Ausgabe 
6.3.1936
 
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Oie zweite ProbefahrtLZ 129".

Volle Lusttüchtigkeit des neuen Lustschiffes nach achtstündiger Fahrt bestätigt

Friedrichshafen, 5. März. (DNB.) LZ. 129" ist heute um 8.53 Uhr zu seiner z w e i - t e n Fahrt aufgestiegen. Die Führung hat wiederum Dr. Eckener. An Bord befinden sich einschließlich des Führer-, Ingenieur- und Fahr- Personals 90 Personen, darunter Oberstleutnant B r e i t h a u p t, Referent für Luftschiffahrt beim Reichsluftfahrtministerium, und Commander Peck von der amerikanischen Marine.

Das Luftschiff ist nach achtstündiger Fahrt um 15.15 Uhr wieder über Friedrichshafen erschienen. Nachdem es zunächst etwa zwei Stunden zu Ber- uchen über dem See und seine n R and- gebieten gekreuzt hatte, nahm es Kurs auf München, das kurz nach Mittag überflogen wurde. Um 12.50 Uhr überflogLZ 129" Bad Tölz, um 14.30 Uhr Augsburg. Nachdem das Schiff noch eine Stunde über dem Bodensee gekreuzt hatte erschien es um 16.20 Uhr über dem Werftgelände. Nach kurzem Manövrieren wurde um 16.40 Uhr die glatte Landung vollzogen.

Der Abstecher nach München und Tölz.

Kapitän Lehmann sehr befriedigt.

Die zweite Fahrt desLZ 129", die ursprünglich als Abnahmefahrt für die Behörde gedacht war, galt als Fortsetzung und Wiederholung der komvli- zierten Meß- und Steuerungsversuche des ersten Tages. Die Versuche wurden zunächst etwa zwei

Langwellensender im Verkehr mit der Küstenfunkstation Norddeich ausprobiert wurde, wobei größte Lautstärke erzielt und alle Erwartun­gen übertroffen wurden, ist heute der Kurz w e l» l e n b e t r i e b durchgeprüst worden. Darüber wußte Funkoffizier Speck etwa folgendes zu er­zählen:Wir haben zunächst einmal den Sender auf Welle 17 bis 70 Meter abgestimmt und danach mit einer Reihe von amerikanischen Küsten funk stellen den Verkehr aufgenom­men. Aus Welle 24 Meter gelang es, die Küstern funkstelle Shattarn sowohl telegraphisch als auch telephonisch zu erreichen. Telegraphisch klappte Die Sache geradezu fabelhaft. Wir stellen uns vor: Hier ist LZ 129, machen zweite Probefahrt und stimmen Sender ab."Hallo, hier ist Shattarn; wir hören Sie gut und danken für den Anruf war die Antwort. Derselbe Versuch wurde nachher telephonisch gemacht.Ist das nicht wunderbar?" meinte der Funkoffizier. Wir drücken bei Bad ToU auf den Knops, und schon meldet sich eine 7000 Kilometer entfernte Station bereits auf den zweiten Anruf Dabei muß man bedenken, daß dies während der Tageszeit geschehen ist.Wir haben die größte Lautstärke gehabt, und die Sache hat uns einen Riesenspaß gemacht." Funkoffizier Speck gab noch einige allgemeine Erklärungen über die Sende- und Empfangsanlage des Luftschiffes, die getrennt nebeneinander mit je 200 Watt arbei­tet. Auf der für Freitag vorgesehenen Zulassungs­fahrt sollen Peilversuche gemacht werden, deren Ergebnis ebenfalls mit Interesse erwartet werden wird.

Stunden lang in zahlreichen Kreuzfahrten über dem See vorgenommen und hatten ausgezeich­nete Ergebnisse. Dann drehte das Schiff in Richtung München ab, das unter dem Jubel der Bevölkerung um die Mittagsstunde überflogen wurde. Der Isar folgend, erreichte das Luftschiff Bad Tölz, kehrte dann wieder nach München zurück und geriet auf der Rückfahrt zwischen Augs­burg und Waldsee eine zeitlang in dickenDreck'. Ueberhaupt war das Wetter während der ganzen Fahrt diesig und d u n st i g, so daß es mit der Sicht nicht wett her war. Die höchste erreichte Hohe betrug 1200 Meter.

Auch die Verpflegung haben wir aus­probiert", meinte Kapitän Lehmann, zündete sich dabei behaglich seine Pfeife an und schmunzelte dabei über das ganze Gesicht, lieber die nächsten Pläne teilte Kapitän Lehmann mit, daß bei einigermaßen anständigem Wetter bereits am Freitagmorgen d i e Z u l a s s u n g s f a h r t stattfinden wird. Wegen der starken Inanspruch­nahme mit Ueberseefahrten werde zunächst wenig Zeit übrigbleiben für Pläne, die aufeerljalb des bereits festgelegten und angekündigten Programms liegen. Ob schon Mitte nächsterWoche eine große Fahrt mit geladenen ©äften durchgeführt werden könne, fei noch unbestimmt.

Auch der Funkbetrieb klappt.

Was auf den beiden Fahrten ebenfalls einer ein­gehenden Prüfung unterzogen wurde, war der Funkbetrieb. Während am Mittwoch der

Oie 3uhcnfrage in England.

London, 5. März. (DNB.) Das Unterhaus beschäftigte sich am Donnerstag mit der anti­jüdischen Propaganda, die in einem Teil des Jnselreiches neuerdings besonders scharfe For­men angenommen zu Haven scheint. Der arbeiter- parteiliche Abgeordnete Morrison erklärte, die Juden würden in den verschiedensten Formen be­leidigt und mit Schimpfwörtern bedacht. Jüdische Häuser und Läden seien mit Zetteln beklebt wor­den, deren Aufschriften lauteten:Zurück ins Ghetto!" Wenn die Nation die Ansicht vertrete, daß die Juden ausgesperrt werden sollten, dann liege die Entscheidung hierüber beim Parlament, er sei überzeugt, daß kein Parlament eine derartige Maßnahme beschließen würde.

Innenminister Sir John Simon antwortete, baß es in England irgendeine roeitoerbreitete Feind­schaft gegen die Juden nicht gebe. Es sei aber zweifellos richtig, daß besonders in gewissen Be­zirken Londons sich eine sehr beunruhigende Be- roequnq mit allen darin liegenden Gefahren ent­wickele Der Grund sei, daß eine Lehre des Hasses gegen die Juden gepredigt werde, nur weil sie Süden seien. Er glaube, daß die Ursache in der faschisti chen Bewegung in England zu uchen sei. England sei nicht gewillt, irgendeine Judenhetze zu dulden. Es gebe zwei politische Philosophien, die des Faschismus und die des Kommunismus. Er wolle weder gegen die eine, noch gegen die andere etwas sagen, obwohl sie sich insofern glichen, als sie beide zweifellos eine Be­drohung der Vorstellung vonderFrerhel^dar-

stellten, an die die große Mehrheit der brittschen Natton glaube. .

Der Konservative Pethenck erklärte, daß in der Zeit von 1921 bis 1933 368000 Ausländer in England zugelassen worden seien Wenn man die englische Arbeitslosenziffer berücksichtige, müsse man sich fragen, ob diese Einwanderungs­politik klug sei. Es erhebe sich auch die Frage, einen gewissen Grad von Rassenreinheit zu erhal­ten. England leide feit 30 Jahren an einer völlig unbeschränkten Einwanderung aus Mitteleuropa und anderen Teilen der Welt. Er hoffe, daß der Innenminister die herrschenden Bestimmungen über die Einwanderung nach England gründlich überprüfen werde.

Oie Negierungskrisis in Griechenland.

Metaxas zum Kriegsminister ernannt.

A t h e n , 5. März. (DNB.) Kriegsminister Gene­ral Papagos und sein Unterstaatssekretär Ge­neral Platis sind 5 u r ü cf g e t r e t en General Metaxas ist zum Kriegsmin ist er er­nannt worden. In politischen Kreisen wird die Ernennung von Metaxas als g r 0 her E r folg des Königs und als Sieg feines Einflusses auf die Armee gewertet. Eine endgültige Klärung der inneren Lage erwartet man jedoch erst nach der Wahl des Präsidenten der Kammer. Metaxas er­klärte, daß er das Kriegsministerium übernommen habe, um völlige Diszipll n u n b D r b n u n g im Heere aufrechtzuerhalten. Er betonte daß er bei allen Truppeneinheiten in ganz Griechenland oollftes Verständnis und Unter» stützung feiner Absichten gefunden habe. Der frühere Kriegsminister Papagos werde seinen alten Posten im Heere wieder übernehmen. Der Wechsel im Kriegsministerium sei wegen der Beun­ruhigung des Ministerpräsidenten Demerdzis über die Haltung des Heeres erfolgt

Hüll für Mhrungsstabilisierung

Baltimore, 6. März. (DNB. Funkspruch.) Staatssekretär Hutt eröffnete am Donnerstag den Präsidentschaftswahlfeldzug mit einer Rede vor dem Klub der jungen Demokraten Marylands. Er hob die Notwendigkeit einer Dollar st abili- f i e r u n g und eines ausgeglichenen Staatshaus- yaltes hervor. Zum ersten Mal feit der Dollar­abwertung stellte ein Kabinettsmitglied Die Stabi­lisierung des Dollar in so konkreter Form in Aus­sicht, gleichzeitig damit dem Auslande die Türen öffnend für Verhandlungen über eine allgemeine Währungsstabilisierung.

Hüll verteidigte die damals erfolgte Dollarab­wertung als notwendig zum Schutze der Vereinig- len Staaten vor den bösen Folgen der unausgegli­chenen Deflation. Er fügte dabei hinzu, daß nun die Währungsgrundlage mehr und mehr stabil wer­den solle. Die' Erzeugung und die Ausübung des Handels in Amerika und im Auslande erforderten zu ihrer Sicherheit, daß der Währungswert jedes Landes im Verhältnis zu den anderen Ländern keinen großen Schwankungen ausgesetzt ist. Der Dollar sei hinsichtlich des Goldgehaltes und der Goldwährungen während der letzten zwei Jahre vollkommen stabil gewesen. Hüll erinnerte an die Erklärung des Sekretärs des Schatzamtes, der sei- nerzeit ausführte:Die Welt soll, wenn sie einmal zu einer internationalen Währungsstabilisierung be­reit ist, wissen, daß Washington kein Hindernis sein wird." Hulls Rede wurde in vollem Einverständnis mit Roosevelt als offizielle Regierungsäußerung gehalten.

Rundfunk-Skandal in USA.

Kommunistische Propaganda am Mikrophon.

Washington, 6. März. (DNB. Funkspruch.) Eine der größten nordamerikanischen Rundfunk- Gesellschaften, die Columbi a-Br oadcasting C o m p a n y Ijat ihren gesamten Sendeapparat aus ungeklärten Motiven d e r kommunistischen Partei bedingungslos zu Propaganda- zwecken zur Verfügung gestellt. Vor dem Mikrophon dieser Gesellschaft sprach Donners­tag abend der Generalsekretär der kom­munistischen Partei Amerikas. Earl Browder, der Mann, der im Sommer vorigen Jahres auf der Tagung der Komintern in Moskau offen zum Sturz der amerikanischen Regierung und zur Abschaffung der amerika­nischen Verfassung aufgefordert hatte. Browder be­hauptete, daß die Arbeitslosigkeit nur behoben wer­den könne, wenn man Moskaus Methoden befolge. Jedoch fei Amerika gegenwärtig für den Kommunismus noch nicht reif. Aber Amerika werde eines Tages schon basIdeal" (!) erreichen, das in der Sowjetunion bereits verwirklicht worden sei.

Die amerikanische Oessentlichkeit empfindet diesen Vorfall als einen unglaublichen Skandal. Im Ab- geordnetenhaiis ist noch vor der Sendung gegen die Handlung der Sendegesellschaft protestiert worden. Bereits am Donnerstag wurde im Rund­funk das Verhalten der Columbia Broadcasting Company scharf gegeißelt. Am Freitag beschloß der Frauenverein der Krieger-Vereinigung, der schon seit Gründung der Vereinigten Staaten besteht, alle diejenigen Firmen zu boykottieren, die über die Columbia Rundfunk-Gesellschaft ihre Waren anprei- fen und dadurch diesenunamerikanischen" Sender­dienst erst ermöglichen.

Nationalistische Verschwörung in portorico.

N e u y 0 r k, 6. März. (DNB.) In San Juan (Portorico) verhafteten die amerikanischen Behör­den den Nationalistenführer Albizu Campos sowie sechs andere Nattonalisten unter der Be­schuldigung, Re kruten zu werben, um die amerikanische Regierung gewaltsam zu stürzen. Die Abteilungen derNationalgarde wurden in ihren Kasernen mobilisiert, um etwaigen Zwischenfällen im Zusammenhang mit den Verhaf­tungen oorzubeugen. Die Nationalisten erstreben die Unabhängigkeit Portoricos von den Vereinigten Staaten, die Spanien nach dem unglücklich verlaufenen Kriege von 1898 die von 1,2 Millionen durchweg spanisch sprechen­den Weißen und 400 000 Negern und Mischlingen bewohnte Insel hatte abtreten müssen. Wahrend der letzten Monate ist es mehrfach zu Zwischen­fällen zwischen Nationalisten und den amerikani­schen Behörden gekommen. Während der Wahlein­tragungen im Januar wurden 12 Personen ge­tötet und über 100 verletzt.

Die Bäckergesellen in Athen haben den Ge­neralstreik erklärt. Die Brotversorgung für die grie- chische Hauptstadt wird durch die Militärbäckereien sichergestellt. Die Regierung hat die Einzie­hung der Streikenden zum Heeres­dienst angeordnet. Die Universität Athen wurde wegen Studentenunruhen bis auf weiteres geschloffen.

Auch Hrrotas Kabinetts­bildung gescheitert.

Schanghai, 6. März. (DNB. Funksvr.) Nach Meldungen aus Tokio sind die Bemühungen H i r 0 t a s zur Bildung eines Kabinetts als ge­heitert anzusehen, da die Armee ihre Mitarbeit versagt. General Terauci hat die Uebernahme des Kriegsministeriums abge­lebt, da er nach Besprechungen mit den zu­ständigen Männern der Armee in der Zusammen­setzung des geplanten Kabinetts keine Erneue- rung ber (Staatspolitik sehen könne wie sie von ber Armee geforbert werbe. Die als Mini­ster vorgesehenen Männer seienUeberbleibfel über­lebter Anschauungen", mit benen man Krisenzeiten nicht überminben könne. Besonders habe die ge­plante Besetzung des Innenministeriums mit Ka­wasaki, der Parteipolitiker sei und der Min- seito angehöre, Anstoß bei der Armee erregt.

Japan beruhigt Moskau.

Moskau, 5. März. (DNB.) Wie dieTaß" mitteilt, erklärte der javanische Botschafter Ohta dem Außenkommissar Litwinow im Auftrage seiner Regierung, daß die letzten Ereignisse in Tokio lediglich i n n e r p 0 l i t i s ch e Angelegen- Heiken Japans berührten. Sie wurden sich in keiner Weise auf die Beziehungen mit der Sowjetunion auswirken. Die japanische Regierung wünsche unabänderlich eine raschere Losung aller Streitfragen in freundschaftlichem Geiste. Dor allem lege Japan Wert auf den Abschluß eines neuen Fischereia bkommens an Stelle der in die-

Man sieht auf unserem Bild-, wie der Zeppelin zum erstenmal und zwar mit dem Heck nach vorn, die Luftschisshalle zum Aufstieg verlassen hatte. 1 1 (Scherl-Bilderbienst-M.)

sein Jahre ablaufenden Vereinbarungen.

Litwinow versicherte, daß es im Bestreben ber Sowjetregierung liege, bie besten Beziehungen mit Japan herzustellen. Seiner Meinung nach wäre es überaus wichtig, wenn bie Drbnung längs ber sowjetrussisch - rn a n b s ch u r i s ch e n und der mandschurisch-mongolischen Grenze rasch wiederhergestellt werden würde. Dazu müßte der zwischen Japan und der Sowjet­union vereinbarte Beschluß über die Schaffung einer gemischten Kommission zur Unter­suchung der Zusammenstöße beitragen.

Oer Leidensweg

des Gudetendeutschtums.

Mährisch-Ost rau, 5. März. (DNB.) In Mährisch-Ostrau wird seit etwa drei Monaten au. Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik wieder einer der üblichen Prozesse gegen Sudeten- deutsche durchgeführt. Bezeichnend für den Zweck dieser Prozesse war besonders das Plädoyer des Staatsanwaltes, der den insgesamt 18 Angeklagten, darunter führenden Persönlichkeiten wirtschaftlicher und kultureller Körperschaften, Umtriebe gegen den Staat vorwarf, ohne in der Lage zu sein, irgendwelche Beweise für feine Behaup­tungen zu erbringen, und der ferner seine Be­schuldigungen auf das gesamte Deutsch- tum auszudehnen versuchte. Sowohl Ange­klagte wie Verteidiger wiesen die Unterstellungen des Staatsanwaltes entrüstet zurück, dessen Aus­führungen am besten gekennzeichnet wurden durch den Ausruf eines Verteidigers:Das ist nicht mehr auszuhalten. Wir sitzen doch hier als Juristen, nicht in einer politischen Versamm­lung!" Den Gepflogenheiten solcher Prozesse fol­gend, verlangte der Staatsanwalt die Erkennung der zulässigen Höchststrafe gegen sämtliche An­geklagte, also gegen Leute, bie sich in ihrem Ver­halten nichts oorzuwerfen haben, es sei denn, daß allein schon die Tatsache der Zuge­hörigkeit zum Deutschtum in der Tschecho­slowakei als Schuld angesehen wird.__________

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Herz und Nerven schonen!

...auf KAFFEE HAG umstellen!