„Gijenka TRofin."
Gloria-Palast
Abermals, nach „Anna Karenina" und dem „Abenteurer von Paris", ein russisches Thema, diesmal ein berühmtes, historisches aus dem 17. Jahrhundert. Die Handlung sammelt sich um die volkstümliche, in den Kosakenliedern verklärte Gestalt des Stjenka Rasin, der für die Freiheit und Unabhängigkeit seiner zarentreuen Kosaken wider die Üebergriffe und Unterdrückungsgelüste der selbstherrlich-mächtigen Bojaren kämpft und am Ende sollt Diese Kämpfe und die Liebe Stjenkas zu der schönen Tochter seines Feindes, des Fürsten Dol- goruki, machen den eigentlichen Inhalt der Fabel aus. Die auch bei uns durch zahlreiche Gastspiele bekanntgewordene, schwermütig-melodiöse Volksweise „Stjenka Rasin" bildet zusammen mit einer anderen, mehr lyrisch gefärbten, das musikalische Leitmotiv des Films. Der prachtvolle Gesang des Donkosakenchors (Leitung: Dirigent I ar off) gehört für unser Empfinden mit zu den stärksten Eindrücken, welche diese Produktion der Terra vermittelt. Das großartige, naturhafte Stimmenmaterial des Kosakenchors kommt gerade auch in der Tonwiedergabe ausgezeichnet zur Geltung. Daneben muß der Kameramann Franz Weihmayr mit besonderer Anerkennung genannt werden: er hat schöne, qroßlinige und stilvolle Aufnahmen geschaffen, welche sich als die beste Stütze der'Regie erweisen Die Spielleitung hatten Alex Volkoff und Walter Janssen, der, vor Jahren ,ugend- licher Held am Frankfurter Schauspielhaus, als Darsteller in zahlreichen Filmen bekannt wurde Das Buch schrieb der Dramatiker Kurt He y n t ä e. 3m Gesamteindruck (es ist schwer zu entscheiden ob der Autor oder die Regie dafür verantwortlich sind) stören einige durchaus modern gefaßte Dialogpartien und Episoden, deren Ton mit dem Wnst überall gewahrten Stil des historischen Kostumsttms nicht in Einklang zu bringen ist. Im übrigen hat die Spielleitung eine Anzahl größerer Bild- und Szenengruppen zusammengefaßt und diese teils auf repräsentative Wirkung, teils auf realistische Detailschilderung gestellt: so etwa den Ueberfall der Dataren auf die von Stjenka durch die Steppe geleitete Prinzessin: oder die Wolgaschiffer-Szene, em auch filmisch dankbares Motiv: und vor allem die später sich entspinnenden Kämpfe auf der Wolga- Sarke. in deren Verlaufe sich der eiaentlich drama
tische Konflikt aus der Liebe zwischen Stjenka und der Prinzessin einfach und glaubhaft entwickelt. Den Stjenka Rasin spielt Hans Adalbert v. S ch l e t - t o w, der für den Kosakenhelden sowohl die stattliche äußere Erscheinung al» auch die männlich- heroischen Züge des Freiheitsführers mitbringt. Als die Prinzessin Dolgoruki sieht man Wera E n - g e l s , eine anmutige und mit sparsamen Mitteln sehr ausdrucksvolle Darstellerin Den Fürsten Dolgoruki spielt George: obwohl die Rolle ihm keineswegs die volle Entfaltung seiner bedeutenden schauspielerischen Persönlichkeit gestattet, gelingt ihm doch auch hier die Gestaltung einer blut- und temperamentvollen, psychologisch scharf profilierten Figur. Gut wirken in kleineren Rollen Anton P ö i n t n e r, Hubert von Meyerinck, Hans Joachim S ch a u f u ß und Philipp M a n n i n g als Alexey Michajlowitsch, der „stille Zar" Eine lebendige und humorvolle Charge bietet der Komiker Rudolf Platte als Filka, doch fallen eben dessen Auftritte wegen ihres saloppen Tones in dem bereits angedeuteten Sinne aus dem Rahmen des Historienfilms —r—
Olympische Kücheniorgen
Von Annie Juliane sichert.
Bald wehen die Flaggen von fast 50 Nationen auf der deutschen Kampfbahn auf dem Reichs- Sportfeld, und weithin ertönt zum erstenmal die Olympiaglocke um die Jugend der Welt zu rufen Sie wird auf der 11 Olympiade in den beiden Augustwochen des Olympiajahres 1936 auf 19 Sportgebieten die Weltmeisterschaft austragen. Hunderttausende werden dem gewaltigen Sportereignis beiwohnen.
Sport, ob er nun ausgeübt wird, oder ob man als Zuschauer alle Aufregungen miterlebt, macht gewaltigen Hunger, und so rüstet sich Deutschland als Wirt im gigantischen Maßstabe zur Betreuung seiner Gäste. Allein im olympischen Dorf, das die Wehrmacht des Deutschen Reiches erbaut und verwaltet, muß der Kommandant, Hauptmann F ü r st n e r, eine Familie von 3000 Köpfen und ebensoviel hungrigen Mäulern betreuen. Der Norddeutsche Lloyd hat mit seinen Bewirtungserfahrungen aus der ganzen Welt ihm daher die Sorge um bas Magenwohl dieser kinderreichen Familie abgenommen. Denn außer den 3000 Kämpfern sind auch noch 700 Wirkschaftsanaestellte zu versorgen.
Der GA.-Sporttag in Gießen
Wett-
der Ruhe zu geben.
SA.-Gruppenführer B e ck e r l e. (Bildarchiv: SA.-Gruppe Hessen.)
Im Beisein des Kreisdirektors Dr. Lotz tagte am gestrigen Donnerstagnachmittag im Unioersitäts- Cafä zu Gießen die Kreisabteilung Gießen der Landesdienststelle Hessen-Hessen-Nassau des Deutschen Gemeindetages.
1900. Der Verpflegungsplatz für sämtliche kampfmannschaften ist an der Volkshalle.
Der Marsch der 10 000 SA.-INänner durch die Stabt
und Feiertagsruhe, das die Beachtung während des Hauptgottesdienstes regelt. Dann sprach
Kegierunq^raf Grein
Mannschaften rechnen kann. Während dieser Stunden und im Verlaufe des Nachmittags finden weitere sportliche Wettkämpfe
statt, über die in der Zeitfolge (Preis 0,20 Mark, berechtigt zum Eintritt zu allen Veranstaltungen am Universitätssportplatz und dem Trieb) genaue Einzelheiten mitgeteilt werden. Um 13 Uhr am Sonntag findet
die Verpflegung der rund 10 000 SA.-Wänner des Sporttages
statt. Als Verpflegungsplätze find folgende Orte vorgesehen: Standarte 116 an der Liebigshöhe, Standarte R 116 am Schützenhaus, Standarte 222 an der Wellersburg, Standarte R 22 an der Karlsruhe, Standarte 254 mit Marine 11/34 und Reiter- SA. auf dem Sportplatz der Spieloereinigung
wird am Sonntag im Anschluß an die Paradell u f st e l l u n g auf dem Platz an der Grünberger Straße vor sich gehen. Dieser Marsch der braunen Kolonnen wird, wie wir gestern bereits berichteten, durch die Kaiserallee, über Ludwigsplatz, Neuen Säue, Sonnenstraße, Kreuzplatz, Seltersweg, Hin- denburgwall, Bleichstraße, Ludwigstraße zur Universität führen. Am Universitätsgebäude erfolgt der
Vorbeimarsch vor dem Gruppenführer Veckerle, wobei alle SA.-Einheiten sich bemühen werden, in schneidigem Marschschritt ihre gute Marschdisziplin und vortreffliche Ausrichtung zu zeigen. Die Einheiten werden vom Vorbeimarschplatz an der Universität aus durch die Gartenstraße in Richtung Stadttheater abrücken und dann entweder zum Bahnhof zur Heimfahrt oder zu ihren Sturmlokalen marschieren.
Bürgermeisterversammlung in Gießen
Wichtige Aufklärungen über das Fremdenverkehrswesen.
Kampf gegen das Frühlingskreuzkraut und gegen die Wildschweinploge.
Das Interesse der Gießener Bevölkerung an dem Sporttag der SA..Brigade V7/ L>berhessen, am morgigen Samstag- abenö und am kommenden Sonntag ist allenthalben bereits sehr groß. Zahlreich sind die Fragen, die an die SA.-Manner nach den einzelnen Teilen der bedeutsamen Veranstaltung gerichtet werden. Insbesondere wird dabei starkes Interesse an den sportlichen Wettkämpfen im Verlaufe des Sonntags be-
SA. und von den mitwirkenden SA.-Männern mit großem Eifer und mit aller Hingabe für das gute Gelingen sämtlicher Darbietungen gearbeitet wird. Man kann heute bereits mit Gewißheit betonen, daß die Ausgestaltung dieser Eröffnungskundgebung ein besonderes Ereignis im Wirken der SA. unsrer oberhessischen Heimat sein wird. Da keine Numerierung der Plätze vorgesehen ist, sondern jedermann ganz nach Belieben Platz nehmen kann, ist es empfehlenswert, sich rechtzeitig mit Eintrittskarten (0,30 RM. pro Person) zu versehen, die bei jedem SA.-Angehörigen zu haben sind, außerdem am Samstagabend auch frühzeitig in der Vvlkshalle zu erscheinen, da die Veranstaltung pünktlich beginnen wird. Alle Volksgenossen und Volksgenossinnen aus Stadt und Land werden bei diesem Abend erwartet.
Aus den Bestimmungen für den Sonntag ist hervorzuheben, daß die an dem
20-kilomeler-!Nannschafts-Gepäckniarsch teilnehmenden Mannschaften im Anschluß an die um 7 Uhr stattfindende Flaggenhissung sofort zur Liebigshöhe abrücken, dort ihr Marschgepäck empfangen und unmittelbar anschließend zum Start an der Volkshalle antreten. Dann wird in Abständen von je drei Minuten eine Wettkampfmannschaft nach der anderen auf die Strecke gehen, die bekanntlich vom Trieb aus über Wiejeck, Wißmar, Launsbach zurück nach Gießen durch die Rodheimer Straße, über den Werner- und den Hitlerwall durch die Moltkestraße und die Kaiserallee zum Trieb führen wird, wo man etwa von 10.30 Uhr ab mit dem Eintreffen der Wettstreit-
kundet. Gleiche Aufmerksamkeit wird aber auch der großen Eröffnungskundgebung am morgigen Sams- iagabend in der Bolkshalle entgegengebracht, lieber den
Verlauf der Eröffnungskundgebung
ist vorschauend folgendes zu berichten: Nachdem die Feldzeichen der SA.-Standarten 116, 222 und 254 sowie die Sturmfahnen des SA.-Standorts Gießen um 20 Uhr vor der Bolkshalle aufmarschiert sind, erfolgt der Einmarsch der Standarten- und Fahnen- flruppe unter dem Befehl des Standartenführers Lutter so zeitig in die Volkshalle, daß die Kundgebung pünktlich um 20.30 Uhr eröffnet werden kann. Zunächst wird Brigadeführer Schmidt, der Führer der Brigade 147, Oberhessen, eine Ansprache an die Versammlung ! richten, anschließend wird gemeinsam das Lied „Ich hat einen Kameraden" gesungen. Nach einem Musikstück des Musikzugs der Standarte 116 wird der Kreisleiter Dr. Hildebrandt sprechen. Anschließend wird der Musikzug der Standarte 116 zwei Heroldsmärsche mit Kesselpauken zu Gehör bringen. Sodann werden SA.-Kameraden der Standarte ! 116 Bodenturnen zeigen. Hierauf wird ein Massen- * Sängerchor von SA.-Männern unter Begleitung des Musikzugs 116 drei Lieder singen und m Verbindung damit eine symbolhafte Aufführung vor ! sich gehen. Nunmehr wird der Höhepunkt der Kund- j gebung in der Ansprache des SA. - Grup- i penführers Beckerle folgen. Mit dem Aus- marsch der Fahnengruppen wird die Kundgebung ihren Abschluß finden. Wer bisher Gelegenheit gehabt hat, die tatfräftigen Vorbereitungsarbeiten für diese Kundgebung zu sehen und zu hören, der muß sagen, daß von den beteiligten Dienststellen der
Der Kreisobmann, Bürgermeister Euler (Wie- seck), eröffnete die Bürgermeisterversammlung mit der Bekanntgabe verschiedener dienstlicher Rundschreiben. Anschließend gab er eine Vereinbarung des Deutschen Gemeindetages mit der Deutschen Arbeitsfront bekannt, nach der die Uebertragung der dienstlichen Schreibarbeiten der Gemeinden derart neu geregelt werden soll, daß sie nicht mehr Festbesoldeten, sondern arbeitslosen Volksgenossen, in erster Linie Kriegsbeschädigten, überlassen wird.
Heaierungdraf Weber
behandelte hierauf gewerbliche Fragen, wie sie an den Bürgermeister herantreten. Ausgehend von der unerläßlichen Anmeldung jedes Gewerbes nach der Art der Beschäftigung beim zuständigen Bürgermeisteramt, hob er die Sondervorschriften für solche Gewerbe hervor, die darüber hinaus noch beim Kreisamt angemeldet sein müssen, wie u. a. Tanz-, Turn- und Schwimmunterricht, Trödelhandel, Altwarenhandel, Handel mit Metallbrüchen, Badeanstalten, Besorgung von Rechtsangelegenheiten für andere, Viehhandel. Weiterhin machte er auf die durch das Kreisamt genehmigungspflichtigen Betriebe aufmerksam, die eine Belästigung oder eine Schädigung des Nachbarn Hervorrufen können, wie das bei Industrieanlagen, chemischen Fabriken, Schlachthäusern oder Dampfkesselanlagen der Fall sein kann. Der Redner machte auch auf die besonderen Bestimmungen für die Ausübung und Ueber- nahme von Handwerksstätten aufmerksam, bei denen die Eintragung des Handwerksmeisters in die Handwerksrolle Voraussetzung ist. Zur Vermeidung von Gründungen neuer Geschäfte verwies der Redner auf das Einzelhandelsschutzgesetz, um dann eingehende Erläuterungen zum Gesetz über die Sonn-
über „Das Hamburger Abkommen der Nordwestdeutschen Bezirksfürsorgeoerbände vorn 17. März 1934", das eine Neuregelung der materiellen und finanziellen Grundlagen des Fürsorgewesens der Gemeinden untereinander herbeiführt und nach dem Freistaat Hamburg benannt ist, weil dieser die Anregung hierzu gegeben hat. Nach diesen eingehenden Darlegungen, insbesondere nach der finanziellen Seite hin, wie sie die Gemeinden betrifft, ermächtigte und beauftragte die Bürgermeisterversammlung Regierungsrat Grein, dem Beispiel anderer Bezirksverbände folgend, auch den Bezirksfürsorgeverband Kreis Gießen diesem Hamburger Abkommen anzuschließen. Als dritter Redner machte dann
Bürgermeister Dr. Hamm
eingehende Ausführungen über „Das neue Ge - setz zur Regelung des Fremdenverkehrs". Er zeigte das Nebeneinanderarbeiten der früheren Organisationen auf und gab dann Erläuterungen zu der Neugestaltung des ganzen Fremdenverkehrswesens, an dessen Spitze jetzt der Reichsfremdenverkehrs-Verband steht, zu dessen Präsident durch den Reichsminister für Propaganda Hermann Esser (München) ernannt wurde. Der Reichsfremdenverkehrs-Verband ist untergeteilt in 24 Landesfremdenverkehrsverbände, denen als Mitglieder die Fremdenverkehrsgemeinden angehören. Die höchste Behörde im Reiche ist allerdings der Reichsausschuß für Fremdenverkehr, dem der Reichsfremdenverkehrsverband als Organisation des öffentlichen Rechts zur Seite steht und der die Aufgaben auszuführen hat, die ihm der Reichsausschuß zuweist. Die Landesfremdenoerkehrsoerbände — für Hessen ist der Landesfremdenverkehrs - Verband Rhein-Main zuständig — unterstehen den zuständi-
Mitten im märkischen waldigen Gelände bei Dvbe- ritz ist ein riesiges, eirundes, 11 700 Quadratmeter bedeckendes Wirtschaftsgebäude errichtet, und hier werden m 38 Speisehallen mit 38 nationalen Küchen die Kämpfer so beköstigt, wie sie es zu Hause gewöhnt sind. Allerdings gibt es eine allgemeine Grundspeisekarte, in die geschulte Kenner heimischer Beköstigungsgewohnheiten die tausendfältigen Sonderwünsche einbauen können.
Was gibt es nun? Zum Frühstück vor allen Dingen Früchte, aber auch Haferflocken ober Reis in Milch und amerikanische Getreidefrüchte. Butter, Honig und Marmeladen, Brot, Röstbrot, Kaffee, Tee, Milch, Kakao stehen neben zahlreichen Eierspeisen auf der Karte. Sonderwünsche wurden schon laut, ehe die Beteiligung der Nationen fest- stand: Hatten die Brasilianer in bezug auf Obst ihre Eigenwünsche angemeldet, so. glaubten die Franzosen auf ihren guten Rotwein, die Chinesen nicht auf die berühmten eingelagerten Eier verzichten zu können. Die erbetene chemische Analyse des Trinkwassers haben die Amerikaner mit Befriedigung zur Kenntnis genommen
Die Grundform des Mittagessens mit Suppe, Fleisch, Frischgemüse, Salat und Obst werden deutsche Köche für die verschiedensten Geschmacksrichtungen mundgerecht machen. Die Söhne des Himmels wissen sich wohl aufgehoben unter der Obhut des Küchenchefs aus einer Berliner chinesischen Gaststätte In die Geheimnisse der Zubereitung anderer Nationalspeisen werden in einem Olympia- Sonderlehrgang in Frankfurt deutsche Koch- und Küchenmeister, die im Ausland tätig gewesen oder dort aufgewachsen sind, eingeweiht. Auch Schiffsköche aus Ueberfee werden den deutschen Kollegen englische, amerikanische, französische, italienische, spanische und mexikanische Nationalgerichte beibringen.
Da auch in anderen Großstädten ähnliche Lehrgänge durchgeführt werden, wird es ein Leichtes sein, nicht nur in den 38 Küchen des Olympia- Dorfes. sondern auch in den Gaststätten Deutschlands, die den Besuch von Ausländern erwarten, mit Originalgerichten aus der Heimat zu überraschen. Schon wird überall eifrig die richtige Behandlung eines „Apfel- oder Citronen-Pies" studiert: denn auf diesen Lieblingsnachtisch verzichtet der Amerikaner nur höchst ungern. Außer dieser Armee von geschulten Kochen stellt der Norddeutsche Lloyd noch 200 Mann Küchenpersonal und 250 weitgereiste und sprachgewandte Stewards, da
gen Landesregierungen, während der hessisches und preußisches Gebiet umfassende Rhein-Main - Verband dem Reichsstatthalter untersteht.
Der Vortragende trat der allgemein verbreiteten Auffassung entgegen, als wenn die örtlichen Verkehrsvereine der Auflösung verfallen wären. Demgegenüber stellte er fest, daß sie, obwohl sie von der Gesetzgebung ausgeschlossen sind, weiter bestehen dürfen und ausdrücklich anerkannt sind. Es sei sogar wünschenswert, daß sie bestehen bleiben, nur sollderBürgermeisterdenVor- fit} der öffentlichen Verkehrsvereine übernehmen, weil die Verkehrsvereine als das Bindeglied zwischen Bürgerschaft und Bürgermeister in bezug auf die Verkehrswünsche und Anregungen angesehen werden.
Bürgermeister Dr. Hamm wies weiter darauf hin, daß das Gesetz über den Fremdenverkehr auch die Fremdenverkehrs-Gemeinden bestimmt. Die Sonderausgaben der Fremdenverkehrs- Gemeinden sind, die deutschen Volksgenossen für den Besuch der Landschaft, der Bäder- und Kurorte der Heimat zu gewinnen und in sorgsamer Betreuung und Pflege der Ausländer jener Sendung zu dienen, die ihnen im Sinne der Anordnungen des Führers zugewiesen ist. Gemeinden, die als Fremdenverkehrs- Gemeinden bestimmt sind, können sich der Beitragspflicht nicht entziehen.
Aus der Pflichtgemeinschaft ergibt es sich von selbst, daß der Bürgermeister sich nicht den Anordnungen des Landesverkehrsverbandes entziehen darf, sondern mitarbeiten muß und die Beschaffung der notwendigen örtlichen Einrichtungen vorzunehmen hat.
In seinen weiteren Ausführungen kennzeichnete der Redner die dem Präsidenten zugeteilten Abteilungen für die Ausarbeitung der Fahrpläne, für die Bestimmung und Einteilung der Badeorte, sowie über den Versand der Werbepläne und Reklamen. Eine grundlegende Begriffsbestimmung ordnet die Orte ein in Bäder, Heilbäder, Klima-, Heilklima-, Luft-, Kneipp- und Kurorte und Seebäder bis zur Spezialisierung in Kur- und Erholungsorte, Sommer- und Winterfrischen usw. Dadurch soll dem deutschen Kranken ein besonderer Schutz gewährt und alle unwahre Anpreisung ausgeschaltet werden.
Als besondere Aufgabe, die den Bürgermeistern aller Gemeinden zufällt, kennzeichnete der Redner dann die Aufstellung einer Fremdenverkehr s- st a t i st i k Die Führung solcher Statisttken ist den Gemeinden anbefohlen, und die Bürgermeister haben für die sorgsame und strenge Durchführung Sorge zu tragen. Alle Gasthäuser, Pensionctte und Prioate, die Fremde beherbergen, sind oerpflichtet, die geforderten Angaben zu machen, damit aus dem Ergebnis solcher Erhebungen eine wirksame Werbung in die Wege geleitet werden kann Der Redner machte ausdrücklich daraus aufmerksam, daß diese Angaben nicht zu anderen und oor allem nicht zu Steuerzwecken oerwendet werden dürfen, noch oerwendet werden sollen. Als Beispiel für den Erfolg solcher Erhebungen führte er die Ergebnisse der Gießener Statistik an, die erwiesen hat, daß entgegen allen Annahmen der größte Besucher- Zustrom nach Gießen aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet kommt, so daß dort eine wirksame Propaganda in die Wege geleitet werden konnte.
2Iuf die mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen meldeten sich vorerst die als Fremdenverkehrs-Gemeinden in Betracht kommenden Orte Lich, Grünberg, Kloster Arnsburg, Annerod, ferner der Schiffenberg und der Staufenberg.
Verschiedenes.
Der Bürgermeister von Weiters Hain machte u. a. besonders auf die Wildschweinplage aufmerksam, die in seiner Gemeinde zu 24 Schadenersatzforderungen geführt hat. Er gab an, daß besonders die Wiesen, oft bis zu dreiviertel Morgen, von den in großen Rudeln auftretenden Wildschweinen aufgewühlt werden, so daß die Heu- und Grummeternte vielfach ganz vernichtet ist. Er sprach seine Befürchtungen aus, daß das jetzt unter dem Jagdschutz stehende Wildschwein auch die Kartoffeln vernichten konnte und bat um sofortige Abhilfe.
Don mehreren Gemeinden wurde auf die durch
mit die intimsten Magenwünsche verständnisvoll entgegengenommen werden.
Selbst die vorbildlichste Hausfrau würde angesichts dieser Gästezahl und der damit verbundenen Anhäufung von Lebensmittelvorräten ein gelindes Gruseln überkommen. Sie stellt sich vor, daß in Riesenspeichern die Vorräte aufgehäuft werden. Das ist aber nicht beabsichtigt. Der umfangreiche Be- darf an frischen Lebensrnitteln rollt Tag für Tag am frühesten Morgen, wenn noch der Tau auf dem Gras liegt, auf einer eigenen Zufahrt an das Wirtschaftsgebäude heran, ohne das Dorf selbst zu berühren, so daß die Gäste glauben dürfen, es würde herangezaubert. Sie werden überhaupt ihre hochge- spannten Erwartungen, die sie an die Gastlichkeit Deutschlands stellen, in jeder Weise erfüllt sehen. Dafür sorgen die verantwortlichen Leiter der olympischen Küchen- und Magenfragen.
Landkarte^ ans der Lust gemacht.
Das Vermessungsamt von Großbritannien hat einen großen Kontrakt für Luftaufnahmen mit einer englischen Firma abgeschlossen, die ein Gebiet von 1200 Quadratkilometer in Mittelengland in sehr großem Maßstabe aufnehmen soll. Es werden etwa 150 Stunden Flugzeit für drei Maschinen nötig sein, die in einer Höhe von 2700 Meter fliegen und etwa 10 000 Aufnahmen machen werden. Diese Methode der Herstellung von genauen Landkarten wird immer mehr angewandt in Fällen, in denen die neuere Entwicklung der Gegend die vorhandenen Karten unrichtig gemacht hat und neue schnell ge- braucht werden. Die Behörden in England brau- chen jetzt allgemein solche aus der Luft aufgenommenen Karten für den Wegebau, für Stadtpläne und ähnliche Arbeiten. Irrtümer sind dabei nur in geringem Maße möglich, wohl aber werden eine Reihe von wichtigen Tatsachen, die dem nackten Auge verborgen bleiben, ans Licht gebracht, wenn die Karten stereoskopisch ausgenommen werden. Man hat auf diese Weise bereits römische Straßen, die nicht mehr an der Oberfläche lagen, feststellen können, ebenso die Umrisse von 2000 Jahre alten Lagerstätten und Befestigungen, alte Wasserläufe, die verschwunden waren, usw. Die englische Firma hat kürzlich einen Auftrag erhalten, 14 000 Quadratmeilen in Persien in dieser Weise aufzunehmen und Karten des Landes herzustellen: die Arbeit wurde von zwei Flugzeugen in vier Monaten bewältigt.


