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der Südamerika-Linie etwa 6 000 000 Leichtbriefe von je 5 Gramm Gewicht befördert.

Das Heiratsvermittlungsbüro »Oorfglocke Dölau".

Zahlreiche Anzeigen aus allen Gegenden Deutsch, lands veranlaßten die Hallesche Kriminalpolizei ju einer Überprüfung des Heiratsvermitt« lungsbürosDorfglocke Dölau". Es stellte sich dabei heraus, daß hinter den zahlreichen Lockanzeigen, die der Inhaber, ein gewisser O r l o - Dius fortgesetzt in immer wechselnden Tages­zeitungen im ganzen Reich erscheinen ließ, offen­bar nur Phantasiege st alten standen. Auch nicht ein Paar konnte Orlovius benennen, das durch feine langjährige Tätigkeit sich gefunden hätte. Die HeiratszeitungDorfglocke Dölau", die monatlich für die Mitglieder feiner Briefaustausch­zentraleHe rzenswunsch" erscheinen sollte, war vom Mai 1935 bis heute nur dreimal in wenigen hundert Exemplaren gedruckt worden, die sich zum größten Teil noch unbenutzt vorfanden. Eine Kartei oder Mitgliederliste führte Orlovius vorsichtigerweise nicht, um den Behörden kein Be­weismaterial zu liefern. Alle Posteingänge, zumal Zahlkartenabschnitte, wanderten alsbald in den Ofen. So vernichtete er fortgesetzt ganz planmäßig alle Spuren, die zur Aufdeckung seines schändlichen Treibens hätten führen können. Andererseits hielt er alle neugierigen Kunden vom Besuch in feiner Wohnung ober feiner, übrigens gar nicht vorhan­denen Geschäftsräume, fern, mit der in feinen Ge­schäftsbedingungen aufgenommenen Drohung, daß er einen solchen Besuch als Bestechungsversuch an­sehen müßte.

So konnte Orlovius, ganz in mystisches Dunkel gehüllt, jahrelang ungestört sein Treiben, das ihm ein monatliches Einkomm en von schätzungsweise 1000 bis 1200 Mark sicherte, fortsetzen. Sein Vorgehen war das in sol- chen Sachen altbewährte: den auf die verführeri­schen Lockanzeigen Anfragenden schrieb er, sie könn­ten an den begehrten Ehepartner nur unter Chiffre durch seine Briefaustauschzentrale herantreten. Die Teilnahme am Briefaustausch sei von einer ein­maligen Zahlung von 9 Mark und weiterhin von der Zahlung einer Monatsgebühr von 4 Mark abhängig. Nach Erhalt der 9 Mark wurde eine ernstliche Arbeit offenbar nicht mehr geleistet. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen führten trotz der planmäßigen Vernichtung aller Spuren zur Fest- nähme dieses Heiratsvermittlers ohne Geschäfts­lokal, ohne Personal, ohne Mitgliederlisten und ohne Geschäftsbücher. Es wäre wertvoll, wenn die offenbar in allen Gegenden Deutschlands zahlreich vorhandenen Geschädigten sich bei ihrer Po­lizeibehörde melden und dabei den etwa noch vor­handenen Schriftwechsel mit Orlovius, derDorf, glocke Dölau" und der BriefaustauschzentraleHer­zenswunsch" zur Verfügung stellen würden.

Kunst und Wissenschaft.

Ehrenzeichen für Professor Dr. Aschoff, Freiburg.

Seefeld erneut schwer belastet.

Die Zeugenaussagen im Knabenmordprozeß

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ist übrigens die einmal versucht einem Kind zu

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Aus aller Wett.

Neue Kältewelle in Amerika.

gleiche, in der Seefeld schon hat, ein Sittlichkeitsverbrechen an begehen.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange: für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot: für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An- zeigen: Theodor Kümmel. D. A. I. 36: 11000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stein- druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Emzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

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Die von Schnee ft ürmen begleitete Kältewelle erfaßte ganz Nordamerika Felsengebirge bis zur Atlantik-Küste. Aus zahl­reichen Orten werden gewaltige Temperaturstürze

Schlaf vorn Tod überrascht worden wäre. Auch hier zeigte sich keine Spur äußerer Gewaltanwen­dung. Ein Vergleich des Falles Korn mit den an­deren Fällen lenkte den Verdacht auf Seefeld, der sich in der Gegend von Lübeck Herumgetrieben hatte, als Hans Korn verschwand. Die Schonung, in der die Leiche gefunden wurde, ".....

Die Deutsche Akademie in München hat Geheim­rat Professor Dr. Aschoff in Freiburg i. Br. zu feinem 70. Geburtstage in Anerkennung feiner gro­ßen Verdienste für die deutsche Wissenschaft und deren Weltgeltung das Ehrenzeichen verliehen.

Der Streit um die Shakespeare-llebersehungen.

Reichsminister Dr. Goebbels hat an nam­hafte Persönlichkeiten der deutschen Theaterwelt und Literaturwissenschaft eine Umfrage gerichtet, welche Stellung sie in der in letzter Zeit heiß um­strittenen Frage der Schlegel-Tieck schen bzw. Roth eschen Uebersetzung Shakespeare- scher Dramen einnehmen. Dr. Goebbels hat sich vorbehalten, nach Eingang der Antworten der befragten Literaturhistoriker, Kritiker und Thea­terfachleute eine Anordnung für die deutschen The­ater herauszugeben, welche der beiden Uebersetzun- gen in der Folgezeit als die für den gegenwärti­gen Spielplan der deutschen Theater maß- und rich- gebende zu gelten hat. Es soll damit vermieden

19 Todesopfer eines Schiffsunglücks in Argentinien.

Innerhalb von drei Minuten ging auf dem Parana-Strom das MotorschiffMimftro Vargas Gomez" durch Kentern unter. Von den 30 Per­sonen, die sich an Bord befanden, ertranken 19. Fünf Mann der Besatzung und sechs Fahrgäste konnten sich retten. Da das Unglück sich in einer unbewohnten Gegend ereignete, wurde es erst be­kannt, als zwei Tage später einige Ueberlebende in Posadas im Gebiet von Misiones (Nordost-Argen­tinien) eintrafen. Man nimmt an, daß sich die Ladung des Schiffes infolge des Wellenganges ver­schoben hatte und so das Schiff zum Kentern kam.

Großer Fuwelendiebstahl im Hause Lord Rothermeres.

Das Haus des Presselords Rothermere im Nordwesten Londons wurde in der vergangenen Nacht von Einbrechern heimgesucht. Die Tä­ter entkamen mit Juwelen im Gesamtwerte von fast einer viertel Million Mark.

Zwei Jahre regelmäßiger Luflpostverkehr nach Südamerika.

Das erste planmäßige Postflugzeug der Lufthansa verließ am 3. Februar 1934 Deutsch­land zum Fluge nach Südamerika. Seitdem sind zwei Jahre vergangen, in denen die Deutsche Lufthansa den Atlantik zwischen Europa und Süd­amerika 143 mal überflogen hat. Betrug die Flug­zeit von Stuttgart bis Buenos Aires zunächst fünf Tage, fo beträgt sie jetzt seit Durchführung des beschleunigten Dienstes nur 3% Tage. Diese Beschleunigung wurde dadurch möglich, daß auf dieser schwierigen Flugstrecke ununterbrochen Tag und Nacht durchgeflogen werden konnte. Auf den 143 Flüaen in zwei Jahren wurden bisher von den deutschen Flugzeugen 1 300 000 Kilometer über dem Atlantischen Ozean geflogen. Mit diesem Dienst über drei Erdteile, acht verschiedene Länder, den Atlantik und die Anden hinweg hat die Deutsche Lufthansa bisher in den zwei Jahren des Bestehens

gemeldet. Eine Reihe von Gegenden in den Nord- ftaaten meldet Temperaturen von 25 bis 40 Grad Celsius unter Null. Riesige Schneewehen legten jeden Straßen- und Eisenbahnverkehr in den west­lichen Staaten lahm und hatten schwere Verkehrs­unfälle zur Folge. Bisher find 20 Personen e r - froren. Die neue Kältewelle erschwert auch die Lage mehrerer tausend Einwohner der Tangier- Insel und der Smith-Insel in der Chesapeake-Bay sowie auch der Nantucket-Insel, die durch Eisfelder von der Außenwelt abgeschnitten sind. In den Südstaaten verursachten schwere Regenfälle große Ueberschwemmungen mit erheblichem Sach­schaden. Bei Murphy in Nord-Carolina brach ein Flußdamm, wobei mehrere Menschen ums L e - ben kamen. In der Nähe von Maylene stürzte ein Frachtzug über eine 125 Fuß hohe Böschung ab. Das Unglück forderte zwei Menschenopfer. In zahlreichen Niederungen mußten die Einwohner ihre Häuser infolge der Ueberflutung räumen. Die nördlichen Gegenden einiger Südstaaten wurden ebenfalls von der Kältewelle heimgesucht.

Weitere Verschärfung des Fleischerstreiks in London.

Der Streik der Londoner Fleischer und Fleischergesellen auf dem Fleischoerteilungs­markt Smithfield hat am Dienstag eine weitere Verschärfung erfahren, nachdem eine Reihe von Arbeitern, die in Lagerhäusern und Kühlräu­men beschäftigt sind, in den Sympathiestreik traten. Auch in den Lagerhäusern am Hafen wurde an eini­gen Stellen die Arbeit niedergelegt, so daß insge­samt 12 000 unmittelbar oder mittelbar an dem Streik beteiligt sind. Alle Bemühungen, den Streik zu beenden, sind bisher fehlgeschlagen. In London herrscht eine beträchtliche Fleischknappheit. Die kon­servativeMorning Post" schreibt, der Streik sei eine organisierte Verschwörung, um ganz London eines wichtigen Nahrungsmittels zu berauben.

Am Dienstag wurde der Vater des ermordeten Gustav Thomas aufgerufen. Er sagt aus, daß ihm an jenem Tage, an dem sein Kind verschwand, nichts Besonderes an dem Jungen auf gefallen sei. Mittags sei der Junge von der Schule nach Hause gekommen und wollte schnell sein Essen haben. Dann sei er wieder fortgelaufen, ohne allerdings wie sonst der Mutter mitzuteilen, wohin er gehen wolle.23 o n dem Augenblick an habe i ch mein Kind nicht wiedergesehe n", erklärte der Vater des ermordeten Knaben. Aus die Fragen des Vorsitzenden erwidert Seefeld in seiner üb­lichen Art mit den Worten:Ich kann nur sagen, daß ich die gesuchte Person nicht bin".

Mit Sicherheit erkennen dagegen mehrere Zeugen den Angeklagten als den Begleiter des kleinen Thomas auf dessen Todesgang wieder.

Lokaltermin in Lübeck.

Am Mittwoch früh begab sich das Schweriner Schwurgericht nach Lübeck, um in der dortigen Umgegend einen Lokaltermin in dem Mordfall Hans Korn abzuhalten Am 16. Januar 1934 war Hans Korn aus der Schule nach Haufe gekommen, aber bald wieder fortgelaufen, da er sich die Schiffe auf der Oberttave ansehen wolle. Unterwegs traf er einige Schulkameraden, denen er zurief:Ich will zur Post, da steht ein Mann, der schenkt mir Schokolade." Seit diesem Zeit­punkt fehlte jede Spur von dem Jungen, bis man ihn am 15. Februar in einer dichten Fichtenscho­nung tot auffand. Die Leiche machte ebenso wie in anderen gegen Seefeld zur Anklage stehenden Mordfällen den Eindruck, als wenn der Knabe im

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Mord prozeß Seefeld wurden die Zeugen zu den 12 Knabenmorden vernommen, die Seefeld zur Last gelegt werden. Das Gericht erörterte zuerst den letzten Fall des neunjährigen Gustav Thomas (Wittenberge). Dieser unglückliche Junge verschwand am 22. März 1935 und wurde einen Tag später in einer dichten Kiefernschonung bei Wittenberge in typischer Schlaf­stellung aufgefunden. Der Vorsitzende machte die Zeugen auf die Bedeutung ihrer Aussagen auf­merksam und ermahnte auch den Angeklagten, nicht wie sonst Ausflüchte zu machen:Es ist heute ein besonders kritischer Tag für Sie".

Gustav Thomas, ein aufaemerfter und folg­samer Junge, hatte am 22. März vorigen Jahres das elterliche Haus verlassen, ohne feiner Mutter zu sagen, wohin er ginge. Auch den Schäferhund des Vaters, der auf den Mann dressiert war, hatte er zurückgelassen. Ein Spielkamerad des Thomas hatte diesen zusammen mit einem älteren Mann gesehen, der einen freundlichen Eindruck gemacht habe. Andere Zeugen hatten den Alten und den Jungen auch gesehen. Einige von ihnen haben in der Voruntersuchung ausgesagt, daß der Junge hinter dem Manne hergegangen sei und einen schläfrigen Eindruck gemacht habe. Er habe weder rechts noch links geblickt. Der Mann fei in ge­bückter Haltung vorübergegangen und habe Die Zeugen dabei so zynisch angegrinst, daß sein Gesicht einer Fratze geglichen habe.

Seefeld hatte bisher immer be ft ritten, den Schüler Thomas ermordet zu haben. Er will auch zu der von den Zeugen angegebenen Zeit gar nicht in Wittenberge gewesen sein. In seinem geheimnisvollen Notizblock sind neben dem Datum des 22. März 1935 drei Fragezeichen ein­getragen. Bei der Gegenüberstellung mit den Zeugen vor Gericht verwickelte sich der Angeklagte mehrfach in Widersprüche. Besonders be­lastend war die Aussage eines Beamten der Reichs­bahnüberwachungsstelle Altona. Der Vorsitzende hielt Seefeld die klaren Feststellungen vor. Nach einigen Ausflüchten gab Seefeld, in die Enge ge­trieben, unter großer Bewegung im G e - richtssaal zu, erst am 2 3. März morgens Wittenberge verlassen zu haben.

werden, daß dieser Literaturstreit nachteilige Folgen für die Entwicklung des deutschen Theaters sich zieht.

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