Ausgabe 
5.2.1936
 
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Nr. 30 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch. 5. Zebruar Mb

Die Viehverweriungsgenossenschast auf dem Gießener Viehmarkt.

In^hpn ^änh ^fd)Q^5tDefen' bas feit vielen Jahren Gemeinden eine wichtige Rolle »edeütuna Ä «der Gegenwart immer mehr an Bedeutung Der Warenbezug und -absak ist eine »Ä? 4 yrbei"flebiele der ländlichen

Nur aus einem Gebiet kam das Genasienschafts- JlS» °us dem GeÄ 'der

Rutzvlehbeschaffung und der Nutzvieh- oder der S ch l a ch t ° i e h o e r w e r t u n g Erst di- veranderten Verhältnisse im Dritten Reich führten d°»u, daß bäuerliche V i e h v e r w e r t u n m n° !° « Ich °st en als Gegengewicht gegenn udisch-n Viehhandel gegründet wurden, d e nun seit einiger Zeit nut wachsendem Erfola an dar Arbeit sind Diese Genossenschasten, die sich der b-> anderen Forderung des Reichsnährstandes er­freuen wallen in erster Linie dem Bauern dienen S,e rechnen van vornherein nicht damit, aus ihrer Arbeit Kap.tal.en auszuhauftn, sondern sie wallen dem Bauern gerechte Preise sichern bzw. ihm -u Achten Preisen seinen Viehbestand vermehren

Die Zentralgenasienschaft für Viehverwertung Huuuaver, Geschäftsstelle Gießen, trat am gestrigen Viehmarkt m Gießen zum zweiten Male aus und erschien dabe, bereits mit etwa 90 Tieren der ver­schiedensten Rassen. Be,m ersten Austreten der Ge- nossenschaft auf dem Gießener Viehmarkt standen 30 Tiere zum Verkauf die olle abgesetzt werden konnten. Der gestrige Viehmarkt gestaltete sich für biß Genossenschaft wiederum zu einem beachtlichen Erfolg, denn der größte Teil der Tiere konnte wie­der abgesetzt werden. Der Verkauf des Viehes das zum Teil von Herdbuchgesellschaften und aus aner­kannten Zuchtgebieten, aber auch aus den Stallun- $au!rn stummte, geschah durch den Ge- schaftsfuhrer der Zweigstelle Gießen der Viehver­wertungsgenossenschaft und vier weiteren Herren die mit der Materie bestens vertraut sind. Aller­dings vollzog sich der Handel in den Ständen der Genossenschaft erheblich anders als an den übrigen Ständen des Viehmarktes. Der Bauer, der sich für die eine oder die andere Kuh interessierte, wurde nicht bedrängt und nicht gedrängt, und es gab keine

Der Käufer eines Tieres erhält den Schlußfchein ausgestellt.

(Aufnahmen |2|: Neuner, Gießener Anzeiger.)

langatmigen Anpreisungen und kein wiederholtes Rühmen der vielen Vorzüge gerade dieser oder jener Kuh, sondern es wurde der Dreis genannt, der dem reellen Wert des Tieres entsprach und die­ses Tier dann ohne wesentliche Preiskonzessionen ver­kauft. Im übrigen waren für viele der Kühe Stammbaumauszüge vorhanden, soweit sie aus anerkannten Zuchten, oder von Herdbuchgesellschaf­

Der Stand der Zentralgenossenschaft für Viehverwertung auf dem Gießener Rindviehmarkt.

ten stammten. Der Bauer als Käufer oder Inter­essent konnte Einsicht nehmen und sich von der Milchleistung usw. überzeugen. Für tragende Tiere waren außerdem besonders ausgestellte Karten vor­handen, in denen der Tag der Deckung eingetragen war, so daß es dem kaufenden Bauern leicht fiel, sich zuverlässig auszurechnen, wann die Kuh kalben würde. Es wurde gegen Schlußschein verkauft, d. h. der Käufer erhielt eine schriftliche Bestätigung sei­nes Kaufes, mit der in diesem Falle eine Reihe von Garantien gegeben ist. Die Tatsache der schriftlichen Anerkennung dieser Garantien verdient besonders erwähnt zu werden, denn gerade diese Form der Garantie kannte der Viehhandel aus anderer als genossenschaftlicher Basis bisher nicht. Aus dem Modus, wie er außerhalb der Genossenschaften

heute noch üblich ist, ergaben sich manche Diffe­renzen, bei denen meist der Bauer der Leidtragende war.

Die Diehverwertungsgenossenschasten sind be­müht, dem kaufenden Bauern weitgehende Siche­rungen zu verschaffen, so daß er es in keinem Falle nötig hätte, mit den fremdrassigen Händlern Ge­schäfte abzuschließen. Leider aber und das be­wies der gestrige Viehmarkt erneut laufen viele Bauern auch heute noch hinsichtlich des Diehhan- dels in den alten Geleisen. Der genossenschaftliche Gedanke in der Viehverwertung wird nicht aufzu­halten sein. Das bewies der Verlauf des gestrigen Markttages, wie er sich in den Ergebnissen der Viehverwertungsgenossenschaft spiegelte, wiederum sehr deutlich.

Aus der provinzialhauptstadt.

Artillerie-Scharfschießen zwischen Daubringen und Alten-Buseck.

Das Kreisamt Gießen bringt folgende wichtige Bekanntmachung zur öffentlichen Kenntnis:

Am Donnerstag, 13. Februar, von 9 bis 16 Uhr, findet in der Gegend zwischen Daubringen und Alten-Buseck und Gelände östlich davon em Artil­lerie-Scharfschießen durch die 1. Abteilung des Ar­tillerie-Regiments 9 in Gießen statt. Die Feuer­stellung befindet sich am Jagdhaus, etwa 400 Meter südlich vom Lollarer Kops (südlich von Lollar), das Zielfeld zwischen Daubringen Alten-Buseck Grvßen-Besuck Treis. Das gefährdete Gebiet wird im allgemeinen begrenzt durch die Luftlinie Daubringen Treis Climbach Beuern Grvßen-Buseck Alten-Buseck Hangelstein Straße Gießen Lollar Lollarer Kops.

Während der Dauer des Schießens werden die Straßen Gießen Daubringen, Daubringen Alten-Buseck und Alten-Buseck Großen-Buseck von morgens 8 Uhr ab gesperrt. Umleitung erfolgt über Lollar bzw. Wieseck nach Gießen und umge­kehrt.

Die Hauptzugangsstraßen in das gefährdete Ge­biet sind durch Posten ab 8 Uhr abgesperrt. Das Betreten des abgesperrten Geländes sowie der durch­führenden öffentlichen und privaten Wege ist für die Dauer des Schießens wegen Lebensgefahr ver­boten. Den Anordnungen der Absperrposten ist un­bedingt Folge zu leisten.

Ferner wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht: Blindgegangene Zünder mit Zündladungen, ein­zelne Zündladungen oder blindgegangene Geschosse dürfen keinesfalls berührt werden, weil dies mit Lebensgefahr verbunden ist. Nachgraben oder Frei­legen tief in die Erde eingedrungener Geschosse ist verboten. Dabei ist es gleichgültig, ob das Geschoß eine Mine, Granate oder Schrapnell ist, ob es einen Zünder hat ober nicht, ob der Finder von der Ungefährlichkeit überzeugt ist oder nicht. Der Finder hat nur die Stelle zu kennzeichnen und den Fund der Ortsbehörde oder der Gendarmerie un­verzüglich anzuzeigen.

Plätze für Zuschauer am Steinbruch hart östlich des Lollarer Kopfes. Der Platz ist auf Zugangs­wegen nördlich des Lollarer Kopfes zu erreichen.

Dornotizen.

lageskalender für Mittwoch.

NSG.Kraft durch Freude": Ab 20.30 Uhr all­gemeine Körperschule im Lyzeum. NSLB. Kreis Gießen, FachschaftKörperliche Erziehung": 15.30 Uhr in der Neuen Pestalozzischule Pflichtarbeits­gemeinschaft für Mädchenturnen. Stadttheater: 19.30 bis 21.30 Uhr Gastspiel von Ludwig Link­mannDie große Chance". Gloria-Palast, Sel­tersweg:Der höhere Befehl". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Klosterjäger". Oberhessi­scher Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung von Gemälden von Josef Steib-Berlin. Damen 1886/1936: 16 Uhr im Württemberger Hof" Zusammenkunft.

Sladtthealer Gießen.

Heute abend Gastspiel Ludwig Linkmann vom Hessischen Landestheater Darmstadt als Kuhl­mann in dem Lustspiel:Die große Chance" von A. Möller und H. Lorenz. Spielleitung: Hans von S p a l l a r t. Dauer von 19.30 bis 21.30 Uhr. Die Vorstellung gilt zugleich als 16. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement.

konzerlverein Gießen.

Vom Konzertverein wird uns geschrieben: Im Februar werden zwei ganz besonders hervorzu« hebende Konzerte des Gießener Konzertvereins stattfinden. Am Sonntag, 16. Februar, Georg Kulenkampff, der große deutsche Geiger, und am Samstag, 29. Februar, der weltberühmte deutsche Pianist Wilhelm Backhaus, welcher in Gießen ein immer gern gesehener Gast ist.

Wissenschaft im Dienst am deutschen Volk.

Der nächste Vortrag dieser Reihe findet am Don­nerstag, 6. Februar, um 20.15 Uhr, im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Ludwigstraße 34, statt. Es spricht Professor Dr. Dietz über:Deut­sches und Römisches Recht." Eintritt frei.

Veichsgrundsteuer

und VeichSgewerbesteuer.

Der Reichsfinanzminister hat verfügt: Das Reichsgrundsteuergesetz wird am 1. April 1937 in Kraft treten. Nach ihm werden die auf den 1. Ja­nuar 1935 für den Grundbesitz festgestellten Ein­heitswerte ab 1. April 1937 für die Steuergegen­stände der Grundsteuer allgemein die Bemessungs­grundlage bilden.

Das Reichsgewerbesteuergesetz wird ebenso wie das Reichsgrundsteuergesetz am 1. April 1937 in Kraft treten. Für die Frage, ob und inwieweit eine Zerlegung der Einheitswerte der gewerblichen Betriebe für die Zwecke der Gewerbesteuer erfor­derlich ist, muß die Regelung im Reichsgewerbe­steuergesetz abgewartet werden. Es ist mit der Mög­lichkeit zu rechnen, daß sich danach eine Zerlegung der Einheitswerte für gewerbliche Betriebe über­haupt erübrigt; auch das Gewerbesteuerrahmenge­setz sieht bekanntlich nicht eine Zerlegung der Ein­heitswerte, sondern nur eine Zerlegung der Steuer­meßbeträge vor. Eine Zerlegung der Einheitswerte, die für die gewerblichen Betriebe auf den 1. Januar 1935 festgestellt sind, kommt also jedenfalls vor­läufig für die Gewerbesteuer ab 1. April 1937 nicht in Betracht.

Oer Eintritt in die Landespolizei.

Durch Verordnung des Reichsinnen- und des Reichsfinanzministers sind die Rechtsverhältnisse der Angehörigen der Landespolizei unter Aufhebung entgegenstehender Bestimmungen des Reichs- und Landesrechtes jetzt einheitlich geregelt worden. An­gehöriger der Landespolizei kann nur werden, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, deutschen oder artverwandten Blutes ist, feine aktive Dienst­pflicht bei der Wehrmacht erfüllt hat, die für feine

Ellsworths Güdpolarsiug.

Von unserem H-p.-Verichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Melbourne, im Januar 1936.

Ebenso wunderbar wie die Rettung des amerika­nischen Polarforschers Lincoln Ellsworth, eine Woche bevor feine Lebensmittelvorräte zu Ende gin­gen, ebenso bewundernswert ist auch fein eigent­licher Flug über den antarktischen Kon­tinent. Man stelle sich eine Fläche von 5000 Ouadratmeilen vor, etwa ein Viertel großer als ganz Europa, nur mit ewigem Eis und <5d)nee be­deckt. Die (Entfernung von der Dundee-Insel bis zur Walfischbucht entspricht ungefähr der Strecke OsloAthen. Im Innern dieses Kontinents liegt der Südpol, nach unserem Vergleich etwa in der Lage von Bukarest. Was dazwischen liegt, ist un­erforscht. Man weiß nur, daß Blizzards über diese Eiswüsten fegen, von rasender Wildheit, daß sie rostiges Eisen blankreiben, Holz abscheuern und vollgepackte Kisten wie Pappschachteln durcheinan­der wirbeln. Es gibt keine Landungsplätze, nur Gletscher, Schneemassen, Gebirgsketten van unbe­kannter Höhe und vielleicht zugefrorene Meeres- enqen unter denen das Verderben m anderer Form lauert Ungefähr 3500 Kilometer weit entfernt liegt das Ziel, die Walfischbucht, Klein-Amerika unser Athen. Gegenüber diesem Unternehmen erscheint die Ueberguerung des Atlantik beinahe noch als harmloser Sonntagsausflug...

Lincoln Ellsworth und feinPilot H o 111 ck- K o n y o n legten die Strecke m 22 Tagen zurück. Ellsworth erzählt, er habe das Gelingen seines Plans von Anfang an auf zwei Faktoren aufge­baut. Erstens: nur solange zu slicen, als Wetter und Sichtbarkeit gut waren, am Rande der Wo - kenbänke zu landen upd klares Wetter zum We - terfhig abzuwarten. Zweitens: auf der Bauart sei­nes Flugzeuges, eines Eindeckers mit tiefliegenden Flügeln die leicht im Schnee verankert werden tonnten unb fo ben Stürmen weiger Widerstand boten. Die 6 r g e b n i | f e bes F>ug°s können kurz dahin zusammengefaßt werden: EU sw h sich tete eine Reihe neuer Gebirgsketten die m Hochebene austaufen, die wiederum gegen bas Roh- Sieer und die Wal i chbucht sanft abfallt. Die neu entdeckten Bergketten sind nach der -Mei­nung des Forschers sedimentären UrsprungsyUiid eine Fortsetzung der amerikanischen Anden, Durch den Flug hat sich weiterhin die Zunahme bestätigt, daß der antarktische Kontinent zwischen Roß-Meer

und Wedell-Meer zusammenhängend ist und nicht, wie vielfach behauptet, von einer Meerenge geteilt.

Ellsworths Flug gestaltete sich im einzelnen wie folgt: am 23. November verließen er und Hol- lick - Kenyon das ProviantlagerWyatt Earp" und stiegen von der Küste der Dundee-Jnfel auf. Das Gewicht ihres FlugzeugsPolarstern" betrug etwa 8000 Pfund. Sie folgten zunächst über 500 Meilen der bereits erforschten Ostküste von Graham-Land bis zur StefanssonMeerenge. Dabei fanden sie zwar die Entdeckung von Sir Hubert W i l k i n s be­stätigt, daß die Meerenge Graham-Land vom ant­arktischen Kontinent trennt, stellten jedoch fest, daß der Wasserarm nur eine Meile breit ist, also sehr viel schmaler, als auf den bisher vorliegenden Kar­ten angegeben. Nach vierstündigem Flug befanden sie sich in 13 400 Fuß Höhe über dem Festland. Die Temperatur betrug 22 Grad Celsius unter Null. Zur Linken verschwanden bereits die kegelförmigen schwarzen Berge von Kap Eielson, als Die Flieger schon vor sich eine neue Gebirgskette aufsteigen sahen. Ellsworth berichtet:Mit einem Gemisch von ehrfürchtigem Staunen und Neugierde starrten wir auf die rissigen, zerklüfteten Bergspltzen, die sich in unseren Wea schoben. (Einige von ihnen schienen beinahe senkrecht 4000 Meter hach aus der (Ebene emporzusteigen, und sie reichten, soweit wir sehen konnten. Ich nannte diese Kette dieEternity Range", das Ewigkeits-Gebirge, und die drei höch­sten GipfelHoffnung",Glauben" undBarmher­zigkeit"

Was Ellsworth besonders an diesen Ber­gen auffiel, war, daß im Gegensatz zu der Queen Maud Range keine gletschergefüllten Täler ober Abhänge mit riesigen Gletscher-Spalten zu sehen waren. Nach ungefähr dreistündigem Flug nahm das Gebirge an Steilheit ab, die Gipfel wurden seltener, bis die Dorberge schließlich in ein gro­ßes Hochplateau ausliefen, das sich in 6000 bis 7000 Fuß Höhe über dem Meeresspiegel ausdehn­ten. Gegen 4.45 Uhr nachmittags, 8% Stunden nach dem Aufstieg von der Dundee-Insel, sichteten die Flieger am rechten Horizont ein neues G e- birge, dessen höchste Erhebungen sich schwarz gegen die blendend weiße Fläche der Hochebene abhoben. In den folgenden Stunden erschienen rechts und links in größeren Abständen Gebirgs­ketten, deren Beobachtung aber dadurch erschwert war, daß die Luft immer diesiger wurde. Gegen 8 Uhr überflogen der Forscher und sein Pilot ein neues Bergmassiv, dessen Kuppen alle kreisförmig um einen etwa 4300 Meter hohen Gipfel herum gruppiert waren. Nach den Seiten fielen die

Berge ab und verloren sich schließlich in der (Ebene Ellsworth nannte diese Gruppe die Schildwach-Berge" und den mittleren Kegel nach seiner Frau denMary-Louise-Ulmer"-Berg. Von da ab nahm die Sichtbarkeit, die bis dahin 120 bis 150 Meilen betragen hatte, rasch ab Um 21.55 Uhr, nach 13 Stunden und 50 Minuten in Luftreise, führten die Flieger ihre erste Landung durch, der in den folgenden zehn Tagen noch drei weitere (Etappen folgten. Nach der dritten Landung war die Hochebene schon auf 320 Meter Höhe abgefal­len. Der Boden bestand aus körnigem, festem Schnee, teilweise von breiten Gletscherspalten durch­zogen. Einmal brach ein Blizzard über sie her­ein, als sie gerade ihre Maschine am Boden fest­machten. Drei Tage lang lagen sie in ihren Schlaf­säcken, ehe der Sturm nachließ. Dann dauerte es zwei Tage, bis sie das Flugzeug aus den Schneewehen geschaufelt hatten, einen Tag allein, um das Innere der Maschine vom Schnee zu säubern, der durch die feinsten Ritzen bringt. Zum Schluß wollte der Motor nicht anlaufen, bis Hollick-Kenyon auf den rettenden Gedanken kam, den Starter mit der Radio-Batterie zu ver­binden.

Während der zwei Monate ihrer Polarexpedi­tion lebten die Flieger von Pemmikan (Indianer- Dörrfleisch), Speck, Hafergrütze und Zucker mit ge­trockneter Milch und Biskuit. Die Rationen waren auf zwei Mahlzeitien täglich eingeteilt. Die Abdrift während des Fluges war nie mehr als 5 Grad und immer in der gleichen Richtung. Der Wind kam ständig aus Osten und Südosten, nur einmal aus Norden und auch dann nur wenige Stunden lang. Am 13. Tage schließlich ging ihnen der Brennstoff aus.Langsam, sanft und müde", schreibt der Forscher,glitt unsere Maschine nieder."

In 19 Flugstunden hatten sie beinahe mühelos erreicht, was vor ihnen ein Scott ober Amund- fen in vielen Wochen schwerster Mühen unb Ent­behrungen erkämpfen mußten. Ellsworth unb fein Begleiter wußten, baß sie sich in ber Nähe von Klein-Amerika, bem verlassenen Lager ber Byrd- Expebition befanben. Wie sich später herausstellte, war bas Lager nur 20 Meilen vom Lanbungs- platz entfernt. Trotzbem irrten sie, zwei kleine Hand- schlitten hinter sich herziehenb, noch neun Tage am Rande bes Roß-Meeres entlang, teilweise in bichtem Nebel, bis sie enblich von einer kleinen An­höhe aus bie Telegraphenstangen unb Rabiomasten von Klein-Amerika vor sich sahen! Ellsworth schildert bieses bentroürbige Erlebnis folgenber- maßen:Der Atem schien zu stocken, fo groß war

unsere Freube, als wir nach Wochen in ber enb- losen weißen Wüste plötzlich bie langersehnten Stangen sahen."

Ellsworth unb Hollick-Kenyon schlu­gen nun nacheinanber bie Lichtschächte ber im Schnee vergrabenen Unterftänbe ein, trugen zu­sammen, was sie an Eßbarem noch oorfanben (Konservenfleisch, Marmelabe unb Mehl), unb machten es sich schließlich in einer ber Hütten be­quem. Der Rest ber Geschichte: bie Rettung ber Flieger burch bas englische SchiffDiscovery II." unb ihre Rückkehr an Borb berWyatt Earp" ist inzwischen burch Kabelmelbungen bekannt gewor­ben. Eine reiche Ausbeute an topographischen Mes­sungen, photographischen Aufnahmen unb anberem Material wartet jetzt ber wissenschaftlichen Ver­wertung.

Wie die Söhne des Himmels vorzweitausendZahren Fußball spielten.

Es erscheint uns recht oerwunberlich, baß ber Fußball ein uralter chinesischer Sport ist, ber bort für bie (Erfinbung eines mythischen Kaisers ange­sehen wirb. Jebenfalls sollen zur Zeit ber Han- Dynastie, etwa ums Jahr 200 vor Chr. bie Söhne des Himmels bereits eifrige Fußballspieler gewesen sein. Der englische Sinologe Prof. Giles glaubt, baß biefer Sport ursprünglich zur militärischen Aus- bilbung gehörte unb eine Probe auf bie Kräfte und Geschicklichkeit ber Krieger sein sollte Balb war bas Spiel auch unter ben Zivilisten sehr beliebt, unb es scheint, baß gerabe bie gelehrten Kreise sich von ihm befonbers angezogen fühlten. Es gab selbst leibenschaftliche Spieler unter ben Kaisern, unb von bem Herrscher Cheng-Ti wirb berichtet, er habe fo eifrig Fußball gespielt, baß seine Minister bies für unvereinbar mit ber kaiserlichen Würbe" erklär­ten. Aber als sie bei bem Herrscher vorstellig wür­ben, sagte er:Wir lieben bas Spiel unb was ein Kaiser liebt, ist seiner nicht unroürbig". Man steckte sich bann hinter bie Kaiserin, aber es wirb uns nicht oermelbet, was sie ausrichtete unb was er Ibf ermiberte. Der chinesische Fußball war ursprünglich ein runber, mit Haaren gefüllter Lebersack, ben ein Dichter also beschreibt:Acht spitz zulaufenbe Leber­streifen zu einem Ball gefügt". Später würbe ber Ball bann mit Luft gefüllt. Das Spiel selbst wirb folgenbermaßen geschilbert:Zwei große Bambus­stäbe würben aufgestellt unb mit einem {eibenen Netz oerbunben, über bas ber Ball gestoßen werben mußte. Die Spieler bilbeten zwei Parteien, unb bas Spiel wurde nach Punkten entschieden".