Ausgabe 
6.1.1936
 
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Tätigkeit ausgesprochen hatte, schloß der Sektions­leiter mit einem freudig aufgenommenen Berg-Heil auf den Alpenverein, die Sektion und den Führer unseres Reiches.

Kameradfchastsabend Oer Straßenbahner.

Der Straßenbahner-Derein hielt am Samstag im ..Frankfurter Hof" in hergebrachter Weife, wie stets zu Beginn des Jahres, feinen Kameradfchafts« abend ab. Mit ihren Familienangehörigen und Gästen feierten unsere Straßenbahner, denen ihr Beruf nicht öfter ein Zusammensein mit den Kame­raden und Familien gestattet, einige frohe Stun­den.

Musikalische Vorträge leiteten zu der Begrü­ßungsansprache des Vorstandsmitgliedes Lesch II über, der zum allseitigen Bedauern feststellte, daß der verdiente Vereinsführer Theiß krankheits­halber am Erscheinen verhindert sei. Den zahlreichen Besuchern wünsche er ein frohes neues Jahr, und er gab der Hoffnung Ausdruck, daß dieser Kame­radschaftsabend das Zusammengehörigkeitsgefühl der Kameradenfamilien und das Band der Volks­gemeinschaft weiter festigen möge. Dabei erinnerte er an die im Vorjahre abgehaltene Jubiläums­feier und sprach mit Stolz von dem Besuch der Darmstädter, Frankfurter und Marburger Straßen­

bahner, die sich in Gießen sehr wohlgefühlt hätten. Auf diesem erfolgreich beschrittenen Wege weiter zu arbeiten im Dienste der Allgemeinheit und in Der Pflege der Kameradschaft fei auch Zweck und Ziel dieses Abends. Zum Zeichen der treuen Gefolg­schaft brachte er ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer aus, in das freudig eingestimmt wurde.

Unter der bewährten Leitung des langjährigen Mitgliedes Franz Adam wurde dann eine bunte Folge musikalischer, humoristischer und deklamatori­scher Vorträge bargeboten, die ein dankbares Publi­kum fand, das mit Beifall nicht kargte. Das ge­meinsam gesungeneStraßenbahnerlied" beendete den harmonisch verlaufenen Abend.

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** Unfall bei der Arbeit. Am Samstag ereignete sich auf einer Baustelle im Gelände zwi­schen der Schottstraße und der Ederstraße ein Un­fall. Der 28jährige Maurer Willy Scherer aus Günberod (Kreis Biedenkopf) stürzte bei seiner Ar- beit vom Gerüst und erlitt eine Gehirnerschütte­rung, sowie Prellungen am Kopf. Der bedauerns­werte Mann wurde von der Freiwilligen Sanitäts- kolonne in die Chirurgische Klinik gebracht.

** Werbeabende für neuzeitliche Küchenführung werden im Anzeigenteil unse­res heutigen Blattes angekündigt. Unsere Haus­frauen feien auf die Anzeige besonders hingewiefen.

Ein Film der alten Soldaten.

Der Kyffhäuser-Ilational-FilmIm gleichen Schritt und Tritt".

Der Kreisoerband Gießen des Deutschen Reichs­kriegerbundes (Kyffhäuferbund) bereitete am gestri­gen Sonntagnachmittag den alten Soldaten von Gießen und Umgegend und ihren Angehörigen die Freude, im Gloria-Palast und in Parallel-Vorfüh- rungen im Lichtspielhaus Bahnhofstraße den wun­derbaren Kyffhäuser-FilmIm gleichen Schritt und Tritt" sehen zu können. Wir stark das Interesse an diesem Filmwerk überall war, geht daraus hervor, daß schon bald nach der An­kündigung der große Raum des Gloria-Palastes ausverkauft war und deshalb zwei Parallel-Vor- führungen im Lichtspielhaus vorgesehen werden mußten, die beide ebenfalls vor ausverkauftem Haufe stattfanden. Es zeigte sich denn auch, daß man bei der Ankündigung nicht zuviel versprochen hatte, denn der Film war für jedermann ein ge­waltiges Erlebnis, das noch lange in den Herzen der Besucher nachklingen wird.

Im Gloria-Palast leitete das Musikkorps des Infanterie-Regiments 36 unter Obermusikmeister Krauße die Feierstunde mit guter Musik ein. Dann entbot der Kreisführer des Kreisverbandes Gießen, Oberst a. D. Kö11fchau, den Besuchern herzlichen Willkommensgruß, wobei er mit besonderer Freude auf die Anwesenheit der Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht und der Behörden hinwies. Bei feinem Grußwort an die offiziellen Vertreter der Wehr­macht und an die zahlreichen jungen Soldaten un­serer Garnison, verbunden mit dem Ausdruck der Freude über die gute Kameradschaft zwischen den alten und den jungen Soldaten, wurde von der großen Versammlung lauter Beifall gespendet. Der Redner erinnerte weiter an ein Wort des Füh­rers beim Reichsparteitag der Freiheit, in dem der Führer die junge Wehrmacht ermahnte, alle­zeit mit der Pflege der Tradition der alten Ar­mee auch das unermüdliche Streben zu verbinden, stets und überall der alten Armee und der unge­heuren Opfer des Weltkrieges würdig zu fein, ein Wort, das der Redner als höchst ehrenvoll für die alten Soldaten und Frontkämpfer bezeichnete und das sie mit Stolz und Freude erfüllte. Unter star­kem Beifall der Versammlung erklärte er weiter, daß die alten Soldaten immer mit voller Hingabe mitwirken wollen und werden am Werke des Füh­rers Adolf Hitler, getreu ihrem Grundsätze: Nichts für sich selbst, sondern alles für die Nation! In dieser unwandelbaren Gefolgschaftstreue zum Führer würden sich die alten Soldaten von nie­mand übertreffen lassen, ein Gelöbnis, das ebenfalls starken Beifall auslöfte

Nunmehr wurde der Film gezeigt, der das Wollen und Wirken des Kyffhäuferbundes, des

größten deutschen Soldatenbundes, in weite Kreise unseres Volkes hineintragen will. In wunderbaren Bildern sah man den gewaltigen Marschschritt die­ses Soldatenbundes, nicht etwa nur im Marschieren, sondern auch im Marschtritt im übertragenen Sinne, d. h.im gleichen Schritt und Tritt" im Dienst für die Gesamtheit des Volkes auf den verschiedensten Gebieten des Soldatentums. Da wurde man durch außerordentlich eindrucksvolle Bilder an die gewalti­gen Taten erinnert, die von den heutigen alten Soldaten als junge Krieger von 1914 bis 1918 an allen Fronten des Weltkrieges zu Lande, zu Wasser und in der Luft zum Schutze von Heimat und Volk unter selbstverständlicher und opferbereiter Hingabe ihres eigenen Seins geleistet wurden; der gewaltige Donner der Schlachten, das erhabene Leiden und Sterben, aber auch der hohe Opfersinn der Front sprachen in diesen Bildern zu dem jungen Deutsch­land der Nachkriegszeit, und sie werden in diesem Filmwerk weiterhin erzählen all den kommenden Generationen, die den Weltkrieg 1914/18 ebenso wie die heutige Jugend nur noch aus den Büchern der Geschichte kennen werden. Es folgten dann bild­mäßige Hinweise auf die furchtbare Zeit des deut­schen Niederbruches nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges, auf die Verhetzung und die Verfein­dung der einzelnen Volksgenossen untereinander durch land- und rassefremde Elemente und durch Verräter am eigenen Volke. Man sah aber auch, daß Vaterlandsliebe und Soldatentreue, in Sturm­und Notzeiten immer wieder bewährt, nicht unter­gegangen waren, sondern wiederauferstanden in der Bewegung Adolf Hitlers, deren Anfangs­zeiten und unablässiges Wachsen unter dem Füh­rer ebenfalls in prächtigen Bildern dem Film einge­gliedert sind. Ein gewaltiger Höhepunkt des Films offenbarte sich in den Bilbern, die der Ehrung des Generalfeldmarschalls von Hindenburg durch den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler und durch den Ministerpräsidenten Hermann Göring gelegentlich der feierlichen Uebergabe der Domäne Langenau mit dem Preußenwald in Ostpreußen als Zeichen des Dankes der deutschen Nation an Hin­denburg galten; hier hörte man nach den Wor­ten Hermann Görings den alten Feldmarfchall selbst sprechen, Augenblicke, die jetzt, da Hindenburg nicht mehr unter uns weilt, besonders ans Herz griffen; zumal man aus feinem Munde das schlichte und so außerordentlich eindrucksvolle Soldatenwort: Ich habe nur meine Pflicht getan" sowie die ein­dringliche Ermahnung an das deutsche Volk zur Einigkeit in Liebe und Treue zum Vaterlande hörte.

Weiter macht der Film bekannt mit den An­fängen und dem Wachsen, sowie dem segensreichen Wirken des Kyffhäuserbundes; hier führte der Weg

Die drei Könige im Schnee.

Von Georg Britting.

Der Schnee fiel, schon feit Stunden, dick und fett und weiß, und so war nicht zu sehen, ob es Kar­toffelfelder roanm, die sich da hindehnten, ob Wei- zensaat hier keimte oder junger Roggen viel­leicht waren es auch Wiesen, weil ja alles weiß war, gleichmäßig weiß, wattebauschig weiß. Ein glanzweißes Dorf, nicht allzu fern, das sah ans, als habe ein großmächtiger Maulwurf einen über­schnellen Berg aufgewühlt und vielleicht würde er, der unsichtbare, schwarze Vierpfotenschaufler, den Berg noch höher wölben, immer höher, immer höher! Und immer noch fiel Schnee, das würde nimmer aufhören heut, morgen auch nicht, viel­leicht übermorgen, wenn überhaupt je. Wahrschein­lich lief neben der Straße ein Straßengraben. Aber zu sehen war er nicht, so war er angefüllt mit Schnee.

Drei Männer tarnen die Straße daher, und es war wunderbar genug, daß sie immer noch die Straße unter den Füßen hatten, sie wußten auch nicht, ob es immer noch die Straße war, vielleicht gingen sie schon längst querfeldein. Bis an die Knie reichte ihnen der Schnee, und besonders der schwarze Balthasar, der Neger, der plattnäfige und kraus­haarige, litt unter der Kälte, an die er nicht ge­wohnt war, und sein roter Mantel sah blutig aus und auffallend, hätte besser zum gelben Wüsten­sand seiner Heimat gepaßt (wie war er fern!) als zu dieser weißen Winterlandschaft, aber er ging un­verdrossen hinter Kaspar und Melchior drein. Was sie aushielten, ertrug er auch! Kaspar hatte einen langen spitzen Bart, weiß wie der Schnee, und trug einen schwarzen Mantel, der geräumig um ihn wogte, und Melchior war bartlos und faltenfrei im Gesicht, und sein Mantel war gelb, entern schnabelgelb und um die Hüften herausfordernd eng geschnitten. Sie gingen im Gänsemarsch, einer trat in die Fußtapfen des anderen, und da zeigte es sich, daß der Neger die kleinsten Füße hatte von den dreien, denn seine silbergeflochtenen Schuhe hätten gut zweimal Platz gehabt in den tiefen Gruben, die seine Vorgänger traten. Und einmal machte es ihm Spaß, in einer Grube Fuß vor Fuß zu setzen, Silberschuh vor Silberschuh, und so stehen zu bleiben. Wie komisch der schwarze Mantel Kaspars sich blähte.

So gingen sie im Gänsemarsch und sahen manch- mal zum Himmel auf. Der war nicht zu sehen, nur Schnee sah man herunterfallen, aber der Himmel war schon noch da, o ja, unerschütterlich, der Him­

mel, denn sie sahen den Stern, der sie führte. Klein zwar nur, laternenlichtklein, zartrofafarbig war der Stern, ein Sternlein nur, winzig im Flockenfall, aber es war noch da, und führte sie.

Das Dorf, das Maulwurfsdorf, blieb auch schon zurück, und sie gingen immer noch weiter, und Balthasar, der schwarze Mohr, schüttelte den Rot­mantel, ihn von der Schneelast zu befreien, und der spitzbartige Kaspar blies in die erstarrten Hände, sie aufzutauen, und der dicke Melchior stampfte mit den Füßen, weil sich an seinen Absätzen Schnee­ballen bildeten, und zu kugeligem Eis wurden, was das Gehen erschwerte.

Zur linken Hand an der Straße, auf der sie gingen, wenn es noch die Straße war, stand ein starker Baum mit vielen Aesten, knorrigen und lustig verdrehten, und als sie bei ihm waren und wieder einmal zum Himmel aufschauten, war der Stern schon noch da, der Rosastern, war schon noch da, aber er glühte plötzlich stark auf, wie ein rie­siges Katzenauge, funkelte, es war zum Fürchten, einen Augenblick lang war Baum und Himmel und der unendliche Schnee rosarot, weithin alles rosa­rot, dann erlosch er, der Stern war weg, wirklich, er war weg, fort, und der Schnee wieder weih. Der Mohr im roten Mantel schrie:Habt ihrs ge­sehen?" Sie hatten es natürlich alle drei gesehen, blieben alle drei unterm Baum stehen.Dann muß es hier sein, irgendwo hier in der Nähe", sagte Kaspar, aber wo?"

Wir warten hier", entschied Melchior.

Sie ließen sich unter dem Baum nieder, breiteten eine Decke aus auf dem Schnee und setzten sich und hüllten sich fest in ihre Mäntel, daß sie waren wie drei merkwürdige Vögel, ein blutroter, ein raben­schwarzer und ein dottergelber.

Wahrscheinlich waren sie eingeschlafen und sie erwachten von einer Stimme, die sie anrief, und sie wachten alle drei gleichzeitig auf, und da stand vor ihnen ein Mann, der hatte einen grauen Bart, grau wie das Fell des Esels, den er am Zügel führte, und auf dem Esel saß eine Frau. Das Tier schnappte mit weichem Maul nach dem roten Man­tel des Mohren, und der Mann fragte:Ist hier kein Dorf, in der Nähe? Es wird Abend, und wir sind müd und suchen ein Unterkommen." So fragte der Mann, und Balthasar, der ihn scharf beobach­tete, bemerkte doch nicht, daß sich irgendwas bewegt hätte in dem Gesicht des Fragers. Denn wenn auch feine Lippen vom Bart bedeckt waren, hätte man doch diesen, den Bart, sich rühren sehen müssen, oder die Wangen sich heben-, oder die Nasenflügel, aber das alles geschah nicht, das Gesicht des Man­nes blieb still und unbewegt, auch während er

von dem Anfang des Jahres 1786 in Wangerin (Pommern) über 1813, ferner über die Zeiten von 1864/66 und 1870/71, den Zusammenschluß der Ver­eine der alten Soldaten im Kyffhäuferbunb im Jahre 1873 und 1900, bis herüber in unsere Zeit, da dieser Bund der alten Soldaten mit seinen 21 Landesver­bänden und 34 000 Kameradschaften im Jahre 1933 feine zeitgemäße Gestaltung erhielt. Im Geist und im Bild wurden die Zuschauer von dem Film wei­ter zum Kyffhäuser-Denkmal geführt, mit dem man eingehend bekanntgemacht wurde, sodann folgten zahlreiche schöne Bilder aus einer Reihe von Er­holungsheimen, deren der Bund 16 in den schönsten Gegenden Deutschlands zur Benutzung für feine Mitglieder und deren Angehörige unterhält. Die liebevolle und umfassende Fürsorge des Kyffhäuser­bundes für die kommende Generation wurde über­aus eindrucksvoll sichtbar in zahlreichen Bildern aus den Waisenhäusern des Bundes, die zur Erziehung von verwaisten Kindern von Kameraden, aber auch von hilfsbedürftigen jungen Menschenkindern aus anderen deutschen Familien auf Bundeskosten zur Verfügung stehen.

Nach einem kurzen Rundblick in der Berliner Zentralverwaltung des Kyffhäuserbundes folgen in

dem Film endlich noch wunderbare Bilder von dem vorjährigen Reichskriegertag in Kassel, bei dem die Führung des Kyffhäuserbundes sich mit Hundert- tausenden von Kameraden und Volksgenossen m alter Kameradschaft und Soldatentreue für einige Tage vereinigte und dabei die innige Gemeinschaft mit der Wehrmacht und den Gliederungen der nationalsozialistischen Bewegung als Träger des Staates bekundete. Der Film findet feinen Aus­klang in dem begeisternden Hinweis auf die er- habenden Tugenden des Soldatentums, durch die unser Volk und Vaterland einst groß geworden war und die jetzt im Dritten Reich wieder zur Geltung und Wirksamkeit gekommen sind. .

Nach der Vorführung sprach der Kreisfuhrer Oberst a. D. Kottschau im Gloria-Palast ein kurzes Schlußwort, das mit begeistertem drei­maligem Sieg-Heil der Menge auf den Führer und Reichskanzler und mit dem Gesang des Deutsch­land- und des Horst-Wesiel-Liedes ausklang. Im Lichtspielhaus wurde das Schlußwort von Kame­rad Albin Klein (Gießen) gesprochen, das eben­falls dem Führer und Reichskanzler und dem deut* scheu Volke Huldigung und Treuegelöbnis dar- brachte.

Generalversammlung der Verbrauchergenossenschafi Gießen.

Arn gestrigen Sonntag hielt die Verbraucher­genossenschaft Gießen e. G. rn. b. H. im Saale des Cafe Leib ihre Generalversammlung für das 34. Geschäftsjahr 1934/35 (1. Juli 1934 bis 30. Juni 1935) in Anwesenheit von Mitgliedern des Vorstandes, des Aufsichtsrates und zahlreicher Ver­treter der Verkaufsfilialen der Stadt und des Lan­des ab. Die Leitung der Versammlung lag in den Händen des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzen­den Heinrich Schneider. Er eröffnete die Ver­sammlung, die ordnungsgemäß einberufen worden war und gedachte mit ehrenden Worten der im Laufe des Jahres verstorbenen 92 Mitglieder, zu deren Erinnerung man sich von den Plätzen erhob. Nachdem er kurz darauf hingewiefen hatte, daß die Vorstandsmitglieder Dietz und P. Schneider ausgeschieden seien, sprach Herr Günderoth in längeren Ausführungen zum Geschäftsbericht. Er betonte zunächst, daß die Verbrauchergenossenschaft gegenwärtig einen schweren Kampf um ihre Exi­stenz zu führen habe und deshalb von ihrer Lei­tung aller Einsatz und Beweis der Persönlichkeit, von den Mitgliedern aber Treue und Opferbereite schäft gefordert werden müsse. Jedwede Eigennützig­keit müsse sich zum Schaden der Genossenschaft aus­wirken. Gerade die Verbrauchergenossenschaft müßte vorbildlich genossenschaftlich arbeiten. Dabei bedürfe die Genossenschaft nicht der Herrschaft, sondern der verständnisvollen Führung. Richtige Führung sei die Basis des Gelingens aller Arbeit. Der Wille 3um gegenseitigen Dienen tue not. In der letzten Zeit habe es leider an all dem in der Gießener Genossenschaft häufig gefehlt. Die Lage der Ge­nossenschaft sei nicht zuletzt dadurch schwierig, aber doch nicht hoffnungslos geworden. Die Genossen­schaft werde auch für die Zukunft bemüht fein, ihre Mitglieder nach bestem Können zu bedienen. In seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Referent mit rein wirtschaftlichen Fragen, insbeson­dere mit der neuen Lage, wie sie sich für die Ge­nossenschaften durch die Marktregelungen, durch Kontingentierungen, durch die Einfuhrbeschränkun­gen usw. ergab. Er kam dabei auch auf die Stel­lung der Verbrauchergenossenschaft im Rahmen der Fettversorgung zu sprechen und auf die Schwierig,- feiten, die sich besonders hier ergaben. Sodann kam Herr Günderoth auf den eigentlichen Ge­schäftsbericht zu sprechen, der gedruckt allen Ver­sammlungsteilnehmern vorlag. Der Geschäfts­bericht betont einleitend, daß die deutschen Ge­nossenschaften mit größter innerer Bereitschaft die im Zuge der nationalsozialistischen Revolution er­forderlichen organisatorischen und personellen Um­gestaltungen vorgenommen haben. Daher höbe das Jahr 1934 auch in den Genossenschaften wieder der inneren Stärkung und Festigung gewidmet fein können. Ebenso wichtig wie die Behebung politi­

scher Schwierigkeiten sei die Aufgabe gewesen, alle Kräfte für die Wiederherstellung und Sicherung der Wirtschaftlichkeit der Verbrauchergenosfenschaf- ten einzufetzen. So sei auch der Wille der Gesetz­geber klar und eindeutig, daß die gesunden Ver­brauchergenossenschaften und ihre gesunde wirt­schaftliche Zentrale erhalten bleiben sollten. Der Jahresbericht erinnerte dann kurz daran, daß sich die Genossenschaften in großer Notzeit der Volks­gemeinschaft (Krieg und Inflation) bestens bewähr­ten. Mit Worten der Werbung schloß der einleitende Teil des Jahresberichtes.

In den einzelnen Abteilungen wies der Jahres­bericht folgende Zahlen aus: Der ©efamtum- f a tz hat sich etwas vermehrt. Er betrug im ab ge­laufenen Geschäftsjahr 1 645 663,93 Mk., gegenüber 1 625 974,09 Mark im Vorjahre. Die Vermehrung beträgt 19 689,84 Mk. Der Umsatz im Bäckerei- betrieb belief sich auf 153 763,39 Mk. gegen­über 157 956 Mk. im Vorjahre. Der Fleischerei- Umsatz betrua einschließlich des Wurstumsatzes in den einzelnen Lebensmittelverkaufsstellen 58 492,27 Mk. gegen 67 258,58 Mk. Leider habe der Fleische­reibetrieb wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt wer­den müssen. Das Kohlengeschäft war im ab­gelaufenen Geschäftsjahr recht zufriedenstellend. 132 Waggon Kohlen und Brikett wurden an die Mitglieder geliefert. Die Kaffeerösterei er­zielte einen Umsatz von 56 774,86 Mk., gegen das Vorjahr ein Mehr von 3094,86 Mk. Der Grund­besitz hat sich nicht geändert. Die Genossenschaft besitzt 14 eigene Häuser und ein Bauland-Grund­stück. Im verflossenen Jahre wurden an Steuern direkt von der Genossenschaft 56 505,02 Mk. ge­zahlt. Die Steuern, die von den Angestellten und Arbeitern entrichtet werden, sind darin nicht ent­halten. Die Sparkasse der Genossenschaft wies am 30. Juni 1935 einen Bestand von 225 501,27 Mark gegen 265 361,70 Mark am gleichen Tage des Vorjahres aus. Das bedeutet ein Weniger von 39 860,43 Mk. Die Sterbe- kasse unterstützte in 87 Fällen mit insgesamt 1782 Mk.

Der Personalbestand betrug in Verwal­tung und Büro, im Zentrallager, im Fuhrpark, in der Bäckerei, in der Fleischerei und in den Ver­teilungsstellen insgesamt 95 (50 männliche und 45 weibliche) Personen.

Zu Beginn des Geschäftsjahres 1934/35 betrug der Mitgliederbestand 10179 Mitglieder. Im Laufe des Geschäftsjahres traten 227 Mitglie­der ein, so daß sich eine Mitgliederzahl von 10 406 ergab. Den Zugängen stehen an Abgängen gegen­über 91 Mitglieder, die durch Tod aus der Ge­nossenschaft ausschieben, ferner 1332 Mitglieder, die durch freiwillige Kündigung austraten. Der Mit­gliederbestand bezifferte sich am 30. Juni 1935 auf

sprach. Das sah Balthasar und verwunderte sich und stand auf, und da standen die beiden anderen auch auf, und Kaspar sagte:Da hinten ist ein Dorf, eine halbe Stunde zurück, und ihr werdet dort schon finden, was ihr sucht." Der Mann nickte dankend, und die Frau nickte, und der Mann trieb den Esel an, der den roten Mantel ungern aus dem Maul ließ, und bann verschwanden Mann, Frau und Tier im Schneetreiben.

Balthasar dachte darüber nach, ob wohl feine beiden Gefährten es auch beobachtet hätten, daß der Graubart mit stummen Lippen hatte reden können, und wollte sie fragen, da sagte Kaspar: Sie finbs!"Wer?" fragte Melchior.Wer?" fragte Balthasar, unb rieb an seinem Mantelärmel, ber feuchtwarm war von ber Efelmaulnässe.

Die Eltern bes Kinbes!" antwortete Kaspar. Saht ihr nicht, baß bie Frau gesegneten Leibes war? Habt ihr auch eure Geschenke noch?"

Unb sie holten aus ben Manteltaschen Golb in blanken, runben Stücken, würzige Holzer unb Delo in kostbaren Flaschen.

So hockten sie ba, gelb unb schwarz unb blutrot, im Schneewirbel, unb vor ihnen lagen bie Ge­schenke im Schnee, unb bie Flocken tanzen barüber, aber keine einzige ließ sich barauf nieber, nicht eine, unb sie glänzen unberührt, bie Geschenke, bis sie zuletzt wie in einer Mulbe lagen, wie in einer Schneeschüssel mit weißen Schneewulstränbern.

Die brei hockten bie ganze Nacht, sie froren nicht, fangen leise Lieber vor sich hin, Balthasar ein seltsam verschnörkeltes, helles, afrikanisches, Kaspar ein brummendes, dumpfes, und Melchior ein pfeifen­des, mäusewisperndes, und fangen unb erwarteten ben Morgen.

Der kam, bie Sonne kam, es schneite nicht mehr, ber Baum glänzte im Licht, unb aus ber Tiefe ber Schneeschüssel leuchteten bie Geschenke. Sie nahmen sie an sich, unb Kaspar rief:Jetzt vorwärts!"

Sie brehten um, Kaspar voran, bann Melchior im roten Mantel, unb nahmen bie Richtung auf bas Dorf, auf bas Maulwurfsborf, bas sie gestern gesehen hatten.

Unb ber plattnäfige Mohr, ber jüngste ber brei, fast wie ein Jüngling noch, blieb plötzlich in einer Fußtapfe stehen, Silberschuh vor Silberschuh, weil ihm mieber eingefallen war, wie ber Graubart gestern hatte reben können, ohne baß sein Gesicht sich rührte.

Wenn sie jetzt auf ihn trafen, wie zu hoffen war, wollte er sich bas genau betrachten.

Er lachte, wie er baran bachte, unb so gingen sie weiter, die drei Könige, zurück in das Dorf, bas hieß Bethlehem.

Heber Reif und Rauhreif.

Was ist Reif, was ist Rauhreif? Hanb aufs Herz: wir unterscheiben nicht genau, unb wenn wir es tun, so wissen bie wenigsten, wie diese Erscheinungen zu- stanbekommen. In einem überraschend illustrierten Aussatz über Eiskristalle, ben wir im Januarheft von Velhagen unb Klasings Monatshef« t e n finben, gibt Professor Dr. W. P a u l ck e Aus- kunft: Alle Reifgebilbe wachsen von einem Ansatz­punkte aus vorwiegend nach einer Richtung, die ihrer Entwicklung Raum bietet, unb werben dem- entsprechenb einseittg ausgebilbet: in Form von meist in Rosetten angeorbneten Blättern, in Gestalt von Bechern ober Hohlprismen. Da bie wasserbampf- haltige Luft Aeste, Stengel, Gräser uff. von allen Seiten umgibt, setzt sich, im Gegensatz zu bem von oben fallenden Schnee, ber aus ihr entstehende Reif allseitig um diese Gegenstänbe herum an. Anders ber Rauhreif ober Rauhfrost. Er entsteht aus unter­kühlten Wasser- ober Nebeltröpfchen, vorwiegend bei Nebel, Winb unb Sturm, während sich Reif bei ruhigem klaren Wetter bildet: Sowie die stark unter- kühlten Wasser- unb Nebeltröpfchen gegen einen Ast, Stamm, Fels usw. angetrieben werben, erstarren sie beim Anprall zu Eis in Körnchenform, unb es bilben sich bem Winb entgegenwachsenbe, aus lauter Einzel- körnchen bestehenbe fieberige einseitige Ansätze, die wie Fahnen angeheftet finb, aber im Gegensatz zu biefen stets luvwärts gerichtet. Sie können für ben Skiläufer auf vegetationsarmen ober kahlen Berg­kämmen unb Hochplateaus unb Ebenen, wo sie an Gestrüpp, Stangen, Felskanten, Schneegangeln usw. angeweht finb, ein ausgezeichnetes Orientierungs­mittel abgeben, ba stets Wind, ber längere Zeit aus einer Richtung wehte, sie erzeugte.

Hochschulnachrichlen.

Professor Dr. Wilhelm Horn, Drbinarius für englische Philologie an ber Universität Berlin, begeht am 6. Januar seinen 6 0. Geburtstag. Gebürtig aus Rehbach im Odenwalb, ftubierte Wil­helm Horn in Gießen bei Behaghel, Behrens unb Wetz, würbe Oberlehrer in Darmstabt und Gießen, habilitierte sich 1901 in Gießen, wo er 1908 zum Drbinarius für englische Philologie er­nannt würbe. 1926 folgte er einem Ruf nach Breslau, von wo er 1933 nach Berlin ging. Seine Arbeiten betreffen deutsche Munbartforschung, eng- lische Sprachwissenschaft, allgem. Sprachwissenschaft, Sprachentwicklung, Intonation und Lautwandel.