Daß er nicht zur Ausführung dieses Planes kam, daran trugen andere Nachbarn Polens die mittelbare Schuld. Der vor wenigen Wochen beendete Mordprozeß gegen die in der UON vereinigten ukrainischen Terroristen, die zu den verständigungsbereiten nationaldemokratischen UNDÖ=ßeuten im Gegensatz standen, hat in eindeutiger Weise enthüllt, daß neben der Tschechoslowakei, die allerdings in letzter Zeit eine Schwenkung oorge- nommen hat, es Litauen gewesen ist, das durch Unterstützung des Obersten Konowalec mit Geld- Mitteln und falschen Pässen die innere Stärkung des polnischen Staatswesens zu verhindern trach- tete. Der frühere litauische Außenminister Zau- n i u s, dessen gute Beziehungen zu den Sowjets bekannt sind, wußte, daß den größeren Vorteil aus dem Gelingen der Versöhnungsaktion Polen selbst ziehen würde. So kam es au der Mordtat, die das alte Mißtrauen wieder aufflammen lassen sollte.
Aber das Verbrechen hatte nicht die erhofften Folgen. Die Versöhnung zwischen UNDO und Warschau machte nur noch schnellere Fortschritte. Pierackis Nachfolger K o s c i a l k o w s k i, der heute die Geschichte Polens als Ministerpräsident lenkt, beschränkte sich auf rücksichtslose Unterdrückung der terroristischen UON, während die Verhandlungen mit dem Führer der UNDO, Mudry, weitergin- gen. Bereits bei der Verabschiedung der Derfas- sungsreform trug das neue Bündnis seine ersten Früchte, indem die ukrainischen Abaeordneten nicht gegen das Projekt stimmten und daourch seine Annahme ermöglichten. Dafür erhielten sie von der Regierung im neugewählten Parlament eine beträchtliche Anzahl von Sitzen augebiüigt und weitere Vergünstigungen im Schu^ und Genossenschaftswesen.
Der Pieracki-Prozeß hatte die Entwicklung nicht aufgehalten, sondern beschleunigt. Im Januar erklärte der polnische Innenminister Raczkiewicz im Haushaltsausschuß des Sejm, die Regierung halte die Ordnung der Verhältnisse in Ostgalizien für wichtig und sei bestrebt, ein einträchtiges Zusammenleben der polnischen und ukrainischen Bevölkerung zu verwirklichen. Das mag vor allem auch die polnische Bevölkerung jener Gebiete wünschen, denn sie konnte sich der politischen Morde, Brandstiftungen an polnischen Siedlungen, lieber* fälle auf Postanstalten und andere Kassen kaum noch erwehren. Die Ministererklärung wird dahin ausgelegt, daß die Verleihung der Autonomie für Ostgalizien bevorstehe. Damit wären die kühnsten Träume im nationalen Lager der Ukraine noch übertroffen. Nicht mehr moralisch aehin- dert durch menschliche, aus nationalem Mitgefühl sich ergebende Rücksichten auf die terroristischen Juna- ukrainer, die abgeurteilt sind, verfolgt die UNDO* Führung die einmal eingeschlagene Linie mit größter Konsequenz. Ihr Vertreter erklärte im Sejm, daß die Ukrainer — zum ersten Male — für den Heeresetat ftimmen würden, da eine starke und gut ausgerüstete polnische Armee im Interesse der ukrainischen Nation läge. Wohl gemerkt: der Nation, nicht nur der in Polen siedelnden ukrainischen Minderheit. Die polnische Regierungspresse hat diese Erklärung voll gewertet und erwartet den „Beginn noch tieferer seelischer Umgestaltungen, die den besten Traditionen des 600jährigen Zusammenlebens der Polen und Ukrainer entsprechen".
Warum feine Aussprache mit Deutschland?
Lord Dickinson gegen französische Bedingungen.
London, 5. März. (DNB.) Lord Dickinson, der Präsident der Weltallianz zur Förderung internationaler Freundschaft durch die Kirchen, sagt in einer Zuschrift an die „Times" zu dem Interview Hitlers, es sei bedauernswert, daß jedesmal, wenn die deutsche Regierung zum Aufbau eines Systems friedlicher Beziehungen Vorschläge mache, gewisse französische Zeitungen sofort im voraus Bedingungen aufstellen, durch die der Plan zum Scheitern gebracht werde, bevor er überhaupt erörtert werde. Viele Stellen würden die Rückkehr Deutschlands nach Genf gern sehen, aber niemand, der die öffentliche Meinung in Deutschland ein wenig kenne, könne sich der Erkenntnis entziehen, daß Hitler diesen Kurs nicht vorschlagen könne. Der Völkerbund selbst sei außerordentlich unvolkstümlich in Deutschland. Zunächst hätten die Versailler Mächte die Zulassung Deutschlands zum Völkerbund verweigert und Deutschland fei vier Jahre lang als ein Paria behandelt worden. Als später Deutschland seinen Platz im Völkerbund und in der Abrüstungskonferenz eingenommen hatte, seien mehrere Jahre vergangen, bis die anderen Mächte zur Erörterung feiner Gleichberechtigung bereit gewesen seien. Die große Masse des deutschen Volkes sei daher jetzt froh, den Völkerbund los zu fein und wünsche keine neue Mitgliedschaft.
Lord Dickinson fragt dann, warum man die Sage dadurch erschweren wolle, daß man auf der Rückkehr Deutschlands nach Genf bestehe. Die Gefahren der Stunde seien zu ernst, als daß man die Erörterung eines Planes ablehnen wollte, der in ehrenvoller Absicht und zum Zweck einer Sicherung des Friedens vorgebracht fei. Schließlich fyabe der Völkerbund, f o w i e er jetzt fei, nicht das letzte Wort in der Suche nach rotrffamen Methoden zur Kriegsoerhinderung. Wenn Hitler Vorschläge in dieser Richtung habe, dann müßten sie auch z u m i n» b e ft erörtert werden.
Herriot bekommt Angst vor dem Wettrüsten.
Paris, 6. März. (DNB. Funkspruch.) Herriot, der eifrige Fürsprecher aller Allianzen der letzten Zeit, erläßt plötzlich in der „Ere Nouvelle" einen Alarmruf, in dem er eine neue A b - rüftungsaftion verlangt. Der unmittelbare Anlaß ist das englische Rüstungsweiß- buch. Man könne England, so fährt er aus, keinen Vorwurf machen, denn es gehe den anderen Ländern nicht voran, sondern folge ihnen. Frankreich habe feine Dienstzeit verlängert, Italien fei mobilisiert, die Sowjetunion habe ihr Heer auf 1 350 000 Mann erhöht und ein System aufgebaut, das gestatte, 13‘/2 Millionen Soldaten unter die Waffen zu rufen. In Japan beanspruche der Militärhaushalt fast die Hälfte aller Einnahmen, die Vereinigten Staaten folgten dieser Entwicklung. Somit hätten die seit Kriegsende unternommenen Bemühungen, die Abrüstung herbeizuführen, eine charakteristische Niederlage erlitten. Mehr noch, die Länder gingen darauf aus, den Rüstunasstand von 1914 zu überschreiten. Wenn England also recht habe, so könne man sich damit
nicht beruhigen. Das Wettrüsten in den beiden nächsten Jahren werde zum Ruin der Länder und zum Kriege führen. Daher glaube er, daß es an der Zeit sei, die Aktion der Abrüstung wieder aufzunehmen. Diese Politik sei die unentbehrliche Krönung der Politik der kollektiven Sicherheit, die einzige, die Rettungsaussichten biete.
Zu dem Interview des „Paris Midi" mit Hitler erklärt Herriot, er sei stets der Ansicht, daß man mit gutem Willen auf jedes Angebot zur Befriedung antworten solle, vorausgesetzt, daß es sich als aufrichtig erweise. Frankreich müsse die Volker zur Vernunft, zur Verständigung, zur Abrüstung aufrufen. Für diesen Kreuzzug sei ihm die Unterstützung Englands und Sowjetrußlands bereits sicher. Die einzig mögliche Friedenspolitik sei die, die diese drei Großmächte trieben. (?) Sie
müsse für die kollektive Sicherheit und gegen das Wettrüsten, das Rennen in den Abgrund, arbeiten.
Oie Beflaggung der Wehrmachtsgebäude am Heldengedenktag.
Berlin, 5. März. (DBB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat angeorb- net, baß zur Erinnerung an die Gefallenen bes Weltkrieges am Sonntag, bem 8. März 1936, bem heldengedenktag, die Dienstgebäude der Wehrmacht neben der Reichskriegsflagge die frühere f ch w a r z w e l h r o t e kriegs- flagge mit dem Eisernen kreuz halb- siock sehen. Die Schiffe der Kriegsmarine legen große Flaggentrauer an mit der früheren schwarz- weißroten Kriegsflagge im Großtopp.
Elektrizität als Hausgehilfin.
Umschau auf der Leipziger Frühjahrsmesse.
Die Erfüllung der Forderung, daß die Hausfrau von der täglichen Arbeit immer freier wer- oen soll, um ihrem Beruf als Mutter nachgehen zu können, bringt am schnellsten die Helferin Elektrizität. Ein fortschrittlicher Haushalt ist ohne elektrische Energie nicht mehr denkbar. Auch wenn nur die Beleuchtung durch die Glühbirne erfolgt, wird dadurch gegenüber der Petroleumlampe viel Zeit erspart, weil jegliche Wartung der Beleuchtungskörper fortfällt. Außerdem spielt aber die Elektrizität noch als Kraft- und Wärmespe n b e r im Haushalt eine große Rolle. Auf allen triefen Gebieten bringt bie Leipziger Messe beachtliche Neuerungen. Man kann mit Recht behaupten, baß auf keinem anbern Gebiet ber Haus- technik so zielbewußte Arbeiten zu erkennen find wie gerabe auf bem elektrischen.
Jeber ist nur zu geneigt, die bekannte elektrische Beleuchtung als etwas Vollkommenes anzusehen. Auf der Messe wird ber Besucher barüber belehrt, baß noch viele Fragen ber Raumbeleuchtung ungelöst sinb, bie sich für den Verbraucher vielleicht nur in einer Senkung der Lichtrechnung auswirken. Dies beweist die neue sogenannte Doppel- wendel-Lampe (D-Lampe), bie um 100 Prozent heller ist als bie bisherige Glühlampe unb babei nur um die Hälfte mehr Strom verbraucht. Das Geheimnis dieser Lichtausbeute liegt darin, daß der Glühfaden nicht mehr einfach im Glaskolben ausgespannt ist, sondern, daß er erst spiralförmig in sich zusammengedreht wurde, bevor man ihn zur Wendel wickelte, Hausnummernleuchten, Lampen für Nähmaschinen, Wirtschaftsräume, Küchen unb Waschküchen sowie geschmackvolle Leuchten für ben Arbeitsplatz am Schreibtisch ober an ber Werkbank vervollstänbigen ben Ueberblick über bie Beleuchtung im Hause.
Als Kraftspender gilt ber Elektromotor. Am bekanntesten ist er als Arbeitstier im Staubsauger. Kein Wunber, baß bieser Jnbustriezweig ungemein aktiv ist, weil nämlich jebe ber siebzehn Millionen Haushaltungen einen berartigen Staubvernichter nötig hätte. Die Leipziger Messe bringt einige neue Staubsauger namhafter Firmen unb an vielen anberen Verbesserungen, bie sich hauptsächlich auf bie Vervollstänbigung ber Arbeitsansätze an ben Säugrüssel beziehen. Trotz bes erkennbaren Eifers aller einschlägigen Hersteller ist aber grunbsätzlich am Staubsauger nichts oeränbert ober verbessert worden. Unb ba kommt bann ber neutrale Betrachter boch zu bem Wunsche, baß bie Zahl ber Staubsaugertypen nicht mehr steigen möchte, fonbern baß mehr für eine gebiegene unb praktische Durchbilbung ber bekannten Bauweisen getan werben konnte. Einen bekannten Staubsauger I unter ber Bezeichnung P nachzubauen unb ihn als neu herauszustellen, ist kein Fortschritt, wenn auch nicht verkannt werben soll, baß V gegenüber I einige konstruktive Sonderheiten aufweist. Damit ist aber der Hausfrau nicht gedient.
Weiter findet der Elektromotor zum Antrieb von Bohnergeräten und Abziehapparaten Verwendung. Gewiß sind die ausgestellten Typen preiswerter geworden, aber es liegt in ihrer Bauweise, daß ihr Preis nicht in die von weiten Verbraucherkreisen tragbare Schicht herabsinken kann. Anders beim Elektromotor für Nähmaschinen. Wer bie gesunbheitlichen Schöben,
die ber Fußantrieb von Nähmaschinen nach sich ziehen kann, bedenkt, wirb dem Nähmotor große soziale Bedeutung zusprechen müssen. An seiner Verbesserung und Verbilligung ist viel gearbeitet worden.
Interessant ist übrigens, wie sich ber in den letzten Jahren mit allen Kräften gestützte Gedanke der Kleinsiedlung auf die ländliche Geräkein d u st r i e auszuwirken beginnt. Die Zahl ber Motoren mit geringem Stromverbrauch, bie kleine Hofmaschinen, Hauswasseranlagen, Holzsägen, Fut- terschneiber usw. antreiben, ist recht gewachsen, unb, was noch wichtiger ist, im Preis gesunken. Man bekommt für sein Sieblungshaus beinahe schon eine Wasserpumpe für ben Preis eines guten Staubsaugers! Dabei ist ber Stromverbrauch kaum hoher als ber eines Bügeleisens. Da bie Leistung solcher Pumpen stündlich bis 3000 Liter beträgt, reicht sie auch bei größerem Viehbestand des Siedlers aus.
Jünger und umfangreicher als Licht unb Kraft ist bie elektrische Wärme im Haushalt. Jeber weiß, baß Taufenbe von Haushaltungen elektrisch kochen, daß der Strom für die Bereitung des Warmwassers sorgt und daß die Zahl der elektrischen Bügeleisen in bie Million geht. Hier ist also ein umfangreiches Be- tätigungsfelb für bie elektrotechnische Industrie gegeben. Die Leipziger Messe liefert ben Beweis für fortschrittliche Arbeit. Tauchsieber, bie bei Unachtsamkeit burchbrennen, braucht niemand mehr anzuschaffen. Die neuen Formen können „trocken gehen", ohne baß sie dabei schadhaft werden. Auch der Wasserkocher wurde dadurch verbessert, daß man den elektrischen Teil herausnehmen kann, um das Gefäß wie jeden Kochtopf reinigen zu können. An die Stelle von Metall tritt auch z. B. bei der Heißluftdusche, bei Brotro - ftern ober Kaffemaschinen ein Isolierstoff wie Kunstharz oder Porzellan. Bei ben elektrischen Herben wird die Kochzeit durch Einführung offen- liegender Heizkörper verkürzt und die Unterhaltung durch Weglafsen blanker Leisten und Grifte erleichtert. Bemerkenswert sind auch kombinierte Bauarten, die auf die oft knappen Raumverhältnisse in Küchen Rücksicht nehmen. Elektroherde werden mit elektrischen Kühlschränken zusam- mengebaut oder auch mit einem Kohle-befeuerten Kessel für bie Zentralheizung bes Eigenheims.
Schließlich muß auch barauf aufmerksam gemacht werben, daß sich neue Arien der elektrischen Warmwasserbereitung anbahnen. .Von bem Großspeicher für Küchen geht man mehr unb mehr ab unb wenbet sich bent kleinen Speicher von fünf bis zehn Liter Inhalt zu, ber sich nach Wasserentnahme sofort wieder aufheizt. Er ist besonders für die Küche bestimmt.
Noch einen Schritt weiter kommt man durch die Herstellung von Speichern, die genußfähiges kochendes Wasser liefern und dabei nur einen geringen Stromverbrauch haben. Auch ist ben Anforderungen bes ländlichen Haushalts an die Warmwaffer- bereitfteüung durch Sonderbauarten mehr als bisher Rechnung getragen worden. Man erkennt aus dieser Entwicklung der Haushalt-Elektrotechnik, daß auf keinem Gebiet — Licht, Kraft und Wärme — schon ein Ziel erreicht ist unb baß alle Fachkreise eifrig bei ber Arbeit sinb, um bie Elektrizität mehr unb mehr zur Helferin zu machen. Jbo.
Wie sieht es in der Wirtschaft aus?
Am gleichen Tage, an bem die Automobil- Ausstellung in Berlin ihre Pforten schloß, begann in Leipzig bie Frühjahrsmesse. Ebenso wie am Kaiserbamm die Besucherzahlen eine überraschende Höhe erreichten und beträchtliche Raumschwierigkeiten hervorriefen, war auch in Leipzig der Andrang der Besucher am ersten Messetage so groß wie noch nie. Auch bie Beschickung ber Messehallen burch die Aussteller des In- und Auslandes war ungewöhnlich umfangreich. Das Geschäft hat nach ben vorliegenben Berichten bie Erwartungen ber Aussteller erfüllt, insbesondre bie Jnlanb- kunbschaft hat sich rege an ber Bebarfsbeckung beteiligt. Die Abschlüsse mit ben auslänbischen Einkäufern würben teilweise durch Versuche, die Preise zu drücken, beeinträchtigt, wie auch die vielfältigen Kontingents- unb Derrechnunasbestimmungen ber einzelnen ßänber naturgemäß einen hemmenben Einfluß ausüben. Doch wurde das Gesamtbild, das besonders auf der technischen Messe recht erfreulich war, durch diese Erscheinungen nicht maßgeblich beeinflußt. Einen großen Raum in den Unterhaltungen der Aussteller und Besucher in Leipzig nahm bie große Rebe bes Reichsministers Dr. Goebbels ein, bie er vor ben Vertretern ber in- unb ausländischen Presse hielt und in ber er auf bas sinnlose Nebeneinanber von Uederfluß unb Mangel in ber Weltwirtschaft hinwies. In einem Appell an bas Gewissen ber Welt forberte Dr. Goebbels einen Zahlungsverkehr auf stabiler Grunblage, Beseitigung der unhaltbaren Schuldverstrickungen aus bem Weltkrieg unb aus ben unsinnigen Schulbdiktaten unb bie Möglichkeit, gute Ware für gutes Gelb kaufen zu können. „Wo sind die Verantwortlichen", so schloß er, „die neue, bessere Methoden nicht nur erkennen, sondern auch zur Anwendung bringen?"
Die wohltuende Auswirkung, bie von der Men - genkonjunktur auf die Erfolgsrechnung ber ?,"?^rie.gesellschaften ausstrahlt, war aus ben Abschlüssen einiger wichtiger Aktien- ® e f eil f dj a f t e n beutlich abzulesen dzw. aus ihren Geschäftsberichten zu entnehmen. Die bessere Ausnutzung der Magen drückt die Last der fixen Kosten, für bas einzelne Produkt berechnet, herab und erhöht bei gleichbleibenden Preisen die Gewinnspanne. Die Vereinigten Stahl werk e-
AG., Düsseldorf, spricht es in ihren Abschlußer- läuterungen deutlich aus, daß die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung mit 3,5 v. H., die wohlverstanden aus reinen Betriebsgewinnen erfolgen soll, in erster Linie durch eine bessere Ausnutzung der Betriebsanlagen ermöglicht worden ist. Von besonderem Interesse ist die von der Verwaltung zum Ausdruck gebrachte Ueberzeuguna, daß die heute zu verzeichnende Belebung im Absatz der Schwerindustrie wesentlich über die Arbeitsbeschaffungs- Maßnahmen der fteidjsregierung hinausgewachsen ist unb auf immer weitere Verbraucherkreise übergreift. Ein führendes Unternehmen der optischen Industrie und damit ein typischer Vertreter ber hochqualifizierten beut* schen Vereblungswirtschaft, bie Zeiß - Ikon AG., Dresden, hat zum Ausdruck gebracht, daß das befriedigende Ergebnis des Geschäftsjahres 1934/35 (Wiederaufnahme der Dividendenzahlung mit 5 v. H.) der besseren Anlageausnutzung und der damit verbundenen Unkvstensenkung zu danken sei.
Ein großes Unternehmen, dessen ungeklärte Bilanzverhältnisse seit langem einen unangenehmen Stvrunqsfaktvr an der Börse barstellen, die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, Berlin, hat jetzt den Abschluß fiir 1934/35 vvrge- legt. Er schließt wieder ohne Gewinn unb Verlust ab, so baß ber Verlustvortrag aus ben Vorjahren unverändert mit 57 Millionen weiter vorgetragen werben soll. Die Sanierungsfrage bleibt nach wie vor ungelöst, was bei ber Bebeutung des Unternehmens im Rahmen ber beuftchen Elektroinbustrie zu bebauem ist. Die Verwaltung hält jeboch den Zeitpunkt für bie finanzielle Reorganisation der Gesellschaft nicht zuletzt im Hinblick auf die Unsicherheit ber Wirtschafts- und Währungsverhält- niffe im Auslände noch nicht für gekommen. Der Umsatz hat sich auch hier erhöht, unb zwar von 234 Millionen Mark im Vorjahre auf 273 Millionen Mark.
Die beutschen Privatversicherungsge- f e l l s ch a f t e n haben es durch einen gemeinsamen Beschluß ermöglicht, baß bas neue Luftschiff LZ. 129 ausschließlich bei beutschen Firmen versichert werben kann. Während bas Kaskorisiko des „Graf Zeppelin" zum großen Teil
von auslänbischen Versicherern getragen mürbe, hat ber Reichsverbanb der deutschen Privatversiche» rung jetzt beschlossen, die Versicherung des neuen Luftriesen als gemeinschaftliche Aufgabe in die Wege zu leiten, um so zu ber Förberung biefes stolzen Werkes beutscher Gemeinschaftsleistung beizutragen.
Die Kunstseibe-Erzeugung ber Welt hat 1935 gegenüber bem Vorjahr um fast 25 v. H. auf 972 Mill. Ibs. zugenommen. Die bereinigten Staaten von Norbamerika haben zwar ihren ersten Platz in ber Rangliste ber Erzeuger behauptet, boch ist ihnen Japan mit einer Steigerung von 47 o. H., also weit über dem Weltdurchschnitt, dicht auf den Fersen. Im weiteren Abstande folgt England, und der einzige Platzwechsel von Bedeutung ist zwischen Deutschland un.d Italien erfolgt, indem Deutschland aus ben vierten Platz gerückt ist. Rückläufig war als einzige bie hollänbische Probuktion. Die deutsche Kunstseide-Handelsbilanz zeigt deutlich den Erfolg der Bestrebungen nach einer möglichst weitgehenden Deckung des Textilbedarfs im eigenen Land. Die Einfuhr von Kunstseibegarnen ist um 10 v. H. gesunken, bie Ausfuhr bagegen geringfügig gestiegen.
Das gewaltige englische Rüstungsprogramm hat wirtschaftlich bereits bie Folgen gehabt, baß sich die I n d u ft r i e, die vornehmlich bisher mit Prioatautträgen beschäftigt war, mehr und mehr auf die Arbeit für bie Heeresleitung umstellt. Gerade in England fehlte bislang ein Programm, nach bem die Industrie für bie Lanbesverteidigung umgeschaltet werden konnte unb der liberalistische Sinn des britischen Industriellen war auch gegen eine solche Verbindung der Privatwirtschaft mit bem Staate, weil er gewohnt ist, bas Geschäftsleben völlig ober nach Möglichkeit ber Aussicht bes Staates zu entziehen. Wenn also jetzt große Teile ber Jnbustrie sich insofern dem Staate unterstellen, als ihre Gewinnrechnung nicht über ein gewisses Maß hinausgehen barf, bann ist bas immerhin eine abweichende Einstellung der Industrie, die vom Staate erzwungen wurde. Man macht sich überhaupt allzu selten klar, daß gerade die großen Heereslieferungen auch in der Vergangenheit sehr wesentlich die Industrie angeregt haben. Der Frühkapitalismus ist schlechthin undenkbar ohne die gewaltigen Aufträge, die die Einführung der stehenden Heere mit sich brachte. Die Gleichförmigkeit ber Setleibung, ber Bewafs- nung, abgesehen von ber Versorgung der Heere mit Lebensrnitteln, zwang dazu, vom Handwerk abzugehen, das inbividualistische Wertarbeit lieferte, und bie Aufträge größeren Firmen zuzuwenden, die in Fabriken usw. für eine möglichst gleichmäßige Arbeit sorgten. Hinzu kam, daß die Kriegsschiffe immer größer und nicht mehr rein handwerksmäßig hergestellt wurden. Im 18. unb teilweise 19. Jahr- hunbert haben gerabe die Heereslieferungen bas Aufkommen ber Jnbustrie geförbert unb häufig gerabezu erzwungen. Wenn die Lieferungen für bas Heer also im frühkapitalistischen Zeitalter ein wesentlicher Bestandteil ber industriellen Lieferung überhaupt waren, so gilt bas noch mehr für die Gegenwart, da im Zeitalter der Massenheere natürlich diese Lieferungen noch größeren Umfang angenommen haben.
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Die Spekulation der Sanktionslüsternen, Italien werde durch den Boykott feines Handels auf bie Knie gezwungen werben, läßt bie Frage, ob Italien diesen Boykott aushalten wird, zum Zentralproblem ber Kriegsführung anwachsen. Soeben hat Italien bas Verhältnis zwischen Staat unb Banken geregelt, unb zwar im Sinne des korporativen Staates, also des weiteren Ausbaues ber ftänbischen Wirtschaftsverfassung unter Berücksichtigung der Oberhoheit bes Staates. Am 1. Februar 1936 trat ferner bas Unter ft aatsfetretariat für Dalutafragen mit einem umfassenden kriegswirtschaftlichen Programm vor die Öffentlichkeit. Das Hauptziel bleibt die Beseitigung des Fehlbetrages der Zahlungsbilanz. Das neue Amt faßt verschiedene Kompetenzen, die bisher dem Finanzministe« rium, dem Außenministerium usw zugeteilt waren, zusammen. Zunächst wird bas ganze komplizierte System ber korporativen Gliederung zusammen» gefaßt; weiter wird bie Politik des Warenaustausches geregelt unb brütens ist bie Durchführung ber De- oifenorbnung gesichert. Die staatlichen Einfuhrmonopole für kriegswichtige Rohstoffe umfassen neben ben bestehenben Ausfuhr- Organisationen fast alle Gebiete. Italien ist auf bem Wege zur Monopolisierung unb ber Einfluß auf die Preise macht sich insofern bemerkbar, als die Preise in die Höhe klettern. Die Gewöhnung an diesen Zustand ist für Italien gegeben, da man allgemein solche Tendenzen als Abwehrmaßnahmen billigt, aber an und für sich liegt die Neigung zu Monopolen unb Kartellen auch im Zuge bes korporativen Staates, ben ber Faschismus noch nicht völlig ausgebaut hat.
Oie Wirtschaftlichkeit der Reichsautobahn.
Generalinspektor Todt auf der Messe« kundgebung der deutschen Technik.
Leipzig, 5. März. (DNB.) Zum britten Male veranstalteten die technischen Organisationen des Gaues Sachsen eine Messekundgebung Der deutschen Technik.
Der Führer der deutschen Technik Generalinspektor Dr.-Jng. Todt schilderte in einem aufschlußreichen Lichtbiloeroortrag die Entwicklung ber „Straßen Adolf Hitlers" und beschäftigte sich mit ber Frage, ob es wirtschaftlich sei, Autostraßen zu bauen. Er wies barauf hin, baß ber Kraftwagen auf einer Straße von ber Qualität ber Reichsautobahnen ungefähr 40 v. H. an Reifen, 30 v. H. an Betriebsstoffen unb 25 v. H. an laufenben Reparaturen e r - sparte. Die Zeitersparnis gar nicht gerechnet. Wenn sich ber Verkehr nur verdoppele, so würden sich auf bem fertigen Netz von 7000 Kilometer Reichsautobahnen täglich *30000 000 Betriebskilometer ergeben, b. h. eine Ersparnis von 750 000 Reichsmark täglich unb 280 Millionen Reichsmark jährlich. Ein Teil biefes Betrages reiche aus, um ben Kapitaldienst der Reichsautobahnen zu sichern. So wie die Post in der Entwickelung von der Postkutsche zur Eisenbahn keinen Schaden erlitten habe, werde auch die Eisenbahn durch den Uebergang eines Teiles ihres Verkehrs auf ben Kraftwagen keinen Schaben crieiben, im Gegenteil, fie werbe ihren Betrieb zum Teil wirtschaftlicher getanen können. Daß bie Planung bes Reichsautobahnnetzes richtig sei, roeroe durch bie Feststellung auf ber letzten Tagung bes Kraftverkehrsgewerbe- bestätigt, baß etwa 90 v. H. ber heute ftattfinbenben Güterfernfahrten nach Fertigstellung bes Reichsautobahnnetzes auf diesem laufen werben.


