Nr. 56 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zreitag, 6. März Mb
Lösung der Schachaufgabe Nr. 124.
Weiß: Kgl, Dc2, Tdl, Lg2, Lf4, Sd4, Ba4, b4, !, 12, g3, n2 (12); Schwarz: Kg8, Da5, Tf8, Lc8,
Lösung der Schachaufgabe Nr. 122.
fern mürbe, die heute gegen das Coun- Araber stehen vor der Aufgabe des arabischen Nach Kf7—g7 käme 1 Dh5—h6+, K Ebenso schwer wiegt der Druck der Sprichworts, wie sie den Kuchen, den sie essen 12. Tf4—h4++, Kh6—g7. 3. Le3—ho matt.
eil zetern.
den Arabern (Nashashibi) gegebenes Wort zur Schaffung eines Parlaments einlösen will; man kann ihm zugute halten, daß das parlamentarische Gebilde ein Sicherheitsventil für die angesammelten Leidenschaften der arabischen Jntelligenzschicht sein könnte, deren Hunger nach Posten und Einfluß durch ein paar neue Sinekuren gestillt werden muß. Vom lokalen Standpunkt aus gesehen muß man jedoch eher behaupten, daß mindestens in der Gegenwart der Gesetzgebende Rat die Reibungen zwischen Arabern und Juden eher fördern als beseitigen wird; in der Innenpolitik des Ländchens wird die Unruhe wachsen, und von ihr auch die Wirtschaft des Mandatsgebiets nachteilig beeinflußt werden. Mindestens ebensoviel lokale Rücksichten, die für das Parlament sprechen könnten, sprechen also auch dagegen, und so ist nicht anzunehmen, daß es etwa lokale Rücksichten gewesen sind, die für die Politik Sir Arthurs den Abschlag gegeben haben.
Viel schwerer fällt der Druck des India Office ins Gewicht, das seiner besten und loyalsten Stütze in Indien, den 80 Millionen Mohammedanern, gern die paar hunderttausend Juden in Palästina opfern würde, die heute gegen das Coun
e2, 12, g3, h2 (12); Schwarz: Kg8, Da5, T18, Lc8, Le7, Se5, Ba7, b7, c6, 17, g7, h7 (12).
Nach 1. ... Le7Xb4 käme 2. Sd4—b3, Da5—c7. 3. Dc2—e4 (Angriff gegen b4 und e5), Lb4—d6. 4. De4—d4, und Weiß gewinnt eine Figur.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Jerusalem, Februar 1936.
Trotz der Schwierigkeiten sowohl von arabischer wie von jüdischer Seite schreitet der palästinische Hochkommissar Sir Arthur Wauchope unbeirrt auf dem Wege fort, fein palästinisches Mündel der Wohltaten und Würden eines Parlaments reif zu erklären Allerdings soll der Sprung in die Demokratie nicht auf einmal als Salto mortale vollzogen werden, sondern ratenweise, d. h. zunächst mit einem Repräsentantenhaus, das halb gewählt und halb ernannt wird. Was veranlaßt die englische Mandatsregierung, mit solcher Konsequenz die Politik des Legislative Council dem kleinen Palästina aufzuzwingen, obwohl Englands Erfahrungen mit dem parlamentarischen System im Orient (Aegypten, Cypern, Indien) ebensowenig ermutigend erscheinen wie die Frankreichs in Syrien - Libanon?
Der Fragesteller muß vor allem anderen in Betracht ziehen, daß die englische Palästina-Politik eine mathematische Funktion vieler außerhalb Palästinas liegender Faktoren und nur zum geringsten Teil lokaler Bedingungen und Umstände ist Auf die Linie dieser Politik wirken konstant ein: das India Office mit feinem Interesse an den indischen Mohammedanern, das Foreign Office mit seinen Interessen an den jüdischen Sympathien auf dem europäischen Festland und in Amerika, die englische H o ch - fianz und Industrie, vielfach jüdisch beeinflußt, mit ihren Exportinteressen, das Middle East Department des Colonial Office und der Air Ministry. letztere wegen der Zuständigkeit in Verbindungsfragen des englischen Weltimperiums, für die Palästina einen wichtigen Knotenpunkt darstellt. Hier sind auch die Flotteninteressen einzureihen.
Alle diese Faktoren üben einen ständigen Druck auf die Politik des kleinen Ländchens aus; manchmal überwiegt die eine, manchmal die andere Seite und selten, nur wenn es ganz brenzlich wird, dringen die Rücksichten auf lokale palästinische Belange durch. Aus diesem ganzen Wirrwarr von Einflüssen ergeben sich Schwankungen, die manchem flüchtigen Beobachter als typisch englische Inkonsequenz erscheinen könnte.
So könnte auch die Politik des Oberkommissars in der Frage des Gesetzgebenden Rates erscheinen. Man kann Sir Arthur bescheinigen, daß er sein
Weiß: Kgl, Dh5, Tal, T14, Lc4, Le3, Sd2, Sd4, Ba2, b2, c2, g2, h2 (13); Schwarz: K17, Dd8, Ta8, Th8, Lc8, L18, Sb8, 816, Ba7, b7, e5, g6, h7 (13).
Nach K17—g7 käme 1. Dh5—h6+, Kg7Xh6.
LPD. Frankfurt a. M., 5. März. Das endgültige Ergebnis der von der DAF. durchgefuhrten N a r z i 1 s e n f a m m l u n g im Gau Hessen- Nas s a u liegt nunmehr vor. Er wurden 211050 Mark gesammelt, fast 50 v. H. mehr als die Durchschnittsergebnisse der vorhergegangenen Sammlungen. (In unserer gestrigen Meldung über das schätzungsweise Ergebnis ist irrtümlich die Zahl der verkauften Narzissen mit 70 000 angegeben. Es
Gchach-Ccke
Bearbeitet von K. Helling.
Oie Narrenkappe.
Schlechte Verbindung.
Jansen rief seinen Freund Lemke an:
„Hallo, Lemke, bist du da?" jawohl!"
„Kannst du mir hundert Mark leihen?"
„Die Verständigung ist sehr schlecht, ich kann nichts verstehen!"
„Ich fragte, ob du mir hundert Mark borgen kannst?"
„Die Verbindung muß nicht in Ordnung sein , sagte Lemke, „ich verstehe kein Wort."
Da mischte sich das Fräulein vom Amt ein: „Die Verständigung ist ausgezeichnet, meine Herren!"
„Dann leihen S i e ihm doch die hundert Mark", rief Lemke grimmig, „wenn Sie so gut verstehen, was er sagt st' (Berlingske Söndag.)
Der THufiffreunb.
Mein Nachbar ging mit seinem Nachbarn in ein Konzertkaffee.
Der Kapellmeister näherte sich ben Beiden.
„Wünschen die Herrschaften ein Lieblingsstück?" „Ich möchte gern ein Schubertlied hören."
„Ja. Die Sache mit dem scharfen Taschenmesser!"
Der Kapellmeister stand baß erstaunt: „Mit dem Taschenmesser?"
Mein Nachbar nickte: „Ja. Warten Sie, jetzt habe ich es: Ich schnitt es gern in alle Rinden ein!"
Ereignisreicher lag.
Der Aesthetiter und Philosoph Friedrich Theodor Vischer erhielt einst von der Regierung einen Rüffel. Am selben Tage schenkte ihm seine Frau einen Sohn. Tief beeindruckt ging er ins Kolleg und begann seine Vorlesung mit den Worten: „Meine Herren, heute habe ich einen großen Wischer und einen kleinen Vischer bekommen!"
Die Auskunft.
Ein kleiner Junge sitzt vor einer Haustür. Ein Mann fragt ihn:
„Ist Deine Mutter zu Hause?"
„Ja."
Der Mann drückt die Klingel, noch und noch. Niemand öffnet. „Du hast doch gesagt, deine Mutter ist zu Hause?!"
„Ist sie auch, aber mir wohnen gar nicht
Mer r
Vom Mandatsland zum britischen Dominion
Hintergründe zum Verfaffungsstreit in Palästina.
Don unserem (fr.)-Äerichterstatter.
geht, die die Araber (nicht ohne Einflüsse aus dem Auslande) auf die Barrikaden gegen England und Israel führen wollen.
Das endgültige Sammelergebnis der Tlarziffensammlung im Gau Heffen-Nasiou.
Schachaufgabe Nr. 126.
In der nachstehenden Aufgabe von Freiherrn von Holzhausen (Lösungsturmer Gießen) zieht Weiß an und soll mit dem zweiten Zuge mattsetzen. Es gilt, den Schwarzen in eine Zugzwangsstellung zu bringen, ihn also, ohne etwas zu drohen, zu einer entscheidenden Stellungsverschlechterung zu zwingen.
Politiker und Militärs von Downing Street und Adastral House (Luftministerium). Die Entwicklung der Dinge in Aegypten wie auch die verminderte strategische Sicherheit von Malta machen aus dem palästinischen Küstenstrich eine militärische Frage ersten Ranges, von dem aus man den Seeweg nach Indien und Australien wie den Luftweg nach Asien und der Südsee beschützen kann. Das Pech will es, daß dieses Küstenländchen keine englische Kolonie ist, sondern ein Mandatsgeb i e t, und die von England heute gegen Italien aufgerufenen Geister von Gens könnten einmal auch ein Veto gegen die grundbuchamtlichen Eintragungen von Flugplatz- Böden auf den Namen der Londoner Regierung einlegen, oder gegen den Ausbau des Hafens von Haifa zum Flottenstützpunkt, der schon im Frühjahr
Schachaufgabe Nr. 125.
In der Aufgabe von W. Eiche, die im Dreizüger- turnier des Großdeutschen Schachbundes einen ersten Preis erhielt, zieht Weiß an und soll mit dem dritten Zuge mattsetzen. Die Lösung gelingt nur mit einem litten, sehr versteckten Zug des Weißen.
wollen, trotzdem behalten können; wie sie die „grundsätzliche" Ablehnung und non-cooperation mit der Mandatsverwaltung in Einklang bringen können mit der erwünschten Beteiligung am begehrten Legislative Council. Das Kolumbus-Ei and die arabische Zeitung „Falastin", die den genialen Vorschlag macht, die Araber sollten sich in zwei Lager spalten, von denen das eine den Gesetzgebenden Rat schroff a b l e h n t und das andere mit der Regierung zusammen- arbeitet. Die arabischen Politiker sind inzwi- chen über diesen „Falastin"-Vorschlag noch hinaus- gegangen, indem sie sich i n 5 v e r s ch i e d e n e Lager teilten, die 5 verschiedenartige Antworten an Sir Arthur unterbreiten werden, vom lautesten Nein bis zum jubelndsten Ja. Allerdings wird die (Stellung der Ja-Sager durch eine wüste Hetze in den Dörfern erschwert, die von der terrort-,— —7--.—-. .. - "„nnnnnx stischen Gruppe der „Aufständischen Scheikhs" aus- muß richtig heißen 7 0 0 0 0 0.)
1936 beginnen soll.
So gesehen würde London es vielleicht nicht unangenehm empfinden, wenn eine „freie" Volksentscheidung im Palästina-Parlament (zwar noch nicht heute oder morgen, aber in 5 ober 6 Jahren) ich beim Völkerbund für die vergangene Vormund- chast herzlich bedankt und den Eintritt des Heiligen Landes in den britischen Staatenverband verlangt. Bis dahin wird Palästina zunächst auf wirt- chaftlichem Gebiet weiterhin wie bisher Anschauungsunterricht über alle Nachteile feiner Abhängigkeit von Genf erhalten, besonders in Fragen von Zollpolitik und Imperial-Preverence, damit die einflußreichen Wirtfchaftskreise der Araber wie der Juden für die Wohltaten der Zugehörigkeit zu Großbritannien empfänglich gemacht werden, und damit dem erstrebten Jerusalemer Parlamentsbeschluß eine möglichst breite Volksbewegung zugunsten des Anschlusses vorangeht, — eine Bewegung übrigens, die schon heute in den Kreisen der Örangenpslanzer, der Industrie und des Handels ihre festen Ansätze zeigt.
Erwägungen von weltpolitischer Bedeutung sind gerade die englischen Z i o n i st e n von der Great Rüssel Street (Lord Melchett, Vicount Erleigh, Professor Weizmann usw.) besonders zugänglich. Sie ereifern sich zwar heute ebenso wie die übrige zionistische Welt gegen den Legislative Council, doch muß man das nicht so tragisch nehmen wie es aussehen soll. Mit dem „empörten" Nein ist das Feilschen um größtmögliche Garantien für die Juden und das zionistische Aufbauwerk in Palästina gemeint, denn abgelehnt wird nicht das Prinzip der parlamentarischen Autonomie Palästinas, die ja die Juden im Augenblick des zahlenmäßigen Ausgleichs mit den Arabern von sich aus selbst verlangen werden (was natürlich Sir Arthur ebenso wie London genau wissen). Vielmehr läuft man gegen b i e 21 r t der Zusammensetzung des Councils Sturm und kämpft um die Zuständigkeitsfrage in der Frage der Bodenkäufe und der Einwanderung. Sobald diese Punkte des Parlaments-Statuts zufriedenstellend (evtl, mit Hilfe einflußreicher Londoner Glaubensgenossen) gelöst und Garantien dafür vorhanden sein werden, daß die erzielten Versvrechungen auch eingehalten werden, z. B. durch Ausscheiden Palästinas aus der Zuständigkeit des Colonial Office und feine Unterstellung unter das Foreign Office (wie bis 1922), woraus der Uebergang Palästinas von einem Mandatsland zu einem Dominion gefolgert werden könnte: in einem solchen Augenblick wird auch die Stellung der maßgeblichen jüdischen Kreise eine grundsätzliche Aenderung erfahren
lieber die Stellung der arabischen Kreise läßt sich trotz der Verwirrung in diesem Lager schon heute die Entwicklung voraussagen Die
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„Liebesleute."
Lichtspielhaus.
Den ersten Anstoß zu diesem Film gab erstaunlicherweise Goethes „Hermann und Dorothea". Das Drehbuch schrieb dann allerdings Heinrich Oberländer, und wenn wir uns recht erinnern, hat die herstellende Firma (Europa) später auch den auf das klassische Epos anspielenden Untertitel zurückgezogen, obwohl er im Programmheft noch erscheint, mit Recht, denn zwischen 1796 und 1936 liegen mehr als nur zeitliche Abstände. Wir wollen uns gar nicht erst auf eine vergleichende Untersuchung einlassen; damit wäre beiden Teilen wenig gedient, und der Film, nur darum kann es sich ja handeln, hat es nicht einmal nötig, sich auf klassische Vorbilder zu berufen, die ihn nichts angehn. Die Uebereinftimmungen sind, wenn man davon absehen will, daß das Liebespaar von heute die gleichen Vornamen trägt, ohnehin ziemlich dürftig, und der Film kann sich so, wie er ist, ganz selbständig sehen lassen: er ist gut so, und das sollte genügen. Die Handlung ist einfach und übersichtlich und hat einen einleuchtend motivierten Konflikt, der für das Schicksal der jungen Siebes» Rute entscheidend wird. Das Gut von Hermanns Vater ist schwer verschuldet; der alte und der junge Freiherr von Goren haben böse Sorgen. Es gäbe einen Ausweg: ein alter Freund der Gorens, der Bankier ist, konnte einspringen; und ferne Tochter Helga, die Hermann gern leiden mag, wäre sogar bereit, ihr Privatvermögen zu investieren Dann wäre ja alles in Ordnung und der drohende Verkauf des Gutes vermieden, — aber da kommt nun aus heiterm Himmel ein fremdes Schicksal dazwischen: auf der Bahnstation des Gutes halt eines Abends ein Zug mit heimatlosen deutschen Farmern aus Kanada denen Dürre und Staubsturme vernichteten, was sie sich in harter Arbeit in der neuen Heimat geschaffen haben. Nun kehren sie arm und elend nach Deutschland heim. Die Gutsleute werden um Hilfe angegangen, Hermann fahrt hin. verteilt Essen und Kleider . und findet unter den Flüchtenden das Mädchen Dorothea. Die nimmt er mit heim auf das Gut und bereitet ihr da eine Zuflucht. Aber sie haben kein Glück: Helga sieht ihren Plan vereitelt und bewegt ihren Vater zu eiliger Abreise. Der alte Freiherr bekommt also kein Geld, bei dem Bankier nicht und sonst auch nirgend'., und steht am Ende vor dem Konkurs. Schließlich weist er Dorothea, die er von Anfang an ungern auf dem Hofe gesehen hat, mit heftigen
Worten hinaus. Aber Hermann stellt sich schützend vor das Mädchen, nun gehen sie beide, und es beginnt in Berlin eine traurige und rührende Jrr- ahrt durch Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger. Als es ganz schlimm wird, läuft das Mädchen heimlich, wiewohl blutenden Herzens, davon, um dem Geliebten die Heimkehr auf das väterliche Gut frei zu machen. Der geht auch, verdüstert
Renate Müller als Dorothea.
.Tofks
zwar, aber es sieht bald so aus, als ob sie das Gut wieder hochbrächten. Und dann merkt am Ende selbst der grimmige Alte, daß er dem Mädel bitter unrecht getan hat, und was für feinen Sohn das Beste ist: er bringt ihm selber die Dorothea zurück, und es ist zuletzt, wie im Märchen, ein großes Glück. Trotzdem ist man nicht verstimmt über solches happy end, denn entscheidend ist ja für die Bewertung des Films die Liebesgeschichte, und die könnte wirklich so oder so ähnlich verlausen sein; es geht von diesen Szenen ein einfacher, unverkitschter, warmer Gefühlsstrom auf den Beschauer über. Das ist auch ganz schlicht und glaubhaft gespielt: Hermann und Dorothea — Gustav
und Renate. Renate Müller hat hier die beste Rolle, die wir bisher von ihr fahen. Sie kann ganz unverstellt und hingegeben ein großes und tapferes Herz zeigen, ohne Geschichten und Sentiments, knapp und verhalten in ihren Aeußerungen, aber in jedem Wort und jeder Bewegung von natürlicher Anmut und Wärme. Und Fröhlich ist auch genau der junge Mann und Liebhaber, der hier gebraucht wurde? ernst, zuverlässig, ritterlich und anständig. Der Regisseur Erich W a s ch n e ck hat das alles auf den rechten Ton gestimmt und zurechtgerückt, bringt schöne, offene Landschaftsaufnahmen ins Bild, und vor allem gelingen ihm später, bei der Irrfahrt des Liebespaares durch Berlin, ein paar Szenen — in der Schießbude und im Restaurant —, die fo fein empfunden und verinnerlicht sind, daß sie den Film um mehrere Grade über die Durchschnittsproduktion hinausheben: um ihretwillen lohnt es sich, diesen „Liebesleuten" einmal zuzusehen. Von den übrigen Darstellern tun sich Gina Falckenberg (Helga), Schroth (der alte Goren), Julia Serba, Walter Janssen, Harry Liedtke, Bienert und Oskar Sabo hervor. — An der Kamera: Friedl Behn-Grund; Musik von Siemens Schmal- stich. —r—
Kurz — ober obo!
(Sine Handvoll Anekdoten, gesammelt von Peter Peppermint.
Die Königin von Rumänien, Elisabeth, als Ear- men Sylva in den Dichterhimmel eingegangen, besuchte auf ihrer Amerikareise auch einmal einen berühmten Psychiater. Unangemeldet sie, ununterrichtet er — so lernten sie sich beide kennen. Sie nannte »chlicht ihren Namen.
„So — also Königin von Rumänien wollen Sie sein?" fragte der Professor. „Seit wann etwa haben Sie diese Vorstellung?"
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Ich bin jetzt fünfzig und würde gern achtzig werden", sagte einer zum berühmten Professor Thier sch in Leipzig.
„Nichts spricht dagegen."
„Aber was muß ich da in gesundheitlicher Be- Ziehung tun?"
„Rauchen Sie?"
„Ich rauche nie."
„Trinken Sie?"
„Ich trinke nie."
I „Die Frauen?"
„Frauen lassen mich kalt."
Da sah Thiersch auf. „Ja, sagen Sie mal, mein Lieber, warum wollen Sie denn da noch dreißig Jahre leben?"
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„Wir müssen über den See hinüber nach Küßnacht rudern, mein Lieber", sagte der Schweizer Dichter Gottfried Keller, der wußte, was ein guter Tropfen wert war, zu einem Freunde. „Der Wirt da drüben hat den besten Wein!"
Sie ruderten über den Vierwaldstätter See, kehrten ein und tranken. Es wurde Abend. Es wurde Nacht. Beide gingen hinunter zum See und fliegen schwankend ins schwankende Boot.
Sie ruderten, sie ri—ra—ruderten! Abwechselnd — mal fangen sie auch — mal schwitzten sie. Sie ruderten, aber das andere Ufer kam und kam nicht in Sicht.
Die Nacht verging, und am frühen Morgen stieg der Wirt zum See herunter. Er machte große Augen: da lag ein Boot mit zwei eifrigen Rude- rem. Ueberrascht rief er hinunter: „Aber, Ihr Herre, warum bindet Ihr denn 's Kähnli nicht los?"
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Der Anatom Virchow konnte mit dem Altreichskanzler von Bismarck nicht unter einen Hut kommen, was die Politik anging. Ja, sie wurden sogar zu persönlichen Feinden, eine Tatsache, die schließlich zu einem Duell führen sollte.
Virchow war gerade mit Trichinen-Untersuchun- gen beschäftigt, als Bismarcks Sekundanten erschienen.
Virchow schaute gar nicht groß auf. „Ist mir recht, meine Herren. Als Geforderter bestimme ich die Waffen. Nicht Säbel und Pistolen — nein, ich sehe genug Blut. Ich bringe zwei Würste mit, die eine genießbar und einwandfrei, die andere aber hat Trichinen. Aeußerlich werden sie nicht zu unterscheiden fein. Durchlaucht wählt eine, ich esse die andere. Wer die vergiftete ißt, ist erledigt. Auf Wiedersehen, meine Herren!"
Das Duell ist nie zustande gekommen.
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Ahnungslos ging der Zeichner Paul Simmel zum Zahnarzt, der ihn nicht kannte.
„Was ist eigentlich Ihr Beruf, Herr ...?"
„Kennen Sie mich nicht? Ich bin Witzblatt- Zeichner!"
„Aha", sagte der Arzt, „da will ich Ihnen einmal den Zahn so ziehen, wie diese Sorte Zeichner das darzustellen pflegt."
Worauf Paul fluchtartig das Lokal verließ.


