Nr. 181 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)
Mittwoch. 5. August 1956
Stadtbild Gießen in der „via Iriumphalis" in Vertin
Die Strohe in Berlin „Unter den Linden", die repräsentativste Strahe der Reichshauptstadt, ist für die Tage der Olympischen Spiele 1936 zur „via triumphalis“ geworden. Die Strahe prangt imreichenSchmucke vieler Fahnen und bietet ein überaus abwechselungsreiches Bild, da zum großen Teil die Fahnen in den Farben der deutschen Städte gehalten sind und häufig auch die Stadtwappen trogen. Außerdem schmücken Bilder die Fahnenmasten.
Auch unsere Stadt Gießen ist in dieser „via triumphalis“ vertreten. An einem der Masten hängt ein Bild zur Schau, dos unser schönes altes Rathaus auf dem Marktplatz zeigt Aber Tausende von Fremden, die diese Strahe passieren, lernen ous diese Weise auch unsere Stadt und unseren schönen Marktplatz ken- nen.
Die Aufnahme zeigt das Bild, mit dem Gießen in der Reichshauptstadt vertreten ist
(Scherl«Bilderdienst.)
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Stunde mit sicherer Hand und klarem Kops wieder bei der Arbeit bist.
10. Und nun auf pünktliches Wiedersehen bei der Musterung; und dann hoffentlich mit dem Befund tauglich!
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Gold nach Singa- pore".
Zum 2. hauptamtlichen Beigeordneten von Gießen ernannt.
Der seitherige kommissarische Beigeordnete unserer Stadtverwaltung Adolf Sudheimer ist von dem Herrn Reichsstatchalter im Beigeordnetenamt bestätigt und von dem Herrn Oberbürger- meister durch Urkunde vom 4. August 1936 zum zweiten hauptamtlichen Beigeordne- t e n unserer Stadt mit Wirkung vom 1. August 1936 ernannt worden. Die feierliche Einführung des Beigeordneten Sudheimer in sein Amt findet^ in einer öffentlichen Sitzung der Ratsherren am nächsten Montag statt.
Die deutsche Arbeitsfront n.5.=Gcmcinfdiaft „firaft durch freute"
Omnibusfahrt der Ortsgruppe Grohen-Linden am 23. August.
Am Sonntag, 23. August, findet eine Burgenrundfahrt statt. Sie führt über Leun — Diana- burg — Greifenstein — Braunfels. Der Fahrpreis beträgt einfchl. Besichtigung der Burgen Greifenstein und Dianaburg 3,20 Mark. Anmeldeschluß ist der 8. August. Anmeldungen können bei den Blockwal- tern der DAF. und bei dem Ortswart ,Lraft durch Freude", Pg. Steine! in Großen-Linden, sowie auf der Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstr. 18, abgegeben werden.
Oie Derkehrsopfer der Woche.
155 Tote und 4017 Verletzte.
Der Reichsverkehrsminister gibt bekannt, daß in der vergangenen Woche im Reiche wieder 155 Tote und 4017 Verletzte als Opfer des Straßenverkehrs zu beklagen find.
** Der Frauenverein für Deutsche über See im Reichskolonialbund. Die Vorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes, Frauenverein für Deutsche über See, gibt in unserem heutigen Anzeigenteil bekannt, daß die Mitglieder des Vereins in den auf Wunsch des Führers gegründeten Reichskolonialbund übernommen worden sind. Auf die heutige Anzeige sei besonders hingewiesen.
Große Strafkammer Gießen.
Ein Mann von auswärts wurde wegen Verbrechens nach § 175a Absatz 3 und Vergehens nach § 175 StGB, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit xu einer Gesamtgefängnis st rafe von sechs Monaten verurteilt. Der Angeklagte hatte in Gießen an Jugendlichen unsittliche Handlungen vorgenommen. Die Kosten des Verfahrens mürben dem Angeklagten auferlegt.
Acht-Millionen-Haushalt der Stadt Wetzlar.
Erhebliche Mittel für den Bau von Volkswohnungen.
Lpd. Wetzlar, 4. Aug. Der Bürgermeister von Wetzlar gibt jetzt den Haushalt der Stadt Wetzlar für das Rechnungsjahr 19 3 6 bekannt, der mit einer Gesamtsumme von rund acht Millionen Reichsmark abschließt. Auf den ordentlichen Haushalt entfallen davon insgesamt 5 135 156 RM. in Einnahme und Ausgabe, auf den außerordentlichen Haushalt kommen tn Einnahme und Ausgabe 2 865 867 RM. Der Haushalt ist in allen Teilen ausgeglichen. Besonders hervorzuheben ist, daß in dem Haushalt die Aufnahme eines Dar- lehens in Höhe von 100 000 RM. vorgesehen ist, die zur Errichtung von Volkswohnungen in Wetzlarer Vororten dienen und an die Nassauische Siedlungsbaugesellschaft in Frankfurt a. M. weitergegeben werden fallen.
Em raffinierter Betrüger verhaftet.
Lpd. Frankfurt o. M., 4. Aug. Wie der Polizeibericht meldet, wurde in Offenbach der 49 Jahre alte Johann Ott wegen Betrugs fest- genommen. Er suchte mit Vorliebe Missionshäuser und solche Personen auf, die als besonders mildtätig bekannt sind. Diesen schwindelte er vor, im Auftrage der Stadtmission zu kommen. Er hielt fromme Reden, gab an, „von Gott gesandt" zu sein | und versuchte auf diese Weise, Geld zu erlangen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Kleine Musterungs-Zibel.
Don Major ((5.) Pracht, Wehrbezirks-Offizier
1. Komme zur Musterung mit Freude und Stolz, also mit erhobenem Kopf und hellen Augen, in der Erwartung, daß dich der Arzt tauglich schreiben kann: zum „Kopf hängen lassen" ist es immer noch Zeit, wenn körperliche Fehler es dir verbieten.
2. Komme zur Musterung zusammen mit den Kameraden deines Dorfes. Wer sich schon bei der Musterung absondert, tut es meist auch sonst im Leben, er ist kein guter Kamerad.
3. Komme zur Musterung sauber gewaschen, vom Scheitel bis zur Sohle; du willst doch den besten Eindruck hinterlassen. Warmes Wasser, Seife und Bürste (gibt es überall, auch in Orten ohne Badeanstalt. Saubere Wäsche ist eine Forderung gegenüber dem Kameraden, die mit dir denselben An- kleiderauni benützen müssen.
4. Beantworte alle Fragen des Arztes nach bestem Wissen; nenne ihm auch ungefragt ernstlichere Krankheiten, an denen du selber oder deine nächsten Angehörigen erkrankt waren. Es ist dies für den Arzt von großer Wichtigkeit, um sich m der kurzen, verfügbaren Zeit ein sicheres Gesamt- urteil über deinen Gesundheitszustand zu bilden. Bleibe jedoch bei allen deinen Aussagen streng bei der Wahrheit. ri
5. Nenne dem Vorsitzenden der Musterungskommission ungefragt in höflichem Tone deine etwaigen Wünsche bezüglich Zuweisung zu einer bestimmten
Waffengattung. Sie werden, soweit die Möglichkeit dazu vorhanden ist, bei der Aushebung Berücksichtigung finden. Bedenke aber, daß du bei motorisierten Truppen nicht die SBebienung des Kraftfahrzeuges erst erlernen kannst; der vielseitige technische Dienst dieser Truppe verlangt gründliche Motorenkenntnisse und sicheres, durch langjährige Hebung erlerntes Fahren. Bedenke ferner: auch andere Waffengattungen benötigen hochwertigen Ersatz.
6. Besorge dir rechtzeitig zwei Paßbilder in Größe 45 X55 Millimeter (Brustbild ohne Kopfbedeckung); lasse sie am Musterungstag aber nicht zu Hause liegen, sondern bringe sie tatsächlich zur Musterung auch mit.
7. Schreibe im Wehrpaß deinen Namen an die dir angegebenen Stellen mit fester Handschrift, sonst hast du zeitlebens den Beweis dafür, daß du bei der Musterung gezittert und gewackelt hast. Und wenn du dies schon brim Schreiben deines Namens tust, wie soll es bann später beim Schießen werden?
8. Verlasse das Musterungsgebäude nicht eher, als bis du deinen Wehrpaß ordnungsgemäß ausge- händigt erhalten hast und über deine Meldepflicht belehrt worden bist. Du müßtest sonst deinen Wehrpaß nachträglich doch noch persönlich abholen.
9. Feiere den Musterungstag altem deutschem Soldatenbrauch gemäß im Kreise deiner Kameraden als Freuden- und Ehrentag. (Hoffentlich war auch dein Dienstherr früher einmal Soldat und gibt dir dazu die Möglichkeit!) Feiere den Musterungstag aber so, daß du am nächsten Morgen zur gewohnten
Das Verkehrsunglück am Bahnübergang bei Londorf.
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Unser Bild zeigt den am Montagmorgen verunglückten Lastkraftwagen der Gießener Metzgerei M e i st e r, der am unbeschrankten Bahnübergang zwischen Londorf und Nordeck von einem Zuge er
faßt und 100 Meter weit mitgeschleift wurde. Der Führer des Wagens erlitt — wie wir am Montag berichteten — glücklicherweise keine Verletzungen. (Aufnahme Gg. Baach, Londorf.)
Wunder einer Kinderstube.
von Paul Eipper
Das Känguruh fitzt hoch aufgerichtet auf seinen langen Hinterbeinen im Sand und putzt sich mit den Dorderpfötchen; ein Vorkommnis, das allen Tierfreunden sehr bekannt ist. Vielleicht fällt dem einen oder anderen Beobachter auch ein leichtes Zucken am Leib des Tieres auf: die Känguruhmutter hat ein Junges im Beutel.
Wir stellen diese Tatsache mit einer gewissen Selbstverständlichkeit fest; in allen gut gehaltenen Tiergärten bringen die Känguruhs regelmäßig Junge zur Welt — und dennoch enthüllt uns die nähere Beobachtung gerade hier Wunder über Wunder. M .
Die Wissenschaft bezeichnet die Beuteltiere als zweitunterste Säugetierordnung; jeder Laie weiß, daß sie alle am Körper eine Hautfalte haben, Die zu einem richtigen Brutbeutel ausgebildet ist; man sieht häufig, wie ein Känauruhkind sein kleines Hasenköpfchen aus der Leibhöhle seiner Mutter hervorstreckt. Aber wenn dies geschieht, ist das Junge schon viele Monate alt und hat mancherlei Veränderungen durchgemacht. Daseinsphasen, die für gewöhnlich uns Menschen verborgen blerben. Wollen wir einmal sehen, was die Forschung und der beobachtende Fachmann über dieses geheimnisvolle Werden einwandfrei künden können.
Nach knapp 40tägiger Tragzeit bringt das Känguruhweibchen ein völlig unentwickeltes, blindes und nacktes Geschöpf zur Welt, das winzig klein und dünn wie ein Würmchen ist. Selbst beim uber- mannshohen Riesenkänguruh beträgt Die Korper- länge des Neugeborenen nur 3 bis 5 3ennmeter, wozu noch ein ganz kurzes Schwänzchen kommt. Die später so lang werdenden Hinterbeine finb völlig unentwickelt, gaben noch nicht einmal Zehen- krallen. Dagegen kann man die vorderen Glitt)- maßen als lang und gut ausgebildet ansprechen; auch der Kopf des Tierchens ist unverhältnismäßig ^Diese Bevorzugung von Vorderbeinen und Kopf muß sein, weil jene beiden Körperteile zuallererst beansprucht roerben: Das für sich gllein völlig ledensunsähige „Würmchen" kriecht nämlich gleich nach der Geburt triebhaft am Leib der liegenden Känguruhmutter hinauf, und zwar hakt es sich mit den Kvallen seiner Dordersüßchen am wolligen
Bauchfell der Mutter fest, ruckt Zentimeter um Zentimeter aus eigener Kraft vorwärts. Früher meinten die Gelehrten, daß die Känguruhmutter das eben geborene Junge mit den Lippen oder mit den Pfoten in die Bruttasche schiebe; aber dazu'ift die Körperhaut des Jungen viel zu dünn und empfindlich; einwandfreie Beobachtungen aus jüngster Zeit haben nach Mitteilung von Professor Dr. Schmidt in Halle bewiesen, daß die Känguruh- mutter lediglich eine nasse Spurbahn mit ihrer Zunge leckt und dem Kinde so den Marsch erleichtert.
Im blutwarmen Beutel angekommen, empfindet wahrscheinlich der winzige Erdenbürger den ersten selbständigen Lebensdrang: Hunger, beziehungsweise Durst. Für seine Stillung hat die Natur meisterhaft vorgeforgt; Zitzen und Milchdrüsen sind im Beutel bereit, an eine davon findet bas Kinb in der Dunkelheit den Weg, und sobald fein Mund bas „Saugrohr" gefaßt hat, wächst er bis auf eine winzige runde Oeffnung zu. Die Zitze schwillt an und formt sich genau nach der Mundhöhle des Säuglings, so daß die kleine Kreatur — ohne Kraft zu gebrauchen — daran hängen bleibt. Aber nicht genug damit; rings um die Milchdrüse befindet sich ein Druckmuskel, Der während der nächsten Wochen geradezu automatisch die lebensnotwendige Menge Milch in die Mundhöhle des Kindes preßt.
Ruhe und Wärme, Schutz und Nahrung gibt die Känguruhmutter dem im Beutel liegenden, noch ganz untätigen Jungen, das erst ungefähr nach sieben Monaten der Verborgenheit zum erstenmal sein Näschen an die Luft hervorfchiedt. Aber auch dann verläßt es noch nicht den mütterlichen Beutel, wartet mit diesem aufregenden Abenteuer wohl noch weitere acht bis neun Wochen, betritt also erst drei- viertel Jahre nach der Geburt den Erdboden.
Dann allerdings gelingen meist auch schon beim ersten Versuch richtige Weitsprünge, denn die Hinterbeine haben nun die vorschriftsmäßige Heber- länge. Keineswegs unbeholfen sieht dieser Ur« Spaziergang aus; ich fand ihn temperamentvoll und anmutig, erstaunt vergnügtes Hüpfen eines Zwergleins.
Nun bekommt die Känguruhmutter dauernd neue Verpflichtungen aufgebürdet. Zärtlich streichelt, leckt und bürstet sie bas Junge während vieler Stunden am Tag, und wenn sie der Ansicht ist, daß ihr Kind Ruhe braucht und Schlaf, dann erleichtert sie ihm den Einschlupf in den Beutel, ja, sie schiebt sein Köpfchen sehr geschickt mit den beiden Vorder-
pfoten in die Leibhöhle, wiederholt dies unermüdlich, so oft auch die kleine Schnauze oder eine Ohrspitze wieder auftauchen will.
Die Bruttasche der Mutter bleibt überhaupt, zumindest während des ersten Jahres der Selbständigkeit, eine oft ausgesuchte Schutzinsel; wenn man genug gespielt hat, sobald man über irgend etwas erschrickt ober gar Angst bekommt vor Dem riesengroßen roten Vater, dann macht man auf der Hinterhand kehrt und stürzt sich mit einem jähen Kopfsprung in die absolute Sicherheit des mütterlichen Beutels.
Ich habe wiederholt gesehen, daß schon reichlich große Känguruhkinder noch immer diese Zuflucht nahmen, gewalttätig mit den Händen den Eingang der Leibfalte auseinanderzogen und solange zwängten und zerrten, bis sie wenigstens teilweise Raum im alten Wohnhaus fanden. Eines der langen Springbeine muß allerdings nun an der Außenwelt bleiben; es starrt wie ein überzähliger Knochen steil hervor.
Zuweilen gehen Mutter und Kind gemeinsam auf die Weide, das heißt, die Mutter bewegt sich langsam vorwärts; knabbert mit gesenktem Kopf Graser vom Boden, und bas im Beutel sitzende Kind tut bas gleiche, auch seine Lippen berühren äfenb ben Weioegrunb.
Einmal war ich Zeuge eines Mißverstänbnisses, man kann auch sagen: einer frechen Räuberei. Währenb bas Muttertier bes Riesenkänguruhs ben kleinen Sprößling wusch, Schnauze an Schnauze, kam wie von ungefähr ein anberes Jungtier ange- hüpft, bas vorjährige, längst felbftänbig geworbene Kinb. Ob in ihm noch immer bie Lust nach ber Muttermilch wirksam war? Jedenfalls steckte es sofort feinen großen Kopf tief in den Beutel, und die Schluckbewegungen an feiner Kehle verrieten uns zuschauenben Menschen deutlich die unerlaubte Nascherei.
Volksunterhaltung in Amerika
Die Wirtschaftskrise, die in den Bereinigten Staaten ein großes Heer von Arbeitslosen geschaffen hatte, hat nach einer Richtung günstige Folgen gehabt, sie hat ernsthafte Dolksunterhaltungen im großen Stile ins Leben gerufen. Die Behörden sian- den vor der Aufgabe, die verhältnismäßig besonders zahlreichen arbeitslosen Musiker, Schauspieler und Artisten vor der äußersten Not zu schützen, und die
Bundesregierung wie die Lokalbehörden suchten sie zu lösen, indem sie große Programme für Volks« Unterhaltungen aufstellten und von diesen Ardeits« losen ausführen ließen. So sind im Staate Neu« york allein seit dem Beginn dieses Jahres 1839 öffentliche Konzerte von Orchestern gegeben worden, die sich ausschließlich aus arbeitslosen Musikern zusammensetzten. Einundzwanzig Orchester wurden int ganzen gebildet, von denen drei vollständige Symphonie-Orchester sind. Man hatte so nicht nur ben Künstlern geholfen, sondern auch zwei Millionen Personen die Möglichkeit gegeben, gute Musik zu hören. Zweimal in ber Woche spielt im Zentralpark ein Tanzorchester für bas Publikum, und diese Tanzveranstaltungen unter freiem Himmel Haden einen sehr großen Erfolg. Im Staate Neuyork hat man auch feiernde Artisten zu einer Zirkusgruppe zufammengestellt, die abwechselnd in Krankenhäusern, Waisenhäusern und Altersheimen Dorstellun- gen geben, um die Kranken, die Kinder und die Greise zu unterhalten. In fünfundzwanzig Großstädten sollen während des ganzen Sommers Konzerte veranstaltet werden. 15 600 Musiker, die sonst auf dem Pflaster liegen würden, sind so beschäftigt, einem sehr großen Publikum gute Musik zu Gehör zu bringen. Eine gleiche Organisation ist auch für das Theater geschaffen, bald unter freiem Himmel, bald in großen Sälen finden Theateraufführungen statt, in denen nur sonst arbeitslose^ Schauspieler mitwirken; ber Eintritt ist meistens für bas Publikum frei. Hier werben klassische Dramen, aber auch neue Stücke gegeben. In ben letzten fünf Monaten würben 18 Schauspiele von bisher unaufgeführten Dichtern befonbers in Neuyork unb in ben größten Stäbten bes Westens aufgeführt. Bemerkenswert' ist dabei, daß eine Reihe von diesen Stücken einen guten Erfolg bei der Kritik hatten, so daß zwei von ihnen bereits für stehende Theater angenommen worden sind, während zwei andere in einem Drehbuch für den Film bearbeitet werden. In den öffentlichen Parks hat man auch große Spielplätze geschaffen, die nicht nur ben Kindern, sondern den Erwachsenen dienen, gleichfalls im Hinblick auf die Arbeitslosen, denen man helfen will, über die Zeiten der unfreiwilligen Muße hinwegzukommen. Wenn natürlich das Hauptziel auch immer bleibt, die Wirtschaft wieder anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit zu überwinden, so wird doch, solange dies nicht erreicht ist, auf die Dolksunterhaltung das größte Gewicht gelegt; es sind erhebliche Mittel dafür bereitgestellt. “•


