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Nr. 128 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zrettag, 5. Zum 1956

Mderung wertvollen deutschen Schristtnms.

Aus der praktischen Arbeit der «eichsschristtumsstelle.

Don Ministerialrat Dr. Wismann, Vizepräsident der I^eichsschrifftumskammer.

Dr. Wrsmann sprach auf einem Emp­fang aus Anlaß des zweiten Jahrestages der Reichsschrifttumsstelle des Reichspropa­gandaministeriums. Wir entnehmen seiner Ansprache die folgenden bedeutsamen Ge­dankengänge.

Die Reichsschrifttumsstelle beim Reichsrninisteriurn für Volksaufklärung und Propaganda tritt in das dritte Jahr ihres Bestehens und ihrer Wirksamkeit ein. Man pflegt an solchen Jahrestagen in irgend­einer Form Rückschau zu halten, um sich darüber klar zu werden, was bisher erreicht und geleistet worden ist. Auch ich möchte dieser Gepflogenheit treu bleiben, im Rückblick die Prinzipien entwickeln die der praktischen Arbeit der Reichs-' schrifttumsstelle zugrunde liegen.

Auch diese Prinzipien mußten ja erst erarbeitet werden. Wie auf allen anderen Gebieten war ja auch auf dem Gebiet der Schrifttumspflege nicht allein entscheidend, was man wollte, sondern wie man es anfing. Für dieses Wie aber gab es keine Muster und Vorbilder, an die wir uns halten konnten: und da die Förderung des Schrift­tums nicht gerade zu den einfachsten Aufgaben gehört, mußte jeder Schritt, den wir taten, mußte vor allem jeder bleibende Arbeitsgrundsatz auf das sorgfältigste erwogen werden. Gerade auf unserem Gebiet aber war die Gefahr nicht unbeträchtlich, daß grundsätzliche Entscheidungen getroffen wurden, die sich bei näherem Zusehen alsKurzschlüsse des guten Willens", wie ich sie einmal nennen möchte, herausstellten. Vergessen wir nicht, daß diese Ent­scheidungen in einer Zeit gefällt werden mußten, in der wir selbst uns arbeitsmäßig umzustellen hatten auf die durch die Machtergreifung neu ge­schaffene Situation, die uns im Kampf für die Be­wegung ganz andere Mittel und Möglichkeiten an die Hand gab, als wir sie vorher besaßen. Wir stehen immer noch mitten im geistig-seelischen Um­bruch unserer Zeit, und das Schrifttum ist ge­blieben, was es immer war, Schauplatz und Ab­bild des geistigen Ringens um die Werte, die for­dernd und verpflichtend über unsere Zukunft stehen und die wir uns durch die Mimikry derer von gestern nicht verfälschen und verbessern lassen wollen, auch wenn sich die Herren von gestern da­bei noch so zustimmend und wohlwollend gebärden.

Immerhin hat die Machtergreifung eine Situation geschaffen, in der bei veränderten Mitteln Lind Mög- ichkeiten der Stil des Kampfes um ein gutes und auberes Schrifttum den ganz anders gearteten Ge- aebenheiten anzupassen war. Das war nicht immer leicht. Denn zu der gleichen Zeit ließ ja die Ab­lösung der veralteten liberalen Formen alles in eine unaufhörlich vorwärtsdrängende Bewegung geraten, angesichts deren bei jeder Maßnahme klar entschieden werden mußte, ob sie nur eine Hilfs­konstruktion für die Uebergangszeit oder ein in den festen, weil gewachsenen Grund gerammter Träger war, auf dem für die Zukunft aufgebaut werden konnte.

Die Reichsschrifttumsstelle wollte und sollte das gute Schrifttum fördern. Die praktische Durchfüh­rung dieser Förderung setzte notwendig eine Aus­lese des Guten voraus. Wie aber, das eben war die Frage, sollte dieses gute Schrifttum ar­beitsmäßig ermittelt werden. Der nächstliegende Ge­danke war natürlich, das gesamte erscheinende Schrifttum einer Prüfung zu unterziehen und zu diesem Zweck ein Lektorat von entsprechenden Aus­maßen auszubauen. Allein die Verwirklichung die­ses scheinbar selbstverständlichen Gedankens wäre, wie die kritische Erwägung rasch ergab, einer jener Kurzschlüsse des guten Willens", von denen ich vorhin sprach. Denn schlechthin alles zu prüfen würde bedeutet haben, daß die Reichsschrifttums­stelle sich mit Hunderten, ja Tausenden von Büchern hätte beschäftigen müssen, die mangels Substanz für die Förderung doch niemals in Fruge gekommen wären. _______________________

Dazu kam, daß die Frage, ob gleichsam eine totale Prüfung des Schrifttums vor­genommen werden sollte, die Leitung der Reichs­schrifttumsstelle vor eine schwerwiegende Alter­native stellte. Die Reichsschrifttumsstelle wäre auf diesem Wege allzu leicht aus einer Stelle der Förderung, zu einer Stelle der Prüfung des Schrifttums geworden. Wir sahen uns daher ge­zwungen, da wir an unserem ersten und eigentlichen Auftrag festhielten, das vor uns liegende Problem in anderer Weise zu lösen um so mehr, als sich gegen den Aufbau eines so umfangreichen Lekto­rats noch ein zweiter nicht minder gewichtiger Ein­wand erhob.

Alle Kunstkritik und mithin auch alle Literar- kritik hat mit innerer Notwendigkeit subjektiven Charakter, auch dann und da, wo die Urteilenden politisch und kulturpolitisch auf der gleichen Ueber- zeugungsebene stehen. Man kann unter der Vor­aussetzung, daß man nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich der Bewegung angehört, wohl mit absoluter und objektiver Sicherheit beurteilen ob der Gehalt eines Buches dem Geiste unserer Be­wegung verwandt oder fremd ist. Das spezifisch literarische Urteil aber, das Urteil also über den dichterischen bzw. schriftstellerischen Wert und Rang eines Werkes, liegt auf einer anderen Ebene und läßt, wie Sie alle wissen, auch unter politisch Gleichgesinnten mancherlei Differenzierun­gen zu. Stützt man sich nun auf ein Lektorat von Hunderten von Mitarbeitern, so summieren sich allzu leicht die subjektiven Urteilseinflüsse bis zu einem Grade, daß eine amtliche Dienststelle sich mit diesen Urteilen nicht mehr identifizieren kann.

Aus diesen Erwägungen ergaben sich für die Reichsschrifttumsstelle zwei fundamentale Arbeitsgruydsätze: der Verzicht auf die totale Schrifttumsprüfung, um von der eigentlichen Ausgabe, der praktischen Förderung nicht zwangs­läufig abgelenkt zu werden und die Beschränkung auf ein relativ kleines Lektorat, das die Möglichkeit bot, mit jedem einzelnen Lektor in

persönlichem Kontakt und unterbrochener geistiger Auseinandersetzung zu bleiben.

Freilich das Problem, vor das sich die Reichs­schrifttumsstelle sah, war mit der Erarbeitung die­ser Grundsätze noch nicht gelöst, denn wie sollte nun nach jenem Verzicht und dieser Beschränkung aus der Masse des täglich erscheinenden Schrifttums dasjenige herausgefunden werden, das wir zu för­dern wünschten. Reifliche Ueberlegung hat auch hier einen arbeitsmäßig sehr einfachen Weg finden lassen. Neben dem der Stelle eng angeschlossenen und fest zusammengehaltenen kleinen Lektorat ist nach und nach ein lockerer, gefügiger Arbeits­kreis von Vertrauensleuten aufgebaut worden, deren laufende Mitarbeit die Gewähr dafür bietet, daß der Stelle kaum etwas Wesentliches ent­gehen kann. UeberaU im Reich beschäftigen sich ja Hochschuldozenten, ßiterarfritifer von Zeitungen und Zeitschriften, literarische Mitarbeiter an Reichs­sendern usw. aus beruflichen Gründen unaufhörlich mit allem, was an neuen Büchern erscheint. Aus dem Kreis dieser Personen haben wir eine Anzahl fest in der Bewegung verankerter Menschen aus- gewählt und arbeiten mit ihnen so zusammen, daß uns auf vorgedruckten Karten immer dann Mit­teilungen zugehen, wenn der eine ober andere auf ein Buch gestoßen ist, das er für wesentlich hält und deshalb für die Förderung vorschlagen möchte. Diese Mitteilungen enthalten lediglich den Namen des Verfassers, den Titel des Buches und den Namen des Verlages, in dem das Buch erschienen ist. Den betreffenden Vertrauensleuten erwächst so­mit aus dieser Zusammenarbeit mit der Stelle nicht die gering st e Belastung, da irgend­welche gutachtlichen Aeußerungen von ihnen nicht verlangt werden. Für uns aber sind diese Mittei­lungen von dem allergrößten Wert, da wir sicher sein dürfen, es bei der Bearbeitung der genannten Bücher mit wesentlichem Schrifttum zu tun zu haben. Der Vertrauenskreis wirkt sich für die Stelle wie eine Art von Filter aus, der das Unzuläng­liche automatisch fernhält und damit die Möglich­keit zu sinnvollem Arbeitseinsatz bietet. Die uns genannten Bücher werden sodann von dem Lektorat noch einmal gelesen und geprüft. Mit Hilfe dieses aus der Praxis erarbeiteten und auf die Praxis ausgerichteten Apparates ist die Reichsschrifttums- st'elle in der Lage, aus der Fülle des neu erschei­nenden Schrifttums rasch herauszufinden, was sie für die Förderungsarbeit braucht.

Schottische Hochländer beim Tanz.

Das 1. Bataillon der Argyll- und Sutherland-Hochländer veranstaltete in der Kaserne in Tidworth ein großes Fest, bei dem die schottischen Hochländer auch alte Tänze vorführten. (Presse-Bild-Zentrale-M.)

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Im Rahmen einer großen Feierlichkeit verlieh Mussolini neben zahlreichen Fliegeroffizieren auch seinenSöhnenBrunoundVittoric» Kriegsauszeichnungen. (Scherl-Bilderdienft-M.)

Weil ausgearbeitete Gutachten notwendig fubjef« tives Gepräge haben müssen, sind alle im Zustän­digkeitsbereich der Reichsschrifttumsstelle hergestell­ten Gutachten nur für den internen Dienst- gebrauch bestimmt. Keines dieser Gutachten wird veröffentlicht. Aus dem gleichen Grunde lehnt die Reichsschrifttumsstelle jede Beteiligung an der öffentlichen literarkritischen Arbeit ab. Sie unter­hält weder eine Zeitschrift, noch versucht sie, die Presse zur Ausnahme formulierter literarischer Ur­teile zu veranlassen. Beides kann nach unserer Auf­fassung aus den dargelegten Gründen nicht Auf­gabe einer amtlichen Stelle sein. Unsere Aufgabe sehen wir allein darin, die Bücher, die ge­fördert werden sollen, stärker als alle übrigen in das Scheinwerferlicht der öffentlichen Aufmerksam­keit zu rücken. Wir teilen daher um ein Bei­spiel aus der Praxis heranzuziehen in regel­mäßigen Abständen den Redaktionen der Zeitschrif- ten und Zeitungen sowie dem Rundfunk lediglich die Titel der von uns ausgewählten Bücher mit und sprechen dabei die Bitte aus, diese Bücher auf breiterem Raum zu würdigen als die übrigen. In welcher Weise das geschieht, bleibt allein den ver­antwortlichen Mitarbeitern der Zeitung ober Zeit­schrift überlassen muß ihnen nach unserer Mei­nung überlassen bleiben, denn hier in der Arbeit an der Zeitung und der Zeitschrift beginnt der Be­reich der freieren offenen geiftigen Aus­einandersetzung mit dem Werk, die wir in gar keiner Weise zu uniformieren wünschen. Ein Volk besitzt immer nur das innerlich und wirklich, was es sich in der freien Auseinandersetzung geistig erobert hat. Lähmt man die Spontaneität dieses geistigen Ringens um die wesentlichsten Werte, ver­sucht man in diesem Bereich das Urteil in vorge­faßte Bahnen zu lenken, so trägt man zur Ent­mündigung des Volkes bei, während es doch gerade das Ziel der unablässigen Aufklärungs- und Er­ziehungsarbeit der nationalsozialistischen Bewe­gung ist, das Volk mündig zu machen. Es soll jeder die ihm zugefallene Verantwortung vor der Volksgemeinschaft selber tragen, und es muß daher jeder in der Lage sein, auch in diesem Be­reich sich ohne geistige Krücken zu bewegen.

Um Mißverständnisse zu vermeiden, wiederhole ich nochmals, daß ich nur von der literarischen.

Das Gießener Gtadttheater in der Gp'elzeit 1936/37.

Intendant Schultze-Griesheim über sein Programm.

Intendant Schultze-Griesheim hatte für gestern nachmittag zu einer Pressebesprechung im Lheater eingeladen, um die Grundzüge des künstle­rischen Programms für die kommende Spielzeit 1936/37 bekanntzugeben. Was zunächst den Spiel­plan angeht, so soll die bisher eingeschlagene Linie beibehalten werden. Das Hauptgewicht soll wieder­um auf einem klassischen und modernen, dichterischen Repertoire liegen, das auch der jungen Generation den ihr gebührenden Platz einräumt. Nicht ein Thea­ter der Reportage, der bloßen Wirklichkeitsphoto­graphie oder des modernen Problem- und Thesen­stückes soll gegeben werden, sondern das Kriterium der sprachlichen Durchdringung und der dichterischen Bemühung wird für die Repertoire-Gestaltung aus­schlaggebend sein.

Eine Reihe von Aufführungen, die aus der ab« gelaufenen Spielzeitstehen", sollen gegebenenfalls auch im nächsten Winter erhalten bleiben. An Neu­einstudierungen im klassischen Sch au spiel sind vorgesehen von Kleist Das Kathchen von Heilbronn" oderAmphitryon", von Shakespeare Macbeth" undDielLärm um nichts vonSchil- (e r Don Carlos", von GoetheIphigenie oder Stella" (in der ursprünglichen Fassung mit gutem Ausgang). Dazu ein klassisches spanisches Lustspiel, dieDonna Diana" von Moreto.

Von I b s e n ist diesmal ein historisches Stück vor­gesehen,Das Fest auf Solhaug oder "Nordische Heerfahrt", von Gerhart H a u p t m a n n -Der Bogen des Odysseus" (wegen seiner dlchterlschen Schönheiten und des uns besonders li^bellegenden Heimkehrer-Motivs), von Kurt G e u cke ,;Gebaftl ' eine große Historie um den falschen König w« V luqal Was die für die neue Spielzeit geplanten modernen Stücke betrifft, so ist an erster Stelle die gemeinsam mit dem Hamburger Staatstheater vorgesehene Uraufführung der "Goldenen Kuge von Hans R e h b e r g zu nennen. Allerdings lieg der Termin noch nicht fest: wenn er nicht emgehal- ten werden kann, soll dafür eines der Preußen- iramen von Rehberg gegeben werden. Ferner, von Friedrich Bethge das Knegsstuck "Reims .von Vilhelm M ü l l er - S ch e l d das Dolksstuck Anna Maria", zum ersten Male in der Urfassung von Helix Lützkendorf dasKanradln-DramaAlpen»

zug". Als weitere Uraufführung istDer sechste Heinrich" von Josef Wenter in Aussicht genom­men: von dem sudetendeutschen Dichter Multerer steht eine SzenenfolgeLeben und Sterben des Bau­ern" auf dem Spielplan.

In erster Linie der ernsthaften Unterhal­tung sollen die folgenden Stücke dienen:Der Nachbar zur Linken" von Heinz Steg uw eit: Der ideale Gatte" von Wilde, in der Neubear­beitung von Karl Serbe;Wasser für Canitoga" von Josef Turner; als alleinige Uraufführung das Variete-StückRegenbogen" von Georg Fra­ser;Fieber in Havanna" von Hans Joachim Flechtner, ein ärztliches Problem in den Tro­pen behandelnd.

Hinzu kommen folgende Lustspiele:lieber alle Narrheit Liebe" von Paul Ernst;Seine Majestät der Kindskopf" von Ewald von Deman- d o w s k y ;Der Sprung aus dem Alltag", ein rheinisches Volksstück von Heinrich Z e r k a u l e n ; Schwarzbrot und Kipfel" von Werner von der Schulenburg: als alleinige Uraufführung Kleines Genie" von Otto Bielen, einem jungen österreichischen Autor;Heimliche Brautfahrt" von Leo Lenz:Sonne für Renate" von Erich E b e r- m e y e r ;Rätsel um Beate" von Alfred Möller und Hans Lorenz: dazu der berühmte Schwank Charleys Tante" von Brandon Thomas

In der neuen Spielzeit wird ferner zum ersten Male der Versuch gemacht werden, einen Zyklus von Sondervorstellungen zu veranstalten, die sich in erster Linie an ein literarisch inter­essiertes Publikum wenden und zunächst in einem billigen Sonderabonnement erprobt werden sollen. Für diesen Zyklus sind die folgenden Werke vor­gesehen:Stille Gäste" von Richard Dillinger; Das Salz der Erde" von dem Franzosen Jean G i o n o ;Der Kaiser von Portugalien" von Selma L a g e r I ö f; und als moderne Oper Saul" von Hermann R e u 11 e r.

Auf dem Opernspielplan stehen außerdem: Figaros Hochzeit" von Mozart;Zar und Zimmermann" von L o r tz i n g :Hänsel und Gre­tel" von Humperdinck;Der Günstling" von Wagner-Rögen y. Dazu von ausländischen WerkenCarmen" von Bizet;Die verkaufte Braut" von Smetana oderFra Diavolo" von Auber. Die Operette bringt denBettel­studenten" von Millöcker:Eine Nacht in Venedig" von Johann Strauß;Geysha" von Jones;Zarewitsch" von Lehar. Als Uraus- führung ist geplantLehrling gesucht!" von Dier- gardt (Darmstadt), Text von Karl Ludwig Lrndt.

Im übrigen ist bezüglich der Auswahl aus der modernen Operettenliteratur noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden.

Die Veranstaltung von Morgenfeiern soll, wie schon wiederholt bargelegt wurde, weiter aus- gebaut werden dergestalt, daß alle 14 Tage eine solche stattfindet, im ganzen 16. Dabei soll in die- jem Rahmen stärker als bisher auch ein modernes Programm gepflegt werden; z. B. denkt man da an die Kantaten des Staatspreisträgers Eberhard Wolfgang Müller; ferner zeitgenössische Kam­mermusik; auch heitere Morgenfeiern sind beab- sichttgt. Die Symphoniekonzerte werden wie bisher in Verbindung mit dem Gießener Kon­zertverein im Theater veranstaltet werden.

Die Spielzeit beginnt diesmal bereits am 18. September und schließt am 15. Mai, so daß auf diese Weise das Orchester, unbeschadet seiner ander­weitigen Sommerverpflichtungen, bis zuletzt voll verfügbar bleibt. Die Zahl der Abonnementsvor­stellungen (von jetzt ab: Platzmiete) bleibt mit 32 unverändert. Der Freitag soll der bevorzugte Erst­aufführungstag werden und damit der Premiere wieder etwas von ihrem festlichen Charakter ge­geben werden, der vielfach verloren ging. (Aller­dings wird der Preis der Freitagsmiete dafür um 10 d. H. erhöht.) Die Wahlmiete bleibt mit insge­samt 16 Vorstellungen bei freier Wahl des Tages und des Stückes erhalten; sie erstreckt sich auf Oper, Operette und Schauspiel. Auch Gastspiele sind geplant, doch können heute darüber noch keine bindenden Angaben gemacht werden.

Was die Neuverpflichtungen im künst­lerischen Personal betrifft, so wurde bereits mit» geteilt, daß als neuer Oberspielleiter des Schauspiels der Dramatiker Theodor H a e r t e n, früher in Berlin und Königsberg, ausersehen ist. Ferner wurden verpflichtet: Hansi Prinz vom Stadtthea­ter in Aussig als Salondame; Charlotte Krause vom Landestheater in Darmstadt als Naive und Naiv-Sentimentale; Maria Gerhardt vom Stadt­theater in Hanau als Charaenspielerin; Viktor von G s ch m e i d l e r vom Stadttheater in Aussig als erster Charakterbonvioant; Fritz Walter vom Nattonaltheater in Mannheim als Naturbursche und jugendlicher Liebhaber; Günter Winkel vom Alten Theater in Leipzig als zweiter Dramaturg und Regie-Assistent. Für Oper und Operette: Hans H. Hampel vom Reuhischen Theater in Gera als Operettenkapellmeister: Ilse Castus vom Reußischen Theater in Gera als erste Operetten»

und Opernsängerin; Hildegard I a ch n o w vom Stadttheater in Zürich als Altistin; Ernst August Waltz vom Landestheater in Rudolstadt als erster Tenor für Oper und Operette; Paulus Kuen vom Stadttheater St. Gallen als Spieltenor; Alfons Forst ne r vom Stadttheater Rostock als Bassist; Irmgard Zenner vom Stadttheater Wilhelms­haven als Ballettmeisterin/Eine wesentliche Neue­rung, die eine erhebliche Erleichterung für die Ar­beit des Theaters bedeutet, ist die erstmalige feste Verpflichtung eines eigenen Berufschores (8 Damen, 8 Herren) und einer Tanzgruppe, die außer der Ballettmeisterin vier Damen umfaßt.

Der Etat des Stadttheaters wurde auf Anfrage als auskömmlich bezeichnet. Im vorigen Jahr konnte etwas eingespart werden. Der städtische Zu­schuß bleibt in der bisherigen Höhe erhalten. Der Zuschuß des Reiches wurde, zugunsten von Bad- Nauheim und Bad Ems, etwas gekürzt, lieber die technischen Neuerungen, die sich durch­führen lassen und der Arbeit in der kommenden Spielzeit nutzbar gemacht werden Einbau einer Drehbühne, zweier Beleuchtungstürme, einer Be­leuchtungsbrücke und anderer technischer Verbesse- rungen wurde bereits berichtet.

Eine weitere, sehr erfreuliche Neuerung: die Stadt Siegen wird jetzt unter günstigen Bedingungen vom Gießener Stadttheater bespielt. Außerdem sind Freilicht-Aufführungen im Schloßhof von Braunfels geplant, der dafür besonders geeignet zu sein scheint; als Vorstellungen sind hier in Aussicht genommen dieKomödie der Irrungen",Holz- appel" und dazu wahrscheinlichDie Freier" von Eichendorff.

Zeitschriften.

The Mediterranean The Roman Lake? (Das Mittelmeer die Römische See?) Mit diesem Artikel, der auf Ereignisse im Oktober 1935 zurückgreift, eröffnet L a n g e n s ch e i d t' s English Monthly Magazine bas Juniheft (50 Pf., vierteljährlich 1,35 RM). Auch der übrige Inhalt bietet wieder viel Unterhaltendes und Be­lehrendes, so z. B. einen Bericht über einen Geheim- kult in Belgisch-Kongo.Making World Beater«» behandelt die Aussichten der Engländer bei den Olympischen Spielen. Das Volksflugzeug, das für nur £ 80 herzustellen ist, behandelt der ArtikelThe Flying Flea. Daneben wird wieder viel Humor, eine luftige short-story, Kaufmanns-Englisch usw. ge­boten. So macht es Freude, englische Sprachkennt- nisse wieder aufzufrischen.