Ausgabe 
6.2.1936
 
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Ur.31 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Donnerstag. 6. Zebruar 1936

Werkschutz gegen Lustangriffe

Von Oberregierungsbaurat Lösten, Neichslufffahrtministerium

Werkschutz gegen Luftangriffe.

Luftangriffe werden vornehmlich die Zerstörung der Wehrmöglichkeit und Schlagkraft, d. h. die Zerstörung der Industrie und der Wirtschaft eines Boltes zum Ziele haben. Für den industriellen Luftschutz sind darum folgende Maßnahmen zu treffen:

1. Grundsätzliche Ordnung und Aufteilung der industriellen Erzeugung.

2. Richtige Wahl des Standortes.

3. Auflockerung bestehender Anlagen und Auf­bau neuer Anlagen.

4. Ordnung des Werkbetriebes (Auflockerung der Arbeitsgänge).

5. Schutz gegen Sicht (Verdunkelung, Tarnung).

6. Schutz der Gefolgschaft und der Einrichtungen. 7. Sicherstellung der Versorgung.

Ordnung und Aufteilung derErzeugung

Es wird Hauptaufgabe einer weitgehenden Raumordnung durch Reichs- und Landesplanung fein, den deutschen Raum und die deutsche Wirt­schaft so zu ordnen, daß bei allen sich hierbei ergebenden Einzelausgaben Lösungen gefunden werden, durch die eine luftschutztechnische Gesun­dung, also eine weitgehende Minderung der Luftempfindlichkeit der deutschen Wirtschaft mit Sicherheit erreicht wird. Das bedingt industriell gesehen, daß wichtige Wirtschafts- oder Erzeugungsoorgänge nicht nur an einer Stelle durchgeführt werden, sondern daß nach Möglichkeit mengenmäßig und nach Leistung gesehen eine über den ganzen deutschen Raum ver­teilte gleichmäßige Erzeugung erreicht wird, so daß bei Ausfall oder Abschnürung der einen oder anderen Erzeugungsstätte nicht die gesamte Er­zeugung eines Industriezweiges zum Erliegen kommt oder auch nur unerträglich herabgemindert wird.

Die Forderungen des Luftschutzes sind daher so ab­zustellen, daß die Richtung der weiteren Entwick­lung im deutschen Raum bewußt und grundlegend beeinflußt wird, daß aber das erstrebenswerte Ziel nicht um den Preis einer sinnlosen Einengung des natürlichen Spieles der Wirtschaftskräfte erkauft wird.

Nichtig» Wahl des Standortes

Bereits bei der Wahl des Standortes einer wich­tigen Erzeugungsstätte muß versucht werden, be­sonders luftgefährdete Lagen zu ver­meiden. Als solche gelten z. B. benachbarte Indu­strie- und Versorgungsbetriebe sowie auch solche Orte, die durch ihre Geländegestaltung oder andere hervorragende Kennzeichnung leicht auffindbar sind. Es dürfte außer allem Zweifel sein, daß die Errichtung neuer Industrieanlagen innerhalb von Wohnsied­lungen zu vermeiden ist, umgekehrt bleibt zu for­dern, daß neu anzulegende Siedlungen nicht an bestehende Industrieanlagen herangebracht werden. Es muß also immer mehr eine klare Trennung zwischen Industrie- und Wohngebie- t e n erstrebt werden.

Je mehr sich die Industrieanlagen über das ganze Land verteilen, um so sicherer ist die gesamte Erzeugung vor den schädigenden Wirkungen von Luftangriffen.

Auflockerung und Neuaufbau von Anlagen.

Bei Neuanlagen von Jndustriewerken ist die Schaffung einer gewissen Luftunempfindlichkeit ver­hältnismäßig einfach, da man die Lustfchutzerfor- dernisse gleich bei der Planung und Einrichtung mit berücksichtigen kann. Den für den Betrieb be­nötigten umbauten Raum wird man unter Aufgabe der Aufteilung eines Werkes in mehrere Arbeits­gänge, nicht durch wenige große, sondern durch die

Anordnung zahlreicher gedrängter und kleiner Ein­zelbauten und -einrichtungen schaffen. Die Abstände der einzelnen Bauwerke von einander sollen mög­lichst groß fein. Die Bauwerke selbst sind in bau- konstruktiver Hinsicht weitgehend zu sichern, was durch zweckmäßige Konstruktions- und Werkstoff­auswahl ohne weiteres auch wirtschaftlich erreichbar sein wird. Die gesamte Anordnung einer Neuan­lage soll so getroffen werden, daß kein ausgespro­chenes Flächen- oder Reihenziel für den feindlichen Flieger entsteht. Durch größtmögliche Anpassung an die Umgebung und Unauffälligkeit aller Gebäude und Einrichtungen kann versucht werden, Zweck und Art der Anlage nicht zum Ausdruck zu bringen. Muß ausnahmsweise auf eine bauliche Auflockerung verzichtet werden, so ist das Werk wegen der erhöhten Gefährdung in baukonstruk­tiver Hinsicht besonders stark zu sichern. Bauwerke, in denen feuergefährliche Stoffe getagt oder bear­beitet werden, sind von den übrigen Anlagen be­sonders zu trennen.

Ordnung des Werkbeinebes.

Zur Minderung ihrer Luftempfindlichkeit sollte eine Werkanlage möglichst aufgelockert werden. Die betriebliche Auflockerung muß dahin führen, daß nicht nur ein Hauptarbeitsgang vor­handen ist, sondern daß mehrere voneinander ge­trennte, in sich geschlossene Arbeitsvorgänge vor­gesehen werden. Damit wird erreicht, daß bei Aus­fall einzelner Teile der Anlage nicht der gesamte Betrieb und die gesamte Erzeugung des Werkes, also nur ein Teil der Arbeit zum Erliegen kommt. Diese Forderung stellt gerade dem Betriebsinge­nieur eine neuartige Ausgabe.

Schutz gegen Sicht.

Eine völlige Tarnung unserer Industrieanla­gen werden wir nicht schaffen können. Wir müs­sen mit den gegebenen Verhältnissen rechnen und das zu erreichen suchen, was möglich ist. Durch Ausnutzung .der in der Landschaft vorkommen­den Geländeeigentümlichkeiten, durch Hineinfügen und -fühlen in der Umgebung und Anpassung an die natürliche Beschaffenheit des Bodens, wird man einen gewissen Schutz der Bauwerke und Anlagen so erreichen, daß eine besondere Auffälligkeit ver­mieden und dadurch eine schnelle und leichte Orien­tierung für den Angreifer vermieden wird. Dieses Anpassen an die Umgebung muß durch richtige Auswahl der Form- und Farbgebung aller Gebäudeteile durch Ausschaltung der Spiegelung der Fenster und Wandflächen, durch Auflockerung der Schlagschatten der Gebäude ergänzt werdey. Die Ausnutzung der in der Natur vorhandenen Deckungsmöglichkeiten und das reichliche Einfügen von Baumbestand und Anpflanzungen kann den Zusammenhang einer Anlage völlig verwischen. Die Baumbepflanzung ist überhaupt eine der billigsten und zugleich wirksamsten Luftschutz­maßnahmen.

Auch die Größe der Einzelbauten ist mitbestim­mend für ihre Sichtbarkeit. Kleine Gebäudeabmes­sungen sind anzustreben. Langgestreckte und schmale Grundrißformen sind quadratischen Grundrißfor­men vorzuziehen. Die Umfriedung ist unauffällig zu gestalten, ebenso Anschlußgleise und Werk­straßen.

Bei Nacht wird nur eine einwandfreie Verdunkelung einen ausreichenden Schutz bieten. Gerade bei der sorgfältigen Durchführung aller Ausdrucksmaßnahmen ist die Sicherheit einer Industrieanlage und ihrer Umgebung bei Nacht im höchsten Maße, abhängig.

Schutz der Gefolgschaft.

Ein ausreichender Schutz der Gefolgschaft (aktive und passive) vor den Wirkungen des Luftangrif­

Die ORetfe zur Marienburg Von Werner (^cbumann

Wie groß ist Deutschland?! Welches Leben reicht denn aus, es zu durchschreiten und ganz zu er­gründen? Zwischen den Meeren im Norden und den Bergen im Süden, zwischen der Einsamkeit Masurens und des Breisgaus weinfröhlicher Frucht­barkeit liegt dieses wilde und milde, das stille und brausende Deutschland; eine Winzigkeit nur auf dem Globus, aber eine unermeßliche Welt für das sehnsüchtige Herz. Wer aber einen kleinen Teil davon, ein Tal oder einen Kirchturm oder eine Burg, mit allen Sinnen erlebt, der gewinnt sie vollends.

Es ist noch nicht lange her, als Turner gen Ost­land fuhren, alte und junge Turner und Turnerin­nen aller deutschen Gaue und Zungen, aus den Wäldern Thüringens kamen sie und dem Mans- feldischen, von den Seen der Kurmark und den Mooren des Emslandes, Hamburger Jungen, bay­rische Mädels und Berliner eine große, fröhliche Familie, die eine lange Ostseereife unternahm.

Und jedweder lebte seinem heimlichen Traum... Frag den, frag jenen: worauf freust du dich am meisten, Kamerad? Auf dasBlutgericht" in Kö­nigsberg! Und du, kleines blasses Mädel? Auf die Bernsteinküste! (Und ihre Hände spielen unsichtbar mit der gelben Ambra). Du mit den sinnenden, ernsten Augen, was zieht dich denn am stärksten nach Ostpreußen? Die Vögel, sagt er, die Vogel­schwärme von Rosfitten! (Sein Vater ist em be­kannter Ornithologe). Viele wollen nichts als die Ferne die blaue rätselhafte Ferne hinter den Ho­rizonten, die sich grau auf das mövenuberrauschte Wasser senken. . ., .

Doch war eine unter ihnen, em älteres, unschein­bares Fräulein, und von ihm, dessen graue, un­ruhige Augen soviel verrieten, soll fortan Die Rede sein. Man wußte zunächst nur, daß die altjüngfer­liche Reifeqenosfin als Lehrerin irgendwo in Nieder­sachsen amtierte. Warum sie sich immer so allem hielt, die halbe Nacht in ihrem Lodenmantel auf Deck herumspazierte, an der Reelmg halblaute Selbstgespräche führte "und dann und roann m einem Brevier las, wobei der Zwicker besorgnis­erregend auf dem sehr schmalen Nasenrücken balan­cierte das blieb einige Zeit vielbetuscheltes Ge­heimnis. Doch die Neugier der jungen,, müßigen Seefahrer ließ nicht locker, und bald war s heraus, daß das zierliche, vielleicht 50jährige Persönchen sich seit unvorstellbar langer Zeit auf diese Reise nach Osten vorbereitet hatte. Die Einspännern! stammte aus der früheren Tucheler Heide. Der Vater seines Zeichens Baumeister, hatte das einzige Kind nach

dem frühen Tode feiner Frau zu Verwandten nach Mitteldeutschland geschickt, wo es auch ihre Berufsaus­bildung empfing. Das lag Jahrzehnte zurück, und nun fuhr sie zum ersten Male in die alte Heimat.

Mancherlei Baumeister gibt es auf dieser Welt. Viele sind berufen die wenigen Auserwählten aber haben etwas vom 'Glanz und Geist des gro­ßen Meisters Erwin von Steinbach, der vor Jahr­hunderten das Straßburger Münster mit erbauen half. Solcher Art also war ihr geliebter und hoch­verehrter Vater, erzählte die langsam gesprächiger werdende Lehrerin mit brennenden Augen auf der Reise nach Kopenhagen, wer unter ihren jungen Gefährten könne denn auch wissen, daß er in den Jahren nach 1900 an der umfangreichen Renovie­rung des Deutschordensschlosses in Marienburg, die­ser gewaltigsten europäischen Burg, habe mitwir­ken dürfen? Purch tausend wundersame Erzählun­gen, die alle um sein Bauwerk kreisten, habe er ihr unbefangen-heiteres Kindfein für das Ueberragenbe und Ewige aufgeschlossen. Und noch heute, nach über 35 Jahren, bewege sie in ihrem Innern des Vaters plastische Abendgespräche, wenn er nach wochenlanger Abwesenheit heimkam zu den Seinen, noch heute wandle sie wie im Traum an seiner sicheren Hand auf des Schlosses Zinnen und höre sein Wort, das ihr das.Tiefste und Höchste offen­bart hätte. Das Auge, so wußte er zu berichten, schweife vom hohen Schloßturm tief ins deutsche Land, ja bis zum Schornstein ihres Häuschens in der Tucheier Heide. Das Schloß rage in die Wolken, es beherrsche die Erde. Von den jahrtausendtrotzen­den Mauern erzählte der begnadete Mann, von der schwingenden Fülle der Turme und Pfeiler und Portale, von der Bogenpracht im Großen Remter des Hochmeisterpalastes, den wandernden Sternen über der nachtschwarzen Trutzburg, da Winrich v. Kniprode in weißem Mantel mit schwarzem Kreuz die Jahrhundertwacht halte, und endlich auch von Max von Schenkendorf und dem großen Karl Fried­rich Schinckek, denen die Erhaltung der Burg im deutschen Osten vornehmlich zu danken sei.

So wurde dem lauschenden und erregten Kinde die Marienburg zur himmlischen Feste, die unge­heuer das Meer überschattete. Und hingerissen von des Vaters entflammender Phantasie war es heim­lich auf das Dach des Elternhauses geklettert, nicht unähnlich einer Traumwandlerin, die eine magische graft aus der Ferne anzieht. Aber allzu weit war die Burg, unerreichbar für das einsame Heide­kind. Das Schicksal hatte es mit der bald darauf Mutterlosen anders vor, entführte es hierhin und dorthin im deutschen Land und fachte doch nur eines immer mächtiger in der jungen Erzieherin an: die Sehnsucht nach der allen Burg am Meer.

fes ist sicherzustellen. Grundsätzlich gehören die Schutzeinrichtungen für die Gefolg­schaft in allernächste Nähe der Arbeitsstätte. Bei ihrer Anlage ist zu berücksichtigen, daß sie keines­falls unwirtschaftlich gestaltet werden dürfen. Sie müssen jederzeit im Frieden in irgendeiner Form für den Betrieb Verwendung finden können.

Die Maschinen- und Kesselhäuser, meistens die wichtigsten Teile der Anlagen zur Aufrechterhal­tung des Betriebes, sollten nicht im großen zusam­mengefaßt werden. Diese Anlagen sind möglichst zu unterteilen, so daß bei Zerstörung eines Teiles der Betrieb nicht völlig zum Erliegen kommt. Ebenso werden die Schalt- und Fernsprecheinrich­tungen in ihrer ganzen Bauweise und Anordnung aufgelockert und besonders widerstandsfähig einge­baut werden müssen.

Sicherung

der Energie- und Wasserversorgung.

Die Sicherstellung der Versorgung mit Elektrizität, Gas und Wasser ist von allergrößter Wichtigkeit. Die Versorgung muß so aufgebaut werden, daß bei Ausfall einer Stelle die gesamte Betriebsversorgung durch Reseroequellen oder -anschlüsse gesichert bleibt. Daher sind zumindest die lebenswichtigen Anlagen für die Versorgung

und die dazu erforderlichen Betriebsmaßnahmen sorgfältig auszuwählen und auszubauen. Wichtige Anlagen sind luftgeschützt unterzubringen. Die Ver­sorgungsleitungen für die Elektrizität, Gas, Wasser, heißes Wasser, Dampf usw. sind zu schützen, wobei alle Leitungen durch Anwendung von Ring- ober mehrfachen Anlagen und wiederholte Absperrvor^- rid)hingen leicht ausschaltbar, umleitungsfähig und auswechselbar sein müssen. Der W e r f l u f t- schütz.muß mit den für die Sicherheit und Versor­gung zuständigen Stellen eng zusammen arbeiten, um alle Fragen auf diesem Gebiet klären zu können.

Unsere deutsche Technik ist weit genug fortge­schritten, um die Ausgaben, die der Luftschutz stellt, auch in befriedigender wirtschaftlicher Weise lösen zu können. Die notwendigen Maßnahmen für den Luftschutz sind unverzüglich durchzuführen, da die moderne Luftwaffe praktisch gesehen im Frieden mobil ist und jederzeit zum Einsatz gebracht wer­den kann. Dann einsetzende Maßnahmen wären verfehlt, denn sie kommen zu spät oder sind nicht mehr durchführbar. Opfer, die diese Vorbereitungen verlangen, müssen gebracht werden. Ein Volk, das nicht bereit ist, mit jedem Einsatz unter Opferlei­stungen feine Güter zu schützen, ist nicht wert, diese Güter zu besitzen.

Aus der Proviuzialhaupistadt.

Am 9. Februar ist Eintopfsonntag!

Es ist schon viel über den Eintopf geschrieben worden. Der Sinn dieses Tages ist jedem bekannt. Aus den stetigen Sammelergebnissen kann man immer wieder die erfreuliche Feststellung treffen, daß der arößte Teil des deutschen Volkes diesen Tag in feiner Notwendigkeit begriffen hat und offenen Herzens feine Spende gibt. Es weiß jede Familie, daß sie dem deutschen Volke dient, roenp sie am Eintopfsonntag ihr schlichtes Mahl ein» nimmt. Die Wett bewundert uns darum! Und dennoch gibt es eine Anzahl von Volksgenossen, die aus dem Wiederaufleben der deutschen Wirt­schaft ihre Vorteile zu ziehen wissen, den nötigen Dank aber schuldig bleiben. Es müßte für sie be­schämend sein, daß ihre Mitmenschen, die nur einen kargen Lohn verdienen, ihr freiwilliges Opfer bringen, daß sie selbst aber die Helfer des Winter­hilfswerks mit einer Ausrede abweisen. Mögen diese Volksgenossen in sich gehen und einsehen, wie undeutsch und undankbar sie bisher gehandelt haben. Ohne das persönliche Opfer jedes einzelnen ist es nicht möglich, die Kraft unseres Volkes zu er­halten. Darum erkenne auch du, daß dein Opfer dazu beiträgt, den Bestand deiner Existenz zu sichern und handle danach.

Dornotizen.

Tageskalender für Donnerstag.

NSG.Kraft durch Freude":Wissenschaft im Dienst am deutschen Volk": 20.15 Uhr im Kunst­wissenschaftlichen Institut Vortrag von Professor Dr. Dietz überDeutsches und Römisches Recht". Sportamt: 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr (nur für Frauen) fröhliche Gymnastik im Lyzeum; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. Gloria- Palast, Seltersweg:Der höhere Befehl". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Der Klosterjäger". Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brand­platz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung von Gemälden von Josef Steib, Berlin.

Der GoetheVund Gießen und Kaufmännische Verein Gießen

bitten uns, auf den am morgigen Freitagabend stattfindenden Lichtbildervortrag von Kurt Hielscher Die nordischen Länder" an dieser Stelle nochmals besonders hinzuweisen. (Siehe heutige Anzeige.)

Eindrucksvolle Ehrung für Seh.-Ral Professor Dr. Pfeiffer.

Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns berichtet:

Am 1. Februar veranstalteten die Studierenden der Veterinärmedizin imSchützenhaus" einen Fachschaftsabend als Abschiedsfeier für den aus dem Amt geschiedenen Geheimen Medizinalrat Pro­fessor Dr. phil. et weck. vet. h. c. Wilhelm Pfeiffer. Die Fachschaft sprach durch ihren Leiter cand. weck. vet. Sälzer ihrem hochge­schätzten Lehrer aufrichtigen Dank und stete Ver­ehrung aus. Für die Gießener Studentenschaft tat das gleiche der neuerannnte Studentenschaftsführer stuck, weck. vet. Albert Frank, und beide Spre­cher überreichten sinnvoll gewählte Erinnerungs­gaben.

In einem geschichtlichen Vortrag von Professor Dr. Schauder über die Entwicklung der Vete­rinärmedizin an der Universität wurde bargelegt, welchen wertvollen führenden Anteil Professor Dr. Pfeiffer mit seiner Berufung an die Universität 1899 als Reorganisator des einst nur kleinen Ve­terinärinstituts und des Tierspitals hat, das seit­dem in stetem Aufstieg sich während der letzten drei­einhalb Jahrzehnte zur heutigen voll ausgebauten und gern aufgesuchten Veterinärmedizinischen Fa­kultät der Universität Gießen entwickelt hat.

Der Gauobmann der Tierärzte für Hessen-Nas­sau, Dr. Wirth, sprach tiefempfundenen Dank der zahlreichen Schüler Professor Pfeiffers aus, deren Können im praktischen Beruf auf der gediegenen wissenschaftlichen Ausbildung an der Universität beruht. Humorvoll feierte Professor Dr. Jakob den scheidenden Kollegen. Der Rektor der Universität, Professor Dr. Pfähler, dankte Herrn Pfeiffer für feine Verdienste um die Universität, und der Dekan der Veterinärmedizinischen Fakul­tät, Professor Dr. Küst, sprach nochmals deren Dank aus, wünschte dem Emeritus einen schönen Lebensabend und bat ihn, der Fakultät feinen er­fahrenen Rat auch weiterhin zu gewähren. Er hob die Bedeutung der Veterinärmedizinischen Fakultät für die Universität und die des tierärztlichen Be­rufes für die so wichtige Erzeugungsschlacht hervor und brachte auf Führer und Volk Sieg-Heil zum Gruß aus. Geheimrat Professor Dr. Sommer sprach in launiger Art über geschichtliche und wis-

Wenn man älter wird, beschränkt sich, was wir vom Leben erhoffen, weise auf Weniges.

Die Lehrerin hatte, wie sie ihren jungen Freunden lächelnd eingestand, nur noch einen Wunsch. Dem Deutschordensschloß im Osten des Vaterlandes, dem sie entstammte, habe ihr Herz ein Leben lang immer begehrlicher entgegengeschlagen. Bald sei sie ja am Ziel, und sie wisse, daß sich damit ihr Dasein er­fülle.

Alle fühlten: hier wurde Heimat zur Gottes­flamme. Und niemand spöttelte mehr nach der Er­zählung der kleinen Lehrerin, als der Dampfer mit den anderthalbtaufend Menschen sich der Dan­ziger Bucht näherte.

Freilich wurde sie auch bald wieder vergessen. Des Meeres, der Küsten und Städte wechselnde Bilder lassen der schweifenden Jugend nicht Zeit, einem Einzelschicksal lange nachzusinnen.

Winde und Wellen, das schrille ha-ha-ha der Sturmmöoen und der scharfe Salzwassergeruch durch­schauerten die Reifenden, die sich anschickten, das alte Danzig zu durchstreifen. Auch die Lehrerin war dabei, unermüdlich, doch hatte ihre Lustigkeit etwas Nervöses, ja Gewaltsames auf dieser letzten Wegstrecke vorm Ziel.

Der Tag brach endlich an, der die Marienburg verhieß. Wer mochte wissen, wie die Lehrerin die letzte Nacht verbrachte? Sie wanderten und labten sich, sie staunten und plauschten, sie waren alle guter Dinge.

Lange vor dem Weckruf war sie schon auf den Beinen, die erste am Frühstückstisch, ein wenig blasser und wortkarger als gewöhnlich. Alle fangen und sie fang mit.

Anderthalb Tausend wallfahrten zur Marienburg und sahen nicht, daß eine unter ihnen immer stiller, feierlicher wurde, daß ihre grauen, unruhigen Augen sich weiter auftaten und von ihren trockenen Lippen manchmal Worte fielen, die vielleicht aus der Tiefe der Kindheitserinnerung emporgestiegen waren. Stumm und glühend saß sie da in ihrem grünen, abgetragenen Lodenmantel. Keiner störte sie in ihrer schweigenden Versunkenheit.

Plötzlich aber, wie auf ein geheimes Signal hin, starrten sie die Nächstsitzenden an. Und was sie in wundersamem Erschrecken erlebten, war dies:

Die Lehrerin sieht im Schimmer des Mittags das hochgetürmte Steingebirge der Marienburg, die sich in ihrem glühenden Auge spiegelt, bis es lang­sam bricht und die Feste, während ihr Mund mit den ein wenig vorgewölbten Lippen in diesen Augenblicken der höchsten Lust stumm bleibt, mit hinabnimmt in den ewigen Schlaf.

Eine Tote ist unter den Ostlandpilgern. Eine Tote, die nicht Furcht verbreitet, sondern nur die

Worte dämpft und den Schritt, der durch die Hallen, Säle und Verließe wandelt.

Fünf Jahrzehnte sind gewesen wie eine einzige Minute der Vorfreude. Kann ein Dasein schöner sein? Ein Vogel war ihr Herz, der sich, als es Abend werden wollte, zum letzten Flug auf die Zinnen des Wunschschlosses kühn erhob und bann zur Tiefe stürzte.

Wie groß ist Deutschland! Ein Leben reicht nicht aus, es zu durchschreiten und ganz zu ergründen. Wer aber einen kleinen Teil davon liebt mit ganzer Seele, der gewinnt es vollends. Diese hier, unbe­kannte Lehrerin, ist auf eine selige Weise mit ihrer Lebensreise zu Ende gekommen.

Kunst und Wissenschaft.

Der Vibelüberseher D. Dr. Hermann Menge 95 Jahre alt.

In Goslar am Harz, der Stadt der Reichs­bauerntage, wo er in stiller Zurückgezogenheit sei­nen Lebensabend verbringt, feiert der greife Ge­lehrte und hervorragende Verdeutsche der Heiligen Schrift, Gymnasialdirektor i. R. D. Dr. Hermann Menge, am 7. Februar feinen 95. ®eb urts« t a g. Seine vor zehn Jahren herausgekommene Bibelübersetzung gehört zu den bedeutendsten Lei­stungen, die je ein deutscher Gelehrter heroorge- bracht hat. Die Menge-Bibel, die in fast 200 000 Exemplaren verbreitet ist, hat besonders den Vor­zug, daß sie ein sehr schönes und klares Deutsch aufweist, was die Lektüre zu einem hohen Genuß macht; auch zeichnet sie sich aus durch ihre unbe­dingt zuverlässige Treue gegenüber dem Grund- text und durch eine sehr sinnvolle Gliederung des Schriftwortes. Dem Leser kommt außerdem noch sehr zu statten ein von der Bibelanstalt in Stutt­gart herausgegebener und dem wertvollen Buch beigefügter Anhang, der treffliche Anregung gibt zum eigenen Forschen in der Bibel. Trotz seines yohen Alter ist D. Menge von solcher geistigen Frische, daß er täglich noch mehrere Stunden an seinem Werke arbeitet, um es immer weiter zu verbessern. Das deutsche Volk hat allen Grund, am 7. Februar dieses einzigartigen Sprachgelehr­ten in Dankbarkeit zu gedenken mit dem Wunsche, daß seine treue Arbeit am Buch der Bücher auch weiterhin gesegnet bleiben möge. D. Dr. Menge hat übrigens einen Teil seines arbeitsreichen Le­bens in unserer hessischen Heimat zugebracht unB zwar in Mainz, wo er in den 80er und 90er Jah­ren des vorigen Jahrhunderts als Direktor am Herbst-Gymnasium tätig war. Darum bringt ihm auch das Hessenvolk zu seinem 95. Geburtstag auf­richtige Glückwünsche dar.