zuzubeißen. Es kostete jedesmal erhebliche lieber» Windung, sie nicht die spitze Zunge fühlen zu lassen.
Die Frau Senator saß im Wohnzimmer. Sie war sichtlich freudig überrascht, als Mia bei ihr eintrat.
„Ach Frau Rechberg ...! Das ist aber nett. Ich habe gerade an Sie gedacht. Sie haben sich die ganze Woche nicht bei uns sehen lassen."
„Na ja, es hat mir ja auch sehr gefehlt, Frau Senator", lächelte Mia mit bestrickender Liebeswürdigkeit. „Aber man möchte doch nicht gern lästig werden."
„Aber ich bitte Sie?" ereiferte sich Frau Eugenie. „Sie sind uns doch jederzeit willkommen."
Mia ließ sich nieder. Mia erkundigte sich mit teilnehmender Freundlichkeit nach dem Befinden der Frau Senator. Sie wußte, daß man sich deren Wohlwollen damit am leichtesten erwarb. Frau Eugenie war auch sofort in ihrem Element. Sie berichtete mit leidender Miene über ihren gar nicht befriedigenden Zustand. Es war so schön, sich wieder einmal richtig darüber aussprechen zu können; die anderen hörten ja kaum noch hin, wenn man klagte. Es tat so wohl, Verständnis und Mitgefühl zu finden. Ueberhaupt eine reizende Frau, diese Mia Rechberg! Man mußte ihr gut sein, ob man wollte ober nicht. Was Onkel Korbinian nur immer an ihr auszusetzen hatte! Der wuchs sich immer mehr zum Mucker aus. Oder es war die reine Opposition, man hatte ja immer ein bißchen Krieg miteinander. In letzter Zeit fing sogar die alte Kathrin an, aufsässig zu werden, wenn es sich um die junge Frau handelte. Man hatte ihr schon ein paarmal gehörig die Meinung sagen müssen. Es war die reine Verschwörung gegen das reizende Frauchen.
„Sie sind wohl recht viel allein, Frau Senator?" fragte Mia in bedauerndem Ton. „Kümmert sich denn Fräulein Fahrenkamp nicht ein bißchen um Sie?"
„Oh, doch! Aber immer kann sie ja auch nicht um mich sein, sie macht sich doch auch im Haushalt ein bißchen nützlich."
„Na ja ... Aber Ihre Bedürfnisse gehen doch schließlich vor. Wo steckt denn die Kleine überhaupt?"
„Sie hilft unserer alten Kathrin in der Küche. Ich kann mich ja leider so wenig um die Kocherei und das ganze Drum und Dran kümmern."
Mia zeigte ein leises, nachsichtiges Lächeln, in dem ein ebenso leiser Spott lag, aber nur gerade so viel, daß es nicht verletzend wirkte.
„Ich glaube, das kleine Fräulein wird wohl mal so ein richtiges Hausmütterchen werden", warf sie wie nachdenklich hin.
„Das glaube ich auch", gab die Frau Senator zu.
Mia hob langsam die Schultern und ließ sie wieder sinken.
„Ich habe nicht übermäßig viel Talent zu dieser Rolle. Natürlich haben solche Eigenschaften auch ihr Gutes, und es liegt wir vollkommen fern, sie etwa herabsetzen zu wollen. Aber ich glaube doch, daß nicht jeder Mann Geschmack daran findet oder wenigstens auf die Dauer davon befriedigt wird."
Frau Eugenie wußte offenbar nicht, was sie darauf erwidern sollte. Mia beugte sich plötzlich zu ihr vor:
„Bitte, verstehen Sie mich jetzt mal nicht falsch, Frau Senator, aber glauben Sie, daß Günter in der Ehe mit so einem ausgesprochenen Hausmütter- chen wirklich fein Glück finden wird?"
Einen Augenblick war es ganz still im Zimmer. Frau Eugenie faß mit geweiteten Augen da.
Um Gottes willen, Kind, Sie jagen einem ja einen richtigen Schreck ein", stammelte sie bann. Ich weiß auch gar nicht, was ich bazu sagen soll. Ich habe natürlich angenommen, baß alles in schönster Drbnung ist, benn sonst hätte Günter sich noch nicht mit Annelies verlobt. Er muß boch wissen, was er will — alt genug ist er boch. Er hatte ja auch die Wahl unter den reichsten und schönsten Mädchen der Stadt, und da er sich nun einmal für Annelies entschieden hat, muß man doch annehmen ..."
Sie stockte. Offenbar war sie aufs höchste betroffen' und beunruhigt.
Mia zuckte wiederum die Achseln.
„Soweit ich ihn kenne ..."
Frau Eugenies Augen hingen mit erregter Spannung an ihrem Gesicht.
„Kennen Sie ihn benn so genau?" fragte sie mit schwachem Lächeln, aus dem ihre ganze Hilflosigkeit sprach.
Mia schien es nicht zu bemerken. Sie ließ sich wieder zurückfinken und schlug die Beine übereinander.
„Man wird doch feine atte Liebe kennen n*i
erwiderte sie mit leisem, dunkel girrendem Auflachen.
Der Frau Senator versagte für einen Augenblick die Sprache. Mit offenen Augen starrte sie Mia an.
„Alte Liebe — sagen Sie ...?" stammelte sie dann in tiefer, ratloser Bestürzung.
Mia schien sehr verwundert.
„Ach — wußten Sie das denn nicht?"
Sie bekam keine Antwort. Da fuhr sie mit gut gespielter Verlegenheit fort:
„Oh, da habe ich mich ja schön verplappert! Das ist mir aber peinlich. Ich habe natürlich angenommen, daß Sie Bescheid wüßten ..."
Frau Eugenie war noch immer ganz außer Fassung. Sie fuhr sich mit leicht flatternder Handbewegung über das Haar.
„Keine Ahnung habe ich gehabt! Nicht die geringste Ahnung! Günter ist in persönlichen Dingen von jeher immer ein bißchen verschlossen gewesen. Ich habe gedacht. Sie wären gute Bekannte, nichts weiter. Nun allerdings wird mir manches klar. Ach, du lieber Himmel, das ist ja eine schöne Geschichte!"
Mia griff anscheinend schuldbewußt und besorgt nach ihrer Hand.
„Aber liebe Frau Senator, bitte regen Sie sich doch nicht etwa auf! Ich müßte mir ja die bittersten Vorwürfe machen, wenn ich Ihnen durch meine unbedachte Aeußerung vielleicht schaden würde. Hätte ich gewußt, daß Sie ganz ahnungslos waren: kein Wort wäre über meine Lippen gekommen. Es war ja bis jetzt auch nichts geschehen, was Sie beunruhigen könnte. Es war sogar reiner Zufall, daß wir uns auf dem Rennen wieder begegneten. Wir haben die ganzen Jahre nicht mehr in Verbindung gestanden."
Frau Eugenie brannte der Kopf. Das vertrauliche Verhältnis zwischen den beiden, Günters merkwürdiges, auffallendes Wesen in der letzten Zeit, die tiefe Niedergeschlagenheit, die sie zeitweilig an Annelies beobachtet hatte, Onkel Korbinians Andeutungen und abfällige Worte, die sie immer nur als Nörgelei angesehen hatte — das alles bekam mit einem Male ein ganz anderes Gesicht.
„Das ist ja eine schöne Geschichte!" wiederholte sie ratlos. „Was soll denn da um Gottes willen nur werden?"
Mia schien tief zerknirscht.
(Fortsetzung folgtl) ,
8983 Mitglieder. Das Gefamt-Geschafts- g u t h a b e n belief sich am 30. Juni 1935 auf 205 726 Mark, die Gejamthaftsumme auf 269 490 Mark. Das Geschäftsguthaben der Mitglieder hat sich im Laufe des Geschäftsjahres um 25 425 Mark vermindert, die Haftsummen der Mitglieder verminderten sich gegenüber dem Vorjahr um 35 880 Mark. Die rückständigen (bereits fälligen aber noch nicht geleisteten) Einzahlungen auf die Geschäftsanteile betragen 63 763,88 Mark. Rund 70 v. H. der Geschäftsanteile sind eingezahlt. An Rückvergütungen wurden 42 000 Mark ausgezahlt.
Im weiteren Verlauf der Versammlung gab bas hauptamtliche Vorstandsmitglied, der gegenwärtig stellvertretende Geschäftsführer Storck, die Bilanz bekannt, die in allen Einzelheiten ebenfalls gedruckt vorlag und in Einnahmen und Ausgaben mit 1 054 962,61 Mark abschließt. Die Gewinn- und Verlustrechnung schließt bei einem ausgewiesenen Verlust von 20 976,54 Mark und den vargenommenen Abschreibungen im Betrage von 33 487,09 Mark sowie bei einem Gesamtertrag von 12 510 Mark mit 452 621,05 Mark ab. Der Referent konnte im Zusammenhang damit die erfreuliche Mitteilung machen, daß in den bisherigen fünf Monaten des neuen Geschäftsjahres ohne jeden Verlust gearbeitet werden konnte.
Der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates Heinrich Schneider wies sodann auf den gedruckt vorliegenden Bericht des Aufsichtsrates hin und gab hierzu einige Erläuterungen. Besonders forderte er Vertrauen und Treue zur Genossenschaft und zu ihren amtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aus dem Bericht selbst ging hervor, daß 22 Sitzungen gemeinschaftlich von Aufsichtsrat und Vorstand, 7 Sitzungen des Vorstands und 34
Sitzungen der Revisionskommission des Aufsichtsrates zur Prüfung der Bücher und Belege abgeyal- ten wurden. Der Bericht des Auffichtsrates schloß mit Worten des Dankes an die Mitarbeiter.
Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde der Revisionsbericht in allen seinen Einzelheiten verlesen. Diese Verlesung nahm lange Zeit in Anspruch und gab einen vollständigen Heberblick über die wirtschaftliche Lage der Genossenschaft. Eine Aussprache schloß sich an.
Dem gesamten Aufsichtsrat und dem nebenamtlich tätigen Vorstandsmitglied Günderoth konnte Entlastung erteilt werden. Den hauptamtlich tätig gewesenen Vorstandsmitgliedern Dietz und P. Schneider konnte Entlastung nicht erteilt werden. Die Bilanz wurde genehmigt. Dann wurde die Annahme des neuen Musterstatuts gutgeheißen. Ferner wurde dem Aufsichtsrat die Genehmigung erteilt, Grundstücksverkäufe zu tätigen, sofern es notwendig werde, Geldmittel rasch flüssig zu machen. Die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrates, die Herren Braun, Arnold und Bolz wurden wiedergewählt.
Gnossenschafter Eberhardt (Bad-Nauheim) sprach dem Aufsichtsrat und insbesondere Herrn Günderoth für seine umsichtige und mühevolle Hilfe bei der Geschäftsführung den herzlichen Dank der Vertreter und aller Anwesenden aus. Günderoth dankte bewegt und führte aus, daß er 29 Jahre in der Genossenschaftsbewegung gearbeitet habe. Freudig habe er auch jetzt mitgearbeitet; Leitmotiv feines Handelns feien ihm stets die Worte des Führers gewesen: Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil" auf den Führer wurde die Versammlung geschlossen.
ftl-ipori
Schauturnen der Schüler und Schülerinnen des Turnvereins von 1846.
Dieser Tage wurde in der Turnhalle am Oswalds- garten ein Turnen der Schüler und Schülerinnen durchgeführt. Die Turnhalle war bis auf den letzten Platz besetzt als der Vereinsführer Tbr. R e i n i n g herzliche Worte der Begrüßung sprach. Tbr. Reining führte u. a. an, daß mit dem Jahreswechsel die volle Eingliederung der gesamten fachlichen Arbeit der Deutschen Turnerschaft in den Reichsbund für Leibesübungen erfolgen wird und richtet an die Jugend die Mahnworte, auch weiterhin ihre Treue zu beweisen, wenn der Marsch zu neuem Tun angetreten wird. Sein besonderer Wunsch ginge dahin, aus dieser Jugend gesunde und tatbereite Menschen zu ziehen, die jederzeit bereit sind, alles einzusetzen für Volk, Vaterland und Führer. Es folgten nun die Vorführungen der 250 Schüler und Schülerinnen. In 17 Reihenfolgen: Barrenturnen, Pferd und Bockspringen, Schwebekante, Frei- und Bodenübungen, Stabübungen, Gymnastik mit Stab, Keule und Ball, sowie verschiedene Volkstänze konnte man die Jugend bewundern. Es war wirklich eine Freude, den Vorführungen zu folgen. Mit großem Eifer turnten die Kleinen ihre Hebungen. Im Anschluß an den turnerischen Teil gelangte ein weihnachtliches Spiel zur Ausführung. Auch hierbei lösten die Kleinen ihre gestellten Aufgaben mit schönem Erfolg. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg für den Turnverein und hat den Beweis gebracht, daß unter der sachkundigen Leitung von Oberturnwart Erb und seinen Mitarbeitern eine ersprießliche Arbeit im Dienste der Jugendertüchtigung geleistet wird.
Riesen-Slalom auf der Hochalm.
Franz pfnür und Christi Cranz die Sieger.
Nun fiel auch in den oberen Lagen bei Garmisch- Partenkirchen der Neuschnee, so daß die erste Prüfung unserer Abfahrtsläufer unter den günstigsten Bedingungen vonstatten gehen konnte. Schauplatz war das hochalpine Gebiet der Hochalpen, wo Dr. Dotsch (München), der bewährte Torlauf-Fachmann des Deutschen Skiverbandes, eine überaus interessante Strecke ausfindig gemacht hatte. Der Start befand sich an dem über 2000 Meter hohen Osterfelder Kopf, den die Teilnehmer in fast einstündigem Aufstieg zu erreichen hatten. Von dort ging es zumeist zwischen Felsen zur Hochalm. Der Höhenunterschied der 2,5 Kilometer langen Strecke, in der unter geschickter Ausnutzung des Geländes 24 Tore aufgebaut waren, betrug rund 350 Meter.
Das Rennen war also kein gewöhnlicher Torlauf, sondern eine Kombination zwischen Abfahrt und Torlauf, ein Riesen-Slalom, wie er bereits seit längerer Zeit in Norwegen gepflegt wird.
Durch den über Nacht gefallenen Neuschnee befand sich die Bahn in allerbester Verfassung. Insgesamt gingen 63 Männer und 12 Frauen in das Rennen, davon schieden 14 Männer und 2 Frauen aus. Daß die Strecke keineswegs leicht war, mußte der vorjährige deutsche Abfahrtsmeister Randmond Sörensen erfahren. Er erhielt in beiden Läufen Strafpunkte und schied schließlich wegen Auslassens von Toren aus. Auch Toni Bader (Partenkirchen) verlor durch Stürze und Vorbeifahren an Toren, zu denen er wieder auffteigen mußte, viel Zeit. Als gleichmäßigster Fahrer entpuppte sich Franz Pfnür, der die beiden Durchläufe in 1:57 und 1:57,3 hinter sich brachte und in der Gesamtzeit von 3:54,3 den ersten Platz vor dem jungen Bruder unserer Freiburger Meisterläuferin Rudolf Cranz siegte. Die nächsten Plätze belegten Guzzi Lcmt- schner, Roman Wördle und Taver Kraisy. Ausgezeichnet hielt sich auch der Garmischer Jungmann Walter Klausing, der Neunter wurde.
Bei den Frauen machten sich die Anstrengungen des zweimaligen Ausstiegs beim zweiten Durchlauf bemerkbar, bei dem sie nur mit einer Ausnahme durchweg mehr Zeit benötigten. Diese Ausnahme bildete Christi Cranz, die in 2:17,2 und 2:13,3 mit insgesamt 4:30,5 vor Liesl Schwarz (Berchtesgaden) gewann.
Oie Endspielteilnehmer nm den OKB.-Ganpokal.
Südwest und Sachsen.
Am Sonntag wurden in Augsburg und Chemnitz die Endspieltcilnehmcr des DFB.-Gau- pokal-Wettbewerbs ermittelt. Während nun der vor 20 000 Zuschauern in Chemnitz errungene 2:0 (1:0)- Sieg der Sachsen über den Gau Brandenburg voll den Erwartungen entspricht, gab es in Augsburg beim Kampf zwischen Bayern und Südwest einen nicht ganz vermuteten 2:1-Sieg der Südwest-Elf. Was nicht besagen soll, daß der Südwest-Sieg etwa unverdient gewesen sei. Die Bayern, die bei der Pause 0:1 im Rückstand gelegen hatten, tarnen nur mit Glück zum Ausgleich. In der notwendig gewordenen Perlängerung holte dann aber doch der Gau Südwest den siegbringenden Treffer heraus, der auf Grund der besseren Mannschaftsleistung voll und ganz verdient war. 15 000 Zuschauer wurden von „ihrer" Mannschaft mehr oder weniger enttäuscht.
19006 Handballer in großer Form.
Spielvereinigung 1900- Tv Kirchbauna 16:3 (8:0).
Die Gauligamannschaft der Spielvereinigung 1900 begann die Nachrunde der Verbandsspielserie sogleich mit einer ausgezeichneten Leistung. Mit nicht weniger als 16:3 Toren wurde der Turnverein Kirchbauna niebergefantert. Die Gäste erschienen ohne ihren bewährten Stürmer Schmidt, der vorerst nicht zur Verfügung steht. Seine Mitwirkung hätte die Niederlage wohl etwas mildern, aber keinesfalls verhindern können. Dafür klappte es bei den 1900ern, die in der angekündigten Aufstellung antraten, zu gut.
Die Einheimischen übernahmen sofort nach Anpfiff das Kommando. Krüger ist es, der bereits in der zweiten Spielminute die blauweißen Farben in Führung bringt. Kirchbauna bleibt weiterhin zu- tüdgebrängt unb muh zahlreich verteidigen. Die Gefahr kann dadurch jedoch nicht gebannt werden, denn Hammann fetzt einen Ball schön in die obere Torecke. Im weiteren Verlauf des Treffens kommen die Gäste besser ins Spiel. 1900’s Hintermannschaft, die gegen frühere Spiele nicht wiederzuerkennen ist, verhindert jedoch jedweden Erfolg. Torwart Enders braucht nicht viel einzugreifen, hält aber einige schwere Bälle ganz ausgezeichnet. Die Spielvereini- gungsleute forcieren nun das Tempo immer mehr. Besonders Göing, der inzwischen auf halbrechts gegangen ist, geht mächtig aus sich heraus und erzielt durch blitzschnelles Vorstoßen das dritte Tor. Derselbe Spieler ist kurz daraus noch zweimal erfolgreich. Einmal verwandelt er einen Strafwurf, zum anderen zwingt er nach vorausgegangenem schönen Platzwechsel den gegnerischen Hüter zur Kapitulation. Immer weiter glänzt die Gießener Stürmerreihe durch schöne Kombinations^üge. Die Tore fallen fast zwangsläufig. Zum sechsten jagt Krüger den Ball in die Maschen, für Nummer sieben und acht ist wieder Göing verantwortlich.
Nach Halbzeit scheint sich Kirchbauna etwas vor- genommen zu haben. Die Mannschaft gestaltet das Feldspiel fast ausgeglichen. Der Spielaufbau ist jedoch Nicht syftemvoll genug, um Erfolge zu bewirken. Die 1900er sind darin besser beschlagen und erhöhen durch zwei Kombinationstore von Krüger auf 10:0. Bei diesem Stand kommen die Gäste dann doch zu dem schon verdienten Gegentor. Nachdem Krüger einen Strafwurf verwandelt hat, verhilft den Kirchbaunaern ein durch Funke verschuldeter
13-Meter-Ball zum zweiten Erfolg. Die Spielvereinigungsleute lassen sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Durch Hammann und Göing setzen sie ein zwölftes und dreizehntes Tor entgegen. Kirchbauna letzt sich immer wieder ein. Die Bemühungen werben burch ein brittes Tor (Strafwurf) belohnt. Dann schien die Mannschaft allerdings ihr Pulver endgültig verschossen zu haben. 1900 wird wieder stark überlegen. Ein flacher 25-Meter-Wurf von Göing und zwei kraftvoll geworfene Bälle des Linksaußen Schüler stellen das Schlußresultat her.
Zur Mannschaftskritik ist zu sagen, daß bei den 1900ern ein jeder auf seinem Posten war. Die Mannschaft hat stark an Einheitlichkeit gewonnen. Sie sollte in dieser Verfassung auch in vierzehn Tagen gegen den Gaumeister Kasseler Turngemeinde in Ehren bestehen können.
Kirchbauna spielte keinen schlechten Handball, ließ aber des öfteren die reife und erfolgbringende Spielauffassung vermissen. Das Fehlen Schmidts wirkte sich auch auf diesem Gebiet aus.
In Schiedsrichter Walter (VfB.-Kurhessen Marburg) hatte das Treffen einen korrekten unb energischen Leiter.
Sauliga-Handball Ergebnisse
In Norbhessen gab es drei Spiele, die führende Kasseler Turngemeinde, Tuspo 86/09 Kassel unb Kurhessen Marburg pausierten. Kurhessen Kassel siegt 10:6 (4:2) über ben Spielverein Kassel und setzte sich mit 16:2 Punkten an die Spitze. An zweiter Stelle folgt der Gaumeister Kasseler Turngemeinde mit 15:1 Punkten vor Gießen 1900. Die Lahnstädter siegten 16:3 (8:0) über Kirchbauna unb haben 13:5 Punkte. Der Tv. Eschwege kam zu seinen ersten Punkten; er gewann in Bettenhausen 8:7 (5:4) und teilt sich nun mit Marburg in den letzten Platz.
HandballergebnisseimKreiö Lahn-Dill.
Bezirksklasse: MTV. Gießen — Tv. Lützel, linden 5:8 (3:5); To. Wetzlar — Tv. Hochelheim 15:1 (6:0).
1. Kreisklasse: To. Atzbach — Tv. Nieder- girmes 7:2 (6:1); Tv. Holzheim — Tv. Hörnsheim 7:2 (4:1) abgebrochen; Tv. Garbenheim — To. Großen-Rechtenbach 5:8 (1:5).
Watzenborn-Steinberg 2:1.
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Unverdiente Niederlage der Teutonen.
Auch dieses Spiel haben die Steinberger unverdient verloren. Gerade ihnen hätte man zum mindesten ein Unentschieden gewünscht, denn das Spielgeschehen hätte in einem solchen Resultat den gerechten Ausgang gesunden. Die Steinberger tarnen ohne Lang, der vielleicht die Wendung des Spieles bedeutet hätte. Zu allem Ueberfluß mußte von den Gästen noch ein Spieler das Feld verlassen, da er in der Hitze des Kampfes eine sportliche Entgleisung beging. Die Steinberger stellten eine Mannschaft, die in ihrer Geschlossenheit keine Wünsche offen ließ. Ein jeder von ihnen gab bas Letzte. Demgegenüber haben die Gießener enttäuscht. Es mag in den schlechten Bodenverhältnissen begründet gewesen sein, daß sie sich das hohe Spiel ihres Gegners aufzwingen ließen, eine Spielweife, bei der sie sich nicht durchsetzen konnten. Helcher im Tor wurde wenig mit schweren Bällen beschäftigt, hielt aber was zu halten war. In der Läuferreihe überragte Mund seine Nebenleute Knauß und Hauptfeld, die ebenfalls nicht hinter ihren sonstigen Leistungen zurückblieben. Szponick spielte zuviel für sich allein. Fehling, Schorge und Heß waren gut. Wlodareck ist ein Techniker, ihm fehlt der körperliche Einsatz. Der Schiedsrichter Reiß sand mit seinen Entscheidungen nicht immer den Beifall des Publikums, er war aber, abgesehen von kleineren Mängeln, der gegebene Leiter.
Die Gießener hatten Anstoß, Oer aber abgefangen wurde. Beide Mannschaften spielten sehr schnell, keine vermochte aber vorerst die Hintermannschaft des Gegners zu überwinden. Bei einem Gedränge im Gießener Strafraum hatten die Steinberger eine klare Torgelegenheit, diese wurde aber verschossen. Auf der Gegenseite jagte Szponick aus 3 Meter Entfernung den Ball darüber. Beide Mannschaften waren sich im Feldspiel gleichwertig. Ueberraschend fiel bas erste Tor für die Platz
besitzer. Bei einem Angriff brachte der Steinberger Verteidiger den Ball nicht weit genug aus der Gefahrenzone und Fehling schoß aus 15 Meter unhaltbar in die äußerste linke Ecke. Bei einem gefährlichen Vorstoß der Gäste konnte Lehrmund in letzter Sekunde ein sicheres Tor vereiteln. Eine Ecke für jede der Mannschaften brachte auch nichts ein. Dann war Halbzeit.
Nach Wiederbeginn hatten die Steinberger Fett in den Jnnensturm genommen und gewannen hierdurch erheblich an Durchschlagskraft. Sie wurden jetzt überlegen, der Erfolg blieb ihnen aber versagt. Einen Strafstoß für die Gäste schoß Fett daneben. Dann spielte sich der Gießener linke Flügel gut durch. Schorge nahm den hereinkommenden Ball auf, wurde aber regelwidrig abgestoppt. Den fälligen Elfmeter schoß er selbst Happel in die Hände. Als kurz darauf ein Steinberger das Feld verlassen mußte, glaubte man an einen eindeutigen Sieg der Platzbesitzer. Aber es kam anders. Unverdrossen kämpften die Gäste weiter und konnten die Gießener zurückdrängen. Eine schlecht abgewehrte Ecke und der Rechtsaußen der Gäste flankte halbhoch zur Mitte. Der freistehende Halbrechte schoß zum Ausgleich ein. Drei Minuten waren jetzt noch zu spielen, und niemand glaubte mehr an einen Erfolg der Platzbesitzer, als Mund einen Freistoß hoch vor das Steinberger Tor schlug. Den abgewehrten Ball erreichte Heß und schoß kurz entschlossen für Happel unhaltbar ein. Damit war der Sieg der Gießener sichergestellt.
VsB.-R. II — Grahen-Vuseck I 1:6.
Die Großen-Busecker siegten verdient. Dies Resultat ist allerdings etwas zu hoch ausgefallen. Der Gießener Sturm machte in diesem Spiele einen hilflosen Eindruck und ist in erster Linie schuld an der Niederlage.
Nicht müde werden, Annelies!
Roman von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin.
26. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Also vorläufig nicht wieder drängen, mein lieber Schulenburg! Alles will seine Zeit zum Reifen haben. Und wir versäumen ja beide nichts — nicht wahr?"
Er war gleichfalls aufgestanden.
„Wenn es nur nicht so schwer wäre, sich zu gedulden, Frau Mia", erwiderte er mit kläglicher Miene.
Ihr Blick ging an ihm vorüber.
„Es gibt eben manches, was man sich erst sauer verdienen muß", sagte sie ernster, als er es bisher an ihr kannte. „Unb vielleicht ist das gerade gut. Was einem allzu leicht in den Schoß fällt, hat wohl nicht den richtigen, vollen Wert."
Dann schoß plötzlich ein blitzendes Licht unter ihren schweren, dunklen Wimpern hervor. Ihre Lippen wurden ganz schmal.
,Und es reizt, wenn man sich das, was man haben will, erst erkämpfen muß — erkämpfen um jeden Preis. Verstehen Sie das?"
Sie ließ ihn nicht zur Antwort kommen.
„Morgen abend um acht können Sie mich abholen", fuhr sie mit leiser Kühle fort. „Das Programm setzen wir noch fest, es wird ganz von der Stimmung abhängen. Auf Wiedersehen also bis dahin!"
Wenige Minuten später betrat sie das alte Patri- zievhaus. Die alte Kathrin kam aus der Küche angeschlürft, um zu öffnen. Sie vergaß die schuldige Höflichkeit nicht, aber der Blick, mit dem sie die Besucherin maß, war von Freundlichkeit und Wohlwollen weit entfernt.
Mia schüttelte sich im stillen. Die und der alte Korbinian! Die beiden hätten einem das Kommen schon längst verleiden können. Sie lagen wie die Wachhunde auf der Lauer, jeden Augenblick bereit,


