sollte. Diese Schuhtruppe zählte nur 16 000 Mann, während die englisch-belgische Streitmacht etwa 100 000 Mann betrug und auch in technischer Hinsicht *ben Deutschen turmhoch überlegen war.
Aber trotz dieser erdrückenden Uebermacht gab sich die Kolonie noch immer nicht geschlagen: es entbrannte ein erbitterter Kleinkrieg, der zahllose Opfer forderte, und bei M ah iw a errang Lettow- Vorbeck in den Tagen vom 15. bis zum 18. August 1917 noch einmal einen vollständigen Sieg über die Engländer. Trotzdem mußte er am 25. November 1917 nach Portugiesisch-Ostafrika übertreten, wo er eine Reihe von glänzenden Erfolgen erfocht. Er kehrte dann nach Deutsch-Ostafrika zurück und wandte sich am 1. November 1918 nach Rhodesien. Erst auf Befehl der Reichsregierung streckte er am 14. November die Waffen.
Mit diesen heldenhaften Kämpfen wird der Name des letzten Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika für alle Zeiten untrennbar verbunden bleiben. Zu welchen schwerwiegenden Konflikten es kommen kann, wenn ein Volk nicht den notwendigen Lebensraum besitzt, ersieht man heute besonders deutlich am abessinischen Beispiel. Es sind Konflikte, die sich zwangsläufig aus gewissen Störungen und Verschiebungen des europäischen Gleichgewichts ergeben. Das neue Deutschland ist fest entschlossen, diesen Konflikten fern zu bleiben, aber es hat seit jeher das moralische Recht gehabt, sich gegen Vorwürfe zu verteidigen, die durch feine erfolgreiche Kolonialpraxis einwandfrei widerlegt sind.
Oie Deutsche Reichsbahn im Dezember 1935.
Fwd. Nach den vorläufigen Ermittlungen sind im Dezember 1935 insgesamt 318,3 Mill. RM. Einnahmen aufgekommen, davon 195 aus dem Güterverkehr und 84,2 aus dem Personen- und Gepäckverkehr. Der Personen- und Gepäckverkehr brachte gegen Dezember v. I. eine Mehreinnahme von 6,1 Mill. RM., der Güterverkehr eine solche von 20,9 Mill. RM. Die vorläufigen Abschlußzahlen für die Einnahmen des Geschäftsjahres 1935 weisen tm Vergleich zu 1934 beim Personen- und Gepäckver- kehr eine Steigerung um 72,7 Mill. RM., beim Güterverkehr von 184,3 Mill. RM. und bei den sonstigen Einnahmen von 1,7 Mill. RM. auf, so daß die Gesamteinnahmen eine Erhöhung um 258,7 Mill. RM. zeigen, lieber die Entwicklung der Aus- gabeergebnisie im Dezember 1935 kann im Hinblick auf die im Gang befindlichen Jahresabschlußarbei- ten noch fein vollständiges Bild gegeben werden.
Die Bautätigkeit im Jahre 1935.
FWD. Wie das Statistische Reichsamt im neuen Heft von „Wirtschaft und Statistik" mitteilt, zeigt der Wohnungsbau in den Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern im Jahre 1935 ein wesentlich anderes Bild, als im Vorjahr Bauerlaubnisse (146 000) und Baubeginne (136 000) haben zwar zugcnommen, die Bauvollendungen (141 000) jedoch um 17 v. H. abgenommen. Darin kommt der Rückgang der Umbautätigkeit zum Ausdruck. Die im November 1935 für Umbauten neu zur Verfügung gestellten Mittel konnten sich bis zum Jahresende nicht mehr auswirken. Durch den Ausfall von Wohnungsumbauten haben die Bauvollendungen in den Großstädten — 83 000 (1934 = 99 000) — besonders stark abgenommen. In den Mittelstädten hat sich die bisher beobachtete ruhige Entwicklung
ziemlich unverändert fortgesetzt, während in den Gemeinden mit 10 000 bis 50 000 Einwohnern die Bauvollendungen etwas stärker zurückgingen, weil weniger Kleinsiedlungswohnungen erstellt wurden.
In den Groß- und Mittelstädten wurden 96 000 Wohnungen fertiggestellt (15 v. H. weniger als 1934). Die Zahl der durch Umbauten usw. dem Wohnungsmarkt zugeführten Wohnungen war um 55 v. H. geringer, als im Vorjahr. Der gesamte Reinzugang an Wohnungen in den Groß- und Mittelstädten belief sich auf 84 000 (1934 94 000).
Die Abnahme der Umbauten konnte durch die um 21 v. H. gesteigerte Neubautätigkeit teilweise ausgeglichen werden. Oeffentliche Mittel wurden nur noch bei 37 v. H. (1934 — 44 v. H.) der Wohnungsneubauten zu Hilfe genommen. Der Bau von Nichtwohngebäuden machte in den Groß- und Mittelstädten gegenüber dem Vorjahr beträchtliche Fortschritte.
Aus aller Wett.
Der Seefeld-Prozeß.
Das Schweriner Schwurgericht nahm bei Lübeck, wie bereits gemeldet, eine Besichtigung des Ortes vor, an dem die Leiche des damals neunjährigen Schülers Hans Korn aus Lübeck gefunden wurde. Seefeld muß zugeben, daß er schon mehrmals in derselben Schonung übernachtet hat, in der die Leiche gefunden wurde. Zwei Jungen, die xu dem Lokaltermin als Zeugen geladen worden find, werden Seefeld gegenübergefteüt. Sie bekunden, daß der Angeklagte derselbe Mann sei, der versucht hätte, sie in die 'Schonung zu locken. Den Jungen kam die Sache aber unheimlich vor. Sie liefen davon.
Nach der Besichtigung des Tatortes fuhren die Prozeßbeteiligten nach Lübeck. Der Bruder des toten Korn, ein dreizehnjähriger Schüler, übernahm die Führung bis zu der Stelle, an der er aus einiger Entfernung feinen Bruder zusammen mit einem älteren Mann zum letzten Mal gesehen hat. Es kann aber nicht genau festgestellt werden, ob Seefeld dieser Mann war.
Hierauf wurde im Polizeipräsidium die 71jährige Frau Katharina Seefeld vernommen. Sie erklärte sich bereit, in Abwesenheit des Angeklagten auszusagen. Die Zeugin betonte, daß sie seit über 40 Jahren den Angeklagten nicht mehr gesehen habe. Nur einmal habe sie von ihrem Sohn Paul gehört, daß ihn ein Mann in Lübeck mit den Worten „Du kommst jetzt mit mir, ich bin Dein Vater!" angesprochen habe. Durch das Dazwischentreten eines anderen Jungen wurde Seefeld verhindert, den Jungen mitzunehmen. Vor 26 Jahren wurde die Ehe, als Seefeld im Zuchthaus faß, wegen feines lasterhaften Lebenswandels geschieden.
Seefeld wurde darauf in das Zimmer geführt. Während die Frau ihm den Rücken zudreht, gibt ihm der Vorsitzende ihre Aussage bekannt. „Ich habe dazu nichts zu sagen", war die einzige Antwort des Angeklagten.
Am Donnerstag wird in Schwerin die Beweisaufnahme im Mordfall Zimmermann durchgeführt.
Der Streif auf dem Londoner Fleischmarkt.
Die Morgenblätter in London sprechen die Erwartung aus, daß der Strei kauf dem Londoner Fleisch markt in den nächsten Tagen zusammenbrechen werde. Durch die rasche Organisation eines Streikausschusses und durch die Er
richtung von Fleischlagern in den Bahnhöfen Unb Dockanlagen fei dem Streik die Spitze abgebrochen worden. Die Arbeitgeber erklären nach wie vor, daß sie die Lohnforderungen der Streikenden erst erwägen wollen, wenn diese zur Arbeit zurückkehren. Man hoffe nunmehr, daß der Streik spätestens am Wochenende abgeblasen wird.
Nachwuchsfahrer heydel tödlich verunglückt.
Bei den augenblicklich stattfindenden Uebungsfahr- ten der Autounion auf der Monzabahn bei Mailand ereignete sich ein Unglücksfall, dem der junge Nachwuchsfahrer Heydel zum Opfer fiel. Heydel, der im Herbst bei der Nachwuchsfahrerprufung auf dem Nürburgring aufgefahren war, faß zum ersten Male wieder feit dieser Zeit am Steuer des Uebungswagens und kannte die Monzabahn noch nicht. Er hatte deshalb Anweisung zu langsamem und vorsichtigem Fahren. Trotzdem scheint er allzu draufgängerisch gefahren zu haben. Man fand ihn in einer am Wald liegenden Kurve der Bahn mit schweren Verletzungen auf, denen er bei der Ueberführung ins Krankenhaus erlag. Der Wagen war schwer beschädigt. Der Fahrer scheint mit zu großer Geschwindigkeit die ihm noch nicht genügend bekannte Kurve genommen zu haben, so daß er den Wagen nicht mehr hatte abfangen können und mit dem Wagen aus der Bahn geschleudert wurde. Heydel war 24 Jahre alt und feit 1930 im Werk Horch der Autounion tätig. Er wurde wegen seiner Begabung 1934 als Volontär für die Rennabteilung übernommen. Der deutsche Sport verliert mit ihm einen der hoffnungsvollsten Nachwuchsfahrer.
Zwei Offiziere und ein Gefreiter tödlich verunglückt.
Zwischen Staaken und Döberitz' ü b e r f u h r ein Vorortszug zwei Offiziere, einen Feldwebel und einen Gefreiten, die im Anschluß an eine Felddienstübung den Bahnkörper betraten. Die beiden Offiziere und der Gefreite sind getötet, der Feldwebel ist schwer verletzt und schwebt in Lebensgefahr. Es handelt sich um Angehörige der ersten Kompanie des Wachregiments Berlin.
Ein Bruder des ehemaligen Bizepolizeipräfidenlen von Berlin zu Gefängnis verurteilt.
Nachdem sich vor kurzem der Schwager des früheren Berliner Vizepolizeipräsidenten Dr. Bernhard Weiß in einem großen Verficherungsbe- trugsprozeß als Hauptangeklagter zu verantworten hatte, stand jetzt fein Bruder Konrad Weiß vor der 15. Großen Strafkammer des Berliner Landgerichtes. Der Angeklagte wurde wegen versuchten Verbrechens gegen § 175 StGB, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte sich im Oktober v. I. in einem Kino an einem 18- jährigen jungen Menschen herangemacht, um ihn für feine homosexuellen Zwecke zu gewinnen. Er kam aber an die falsche Adresse. Der junge Mann lehnte die unerhörte Zumutung mit Entrüstung ab und erstattete Anzeige.
hohe Zuchlhaussirafen für Hochverräter.
Dor dem in Essen tagenden ersten Senat des Volksgerichtshofes des Deutschen Reiches hatten sich sieben Angeklagte zu verantworten, die des Verbrechens der Vorbereitung zum Hochverrat durch Herstellung und Verbreitung von Druckschriften hochverräterischen Inhalts sowie durch Einführung solcher Schriften aus dem Auslande angeklagt waren. Der Hauptschuldige wurde wegen der Schwere seines verbrecherischen Treibens zu lebenslänglichem Zuchthaus und lebens
länglichem Ehrverlust verurteilt, drei weitere An W geklagte erhielten ebenfalls wegen Vorbereitung zum Hochverrat zwölf, zehn und acht Jahre Zucht, haus, dazu zehn bzw. acht Jahre Ehrverlust. Bei allen diesen Verurteilten wurde außerdem auf Stellung unter Polizeiaufsicht erkannt. Zwei mit» angeklagte Drucker, die fahrlässig eine Prüfung der Druckschriften bzw. eine Meldung an die Polizei unterlassen hatten, kamen mit Gefängnisstrafen von * einem Jahr bzw. drei Monaten davon. Ein Angeklagter wurde freigesprochen.
Drei Menschen verbrannt.
Jrn Danziger Werder ereignete sich ein furcht- bares Brandunglück, dem drei Menschenleben zum Opfer fielen. In einem von sechs Arbeiterfamilien bewohnten Haus in Tragheim entstand in der Wohnung des Ehepaares R o n f ch k o w s k i durch einen anscheinend schadhaften Ofen Feuer, das in kurzer Zeit das ganze Gebäude erfaßte. Während sich die übrigen Einwohner rechtzeitig in ** Sicherheit bringen konnten, gelang es dem durch das Feuer im Schlaf überraschten Ehepaar Ron- schkowski nicht mehr, sich und ihr halbjähriges Kind zu retten. Alle drei verbrannten bis zur Un- kenntlichkeit. Die übrigen obdachlos gewordenen Familien, die durch das Feuer ihre gesamte Habe ver- loren haben, wurden einstweilen im Ort untergebracht. ,
Weiterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Mit der fortgesetzten Zufuhr polar-kalter Luft hat nicht nur die Abkühlung über dem europäischen Festland weitere Fortschritte gemacht, sondern auch die Festigung und Ausdehnung des Hochdruckgebietes. Es erstreckt sich zur Zeit von Spanien bis zum Nordkap und verstärkt seinen Einfluß auf die Witterung Deutschlands noch immer, lieber Osteuropa gehen verbreitete Schneefälle nieder, die. t mit schwachen Ausläufern auch nach Deutschland übergreifen.
Aussichten für Freitag: Vielfach heiter, trocken, Fröste weiter zunehmend, schwache Luftbewegung.
Wintersport-Nachrichten.
Vogelsberg. Hoherodskopf: klar, — 8 Grad, 10 cm Gesamtschneehöhe, 4 cm Neuschnee, Pulver- / schnee, Ski stellenweise gut, Rodel mäßig.
Rhön. Wasserkuppe: Nebel, —6 Grad, 10 cm \ Gesamtschneehöhe, 4 cm Neuschnee, verweht, Ski und Rodel mäßig.
Sauerland. Winterberg: Nebel, — 6 Grad, 20 cm Gesamtschneehöhe, 8 cm Neuschnee, Pulver- schnee, Ski und Rodel gut.
Schwarzwald. Feldberg: heiter, —10 Grad, 80 cm Gesamtschneehöhe, kein Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2). 21.1.36: 11000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.
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