senschaftliche Beziehungen der medizinischen und der veterinärmedizinischen Fakultät.
In zu Herzen gehender Weise dankte Geheimrat Pfeiffer den Studierenden und richtete aus reicher Erfahrung als Lehrer, Wissenschaftler und Prüfungsvorsitzender, wie besonders als steter Freund seiner Studierenden ernste Worte der Mahnung zur rechten Einstellung zu Studium, wissenschaftlicher Fortbildung und Beruf.
Aus allen Ansprachen und aus dem harmonischen Verlauf des Fachschaftsabends klangen die -nge Verbundenheit von Dozenten und Studenten und der gute Wille zu bestbewährter, verständnisvoller Zusammenarbeit aller wider. Unter den vielen Gästen war auch der hessische Landestierarzt, Oberveterinärrat Dr. Küthe aus Darmstadt anwesend.
Oie Zulassung
zum hessischen Zorstdienss.
Durch Bekanntmachung des Reichsstatthalters in Hessen — Landesregierung — ist die Bekanntmachung bezüglich der Vorlehre für den Höheren Forstdienst vom 14. Februar 1925 mit Wirkung vom 1. Januar 1936 an aufgehoben worden. Die Zulassung zur Vorlehre richtet sich nach dem Be- darf. Nationale Zuverlässigkeit, Mitgliedschaft bei der HI., Eignung und guter Leumund werden vorausgesetzt.
Steuerkalender.
Deutsches Reich:
5. Februar: Abführung der Januar-Lohn- und Bürgersteuer, soweit dies nicht am 20. Januar geschehen.
10. Februar: Umsatzsteuervorauszahlung, sowie Voranmeldung der Monatszahler für Januar.
10. Februar: Fälligkeit der Bürgersteuer, soweit sie auf Grund eines Steuerbescheides oder im besonderen Verfahren erhoben wird.
15. Februar: Börsenumsatzsteuer für Januar (Abrechnungsverfahren).
15. Februar: Vermögenssteuervorauszahlung von einem Viertel des zuletzt angeforderten um 20 v. H. verminderten Jahressteuerbetrages.
15. Februar: 2. Hälfte der Aufbringungsumlage für das Rechnungsjahr 1935.
15. Februar: Einsendung der Steuerkarten 1935 an das Finanzamt.
20. Februar: Abführung der vom 1. bis 15. Februar einbehaltenen Lohn- und Bürgersteuer, wenn die einbehaltenen Steuerbeträge 200 Mk. übersteigen.
1. — 29; Februar: Abgabe der Steuererklärung zur Einkommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuer für 1935.
Hessen:
15. Februar: Rate der Landes- und Ortskirchen- fteuer.
25. Februar: 6. Rate der Gewerbe-, Grund- und Sondergebäudesteuer.
Die deutsche RrbciMfronl
.JV n.9.=Gcmcinfchafi „Kraft durch frcuöc"
NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Ireude".
Laienspielfchar.
Bei unserer Laienspielschar können noch einige Arbeitskameraden und -kameradinnen mitwirken. Wir bitten diejenigen, die Interesse an dem Laienspiel haben, sich umgehend auf der Kreisdienststelle, Schanzenstratze 18, Zimmer 8, zu melden. Telefon 8919.
Geschäftsführung.
Wir haben ab 1. Januar 1936 unser Bankkonto gelöscht. Zahlungen sind in Zukunft auf das Postscheckkonto 48961 Frankfurt a. M. zu überweisen.
Lichlbildervortrag „Die nordischen Länder" von Kurt hielscher.
Zu diesem Dortrag am 7.2.1936 in der Neuen Aula der Universität hat uns der Goethe-Bund Gießen verbilligte Karten zum Preise von 0,40 RM. zur Verfügung gestellt. Die Karten find auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, erhältlich.
Das deutsche Lied im 15. und lö. Jahrhundert.
Das Musikwissenschaftliche Seminar der Universität Gießen veranstaltet am Dienstag, 11. Februar, einen Liederabend, zu dem alle Volksgenossen herzlichst eingeladen find. Eintritt frei.
Das Programmheft, das die gesamten Urlaubsreifen des Jahres 1936 enthält, ist
Tierschutz im Februar.
Im Februar tritt oft schon milde Witterung ein. Das darf nicht dazu führen, unsere Freunde in der Tierwelt zu vergessen. Denn plötzlich eintretende Kältewellen bedeuten eine große Gefahr für unsere Tiere. Besonders unsere Vogelwelt ist dann stark gefährdet. Nur regelmäßige und sinnvolle Fütterung kann sie retten. Sinnvolle Fütterung!
Ls hat z. V. keinen Zweck, Brotkrumen und Kartoffeln zu streuen. Weist bekommen diese den kleinen Vögeln schlecht und bringen Krankheiten und Tod.
Zur Fütterung eignen sich: für Meisen, kleinere Spechte und Finken: Futterringe, Sonnenblumenkerne, Gurken- und Kürbiskerne, Hanf, Nußkerne, roher Talg, ungesalzener, in schmale Streifen auf- gehängter Speck, gekochtes, nicht geräuchertes oder gesalzenes Fleisch. Für Lerchen, Ammern, Finken, Zeisige: Heusamen, Dreschabfälle, Mohnsamen, Hanfsamen. Für Amseln, Drosseln, Stare: Weißdorn- srüchte, Schnee- und Vogelbeeren, getrocknete Holunder- und Heidelbeeren, Trauben vom wilden Wein, Hagebutten, zerschnittene Aepfel und Birnen, gekochtes, nicht geräuschertes oder gesalzenes Fleisch oder Talg-Grieben. Für Zaunkönige. Braunellen und Rotkehlchen: Kleine Mehlwürmer mit zerdrückten Köpfen, zerriebener Zwieback und damit vermischt etwas Mohnsamen.
Reinigt die Nistkästen!
Rlau soll sie möglichst dabei öffnen.
Der volksdeutsche Abend im Rahmen des Volksbildungswerkes, der am gestrigen Mittwochabend im Gymnasium stattfand, bot erneut den Beweis für die Vielfältigkeit des Bildungsgutes, das hier an jeden einzelnen wie in keiner anderen Stadt herangetragen wird.
Amtswalter Dr. Heidt stellte den Kampf der Deutschen außerhalb der Grenzen um die Erhaltung ihres Volkstums und ihrer Lebensexistenz vor Augen und erwähnte, daß diese mehr als 30 Millionen nicht gedankenlos ihre Heimat verlassen haben, sondern im Lebensdrang sich neuen Raum suchten, der ihnen im Vaterland zu eng geworden war. Umbrandet von fremden Völkern haben sie ihre Volkstums-Eigenart erhalten.
Nach Gedenkworten für Wilhelm Gustloff erzählte in humorvoller Weife im schwäbischen Dialekt der Student Eckert über seine Heimat in Bessarabien. Er sprach von dem Wechsel der Staatszugehörigkeit dieses fruchtbaren und schönen Landes zwischen Dnjestr und Pruth, das 1918 von den Rumänen besetzt wurde, worüber die Schwaben und Rheinfranken, die in jahrzehntelanger Arbeit das Land zum Blühen gebracht hatten, sehr froh waren. Heute leben 800 000 Deutsche in Rumänien, die sich auf Bessarabien, das Banat, die Bukowina, Siebenbürgen und auch auf Bukarest verteilen. Don der Kaiserin Katharina II. gerufen, haben sie Zivilisation in das Land gebracht und jetzt durch die Zuteilung zu Rumänien ein besseres Schicksal gefunden, als es die vielen Deutschen im südlichen Rußland haben, die von Deutschland bis an das Schwarze Meer gesiedelt sind und heute uelbewußt ausgerottet werden. In herzlicher Art sprach der Student von seiner Heimat, Dem Reichtum des
zum Preise von 0,10 RM. auf der Kreisgeschäfts- stelle und bei sämtlichen Betriebswarten erhältlich.
Aeue oportar.cn bei „Straft durch Freude"
Das Gausportamt Hessen-Nassau der NS.-Ge° meinschaft „Kraft durch Freude" ist bestrebt, die Freizeit der werktätigen Volksgenossen und Volksgenossinnen weiter auszubauen und freundlicher zu gestalten.
Neben dem fröhlichen Sviel und frohen Tummeln in Halle, auf grünem Rasen oder im Wasser wird nun ein sportliches Betätigungsfeld, das in gleichem Maße rote die körperlichen Uebungen der Freude und der Erholung dient, geschaffen werden. Gei- stesfport, Denksport wird in der nächsten
Ist dies nicht möglich, dann müssen die alten Nester mit einem nicht zu starken Draht, dessen Ende zu einem kleinen Haken umgebogen ist, herausgezogen werden. Wer noch Nistkästen anbringen will, soll sie möglichst bis Ende Februar aufhängen: dann kann er die Freude haben, daß sie noch in diesem Jahr von Vögeln bezogen werden. Vor allem soll man beim Aufhängen von Nistkästen darauf achten, daß sie Schutz gegen die Nesträuber bieten.
Versichert euch auch immer wieder, daß euere
Haustiere genügend gegen Kälte, Wind und Nässe geschützt sind.
Sorgt für eueren Hofhund! Es ist eine geringe Mühe, feine Hütte durch eine Decke vor dem Eingang so gegen Zug zu schützen, daß sie dem Tiere ausreichende Zuflucht gegen die Witterung gewährt. Scharfem Wind sollte die Hütte nie ausgesetzt fein, weil der Wind durchpfeifen kann. Bei starkem Frost gehört der Hund ins Haus oder in einen Stall.
Denkt an euere Katze! Gebt ihr ein warmes Lager und füttert sie regelmäßig! Laßt sie nicht über Nacht im Freien herumstreifen, sonst ist es kein Wunder, wenn sie verwildert und den Vögeln nachstellt. Besonders im Winter bedeuten herumstreunende Katzen für die durch Futtermangel entkräfteten Vögel eine große Gefahr. C. W.
Landes und dem zähen Festhalten feiner Bewohner an deutscher Art. Wenn auch das deutsche Element sich als lebenstüchtig erwiesen und sich behauptet hat, so muß bei Dernachläsiigung der Deutschtumspflege doch eine Entfremdung ein» treten. Deshalb schauen die Dortigen Deutschen nach Deutschland als dem A>eal deutscher Art und dem Land des volksdeutschen Ursprungs.
Kamerad Holz, einer von den 200 deutschen Studenten aus Afrika, die zur Zeit das Reich mit dem kolonialen Gedanken vertraut machen wollen, sprach von den Deutschen in jenem Erdteil und schilderte seine Heimat Deutsch-Südwest. Er erinnerte an die Entwicklung des Landes, das sich bis zum Ausbruch des Krieges durch deutschen Fleiß und Ordnungssinn derart entwickelt hatte, daß es dem Mutterlande sehr nützlich wurde. Handwerker, Kaufleute und Farmer hatten sich niedergelassen und konnten mit etwa 4000 Mann Schutztruppe dem 70—100 000 Mann starken Gegner fast ein Jahr trotzen. Dann fing die Bedrängnis der Deutschen an, die nur mit großen Schwierigkeiten und durch Privatinitiative das Schulwesen erhalten konnten. Die wirtschaftliche Lage wirkte sich auch bei den Deutschen stark aus, Die in erster Linie Großviehzüchter sind und auf den Farmen von 20 bis 40 und noch mehr Hektar Land zu Tausenden ihre Rinder züchten. Kamerad Holz wandte sich dann gegen die Kolonialschuldlüge. Das ganze deutsche Volk müsse dieses Land zurückfordern, das ihm große Dienste erweisen kann. Die Jugend würde dort jene Schulung ihres Deutschtums erfahren, die der Engländer feiner Jugend vermittelt.
Der sehr anregend verlaufene Abend schloß mit einem Treuebekenntnis zum Führer.
«Zeit in das Arbeitsprogramm der KdF.-Sportäm- 1 ter ausgenommen. Im Freizeitwerk der DAF. soll allen Betriebskameraden das Schachspiel und in Sonderkursen auch das Photographieren vermittelt werden.
Alle Schachfreunde und alle Interessenten für die i einzurichtenden Photokurfe werden hiermit gebeten, sich schriftlich bei dem Sportsamts-Stützpunkt Gießen, Schanzenftraße 18 unverbindlich anzumelden.
Die Schach- und Photokurfe der K. d. F.-Sport- ämter werden Anfang März beginnen.
Oefechtsstbiehen fei £<i ,bach.
Das Kreisamt Gießen veröffentlicht folgende Be-
: kanntmachung:
। Das Ergänzungs-Bataillon 53 hält am 13., 14.
I und 15. Februar ein Schulgefechtsfchießen bei
Laubach ab. Das Schußgelände wird im allgemeinen begrenzt durch die Lustlinie Grünberg— Weickartshain—Laubach, Straße Laubach—Grün» berg. Das Schießen findet jeweils in der Zeit von 8 bis 17 Uhr statt. Das gefährdete Gebiet liegt innerhalb der angeführten Luftlinien und wird während der Schießzeiten von der Truppe abgesperrt. Das Betreten des abgefperrten Geländes sowie der durchführenden öffentlichen und privaten Wege ist für die Dauer des Schießens verboten. Den Anordnungen der Absperrposten ist unbedingt Folge zu leisten.
Einbruch in ein Manufakturwaren- Geschäst in Lang-Göns.
Die Kriminalpolizeistelle Gießen teilt mit: In der Nacht zum 5. Februar wurde bei dem Kaufmann Heinrich Beppler in Lang-Göns, der dort in der Schmittgrabenstraße ein Manufaktur- Warengeschäft betreibt, ein Einbruch verübt und
Der das Winlerhilfswerk durch Pfennige fördern will, macht feine Post mit Wohl» fahrtsbriefmarken frei.
eine größere Menge Waren gestohlen. Die Täter sind durch ein offenstehendes Kellerfenster von der Straße her eingestiegen. Die von der Wohnung zum Laden führende verschlossene Tür wurde gewaltsam erbrochen. Um vor Überraschungen geschützt zu fein, durchschnitten die Täter die Klingel- leitung und verriegelten die Türen.
Gestohlen wurden: zwei neue braune Lederjacken, drei bis vier grüne Lodenjöppchen, sechs grau- und grünmelierte Herrensportanzüge, Größe 46 bis 52, ein grau-grüner Motorradfahreranzug, acht bis zehn blaue Drelljacken, sechs Normal-Her- renhaut-Jacken, etwa zwei Dutzend Herren- und Knabenpullover, sechs bis acht Kupon geblümter Bettkattun, zwei Dutzend halbsteife Herrenkragen, etroa 60 Pfund Eßlinger und Schoeller Strickwolle in allen Farben, mehrere Kupons Bettbarchent, ein Paar Herren-Plüschunterhofen, ein Dutzend Damen-Svmmerhandschuhe (Stulpen), ein Dutzend Knaben-Krimmerhandschuhe, etwa 30 Selbstbinder verschiedener Farben, ein Karton mit Tüllborte, eine gebrauchte Lederjacke, Führerschein 1. und 3. Klasse, auf den Namen Richard Beppler, Zulassungsbescheinigung für Motorrad „Triumpf" VO 15 695, Parteibuch der NSDAP, auf den Namen Albert Beppler. Der Wert der gestohlenen Sachen beläuft sich auf etroa 1500 Mark.
Die Ermittlungen nach den Tätern und dem Verbleib der gestohlenen Sachen wurden von der Kriminalpolizeistelle Gießen sofort ausgenommen.
Musikalische Äeranstaiiungen anmelde- und stewpelpflichtiq.
Die Polizeidirektion Gießen teilt uns folgendes mit:
In den Kreisen der Wirte und Vereine bestehen hinsichtlich der stempelpflichtigen Veranstaltungen, wie Konzerte, Tanz, Maskenbälle usw. noch verschiedene, den Tatsachen nicht gerecht werdende Un- ftimmigtjeiten, die uns zu folgenden kurzen Hinweisen Veranlassung geben.
Jeder Unternehmer, wie Wirte, Vereine usw., die in den ihnen gehörigen Räumlichkeiten Konzerte, Tänze, Kappenabende oder Maskenbälle zu veranstalten beabsichtigen, Haden vor Beginn einer der hier fraglichen Veranstaltungen die polizeiliche Erlaubnis zu erwirken und den jeweilig hierfür im hessischen Urkundenstempelgesetz vorgeschriebenen Stempelbetrag zu entrichten.
Vor der Antragstellung zu derartigen Musikoer- anftaltungen bei der Polizeidirektion Gießen ist es erforderlich, daß der Wirt ober der die Veranstaltung abhaltende Verein sich zuvor zwecks Erlangung der für das musikalische Urheberrecht nötigen Genehmigung mit der Stagma (Staatlich genehmigte Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Urheberrechte, Bezirksleitung Hessen, in Kastel, Hermann- straße Nr. 1) in Verbindung setzt. Erst an Hand der von der „Stagma" zur Musikausübung ausgestellten Bescheinigung und nachdem bei der Stadtkasse die für solche Veranstaltungen zu zahlende Vergnügungssteuer zuvor entrichtet worden ist, wird auf Antrag die polizeiliche Erlaubnis zur Veranstaltung obiger Musikaufführungen erteilt.
Oie Stimme des Blutes.
Deutsche Studenten erzählen von ihrer Heimat in Bessarabien und Oeutsch-Südwest-Afrita.
NMHekMelmleii.
Vornan von H. von Hellennann.
Copyright 1936 by Aufwärts-Verlag G m. b. H., Berlin SW 68.
14 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Dr. Goebel stand in der Tür, einen Strauß und eine Tüte in der Hand. Grete schwenkte ihm die leere Kaffeetasse entgegen. „Immer hereinspaziert, Herr Doktor, Ihr Glückwunsch fehlte mir noch, wir feiern nämlich das hohe Fest meiner ersten Anstellung!"
»Das ist ja famos! Darf ich Ihnen da gleich diese Tüte mit meiner ergebensten Gratulation überreichen? Jemand verriet neulich, daß er gern Pralinen äße. Und diese ernsten Boten des Frühlings baten, ihn Ihre Hände gelegt zu werden, gnädige Frau."
Der lachende Blick, der das junge Mädchen gegrüßt, wurde weich und warm, Da er auf dem Frauengesicht ruhte, das eine feine Freudenröte rosig färbte. Nur zögernd löste sich des Mannes Hand von den Fingern, die er mit herzlichem Druck umspannt, als Goebel sich dem Sohn des Hauses zuwandte, der steif aufgereckt mit verschlossenen Zügen neben seinem Stuhl stand. „Ihnen bringe ich eine Frage mit, lieber Hans: möchten Sie heute aoend meine Karte zum Sinfoniekonzert benützen? Prihoda spielt. Ich bin zu müde, um ihn recht zu genießen."
Die anderen hatten einen Jubelschrei erwartet. Doch sie wurden enttäuscht. Hans Mervius, der Musik leidenschaftlich liebte und selbst ausgezeichnet Geige spielte, verneigte sich steif, murmelte etwas von verbindlichstem Dank, aber „leider unmöglich", da er „bei einem Freund zum Abendbrot gebeten."
Die Mutter sah ihn erstaunt an. „Davon hast du mir ja noch gar nichts gesagt, Hans — bei wem denn?"
„Kurt Mertens hak vorhin angerufen, ich ver- sprach ihm zu kommen", erwiderte Hans, ohne aufzusehen. Seine Finger zerknitterten nervös die Kante des Tischtuchs. Als Grete einen Stuhl für den Gast einschieben wollte, trat er zurück: „Laß nur, Grete, Herr Doktor kann meinen Stuhl krie
gen, ich woltte sowieso eben gehen, muß noch büffeln" — und verließ fluchtartig das Zimmer.
Wenn Frau Margret das Benehmen ihres Sohnes sonderbar fand, so ließ sie sich nichts merken. In gewohnter Freundlichkeit bewirtete sie den unerwarteten Gast, fragte nach der Arbeit des Tages, erzählte von Gretes Glück, die, noch ganz erfüllt von ihrem Erlebnis, das Interesse des neuen Freundes dafür ohne weiteres als selbstverständlich beanspruchte.
Und gerade diese Selbstverständlichkeit, mit der man bet ihm Teilnahme an allem großen und kleinen Geschehen voraussetzte, beglückte Goebel tief. So eingefponnen war er schon in diese wohltuende Atmosphäre natürlicher Herzenswärme, daß er sich ein Loslösen vor ihr gar nicht mehr vorzustellen vermochte. Die kleinen Aufmerksamkeiten, die er der Familie erwies, waren der Ausdruck seiner Dankbarkeit und noch eines Gefühls, das, jeden Tag sich mehr zur Gewißheit verdichtend, unbewußt von der Frau ihm gegenüber erweckt und genährt wurde. Wie eine ruhevolle, sonnige Feststunde mitten im Alltagstrubel kam sie ihm immer vor, wie eine friedliche, fruchtbare Oase in der Düsse entgeistigter Daseinsarmut. Segen strömte von ihr aus.
Mit Mühe wandte er den Blick von den fürsorglich hantierenden Frauenhänden, zwang sich, dem Blondling neben ihm zuzuhören, der, strahlend ob des errungenen Postens, bunt durcheinander erzählte und fragte und dabei Pralinen knabberte. Die Tüte war schon halb geleert. Grete hielt sie ihm einladend hin. Er banCie.
„Zuviel Magensäure!"
„Kenn ich nicht", sagte Grete etwas undeutlich, denn die Pralinen waren groß.
Der Doktor lachte. „Das glaube ich gern, Fräulein Grete! In Ihrem Alter war mir das auch ein unbekannter Begriff, da vertrug ich Kieselsteine. Aber später geht man etwas sorgsamer mit seiner goldenen Mitte um, dieweil man ihre Mucken eklig spürt."
Das Mädchen sah lachend von ihm zur Mutter: „Goldene Mitte — das ist ja unser Familienausdruck! Wie kommen Sie denn dazu?"
„Wahrscheinlich unbewußt übernommen", lachte der Doktor zurück.
Grete nickte. „Ein Zeichen verwandten Geistes, nicht wahr, Mutti?" Und wunderte sich, als jene
wie verwirrt mit roten Wangen auf den Teller niedersah und der Doktor so eigen lächelnd den gesenkten Kopf betrachtete. Richtig spitzbübisch sah er drein. War doch ein zu netter Mensch, dieser Doktor.
Frau Margret aber faßte sich schnell und gab dem Gespräch eine andere Wendung, indem sie nach dem Schützling des Gelehrten fragte. „Haben Sie den jungen Drau wiedergefehen?"
Goebel bejahte. „Heute war ich bei ihm. Es ist mir gelungen, die Säle der Kunsthandlung Arold- fen für eine zehntägige Ausstellung von Draus Werken zu gewinnen, Herr Aroldsen, den ich für den jungen Künstler interessiert habe, überläßt sie ihm gratis. Die Zeitungsanzeigen, Einladungen an Presse und Private übernehme ich. Dem K ü n st - l e r Drau hoffe ich bald helfen zu können, den Menschen wieder der Welt zu gewinnen, wird schwieriger sein. Die Not hat ihm Wunden geschlagen, die nur langsam heilen werden. Er ist gänzlich verschlossen und menschenscheu, will niemanden sehen, verweigert jede Auskunft und sieht so krank aus, daß ich mich ernsllich sorge um dieses wirklich begnadete Talent."
„Wie haben Sie ihn eigentlich entdeckt?" fragte Grete, die im teilnahmevollen Zuhören Pralinen und Stellung vergaß.
„Durch einen ganz eigenartigen Zufall, Fräulein Grete. Ein biederer Fleischermeister kam eines Tages in mein Büro im Verwaltungsabteil der Galerie und erbat meinen Rat. Eine Kundin hatte ihn an mich als .Kunstsachverständigen' gewiesen. Bei seiner Schwester wohne ein Maler, der seit Monaten keine Miete mehr gezahlt, und gegen den sie daher von der Polizei einen Exmissionsbefehl erwirkt habe, unter Zurückbehaltung seiner Bilder, deren Verkauf ihr zur Deckung des Mietverlustes gesetzlich zustehe. Der gute Metzger bat mich nun, das .Geschmiere' zu besichtigen zwecks Feststellung des Verkaufspreises.
Da mir die große Not unter den Künstlern leider allzu bekannt ist, sagte ich zu und suchte am nächsten Morgen die angegebene Adresse auf. Eine dicke Frau mit Wuschelkopf und Baumelohrringen empfing mich mit derartigem Wortschwall, daß mir Hören und Sehen verging. Allmählich aber spürte ich ohne ihr Wollen die Hauptursache ihres Zornes gegen den Mann aus dem Gekeife heraus: Er wollte sich nicht von ihr helfen lassen. Sie scheint
chm Avancen gemacht zu haben, die er wohl ziemlich deutlich zurückwies — eine ganz abscheulich peinliche Situation, wenn der Absagende zugleich der Schuldner ist. Aber zugleich auch ein Zeichen von Charakter, Dem jede Berechnung fernliegt. So hatte ich meine Sympathie schon auf Seiten des .Angeklagten' gestellt, ehe ich ihn sah — und sie wurde nicht getäuscht.
Er war noch in seiner Stube. Ich bat, allein zu ihm gehen zu dürfen, mußte aber recht energisch werden, ehe das gelang. Und dann--" Goebel
zögerte, sah zum Fenster, auf dessen Sims Hyazinthen steif ihre köstlich duftende Blütenlast trugen, dann zu Frau Margret hinüber, deren braune Augen ernst und aufmerksam an ihm hingen.
„Dann sprachen wir lange zusammen", vollendete er langsam.
16. Kapitel.
Nein — nicht einmal dieser gütigen Frau, dem warmherzigen Mädchen konnte er von jener Stunde in der Kammer Joachim Draus erzählen. Es gab heilige Erschütterungen, die man verschweigen mußte, Not, die den letzten Fetzen von des Menschen Seele riß, daß sie nackt und hilflos dem Blick des anderen preisgegeben war, qualvoll zuckend wie eine bloßgelegte Wunde.
Als ihm auf fein Anklopfen kein Bescheid geworden, hatte Goebel kurzentschlossen die Tür geöffnet Bei seinem Eintritt sprang der Mann, der. den Kopf in die Arme vergraben, über den Hvlztisch am Fenster gesunken hockte, so jäh auf, daß der Schemel umflog. Mit einem Satz stand er vor seiner Staffelei, die Fäuste geballt. Ein würgendes Stöhnen: „Einen Schritt weiter, und ich zerschneide es!!"
Goebel stand auf der Schwelle, sah den Rasenden still an. ,Zch komme als Freund", sagte er nur.
Der andere bog den Kopf lauschend und lauernd vor. „Freund —?!" Er lachte höhnisch auf. „Gibt's nicht. Ich kenne nur Feinde." Trotz der eisigen Kälte in der kahlen Stube standen chm kleine Schweißtropfen auf der Stirn:
Der Gelehrte schüttelte den feinen grauen Kopf. „Dann wären Sie ein armer Mensch, Herr Drauf Aber —" auf das Bild auf der Staffelei weisend — „wer das malen konnte, ist reich. Dürftigen Seelen versagt sich die Kunst."
(Fortsetzung folgt!)


