Zreitag, 6. März 1956
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 56 Dritter Blatt
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2 RM.
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Ilationalsozialistische Kriegsopferversorgung e. V< Ortsgruppe Gießen.
Für besonders leistungsfähige Instrumente kann die Stempelabgabe bis aus den doppelten Betrag erhöht werden.
Bei Tischautomaten wird nicht für jeden einzelnen Tischautomaten der Mindeststempel erhoben, sondern es werden eine Anzahl — 20 bis 25 — zu einer Einheit zusammengefaßt, für die der Mindeststempel zu entrichten ist.
Entsteht die Abgabepflicht für die unter a, b und c aufgeführten Gegenstände in der Zeit zwi- schen dem 1. Oktober und 31. März, so beträgt für diese Zeit der Stempel die Hälfte des regelmäßigen Betrages. Klaviere, die ausschließlich für Vereinszwecke benutzt werden, sind stempelfrei. Solche Klaviere müssen durch Aufschrift oder durch einen an sichbarer Stelle befestigten Zettel mit dem Vermerk „Benutzung nur dem Verein.........zu
mer 8, vormittags zwischen 8 und 12 Uhr, zu entrichten.
Baulandumlegung in den Eichgärten.
Der Vorsitzende des Umlegungs-Ausschusses für die Baulandumlegung im Eichgärtengebiet gibt im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes bekannt, daß
Achtung Heldengedenktag!
Für die Ortsgruppe Gießen-Stadt gilt folgendes:
Die Durchführung der Feier geschieht durch die Wehrmacht. Als berufene Vertreter unserer gefallenen Kameraden ist es Ehrenpflicht unserer gesamten Mitglieder, bei dieser Feixr nur in unseren Reihen und nicht bei den anderen Organisationen anzutreten.
Antreten Sonntag, 8. März, morgens 8.30 Uhr, vor der Geschäftsstelle, Vahnhofstr. 38, im dunklen Anzug, RSKOV.-Mühe und Hakenkreuzbinde. Kameraden, die Politische Leiter sind, in Politische- Leiter-llniform.
Für alle übrigen Orte des Kreises Gießen sind die Parteldienststellen mit der Durchführung beauftragt und haben sich unsere RSKOV.- Walter mit genannten Stellen in Verbindung zu sehen.
Bleibt ein Rest?
Von Grete Corzilius kommt auf kleinen, festen Jungenstiefelchen
Sven Hedin „8 Jahre Kampf in Zentral-Asien". — Oberhefsischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 15 bis 17 Uhr Gedächtnis-Ausstellung von Hans-Ewald Kleine. — Technisches Seminar der Alicefchule: 14 bis 18 Uhr Handarbeits-Ausstellung.
Stadttheater Gießen.
heute abend Erstaufführung des Gesellschaftsstückes „Die Insel", Schauspiel von Harald Bratt. Spielleitung: Anton Neuhaus. Mitwirkende: Damen: Decker, Markgraf; Herren: Frickhoeffer, Geiger, Kühne, Lindt, Lüpke, Rosenthal, Schorn, Seitz und Volck. Die Vorstellung gilt zugleich als 21. Vorstellung im Freitag-Abonnement. Dauer von 20 bis 22.30 Uhr.
Oie Stempelabgabe für Automaten, Musikwerke usw.
die Treppe heraufgestrappelt, es schellt leise, zaghaft, dann plötzlich heftig an der Korridorklingel; begleitet wird das Ganze von einem irrsinnigen Fingergetrommel an der Tür ..., so daß der Großvater Hildebrand aus den dicken Tabakrauchwolken, die seinen weißen Kopf umballen, verwundert aufhorcht. Dann geht ein gutes und verschmitztes Lächeln über sein zerfurchtes Gesicht und behaglicher noch drückt er sich in den weichen Sessel zurück. Und eine große Zeitung, die seinen Händen entglitten war, breitet er wie ein riesiges Monstrum vor sein Gesicht. Das dünne Papier zittert, als ob immer ein verborgener Luftzug durch das Zimmer striche. Es kommt nur von den alten Händen, die müde und kraftlos geworden sind zum halten.
Still steht die Zeit im Zimmer des pensionierten Herrn Hildebrand. Von den Wänden schauen aus runden, eckigen, schmalen, breiten, braunen und schwarzen Rahmen Diplome und Ehrenurkunden auf den müden Mann. In der Schreibtischschublade, fein säuberlich auf grünsamtne Kissen genäht, liegt eine stattliche Reihe Derdienstkreuze, die Herr Hildebrand sich im Leben erworben hat.
Schmetternd fällt irgendwo eine Tür ins Schloß.
Da kommt der Enkel. Auf leise sein sollenden Zehen schleicht es sich an den Sessel heran, die Zeitung wird von runden Aermchen beiseite gefegt und:
„Guten Tag, Großvater", sagt eine Helle, unbeschwerte Stimme, um gleich hastig fortzufahren: „Großvater ... da staunst du aber mindestens ... wenn du hörst ..., wie wir heute gearbeitet haben in der Schule! Jaaa ... das glaube ich wohl ... du hast es gut, Großvater! Du brauchst nicht mehr zu denken und zu rechnen!"
Ein kleiner Seufzer. Dann plappert der Mund schon wieder fort: „Zum Beispiel, Großvater, rechnen mit Rest! Kannst du rechnen mit Rest, Groß
vater? Paß auf, das ist so: man rechnet und rechnet ... aber immer bleibt etwas übrig! Das ist dann ein Rest, sagt unser Lehrer. Und man muß schrecklich viel darüber nachdenken, Großvater, das glaube nur!" Herr Hildebrand, jäh aus seinem beschaulichen Rauchwolkenhimmel gerissen, schaut in die offen zu ihm aufgeschlagenen Kinderaugen. Sie sind blau wie die seinen, mit einem etwas dunkleren Kranz um die Pupille.
Und merkwürdig, in dem winzigkleinen Rund erscheint ein anderes Kind und weiter dahinter baut sich eine Landschaft auf, Häuser reihen sich an Häuser ... dazwischen Wiesen und Felder und Waldwege und schiefe Bauernzäune. Und Schulen ... eine Menge Schulen. Eine noch wichtiger als die andere. Auch die Menschen tauchen auf, als stiegen sie aus Gräbern. Menschen mit guten, ernsten, Menschen mit fröhlichen und Menschen mit verknitterten, verbitterten Gesichtern. Ein ganzes Regiment steht hinter dem Kind im Kinderauge. Großvater Hildebrand streicht sich mit zitternden Fingern über den Schädel. Großvater Hildebrand sieht sich selbst in seines Enkels Auge ...
„Großvater, nicht wahr?" beginnt die Helle Stimme wieder, „jetzt probierst du auch einmal das Rechnen ...! Es ist das Schwerste, was es gibt auf der Welt. Und dann noch mit Rest! Meistens meint man: vielleicht bleibt diesmal nichts Übrig — ätsch ... immer bleibt 'n Rest ... immer!"
Pfeifend stolziert der Kleine vor den ehrwürdigen Diplomen und Urkunden umher.
Großvater Hildebrand nickt schwer vor sich hin. Ja, immer blieb ein Rest. Er rechnet sein ganzes Leben nach ... immer blieb ein Rest.
Es blieb ein Rest, als er, die Kinderschuhe behende von den Füßen streifend, buntbemützt, die Welt aus den Angeln heben wollte und sich, bogenkritzelnd, auf einem Kontorschemel wiederfand. hinter zerlesenen, zerfetzten Karl-May-Romanen hockt ein Rest, grinste ein Rest. Nicht tragisch eben ... aber doch ein Rest! Und weiter, als das Rennen begann um Beruf, um Geld, um Ehren und Würden, als frohe Stunden wechselten mit dunklen in buntem Tanz ... immer blieb ein Rest! Nie ging die Rechnung des Herrn Hildebrand auf!
Bis heute! Aber heute? hören Sie es pfeifen von warmen, jungen Lippen durch den Raum, sehen Sie das ranke wachsende junge Blut? Die blanken, strahlenden Augen ...? Die festgeballten, braunen Fäustchen?
Das ist der Rest, I h r Rest, Herr Hildebrand. Der Rest, mit dem das Leben seine Schulden bezahlt!
Die Treppe abwärts trappeln kleine Jungenstiefelchen. Ein Großvaterherz, wenn man es recht verstehen will, läuft freudig nebenher.
halbroth. krelsamlslelter und Orlsgruppenobmann.
Industrielle Berufserziehungsmaßnahmen
im rhein mainischen Wirtschaftsgebiet.
Von der DAF., Gauwaltung Hessen-Nassau, Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung, wird mitgeteilt:
Für alle Facharbeiterlehrlinge in Industriebetrieben im rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet liegt nunmehr ein einheitliches Lehroertragsmufter vor, das von der Reichswirtschaftskammer, der Hitler- Jugend und dem Deutschen Ausschuß für technisches Schulungswesen ausgearbeitet wurde. Allen Lehr- verhältniffen mit Facharbeiterlehrlingen in der In
31. März:
a) für Warenverkaufsautomaten:
1 und 2 Geldeinwürfe.....
4 „ .....
6 „ .....
8 „ .....
12 „ .....
b) für andere Automaten als Warenverkaufsautomaten, z. B. Waag- autoMSten.........
c) für Mes Klavier oder sonstiges Musikwerk bzw. jeden Radioapparat je nach Größe, Ankaufspreis und Leistungsfähigkeit.......
dieser Vorschrift hat Heranziehung zu dem c angegebenen Stempelbetrag zur Folge.
Die Abmeldung von Automaten, Musikwerken und Radioapparaten kann nur bis 31. März jeden Jahres bei dem Kreisamt erfolgen. Wer dies unterläßt, ist zur Entrichtung der Abgabe für das kommende Rechnungsjahr — 1. April bis 31. März — verpflichtet. Die Erhebung des Stempels, die Ausstellung der Jahreskarten, sowie die Entgegennahme von Anmeldungen findet bei uns, Zimmer 8, vormittags von 8 bis 12 Uhr, statt.
Gleichzeitig fordern wir hiermit alle Inhaber von Jahreskarten für Automaten, Musikwerke und Radioapparate auf, die Stempelabgabe für das Rechnungsjahr 1936 — 1. April 1936 bis 31. März 1937 — bis spätestens 15. April 1936 bei uns, Zim-
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C. Wenn ich sehe, daß auf meinem Schreibtisch irgend etwas verändert worden ist. dann kann ich fuchsteufelswild werden. Da hat jedes Ding an feinem Platz zu liegen, wenn ich arbeiten will. Wenn nur ein Bleistift fehlt, dann gibt es ein Donnerwetter, dann getraut sich keins im Haufe zu mucksen. Ob sie mich Haustyrann schelten ober vergrämt herumgehen, das ist mir einerlei.
Mir nicht, sagt mein Freund. Ich möchte freundliche Gesichter um mich sehen Mir fehlt auch manchmal ein Bleistift auf meinem Schreibtisch. Das ist aber nicht schlimm. Ich habe immer einige auf Vorrat. Ich hole dann einen andern aus der Schublade und kann meine Arbeiten doch erledigen. Warum soll das ganze Haus darunter leiden, wenn eins meiner Kinder einmal einen Bleistift braucht und dann pergißt, ihn wieder an seinen Platz zu legen? Meinst du nicht auch?--
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Lieber Leser, das sind nur drei Beispiele aus dem täglichen Leben. Soll ich die Liste fortsetzen? Mit wem willst du es halten?
Äornoiizen.
Tageskalender für Freitag.
NS.». „Kraft durch Freude": Ab 20.30 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum; 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.15 Uhr Schwimmen im Volksbad; 20 bis 21 Uhr Reiten, 21 bis 22 Uhr Ski- Trocken, Reitschule Schömbs. — NSLB., Fachschaft höhere Schule; Deutschkundliche Fachschaft: 16 Uhr Sitzung in der Oberrealschule. — Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „Die Insel". — Gloria-Palast, Sel- tersweq: „Traumulus". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebesleute". — Goethe-Bund Gießen: 20 Uhr in der Neuen Aula Lichtbilderoortrag von
Wer in Bahnhöfen, öffentlichen Wirtschaften oder an anderen öffentlichen Orten und Plätzen einen Verkaufs- oder Wieg-Automaten, Kraftmesser oder einen sonstigen der Unterhaltung des Publikums dienenden Automaten oder einen dem gleichen Zweck dienenden Radioapparat, ferner wer in einem öffentlichen Wirtslokal ein Klavier oder ein sonstiges Musikwerk aufstellen will, hat dies zuvor bei dem Kreisamt anzumelden und die Stempelabgabe zu entrichten.
Diese beträgt jährlich für die Zeit vom 1. April bis
Dichter war längst von Berlin über Weimar und Neustadt am harz nach Süddeutschland und von dort nach Steiermark übersiedelt — hat Paul Ernst an diesem erstaunlichen Werk geschaffen. Er durfte danach noch seine Erinnerungen und seine Gedichte veröffentlichen, er arbeitete an einem neuen Roman, als der Tod ihn wegnahm. Es geschah in einem Augenblick, da ihn der Umschwung in Deutschland mit großen Hoffnungen erfüllte — mit Hoffnungen für das Volk, dem er in seiner Arbeit treue Dienste hatte. Wilhelm Kunze.
Das Kreisamt Gießen gibt über die Stempelabgabe für Automaten, Musikwerke und Radioapparate im Rechnungsjahr 1936 folgendes bekannt:
Paul Ernst.
$um 70. Geburtstage des Dichters.
Am 7. März wäre der Dichter Paul Ernst 70 Jahre alt geworden. Er starb vor drei Jahren, am 13. Mai 1933, in seinem Schloß St. Georgen an der Stiesing in der Steiermark. So begehen wir heute seinen Geburtstag wie einen Gedenktag, aber unser Gedenken gilt einem Lebenden. Paul Ernst lebt in seinen Werken, und seine Werke leben im deutschen Volk. Wenn je von einem Dichter gegolten hat, daß sein Werk den Toten überlebt und als Lebenden weiterträgt, so darf dies von Paul Ernst gelten. Denn sein Werk ist im eigentlichen Sinne wenig erschlossen; es enthält aber eine solche Fülle des Lebens, daß seine Wirkung nicht ausbleiben kann.
In Romanen, Erzählungen, Novellen, Gedichten und Dramen hat Paul Ernst fein Dichtertum ebenso erwiesen wie in zahlreichen Aufsätzen und in dem umfassenden Epos „Das K a i f e r b u ch". Er hat alle Saiten feines Instruments zum Klingen gebracht, er hat mit dem ihm anvertrauten Pfund in jeder Richtung gearbeitet und ist niemals müde gewesen. .Elbingerode im harz ist die Geburtsstadt des Dichters, ein kleiner Ort, in dessen Nähe der Vater auf einer Grube als Pochsteiger beschäftigt war. „Meine Heimat lag ab vom Weltverkehr" schrieb er später. Wenn der Dichter spater auch mit feinem Schaffen in die „Welt" hmaus- trat wenn er in vielfachen Aufsätzen zu Zelt'- und Taaesprablemen Stellung genommen Hatz als Dichter hat er in feinen Werken dach die fchone Welt- Abseitigkeit feiner fteimat in gllick ichster Weise zu wahren gewußt. Man darf auch sagen, daß Paul Ernst feit langem wieder einmal das Beispiel eines deutschen Dichters gegeben hat, der für sein Volk lebt und wirkt, ahne durch das Ausbleiben des Tageserfalges in dem Glauben an feine Sendung irre zu werden.
£r sollte Theologie studieren, hat auch die Uni- versitäten Göttingen, Tübingen und Berlin besucht aber schließlich seinen Eltern mitgeteilt, daß er das theologische Studium nicht durchfuhr-n konne^Er vernichtete deshalb auf den Zuschuß und ernührteT mit 'chnftstellerischer Arbeit. Sie bestand vorwiegend in Aussätzen, ine ff lichte, - zeitlebens ist Paul Ernst htreu g blieben. Davon legen fpätere S°mmelbande, w etwa „Ein Credo" (Neuausgabe 1935) ober D Auswahlband „Verfall und Neuordnung (1935), Zeugnis ab. Wenn man tn diesen A s lösten liest, tritt eine cbenfo reiche, vielseitige, w gründliche, alle Probleme scharf begründende
Aufruf.
Am kommenden Sonntag gedenkt das deutsche Volk seiner gefallenen Kameraden. Dieser Tag lenkt unsere Blicke rückwärts aus jene Tage des großen Ringens gegen eine Welt von Feinden. Damals trat das deutsche Volk in Waffen für sein Fortbestehen ein. An der ehernen Front unserer Feldgrauen zerschellte die Wucht des feindlichen Ansturms. Die Heimat stand opferbereit zu ihren Soldaten. An der Front aßen die Kameraden gemeinsam an der Feldküche. Daheim setzten unsere Frauen alle Kräfte ein. um aus ihrem Arbeitsseld dem deutschen Volke zum Siege zu verhelfen.
Wie damals draußen und daheim Deutschlands Männer und Frauen eine große auf Leben und Tod verfchworene Gemeinschaft waren, so fall es auch jetzt wieder sein. Der E i n t o p f am kommenden Sonntag soll uns alle zu dieser Gemeinschaft versammeln.
Daher rufe ich alle deutschen Männer und Frauen aus. am nächsten Sonntag gemeinsam mit der SA. in den bereits bekanntgegebenen Gaststätten das Eintopsessen zu verzehren und damit dem Winterhilsswerk zu einem neuen großen (Erfolg zu verhelfen.
Wenn wir alle in dieser Weise den letzten Eintopfsonntag des Winterhilfswerkes 1935/36 begehen, so entsprechen wir damit dem Willen unseres Führers, alle Kräfte für das wohl unf eres Vaterlandes einzusehen.
Der SA.-Standortführer Gießen.
lütter
Standartenführer.
Geistigkeit entgegen. Es ist einleuchtend, daß diese Geistigkeit, aus einer Reihe von wirklichen Erfahrungen gewonnen wurde. „Mir wurde das fürchterliche Leben der heutigen Menschheit damals klar", schrieb der Dichter später über seine erste Berliner Zeit; „ich fühlte damals, daß die Menschen ja so nicht leben können, wie ich sie leben sah. Aber wie das anders werden kannte, das wußte ich nicht." Er lernte die Sozialdemokratie kennen, befaßte sich mit ihren Lehren und wurde Redner und Schriftsteller der Sozialdemokratie. Bis er eines Tages zur Erkenntnis kam, daß auch die Sozialdemokratie nur das „Aufläsunasergebnis einer untergehenden Gesellschaft" wäre. Da rettete er sich in wissenschaftliche Arbeit, es war die Soziologie, die ihn fesselte, er hatte auch die Absicht, einen Derwaltungsposten auszufüllen.
In diese schwebenden Verhältnisse trat sein erstes dichterisches Erzeugnis, das kennzeichnenderweise ein Einakter war. Dramatisches hat Paul E r n st im Laufe langer Jahre Vieles gearbeitet; vieles, das heute nach selten genug von den Buhnen geboten wird. Im Drama hat Paul Ernst auch zuerst die Notwendigkeit erkannt, vom Naturalismus der Zeit sich fernzuhalten. Diese Notwendigkeit wurde 3um bewegenden Grundgesetz seines Schaffens. Aus dem naturalistischen Zeitalter erstand die Dichtung Paul Ernsts als Wendung zum Geist, zur Farm, zur Klassik, wenn man will.
An altitalienischen Vorbildern ist seine Kunst der Novellistik geschult. Die Novellen und Erzählungen des Dichters liegen heute in mehreren Bänden vor. Die Reihe seiner Romane zeigt gleichfalls die Entwicklung des Dichters auf. Don dem 1904 erschienenen Roman „D e r schmale Weg z um Gluck , der als eines unserer tiefsten Bucher der Lebensweisheit gilt, bis zu dem 1931 erschienenen „Das Glück von Lautenthal" hat Paul Ernst Romane veröffentlicht, die von gleichmäßiger Wirkung waren. So etwa „Die selige In s e l (1909), „Saat a u f $) o f f n u n g" (1914), „& r u n aus Trümmern" (1923) ober „Der Schatz im Morgenbrotstal" (1926).
Seine Dramen, Erzählungen und Romane werden von einem Werk überragt, das zu vollenden ihm noch vergönnt war: „Das K a i s e r b u ch" ist ein sechsbändiges Epos, das die drei Jahrhunderte der Sachsen-, Franken- und Schwabenkaiser behandelt. Als der Krieg mit dem Zusammenbruch geendet hatte, hatte der Dichter dieses Epos be- schlossen, um dem Volke wieder eine Dichtung an die Hand zu geben, durch die es vielleicht zum Bewußtsein seiner Sendung kommen könnte. In diesem Sinne dachte er, daß fein „Kaiserlich" ein Dslksduch fein sollte. Bis zum Jahre 1928 — der
am Samstag, 21. März, im Sitzungssaal im Stadt« Haus, Bergstraße, über den Umlegungsplan verhandelt und abgeftimmt wird. Alle Beteiligten wer« den in der Bekanntmachung aufgefordert, zu der Tagfahrt zu erscheinen und abzustimmen, widrigenfalls sie als zustimmend angesehen werden. Die Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen.
Oer SA.-Eintopf am kommenden Sonntag.
Es sei noch einmal daran erinnert, daß das Eintopf-Gericht unserer Gießener SA. — Erbsensuppe mit Fleischeinlage — am kommenden Sonntag in allen Gießener Gaststätten auf den Tisch kommen wird. Mit Bestimmtheit wird dieses Mittagessen in den nachstehend verzeichneten Gastwirtschaften verabreicht, in denen die SA. ißt: Cafs Ebel, Agua- rium, Frankfurter Hof, Caf6 Leib,. Gambrinus, Stadt Wetzlar, Zum Auerhahn, Zum Löwen, Schützenhaus, Germania, Postkeller, Bayerischer Hof, Boller, Soldan, Krokodil, Hopfeld, Hotel Schütz. Volksgenossen und Volksgenossinnen unserer Gießener Bevölkerung, die mit der SA. gemeinsam die Erbsensuppe mit Fleischeinlage verzehren wollen, müssen sich umgehend bei einer der vorgenannten Gastwirtschaften zum Mittagessen anmelden. Es stehe niemand abseits, sondern beteilige sich jeder an dem g e • meinfamen Eintopfess en. Der Erfolg des kommenden Eintopf-Sonntags für das Winterhilfswerk muß die Erfolge der früheren Eintopf-Sonntage erheblich übertreffen. Darum auf zur Tat!
Aus der Provinzialhauptstadl.
Wenn ick...
A. Wenn ich mich ungeschickt anstelle und die wertvollste Blumenoase im Hause zerbreche, dann kann ich mich acht Tage lang ärgern. Acht Tage lang kann ich schimpfen, daß die schone Vase hm ist. Meine Frau und meine Kinder bringe ich mit meinen Wutausbrüchen zum Weinen. Es wird in unserem Hause bald so still wie in einer Kirche. Niemand getraut sich, ein lautes Wort zu sagen. Es wird nur noch geflüstert. Ja, das kann eine zerbrochene Vase vollbringen. Der Fall wird noch schwieriger, wenn eins meiner Kinder die Blumenvase zerbricht. Dann gibt es eine Katastrophe.
Wenn ich eine Vase zerbreche, sagt mein Freund, dann schmerzt mich das auch. Aber ich zeige das nicht. Ich denke, Künstler und Geschäftsleute wollen auch leben. Also kaufen wir eine neue, eine schönere. Dann haben wir doppelte Freude daran. Schon ist die zerbrochene Vase vergessen. Ruhe und Frieden im Hause sind überhaupt nicht gestört worden. Warum soll es die ganze Nachbarschaft wissen?-- *
B. Wenn ich mich beeile, kann ich den Zug noch erreichen. Im Sturmschritt geht es zum Bahnhof. In Schweiß gebadet komme ich an. Der Zug fährt gerade eben ab. Ich erwische den Griff eines Abteils und springe auf den fahrenden Zug. Mag der Dienst führende Beamte noch so viel schelten und poltern. Ich habe jedenfalls den Zug noch erwischt, das ist die Hauptsache.
Meinst du? fragt mein Freund. Was hätte es gegeben, wenn du gestolpert und unter die Räder gekommen wärst? Wenn ich weiß, so fuhr er fort, daß die Zeit zu knapp ist, um den Zug noch zu erreichen, dann fahre ich mit einem andern, falls ich mich zu dem vorgesehenen Zuge nicht rechtzeitig einfinden kann. Warum soll ich mich unnötig erhitzen und schließlich noch eine Strafe machen? Es fassen immer wieder Züge. Der ganze Einsatz des Springens usw. ist verhältnismäßig viel zu hoch, als daß ich meine Gesundheit zerstöre.--
- Vereinszwecken gestattet", besonders bezeichnet sein.
In Zeiten der Nichtbenutzung durch den Verein müssen die Klaviere geschlossen sein. Nichtbeachtung


