Ausgabe 
5.6.1936
 
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das umfangreiche Auftreten des Frühlings- kreuzkrautes entstehende Gefahr hingewiesen. In Lang-Gons und Langsdorf haben die Bürgermeister bereits die Vernichtung dieser Ge­fahr für Vieh und Ernte angeordnet und die Bauern zur Ausrottung durch Verbrennen aufgefordert. In Lang-Göns sind bereits zwei Schafe diesem Un­kraut zum Opfer gefallen.

Kreisdirektor Dr. Lotz sagte hinsichtlich des Feldschadens durch das zahlreiche Auftreten der Wildschweine die Unterstützung der Wünsche bei dem Kreisjägermeister zu und gab gleichzeitig bekannt, daß jeder Bürgermeister sich sofort der

Bekämpfung des Frühlingskreuzkrautes annehmen müsse, damit keine kostbare Zeit ver­streiche. lieber die Planzenschutzstelle und das Bo­tanische Institut der Universität sollen sogleich die notwendigen Belehrungen und Anweisungen her- ausgegeben und mit Hilfe der Tagespresse verbrei­tet werden, damit dem Bauern wirksamer Schutz zuteil werden kann. Durch die sofortige Inangriff­nahme der Vernichtung soll wertvolles Volksgut geschützt und gerettet werden.

Mit dem Gruß an den Führer wurde die Ta­gung beschlossen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Oer Holunder blüht!

Nun steht er in der ganzen Fülle seiner Pracht da, der Holunderstrauch. Es ist ein Bild von eigen­artiger Schönheit, wenn er um die Höhe des Jah­res feine herrlichen, weißen Dolden in die Luft reckt, die duftspendend eine große Zahl kleiner und kleinster Kerbtiere anlocken. Wie schön hebt sich da das zartgefiederte dunkle Laub dazu ab! Zu jeder Zeit des Jahres, besonders aber in den Tagen feiner Hochzeit, kann es der starke Holunderstrauch, auch Holder und fälschlich Fliederbusch genannt, mit den ausländischen Ziersträuchern und Blumen aufnehmen! Leider wird aber bei uns allzu sehr das Fremdländische bevorzugt, wenngleich gerade viele dieser Schmuckpflanzen eines besonderen Schutzes gegen die Winterkälte benötigen. Als Deck­pflanzung gegen die Sicht von der Straße her ist er besonders geeignet.

Trotzdem wird der Holunderstrauch vielfach Der- kannt und als Unkraut vernichtet. Und doch ver­deckt er verfallene Mauern und vernachlässigte Ge­bäudeteile, schafft reizende Bilder an Wald- und Bachrändern, belebt Feldraine und Schutthaufen und gibt größeren Hecken eine besondere Note. Ge­rade deshalb sollte er an solchen Stellen noch mehr Verbreitung finden. Kein Platz gebührt ihm in Haus- und Gemüsegärten, da er infolge seiner un­verwüstlichen Wachstumsfreudigkeit alle benachbar­ten Sträucher unterdrückt.

Wenngleich der Allerweltsstrauch so wenig ge­würdigt wird, so kann er doch der Menschheit von Nutzen sein, da er Wildstrauch und Heilpflanze zu­gleich ist. Kenner sammeln seine duftigen Blüten und bereiten daraus einen Tee (einen Teelöffel auf zwei Tassen), der blutreinigend, beruhigend, schweiß­treibend und gelinde abführend wirkt. Holunder­blütentee ist auch ein vorzügliches Mittel gegen Er­kältungskrankheiten und wird mit Erfolg bei Husten, Heiserkeit und Luftröhrenkatarrh angewandt. Daß die Blüten nur bei trockenem Wetter gesammelt werden, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Beim Trocknen vermeide man die Einwirkung direkter Sonnenstrahlen, weil dadurch ein Teil der flüchtigen, heilkräftigen Bestandteile verloren geht.

Ein Umschlag von frischgepflückten Blättern lin­dert starke Kopfschmerzen. Unsere Altvordern rieben alljährlich ihre Obstholzmöbel mit dem Blättersaft des Holders ein zum Schutze gegen Holzwürmer. Metallgeschirre setzen bei gleicher Behandlung weder Rost noch Grünspan an.

Auch in der Poesie wird des Holunderstrauches gedacht. Wenn jetzt in den warmen Sommeraben­den die Dorfjugend hinaus zum Anger oder Hag zieht, so klingt in die stille Nacht das zum Volks­lied gewordene:

Am Holderstrauch, am Holderstrauch, der blüht so schön im Mai, da sang ein kleines Vögelein ein Lied von Lieb und Treu.

Beim Holderstrauch, beim Holderstrauch, wir saßen Hand in Hand, wir waren in der Maienzeit die Glücklichsten im Land.

Beim Holderstrauch, beim Holderstrauch, da muß geschieden sein, komm bald zurück, komm bald zurück, HerzaUerliebster mein.

Beim Holderstrauch, beim Holderstrauch, da weint ein Mägdlein sehr, der Vogel schweigt, der Holderstrauch, der blüht schon lang nicht mehr. B.

Bornotizen.

Tageskalender für Freilag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Stjenka Rasin (Wol­ga-Wolga)". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Broadway-Melodie".

Deutsche Arbeitsfront.

Gau Hessen-Nassau. verwattungsslelle 19 Gießen.

Bekanntmachung.

Wir fordern hiermit sämtliche Ortsgruppen- und Betriebsgemeinschaftswalter auf, die Mitglieds­bücher bzw. Karten der Deutschen Angestelltenschaft einzuziehen und zur Umschreibung gegen eine Ge­bühr von 50 Pf. bei uns einzureichen. Zur Deut­schen Angestelltenschaft gehören nachstehend aufge­führte frühere Verbände:

Verband der Land- und Forstangestellten,

Deut eher Werkmeisterverband,

Deut cyer Techniker-Verband,

Deut cher Büro- und Behördenangestelltenverband, Deut ch-Nationaler Handlungsgehilfenverband, Zentralverband der Angestellten, Gesamtverband der Angestellten,

Verband weiblicher Büroangestellten

usw.

Wir bitten unsere Mitglieder, ihre Mitgliedsbücher bzw. -Karten an den zuständigen Ortsgruppen» bzw. Betriebsgemeinschaftswalter abzugeben.

LandschastsbundVolkstum undHeimat.

Ortsring Gießen.

Sonntag, 7. Juni, 10 Uhr, Führung durch das Hauptpost-, Telegraphen- und Selbstanschlußamt. Treffpunkt auf dem Posthof.

NSDAP. - Amt für Aolkswohlfahrt.

Ortsgruppe Giehen-Süd.

Am Montag, 8., und Dienstag, 9. d. M., findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd die Opfer­ringsammlung durch die NS.-Frauenscbaft statt.

Die Einwohnerschaft wird gebeten. Die Spenden bereitzuhalten.

Ministerialrat Löhlein t

Am Mittwoch ist der Ministerialrat i. R. Dr. h. c. Konrad Löhlein im Alter von nahezu 60 Jahren verstorben. Der Verewigte ist durch seine Tätigkeit in der früheren hessischen Regierung als Referent der Universität Gießen, der Technischen Hochschule Darmstadt und anderer Bildungsstätten (Museum, Landesbibliothek) in weiteren Bevölke­rungskreisen bekannt geworden. Mit besonderem Eifer war er um die Förderung der Belange der Universität Gießen bemüht, die seinem Wirken einen erheblichen Teil ihres Ausbaues nach den verschiedensten Richtungen hin zu danken hat. In Würoiaung dieser fürsorglichen Betreuung der Universitätsinteressen wurde Ministerialrat Löhlein im Januar 1924 von der Universität zum Doktor der Medizin ehrenhalber ernannt, im Juli 1928 erfolgte ferner seine Ernennung zum Ehrensenator der Universität.

Der Entschlafene war ein Sohn des von 1888 bis 1901 in Gießen wirkenden Professors der Gynäko­logie und Direktors der Universitäts-Frauenklinik, Geheimen Medizinalrats Professor Dr. Löhlein, der aus Coburg stammte. Konrad Löhlein erhielt seine Schulausbildung von Herbst 1882 bis Herbst 1888 am Askanischen Gymnasium in Berlin, von Herbst 1888 bis zum Frühjahr 1894 am Gymnasium in Gießen. Von 1894 bis 1897 widmete er sich dem Studium der Rechtswissenschaft in Jena, Heidelberg, Berlin und Gießen. Nach dem Referendarexamen

Ende des Sommersemesters 1897 war er als Refe­rendar am Amtsgericht Groß-Gerau, beim Land­gericht, der Staatsanwaltschaft und beim Kreisamt Gießen tätig. Im Herbst 1900 bestand er das Assessor­examen, danach wirkte er bis September 1901 als Regierungsassessor in Heppenheim, anschließend war er bis zum Oktober 1904 im Dienste der Rentkam- mer des Fürsten Carl zu Solms-Hohensolms-Lich. Hierauf war er als Regierungsaffeffor am Kreisamt Lauterbach beschäftigt, sodann in gleicher Dienst- fteUung in Dieburg und in Offenbach. Vom Jull 1907 bis Ende März 1912 war er Kreisamtmann in Offenbach, danach bis Anfang April 1916 Mini- fterialfcfretär im Ministerium des Innern in Darm­stadt, hierauf bis Ende April 1919 ständiger Hilfs­arbeiter und Regierungsrat im Ministerium des In­nern. Vom 1. Mai 1919 bis 30. September 1921 wirkte er als Vortragender Rat im damaligen Lan­desamt für das Bildungswefen und zwar in der Abteilung für Schulangelegenheiten, als Referent für die beiden hessischen Hochschulen, Museum und Landesbibliothek usw. Zu jener Zeit war er Ober- regierungsrat, ab 1. Oktober 1921 war seine Ernen­nung zum Ministerialrat in der gleichen Dienst­stellung erfolgt. Er war ferner geschäftsführender Direktor des Landesmuseums zu Darmstadt und Mitglied des hessischen Verwaltungsgerichtshofs. Vor einigen Jahren trat er in den Ruhestand.

Die braunen Glücksmänner sind wieder da.

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Am heutigen 5. Juni, 11 Uhr, wird mit einer Ansprache des Reichsschatzmeisters der NSDAP, über alle deutschen Sender die 7. Reichslotterie für Arbeitsbeschaffung eröffnet Darnach ziehen wieder die braunen Glücksmänner in unsere Stadt ein, und bald werden sie an den belebtesten Plätzen der Stadt der Anziehungspunkt für die opfer- und kauffreudigen Volksgenossen sein. Noch ist die Ar­beitsschlacht nicht gewonnen, noch ist es notwendig, daß jeder einzelne Volksgenosse, der sich in Arbeit und Brot befindet, über den gewöhnlichen Rahmen hinaus mithilft, das große Werk des Führers zu unterstützen und durch selbstlosen Einsatz zum Ge­lingen zu bringen.

Was während der Sommer­schlußverkäufe nichlverkaust werden darf

Fwd. In den Sommerschlußverkäufen des Jahres 1936 dürfen nach einer im Reichsanzeiger vom 3. Juni veröffentlichten Anordnung des Reichswirt- schastsministers die nachstehend aufgeführten Waren oes Textilgebiets nicht zum Verkauf gestellt werden: Glatte (ungemusterte) weiße Wäschestoffe jeder Art einschl. Rohnessel, Inletts jeder Art, Handtücher ein­schließlich Küchenhandtücher, Erstlingswäsche, glatte (ungemusterte) ungarnierte Bettwäsche, auch wenn sie mit garnierter Bettwäsche zu einer Garnitur zu­sammengestellt wird; Bettfedern, Kapok und sonsti­ges Bettenfüllmaterial, Matratzen, Matratzenschoner, Reformbetten, Bettstellen, blaue Mützen aller Art, schwarze steife Herrenhüte, schwarze weiche Herren­hüte, Berufskleidung (zugelassen sind jedoch Livreen

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JRoman von Markise Kölling.

Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau.

32. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Alles auf derBurg" schlief. Die große Stand­uhr im Herrenzimmer hatte die zweite Nachtstunde geschlagen. Hans-Hermann lag schlaflos im Bett und lauschte.

Alles war totenstill. Nur der Wind draußen heulte und sauste. Wenn das Meer sich, vom Sturm getrieben, gegen die Felsen warf, klang es jedesmal, als würde eine schwere Tür ins Schloß geschlagen.

Leise erhob sich Hans-Hermann. Er zog die Haus­schuhe an und schlich im Pyjama, nur den Bade­mantel übergeworfen, aus dem Zimmer.

Er wagte es nicht, Licht zu machen. Im Dunkeln tastete er sich vorwärts durch die Gänge bis an die Treppe. Stufe um Stufe schritt er empor.

Jetzt wagte er mit der Taschenlampe zu leuchten. Er war nun im zweiten Stock des Hauses. Behut­sam öffnete er eine Tür. Hier war das Atelier, in bem Steffens zu arbeiten pflegte, und hier an der Wand standen die Mappen mit den Zeichnungen Hubert Zedlitz'.

Leise breitete er die Blätter auf Dem Tisch aus, prüfte die Zeichnungen, zählte sie. Es waren an fünfundfünfzig Stück. Eine Lifte lag nirgends da­bei, niemand schien sie bis jetzt nachgesehen zu haben.

Peggy hatte recht: niemand würde etwas erfah­ren. Hatten nicht Steffens und der Kunsthändler Torsion immer wieder betont, wie wertvoll diese Zeichnungen wären? Er war ein Narr, wenn er nicht den einzigen Weg zur Rettung benutzte.

Mit zitternden Händen ergriff er acht der größten Blätter. Dann stellte er die Mappe wieder auf ihren Platz. Er band eine Schnur um die geraubten Blätter und schlich mit ihnen langsam um) vorsich­tig wieder hinab in sein Zimmer.

Der Regen fiel in dünnen Schnüren die ganze Nacht hindurch und trommelte an die Scheiben. Hans-Hermann hatte keine Stunde Schlaf mehr ge­funden. Was er getan und was er noch tun mußte, nun er den ersten Schritt vom Wege abgekommen,

brannte in ihm wie ein Fieber. Endlich wurde es grau im Osten, dann hell. Meer und Land hoben sich schattenhaft aus dem Regeneinerlei.

Auf derBurg" war noch alles still. Man war hier gewohnt, bis tief in den Tag hinein zu schlafen. So hatten es auch die Hausangestellten nicht so eilig mit dem Arbeitsbeginn. Hans-Hermann hatte sich oft darüber gewundert, wieviel Freiheit den Angestellten hier gelassen wurde. Heute aber war es ihm wie eine Erlösung. Was hätte er sagen sollen, wenn man ihn früh um halb acht Uhr hatte aus dem Hause schleichen sehen, das große flache Paket unter dem Arm?

Er wollte die entwendeten Zeichnungen an einen Freund nach Berlin schicken. Gleichzeitig wollte er ihn in einem Ferngespräch veranlassen, ihm um- gehend ein dringendes Telegramm zu senden, daß man ihn zu einer dringenden Geschäftsbesprechung in Berlin erwarte. War er erst in Berlin, dann konnte er sehen, die Zeichnungen zu Geld zu machen. Aus Gesprächen Torssons, Steffens' und Lonnes wußte er ja ungefähr, was die Zeichnungen Onkel Huberts wert waren. Auf jeden Fall würde er feine Schuld an Lonne zahlen können.

Nun war er außer Sicht des Hauses. Er schritt schneller aus. Um acht Uhr mußte das Paket an dem Morgendampfer abgegeben und vorher bei der Post sein. Er eilte durch Den sprühenden Regen über die triefenden Wiesen wie gehetzt dahin. Er würde erst ruhig werden, wenn das Paket von der Insel fort war.

An der Poft herrschte ein ziemliches Gedränge. Das ältliche Postfräulein hatte alle Hände voll zu tun. Es war stillschweigend zur Gewohnheit gewor­den, daß in den letzten Minuten vor Dampfer- abfahrt jeder mit Hand anlegte, um seine Pakete noch zur Zeit an Bord zu verfrachten. Hans-Her- mann drängte sich in die Reihe Der Wartenden. Endlich hatte er den Stempel auf feinem Paket.

,Hch liefere es selbst ab", rief er dem Briefträger Zu, dessen Karren schon, hochbepackt, bedenklich über eine Pfütze hinwegschwankte.

Nun stand er auf dem Laufsteg, der das Bollwerk mit dem Dampfer verband. Da fuhr er zusammen in der Menschengruppe vor sich erblickte er Benebitte.

Um keinen Preis durste diese ihn hier sehen! Ihm war es, als müßte sie ihm bis auf den Grund der Seele schauen und sofort wissen, was er vorhatte, was das flache Paket enthielt.

Er drängte zurück, ein paar Fischer wichen schimpfend zur Seite. Drängelei und Eile kannte man hier nicht, hier ging alles immer gemächlich und ruhig zu. Fast war er schon an Land, da sagte plötzlich eine Stimme:

Nanu, Zedlitz, was machen Sie denn so früh hier?" .

Hans-Hermann fühlte, wie er kreideweiß wurde. Lonne? Wie kam Lonne hierher? Wie Steffens? Wann waren die beiden gekommen, was wollten sie hier am Dampfer? Seine Knie zitterten, feine Hände wurden kalt.

Holla", Lonne griff zu,um ein Haar hätten Sie das Paket fallen lassen halten Sie doch mal, Steffens, ich habe ja selbst die Hände voll."

Wie es geschah, wußte Hans-Hermann nicht zu sagen. Steffens nahm das Paket. War der Bind­faden nicht fest geknotet, hatte ein höllischer Zufall feine Hände im Spiel? Ein erschreckter Ausruf Stef­fens', während der Dampfer gerade losmachte und sich in Bewegung setzte, während die Menschen auf dem Landungssteg zurückströmten, während Hans- Hermann mehr fühlte als sah, daß Benedikte sich ihnen näherte, riß der Bindfaden, das Papier löste sich: Im letzten Augenblick gelang es Steffens, die zu Boden gleitenden Skizzenblätter Hubert Zed­litz' aufzufangen.

Was was ist denn das?" fragten Steffens und Lonne wie aus einem Munde Hans-Hermann hatte nur einen Wunsch, die Erde mochte sich öffnen und ihn verschlingen.

Jetzt tauchte auch Benedikte dicht neben ihm auf. Sie hatte ihn augenscheinlich bisher noch nicht ge­sehen. Ohne zu begreifen, starrte sie auf die Gruppe. Wie unter einem Zwange hob Hans-Hermann die Augen, sah Benedikte an und wurde glühend rot. Da sagte Lonne, verbindlich den Hut ziehend:

Guten Morgen, Fräulein Zedlitz! Schon, daß wir Sie treffen. Ich wollte eben zu Ihnen. Torsion hat gestern abend telephoniert, er mochte umgehend ein paar Probezeichnungen nach Stralsund geschickt haben, wo er sich für einen Tag auf der Durchreise mit ein paar Kunstfreunden aufhält. Ihr Herr Vet­ter war so freundlich, es zu erledigen leider war die Sendung schlecht verpackt. Recht ärgerlich, nun kommt das Paket nicht mehr mit. Torsion wird ver­geblich warten. Schlimmstenfalls schicken wir es mit meinem Motorboot hinüber. Kommen Sie nur, Zed-

unb Chauffeuranzüge), Pelze, pelzgefütterte Mäntel, Teppiche, Brücken und Verbindungsstücke jeder Art (zugelassen sind jedoch Läufer und Vorlagen), Fah. nen und Fahnenstoffe jeder Art, Herrenschirme und Stocke, glatte schwarze Damenschirme und Garten- schirme.

Die Handwerker-Radsternfahrer in Gießen.

Am heuttgen Freitag werden die Handwerker- Radsternfahrer, die bekanntlich auf der Fahrt zum Reichshandwerkertag in Frankfurt mit ihren Fahr- rädern unterwegs find, in Gießen eintreffen. Die Sternfahrer werden etwa zwischen 16 und 16.30 Uhr aus Richtung Lollar kommend an der Karlsruhe eintreffen und von dort aus mit Musik eingeholt werden. Der Zug wird durch die Marburger Straße, Walltorstraße, Kirchenplatz, Marktplatz, Schulstraße, Sonnenstraße, Kreuzplatz, Seltersweg, Horst - Wessel - Wall, Bahnhofstraße, Neustadt zum Oswaldsgarten gehen, wo ein Empfang durch die Gießener Innungen mit ihren Jnnungsfahnen stattfindet. Nach der Ausgabe der Quartierzettel werden die Gäste sich zu ihren Quartieren begeben. Heute, um 20 Uhr, wird sich ein von der NSG.Kraft durch Freude" veran- ftalteter Kameradschaftsabend im Cafö Leib an- fchließen, an dem das gesamte Handwerk unserer Stadt teilnehmen wird. Morgen, um 6 Uhr, werden die Sternfahrer die Fahrt nach Frankfurt am Main fortsetzen.

ßitt guter Regen.

Nach schwülem Vormittag zog gestern in den Nachmittagsstunden ein Gewitter über unsere Ge­gend, das endlich den langersehnten Regen brachte Anfänglich gab es nur einige stärkere elektrische Entladungen, dann aber gewitterte es nur noch ab und zu. Um so kräftiger aber wurden die Nieder­schläge, die zu Beginn des Gewitters mit einigen Hagelkörnern untermischt waren. Schaden hatten diese aber nicht im Gefolge. Bereits beim Einbruch der Dunkelheit zeigte der Niederschlagsmesser eine Regenmenge von über 28 Millimeter an. So hat der einzige Tag mehr als die doppelte Feuchtigkeit gebracht als der ganze Monat Mai mit nur 11,3 Millimeter Niederschlage. Da es auch die Nacht über regnete, so konnten am heutigen Morgen 40 Millimeter Niederschläge gemessen werden, geradezu eine Rekordmenge in einer Zeit von ungefähr 14 Stunden. Dabei sieht der Himmel aus, als ob er noch mehr Naß abgeben wollte.

Der Regen kommt vor allem der Sommerfrucht sehr willkommen, aber auch die Hackfrüchte, die Leinäcker und Futter- und Körnermais Durften danach. Die Gartenkulturen, die bereits unter der andauernden Trockenheit zu leiden begannen, wer­den nun zu neuem Wachstum angeregt. Für die vollbehangenen Steinobftbäume, vor allem für Zwetfchen, Reineklauden, Mirabellen und Kirschen waren die kräftigen Niederschläge sehr willkommen, da in sandig-trockenen Lagen bereits gesunde Früchte mangels der notwendigen Feuchtigkeit abgestoßen wurden. Wenngleich die aerobe begonnene Heuernte unterbrochen und auch erschwert wird und die vielen mit erntereifem Rotklee- und Luzernedörrfutter be­ladenen Kleeböcke nicht abgerüftet werden können, so freut sich Der Bauersmann doch des durchweichen­den Regens, der die Gefahr Der Futterknappheit bannt und Die Möglichkeit zum erfolgreichen Setzen Der Dickwurzpflanzen schafft.

Als Folge der heftigen Regengüsse ist bei einzel­nen besonders üppigen Roggenschlägen eine teilweise Lagerung eingetreten, die aber keinen Schaden brin­gen wird, da die Blüte und somit die Bestäubung schon vor einer Woche erfolgte.

Die Kartoffelpreise im Juni.

Nach der Anordnung des Vorsitzenden der Haupt­vereinigung der deutschen Kartvffelwirtschaft ist nun­mehr auch für das Gebiet des Kartoffelwirtschafts- verbandes Heffen-Nasiau der Juni-Preis für Speise- Kartoffeln bekanntgegeben worden. Danach sind die im Mai gültigen Erzeugerpreise frei Ort des Ver­brauchers auch für Juni gültig; die Preise für gelbe Speisekartoffeln liegen zwischen 3,10 und 3,30 RM., Die Preise für weiße, rote und blaue Speifekartoffeln zwischen 2,70 und 3, RM. Der Erzeuger hat die

Gute Möbel bei Koos

Giessen Schulstn6

litz, damit wir es drüben im Gasthaus besser ein« Magen. Auf Wiedersehen, Fräulein Zedlitz, sowie Torssons Leute sich geäußert haben, wird er Ihnen wohl direkt Mitteilung machen."

Ja, vielen Dank", Benedikte sagte es ganz me« r?niU' fte M immer nur Hans-Hermann an. Das alte Gefühl für ihn, das sie in Erinnerung an Die gemeinsam verlebte Jugendzeit immer noch nicht ver­loren hatte, sagte ihr klar: Lonne redete die Un­wahrheit. Niemals hatte Hans-Hermann das Paket auf die Bitte Torffons hin befördert. Das schlechte Gewissen stand Dem Vetter ja auf Die Stirn ge­schrieben.

Aosua hatte ihr ein paarmal von den wilden Spielabenden auf derBurg" erzählt. Ein Aus- hilfsmädchen hatte nicht dicht gehalten. Benedikte verstand alles. Lonne hatte eine Ausrede erfunden, um Hans-Hermann zu schützen. Aber Lonne hatte sich umsonst bemüht.

Hans-Hermann ein Dieb? Hans-Hermann, der Mann, von dem sie einmal gedacht, sie konnte ihm gut sein--!

Eine tiefe Traurigkeit ergriff sie.

Sie konnte Hans-Hermann nicht mehr ansehen, sie hätte irgend etwas tun müssen; aber sie wußte nicht, was. War er wirklich ganz verloren? Konnte ihm niemand helfen?

Wäre Benedikte Zedlitz noch der ungebrochene Mensch gewesen, wie vor der Entfremdung Jens Petersen gegenüber, sie hätte sicherlich irgendein be­freiendes Wort gefunden. Vielleicht yätte sie Hans- Hermann bei der Hand genommen und iyn in ihr Hous geholt und ihm allerhand harte und offene Worte gesagt. Und hätte doch hinter diesen Worten ihn ihre Freundschaft, ihre Sorge spüren lallen. Aber seitdem sie selbst mit Mißtrauen und Kummer kämpfte, war diese Kraft in ihr matt geworden. Sie konnte nichts sagen, nicht eingreifen. Sie ließ Hans- Hermann gehen...

Wie gejagt floh sie über die Wiesen, sah nicht rechts noch links. Die Scham für den Vetter brannte i^r auf der Seele und die Scham ihrer eigenen Schwachheit wegen. Sie überhörte Die Grüße der Vorbeikommenden. Sie sah auch Jens Petersen nicht, roie er am Fenster seines Schulhauses stand und sehnsüchtig zu ihr herüberspähte.

Sie eilte in ihr Zimmer, und hier loste sich ihre Verzweiflung in bitteren Tränen.

(Fortsetzung folgt 1)

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