Ausgabe 
6.3.1936
 
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Fröhliche Gymnastik und Spiele (Frauen). Don 20.30 bis 21.45 Uhr, Lollar, Kantine der Fa. Buderus.

Schwimmen (Frauen und Männer). Don 20.30 bis 21.30 Uhr und von 21.30 bis 22.15 Uhr, Volksbad. m ,x

Reiten. Don 20 bis 21 Uhr, Universltats-Relt- institut, Brandplatz.

Schach kurse! Interessenten melden sich aus der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18.

Schachturnier! Von Karfreitag bis Oster­montag findet in Frankfurt ein Schachturnier der RSG.Kraft durch Freude" statt, an dem sich alle Volksgenossen beteiligen können. Als Preise stehen Ehrenpreise zur Verfügung. Jeder kann sich selbst in eine der folgenden Klassen einteilen: 1. Anfänger; 2. Fortgeschrittene: 3. gute Spieler; 4. starke Spie­ler. Anmeldungen auf der Geschäftsstelle. Melde­schluß 12. März 1936.

An alle Sporlwerbewarke der Ortsgruppen und Betriebe!

Alle Sportwerbewarte legen sofort eine Liste auf, in die sich die Interessenten an dem Schach­turnier in Frankfurt eintragen können. Rückmel­dung bis spätestens 12. März an die Geschäftsstelle.

NG.-Kulturgemeinde Gießen

Man schreibt uns: Am Montag, 16., und Sams­tag, 21. März, kommt im Stadttheater jeweils von

Oer letzte Eintopfsonntag

dustrie, die ab 1. Januar 1936 eingegangen wur­den oder noch abgeschlossen werden, ist dieses Lehr­vertragsmuster zugrunde zu legen. Mit diesem ein­heitlichen Lehrvertrag wird gleichzeitig bei allen Industrie- und Handelskammern des rhein-maini- fchen Wirtschaftsgebietes die für die Metallindustrie bereits angelegte Lehrlingsrolle auf die gesamte Industrie ausgedehnt. Der Lehrherr hat für alle laufenden und noch zum Abschluß kommenden Lehr­verhältnisse die von den Vertragsbeteiligten unter­schriebenen Lehrverträge in zweifacher Ausfertigung zum Eintrag in die Lehrlingsrolle vorzulegen, wo­für eine Gebühr von einer Mark zu entrichten ist. Lehrlinge, deren Lehrvertrag nicht in die Lehr­lingsrolle eingetragen wurde, können in Zukunft nicht mehr zur industriellen Facharbeiter- bzw. Ge­sellenprüfung zugelassen werden.

Verkauf von Orden und Ehrenzeichen.

Die Industrie- und Handelskammer Gießen weist darauf hin, daß vom 1. April 1936 an Orden, Ehrenzeichen und Ordensbänder nur in solchen Ge­schäften vertrieben werden dürfen, die zu diesem Vertrieb behördlich zugelassen sind. Die Kammer verweist auf 'die Veröffentlichung des Kreisamts Gießen im Amtsverkündigungsblatt vom 18. Fe­bruar 1936.

Dic.öcutfdie flrbcitöfront n.5.=bemeinf(haftfiraft öurdi freute'

Theatervorstellungen.

Zu den nachstehend aufgeführten Theatervorstel­lungen erhalten DAF.-Mitglieder lt. Preisstaffelung verbilligte Karten:

8. März (Heldengedenktag):Der Kanzler von Tirol". Schauspiel in 14 Bildern von Josef Wenter. Anfang 19 Uhr.

11. März:Hilde und 4 PS". Lustspiel in 3 Akten von Kurt Sellnik. Anfang 19.30 Uhr.

15. März:Undine". Romantische Zauberoper in 4 Auszügen von Albert Lortzing. Anfang 19 Uhr.

Wochenendlehrgang für Wanderführer.

RSG. Am Samstag, 7., und Sonntag, 8. März, findet in Schloßborn (Main-Taunuskreis) ein Wochenendlehrgang für Wanderführer der 316.= GemeinschaftKraft durch Freude , Gau Hessen- Nassau, statt. Am Samstag ist neben gemeinsamem Singen ein Lichtbilderoortrag über Wasserwandern und ein Heimabend vorgesehen. Der Sonntag bringt: Frühsport, eine Heldengedenkfeier, bei der der Kreisleiter des Main-Taunuskreifes Fuchs sprechen wird, und weitere Vorträge von Prof. Rödemeyer, Dipl.-Jng. Hellwig und Dr. Staube mit einer gemeinsamen Aussprache und der Besprechung des für das Jahr vorgesehenen Ferienwanderungen der einzelnen Kreise und einen Schlußappell. Der Lehrgang schließt gegen 17 Uhr am Sonntag. Die Schulung soll die Wanderführer mit all dem, was die Landschaft um sie herum birgt und was es an Schönheiten zu sehen gibt, bekanntmachen.

240 Hessen-Nassauer fahren nach Portugal und Madeira.

NSG. Vom 2. bis 17. April fährt die NS.-Ge° meinschaftKraft durch Freude" in diesem Jahr zum zweiten Mal nach Portugal und Madeira.

Es ist jetzt schon Tradition, daß in diesen Tagen deutsche Arbeiter über das Weltmeer dem Früh­ling entgegenfahren. Waren es im vorigen Jahr etwa 3000, die diese unvergeßlichen Tage erleben konnten, so fahren in diesem Jahr zweimal vier Dampfer mit je 4000 Arbeitskameraden in den sonnigen Süden, und zwar mit den Dampfern Der Deutsche",Oceana",Monte Olivia" und St. Louis".

Unser Gau Hessen-Nassau hat das Glück, bei dieser Fahrt auf dem wohl modernsten Schiff der Flotte, derSt. Louis", zu fahren und rund 240 Teilneh­mer, unter denen sich diesmal auch Arbeiterinnen befinden, zu stellen. Die Teilnahme an dieser Fahrt wurde zum allergrößten Teil durch die Be­triebsführer ermöglicht, zum anderen Teil waren es die Kameraden in den Betrieben selbst, die es als eine Ehre ansahen, daß einer der ihren mit­fahren durfte. An der Fahrt nehmen auch einige Betriebsführer unseres Bezirkes teil.

SportamtKraft durch Freude''.

heule folgende Kurse:

Allgemeine Körperschule (Frauen und Männer). Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Damm­straße 26.

Das Winlerhilfswerk des deutschen Volkes 1935/36 nähert sich seinem Ende. Wit dankbarer Genug­tuung können wir die Feststellung machen, daß d i e Bevölkerung in Stadt und kreis Gie­ßen ihre Pflicht getan hat und damit be­wies, daß sie zu den Nationalsozialisten der Tat zu zählen ist. Wenn auch draußen schon der Frühling naht, find doch noch im Rahmen des diesjährigen Winterhilfwerks Pflichten gegen die Aermften unserer Volksgenossen zu erfüllen, die dringend und notwendig sind. Deshalb soll der letzte Eintopfsonntag kein Nachlas­sen in unserer Opferfreudigkeit zettl-

DieKreisabteilungGießen desDeut- schen Gemeindetages hielt am gestrigen Donnerstagnachmittag im Universitäts - Cafö zu Gießen eine Bürgermeisterversammlung ab, zu der auch einige Lehrer eingeladen waren. Nach Begrüßungsworten des Obmannes, Bürger­meister Euler (Wieseck), hielt der neue

Kreisdirektor Dr. Lotz

eine kurze Ansprache, in der er unter Dankeswor- ten für die freundliche Begrüßung seine Freude über das erste Zusammensein mit den Bürgermei­stern des Kreises Gießen zum Ausdruck brachte. Er sagte dann u. a.:Ich freue mich, daß ich durch das Vertrauen des Herrn Reichsstatthalters in diesen schönen Kreis versetzt wurde, um an einer Stätte, die mir nicht fremd ist, zu wirken. Ich weiß, daß mein Wirken nur dann von Erfolg sein kann, wenn ich das Vertrauensverhältnis bester Art habe, das mich schon in meinen früheren Wir­kungskreisen in Alsfeld und Büdingen mit den Bürgermeistern verbunden hat. Ich glaube, und es muß so sein, daß die Führung eines Staates, der nach dem Führerprinzip geleitet wird, ohne Vertrauen nicht auskommen kann.

Die Führung des Kreises muß das Vertrauen der Bürgermeister haben, wie diese es bei ihren Gemeindeangehörigen auch brauchen.

Das gegenseitige Vertrauen ist die erste Voraus­setzung für die Führung in der Gemeindeverwal­tung. Die zweite ist das stärkste Verantwortunas- bewußtsein bei der Ausführung der Aufgaben, die uns Adolf Hitler und die Gemeindeordnung auf­erlegt haben. Der Bürgermeister darf sich nicht hinter Gemeinderatsbeschlüsse verschanzen, sondern er muß die ihm auferlegte Verantwortung freudig tragen. Mit anderen Worten, er muß ein ganzer

20 bis 22.45 Uhr als Vorstellung der NS.-Kultur- gemeinde das SchauspielDer Kanzler von Tirol von I. Wenter zur Aufführung. Der deutsche Kampf eines streitbaren Mannes kommt hier mit dramatischer Kraft zur Darstellung. Das Schauspiel hat in ganz Deutschland ungewöhnliche Erfolge er­rungen. Spielleitung: Kurt Lüpke.

Am Samstag, 28., und Montag, 30. März, wird unter der Spielleitung von Anton Neuhaus das SchauspielDie Insel" von H. Bratt aufgeführt. Zeit von 20 bis 22.30 Uhr. Das Schauspiel spielt auf dem heißen Boden einer deutschen Gesandt­schaft in der Hauptstadt einer Großmacht. Ein Stück spannender Gegenwart gewinnt auf der Bühne Leben. (Siehe heutige Anzeige.)

** EinVierundsiebzigjähriger. Der Fuhrmann Ludwig Euler, Bleichstraße 20, kann am kommenden Sonntag, 8. März, bei bester Ge­sundheit feinen 74. Geburtstag feiern. Der hochbe­tagte Mann, ein gebürtiger Gießener, stand 33 Jahre lang treu im Dienste der Speditionsfirma Adolf Lyncker.

** D i e Bezahlung der Strom- und Gasgelder betrifft eine Bekanntmachung der Direktion der städtischen Betriebe in unserem heu­tigen Anzeigenteil. Wer die für Januar fälligen Beträge bis zum 16. März nicht bezahlt hat, hat die Sperrung der Strom- und Gaslieferung zu ge­wärtigen. Säumige Zahler seien auf die Bekannt­machung besonders hingewiesen.

gen, er soll auch nicht ein Ergebnis erbringen, das sich auf der höhe der bisherigen Eintopfsammlun­gen hält, sondern darüber hinaus soll er, weil er der Letzte dieses Jahres ist, einen bedeutend höheren Sammelertrag aufweisen. Das soll am kommenden Sonntag das heiße Bemühen aller Sammler und aller Spender sein. Erst dann können wir auf das im letzten Halbjahr Geleistete mit innerer Befriedigung und mit stolzem Gefühl, unserem Führer Adolf Hiller eine Freude ge­macht zu haben, zurückblicken.

Die Kreisführung des WHW. Gießen.

Kerl fein, oder aber fein Amt freiwillig zur Ver­fügung stellen. Und drittens müssen wir bestrebt sein, ganze Nationalsozialisten zu werden. Daß wir es noch nicht sind, das wissen wir alle.

Als nationalsozialistische Bürgermeister haben wir das Führertum nicht falsch zu verstehen und Diktatoren zu sein. Wie Walter Flex bei der For­mung des Begriffes des Leutnants sagte, daß er Vorleben und vorsterben können muh, und daß das Vorleben schwerer ist, so glaube auch ich, daß das Vorleben das Schwerere ist. Wir alle wollen den nationalsozialistischen Füh­rer Vorleben. Wenn wir das tun, dienen wir Adolf Hitler und dem Volke recht und dann werden wir ihm fein schweres Amt erleichtern.

Wir gl-auben, daß er, der uns über schwerere Zei­ten hinweggeführt hat, uns auch über die politischen Schwierigkeiten, die sich uns jetzt entgegenstellen, sicher hinüber bringen wird." Der Sachbear­beiter

Friedrich, Eelle

sprach dann überD i e Förderungdes Se i - benraupenbaue s", der für die Rohstoffversor­gung des deutschen Volkes sehr wichtig ist. In ein­gehender Weise schilderte er die Entwicklung und die praktische Ausführung der Seidenraupenzucht, wie wir sie bereits im Gießener Anzeiger Nr. 48 vorn 26. Februar und in derScholle" Nr. 9 vorn 3. d. M. ausführlich behandelt haben. Dazu führte er u. a. aus, daß auch irnKreiseGießen Maulbeer­anlagen stehen, die nicht mehr benutzt werden, und er nannte als guten Durchschnittspreis für gute Ko­kons den Betrag von 8 Mark, der heute üblich ist. In erster Linie sollen Invaliden und kinderreiche Familien für den Seidenbau interessiert werden, de­nen die nötige Unterstützung zuteil wird. Es ist un­

bedingt notwendig, daß in jeder Gemeinde Seiden« raupenzucht eingeführt wird, und zu diesem Zwecke finden in jeder Gemeinde Beratungen statt, die im Kreise Gießen etwa Ende April und anfangs M a i durchgeführt werden sollen.

Bis 1938 muh die Raupenzucht soweit vorge­schritten fein, dah sie bestimmte Erträge an Rohstoffen liefern kann. Vor allem sollen die Schulen dazu angehalten werden, in Schul- anlagen oder Schulgärten Waulbeerbauman- lagen zu schaffen. Die Erträgnisse dieser Zuch­ten sollen den Schulklassen für die Anschaffung von Lehrmaterialien, oder für die Reifekassen überlassen werden.

Wenn die Futtergrundlage vorhanden ist und die Gemeinden die Anlagen zur Verfügung stellen, werden sich dann die auch geeignete Züchter fmden.

Kreisdirektor Dr. Lotz sagte hierzu, wenn die Lehrer zu diesem Vortrag eingeladen worden feien, so sei das nicht geschehen, um einen Zwang auf sie zur Uebernahme solcher Züchtereien auszuüben, sondern weil gerade die Lehrer die geeigneten Per­sonen dafür seien, um für den Seidenraupenbau zu werben und die Bürgermeister bei diesem Vor­haben zu unterstützen. Als die zulässige Maulbeer« Pflanze wurde dieMorus alba" (weiße Maul­beere) genannt.

Als Vertreter von Oberregierungsrat Dr. List vom Arbeitsamt Gießen sprach dann

Negierungsrat Sälzer

überDas 21 r b e i t s b u ch". Er führte den Ge­setzesbeschluß an, durch den die Einführung des Arbeitsbuches für jeden schaffenden Volksgenossen innerhalb eines Jahres angeordnet wurde, und unterstrich, daß bis Ende Mai diese Frist abge­laufen sein wird. Nachdem die erste Serie ihrs Arbeitsbücher bereits besitzt, folgt nun die zweite, und auch die dritte kann sofort ihre Bücher bean­tragen. Bei der Durchführung dieser Maßnahme hat sich herausgestellt, daß die Arbeitslosigkeit in Stadt und Land verschiedenartig abgenommen hab. So betrug die Abnahme in Hessen 50 bis 60 v. H., in den Großstädten etwa 30 v. H. In den Alters­stufen zeigte sich eine Abnahme bei den Jung­arbeitern bis zu 25 Jahren um 67,6 v. H., in der Mittelstufe zwischen 25 und 40 Jahren um 44,9 v. H. und in der Altersklasse von 40 bis zu 60 Jahren um 36,1 v. H. Durch das Arbeitsbuch soll den Arbeitsämtern eine Uebersicht über diese Ver­hältnisse gegeben werden.

In Zukunft wird kein Volksgenosse ohne das Arbeitsbuch Arbeit finden, und der Arbeitslose wird ohne Arbeitsbuch keine Unterstützung er­halten können.

Ebenso werden Arbeitskräfte aus der Landwirt­schaft ohne Genehmigung des Arbeitsamtes ihren Beruf nicht wechseln dürfen. Auch Betriebe der Landwirtschaft, der Industrie und des Baugewerbes dürfen ohne vorherige Genehmigung des Arbeits­amtes keine Arbeitskräfte aufnehmen.

In Gießen dürfen Mädchen vom Lande unter 25 Jahren nicht weiterbefchäftigt werden, und die Hausfrauen find aufgefordert, ihren Mädchen zu kündigen und sie heimzuschicken. Mädchen vom Lande dürfen nicht mehr in die Stadt. Ls gibt nur Ausnahmen, wenn ein in der Stadt beschäftigtes Landmädchen kurz vor der Eheschließung steht.

Durch die Anordnung über die Verteilung von Arbeitskräften soll die altersmäßige Gliederung durchgeführt werden. Die Folge ist, daß Jugendliche unter 25 Jahren beiderlei Geschlechts ohne Ge­nehmigung nicht eingestellt werden dürfen. Weiter­hin wird für die Einstellung älterer Arbeitskräfte ein Staatszuschuß gewährt.

Nach der Durchführung der Arbeitsbücher wer­den Kommissionen die Betriebe prü­fen, und jede Arbeitskraft ohne Arbeitsbuch muß entlassen werden. Von der Vorschrift sind nur Beamte und Beamtenanwärter befreit. Bürger­meister, die noch eine Nebenbeschäftigung, z. B. als Sparkassendirektor haben, müssen gleichfalls ein Arbeitsbuch besitzen.

In der Landwirtschaft kommen schon in diesem Jahre von etwa 600 000 Wanderarbeitern nur noch 300 000 ins Reich. Auch die Landhilfe, das find im Bezirk Gießen 400 Arbeitskräfte, kommt in Fort­fall. Nachdem sich die Industrie selbst geholfen hat, muß sich nun auch der Bauer selbst helfen können. Durch die starke Beschäftigung in der Industrie und dem infolge des Geburtenrückganges spürbaren

Bürgermeistertagung in Gießen.

Ansprache des neuen Gießener Kreisdirektors Or. Loh.

Oie Tippgräfin.

Vornan von Klothilde v Gtegmann.

Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Derlag, Berlin, SW 68.

5. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

5. Kapitel.

Ein letzter Versuch.

Mariella saß an der Schreibmaschine im Zimmer Erhard von Hagens. Gerade spannte sie einen neuen weißen Bogen in die Schreibmaschine.

Die letzte Seite, Liebster", sagte sie zärtlich. Dann kann dein Wert der Oeffentlichkeit über­geben werden."

Das kann noch lange dauern, mein Lieb. In­zwischen" er senkte seine Stimme, trat an Ma­riella heran,die Wirtin hat mir das Zimmer gekündigt, weil ich die Miete schon so lange schuldig bin. Es gibt nur ein Mittel, die Kündigung abzu­wenden."

Welches Mittel?"

Erhard senkte die Stimme:

Ich wage es dir kaum zu sagen, Liebling. Sie will Gräfin von Hagen werden, die da draußen Ich kann es dir nicht länger verschweigen."

Da flog ein Lächeln über die schöngeschnittenen Gesichtszüge Mariellas. Wie sie dasaß in der Pracht ihrer Locken, die großen Augen das Erbteil ihrer Mutter voller Liebe zu ihm aufgeschlagen, hätte sie das begehrenswerteste Modell für jeden Maler abgegeben. Aber nun begann sie laut zu lachen. Sie konnte ihre Heiterkeit nicht unterdrücken.

Frau Wodny deine Frau? Gräfin Hagen? Sei nicht döse, Liebster so traurig es ist, ich muß doch lachen. Natürlich teilt sie den Traum vieler Zimmervermieterinnen, die Frau ihres Mieters zu werden. Und daß sie gerade Gräfin Hagen werden möchte, das kann ich beinah begreifen. Warte ich nicht auch sehnsüchtig darauf, daß ich es werdet

Lächelnd schaute sie Erhard an.

Was hat sie denn gesagt, als du ihr von unse­rer Verlobung erzähltest? Daran muß sie doch er­kennen, wie unsinnig ihre Pläne sind, und daß es nur noch einer kurzen Zeit bedarf, bis wir beide vereint find."

Erhard stöhnte auf. Dann sank er auf die Knie vor der erschreckten Mariella:

Liebling, ich darf es dir nicht mehr länger ver­heimlichen. Es steht etwas zwischen uns, was auch die größte Liebe nicht forträumen kann. Mariella, ich war unüberlegt genug, eine hohe Bürgschaft zu übernehmen für meinen Freund Verdingen. Er hat mir das Leben gerettet, und als er nun in Schwie­rigkeiten kam, sagte ich bedingungslos zu. Ich habe nie geglaubt, daß ich für ihn würde eintreten müssen, hielt ihn immer noch für sehr vermögend. Aber nun hat er alles verloren, uno ich werde jetzt aus doppelten Gründen mit dieser Bürgschaft in Anspruch genommen. Begreifst du nun meine Ver­zweiflung? Ich habe es dir bis heute nicht zu sagen gewagt. Aber einmal mußte es sein."

Das Mädchen fuhr auf, leichenblaß im Gesicht.

Warum hast du es getan, Erhard? Du hast ja elbst nichts mehr außer deiner schmalen Pension. Wie konntest du nur? Wann hast du das getan, Liebster?"

Er zuckte die Schultern:

Als es bekannt wurde, Mariella, daß ich Aus­sicht hatte, der Neffe der reichen Frau von Gellern zu werden, kam Verdingen zu mir. Er klagte mir mein Leid fünftausend Mark hatte er im Spiel verloren. Er erinnerte mich an jene furchtbare Nacht bei Brest-Litowsk und bat mich, ihm zu helfen. Bankier Kammacher war mit meiner Bürgschaft einverstanden und lieh ihm das Geld. Und jetzt kommt das Schlimmste, Liebling: Verdingen ist gestern nacht einer Lungenentzündung erlegen. Da­mit ist die Bürgschaft fällig geworden."

Mariella hatte in ihrer Verzweiflung von seiner langen Rede nur die beiden Wörtchenfünftau­send Mark" verstanden. Das war das Ende, wenn nicht ein Wunder geschah.

Unb was hat das mit Frau Wodnys Absichten zu tun?"

Sie hörte mich mit Kammacher telephonieren", fleftanb Hagen.Als das Gespräch beendet war, kam sie zu mir und bat mich um eine Unter­redung:

Lassen Sie Ihre kleine Tippgräfin laufen, Herr Graf, und machen Sie mich zu Ihrer Frau. Ich habe zwanzigtausend Mark von meinem verstor­benen Mann auf der Bank liegen sie sind nicht

angerührt. Wenn wir vom Standesamt zurück­kommen, kann der Kerl, der Kummermacher, oder wie er sonst heißt, die Fünftausend von mir be­kommen! Denn sonst müssen Sie doch wohl wegen Betruges ins Gefängnis wandern. Nicht wahr, Herr Graf?"

Nie werde ich die gemeine Art und Weise ver­gessen, in der die Frau mit mir sprach, Liebling. Da wurde es mir ganz klar noch tiefer sinken konnte ich nicht. Wenn eine Person wie Frau Wodny in dieser Art und Weise mit mir zu spre­chen wagte, dann war es doch mit allem vorbei! Da gibt es nur einen Ausweg, Mariella und der sieht s o aus ..."

Erhard schritt zum Schreibtisch, dessen Mittel­schublade er langsam aufschloß. Gleich darauf blitzte ein vernickelter Revolver in seiner Rechten.

Mariella schrie auf:

Nicht, nicht es gibt noch einen anderen, letz­ten Ausweg."

Sie warf sich gegen den Mann, entriß ihm die Waffe. Ihr entsetzter Aufschrei war bis in das Zimmer zu Frau Wodny gedrungen. Die saß bei ihrer unvermeidlichen Tasse Kaffee und legte sich die schmierigen Karten.

Gut, gut!" sagte sie zu selber.Diese Blätter lügen nicht. Das Glück fliegt mir ins Haus eben hat er der Tippgräfin sicherlich beigebracht, daß er sie aufgibt und mich zu feiner Gemahlin macht. Meine Mutter hat immer gesagt, ich wäre für was Höheres geboren bald kann ich mir die Grafen­krone in die Wäsche sticken."

6. Kapitel.

Der Herr Herzog bittet ..."

Ein strahlend blauer Himmel lag über Rom, der ewigen Stadt.

Doktor Heßling ging unruhig in der großen, marmorgetäfelten Vorhalle eines Palastes auf und ab.

Mut, Entschluß, Nachdenken und Unruhe glitten abwechselnd über seine markanten Züge, in denen das Einglas wie festgewachsen zu sein schien. Ab und zu strich er sich mit der Hand über das glatt anliegende, dunkelbraune Haar. Er war ein leidenschaftlicher Kunstsammler und feinsinniger Kenner von Kunstschätzen. Und in einer anderen

Gemütsverfassung hätte ihn die antike Einrichtung dieses Palastes ebenso interessiert wie die wert­vollen Bilder altitalienischer Maler an den Wänden.

Jetzt aber war er mit seinen Gedanken bei ganz anderen Dingen. Er atmete auf, als der livrierte Diener zurückkam und mit tiefer Verbeugung mel­dete:

II Duca prega di entrare! (Der Herzog bit­tet einzutreten!"

Er schritt dem Gast voraus und öffnete gleich darauf die schweren geschnitzten Flügeltüren vor ihm. Ein riesiger, kostbar möblierter Saal öffnete sich den Blicken des Besuchers. An der großen Fensterwand, die eine Seite des Raumes vollkom­men einnahm, stand ein riesiger Schreibtisch auf geschnitzten Löwenfüßen. Kostbare Bronzebeschlägs leuchteten an ihnen metallisch auf. Vom Schreib­tisch erhob sich ein nicht mehr junger, aber sehr gepflegter und stattlicher Herr. Er hatte ein dunkles Gesicht mit klassischen Zügen, einen echten Römer­kopf, wie Heßling sofort feststellte. Ein kleiner Spitzbart umrahmte das intelligente, vornehme Antlitz.

Guten Tag, Herr Doktor Heßling!" sagte er und streckte seinem Besuch freundlich die Hand ent­gegen.

Walter Heßling gewann sofort Vertrauen zu diesem Mann, dem Besitzer des Palastes, Enrico, Herzog der Abruzzen.

Ich danke Euer Durchlaucht ehrerbietigst dafür, daß Sie mich, einen Unbekannten, sofort empfan­gen haben."

Liebenswürdig wies der Herzog auf einen Sessel: Da Sie mir schrieben, Sie kämen im Interesse der Tochter meines verstorbenen Freundes, des Prinzen di Bonaglia, war das selbstverständlich, Herr Doktor. Also, was haben Sie mir zu sagen?" Nicht mehr und nicht weniger, als daß ich ent­schlossen bin, in Afrika nachzuforschen, ob der Prinz Bonaglia, der Vater der Principessa Mariella, wirklich gestorben ist."

Erstaunt sah der Herzog auf:

Unb wieso zweifeln Sie daran, Doktor?"

Das ist eine lange Geschichte, Durchlaucht. Ich werde Sie um eine ganze Weile Geduld bitten! müssen."

(Fortsetzung folgt t-