Jtunöfumgcräec.

Zur Belebung des Sommergeschäftes, zur Räu­mung der Lagerbestände von Industrie und Handel und gleichzeitig mit dem Ziel, veraltete, gebrauchte Rundfunkgeräte aus dem Markt zu ziehen, wird in der Zeit vom 1. Mai bis 30. Juni eine Umtausch- Aktion für Rundfunkempfangsgeräte durchgeführt. Diese Umtausch-Aktion wird auf Grund von Verein­barungen zwischen der WDRL., der Arbeitsgemein­schaft des deutschen Rundfunk-Einzelhandels und den zuständigen Verbänden des Groß- und Einzelhandels nach Maßgabe folgender Richtlinien vonftatten gehen:

In der Zeit vom 1. Mai bis 30. Juni können ge­brauchte Rundfunkgeräte von solchen Typen, die bis spätestens 31. Juli 1931 auf den Markt gekommen sind, beim Verkauf fabrikneuer Geräte durch den Einzelhandel auf den Kaufpreis in Anrechnung ge­

fällig gearbeitet wurde. Die Arbeit des Lyzeums und der Frauenschule dürfte für die NSV. eine wert­volle Unterstützung im Dienste desHilfswerkes Mutter und Kind" fein. Neben den handgearbeite­ten Dingen war auch eine große Anzahl von Sachen gestiftet worden. Das Gesamtergebnis der Spende liegt bei weitem über allen bisherigen Spendeergebnissen.

Gearbeitet: 17 Paar Erstlingsschuhchen, 27 Windeln, 19 Moltondeckchen, 34 Hemdchen, 55 Kleidchen, 62 Lätzchen, 2 Ausfahrjäckchen, 14 Schürz- chen, 10 Spielhöschen, 28 Hütchen und Mützchen, 4 Windelhöschen, 1 Nachthemd, 5 Leibchen, 1 Un­terröckchen, 1 Höschen, 1 Flaschenhülle, 1 Garnitur (Mütze und Schal), 2 Umhängtäschchen, 2 Topflap­pen, 1 Puppenbett mit Püppchen.

G e st i f t e n : 5 Paar Erstlingsschuhchen, 12

Windeln, 7 .Moltondecken, 53 Hemdchen, 33 Kleid­chen, 38 Jäckchen, 33 Lätzchen, 3 Ausfahrjäckchen, 7 Schürzchen, 14 Hemdhöschen, 20 Hütchen und Mützchen, 6 Nachthemden, 2 Leibchen, 9 Wickelbän­der, 18 Unterröckchen, 8 Paar Schuhe, 11 Paar Strümpfe, 10 Höschen, 11 Knabenblusen und -An­züge, 4 Knabenhentdhosen, 1 Kinderbettuch, 1 Kis­senbezug, 1 Mieder, 2 Paar Handschuh, 1 Paar Waschhandschuhe, 1 Damenunterrock.

bracht werden. Diese Regelung erstreckt sich nur auf solche fabrikneuen Geräte, deren Preise bisher noch nicht herabgesetzt wurden, die also noch zu dem ursprünglichen Bruttolistenpreis gehandelt werden. Bei Rückgabe eines Batteriegerätes wird ein Ra­batt von 10 v. H., bei Rückgabe eines Netzgerätes von 15 v. H. auf den Bruttoliftenpreis des neu zu liefernden Gerätes gewährt.

Volksempfänger VE 301 und Arbeitsfrontempfän­ger DAF1011 find hiervon ausgeschlossen.

25 Jahre Kameradschaft ehemaliger L16erGießen

Die Kameradschaft der ehemaligen 116er Gießen kann am kommenden Samstag und am Sonntag die Feier eines 25jährigen Bestehens begehen. Vor 25 Jahren, am 11. Mai des Jahres 1911, hatten sich 21 Kameraden zusammengefunden, die im Infan­terie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 gedient hatten und den Wunsch in sich trugen, die Kameradschaft aus der Militärzeit weiterzupflegen und aufrechtzuerhalten. Damals wurde der Verein ehemaliger 116er gegründet. Die junge Kameradschaft hatte zwei Jahre später bereits eine große und ehrenvolle Aufgabe zu erfüllen: die Durchführung der Feier aus Anlaß des 100jährigen Bestehens des Regiments! Die Kameraden sicherten der Veranstaltung einen großartigen Erfolg.

Die Kameradschaft der ehemaligen 116er hat sich nun vorgenommen, die Feier ihres eigenen 25jähri- gen Bestehens in entsprechend würdiger Form zu begehen. Die Gründungsfeier sieht eine Reihe von Veranstaltungen vor. Der Samstagnachmittag bringt zunächst eine Kranzniederlegung am Denk­mal der ehemaligen 116er auf dem Landgraf- Philipp-Platz. Am Abend.finden sich die Mitglieder mit ihren Familien zu einem großen Kamerad­schaftsabend im Cafe Leib ein. Für diesen Abend wurde das Musikkorps des Infanterie-Regi­ments Nr. 36 unter der Leitung von Obermusik- meifter Ernst Krauß e gewonnen; darüber hinaus wird ein unterhaltsames Programm geboten. Für den Sonntagvormittag ist zunächst eine Besprechung von Verbands-Angelegenheiten vorgesehen. An­schließend wird man sich zu einer Besichtigung der neuen Kasernen treffen. Der Nachmittag ist dann wieder dem kameradschaftlichen Beisam­mensein gewidmet, und zwar wird man sich in Haus und Garten desSchützenhauses" treffen. Auch hier wird für allerlei Unterhaltung gesorgt sein. Dieses Beisammensein soll besonders die ka­meradschaftliche Verbundenheit aller Waffengattun- I gen dokumentieren. Auch die jungen Soldaten wer­

den teilnehmen. Außerdem werden Kameraden des Traditionsbataillons erwartet. Auf die heutige An­zeige sei besonders aufmerksam gemacht.

Gastspiel Zirkus Alchoff.

Wieder einmal drei Stunden Zirkuskunst! Das bedeutete für den Zuschauer drei Stunden an­regende Unterhaltung, drei Stunden Bewunderung großer körperlicher artistischer Leistungen und Be­wunderung für eine Fülle der Kraft und des Mutes, die sich selten auf kleinem Raum so zusammen­drängen, wie gerade unter dem Zirkuszelt. Zur gestrigen ersten Vorstellung war das Zelt fast bis auf den letzten Platz besetzt. Gespannt harrte man der vielfältigen Darbietungen, die das Programm versprach.

Musik mehrerer Kapellen leitete den Abend ein. Die vierfache Fahrschule geritten von drei Da­men und einem Herrn, war ein glücklicher Auftakt und brachte schon zu Anfang viel Leben in die Manege. Erstaunliche Leistungen der Kraft in Armen, Beinen und in den Zähnen hatte man bei einer Lufttruppe zu bewundern. Die Sensation war ein Sprung vom Trapez. Eine feine und echt zir­zensische Nummer zeigten Frl. A l t h o f f und Herr Williams in einemPas de deux und auf wunderschönen Pferden. Interessant war es für die Zuschauer, zu sehen, daß sich auch Kamele und Zebras der Dressur fügen, ganz wie Pferde, in der runden Manege Schule laufen.

Eine Steigerung erfuhren die Darbietungen in den Althoffschen Freiheitsdressuren. In vielen Figu­ren wurden vier Trakehner Rappen vorgeführt, man sah die lustige Pony-Kinderstube, schließlich aber noch die der 16 Tigerschecken, die Direktor Franz A l t h o f f zeigte und mit ihnen einen großen Erfolg errang. Mit Begeisterung sah man die ge­lehrigen, folgsamen, die wendigen Tiere im Ring, in ihren eleganten natürlichen Bewegungen, in ihrer gepflegten Schönheit.

Der Abend brachte aber noch einige andere Pferdenummern. So sah man neben den Tiger­schecken nicht 'weniger begeistert die herrlichen schnee­weißen Araberhengste, dann die famosen Steiger Monto" undOrloff", ja, es gab sogar ein seil- springendes Pferd zu sehen. Die Truppe Wil­liams zeigte Reiterkunststücke auf ungefattelten schweren Pferden und errang sich damit Sonder­beifall. Die große Geschicklichkeit, mit der Reiter und Reiterinnen fast ohne Hilfsmittel auf ihre Pferde springen, fordert immer neue Bewunderung her­aus. Im Rahmen der vielen schönen Darbietungen mit Pferden bedarf Frl. Netti Althoffs Vor­führung des preisgekrönten TurnierpferdesCa- price" besonderer Erwähnung. Caprice tanzte un­ter der geschickten Führung der Reiterin in allen Takten und überraschte dabei mit viel Grazie. Rei­terin und Pferd schienen wie miteinander ver­wachsen.

Den Höhepunkt der gestrigen Vorstellung stellte zweifellos R o c a s i m i s neuartige Löwen-Dressur-- Nummer dar. Sicherlich haben die meisten Zu­schauer eine Raubtiervorführung dieser Art noch nicht gesehen. Der Dompteur, der sich als Clown zu seinen vier großen schönen Löwen begab, ging mit ihnen wie mit Menschen um. Er scherzte mit ihnen auf alle erdenkliche Weise, gab ihnen laut- schallende Küsse, umarmte sie, legte sich mit ihnen gewissermaßen schlafen, rasierte sie mit Schlag­sahne, ja, er hielt sie sogar offensichtlich zum Besten, ohne daß es die Tiere ungnädig aufnahmen. Dabei bediente sich der Dresseur kaum der Peitsche, son­dern warf die Löwen mit Sägemehl, wenn sie nicht gleich parieren wollten. Ja, er fauchte sie auch an, als ob er ihresgleichen wäre. Die Vorführung wurde für den Domvteur ein großer Erfolg, nril sie sich so grundsätzlich von allem unterschied, was man bisher auf diesem Gebiet sah. Sehr anspre­chend waren auch die Elefanten-Dressurakte, die allerdings ganz auf eindrucksvolle Bildwirkung ab­gestellt waren und tatsächlich auch starke Eindrücke vermittelten. Es war schön zu sehen, wie hier der Mensch und das riesige Tier in einer herzlichen Kameradschaft zusammenarbeiteten.

Neben den zahlreichen Darbietungen mit schönen Tieren gab es noch eine Fülle der artistischen und akrobatischen Kunst zu sehen. Miß M a r t h i s e n

Gießener Gtadttheater.

Friedrich Lindemann: <

In Luv und Lee die Liebe."

Für die Binnenländer, die ja bei uns in der 1 Ueberzahl fein dürften, ist diesem erfreulichen Stück < im Programmheft eine kleine Segelanweisung mit- ! gegeben worden, damit sich die einheimischen Be- 1 sucher in den mancherlei Fachausdrücken und auch sonst in den Vorgängen der drei Akte leichter zu­rechtfinden. Daß zum BeispielMoses" die Gat­tungsbezeichnung für den jüngsten Schiffsjungen ist, wird allen, die wenigstens in der Literatur zur See gefahren sind, bereits geläufia fein. Steuerbord und Backbordist das, was alle Landratten immer verwechseln, nämlich rechts und links".Luv: von dort kommt der Wind; Lee: dahin geht er." Das erklärt verschiedenes von dem, was sich an Bord und im Hasen ereignet. Tröstlich ist die abschließende Anweisung:Liebe: heißt auch auf hoher See nur: Liebe."

*

Damit ist schon viel gewonnen, aber man muß hinzufügen, daß hier, obwohl wir nicht einmal bis zum Auslaufen kommen, außer der Liebe auch noch der Alkohol (besonders in Form von Genever) eine bedeutende Rolle spielt. Der Bremer Fried­rich Lindemann hat bereits in seinem Roman König im Moor" ein ähnliches Thema in ähnlicher Umwelt behandelt. Hier befinden wir uns in einem kleinen Ostseehafen, erst in der Hafenkneipe, dann an Bord eines Schuners, zuletzt im Hafenzollamt. Die Reihenfolge der Schauplätze ist nicht willkürlich, sondern naturnotwendig so und nicht anders. Der Ton ist nicht nur fachmännisch, sondern vor allen Dingen auch sehr klar und deutlich, das Ganze zwar nicht von Problemen übermäßig beschwert, aber lustig, unliterarisch und volksstücksmähig.

Auch die Handlung ist, obwohl es im zweiten und dritten Akt je eine Verlobung gibt, kaum konzen­trierter, als das bei Volksstücken, die auf Milieu­schilderung, Dialekt und typische Figuren Wert legen, der Fall zu sein pflegt; aber sie hat den Vorzug, daß das Pulver nicht zu früh losgcht, sondern erst im letzten Akt, aber da richtig und hoch­dramatisch, und jetzt handelt es sich nicht meyr bloß um Liebesgeschichten, sondern um einen richtigen Kriminalfall, der zur Freude der Beschauer eine verblüffende Aufklärung erfährt.

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Da wird nämlich dem ollen ehrlichen Kapitän Braß, ehe er mit seinem Schiffchen in See sticht, in der Wirtschaft von Mutter Groß, mit der er sich später verlobt, von einem verdächtigen Kavalier eine

Schiffsapotheke angedreht, mit welcher man alle Krankheiten und Unfälle kurieren kann, die einen Seefahrer unterwegs Heimsuchen können. Der Käptn ahnt nicht, daß diese Apotheke in Wirklichkeit als ein Briefkasten für Rauschgiftschmuggel" gedacht ist, und könnte in seiner Unschuld beim Hafenzollamt ziemlich Schiffbruch leiden, wenn nicht der Inhalt des ominösen Lazarettkastens im Laufe desöeads die wunderlichsten Verwandlungen durchmachte. Daran sind nun wieder die verschiedensten Perso­nen mittelbar und unmittelbar, absichtlich und un­absichtlich beteiligt, und da Lindemann, wie man sich überzeugen kann, entschieden Sinn ur Humor hat, ergeben sich daraus die merkwürdigsten und witzigsten Situationen.

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Wenn Käptn Braß sein treuherziges Auge auf Mutter Groß geworfen hat, so hat es die Tochter Groß ihrerseits mit dem Steuermann, obwohl ober gerade weil sie ihm gleich zu Anfang eine Ohrfeige gibt. (Liebe ist eben Liebe, auf hoher See ober im Hafen.) Außerbem fühlt sich bie Tochter, Betty, be­wogen, baraufhin bie Flaschen im Medizinschrank auf eigene Faust ein bißchen umzufüllen; das hat nun wieder der Bootsmann Dreefen zufällig be­merkt, und daher kommt es, daß die ganze Be­satzung hernach an Bord so überaus munter wird. (Einen Rausch haben sie, aber Gift war es nicht.) Daß der Steuermann sich zum Abschied außer Betty noch ein anderes Mädchen an Bord bestellt hat, war unvorsichtig, denn dieses Mädchen steht wiederum und andererseits in Beziehungen zu jenem verdächtigenDoktor", der dem Käptn die Apotheke" angedreht hat.

Da sich dieZollmöpse" begreiflicherweise sowohl für denDoktor" als auch für dessen weiblichen Anhang interessieren, wird die Derlobungsfeier durch unliebsame und unvorhergesehene Störungen unterbrochen, und der Steuermann hat wegen des doppelten Damenbesuches, der natürlich nicht ohne herbe Auseinandersetzungen bleibt, ohnehin Schere­reien genug. Aber die Kapitänskajüte hat ein Ober­licht, durch das man hinuntersehen kann, und die tüchtige Besatzung besteht aus seebefahrenen Männern, die nicht auf den Kopf gefallen sind. Sie haben die Medizinflaschen nicht bloß leerge- > trunken, sondern auch gewissenhaft nachgefüllt.

1 Dies war sehr weise und zeitigt goldene Früchte ' bei der anschließenden Verhandlung im Zollamt.

Dort wird demDoktor" zwar bas Hanbwerk ge­legt, aber beim Steuermann weht jetzt der Wind i von der richtigen Seite. Und daß der zweite Ver- , lobungsschluck so verdächtig und für einen Seemann ) ganz abscheulich nach Wasser schmeckt, statt nach ? Genever darüber braucht sich nach diesem über­

sichtlichen Bericht eigentlich niemand mehr zu wundern.

*

Die Spielleitung hatte Herr L ü p k e. Er insze­nierte so, daß die liebenswürdigen Seiten in Lin­demanns Stück vollauf zur Geltung kamen: Gemüt und Humor und Stimmung; die Liebe und der Alkohol fetzten sich sozusagen von selber in Szene, und die kriminalistische Spannung im dritten Akt hatte es in sich. Herr Löffler hatte die drei Schauplätze mit verständnisvollem Geschick, in natu­ralistischer Echtheit aufgebaut: es roch förmlich nach Salzwasser und Genever.

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Die lustigste und rundeste Gestalt der kleinen Schiffsbesatzung war Herrn Geigers Bootsmann Dreefen, ein verschmitzter alter Fahrensmann, mit reicher Erfahrung gesegnet, strotzend von Döntjes und plattdeutscher Spruchweisheit von enormer Durchschlagskraft, ein wahrhaft goldenes Gemüt und übrigens offenbar ein naher Verwandter jenes pfiffigen Knechtes auf Hinrichs berühmtem Bauern­hof, wo der Hahn kräht. Ein biederer, rotnasiger Käptn war Herr Volck, ein schmucker, schlanker Steuermann Herr Rosenthal; auch Johnny und Moses (die Herren Schorn und F r i tf h ö f f e r) erwiesen sich als gewitzte und drollige Burschen.

*

Sehr hübsch charakterisierte (landeinwärts) Herr Kühne den gerissenen und zweifelhaftenDoktor"; Frau Schubert erschien als gemütliche, mütter­lich-bräutliche Wirtin; Fräulein B i r f m a n n als Betty und Fräulein Decker als Olga spielten die lehr unterschiedlich gearteten Mädchengestalten ge­schickt und kontrastreich gegeneinander aus. Herr Lüpke (vom Zoll) brachte die etwas undankbare Rolle mit Glück an der schmalen Grenze zwischen Lustspiel und Karikatur vorbei.

*

Es war ein vergnügter Abend, und der taktfeste Beifall zum Schluß kam offenbar von Herzen.

hth.

Zeitschriften.

Ein interessanter Aufsatz im neuen Heft der Sirene" würdigt anläßlich des Wechsels im Präsidium des RLB. die wertvolle Aufbautätigkeit des bisherigen Präsidenten General (Stimme. Die Bedeutung der jüngsten italienischen Siege in Abes­sinien für Italien und das britische Imperium schildert ein großer Bildbericht aus Ostaftika. Vom übrigen Inhalt: ein Bilderartikel über panamerika­nische ßuftpolitif und eine Beschreibung mit vielen Beispielen, wie man Flugzeuge in der Lust er-

1 kennen kann.

Uraufführung

im Frankfurter Schauspielhaus.

Hermann Heinz Ortner, der für seine dra­matische LegendeTobias Wunderlich" mit dem Preis der Stabt Wien ausgezeichnet wurde und uns zuletzt das in Wien, München und Berlin auf- geführte Beethoven-Drama geschenkt hat, unter­nimmt mit feiner im Frankfurter Schauspielhaus uraufgeführten dramatischen DichtungHimm­lische Hochzeit" den Versuch, das Thema Mann und Frau neu zu gestalten. In einem Vor­wort sagt der Dichter, nicht der Hochzeitstag mache die Ehe aus, die himmlische Vermählung brauche Jahre an Zeit und Geduld. Mit seiner Legende versetzt er uns in die Wallenstein-Zeit. Ein Oberst, der eben von einem Feldzug zurückgekehrt ist, hat seine Frau mit einer Marketenderin betrogen. We­gen eines Zweikampfes um dieser Marketenderin willen wird er vor ein Kriegsgericht gestellt. Aus Erregung über die Untreue ihres Mannes ist die Frau des Obersten gestorben. Er wird vom Kriegs­gericht freigesprochen, weigert sich aber, seinen Degen wieder anzunehmen, da er sich am Tode sei­ner Frau schuldig fühlt. Diese erwacht jedoch aus ihrem Scheintode wieder; es folgt eine glückliche Neuvereinigung, und nun erst fühlt sich der Oberst von feiner Schuld frei.

Die Besetzung war mit Hermann Schömberg und Ellen D a u b in den Hauptrollen äußerst glücklich. Daneben bot Robert Taube einen aus­gezeichneten Feldmarschall. Nicht nur die Darsteller wurden stürmisch gefeiert, sondern auch der anwe­sende Dichter und Richard Salz mann, der das Stück wirksam inszeniert hatte. Dr. A. W.

Hochschulnachnchien.

Der Reichserziehungsminister hat den ordentlichen Professor Dr. Wilhelm Felgentraeger an der Universität Freiburg i. B. zum 1. Oktober 1936 auf den durch das Ausscheiden des Geheimrats Professor Dr. Leonhard freigewordenen Lehr­stuhl für privates Recht, Rechtsvergleichung und antike Rechtsgeschichte an der Universität Mar­burg berufen. Felgentraeger ist 1899 zu Berlin- Friedenau geboren, studierte zunächst Maschinen­bau, dann Rechtswissenschaft in Berlin und Göt­tingen, promovierte dort mit einer Arbeit über Savignys Einfluß auf die Uebereignungslehre" und habilitierte sich 1930 in Freiburg mit einer Abhandlung über antikes Lösungsrecht. 1934 wurde er auf den Lehrstuhl für Römisches und Deutsches Bürgerliches Recht in Freiburg berufen und kurz darauf zum Kanzler ernannt. Seit der Umwandlung dieses Amtes ist er Prorektor.