Ausgabe 
6.4.1936
 
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Zapans mongolische Ziele.

Von unserem R.W.-Berichierstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

I.

Tokio, im März 1936.

Die Auseinandersetzungen des Auswärtigen Amts und der Militärs über die Chinapolitik inter- elfteren wenig. Die Wahlen zum Japanischen Reichs­tag regten keinen Menschen auf, ebenso wenig die Frage, welche weiteren Folgen der kürzliche Dffi. ziersputsch haben wird. Die Aufmerksamkeit der japanischen Bevölkerung ist vielmehr ganz auf die Grenzkonflikte zwischen Wladiwostok und der Aeußeren Mongolei, und damit auf die japanisch-sowjetrussisch en Be- Ziehungen eingestellt.

Ueber die Möglichkeit eines kommenden großen Zusammenstoßes wird eigentlich sehr wenig gestritten. Die Frage, wann dieser Zusammenstoß sich ereignen könnte, steht stärker im Vordergrund Die allgemeine Spanung wird noch dadurch erhöht daß gleichzeitig mit alarmierenden Nachrichten Ge­rüchte verbreitet werden, die erkennen lassen daß auchandereKräfteamWerke sind, die den Zusammenstoß verhindern, einschränken oder hin- ausschieben wollen. Meldungen über einen angeb­lichen Besuch Litwinows in Tokio und anzubahnende Verhandlungen über einen Nicht­angriffspakt mit Sowjetrußland kehren trotz gegen­teiliger Versicherungen immer wieder. In diesen Gerüchten kommt die steigende Besorgnis zum Ausdruck, die der heutige Zustand der sowjetrussisch­japanischen Beziehungen in ruhiger denkenden Krei­sen Japans hervorruft.

Aber der allgemeine Eindruck besteht, daß die vor wenigen Wochen noch nicht zu beantwortende Frage, in welcher Richtung die außenpolitischen Energien Japans eingesetzt werden, d. h., ob Ja­pan sich auf die Lösung der Probleme im Nor- d e n oder auf seine bekannten Ziele im Süden sestlegen soll, daß diese Frage mehr und mehr zugunsten der nördlichen Richtung entschieden wird. Alle die Stimmen, die noch vor kurzer Zeit die südliche Ausdehnung offen for­derten, im Gegensatz zur Erweiterung der nörd­lichen Einflußsphäre, sind vorläufig verstummt. Die Erkenntnis scheint sich durchzusetzen, daß die Aus­dehnung nach Süden so lange zurückgestellt werden muß, bis die Fragen im Norden und damit die Be­ziehungen Japans zu Sowjetrußland ein- deutia geklärt sind. Eine solche Klärung, welche mili­tärischen und politischen Formen sie auch annehmen mag, muß nach japanischer Ansicht den Druck rus­sischer Streitkräfte und politischer Einflüsse im Nor­den ein für allemal aufheben, um eine Gefährdung des japanischen Rückens im Falle eines Vorstoßes im Süden auszuschließen.

Es sind nicht nur Stimmungen und Aeußerungen, die die obigen Ausführungen stützen. Es gibt Tat­sachen, die beweiskräftig sind; wie z. B. die stär­ker betonte japanische Nordchinapolitik, die verän­derte Haltung Japans zu Nanking und England und die Ausdehnung der japanischen Einflußsphäre tief in d i e Mongolei. Noch vor wenigen Wochen stand es offen, ob die vom japanischen Standpunkt völlig unzureichende Lösung der Nordchina-Autonomie (ihre Be­schränkung auf eine gewisse Selbständigkeit zweier Provinzen) nicht doch über kurz oder lang zu neuen chinesisch-japanischen Konflikten in Nordchina führen würde. Heute erscheint es sicher, daß sich die japanische Seite mit dem halben Zu st and abgefunden hat, zumindest in dem Gebiete Tientsin-Peking und südlich bis zum Gelben Fluß, und daß sie sich um eine einigermaßen arbeits­fähige Zwischenlösung mit den chinesischen Behörden bemüht. Diese Beschränkung ist nur verständlich, wenn die Fragen im Norden für die japanische Seite dringender und wichtiger geworden sind. Tat­sächlich bedeutet auch die Ruhe im Tientsin-Peking- Gebiet eine verstärkte Aktivität Japans in den mon­golischen Gebieten.

Auch die Stellung Japanszu Nanking hat eine gewisse Veränderung, in diesem Falle eine Beruhigung, erfahren. Die heutigen lebhaften Auseinandersetzungen, die von dem aus China zu­rückgekehrten Botschafter A r i y o s h i und den vie­len aus China gekommenen Offizieren der Armee und Marine mit dem Auswärtigen Amt in Tokio geführt werden, beschäftigen sich weniger mit der Frage, wie den schon früher an China gestellten Forderungen Nachdruck verliehen werden könnte. Vielmehr einigte man sich dahin, daß es höchste Zeit sei, eine einheitlich geführte, ruhige japanische Chinapolitik herauszuarbeiten. Von Drohungen und übermäßigen Schroffheiten ist also heute kaum noch etwas zu hören.

Ein weiteres bemerkenswertes Zeichen für die Zuspitzung der Beziehungen zu Sowjetrußland sind die Bemühungen Japans, das Verhältnis zu England trotz des seinerzeitigen Verlassens der Flottenkonferenz freundlicher zu gestalten. Die milder werdende Haltung China gegenüber ist zum Teil mit Rücksicht auf England eingenommen wor­den. Und die Gerüchte, daß der Finanzberater Eng­lands, Mr. Leith-Roß, zum zweiten Male nach Japan kommen werde, ruft heute wesentlich andere Aeußerungen in der japanischen Presse hervor als bei seinem ersten Besuch im Herbst des vorigen Jahres. Es ist bemerkenswert, daß die Tokioer Japan Times" kürzlich die frühere schroffe Stel­lung zu den englischen Finanzbestrebungen in China bedauert, eine englisch-japanische Zusammenarbeit als nicht unmöglich hinstellt und besonders darauf aufmerksam macht, daß die Zeit kommen könne, in der selbst Japan in London nach Anleihen Ausschau halten werde. Hier ist ein deutlicher Hinweis auf mögliche Notwendigkeiten einer Kriegs­finanzierung ähnlich wie 1904/05 erkennbar. Da­zu laufen in Tokio verschiedene Gerüchte um, daß Marinekreise anschließend an die Flottenkonferenz bei der Armee und dem Auswärtigen Amt vor­stellig geworden fein sollen, um eine England mehr berücksichtigende Politik anzustreben. Es ist weiter­hin durchaus kein Geheimnis, daß wichtige Kreise in der japanischen Armee eine Anlehnung an Eng­land suchen. Uebrigens ist auch eine freundschaft­lichere Gestaltung der deutsch-japani s ch e n Beziehungen im Hinblick auf die beiderseitige Einstellung zu Sowjetrußland nicht zu uoerseheri.

Die Grenzkonflikte an der mandschurisch- sowjetrusfischen Grenze beleuchten besonders grell dis zunehmende Spannung Zwischen den beiden Ländern. Allerdings wird man die Bedeu­tung dieser Grenzkonflikte als kriegsentfachende Fak­toren nicht überschätzen dürfen. Diese Konflikte sind ihrer ganzen Art nach keine Elemente, die unbe­dingt zum Kriege führen müssen, sondern nur das Zeichen dafür, daß beide Seiten im um taktische Vorteile beim Ausbau der militärischen Stellungen ringen. Es versteht sich dabei allerdings von selbst, daß günstige Verteidigungspunkte auch

Kulturpflege im Dritten Reich.

Reichsminister Or. Goebbels spricht aus einer Tagung des Reichskultursenats.

Berlin, 4. April. (DNB.) Im HotelDer Kaiserhof" fand die zweite Arbeitstagung des Reichskultursenats unter Teilnahme des Präsiden­ten der Reichskulturkammer Reichsminister Dr. Goebbels statt.

Oer Vizepräsident der Reichskultur­kammer Staatssekretär Funk

hieß die anwesenden neuernannten Mitglieder des Reichskultursenats: Reichsleiter B o u h l e r, Reichs- arbeitsführer Staatssekretär Hierl, Reichsjugend­führer von Schirach und den Meister deutscher Erzählungskunst Emil Strauß willkommen und würdigte besonders die Berufung des ebenfalls an­wesenden Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Rust. Besonders bedeutungsvoll sei es, daß die Er­

ziehung der deutschen Jugend zu den Idealen des nationalsozialistischen Kulturschaffens und Kulturwillens berücksichtigt werde. Jeder schaffende deutsche Künstler von heute müsse Geist und Willen dieser kulturellen Gestaltungskräfte in ich aufnehmen und in seinem künstlerische^ Schaf­en beherzigen. Der Führer habe mit seiner histori- chen Tat am 7. März und mit seinem die ganze deutsche Nation mitreißenden Appell für Ehre, Freiheit und Frieden nicht nur sich selbst, sondern eine ganze deutsche Generation unsterblich ge­macht. Mögen in dieser großen politischen Zeit auch deutsche Kunstwerke entstehen, die ewig sind, wie das Werk des Führers. Die Olympischen Spiele im Sommer d. I. werden beim Wett­streit um den Sieg in den schönen Künsten den deutschen Künstlern eine besonders gute und sel­tene Gelegenheit für höchste Entfaltung ihrer Schaffenskräfte geben.

geeigneten Schristleitemachwuchses hin und befür- wartete die sorgfältige Pflege eines abseits von landläufigen Phrasen liegenden, guten, wohl abgewogenen Stiles, der dem kostbaren Gut unserer deutschen Muttersprache gerecht wird. Im übrigen werde es darauf ankommen, n a» tionalfozialistische Weltanschauung noch stärker als das bisher schon der Fall gewesen sei, im deutschen Schrifttum zu verankern. Noch fei die Zahl derjenigen Schriftsteller, die in dieser Be­ziehung Hervorragendes leisteten, nicht groß genug. Der Minister sprach sich dafür aus, dem immer stärker zutagetretenden Mißbrauch von pseu- do-chorischen oder s p r e ch ch o r i s ch e n Spielen entgegenzutreten, daß er auf dem Ge­biete des Theaterwesens die Abschaffung der C l a q u e bekannt gab und die Bedeutung des reinen, allerdings auch guten Unterhaltungs­filmes unterstrich. Der Minister warnte davor, ein warmherziges und förderndes Mäzenatentum mit einer Art sozialer Wohlfahrtspflege zu verwechseln. Die Kunstfonds seien dazu da, wirkliche Kunst zu fördern und zu pflegen und nicht aus sozialen Gründen unter- wertige Produktion zu aHmentieren und damit ein Künstlerproletariat zu züchten. All­gemein wandte sich der Minister gegen eine muffige, moralin-saure Betrachtung der Kunst und ihrer viel­fältigen Erscheinungsformen.

Noch stehen wir", so erklärte Dr. Goebbels ab­schließend,mitten im kulturellen Aufbau. Aber mit tiefer Befriedigung können wir feftftellen, daß wir eine fefte und sichere Grundlage ge­schaffen haben. Alle, die auf dem Gebiet der Kultur tätig find, wissen heute, wofür sie ar­beiten, und sehen im Deutschen das Ziel, das erreicht werden soll. Der deutsche Künstler kann sich heute wieder mit vollem Herzen einer neuen Zeit, einer neuen Idee und einer neuen Führung anoer- trauen. Mögen auch die kulturschaffenden Menschen nicht vergessen, daß sie alle ihre Autorität nur ab­leiten von der des Führers."

Den Mitgliedern des Reichskultursenates wurde nach Schluß der Tagung die künstlerisch ausge­stattete Berufungsurkunde übergeben. Den Abend verbrachten die Mitglieder des Reichskultursenats zusammen mit einer großen Anzahl Berliner Künst­ler und Künstlerinnen als Gäste von Reichsminister Dr. Goebbels in geselligem Zusammensein in den Räumen des Kaiserhofes. Kammersänger Heinrich Schlusnus und die Opernsängerin Frau Con­stanze Nettesheim sangen je drei Lieder. Die Kammermusikvereinigung der Berliner Philharmoniker mit Michael Raucheisen am Flügel spielte mehrere Sätze aus dem Forellen- Quintett.

Die kulturpolitischen Aufgaben der Gemeinden.

Ein Vortrag von Oberbürgermeister Or. Krebs.

Staatsrat Krebs, Oberbürgermeister von Ira, ksurt a.M.

hielt einen Vortrag über die Kunstpflege in Ge­meinde und Gemeindeverbände im Zusammen­wirken mit der Reichskulturkammer. Er stellte vor allem die Pflicht der Gemeindeverwaltungen her­aus, die schöpferischen Leistungen den breiten Schichten der Bevölkerung zugänglich zu machen. Die örtliche und landschaftliche Gemeinschaft sei der Boden, auf dem Kultur und Kunst am besten ge­deihen. Die Gemeindeverbände seien die natürlichen Mittler zwischen der Reichskulturkammer, den Künstlern und den kunstliebenden Volksgenossen. Mit Hilfe der NS.-Kulturgemeinde und der NS.- GemeinschaftKraft durch Freude" sei eine Blüte­zeit aller kulturellen Einrichtungen, der Bühnen, Konzerte und Museen entstanden, die noch ungeheuere Entfaltungsmöglichkeiten, insbesondere hinsichtlich der Wanderbühnen habe. Mit tiefer Be­friedigung sei festzustellen, daß auf dem Gebiete des Chor- und Musikwesens neue Kräfte sich regten. Aufgaben der Gemeinden seien u. a. die Schaffung von Büchereien und von Dichter­heimen.

An der lebhaften und fruchtbaren Aussprache über diesen Vortrag beteiligten sich u. a. Reichs­minister Rust, Generalintendant Krauß, Stutt­gart, Wilhelm Rode, Berlin, der Präsident der Reichstheaterkammer Ministerialrat Dr. Schlös­

ser, der Präsident der Reichsmusikkammer Profes­sor Rabe, der stellvertretende Pressechef der Reichsregierung Berndt, Oberbürgermeister Z ö r n e r, Dresden. Reichsminister Dr. Goeb­bels gab selbst zahlreiche Anregungen und traf noch an Ort und Stelle Maßnahmen zur Umsetzung wertvoller Anregungen in die Tat.

Reichsminister Or. Goebbels

machte sodann grundlegende Ausführungen über Fragen des deutschen Kunst- und Kulturlebens.

Anknüpfend an das durch die Wahl zutagegetre- tene Bekenntnis der Nation zum Führer und damit zum Nationalsozialismus überhaupt, be­tonte der Minister, daß dieses Ergebnis als die Frucht einer im Grunde genommenen künstleri- f cf) e n Umgestaltung der gesamten deut­schen Nation anzusehen sei.Wie groß dieser innere Umbruch war, läßt sich daran ermessen, daß das Ausland diesem Ereignis, das es das deutsche Wunder nennt, vielfach verständnislos gegenüber­steht. Das ist deshalb der Fall, weil Menschen, die außerhalb der deutschen Mentalität leben, dieses Wunder auch beim besten Willen oft nicht erfassen und verstehen können. In grundsätzlichen Erörterun­gen zum Aufgabengebiet der Reichspresse- und der Reichsschrifttumskammer besprach der Minister einige Voraussetzungen zum weiteren Ausbau dieser Organisationen. Er wies auf die Bedeutung der Erziehung eines nach Weltanschauung und Wissen

günstige Ausgangsstellungen für einen Angriff fein können. In diesem Ringen um einzelne Vorteile ist aber die Einstellung auf einen für unvermeid­bar gehaltenen Zusammenstoß gut erkennbar. Auf der östlichen und nördlichen Grenzlinie von Wladi­wostok über Chabarowsk bis Manschuli kann man fast schon von einem stark ausgebauten zusammen­hängenden Befestigungsgürtel sprechen, der die Aussichten eines Angriffs wenig günstig erschei­nen läßt. Diese Grenzgebiete treten also heute für die Beurteilung der Möglichkeiten kriegerischer Ver­wicklungen zurück. Zu beachten sind ferner neben den natürlichen Gelandeschwierigkeiten die außer­ordentlich hohen Kältegrade in den langen Winter­monaten, die verstärkt durch unerträgliche, eisige Stürme Truppenbewegungen ober den Einsatz motorisierter Hilfsmittel fast unmöglich machen. Rechnet man noch die Monate der Schneeschmelze, die das Gelände für Mensch, Tier und Motor un­gangbar machen, ab, so bleibt in der Tat nur die kurze Sommerzeit für militärische Unternehmungen übrig. Es hat denn auch den Anschein, daß beide Teile, Japan wie Sowjetrußland, vorläufig den 23erteibigungs=Status quo bestehen lassen, und Grenzzwischenfälle durch Untersuchungs- ober Schiebskommissionen behanbeln wollen. So z. B. scheint man sich über ben kürzlichen Zwischenfall im Grenzabschnitt nörblich Wladiwostok, ber boch immerhin ein regelrechtes Gefecht zwischen Japa­nern, meufernben Manbschukuo-Solbaten unb Sow­jetmilitär barstellte, mit Hilfe einer gemischten Kom­mission frieblich oerftänbiuen 3U wollen.

Die Steigerung ber Aufwenbungen ber Landwirt­schaft, die nicht nur ber Erzeugungsschlacht, sonbern ber Nahrungsfreiheit bes beutfchen Volkes zugute kommt, ist ein wesentlicher Antrieb auch unserer inbustriellen Wirtschaft unb bamit ein wichtiger Punkt in ber Arbeits- schlacht. Durch Verbesserung der Lage ber Bauern hat bie nationalsozialistische Regierung nicht nur bie Nahrungsfreiheit bes beutfchen Volkes ge« förbert, sonbern auch Tausenben inbustriel- ler und gewerblicher Arbeiter Lohn und Brot gegeben.

Die Wirtschastsgesundung in Belgien.

Ban Zeelands Jahresbericht.

Brüssel, 5. April. (DNB.) Ministerpräsident van Zeeland hat anläßlich des Ablaufes der Sondervollmachten, die bas Parla­ment im Frühjahr 1935 ber Regierung für ein Jahr gewährt hatte, bem Abgeordnetenhaus einen um­fangreichen Bericht über bie Tätigkeit ber Re­gierung vorgelegt, ber sich bemüht nachzuweisen, baß bie gesteckten Ziele erreicht worben seien. Der belgische Franken sei heute so gefestigt wie nie­mals zu vor. Die Arbeitslosigkeit sei um 40 v. H. gesunken. Die Kammer wirb noch in dieser Woche zu bem Bericht Stellung nehmen. Im Hinblick auf die Neuwahlen, bie voraussichtlich im Mai stattfin- ben, beabsichtigt bie Regierung beibe Kammern noch vor Ostern aufzulösen.

Hai der Bauer Geld, hai's die ganze Well.

NSK. Auch in ber mobernen Volkswirtschaft ist es von entscheibenber Bebeutung, ob es bem land- wirtschaftlichen Berufs st anb, ber nicht nur Erzeuger ber Nahrungsmittel, sonbern auch wichtigster Verbraucher gewerblicher unb indu- strieller Erzeugnisse ist, schlecht ober gut geht. Die Jahre vor ber Machtübernahme, in benen bie Land- wirtschaft am Ranbe bes Abgrunbes trieb, haben gezeigt, baß barunter nicht nur bie Lanbbevölkerung zu leiben hatte, sonbern auch Hanbwerker unb Inbustrie. Niebrige Preise, hohe Zinsen, Absatzschwierigkeiten machten es bem Bauern un­möglich, seine beweglichen unb unbeweglichen Be­triebsmittel, Haus, Hof, Maschinen unb Gerate m- stanbzuhalten, geschweige benn Neuanschaffungen zu machen. Die Kunftbüngeranwenbung brohte zu sinken, unb bamit würbe bie Volksernährung selbst in Frage gestellt. . ,r ,ri,r,

Durch bie Agrarpolitik ber nationalsozialistischen Regierung, bie bie Bebeutung bes Bauerntums für die gesamte Volkswirtschaft erkannte, wurde die Landwirtschaft und damit die Volkswirt­schaft vor bem brohenben Ruin g e - rettet. T>ie Sicherung bes Hofes, bie Ermöglichung bes Absatzes unb bie gerechten Preise gestatteten bem Bauern wieber Neuanschaffungen. Nach ben Angaben bes Statistischen Reichsamtes st i e g e n d i e B e - triebsausgaben ber Lanbwirtjchaft von 4,9 Mill, im Jahre 1932/33 auf 5,2 Mill, im Jahre 1934/35. Düngemittel würben im Jahre 1932/33 im Betrage von 522 Mill, unb tm Jahre 1934/35 im Betrage von 636 Mill, gekauft. Das ist eine Steigerung von über 100 Mill. Für Ersatz unb Unterhaltung von Maschinen wür­ben 1932/33 380 Mill, unb 1934/35 479 Mill., also auch 100 Mill, mehr ausgegeben. Wertmäßig stieg der Jnlandabsatz an l a n d w i r t s ch a f t - lichen Maschinen von 90 Mill, im Jahre 1931/32 auf 230 Mill, im Jahre 1934/35.

Missolunghi, Griechenlands heilige Stadt.

Athen, 5. April. (DNB.) In Missolunghi sand eine Erinnerungsfeier zu (ffjren der heldenhaften Besatzung statt, die im Jahre 1826 die Festung samt ben eingebrungenen Türken in bie Luft gesprengt hatte. An bem Festgottesbienst nah­men König Geora unb ber Thronfolger Prinz Paul teil. Die griechischen Blätter melben, baß burch em Sondergesetz Missolunghi zur Heiligen Stabt er­klärt werben wirb.

Nach ber Erinnerungsfeier besuchte ber König bas Sterbehaus Lorb Byrons unb legte einen Kranz nieber. Auch hier fanb ein ©ottesbienft statt.

Kleine politische Nachrichten.

Der Führer unb Reichskanzler empfing ben neuernannten beutfchen Botschafter in Buenos Aires, Freiherrn von Thermann.

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Der Deutsche Bauernrat ist unter Vorsitz bes Reichsbauernführers Darrö in Berlin zu einer Arbeitstagung zusammengetreten.

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Bis zum 4. April finb 2730 Kanbibaten für bie französische Kammerwahl angemelbet worben. Von Montag ab läuft bie Wahlpropa- g a n b a , bie eine kostenlose Anbringung von Wahl- Plakaten auf befonbers bazu errichteten hölzernen Gestellen vorsieht. Den ersten Wahlaufruf hat bie Sozialistische Partei bereits veröffentlicht.

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Der Staatsrat hat die Berufung ber brei Glie- berungen ber Action Fran?aise gegen bie gegen sie verfügte Auslösung verworfen. Die Vorsitzenben ber betroffenen Verbänbe erklären, baß sie sich um bie Auflösung nicht kümmern wür­ben. Die Action Fran^aise könne nicht aufgelöst wer­ben, ba es sich um eine Gesinnung handele.

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In 27 mexikanischen Staaten sowie im Bunbesbistrikt herrschte am Sonntag Wahlfie - ber. Innerhalb ber Nationalrevolutionären Partei fanben Vorwahlen für bie Gouverneure, Se­natoren unb Adgeorbneten statt. An biefen Vor­wahlen nahmen zum erstenmal bie ber National­revolutionären Partei angeschlossenen Frauen teil, bie 15 v. H. aller Stimmen abgaben. Die Wahl scheint im allgemeinen ruhig verlaufen zu sein.

Der Gouverneur von Rio be Janeiro, Pebro Ernesto, würbe wegen kommunistischer Betätigung verhaftet.

Die Narrenkappe.

Spittler und Sparren vom RedakttonStisch.

Das Siegesfest.

Der nun 70jährige Dramatiker Max Halbe hatte vor langer Zeit in München wieber eine feiner Premieren, bie immer ein großes Theaterereignis waren.

Er machte mit seinen Freunben vor ber Urauf­führung folgendes aus:Wenn mein Werk ein Erfolg fein wird, treffen wir uns nachher im Schottenhammel", wenn es aber ein Mißerfolg fein wird, sehen wir uns nachher in berBrennes- sel" bei einem Glas Wein.

Die Freunde nahmen die Abmachung an:

Beim Erfolg brauchst du unfern Applaus, beim Mißerfolg unseren Trost!"

Das Werk wurde im Erfolg dadurch entschieden, daß sich Max Halbe allein imSchottenham­mel" einfand, während die Freunde in derBren- neffel" saßen. Es war halt nur ein halber Er­folg! H.A.A.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Nach dem ausgedehnten Landregen am Samstag hat sich bei uns im Bereich der zusammensinkenden Kaltluft rasch wieder Aufheiterung durchgesetzt. Da­bei kam es in der Nacht zum Montag infolge der fräftigen Ausstrahlung vielerorts zu leichten Nacht­frösten. lieber Skandinavien wandert ein kräftiger Wirbel südostwärts, der auch bei uns bald wieder neue Unbeständigkeit bringen wirb.

Aussichten f ü r Dienstag: Wieber un- beftänbigeres Wetter mit einzelnen meist schauer­artigen Nieberschlägen, bei lebhaften, über Nord nach West brehenben Winden ausgeglichene Tempe­raturen, aber ziemlich kühl.

Aussichten für Mittwoch: Bei Luftzu­fuhr aus West unb Norb kühles unb wechselnb be­wölktes Wetter mit Schauerneigung.

Lufttemperaturen am 5. April: mittags 11,1 Grad Celsius, abenbs 6,9 Grab; am 6. April: morgens 0,6 Grab. Maximum 12,7 Grab, Minimum heute nacht0,4 Grab. Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. April: abenbs 8,3 Grab; am 6. April: morgens 4,3 Grab Celsius. Sonnenscheinbauer 9,7 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwort­lich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. T). 21. III. 36: 10 270. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange,K.-G» sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.