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Aeitag, 6. März 1936

186. Jahrgang

Nr. 56 Erster Blatt

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unter Sammelnummer 2251

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

richten: Anzeiger Gießen V 1 * _____

StXiÄin 11688 Druck und Verlag: vrühl'sche Uni°erfitStz.vuch- und Steindruckerei «.Lange in Sieben. Schriftleitung und Seschäftzftelle: Schulftrahe r M-Ng-N°bschlüff-Staffel8

Das britische Kabinett mit Edens Initiative in Genf nicht zufrieden? London fürchtet die Folgen einer Drohung mit der Oelsperre.

London. 6. März. (DNB. Funkspruch.) Einige Blätter berichten, daß ein Teil des Kabi­netts den Außenminister wegen seiner Stellung­nahme zur Frage einer Oelsperre in Genf geta­delt haben. Eden sei ursprünglich angewiesen ge- vesen, in Genfa n z u d e u t e n", daß die britische Regierung eine Oelsperre unterstützen würde, wenn sie allgemein gefordert werde. Statt dessen habe er eine öffentliche Erklärung ab­gegeben, in der er im Namen Englands die Initiative ergriffen habe. Eden sei eigens nach London zurückgekommen, um die Fühlung mit dem Kabinett aufrechtzuerhalten, da man keine Wie­derholung der Hoare-Episode wünsche. Eden habe die Minister darauf hingewiesen, daß Italien die Anwendung einer Oelsperre mit dem Austritt aus dem Völkerbund, der Zurückzie­hung vom Locarno-Vertr a a, der Kün­digung des französisch-italienischen Militärabkom­mens und der Wiederbesetzung der fran­zösisch-italienischen Grenze beantwor­ten werde. Solange die italienische Antwort auf den Friedensappell des Dreizehner-Ausschusses noch nicht bekannt sei, könne die englische Regierung keine endgültigen Entscheidungen treffen. Sollte die italienische Antwort für den Dreizehner-Ausschuß in seiner Gesamtheit annehmbar sein, dann komme eine sofortige Oelsperre nicht in Frage.

DieTimes" weist daraufhin, daß Frankreich britische Versicherungen gefordert habe, die es Frankreich gestatten würden, die von Italien angedrohten Gegenmaßnahmen im Falle der Inkraftsetzung einer Oelsperre au szu gl ei­ch e n. DieTimes" meint, daß irgendwelche bri­tische Zusicherungen, die über eine bloße Neubekräf­tigung der Locarno-Verpflichtungen hinausgingen, sofortDeutschland auf den Plan brin­gen müssen, denn nach deutscher Ansicht liege der Wert des Locarno-Vertrages in der Unpartei­lichkeit der Wirtschaftsmächte. Militärische Sonderabmachungen zwischen England und Frankreich würden den Locarno-Vertrag z u U n - gunsten Deutschlands verändern. Der Aus­tritt Italiens aus dem Völkerbund würde d i e Aussichten des kollektiven Systems verschlechtern. Wenn etwa auch noch Oester­reich und Ungarn mit Italien zusammen den Völ­kerbund verlassen würden, dann werde die kollektive Sicherheit aus dem am wenigsten beruhigten Ge­biet Europas verschwinden. Die kollektive Sicherheit sei eben eine Münze miteinerKehrseite. Die britische Regierung sehe sich der schwierigen Aufgabe gegenüber, zu verhindern, daß die Auf­rechterhaltung des Prinzips der kollektiven Sicher­heit bei der Behandlung des Abessinien-Streites zu einer Ausdehnung der Unsicherheit führe.

News Chronicle" schreibt, wenn England seine Bürgschaft für die deutsch-französi- fche Grenze erneut bekräftige, dann würde Frankreich eine Oelsperre mit größerem Nachdruck unterstützen.Daily Herald meldet, Eden sei aus Genf mit der Ueberzeugung zurück- gekehrt, daß eine Bemühung zur Erzielung einer deutsch-französischen Verstän­digung sofort unternommen werden müsse.

Was wird Mffolim antworten?

Keine Verhandlungen unter dem Druck der Sanktionen.

Paris, 6. März. (DNB. Funkspruch.)Oeuvre" schreibt, in Genf glaube man, Mussolini werde zu­nächst erklären, daß erliebermitdemNegus unmittelbtr anstatt durch Vermitt­lung des Völkerbundes verhandeln wolle; denn seit einem Jahre habe der Völkerbund die Lage nur noch verworrener gestaltet. Er werde niemals unter der Drohung neuer Sühnemaßnahmen verhandeln, ja nicht einmal, solange die bereits verhängten Sübnemaß- nahmen aufrechterhalten werden. Einem Mitarbei­ter desExcelsior" erklärte Mussolini:Der Auf­ruhr, der am Genfer See herrscht, ist sehr be­denklich. Dort wird gegen Italien Partei genommen. Man sieht eine unbegreifliche So­lidarität zugunsten eines Barbarenlandes, unbe­greiflich besonders von den Koloniallandern.

Zustimmende Antwort des Aegus

Addis Abeba, 5. März. (DNB.) Der Kai s e r hat auf den Vorschlag des Dreizehner-Ausschusses wie folgt geantwortet:

Wir haben Kenntnis genommen von dem Tele­gramm, das Sie im Namen des Drelzehner-Aus- schusses meinem Außenministerium übermittelten. Alle Völkerbundsmitglieder wissen, daß wir alles, was möglich war, bereits vor Au s- bruch des Krieges getan haben, um durch gerechtes Verhalten entsprechend dem Geist des Völkerbundes den Frieden zu bewahren. Unter Verletzungen seiner internationalen Verpflich­tungen und trotz der bis jetzt getroffenen Maßnah­men setzt Italien seinen Angriff fort. Wir sind mit dem Beginn von Verhand­lungen unter Beachtung der Bestimmungen des Dölkerbunospaktes einverstanden und nehmen

Kenntnis davon, daß die Vorschläge vom Dreizehner- Ausschuß gemacht worden sind, und daß die Ver­handlungen im Geiste und Rahmen des Völkerbundes stattfinden sollen. Unsere aus­führliche Antwort empfangen Sie durch Vermitte­lung unseres Vertreters in Paris.

(Gez.) H a i l e S e l a s s i e."

Vadoglios neue Ziele an der Aordsront.

Mailand, 6. März. (DNB. Funkspruch.) Der militärische Sachverständige der TurinerGazetta del Popolo" beschäftigt sich mit dem Vormarsch der italienischen Truppen an der Nordfront, die nach Ueberwindung der Streitkräfte des Ras Jmru in Schire d e n Takazze erreicht haben. Er er-

Addis Abeba, 5.März. (DNB.) Italienische Bombengeschwader sollen die Ortschaft Koram, wo sich das englische Rote Kreuz und die fahrbaren englischen Feldambulanzen befinden, mit un­gefähr 40 Bomben beletzt haben. Der Bombenabwurf soll trotz der weithin sichtbaren englischen Flagge und der Flagge des Roten Kreu­zes erfolgt sein. Das Rote-Kreuz-Zeichen sei auch breit auf dem Boden ausgespannt gewesen überall dort, wo sich Zelte mit Verwundeten und Pflegern befunden haben. Englische Meldungen aus Dessie bestätigen, daß die britische Derbandsstelle in Koram, deren Standort den Italie­nern am 18. Februar mitgeteilt worden war, von einem italienischen Flugzeug aus niedri­ger Höhe mit Bomben belegt wurde. Sieben Ver­wundete sollen getötet, drei Zelte, darunter das Operationszelt, zerstört worden sein. Das Personal der Verbandsstelle besteht aus einem Londoner Chirurgen, sowie vier weiteren Aerzten, vier Sa­nitätsoffizieren, sechs britischen Unteroffizieren und 40 ausgebildeten Eingeborenen-Gehilfen. Ferner waren ihr 20 Askaris zugeteilt.

Von italienischer Seite wird mitgeteilt, daß ein italienisches Flugzeug südlich von Koram in unmit-

London, 6. März. (DNB. Funkspruch.) Die Oppositionsliberalen im Unterhaus haben bisher noch keine Entscheidung getroffen, ob sie für oder gegen die neue Aufrüstungsmaßnahmen stim­men werden. Sie haben zunächst einen Antrag ab- gefaßt, in dem u. a. bedauert wird, daß die Regie­rung keine bestimmten Vorschläge für eine Beendigung des internationalen Rüstungswettrennens oder für eine Be- seitigungderKriegsursachen durch inter­nationale Verhandlungen und Konferenzen mache. Der Vollzugsausschuß des englischen Dolker- bundsverbandes erklärt in einer Entschlie- ßung, daß die neuen englischen Aufrüstungspläne das unvermeidliche Ergebnis des Scheiterns der Verhandlungen über einen allgemeinen Abrüstungs­vertrag seien. Der Ausschuß fordert, daß die An­wendung einer Oelsperre gegen Ita­lien nicht weiterhin durch diplomatische Manöver hinausgezögert werden solle.

Das'ArbeiterblattDaily Herald" greift die Aufrüstungsvolitik der Regierung scharf an und er­klärt, daß' England wahrscheinlich zu der alten Politik des S ä b e l r a s s e l n s zuruck- kehre. Die Regierung sei von demfaschistischen" Gedanken besessen, daß die Organisation der Na­tion für einen Krieg die höchste Pflicht des Staates fei. Selbstverständlich erkläre man, daß die Auf­rüstungsmaßnahmen nicht für einen Krieg, sondern für die Verteidigung bestimmt seien. Dieser Ver­sicherung werde jedoch nirgends Glauben geschenkt, denn die Verteidigung des einen Staates sei die Bedrohung des anderen Staates. (?) Auch fei es unaufrichtig, zu behaupten, daß die englischen Mi­nister lediglich an die Verteidigung oder an die Erfüllung 'der Völkerbundsverpflichtungen denken. Ihr Wunsch sei es vielmehr, wie in dem Weißbuch erklärt werde,A u t o r i t ä t in der internatio­nalen Politik auszuüben." Hinter dem Gerede vom Völkerbund verberge sich die alte Idee der Machtpolitik.

Die a r b e i t e r p a rt e i li ch e Opposition wird einen Abänderungsantrag einbringen, in dem es u. a. beißt, daß die Sicherheit Englands und der Friede der Welt nicht dadurch herbeigeführt werden könne, daß man sich auf Rüstungen ver­lasse, sondern nur durch eine entschlossene Politik der internationalen Verstän- digung, durch ein Festhalten an den Volker-

innert daran, das das II. italienische Armeekorps schon am 12. November an den Ufern des Flusses gestanden hätte, aber dann infolge von Ereignissen, die in einem Kolonialkrieg unvermeidbar seien, nach Nordoften in die Umgebung von Aksum und Adua habe zurückweichen müssen. Nach der Ueberschrei- tung des Takazze würden die Truppen in den Land­schaften Tzellemti, Semin und Avergalle keine leichten Aufgaben zu bewältigen haben, da sich in jenen Gegenden nicht nur die Bewaffneten der verschiedenen Unterführer, u. a. die beiden Söhne des geschlagenen Ras Kasa, eingeniftet hät­ten, sondern sich dort auch die Flüchtlinge der bej- den geschlagenen feindlichen Armeen aufhalten dürf­ten. Ueber das erste Armeekorps lägen keine Nach­richten vor, dessen Ziel dürfte aber nicht anders sein, als den Vormarsch auf der Linie Aschangi Dessie weiter nach Süden fortzusetzen, wenn Mar­schall Badoglio dies für zweckmäßig erachte.

telbarer Nähe eines abessinischen Lagers eine Kraft­wagenkolonne von etwa 30 Wagen entdeckte. Die Begleitmannschaft sei eben im Begriff gewesen, die Wagen zu entladen. Da die Kisten mit dem Rot-Kreuz-Zeichen versehen waren, sei das Flugzeug, um genauere Feststellungen zu machen, tiefer geflogen, wobei aus der Nähe der mit dem Rot-Kreuz-Zeichen gekennzeichneten Gruppe das Abwehrfeuer eröffnet worden fei. Ohne das Feuer zu erwidern, fei das italienische Flugzeug zurückgeflogen. Das Flugzeug fei tags darauf von neuem beschossen worden. Be dem später angeordneten Bombenabwur habe sich bald dichter Rauch entwickelt, ein Be­weis für das Vorhandensein eines Munitions­depots. Auf keinen Fall fei Italien etwas davon bekannt gewesen, daß in dieser Gegend englische Rot-Kreuz-Abteilungen stün­den. Vielmehr fei die italienische Regierung e r st in einer englischen Note vom Donners- t a g davon verständigt worden, daß Rot-Kreuz- Abteilungen sich auf Dem Wege von Dessie nach Koram befinden. Diese Mitteilung sei auch bereits an das italienische Oberkommando in Ostafrika weitergegeben worden.

bundssatzungen, durch allgemeine Abrü­stung, durch eine fortgesetzte Verbesserung des internationalen Arbeiterstandards und durch eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zur Beseitigung der K r i e g s u r s a ch e n. Die Partei könne sich daher nicht mit einer Politik ein­verstanden erklären, die Sicherheit lediglich in natio­nalen Rüstungen suche und die das ruinöse R ü - ftungsroettrennen zwischen den Nationen, das unvermeidlich zum Kriege führe, verschärfe. Die Partei ist über die Vorschläge zur Umstel­lung der Industrie auf Kriegsbasrs beunruhigt, da hierdurch die Gewinne der Rü­stungsfabrikation ungeheuer vermehrt werden und die organisierte Arbeiterschaft ernstlich bedroht wird. Die Partei hat kein Vertrauen zur britischen Re­gierung, deren unwürdige und zweideu­tige Außenpolitik erheblich zu dem gegen­wärtigen Zustand der Unruhe in der Welt beige­tragen hat."

Auch Australien und Neuseeland rüsten aus.

London, 6. März. (DNB. Funkspr.) Nun wer­den auch die beiden Dominions Australien und Neuseeland neue Aufrüstungsmaßnahmen einleiten. Neuseeland plant hauptsächlich eine V e r st a r - Fung d e r Luftstreitkräfte und eine enge militärische Zusammenarbeit mit Australien. Die Unterhaltung einer großen Flotte in den neuseeländischen Gewässern sei hin­gegen infolge der hohen Kosten unerwünscht und undurchführbar. Die australischen Luft­streitkräfte sollen v e r ft ä r 11 und die Küstenverteidigung verbessert werden. In politischen Kreisen wird sogar eine Rückkehr zur allge­meinen Wehrpflicht erörtert, da der Man­gel an Rekruten für die freiwillige Wehrmacht ernste Sorgen verursacht.

Sowjeirussischer Manöverfilm in London aufgeführt.

London, 5. März. (DNB.) Auf der Londoner räterussischen Botschaft wurde e i n Film von den Manövern der Sowjet­armee bei Kiew vorgeführt. Zu der Veranstal­

tung waren u. a. der Präsident des Geheimen Staatsrates, Ramfay M a c D o n a l d, der Unter­staatssekretär im Außenministerium Lord Stan­hope, die diplomatischen Vertreter Frankreichs, Italiens, Chinas, Spaniens, der Türkei, Oester- reichs und Bulgariens sowie eine Reihe von Unter- hausabgeordneten und hohen Offizieren erschienen. Der Sowjebotschafter M a i s k y erklärte einem Pressevertreter, daß Rußland nicht die Absicht habe, irgendjemanden anzugreifen, es wolle mit dem Film nur zeigen, daß es bereit fei, wenn es ange­griffen werde.

Die Ukrainer.

Äon Or.Mox Krull.

Die amtliche Politik Europas vollzieht sich zwi- chen Staaten. Leicht vergißt man dabei, daß es daneben Volker gibt, die ohne eigene Staatlichkeit geblieben sind und dennoch aus einer auf eigen- tändigkeit gegründeten Freiheitsliebe zu Faktoren künftigen politischen Geschehens wurden. Ein solches Volk sind die Ukrainer, in einer Gesamtstärke von etwa 42 Millionen, von denen 35 östlich und 7 westlich der s o w j e t r u s s i s ch - p o l n i s ch e n Grenze siedeln. Die fast hermetische Abschließung dieser Grenze hat den beiden Dolksteilen eine Der- chiedene politische Entwicklung vorgeschrieben. Nur m Endziel sind sie sich einig: sie wollen ein eige­nes ukrainisches Staatswesen. Es cheint, daß bei der Ausschaltung dieser Gefahr Warschau geschickter vorging als Moskau.

Seit drei Jahren ist die ukrainische Frage der Albdruck in den Träumen der Sowjetgewaltigen. Sie versuchten das Gespenst zu verscheuchen, indem sie sich selbst einredeten, der Freiheitsdrang der Ukrainer fei nur auf Beeinflussung von außen her zurückzuführen, etwa aus polnische Expan­sionswünsche oder deutsche Machenschaften, ja selbst der französische Generalstab wurde während eines politischen Prozesses beschuldigt, die Abtrennung der Ukraine von den Sowjets betrieben zu haben. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt die Annähe­rung der Sowjets an Genf und überhaupt an die europäischen Probleme, vor allem aber der fran­zösisch-sowjetische Militärpakt eine tiefere Bedeutung. Ja, selbst die geplanten Mili­tär- und Luftflottenstützpunkte der Roten Armee in der Tschechoslowakei haben eine heim­liche Front nach rückwärts, dorthin, wo auf einer Länge von etwa 300 Kilometer die Sowjetukrainer und die Ukrainer Polens sich über die Grenze hin­weg die Hand reichen könnten. Heute richtet sich das Moskauer Mißtrauen außer gegen Warschau und Berlin noch gegen Tokio.

Aber die europäischen Rückversicherungen reichen den Sowjets nicht aus, ihre Angstträume zu be­schwichtigen. Allmählich wird es ihnen klar gewor­den fein, daß der ukrainische Widerstand gegen das Sowjetsystem durchaus innerpolitisch zu wer­ten und bei den Ukrainern selbst zu suchen ist. Grausam und echt bolschewistisch waren die Metho­den, mit denen sie begannen, dieses Vierzigmillio- nen-Volk langsam auszurotten. In einem etwa 100 Kilometer breiten Streifen längs der polnischen Grenze wurde die eingesessene Bevölkerung a b ge­schoben. Zuverlässige russische Truppen besetzten die Sowjetukraine. Im Dezember vorigen Jahres wurde in derKornkammer Rußlands" die Zahl der dort stationierten Divisionen von 10 auf 28 er­höht, wovon 10 allein in unmittelbarer Nähe der Grenze untergebracht wurden.

Der ukrainischen Unzufriedenheit und ihrem Haß begegnete Moskau mit weiteren unerträglichen Un­terdrückungsmaßnahmen. Selbst den Kommunisten­führern ukrainischer Nationalität gingen die Augen auf. Die GPU. vernichtete sie ohne Gnade. Skryp- nik, der nur zögernd sich auf feine ukrainische Pflicht besann, mußte mit feinem Leben büßen. Die Hungersnot wurde der Bundesgenosse der Sowjets und tilgte Millionen ukrainischer Bauern mit Frau und Kind aus. Aber der Reichtum des Landes ist unermeßlich und die Widerstandskraft der Ukrainer ist größer als der Dernichtungswille. Da sollte der Widerstand durch Einführung des Kollektivsystems gebrochen werden. Die Ukrainer glauben, daß es überhaupt nur zu diesem Zwecke erfunden sei, und daß jetzt ganz Rußland unter diesem Joch schmachten müsse, weil die ein­mal erlassenen Gesetze für alle gleichmäßig gelten.

Die Unruhe der Sowjets über die Unlösbarkeit der ukrainischen Frage mit den Mitteln des Sow- jetfystems teilte sich in immer stärkerem Maße ganz Europa mit. In der Sowjetukraine find nur die russischen Machthaber sowjetisch, das Volk denkt na­tional und wird einmal national zu handeln ver­stehen. An dieser Entwicklung der Dinge nahm das Utrainertum in Polen einen mittel­baren Anteil. Selbst die bürgerlichen Kreise glaub­ten noch vor wenigen Jahren, daß nur die Anleh­nung an die Sowjets den Ukrainern die Erfüllung ihres nationalen Traumes bringen könne. Die Tatsache der Existenz einer eigenen ukraini­schen Sowjetrepublik schien ihnen der Be­ginn einer Erfüllung zu sein, aber auch sie sind sehend geworden, sie haben erkannt, daß es kei­nen ärgeren Feind der ukrainischen Nation gäbe als d i e Sowjets. Und von diesem Zeitpunkt ab datiert ihre Umstellung in ihren Beziehungen zum polnischen Staate. Als Vermitt­ler trat in erster Linie der Lemberger Metropolit Szeptycki auf, der im Interesse der Kirche schon lange das Schielen nach Moskau mit wachsender Besorgnis ansah. Gerade der im Sommer 1934 von ukrainischen Terroristen ermordete Innen­minister P i e r a ck i war es, der hier eine Mög­lichkeit sah, die Opposition der ukrainischen Minder- beit in eine, wenn auch durch gewisse verständliche Gefühle gemäßigte Staatstreue umzustellen.

Italienische Bomben ans ein englisches Hospital in Abessinien.

Oie Opposition gegen das Ausrüstungs­programm Baldwins.