Ausgabe 
4.11.1936
 
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daran denkt, die Fenster nach der Straßenseite gut abzublenden, sondern auch darauf bedacht ist, die Fenster der rückwärtigen Hausfront, sowie der Sei­tenfronten in der gleichen Weise zu verdunkeln, ins­besondere die kleineren Fenster an Toiletteräumen -der Speisekammern, die mancher Mitbürger bei den bisherigen Hebungen anscheinend als weniger be­deutsam angesehen hat.

Wenn alles in der richtigen und völlig einwand­freien Weise durchgeführt sein soll, sobald die Hebung beginnt, werden die Hausbewohner zweck­mäßigerweise ihre Maßnahmen schon einige Minu­ten vorher in Gang bringen, damit der Luftschutz­hauswart die Möglichkeit hat, noch vor dem Hebungsbeginn das seiner Obhut anvertraute Haus von außen nach allen Seiten hin in Augenschein zu nehmen, um etwaige Fehler rechtzeitig abstellen zu können. Oberster Grundsatz sämtlicher Prü­fungsmaßnahmen muß immer der sein, im Innern des Hauses den Fortgang des täglichen Lebens un­eingeschränkt zu ermöglichen, aber nach außen hin alles in tiefste Finsternis zu hüllen.

Hnbedingte Notwendigkeit ist es auch, daß alle diejenigen, die keine Aufgabe bei der Derdunke- lungsübung zu erfüllen haben, von der Straße wegbleiben, aber nicht etwa, wie bei der vorigen Hebung der Meinung sind, sie müßten unbedingt die Straße hinauf- und hinabwandern, um zu sehen, wie sich die Hebung abwickeln werde. Das ist nicht nur völlig gegen den Sinn einer solchen Veranstaltung, sondern auch gefährlich für den einzelnen, der dabei durch Fehltritt leicht stürzen kann, oder auch Gefahr läuft, von einem der völlig abgeblendet fahrenden Fahrzeuge angerannt und verletzt zu werden. In solchen Fällen wird selbst­verständlich niemand da sein, der für den Schaden haftet, denn es ist ja ausdrücklich von der Polizei­behörde das Verbot ergangen, sich bei solchen Hebungen unbefugter Weise aus der Straße auf­zuhalten.

Ebenso ist es unstatthaft, aus den Fenstern der Wohnung sich herauszubeugen, um auf diese Weise etwaigen Regungen der Neugier nachzugeben. Im Ernstfälle wird ja auch niemand die Lust verspü­ren, bei einem Besuche feindlicher Flieger von der Wohnung aus durch das offenftehende Fenster zuzu­schauen, was sich da ereignet, sondern jedermann wird sich nach bester Möglichkeit innerhalb des Hau­ses in Sicherheit bringen, um den vielfältigen Wir­kungen eines Fliegerangriffes zu entgehen. Die Verounkelungsübung wirb aber erst dadurch wirk­lich sinngemäß erfüllt, wenn sie in allen Teilen weitgehendst dem Ernstfall angepaßt wird, denn nur dadurch kann das hohe Maß von Schulung erreicht werden, auf das für den Fall des Ernstes im Interesse jedes einzelnen unbedingt Gewicht ge­legt werden muß.

Vom Straßenverkehr sind während der Hebung die Aerzte, Krankenpfleger, Hebammen, Feuerwehr­männer, Polizei und Wehrmacht nicht ausgeschlossen, soweit sie die Straße aus beruflichen Gründen be­treten müssen. Entgegenkommenderweise hat die Po­lizei das Betreten der Straße am morgigen Don­nerstagabend auch den Besuchern des Theaters und der Lichtspielhäuser gestattet, aber für diese Volks­genossen dürfte es sich empfehlen, möglichst schon vor 20 Uhr das Ziel ihres Ganges zu erreichen, damit sie in den verdunkelten Straßen nicht etwa zu Scha­den kommen.

Wenn alle Teile der Bevölkerung die hier darge- legten Gesichtspunkte genau befolgen und es mit ihrer Mitwirkung bei der Hebung f o ernst nehmen, wie die Sache es erfordert, dann wirb zweifellos die morgige dritte Luftschutzübung ein voller Erfolg werben und dahin führen, daß die Luftschutzschulung unserer Gießener Bevölkerung für einen etwaigen Ernstfall weitere gute Fortschritte erfährt. B.

Bornotizen.

Tageskalender für Wittwoch.

NS.-Lehrerbund, Kreis Gießen, FachschaftKör­perliche Erziehung", Arbeitsgemeinschaft für Mäd- chenturnen, 16 Hhr, in der Neuen Pestalvzzischule. Kundgebung des Iungbannes 116, 18 Hhr, auf dem Brandplatz (Siegerehrung für Fähnlein 21 Gorch Fock".) Stadttheater: 19.30 bis 22.45 Hhr, Figaros Hochzeit". Gloria-Palast, Seltersweg: Schabernack". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Jana". Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 17 bis 18 Hhr, Ausstellung von Oel- gemälben, Aquarellen und Tempera.

Sladttheater Gießen.

Heute Abenb geht bie heitere OperFigaros Hochzeit" von W. A. Mozart in Szene. Die musi­kalische Leitung hat Paul Walter. Spielleitung: Der Intendant. Anfang 19.30 Hhr, Ende 22.45 Hhr. Mittwoch-Miete 7. Vorstellung.

Goethe-Bund und kaufmännischer Verein.

Am morgigen Donnerstagabend spricht Kapitän­leutnant u. D. Freiherr von Buttlar-Bran­de n f e I s überVier Jahre im Zeppelin gegen den Feind. Meine 26 Angriffsfahrten im Welt­kriege" mit Original-Lichtbildern. Der Vortrag bringt einen Bericht von dem heldenmütigen Kampf der deutschen Luftschiffe, von Wagemut, Entschlossenheit und Opferbereitschaft. (Siehe heutige Anzeige.)

Deutsche Arbeitsfront.

Fachgruppe Gaststätlengewerbe.

. Alle Arbeitskameraden und -Kameradinnen, die in der Alters- und Invalidenhilfe, ober in ber freiwilligen Sterbeunterstützung-Berlin (Nachfolge der Hnterstützungskassen Genfer Verband, Bund I. V. K. und Z. V.) noch Mitglied sind, können ab sofort ihre Beiträge zu diesen beiden Unter« stützungseinrichtungen auf der Dienststelle der DAF., Gießen, Schanzenstraße 18, 1. Stock, Zim­mer 12, bei dem zuständigen Kreissachgruppenwal- ter für das Gaststättengewerbe Pg. Bittner an den Tagen:

Mittwoch- und Samstagvormittag in der Zeit von 8 bis 10 Hhr

entrichten. Auskünfte, Neuaufnahmen, Wiederauf­leben alter Mitgliedschaften usw. werden ebenfalls bortfelbft geregelt.

, X Die deutsche Rrbeitefront S** N.S.-öememschaftKraft durch fteudc" v.'t/tSr. 'v . '1. -v Ü .

Arn Donnerstag, 5. November, 20 Hhr, findet in der Aula der Universität ein Lickstbildervortrag in Verbindung mit dem Goethebund von Kapitän- Leutnant a. D. Freiherr von Buttlar-Bran­de n f e I s statt über

Vier Jahre im Zeppelin gegen den Fein d".

Eintrittskarten für DAF.-Mitglieder sind auf der KreisdienststelleKraft durch Freude", Schanzen­straße 18, zum Preis von.50 Mark erhältlich.

Von der Universität.

Von der Pressestelle der Universität Gießen wirb uns mitgeteilt:

Der Dozent an ber Universität Königsberg Lic. Vogelsang ist beauftragt worben, ben Lehrstuhl für Kirchengeschichte an ber Universität Gießen ver­tretungsweise zu übernehmen.

Dr. phil. habil. Oskar Wagner ist beauftragt worben, vom Wintersemester 1936/37 ab an ber Veterinärmebizinischen Fakultät ber Universität Gie­ßen das LehrgebietParasiten als Krankheitserre­ger" undPelztierkrankheiten" in Vorlesungen und Hebungen zu vertreten.

Die Mietpreisfestsehung bei Neuvermietungen.

ImGießener Anzeiger" Nr. 233 vom 5. Okto­ber veröffentlichten wir eine Briefkasten-Auskunft, die sich mit ber Frage ber Mietpreisfestsetzung bei Neuoermietungen beschäftigte. In biefer Sache wur­den aus unserem Leserkreise neue Gesichtspunkte geltend gemacht, bie uns Veranlassung gaben, die Angelegenheit unserem juristischen Mitarbeiter er­neut zur Prüfung vvrzulegen. Daraufhin erhielten wir nachfolgende Aufklärung:

Bei Erörterung der Frage, ob eine Erhöhung der Miete zulässig ist, muß davon ausgegangen werden, daß ein grundsätzliches Verbot jeglicher Mietsteigerung nicht besteht. Eine wesentliche Be­schränkung in der Preisbildung für Mieträume er­gibt sich jedoch aus dem Reichsmietengesetz. Hier­nach kann sowohl der Mieter als auch der Ver­mieter jederzeit von dem anderen Vertragsteile verlangen, daß von dem ersten Termin ab, für den

Gedenkfeier derRSDAp.ain s. November

Die Gedenkfeier findet um 20.30 Uhr in der Volkshalle statt. Alle Volksgenossen der Stadt Gießen werden hiermit zu dieser Feierstunde eingeladen.

Alle Gliederungen und angeschlossenen Verbände der NSDAP. nehmen geschlossen teil. Die Führer der Gliederungen und angeschlossenen Verbände wollen jetzt schon alles Erforderliche veranlassen, damit ihre Formationen geschlossen zur Volkshalle marschieren. Ankunft spätestens 20.20 Uhr. Um 20.30 Uhr wird die Volkshalle während der Feier geschlossen.

Die Fahnen der Gießener Ortsgruppen, der SA., des NSKK.» der DAF., des NS StB. und der HZ. sind um 20.20 Uhr vor der Volkshalle angetreten.

Alle anderen Veranstaltungen fallen an diesem Abend aus.

Kreisleitung Wetterau der NSDAP.

Arn Sonntag, 8. November, 11.30 bis 12.30 Hhr findet im Stadtthectter Gießen eine Morgenfeier von Eberharb Wolfgang Möller

Kantaten"

statt. Eintrittskarten zu 30 Pfennig sind auf ber KreisbienftftelleKraft burch Freube", Schunzen- ftraße 18, erhältlich.

Wir fahren in die schönsten Winkerfporlgebiele!

Schlierfee Fischbachau vom 25. De­zember 1936 bis 3. Januar 1937. Preis 38 Mark. Nirgenbs ist es um Weihnachten und Neujahr schöner, als in ben oberbayerischen Bergen. An- meldeschluß 10. Dezember.

Schwarzwalb Kniebis vom 13. bis 17. Januar 1937. Preis 26,50 Mark. Mit modernen Omnibussen in den winterlichen Schwarzwald mit seinen schneebedeckten Tannen und seinem herr­lichen Wintersportgelände. Anmeldeschluß 10. Ja­nuar 1937.

RöhnGersfeld vom 23. bis 30. Januar 1937. Preis 18,50 Mark. Für jeden Wintersport­ler und jeden Erholungssuchenden wird diese Fahrt ein unvergeßliches Erlebnis. Anmeldeschluß 15. Ja­nuar 1937.

Schwarzwald Kniebis vom 30. Ja­nuar bis 5. Februar 1937. Preis 33,50 Mark. In ben schmucken und sauberen Pensionen auf bem Knie­bis in herrlicher Winterlandschaft werden bie Fe­rientage zu einem Feiertag. Anmeldeschluß 27. Ja­nuar 1937.

Allgäu Pfronten vom 13. bis 20. Fe­bruar 1937. Preis 30,50 Mark. Am Rande der Hochalpen liegt das durch die vielenKdF.-Fahr- ten bekannte Pfronten mit seinem herrlichen Win­tersportgelände. Anmeldeschluß 5. Februar 1937.

Schwarzwald Kniebis vom 21. bis 28. Februar 1937. Preis 36,50 Mark. Wieder geht es über die Autobahn, durch stille Täler hinaus auf die Höhen des schneebedeckten Schwarzwaldes. An- meldeschluß 7. Februar 1937.

Reit im Winkel vom 27. Februar bis 9. März 1937. Preis 53 Mark. Unmittelbar an der Tiroler Grenze, ganz in Hochgebirge versteckt, liegt in schönster Winterlandschaft das schmucke Reit im Winkel. Anmeldeschluß: 20. Februar 1937.

die Kündigung zulässig sein würbe, bie gesetzliche Miete (= Friebensmiete 4- 12 v. H.) an bie Stelle des vereinbarten Mietzinses tritt. Eine wei­tere Einschränkung erfährt der oben aufgestellte Grundsatz durch die Bestimmung über Mietwucher. Danach wird derjenige, welcher für bie Heber» lassung von Räumen einen Mietzins fordert, beri unter Berücksichtigung ber gesamten Umstände als1 unangemessen anzusehen ist, mit Geldstrafe ober mit Gefängnis bestraft. Nachdem von maßgeblicher Seite des öfteren darauf hingewiesen worden ist, daß die Mieten unbedingt auf dem derzeitigen Stand gehalten und ungerechtfertigte Mietsteigerun- gen mit allen Mitteln unterbunden werden sollen, ist bei Prüfung der Frage, was als unangemessene Miete anzusehen ist, ein strenger Maßstab anzu­legen. Praktisch führt das dahin, daß eine Steige­rung der Miete nur in ganz besonderen Fällen statthaft ist. Das ändert jedoch nichts daran, daß ein allgemeines Verbot der Mietsteigerung nicht besteht. Der Herr Reichsarbeitsminister hat sich in einer Rede vom 25. September 1935 dahin ge­äußert, daß ungerechtfertigte Mietpreissteigerungen verhindert werden müssen, daß das aber nicht heißt, daß jede Mieterhöhung schematisch unter­bunden werden soll.

Sitzung des provinzialausschuffes.

Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde ein Disziplinarverfahren gegen den bei ber Stabt Friedberg beschäftigten Adam Gondolf, geboren 18. Oktober 1881 in Friedberg, verhandelt. Gondolf wurde eines Dienstvergehens jür schuldig befunden und gemäß Artikel 17, Abs. II und III, und Artikel 24, Abs. II, des Gesetzes die Rechtsverhältnisse der Gemeindebeamten betreffend vom 22. März 1929 aus dem Dienst der Stadt Friedberg entlassen. Die Kosten des Verfahrens wurden Gondolf zur Last gefetzt.

Dem Kaufmann Hubert Timmer in Butzbach wurde auf feine Klage gegen den Bescheid des Kreisamts Friedberg vom 21. Juli 1936 die Er­laubnis zum Kleinhandel mit Branntwein im Hause Weiseler Straße 5 in Butzbach erteilt. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Kläger unter Zugrundelegung eines Streitwerts von 500 RM. zur Last.

äamerabfcfviffeabenb der Arbeilsgemeinfchafl Gießener Soldalenkameradschasten.

Man schreibt uns: Am Samstag hält Dr. Kraft im Cafe Leib in der Arbeitsgemeinschaft der Gießener Soldatenkameradschaften einen Lickstbildervortrag über die Eindrücke, die er auf einer Fahrt über bie Schlachtfelder Verduns und der Argonnen ge­wonnen hat. Der Vortragende, ber selbst zweimal in ber Hölle von Verdun gekämpft hat, verbindet alte Kriegserinnerungen und frische Erlebnisse zu einem Ganzen. Dabei werden auch die franzö­sische Landschaft, französische Wesensart und Wil­lensrichtung, deutsches und französisches Soldaten­tum behandelt. Drei Musiker wirken am Kamerad­schaftsabend mit. Die Familien der alten Kame­raden, die jungen Kameraden der Wehrmacht und andere Gäste sind herzlich eingeladen. Man be­achte bie heutige Anzeige.

Die Eintopfgerichte für die Gaststätten am 8. November.

DNB. Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gast­stätten- und Beherberqungsgewerbe teilt seinen Mitgliedern mit, daß für ben zweiten Eintopf­sonntag am 8. November folgende vier Eintopf­gerichte für die Gaststätten vorgeschrieben sind:

1. Löffelerbsen mit Einlage.

2. Hammel- ober Rindfleisch mit Weiß- ober Wirsingkohl. .

3. Gemüsekost, vegetarisch ober mit Fleischemlage.

4. Fischeintopfgericht nach freier Wahl.

Die Festlegung biefer Eintopfgerichte gilt nur für Gaststätten. Den Hausfrauen bleibt bie Wahl ber Eintopfgerichte selbst überlassen.

Rhön Gersfelb vom 3. bis 10. März 1937. Preis 18,50 Mark. Noch einmal geht es in die schneebedeckten Höhen der Röhn, und jeder Teil­nehmer wird neue Kräfte für sein Tagewerk sam­meln. Anmeldeschluß 25. Februar 1937.

Wendelsteingebiet vom 14. bis 22. März 1937. Preis 35 Mark. Mit der letzten Winterfahrt noch einmal in bie schneebedeckten Alpen, in bas deutsche Winterparadies. Anmeldeschluß 5. März 1937.

Die Preise bei diesen Fahrten verstehen sich einschließlich Fahrt und volle Verpflegung! Bei allen angesetzten Hrlaubsjahrten finden Skikurse und Wandertouren statt.

Eingehenden Aufschluß gibt das monatlich er­scheinende Programmheft der NSG.Kraft durch Freude", welches man auf ber Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstraße, zum Preise von 10 Pf. erhalten kann.

Die AusstellungWeltfeind Jlr. V im Gau Hessen-Nassau.

NSG. Der Antikomintern-Zug mit seiner Aus­stellungWelffeind Nr. 1, ber Bolschewismus", der überall auf seiner Fahrt durch die deutschen Gaue in den Ausstellungsstädten Zehntausende von Besuchern anzieht, wird am 10. November in Frankfurt a. M. eintreffen und vom 14. bis 19. No­vember einschließlich auf dem Roßmarkt seine sehenswerte Ausstellung zeigen. In einer Zeit, wo Moskau bie bolschewistische Zersetzungsarbeit in ber ganzen Welt mit verdoppelter Energie betreibt, wird dieser Zug in unserer Gaubauptstadt im Mit­telpunkt des allgemeinen Interesses stehen.

Winterschlußverkauf 1937.

Fwd. In einer im Reichs- und Preußischen Staatsanzeiger erscheinenden Anordnung gibt der Reichswirtschaftsminister die Waren bekannt, die in den am 25. Januar 1937 beginnenden Winterschluß­verkäufen nicht zum Verkauf gestellt werben bürfen. Es handelt sich durchweg um Waren, bie Mode­schwankungen so wenig unterworfen sind, baß ein Bedürfnis nach beschleunigter Lagerbereinigung nicht besteht.

** Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Landstraßenstrecke Gießen Leihgestern wird ab 5. November aufgehoben.

** Marinebesuch in Gießen. Am morgi­gen Donnerstag erhält bie Marine-Kamerabschaft Gießen ben Besuch einer Wanberstreife bes Kreu­zersLeipzig", bestehenb aus einem Offizier (Kapi­tänleutnant Iäcke I), zwei Unteroffizieren unb elf Mann. Zu Ehren dieses Besuches veranstaltet bie Marinekameradschaft Gießen gemeinsam mit der Marine-SA. am Donnerstag im Bootshaus ber Ma­rinekameradschaft einen Begrüßungs- unb Kamerad- schaftsabenb.

** Verkehrsunfall. Gestern wurde in die hiesige Klinik die Gattin eines Wetzlarer Industriel­len eingeliefert, bie bei einem Verkehrsunfall Haut­abschürfungen, sowie Prellungen erlitt. Auch ber Kraftwagenführer, ber Chauffeur bes Hauses, er­litt Prellungen unb Hautabschürfungen. Der Unfall kam, unweit von Marburg, dadurch zustande, baß bem Wetzlarer Auto ein Kraftfahrzeug auf ber linken Straßenseite entgegenkam, unb ein Zusam­menstoß unvermeidlich wurde.

** D er Geflügelzuchtverein Gießen hielt seine fällige Monatsversammlung bei Mit» glieb Seniler ab. Es wurde über bie Erfahrungen ber Junggeflügelausstellung in Hannover durch ben Vereinsführer Fr. Bauer berichtet. Ferner würben bie Mitglieder mit ben Allgemeinen Aus- ftellungsbebingungen vertraut gemacht. Die bevor­stehenden beiden Gau-Ausstellungen von Marburg und Frankfurt a. M. standen im Mittelpunkt der Beratungen. Im Anschluß an diese Monatsoer- sammlung ließen die Mitglieder des Vereins ihre Tiere durch den Preisrichter Kolter (Bad-Nau­heim) begutachten. Zu ber Marburger Schau wür­ben daraufhin zirka 50 Tiere angemelbet. Der Verein hofft mit ebenso viel Nummern auch in Frankfurt a. M. vertreten zu sein.

Der Rocker-prozeß abgeschlossen.

8 Jahre Zuchthaus.

LPD. Mainz, 3. Nov. Nachdem die Verhand­lung im Rocker-Prozeß einige Tage ausge­setzt war, fand sie am Dienstag ihr Ende.

Vor der Zeugenvernehmung wandte sich ber Vvr- sitzenbe noch einmal an die Rocker mit ber Frage, ob sie heute bem Gericht etwas Neues mitzuteilen habe. Die Rocker ermiberte, sie wüßte nichts. Ihr sei lediglich eingefallen, daß sie doch einmal für eine Heiratsvermittlung 50 Mark Honorar bezogen habe. Sie leugnet nach wie vor, mit ber Vogler jemals über Verkalkungstabletten, bie bas Blut dick ma­chen, gesprochen zu haben. Sie leugnet auch, daß sie die Vogler in bem Glauben gelassen habe, ihre Tabletten, bie sie für ihren Mann gegeben habe, seien giftig. Der Vorfitzenbe hält ihr ihr Eingeständ­nis beim Hntersuchungsrichter und in ber Haupt­verhandlung vor. Die Rocker erklärt aber, sie könne sich an nichts mehr erinnern.

Als erster Zeuge wurde der 57jährige Iwa­nowski aus Wiesbaden vernommen. Er hat im Frühjahr 1932 ben Hoch kennen gelernt. Hoch erklärte Iwanowski, daß eine Gesellschaft zum Ver­trieb pharmazeutischer Präparate gegründet werbe. In biesem Unternehmen, besten Grünber ber Che­miker Müller war, könne er eine Stellung als Provisionsreisender finden. Den Müller hält der

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Zeuge, der, wie er selbst sagt, von chemischen unb pharmazeutischen Dingen keine Ahnung hat, auf bem Gebiet der Pharmakologie als außerordentlich beschlagen. Charakterlich war ihm ber Mann immer unklar geblieben, ba sich bei biesem Mann großer Egoismus mit Unfähigkeit in geschäftlichen Dingen oerbanb. Auf die Frage des Vorsitzenden, welche Präparate der Zeuge bei bem Müller kennen ge­lernt habe, gibt er an, daß er mit Tabletten, Pul­ver unb Salben für Keuchhusten bzw. Erkältungs­krankheiten reifte. Müller habe aber auch davon gesprochen, daß er ein Heilmittel für Rheuma unb Gickst erfunden habe, bas in Pulver- und labtet- tenform in den Handel gebracht werden sollte. Heber bie Zusammensetzung dieses Präparates hat der Zeuge nichts erfahren. Müller hat ihm lediglich erklärt, daß man dieses Pulver auch für besam bere Zwecke, vor allem für Frauenkrankheiten, verwenden könne. Interessant ist auch die Aussage des Zeugen über bie Versuche, die Müller machte, um ein Heilmittel für Krebskrankheiten zu finden. Es handelt sich dabei um bie zwei konzentrierten säuregetränkten Tonkügelchen, von denen im Laufe des Verfahrens öfters bie Rebe war. Wie ihm Müller mitteilte, habe er biefe Versuche eingestellt, ba bie Aerzte Bebenken gegen dieses Mittel hatten.

Als nächste Zeugin würde eine Witwe Dienst­buch aus Wiesbaden vernommen. Heber ihre Be­kanntschaft mit der Rocker gibt sie an, baß sie sie 1932 burch ihre Schwägerin kennengelernt habe. Beide Frauen ließen sich dort bie Karten schlagen. Die Zeugin Dienstbuch! wollte wissen, ob sie Aus­sicht für eine Wiederverheiratung Hube. Die Rocker Hube ihr denChina-Feldwebel" empfohlen; sie Hube den Munn über nicht zu sehen bekommen unb später erfuhren, büß er malariakrank sei. Die Rocker Hut ihr für ihre Vermittlungsgebühren eine Rechnung von 50 Murk gesund!. Wegen dieser Rechnung betumen die beiden Frauen Streit. Die Zeugin fugte weiter aus, daß sie von der Tochter der Frau Rocker bei irgendeiner Gelegenheit eine Schnupfensalbe bekommen Hube. Die Tochter Hube dabei gefügt:Dus bekommen wir von unferm Onkel (der Nume ist der Zeugin entfullen). Er fängt erst un und macht mit diesem Zeug Reklume."

Als weitere Zeugin wurde bie 26jährige Fruu Leidenbuch uus Wiesbuden gehört. Sie ist eine Schulfreundin der Tochter von Fruu Rocker. An­läßlich des Prozesses Vogler Hube sie sich einmal mit ber Zeugin Dienstbuch über bie dunkle Persön­lichkeit desOnkel Ehrhurd" unterhulten. Sie Hube zuerst ungenommen, duß Herr Müller der Onkel Ehrhurdt sein könne. Die Mutmußungen hätte sie aber verworfen.

Darauf trat dieTochterder Angeklagten Rocker als Zeugin auf. Der Vorsitzende machte sie aus­drücklich darauf aufmerksam, daß sie von ihrem Recht oer Aussageverweigerung Gebrauch machen könne. Die Zeugin erklärte aber, aussagen zu wollen. Ihre Angaben sind recht unklar und un­durchsichtig. Besonders was das Verhältnis ihrer Mutter zu Müller angeht, will sie die Suche so hinstellen, uls wäre ihre Mutter mit Herrn und Fruu Müller nur wenig begannt gewesen. Sie gibt an, daß im Hause ihrer Eltern niemals von irgend jemand alsOnkel" gesprochen worden war, sie hätten lediglich einen alten Untermieter so be­zeichnet.

Mit der Vernehmung der Tochter der Angeklag­ten Rocker war die Beweisaufnahme abgeschlossen. In der Nachmittugssitzung plädierte der Stuats- anroult, der eine Zucksthuusstrufe wegen Beihilfe zum Mord beuntrugte. Noch 2'/.'stündiger Beratung fällte das Gericht folgendes Urteil:

Die Angeklagte Rocker aus Wiesbaden wird wegen Beihilfe zum Word zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust ver­urteilt.

In feiner Urteilsbegründung stellte ber Vor­sitzende fest, duß es uuf Grund der Verhundlung unbedingt notwendig sei, den Verkehr mit T ul- l i u m erneut zu überprüfen und zu verschärfen, und duß weiter dus Wuhrsugen mit Hilfe von Kurtenlegen uus kriminulpolitischen Erwägungen mit ullen Mitteln schärfstens unterdrückt rperoe. Mit Rücksicht uuf die bisherige Unbeftruftheit Der Angeklugten sei dus Gericht unter dus beuntrugte Strufmuß gegungen, jedoch Hube es duvon abge­sehen, die gesetzliche Mindeftstrufe von drei Jayren Zuchthaus zu verhängen.