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Daß er nicht zur Ausführung dieses Planes kam, daran trugen andere Nachbarn Polens die mittel­bare Schuld. Der vor wenigen Wochen beendete Mordprozeß gegen die in der UON vereinigten ukrainischen Terroristen, die zu den verständigungs­bereiten nationaldemokratischen UNDÖ=ßeuten im Gegensatz standen, hat in eindeutiger Weise enthüllt, daß neben der Tschechoslowakei, die allerdings in letzter Zeit eine Schwenkung oorge- nommen hat, es Litauen gewesen ist, das durch Unterstützung des Obersten Konowalec mit Geld- Mitteln und falschen Pässen die innere Stärkung des polnischen Staatswesens zu verhindern trach- tete. Der frühere litauische Außenminister Zau- n i u s, dessen gute Beziehungen zu den Sowjets bekannt sind, wußte, daß den größeren Vorteil aus dem Gelingen der Versöhnungsaktion Polen selbst ziehen würde. So kam es au der Mordtat, die das alte Mißtrauen wieder aufflammen lassen sollte.

Aber das Verbrechen hatte nicht die erhofften Folgen. Die Versöhnung zwischen UNDO und Warschau machte nur noch schnellere Fortschritte. Pierackis Nachfolger K o s c i a l k o w s k i, der heute die Geschichte Polens als Ministerpräsident lenkt, beschränkte sich auf rücksichtslose Unterdrückung der terroristischen UON, während die Verhandlungen mit dem Führer der UNDO, Mudry, weitergin- gen. Bereits bei der Verabschiedung der Derfas- sungsreform trug das neue Bündnis seine ersten Früchte, indem die ukrainischen Abaeordneten nicht gegen das Projekt stimmten und daourch seine An­nahme ermöglichten. Dafür erhielten sie von der Re­gierung im neugewählten Parlament eine beträcht­liche Anzahl von Sitzen augebiüigt und weitere Vergünstigungen im Schu^ und Genossenschafts­wesen.

Der Pieracki-Prozeß hatte die Entwicklung nicht aufgehalten, sondern beschleunigt. Im Januar er­klärte der polnische Innenminister Raczkiewicz im Haushaltsausschuß des Sejm, die Regierung halte die Ordnung der Verhältnisse in Ostgalizien für wichtig und sei bestrebt, ein einträchtiges Zu­sammenleben der polnischen und ukrainischen Be­völkerung zu verwirklichen. Das mag vor allem auch die polnische Bevölkerung jener Gebiete wün­schen, denn sie konnte sich der politischen Morde, Brandstiftungen an polnischen Siedlungen, lieber* fälle auf Postanstalten und andere Kassen kaum noch erwehren. Die Ministererklärung wird dahin aus­gelegt, daß die Verleihung der Autono­mie für Ostgalizien bevorstehe. Damit wären die kühnsten Träume im nationalen Lager der Ukraine noch übertroffen. Nicht mehr moralisch aehin- dert durch menschliche, aus nationalem Mitgefühl sich ergebende Rücksichten auf die terroristischen Juna- ukrainer, die abgeurteilt sind, verfolgt die UNDO* Führung die einmal eingeschlagene Linie mit größ­ter Konsequenz. Ihr Vertreter erklärte im Sejm, daß die Ukrainer zum ersten Male für den Heeresetat ftimmen würden, da eine starke und gut ausgerüstete polnische Armee im Interesse der ukrainischen Nation läge. Wohl gemerkt: der Nation, nicht nur der in Polen siedelnden ukrai­nischen Minderheit. Die polnische Regierungspresse hat diese Erklärung voll gewertet und erwartet denBeginn noch tieferer seelischer Umgestaltungen, die den besten Traditionen des 600jährigen Zu­sammenlebens der Polen und Ukrainer entsprechen".

Warum feine Aussprache mit Deutschland?

Lord Dickinson gegen französische Bedingungen.

London, 5. März. (DNB.) Lord Dickinson, der Präsident der Weltallianz zur Förderung inter­nationaler Freundschaft durch die Kirchen, sagt in einer Zuschrift an dieTimes" zu dem Interview Hitlers, es sei bedauernswert, daß jedesmal, wenn die deutsche Regierung zum Aufbau eines Systems friedlicher Beziehungen Vorschläge mache, gewisse französische Zeitungen sofort im voraus Bedin­gungen aufstellen, durch die der Plan zum Scheitern gebracht werde, bevor er über­haupt erörtert werde. Viele Stellen würden die Rückkehr Deutschlands nach Genf gern sehen, aber niemand, der die öffentliche Meinung in Deutschland ein wenig kenne, könne sich der Erkenntnis entziehen, daß Hitler diesen Kurs nicht vorschlagen könne. Der Völ­kerbund selbst sei außerordentlich unvolkstüm­lich in Deutschland. Zunächst hätten die Versail­ler Mächte die Zulassung Deutschlands zum Völ­kerbund verweigert und Deutschland fei vier Jahre lang als ein Paria behandelt worden. Als später Deutschland seinen Platz im Völkerbund und in der Abrüstungskonferenz ein­genommen hatte, seien mehrere Jahre vergangen, bis die anderen Mächte zur Erörterung feiner Gleichberechtigung bereit gewesen seien. Die große Masse des deutschen Volkes sei daher jetzt froh, den Völkerbund los zu fein und wünsche keine neue Mitgliedschaft.

Lord Dickinson fragt dann, warum man die Sage dadurch erschweren wolle, daß man auf der Rückkehr Deutschlands nach Genf bestehe. Die Ge­fahren der Stunde seien zu ernst, als daß man die Erörterung eines Planes ablehnen wollte, der in ehrenvoller Absicht und zum Zweck einer Sicherung des Friedens vorgebracht fei. Schließlich fyabe der Völkerbund, f o w i e er jetzt fei, nicht das letzte Wort in der Suche nach rotrffamen Methoden zur Kriegsoerhinderung. Wenn Hitler Vorschläge in die­ser Richtung habe, dann müßten sie auch z u m i n» b e ft erörtert werden.

Herriot bekommt Angst vor dem Wettrüsten.

Paris, 6. März. (DNB. Funkspruch.) Her­riot, der eifrige Fürsprecher aller Allianzen der letzten Zeit, erläßt plötzlich in derEre Nouvelle" einen Alarmruf, in dem er eine neue A b - rüftungsaftion verlangt. Der unmittelbare Anlaß ist das englische Rüstungsweiß- buch. Man könne England, so fährt er aus, keinen Vorwurf machen, denn es gehe den anderen Län­dern nicht voran, sondern folge ihnen. Frank­reich habe feine Dienstzeit verlängert, Italien fei mobilisiert, die Sowjetunion habe ihr Heer auf 1 350 000 Mann erhöht und ein System aufgebaut, das gestatte, 13/2 Millionen Soldaten unter die Waffen zu rufen. In Japan beanspruche der Militärhaushalt fast die Hälfte aller Einnah­men, die Vereinigten Staaten folgten dieser Entwicklung. Somit hätten die seit Kriegs­ende unternommenen Bemühungen, die Abrüstung herbeizuführen, eine charakteristische Niederlage er­litten. Mehr noch, die Länder gingen darauf aus, den Rüstunasstand von 1914 zu überschreiten. Wenn England also recht habe, so könne man sich damit

nicht beruhigen. Das Wettrüsten in den beiden nächsten Jahren werde zum Ruin der Länder und zum Kriege führen. Daher glaube er, daß es an der Zeit sei, die Aktion der Abrüstung wieder aufzunehmen. Diese Politik sei die unent­behrliche Krönung der Politik der kol­lektiven Sicherheit, die einzige, die Ret­tungsaussichten biete.

Zu dem Interview desParis Midi" mit Hitler erklärt Herriot, er sei stets der Ansicht, daß man mit gutem Willen auf jedes Angebot zur Befrie­dung antworten solle, vorausgesetzt, daß es sich als aufrichtig erweise. Frankreich müsse die Volker zur Vernunft, zur Verständigung, zur Ab­rüstung aufrufen. Für diesen Kreuzzug sei ihm die Unterstützung Englands und Sowjetrußlands be­reits sicher. Die einzig mögliche Friedenspolitik sei die, die diese drei Großmächte trieben. (?) Sie

müsse für die kollektive Sicherheit und gegen das Wettrüsten, das Rennen in den Abgrund, arbeiten.

Oie Beflaggung der Wehrmachts­gebäude am Heldengedenktag.

Berlin, 5. März. (DBB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat angeorb- net, baß zur Erinnerung an die Gefal­lenen bes Weltkrieges am Sonntag, bem 8. März 1936, bem heldengedenktag, die Dienst­gebäude der Wehrmacht neben der Reichskriegsflagge die frühere f ch w a r z w e l h r o t e kriegs- flagge mit dem Eisernen kreuz halb- siock sehen. Die Schiffe der Kriegsmarine legen große Flaggentrauer an mit der früheren schwarz- weißroten Kriegsflagge im Großtopp.

Elektrizität als Hausgehilfin.

Umschau auf der Leipziger Frühjahrsmesse.

Die Erfüllung der Forderung, daß die Haus­frau von der täglichen Arbeit immer freier wer- oen soll, um ihrem Beruf als Mutter nachgehen zu können, bringt am schnellsten die Helferin Elek­trizität. Ein fortschrittlicher Haushalt ist ohne elektrische Energie nicht mehr denkbar. Auch wenn nur die Beleuchtung durch die Glühbirne er­folgt, wird dadurch gegenüber der Petroleumlampe viel Zeit erspart, weil jegliche Wartung der Be­leuchtungskörper fortfällt. Außerdem spielt aber die Elektrizität noch als Kraft- und Wärme­spe n b e r im Haushalt eine große Rolle. Auf allen triefen Gebieten bringt bie Leipziger Messe be­achtliche Neuerungen. Man kann mit Recht be­haupten, baß auf keinem anbern Gebiet ber Haus- technik so zielbewußte Arbeiten zu erkennen find wie gerabe auf bem elektrischen.

Jeber ist nur zu geneigt, die bekannte elektrische Beleuchtung als etwas Vollkommenes anzusehen. Auf der Messe wird ber Besucher barüber belehrt, baß noch viele Fragen ber Raumbeleuchtung un­gelöst sinb, bie sich für den Verbraucher vielleicht nur in einer Senkung der Lichtrechnung auswir­ken. Dies beweist die neue sogenannte Doppel- wendel-Lampe (D-Lampe), bie um 100 Prozent heller ist als bie bisherige Glühlampe unb babei nur um die Hälfte mehr Strom verbraucht. Das Geheimnis dieser Lichtausbeute liegt darin, daß der Glühfaden nicht mehr einfach im Glaskolben ausgespannt ist, sondern, daß er erst spiralförmig in sich zusammengedreht wurde, bevor man ihn zur Wendel wickelte, Hausnummernleuchten, Lampen für Nähmaschinen, Wirtschaftsräume, Küchen unb Waschküchen sowie geschmackvolle Leuchten für ben Arbeitsplatz am Schreibtisch ober an ber Werk­bank vervollstänbigen ben Ueberblick über bie Be­leuchtung im Hause.

Als Kraftspender gilt ber Elektromotor. Am bekanntesten ist er als Arbeitstier im Staub­sauger. Kein Wunber, baß bieser Jnbustriezweig ungemein aktiv ist, weil nämlich jebe ber siebzehn Millionen Haushaltungen einen berartigen Staub­vernichter nötig hätte. Die Leipziger Messe bringt einige neue Staubsauger namhafter Firmen unb an vielen anberen Verbesserungen, bie sich haupt­sächlich auf bie Vervollstänbigung ber Arbeitsansätze an ben Säugrüssel beziehen. Trotz bes erkennbaren Eifers aller einschlägigen Hersteller ist aber grunbsätzlich am Staubsauger nichts oeränbert ober verbessert worden. Unb ba kommt bann ber neutrale Betrachter boch zu bem Wunsche, baß bie Zahl ber Staubsaugertypen nicht mehr steigen möchte, fonbern baß mehr für eine gebiegene unb praktische Durchbilbung ber bekann­ten Bauweisen getan werben konnte. Einen be­kannten Staubsauger I unter ber Bezeichnung P nachzubauen unb ihn als neu herauszustellen, ist kein Fortschritt, wenn auch nicht verkannt werben soll, baß V gegenüber I einige konstruktive Sonder­heiten aufweist. Damit ist aber der Hausfrau nicht gedient.

Weiter findet der Elektromotor zum Antrieb von Bohnergeräten und Abziehappa­raten Verwendung. Gewiß sind die ausgestellten Typen preiswerter geworden, aber es liegt in ihrer Bauweise, daß ihr Preis nicht in die von weiten Verbraucherkreisen tragbare Schicht herabsinken kann. Anders beim Elektromotor für Näh­maschinen. Wer bie gesunbheitlichen Schöben,

die ber Fußantrieb von Nähmaschinen nach sich ziehen kann, bedenkt, wirb dem Nähmotor große soziale Bedeutung zusprechen müssen. An seiner Verbesserung und Verbilligung ist viel gearbeitet worden.

Interessant ist übrigens, wie sich ber in den letz­ten Jahren mit allen Kräften gestützte Gedanke der Kleinsiedlung auf die ländliche Geräke­in d u st r i e auszuwirken beginnt. Die Zahl ber Motoren mit geringem Stromverbrauch, bie kleine Hofmaschinen, Hauswasseranlagen, Holzsägen, Fut- terschneiber usw. antreiben, ist recht gewachsen, unb, was noch wichtiger ist, im Preis gesunken. Man bekommt für sein Sieblungshaus beinahe schon eine Wasserpumpe für ben Preis eines guten Staub­saugers! Dabei ist ber Stromverbrauch kaum hoher als ber eines Bügeleisens. Da bie Leistung solcher Pumpen stündlich bis 3000 Liter beträgt, reicht sie auch bei größerem Viehbestand des Siedlers aus.

Jünger und umfangreicher als Licht unb Kraft ist bie elektrische Wärme im Haushalt. Jeber weiß, baß Taufenbe von Haushaltungen elektrisch kochen, daß der Strom für die Berei­tung des Warmwassers sorgt und daß die Zahl der elektrischen Bügeleisen in bie Million geht. Hier ist also ein umfangreiches Be- tätigungsfelb für bie elektrotechnische Industrie ge­geben. Die Leipziger Messe liefert ben Beweis für fortschrittliche Arbeit. Tauchsieber, bie bei Un­achtsamkeit burchbrennen, braucht niemand mehr anzuschaffen. Die neuen Formen könnentrocken gehen", ohne baß sie dabei schadhaft werden. Auch der Wasserkocher wurde dadurch verbessert, daß man den elektrischen Teil herausnehmen kann, um das Gefäß wie jeden Kochtopf reinigen zu können. An die Stelle von Metall tritt auch z. B. bei der Heißluftdusche, bei Brotro - ftern ober Kaffemaschinen ein Isolierstoff wie Kunstharz oder Porzellan. Bei ben elektrischen Herben wird die Kochzeit durch Einführung offen- liegender Heizkörper verkürzt und die Unterhaltung durch Weglafsen blanker Leisten und Grifte erleich­tert. Bemerkenswert sind auch kombinierte Bauarten, die auf die oft knappen Raumver­hältnisse in Küchen Rücksicht nehmen. Elektroherde werden mit elektrischen Kühlschränken zusam- mengebaut oder auch mit einem Kohle-befeuerten Kessel für bie Zentralheizung bes Eigenheims.

Schließlich muß auch barauf aufmerksam gemacht werben, daß sich neue Arien der elektrischen Warmwasserbereitung anbahnen. .Von bem Großspeicher für Küchen geht man mehr unb mehr ab unb wenbet sich bent kleinen Speicher von fünf bis zehn Liter Inhalt zu, ber sich nach Wasserentnahme sofort wieder aufheizt. Er ist be­sonders für die Küche bestimmt.

Noch einen Schritt weiter kommt man durch die Herstellung von Speichern, die genußfähiges kochen­des Wasser liefern und dabei nur einen geringen Stromverbrauch haben. Auch ist ben Anforderun­gen bes ländlichen Haushalts an die Warmwaffer- bereitfteüung durch Sonderbauarten mehr als bis­her Rechnung getragen worden. Man erkennt aus dieser Entwicklung der Haushalt-Elektrotechnik, daß auf keinem Gebiet Licht, Kraft und Wärme schon ein Ziel erreicht ist unb baß alle Fach­kreise eifrig bei ber Arbeit sinb, um bie Elektrizi­tät mehr unb mehr zur Helferin zu machen. Jbo.

Wie sieht es in der Wirtschaft aus?

Am gleichen Tage, an bem die Automobil- Ausstellung in Berlin ihre Pforten schloß, be­gann in Leipzig bie Frühjahrsmesse. Ebenso wie am Kaiserbamm die Besucherzahlen eine über­raschende Höhe erreichten und beträchtliche Raum­schwierigkeiten hervorriefen, war auch in Leipzig der Andrang der Besucher am ersten Messetage so groß wie noch nie. Auch bie Beschickung ber Messe­hallen burch die Aussteller des In- und Auslandes war ungewöhnlich umfangreich. Das Geschäft hat nach ben vorliegenben Berichten bie Erwartungen ber Aussteller erfüllt, insbesondre bie Jnlanb- kunbschaft hat sich rege an ber Bebarfsbeckung betei­ligt. Die Abschlüsse mit ben auslänbischen Einkäu­fern würben teilweise durch Versuche, die Preise zu drücken, beeinträchtigt, wie auch die vielfältigen Kon­tingents- unb Derrechnunasbestimmungen ber ein­zelnen ßänber naturgemäß einen hemmenben Ein­fluß ausüben. Doch wurde das Gesamtbild, das be­sonders auf der technischen Messe recht erfreulich war, durch diese Erscheinungen nicht maßgeblich be­einflußt. Einen großen Raum in den Unterhaltun­gen der Aussteller und Besucher in Leipzig nahm bie große Rebe bes Reichsministers Dr. Goeb­bels ein, bie er vor ben Vertretern ber in- unb ausländischen Presse hielt und in ber er auf bas sinnlose Nebeneinanber von Uederfluß unb Mangel in ber Weltwirtschaft hinwies. In einem Appell an bas Gewissen ber Welt forberte Dr. Goebbels einen Zahlungsverkehr auf stabiler Grunblage, Beseiti­gung der unhaltbaren Schuldverstrickungen aus bem Weltkrieg unb aus ben unsinnigen Schulbdiktaten unb bie Möglichkeit, gute Ware für gutes Gelb kaufen zu können.Wo sind die Verantwortlichen", so schloß er,die neue, bessere Methoden nicht nur erkennen, sondern auch zur Anwendung bringen?"

Die wohltuende Auswirkung, bie von der Men - genkonjunktur auf die Erfolgsrechnung ber ?,"?^rie.gesellschaften ausstrahlt, war aus ben Abschlüssen einiger wichtiger Aktien- ® e f eil f dj a f t e n beutlich abzulesen dzw. aus ihren Geschäftsberichten zu entnehmen. Die bessere Ausnutzung der Magen drückt die Last der fixen Kosten, für bas einzelne Produkt berechnet, herab und erhöht bei gleichbleibenden Preisen die Ge­winnspanne. Die Vereinigten Stahl werk e-

AG., Düsseldorf, spricht es in ihren Abschlußer- läuterungen deutlich aus, daß die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung mit 3,5 v. H., die wohlver­standen aus reinen Betriebsgewinnen erfolgen soll, in erster Linie durch eine bessere Ausnutzung der Betriebsanlagen ermöglicht worden ist. Von be­sonderem Interesse ist die von der Verwaltung zum Ausdruck gebrachte Ueberzeuguna, daß die heute zu verzeichnende Belebung im Absatz der Schwer­industrie wesentlich über die Arbeitsbeschaffungs- Maßnahmen der fteidjsregierung hinausgewachsen ist unb auf immer weitere Verbraucher­kreise übergreift. Ein führendes Unter­nehmen der optischen Industrie und damit ein typischer Vertreter ber hochqualifizierten beut* schen Vereblungswirtschaft, bie Zeiß - Ikon AG., Dresden, hat zum Ausdruck gebracht, daß das be­friedigende Ergebnis des Geschäftsjahres 1934/35 (Wiederaufnahme der Dividendenzahlung mit 5 v. H.) der besseren Anlageausnutzung und der damit verbundenen Unkvstensenkung zu danken sei.

Ein großes Unternehmen, dessen ungeklärte Bi­lanzverhältnisse seit langem einen unangenehmen Stvrunqsfaktvr an der Börse barstellen, die All­gemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, Berlin, hat jetzt den Abschluß fiir 1934/35 vvrge- legt. Er schließt wieder ohne Gewinn unb Verlust ab, so baß ber Verlustvortrag aus ben Vorjahren unverändert mit 57 Millionen weiter vorgetragen werben soll. Die Sanierungsfrage bleibt nach wie vor ungelöst, was bei ber Bebeutung des Unter­nehmens im Rahmen ber beuftchen Elektroinbustrie zu bebauem ist. Die Verwaltung hält jeboch den Zeitpunkt für bie finanzielle Reorganisation der Gesellschaft nicht zuletzt im Hinblick auf die Un­sicherheit ber Wirtschafts- und Währungsverhält- niffe im Auslände noch nicht für gekommen. Der Umsatz hat sich auch hier erhöht, unb zwar von 234 Millionen Mark im Vorjahre auf 273 Millio­nen Mark.

Die beutschen Privatversicherungsge- f e l l s ch a f t e n haben es durch einen gemein­samen Beschluß ermöglicht, baß bas neue Luft­schiff LZ. 129 ausschließlich bei beutschen Firmen versichert werben kann. Während bas Kaskorisiko desGraf Zeppelin" zum großen Teil

von auslänbischen Versicherern getragen mürbe, hat ber Reichsverbanb der deutschen Privatversiche» rung jetzt beschlossen, die Versicherung des neuen Luftriesen als gemeinschaftliche Aufgabe in die Wege zu leiten, um so zu ber Förberung biefes stolzen Werkes beutscher Gemeinschaftsleistung beizutragen.

Die Kunstseibe-Erzeugung ber Welt hat 1935 gegenüber bem Vorjahr um fast 25 v. H. auf 972 Mill. Ibs. zugenommen. Die bereinig­ten Staaten von Norbamerika haben zwar ihren ersten Platz in ber Rangliste ber Erzeuger behauptet, boch ist ihnen Japan mit einer Stei­gerung von 47 o. H., also weit über dem Welt­durchschnitt, dicht auf den Fersen. Im weiteren Abstande folgt England, und der einzige Platz­wechsel von Bedeutung ist zwischen Deutschland un.d Italien erfolgt, indem Deutschland aus ben vierten Platz gerückt ist. Rückläufig war als einzige bie hollänbische Probuktion. Die deut­sche Kunstseide-Handelsbilanz zeigt deutlich den Er­folg der Bestrebungen nach einer möglichst weit­gehenden Deckung des Textilbedarfs im eigenen Land. Die Einfuhr von Kunstseibegarnen ist um 10 v. H. gesunken, bie Ausfuhr bagegen gering­fügig gestiegen.

Das gewaltige englische Rüstungspro­gramm hat wirtschaftlich bereits bie Folgen ge­habt, baß sich die I n d u ft r i e, die vornehmlich bisher mit Prioatautträgen beschäftigt war, mehr und mehr auf die Arbeit für bie Heeres­leitung umstellt. Gerade in England fehlte bis­lang ein Programm, nach bem die Industrie für bie Lanbesverteidigung umgeschaltet werden konnte unb der liberalistische Sinn des britischen Indu­striellen war auch gegen eine solche Verbindung der Privatwirtschaft mit bem Staate, weil er gewohnt ist, bas Geschäftsleben völlig ober nach Möglichkeit ber Aussicht bes Staates zu entziehen. Wenn also jetzt große Teile ber Jnbustrie sich insofern dem Staate unterstellen, als ihre Gewinnrechnung nicht über ein gewisses Maß hinausgehen barf, bann ist bas immerhin eine abweichende Einstellung der Industrie, die vom Staate erzwungen wurde. Man macht sich überhaupt allzu selten klar, daß gerade die großen Heereslieferungen auch in der Ver­gangenheit sehr wesentlich die Industrie an­geregt haben. Der Frühkapitalismus ist schlechthin undenkbar ohne die gewaltigen Aufträge, die die Einführung der stehenden Heere mit sich brachte. Die Gleichförmigkeit ber Setleibung, ber Bewafs- nung, abgesehen von ber Versorgung der Heere mit Lebensrnitteln, zwang dazu, vom Handwerk abzu­gehen, das inbividualistische Wertarbeit lieferte, und bie Aufträge größeren Firmen zuzuwenden, die in Fabriken usw. für eine möglichst gleichmäßige Ar­beit sorgten. Hinzu kam, daß die Kriegsschiffe immer größer und nicht mehr rein handwerksmäßig hergestellt wurden. Im 18. unb teilweise 19. Jahr- hunbert haben gerabe die Heereslieferungen bas Aufkommen ber Jnbustrie geförbert unb häufig gerabezu erzwungen. Wenn die Lieferungen für bas Heer also im frühkapitalistischen Zeitalter ein wesentlicher Bestandteil ber industriellen Lieferung überhaupt waren, so gilt bas noch mehr für die Gegenwart, da im Zeitalter der Massenheere natür­lich diese Lieferungen noch größeren Umfang ange­nommen haben.

Die Spekulation der Sanktionslüsternen, Ita­lien werde durch den Boykott feines Handels auf bie Knie gezwungen werben, läßt bie Frage, ob Italien diesen Boykott aushalten wird, zum Zen­tralproblem ber Kriegsführung anwachsen. Soeben hat Italien bas Verhältnis zwischen Staat unb Banken geregelt, unb zwar im Sinne des korporativen Staates, also des weiteren Ausbaues ber ftänbischen Wirtschaftsver­fassung unter Berücksichtigung der Oberhoheit bes Staates. Am 1. Februar 1936 trat ferner bas Unter ft aatsfetretariat für Daluta­fragen mit einem umfassenden kriegswirtschaft­lichen Programm vor die Öffentlichkeit. Das Hauptziel bleibt die Beseitigung des Fehlbetrages der Zahlungsbilanz. Das neue Amt faßt verschie­dene Kompetenzen, die bisher dem Finanzministe« rium, dem Außenministerium usw zugeteilt waren, zusammen. Zunächst wird bas ganze komplizierte System ber korporativen Gliederung zusammen» gefaßt; weiter wird bie Politik des Warenaustausches geregelt unb brütens ist bie Durchführung ber De- oifenorbnung gesichert. Die staatlichen Einfuhr­monopole für kriegswichtige Roh­stoffe umfassen neben ben bestehenben Ausfuhr- Organisationen fast alle Gebiete. Italien ist auf bem Wege zur Monopolisierung unb ber Einfluß auf die Preise macht sich insofern bemerkbar, als die Preise in die Höhe klettern. Die Ge­wöhnung an diesen Zustand ist für Italien gegeben, da man allgemein solche Tendenzen als Abwehr­maßnahmen billigt, aber an und für sich liegt die Neigung zu Monopolen unb Kartellen auch im Zuge bes korporativen Staates, ben ber Faschis­mus noch nicht völlig ausgebaut hat.

Oie Wirtschaftlichkeit der Reichsautobahn.

Generalinspektor Todt auf der Messe« kundgebung der deutschen Technik.

Leipzig, 5. März. (DNB.) Zum britten Male veranstalteten die technischen Organisationen des Gaues Sachsen eine Messekundgebung Der deutschen Technik.

Der Führer der deutschen Technik Generalinspektor Dr.-Jng. Todt schilderte in einem aufschlußreichen Lichtbiloeroortrag die Entwicklung berStraßen Adolf Hitlers" und beschäftigte sich mit ber Frage, ob es wirtschaftlich sei, Autostraßen zu bauen. Er wies barauf hin, baß ber Kraftwagen auf einer Straße von ber Qualität ber Reichsautobahnen un­gefähr 40 v. H. an Reifen, 30 v. H. an Betriebs­stoffen unb 25 v. H. an laufenben Reparaturen e r - sparte. Die Zeitersparnis gar nicht gerechnet. Wenn sich ber Verkehr nur verdoppele, so würden sich auf bem fertigen Netz von 7000 Kilometer Reichsautobahnen täglich *30000 000 Betriebskilo­meter ergeben, b. h. eine Ersparnis von 750 000 Reichsmark täglich unb 280 Millio­nen Reichsmark jährlich. Ein Teil biefes Betrages reiche aus, um ben Kapitaldienst der Reichsautobah­nen zu sichern. So wie die Post in der Entwickelung von der Postkutsche zur Eisenbahn keinen Schaden erlitten habe, werde auch die Eisenbahn durch den Uebergang eines Teiles ihres Verkehrs auf ben Kraftwagen keinen Schaben crieiben, im Gegenteil, fie werbe ihren Betrieb zum Teil wirtschaftlicher ge­tanen können. Daß bie Planung bes Reichsauto­bahnnetzes richtig sei, roeroe durch bie Feststellung auf ber letzten Tagung bes Kraftverkehrsgewerbe- bestätigt, baß etwa 90 v. H. ber heute ftattfinbenben Güterfernfahrten nach Fertigstellung bes Reichsautobahnnetzes auf diesem laufen werben.