daran denkt, die Fenster nach der Straßenseite gut abzublenden, sondern auch darauf bedacht ist, die Fenster der rückwärtigen Hausfront, sowie der Seitenfronten in der gleichen Weise zu verdunkeln, insbesondere die kleineren Fenster an Toiletteräumen -der Speisekammern, die mancher Mitbürger bei den bisherigen Hebungen anscheinend als weniger bedeutsam angesehen hat.
Wenn alles in der richtigen und völlig einwandfreien Weise durchgeführt sein soll, sobald die Hebung beginnt, werden die Hausbewohner zweckmäßigerweise ihre Maßnahmen schon einige Minuten vorher in Gang bringen, damit der Luftschutzhauswart die Möglichkeit hat, noch vor dem Hebungsbeginn das seiner Obhut anvertraute Haus von außen nach allen Seiten hin in Augenschein zu nehmen, um etwaige Fehler rechtzeitig abstellen zu können. Oberster Grundsatz sämtlicher Prüfungsmaßnahmen muß immer der sein, im Innern des Hauses den Fortgang des täglichen Lebens uneingeschränkt zu ermöglichen, aber nach außen hin alles in tiefste Finsternis zu hüllen.
Hnbedingte Notwendigkeit ist es auch, daß alle diejenigen, die keine Aufgabe bei der Derdunke- lungsübung zu erfüllen haben, von der Straße wegbleiben, aber nicht etwa, wie bei der vorigen Hebung der Meinung sind, sie müßten unbedingt die Straße hinauf- und hinabwandern, um zu sehen, wie sich die Hebung abwickeln werde. Das ist nicht nur völlig gegen den Sinn einer solchen Veranstaltung, sondern auch gefährlich für den einzelnen, der dabei durch Fehltritt leicht stürzen kann, oder auch Gefahr läuft, von einem der völlig abgeblendet fahrenden Fahrzeuge angerannt und verletzt zu werden. In solchen Fällen wird selbstverständlich niemand da sein, der für den Schaden haftet, denn es ist ja ausdrücklich von der Polizeibehörde das Verbot ergangen, sich bei solchen Hebungen unbefugter Weise aus der Straße aufzuhalten.
Ebenso ist es unstatthaft, aus den Fenstern der Wohnung sich herauszubeugen, um auf diese Weise etwaigen Regungen der Neugier nachzugeben. Im Ernstfälle wird ja auch niemand die Lust verspüren, bei einem Besuche feindlicher Flieger von der Wohnung aus durch das offenftehende Fenster zuzuschauen, was sich da ereignet, sondern jedermann wird sich nach bester Möglichkeit innerhalb des Hauses in Sicherheit bringen, um den vielfältigen Wirkungen eines Fliegerangriffes zu entgehen. Die Verounkelungsübung wirb aber erst dadurch wirklich sinngemäß erfüllt, wenn sie in allen Teilen weitgehendst dem Ernstfall angepaßt wird, denn nur dadurch kann das hohe Maß von Schulung erreicht werden, auf das für den Fall des Ernstes im Interesse jedes einzelnen unbedingt Gewicht gelegt werden muß.
Vom Straßenverkehr sind während der Hebung die Aerzte, Krankenpfleger, Hebammen, Feuerwehrmänner, Polizei und Wehrmacht nicht ausgeschlossen, soweit sie die Straße aus beruflichen Gründen betreten müssen. Entgegenkommenderweise hat die Polizei das Betreten der Straße am morgigen Donnerstagabend auch den Besuchern des Theaters und der Lichtspielhäuser gestattet, aber für diese Volksgenossen dürfte es sich empfehlen, möglichst schon vor 20 Uhr das Ziel ihres Ganges zu erreichen, damit sie in den verdunkelten Straßen nicht etwa zu Schaden kommen.
Wenn alle Teile der Bevölkerung die hier darge- legten Gesichtspunkte genau befolgen und es mit ihrer Mitwirkung bei der Hebung f o ernst nehmen, wie die Sache es erfordert, dann wirb zweifellos die morgige dritte Luftschutzübung ein voller Erfolg werben und dahin führen, daß die Luftschutzschulung unserer Gießener Bevölkerung für einen etwaigen Ernstfall weitere gute Fortschritte erfährt. B.
Bornotizen.
Tageskalender für Wittwoch.
NS.-Lehrerbund, Kreis Gießen, Fachschaft „Körperliche Erziehung", Arbeitsgemeinschaft für Mäd- chenturnen, 16 Hhr, in der Neuen Pestalvzzischule. — Kundgebung des Iungbannes 116, 18 Hhr, auf dem Brandplatz (Siegerehrung für Fähnlein 21 „Gorch Fock".) — Stadttheater: 19.30 bis 22.45 Hhr, „Figaros Hochzeit". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Schabernack". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Jana". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 17 bis 18 Hhr, Ausstellung von Oel- gemälben, Aquarellen und Tempera.
Sladttheater Gießen.
Heute Abenb geht bie heitere Oper „Figaros Hochzeit" von W. A. Mozart in Szene. Die musikalische Leitung hat Paul Walter. Spielleitung: Der Intendant. Anfang 19.30 Hhr, Ende 22.45 Hhr. Mittwoch-Miete 7. Vorstellung.
Goethe-Bund und kaufmännischer Verein.
Am morgigen Donnerstagabend spricht Kapitänleutnant u. D. Freiherr von Buttlar-Brande n f e I s über „Vier Jahre im Zeppelin gegen den Feind. Meine 26 Angriffsfahrten im Weltkriege" mit Original-Lichtbildern. Der Vortrag bringt einen Bericht von dem heldenmütigen Kampf der deutschen Luftschiffe, von Wagemut, Entschlossenheit und Opferbereitschaft. (Siehe heutige Anzeige.)
Deutsche Arbeitsfront.
Fachgruppe Gaststätlengewerbe.
. Alle Arbeitskameraden und -Kameradinnen, die in der Alters- und Invalidenhilfe, ober in ber freiwilligen Sterbeunterstützung-Berlin (Nachfolge der Hnterstützungskassen Genfer Verband, Bund I. V. K. und Z. V.) noch Mitglied sind, können ab sofort ihre Beiträge zu diesen beiden Unter« stützungseinrichtungen auf der Dienststelle der DAF., Gießen, Schanzenstraße 18, 1. Stock, Zimmer 12, bei dem zuständigen Kreissachgruppenwal- ter für das Gaststättengewerbe Pg. Bittner an den Tagen:
Mittwoch- und Samstagvormittag in der Zeit von 8 bis 10 Hhr
entrichten. Auskünfte, Neuaufnahmen, Wiederaufleben alter Mitgliedschaften usw. werden ebenfalls bortfelbft geregelt.
, X Die deutsche Rrbeitefront S** N.S.-öememschaft „Kraft durch fteudc" v.'t/tSr. ' ’‘v . '1. -v Ü .
Arn Donnerstag, 5. November, 20 Hhr, findet in der Aula der Universität ein Lickstbildervortrag in Verbindung mit dem Goethebund von Kapitän- Leutnant a. D. Freiherr von Buttlar-Brande n f e I s statt über
„Vier Jahre im Zeppelin gegen den Fein d".
Eintrittskarten für DAF.-Mitglieder sind auf der Kreisdienststelle „Kraft durch Freude", Schanzenstraße 18, zum Preis von —.50 Mark erhältlich.
Von der Universität.
Von der Pressestelle der Universität Gießen wirb uns mitgeteilt:
Der Dozent an ber Universität Königsberg Lic. Vogelsang ist beauftragt worben, ben Lehrstuhl für Kirchengeschichte an ber Universität Gießen vertretungsweise zu übernehmen.
Dr. phil. habil. Oskar Wagner ist beauftragt worben, vom Wintersemester 1936/37 ab an ber Veterinärmebizinischen Fakultät ber Universität Gießen das Lehrgebiet „Parasiten als Krankheitserreger" und „Pelztierkrankheiten" in Vorlesungen und Hebungen zu vertreten.
Die Mietpreisfestsehung bei Neuvermietungen.
Im „Gießener Anzeiger" Nr. 233 vom 5. Oktober veröffentlichten wir eine Briefkasten-Auskunft, die sich mit ber Frage ber Mietpreisfestsetzung bei Neuoermietungen beschäftigte. In biefer Sache wurden aus unserem Leserkreise neue Gesichtspunkte geltend gemacht, bie uns Veranlassung gaben, die Angelegenheit unserem juristischen Mitarbeiter erneut zur Prüfung vvrzulegen. Daraufhin erhielten wir nachfolgende Aufklärung:
Bei Erörterung der Frage, ob eine Erhöhung der Miete zulässig ist, muß davon ausgegangen werden, daß ein grundsätzliches Verbot jeglicher Mietsteigerung nicht besteht. Eine wesentliche Beschränkung in der Preisbildung für Mieträume ergibt sich jedoch aus dem Reichsmietengesetz. Hiernach kann sowohl der Mieter als auch der Vermieter jederzeit von dem anderen Vertragsteile verlangen, daß von dem ersten Termin ab, für den
Gedenkfeier derRSDAp.ain s. November
Die Gedenkfeier findet um 20.30 Uhr in der Volkshalle statt. Alle Volksgenossen der Stadt Gießen werden hiermit zu dieser Feierstunde eingeladen.
Alle Gliederungen und angeschlossenen Verbände der NSDAP. nehmen geschlossen teil. Die Führer der Gliederungen und angeschlossenen Verbände wollen jetzt schon alles Erforderliche veranlassen, damit ihre Formationen geschlossen zur Volkshalle marschieren. Ankunft spätestens 20.20 Uhr. Um 20.30 Uhr wird die Volkshalle während der Feier geschlossen.
Die Fahnen der Gießener Ortsgruppen, der SA., des NSKK.» der DAF., des NS StB. und der HZ. sind um 20.20 Uhr vor der Volkshalle angetreten.
Alle anderen Veranstaltungen fallen an diesem Abend aus.
Kreisleitung Wetterau der NSDAP.
Arn Sonntag, 8. November, 11.30 bis 12.30 Hhr findet im Stadtthectter Gießen eine Morgenfeier von Eberharb Wolfgang Möller
„Kantaten"
statt. Eintrittskarten zu 30 Pfennig sind auf ber Kreisbienftftelle „Kraft burch Freube", Schunzen- ftraße 18, erhältlich.
Wir fahren in die schönsten Winkerfporlgebiele!
Schlierfee — Fischbachau vom 25. Dezember 1936 bis 3. Januar 1937. Preis 38 Mark. Nirgenbs ist es um Weihnachten und Neujahr schöner, als in ben oberbayerischen Bergen. An- meldeschluß 10. Dezember.
Schwarzwalb — Kniebis vom 13. bis 17. Januar 1937. Preis 26,50 Mark. Mit modernen Omnibussen in den winterlichen Schwarzwald mit seinen schneebedeckten Tannen und seinem herrlichen Wintersportgelände. Anmeldeschluß 10. Januar 1937.
Röhn —Gersfeld vom 23. bis 30. Januar 1937. Preis 18,50 Mark. Für jeden Wintersportler und jeden Erholungssuchenden wird diese Fahrt ein unvergeßliches Erlebnis. Anmeldeschluß 15. Januar 1937.
Schwarzwald — Kniebis vom 30. Januar bis 5. Februar 1937. Preis 33,50 Mark. In ben schmucken und sauberen Pensionen auf bem Kniebis in herrlicher Winterlandschaft werden bie Ferientage zu einem Feiertag. Anmeldeschluß 27. Januar 1937.
Allgäu — Pfronten vom 13. bis 20. Februar 1937. Preis 30,50 Mark. Am Rande der Hochalpen liegt das durch die vielen „KdF.-Fahr- ten bekannte Pfronten mit seinem herrlichen Wintersportgelände. Anmeldeschluß 5. Februar 1937.
Schwarzwald — Kniebis vom 21. bis 28. Februar 1937. Preis 36,50 Mark. Wieder geht es über die Autobahn, durch stille Täler hinaus auf die Höhen des schneebedeckten Schwarzwaldes. An- meldeschluß 7. Februar 1937.
Reit im Winkel vom 27. Februar bis 9. März 1937. Preis 53 Mark. Unmittelbar an der Tiroler Grenze, ganz in Hochgebirge versteckt, liegt in schönster Winterlandschaft das schmucke Reit im Winkel. Anmeldeschluß: 20. Februar 1937.
die Kündigung zulässig sein würbe, bie gesetzliche Miete (= Friebensmiete 4- 12 v. H.) an bie Stelle des vereinbarten Mietzinses tritt. Eine weitere Einschränkung erfährt der oben aufgestellte Grundsatz durch die Bestimmung über Mietwucher. Danach wird derjenige, welcher für bie Heber» lassung von Räumen einen Mietzins fordert, beri unter Berücksichtigung ber gesamten Umstände als1 unangemessen anzusehen ist, mit Geldstrafe ober mit Gefängnis bestraft. Nachdem von maßgeblicher Seite des öfteren darauf hingewiesen worden ist, daß die Mieten unbedingt auf dem derzeitigen Stand gehalten und ungerechtfertigte Mietsteigerun- gen mit allen Mitteln unterbunden werden sollen, ist bei Prüfung der Frage, was als unangemessene Miete anzusehen ist, ein strenger Maßstab anzulegen. Praktisch führt das dahin, daß eine Steigerung der Miete nur in ganz besonderen Fällen statthaft ist. Das ändert jedoch nichts daran, daß ein allgemeines Verbot der Mietsteigerung nicht besteht. Der Herr Reichsarbeitsminister hat sich in einer Rede vom 25. September 1935 dahin geäußert, daß ungerechtfertigte Mietpreissteigerungen verhindert werden müssen, daß das aber nicht heißt, daß jede Mieterhöhung schematisch unterbunden werden soll.
Sitzung des provinzialausschuffes.
Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde ein Disziplinarverfahren gegen den bei ber Stabt Friedberg beschäftigten Adam Gondolf, geboren 18. Oktober 1881 in Friedberg, verhandelt. Gondolf wurde eines Dienstvergehens jür schuldig befunden und gemäß Artikel 17, Abs. II und III, und Artikel 24, Abs. II, des Gesetzes die Rechtsverhältnisse der Gemeindebeamten betreffend vom 22. März 1929 aus dem Dienst der Stadt Friedberg entlassen. Die Kosten des Verfahrens wurden Gondolf zur Last gefetzt.
Dem Kaufmann Hubert Timmer in Butzbach wurde auf feine Klage gegen den Bescheid des Kreisamts Friedberg vom 21. Juli 1936 die Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein im Hause Weiseler Straße 5 in Butzbach erteilt. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Kläger unter Zugrundelegung eines Streitwerts von 500 RM. zur Last.
äamerabfcfviffeabenb der Arbeilsgemeinfchafl Gießener Soldalenkameradschasten.
Man schreibt uns: Am Samstag hält Dr. Kraft im Cafe Leib in der Arbeitsgemeinschaft der Gießener Soldatenkameradschaften einen Lickstbildervortrag über die Eindrücke, die er auf einer Fahrt über bie Schlachtfelder Verduns und der Argonnen gewonnen hat. Der Vortragende, ber selbst zweimal in ber Hölle von Verdun gekämpft hat, verbindet alte Kriegserinnerungen und frische Erlebnisse zu einem Ganzen. Dabei werden auch die französische Landschaft, französische Wesensart und Willensrichtung, deutsches und französisches Soldatentum behandelt. Drei Musiker wirken am Kameradschaftsabend mit. Die Familien der alten Kameraden, die jungen Kameraden der Wehrmacht und andere Gäste sind herzlich eingeladen. Man beachte bie heutige Anzeige.
Die Eintopfgerichte für die Gaststätten am 8. November.
DNB. Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherberqungsgewerbe teilt seinen Mitgliedern mit, daß für ben zweiten Eintopfsonntag am 8. November folgende vier Eintopfgerichte für die Gaststätten vorgeschrieben sind:
1. Löffelerbsen mit Einlage.
2. Hammel- ober Rindfleisch mit Weiß- ober Wirsingkohl. .
3. Gemüsekost, vegetarisch ober mit Fleischemlage.
4. Fischeintopfgericht nach freier Wahl.
Die Festlegung biefer Eintopfgerichte gilt nur für Gaststätten. Den Hausfrauen bleibt bie Wahl ber Eintopfgerichte selbst überlassen.
Rhön — Gersfelb vom 3. bis 10. März 1937. Preis 18,50 Mark. Noch einmal geht es in die schneebedeckten Höhen der Röhn, und jeder Teilnehmer wird neue Kräfte für sein Tagewerk sammeln. Anmeldeschluß 25. Februar 1937.
Wendelsteingebiet vom 14. bis 22. März 1937. Preis 35 Mark. Mit der letzten Winterfahrt noch einmal in bie schneebedeckten Alpen, in bas deutsche Winterparadies. Anmeldeschluß 5. März 1937.
Die Preise bei diesen Fahrten verstehen sich einschließlich Fahrt und volle Verpflegung! Bei allen angesetzten Hrlaubsjahrten finden Skikurse und Wandertouren statt.
Eingehenden Aufschluß gibt das monatlich erscheinende Programmheft der NSG. „Kraft durch Freude", welches man auf ber Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstraße, zum Preise von 10 Pf. erhalten kann.
Die Ausstellung „Weltfeind Jlr. V im Gau Hessen-Nassau.
NSG. Der Antikomintern-Zug mit seiner Ausstellung „Welffeind Nr. 1, ber Bolschewismus", der überall auf seiner Fahrt durch die deutschen Gaue in den Ausstellungsstädten Zehntausende von Besuchern anzieht, wird am 10. November in Frankfurt a. M. eintreffen und vom 14. bis 19. November einschließlich auf dem Roßmarkt seine sehenswerte Ausstellung zeigen. In einer Zeit, wo Moskau bie bolschewistische Zersetzungsarbeit in ber ganzen Welt mit verdoppelter Energie betreibt, wird dieser Zug in unserer Gaubauptstadt im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stehen.
Winterschlußverkauf 1937.
Fwd. In einer im Reichs- und Preußischen Staatsanzeiger erscheinenden Anordnung gibt der Reichswirtschaftsminister die Waren bekannt, die in den am 25. Januar 1937 beginnenden Winterschlußverkäufen nicht zum Verkauf gestellt werben bürfen. Es handelt sich durchweg um Waren, bie Modeschwankungen so wenig unterworfen sind, baß ein Bedürfnis nach beschleunigter Lagerbereinigung nicht besteht.
** Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Landstraßenstrecke Gießen— Leihgestern wird ab 5. November aufgehoben.
** Marinebesuch in Gießen. Am morgigen Donnerstag erhält bie Marine-Kamerabschaft Gießen ben Besuch einer Wanberstreife bes Kreuzers „Leipzig", bestehenb aus einem Offizier (Kapitänleutnant Iäcke I), zwei Unteroffizieren unb elf Mann. Zu Ehren dieses Besuches veranstaltet bie Marinekameradschaft Gießen gemeinsam mit der Marine-SA. am Donnerstag im Bootshaus ber Marinekameradschaft einen Begrüßungs- unb Kamerad- schaftsabenb.
** Verkehrsunfall. Gestern wurde in die hiesige Klinik die Gattin eines Wetzlarer Industriellen eingeliefert, bie bei einem Verkehrsunfall Hautabschürfungen, sowie Prellungen erlitt. Auch ber Kraftwagenführer, ber Chauffeur bes Hauses, erlitt Prellungen unb Hautabschürfungen. Der Unfall kam, unweit von Marburg, dadurch zustande, baß bem Wetzlarer Auto ein Kraftfahrzeug auf ber linken Straßenseite entgegenkam, unb ein Zusammenstoß unvermeidlich wurde.
** D er Geflügelzuchtverein Gießen hielt seine fällige Monatsversammlung bei Mit» glieb Seniler ab. Es wurde über bie Erfahrungen ber Junggeflügelausstellung in Hannover durch ben Vereinsführer Fr. Bauer berichtet. Ferner würben bie Mitglieder mit ben Allgemeinen Aus- ftellungsbebingungen vertraut gemacht. Die bevorstehenden beiden Gau-Ausstellungen von Marburg und Frankfurt a. M. standen im Mittelpunkt der Beratungen. Im Anschluß an diese Monatsoer- sammlung ließen die Mitglieder des Vereins ihre Tiere durch den Preisrichter Kolter (Bad-Nauheim) begutachten. Zu ber Marburger Schau würben daraufhin zirka 50 Tiere angemelbet. Der Verein hofft mit ebenso viel Nummern auch in Frankfurt a. M. vertreten zu sein.
Der Rocker-prozeß abgeschlossen.
8 Jahre Zuchthaus.
LPD. Mainz, 3. Nov. Nachdem die Verhandlung im Rocker-Prozeß einige Tage ausgesetzt war, fand sie am Dienstag ihr Ende.
Vor der Zeugenvernehmung wandte sich ber Vvr- sitzenbe noch einmal an die Rocker mit ber Frage, ob sie heute bem Gericht etwas Neues mitzuteilen habe. Die Rocker ermiberte, sie wüßte nichts. Ihr sei lediglich eingefallen, daß sie doch einmal für eine Heiratsvermittlung 50 Mark Honorar bezogen habe. Sie leugnet nach wie vor, mit ber Vogler jemals über Verkalkungstabletten, bie bas Blut dick machen, gesprochen zu haben. Sie leugnet auch, daß sie die Vogler in bem Glauben gelassen habe, ihre Tabletten, bie sie für ihren Mann gegeben habe, seien giftig. Der Vorfitzenbe hält ihr ihr Eingeständnis beim Hntersuchungsrichter und in ber Hauptverhandlung vor. Die Rocker erklärt aber, sie könne sich an nichts mehr erinnern.
Als erster Zeuge wurde der 57jährige Iwanowski aus Wiesbaden vernommen. Er hat im Frühjahr 1932 ben Hoch kennen gelernt. Hoch erklärte Iwanowski, daß eine Gesellschaft zum Vertrieb pharmazeutischer Präparate gegründet werbe. In biesem Unternehmen, besten Grünber ber Chemiker Müller war, könne er eine Stellung als Provisionsreisender finden. Den Müller hält der
«-Musik* "Challier
,'X
Gegr 18 57-Gl 6SS6H • Neuenweg1(J
Zeuge, der, wie er selbst sagt, von chemischen unb pharmazeutischen Dingen keine Ahnung hat, auf bem Gebiet der Pharmakologie als außerordentlich beschlagen. Charakterlich war ihm ber Mann immer unklar geblieben, ba sich bei biesem Mann großer Egoismus mit Unfähigkeit in geschäftlichen Dingen oerbanb. Auf die Frage des Vorsitzenden, welche Präparate der Zeuge bei bem Müller kennen gelernt habe, gibt er an, daß er mit Tabletten, Pulver unb Salben für Keuchhusten bzw. Erkältungskrankheiten reifte. Müller habe aber auch davon gesprochen, daß er ein Heilmittel für Rheuma unb Gickst erfunden habe, bas in Pulver- und labtet- tenform in den Handel gebracht werden sollte. Heber bie Zusammensetzung dieses Präparates hat der Zeuge nichts erfahren. Müller hat ihm lediglich erklärt, daß man dieses Pulver auch für besam bere Zwecke, vor allem für Frauenkrankheiten, verwenden könne. Interessant ist auch die Aussage des Zeugen über bie Versuche, die Müller machte, um ein Heilmittel für Krebskrankheiten zu finden. Es handelt sich dabei um bie zwei konzentrierten säuregetränkten Tonkügelchen, von denen im Laufe des Verfahrens öfters bie Rebe war. Wie ihm Müller mitteilte, habe er biefe Versuche eingestellt, ba bie Aerzte Bebenken gegen dieses Mittel hatten.
Als nächste Zeugin würde eine Witwe Dienstbuch aus Wiesbaden vernommen. Heber ihre Bekanntschaft mit der Rocker gibt sie an, baß sie sie 1932 burch ihre Schwägerin kennengelernt habe. Beide Frauen ließen sich dort bie Karten schlagen. Die Zeugin Dienstbuch! wollte wissen, ob sie Aussicht für eine Wiederverheiratung Hube. Die Rocker Hube ihr den „China-Feldwebel" empfohlen; sie Hube den Munn über nicht zu sehen bekommen unb später erfuhren, büß er malariakrank sei. Die Rocker Hut ihr für ihre Vermittlungsgebühren eine Rechnung von 50 Murk gesund!. Wegen dieser Rechnung betumen die beiden Frauen Streit. Die Zeugin fugte weiter aus, daß sie von der Tochter der Frau Rocker bei irgendeiner Gelegenheit eine Schnupfensalbe bekommen Hube. Die Tochter Hube dabei gefügt: „Dus bekommen wir von unferm Onkel (der Nume ist der Zeugin entfullen). Er fängt erst un und macht mit diesem Zeug Reklume."
Als weitere Zeugin wurde bie 26jährige Fruu Leidenbuch uus Wiesbuden gehört. Sie ist eine Schulfreundin der Tochter von Fruu Rocker. Anläßlich des Prozesses Vogler Hube sie sich einmal mit ber Zeugin Dienstbuch über bie dunkle Persönlichkeit des „Onkel Ehrhurd" unterhulten. Sie Hube zuerst ungenommen, duß Herr Müller der Onkel Ehrhurdt sein könne. Die Mutmußungen hätte sie aber verworfen.
Darauf trat dieTochterder Angeklagten Rocker als Zeugin auf. Der Vorsitzende machte sie ausdrücklich darauf aufmerksam, daß sie von ihrem Recht oer Aussageverweigerung Gebrauch machen könne. Die Zeugin erklärte aber, aussagen zu wollen. Ihre Angaben sind recht unklar und undurchsichtig. Besonders was das Verhältnis ihrer Mutter zu Müller angeht, will sie die Suche so hinstellen, uls wäre ihre Mutter mit Herrn und Fruu Müller nur wenig begannt gewesen. Sie gibt an, daß im Hause ihrer Eltern niemals von irgend jemand als „Onkel" gesprochen worden war, sie hätten lediglich einen alten Untermieter so bezeichnet.
Mit der Vernehmung der Tochter der Angeklagten Rocker war die Beweisaufnahme abgeschlossen. In der Nachmittugssitzung plädierte der Stuats- anroult, der eine Zucksthuusstrufe wegen Beihilfe zum Mord beuntrugte. Noch 2'/.'stündiger Beratung fällte das Gericht folgendes Urteil:
Die Angeklagte Rocker aus Wiesbaden wird wegen Beihilfe zum Word zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt.
In feiner Urteilsbegründung stellte ber Vorsitzende fest, duß es uuf Grund der Verhundlung unbedingt notwendig sei, den Verkehr mit T ul- l i u m erneut zu überprüfen und zu verschärfen, und duß weiter dus Wuhrsugen mit Hilfe von Kurtenlegen uus kriminulpolitischen Erwägungen mit ullen Mitteln schärfstens unterdrückt rperoe. Mit Rücksicht uuf die bisherige Unbeftruftheit Der Angeklugten sei dus Gericht unter dus beuntrugte Strufmuß gegungen, jedoch Hube es duvon abgesehen, die gesetzliche Mindeftstrufe von drei Jayren Zuchthaus zu verhängen.


