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Rr. 259 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, ^.November 1956
Hubertustag — Hubertusjagd.
Die Reiter unserer Garnison und die Angehörigen des Reit- und Fahroereins Gießen hatten gestern einen großen Tag. Der Dienstag, der Hubertustag, brachte den Reitern die Hubertusjagd: die für unsere Stadt Tradition ist und außerdem an Bedeutung gewonnen hat, seitdem eine reitende Truppe hier ihren Einzug gehalten hat. Die glanzvolle Veranstaltung der vorjährigen Hubertusjagd ist noch in guter Erinnerung, die diesjährige Jagd verlief in gleich großartiger Form.
Die Hubertusjagd nahm wieder von der Artilleriekaserne ihren Ausgang. Die hiesige Abteilung des Artillerie-Regiments richtete sie unter Leitung des Abteilungskommandeurs, Oberstleutnant Dör'ing, aus und sicherte der Jagd den eindrucksvollen und reibungslosen Verlauf. Für alles war auf das Beste gesorgt, allen stolzen und schönen Traditionen der Reiter wurde entsprochen.
Stunde im Stabsstall.
Zunächst trafen sich gestern um die Mittagsstunde alle teilnehmenden Damen und Herren, die Offiziere, Vertreter der SA., Mitglieder des Reit- und Fahrvereins Gießen am Stabftall, vor dem Iras Musikkorps der Abteilung konzertierte. In gemeinsamem Zuge betrat man dann den Stall, in 2>em alles auf das Schönste hergerichtet war. 'Prächtige Pferde, ausgezeichnet in Haltung und Pflege, füllten den Stall bis zur letzten Bor, und Die Augen der Reiterinnen und Reiter hingen bewundernd an den schönen Tieren. Die Wände waren mit frischem Tannengrün geschmückt; an der Stirnseite des Raumes prangte 'das schöne Symbol des Tages, der Kopf eines Hirsches, über dem ein magisch glänzendes, erleuchtetes Kreuz zu schweben schien. Im breiten Mittelgang des Stalles war eine lange, einfache Tafel hergerichtet, auf der ein kräftiges Eintopfgericht aufgetragen wurde. Die Reiter faßen dabei — ebenfalls einer Tradition entsprechend — auf Sätteln, die über kurze Holzböcke gestülpt waren. In angeregter Unterhaltung verging beim gemeinsamen Mittagessen die Stunde bis zum Aufbruch. Die Gäste besichtigten kurz die L-tälle und die vorbildlichen Reitbahnen.
„Frisch auf Kameraden..
Das Musikkorps war inzwischen aufgesessen. Hell klang das Signal „Frisch auf, Kameraden, □ufs Pferd, aufs Pferd". Reiterinnen und Reiter aßen auf und pünktlich zur vorgesehenen Zeit verließ die stattliche Kavalkade die Ärtilleriekaserne. Worauf ritten drei Rotröcke mit den Jagdhörnern, Das Musikkorps zu Pferd folgte, dann die große L-char der Reiter, an deren Spitze Generalleutnant O ß w a l d.
Der repräsentative Auszug der etwa 200 Berittenen erregte in den Straßen berechtigtes Aufsehen, bot sich den Augen der Einwohnerschaft doch nicht nur ein schönes Schauspiel, sondern gleichzeitig der Beweis der ausgezeichneten Verfassung unserer jungen Wehrmacht. Das leuchtende Rot der Jagdröcke belebte dabei das Bild ungemein.
Im weiten Feld.
Das Wetter war nicht zum Besten. Als die Reiter und viele Zuschauer im Heuchelheimer Feld anlangten, wurde ihnen erst so recht bewußt, wie herbstlich grau und trübe sich der Hubertustag darbot. Gleiberg und Vetzberg waren von der diesigen Luft schier verborgen und nur schemenhaft zu sehen. Die Bäume im weiten Flächenfeld reckten ihre Aeste nackt und kahl gegen den Himmel. Der Stoppelberg schloß im Westen die Szenerie für das schöne reiterliche Schauspiel. An vielen Stellen im weiten Feld südlich von Heuchelheim waren Hindernisse verschiedener Schwierigkeit aufgebaut worden, die von den Pferden mehr oder weniger willig genommen wurden.
Als sich das erste Feld, das Feld der Offiziere und Gäste, in Bewegung setzte, verfolgte jedermann den scharfen Ritt über die weite Fläche und über die Hindernisse mit großer Aufmerksamkeit. Viele hatten sich mit Feldstechern bewaffnet und konnten so die Reiter besonders weit beobachten.
Bald folgte das zweite Feld, das sich aus den Wachtmeistern, Unteroffizieren und Gefreiten der Artillerie-Abteilung zusammensetzte, die ebenfalls in stürmischem Galopp über das Feld jagten. Ihnen folgte in kurzem zeitlichen Abstand das dritte Feld, das die Infanterie stellte, die durch kaum weniger gute Reiter vertreten war.
Kaum waren die Infanteristen außer Sicht, als bereits in ziemlich geschloffener Kolonne das erste Feld im Blickfeld auftauchte und im gestreckten Galopp ankam. Schweißbedeckt waren die Pferde — auch den Reitern war warm geworden von dem scharfen Ritt
Aber noch wurde nicht abgesessen! Jetzt erst und nach einer Pause von nur wenigen Minuten folgte die Fuchsjagd, der kämpferische Höhepunkt des Tages.
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Hauptmann Dr. Brantz preschte als Fuchs, mit dem Fuchsschwanz an der linken Schulter, voraus, und kaum eine halbe Minute später setzte ihm das stattliche Feld nach, das in breiter Linie — wiederum ein eindrucksvoller und begeisternder Anblick — zur Verfolgung an der hochgespannten Leine angetreten war und auf das Kommando
„Jagd frei!" losbrach. Der Fuchs war bald von seinen vielen Verfolgern gestellt; sie hatten ihm den Weg abgeschnitten und ihn umzingelt. Richt lange blieb dem „Fuchs" die Trophäe, Oberleutnant Rolle gelang es nach kurzem Kampf, dem „Fuchs" sein Kennzeichen von der Schulter zu reißen und sich selbst anzuheften.
Während das Feld zum Sattelplatz zurückritt, klang das „Halali" der Jagdhörner über das weite Feld und schließlich beendete Generalleutnant O ß w a l d mit dem „Halali"-Ruf die Jagd für das erste Feld.
Während die Pferde des Offizierskorps rasch versorgt und mit warmen Decken versehen wurden, stand schon das zweite Feld zum Start zur Jagd bereit. Hier ritt Unteroffizier G ö t t n e r von der 7. Batterie als „Fuchs" voraus, und dem Wachtmeister Pallowitz gelang es, sich die Trophäe zu sichern. Auch hier gab es einen scharfen Wettbewerb, der sich in gleicher Form auch im dritten Feld wiederholte. Im dritten Feld ritt Unterfeld
webel Alteholz als Fuchs, und Feldwebel W o i t f ch e w s k y war es, der ihm das Jagd» zeichen entriß.
GeneralieutriantOtzwald verteilt dieBriiche.
Den schönen Abschluß der Hubertusjagd bildete die Verteilung der Brüche, die Generalleutnant O ß w a l d vornahm. Kleine Tannenzweige mit grünen Schleifen geschmückt, bildeten für jeden der Jagdteilnehmer das Erinnerungszeichen. Zuerst wurden die Damen damit bedacht, schließlich die zahlreichen Offiziere, Feldwebel, Unteroffiziere und Gefreiten — allen überreichte der General den Tannenzweig und manchem der Reiter leuchteten die Augen, als er die Auszeichnung in Empfang nehmen durfte.
Rach einer kurzen Ruhepause, die durch Musik des Musikorps der Artillerie-Abteilung verschönt wurde, brach man zur Rückkehr in die Stadt auf, angeregt und belebt von der forschen Jagd alle aktiven Teilnehmer — befriedigt von dem gebotenen Schauspiel die vielen Zuschauer. N.
Aus her provinzialhauptstaht.
Verdunkelung.
Zwei Verdunkelungsübungen haben wir in Gießen bereits erlebt. Bei der ersten, die den südöstlichen Stadtteil und eine Reihe von Straßen um die Ludwigstraße herum umfaßte, war schon viel Verständnis für die Aufgaben der Verdunkelungsübungen zu bemerken, immerhin mußte auf der Kontrollfahrt der maßgebenden Männer der Polizeidirektion und ihrer sachkundigen Mitarbeiter die Wahrnehmung gemacht werden, daß noch mancherlei Mängel bestanden, die an sich nicht hätten zu sein brauchen. Die Besprechung dieses Uebungsver- laufes in der Presse auf Grund der Erfahrungen und Beobachtungen bei der Kontrollfahrt gaben der Bevölkerung in den übrigen Stadtteilen Hinweise darauf, wie es bei der Verdunkelung richtig gemacht werden muß, und was man dabei nicht tun darf. Der Erfolg dieser Aufklärung zeigte sich bei der zweiten Verdunkelungsübung im östlichen und nordöstlichen Stadtteil, wo die Kontrollorgane auf ihrer Fahrt nur noch wenige Anstände zu erheben hatten, die Hebung als ganzes vielmehr als ausgezeichnet verlaufen bewerten konnten. Man kann also wohl sagen, daß der Luftschutzgedanke und die in ihm enthaltenen Verpflichtungen bei unseren Volksgenossen in Gießen bereits stark verwurzelt sind.
Nunmehr wird am morgigen Donnerstagabend die dritte Verdunkelungsübung stattfinden. Sie wird diesmal den südlichen und den südwestlichen Teil der Stadt, sowie die Straßen jenseits der Lahn in
„Sachsenhausen" umfassen. Die Hebung wird von 20 bis 21 Hhr dauern. Um ein durchaus vollwertiges Ergebnis der Hebung zu ermöglichen, seien hier noch einmal die wichtigsten Erfordernisse und zweckdienlichen Maßnahmen für die Verdunkelung verzeichnet, damit alle Volksgenossen sich rechtzeitig vor der Hebung auf eine gänzlich einwandfreie Herrichtung ihrer Wohnungen vorbereiten können.
Zunächst ist es geboten, daß der Luftschutzhauswart sich nicht erst am morgigen Donnerstag, etwa einige Stunden vor dem Hebungsbeginn, mit seinen Hausgenossen über die erforderlichen Maßnahmen bespricht, sondern daß er schon im Laufe des heutigen Tages alle Maßnahmen in die Wege leitet, die der Aufklärung der Hausbewohner und der praktischen Handhabung der Verdunkelungsmaterialien dienen. Dazu gehört insbesondere die Anwendung von schwarzem Verdunkelungsstoff, da sich der bisher benutzte blaue nicht als zweckmäßig erwiesen hat. Sowohl in den Wohnräumen, wie auch in den Treppenhäusern, den Hauseingängen usw. müssen die Glühbirnen der Beleuchtung sorgfältig mit schwarzem Stoff umgeben werden, damit kein Lichtstrahl nach außen bringen kann, im Hause selbst aber das Leben seinen gewohnten Fortgang erfährt. Wer an den Fenstern seiner Wohnung absolut dicht schließende Rolläden hat, braucht diese Verdunkelungsoorrichtung nicht anzuwenden, nur muß unter allen Hmständen die Gewißheit bestehen, daß nach außen hin nicht der geringste Lichtstrahl sichtbar ist. Insbesondere ist auch darauf zu achten, daß die Fenster in den hochgelegenen Räumen, die in be»
Links : Nach scharfem Ritt zurück zum Sattelplatz. — Rechts: Generalleutnant O ß w a l d verteilt die Brüche. (Aufnahmen [2]: Pfaff, Gießen.)
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leuchtetem Zustand einen weithin sichtbaren Richtpunkt für feindliche Flieger darstellen würden, absolut lichtundurchlässig verdunkelt sind. Die Fenster wird man am besten ebenfalls mit schwarzem Stofs ober mit schwarzem Verbunkelungspayier verbecken, eine Maßnahme, bie nur geringen Arbeitsaufwand erforbert unb auch bie Gelbausgaben in bescheidenen Grenzen hält. Wichtig ist ferner, baß man nicht nur Schnellkurbei GrMung, Grippe!
Man rühre je einen Eßlöffel Klosterfrau-Melissengeist und Zucker in einer Tasse gut um, gieße kochendes Wasser hinzu und trinke möglichst heiß zwei Portionen dieses wohlschmeckenden Gesundheits-Grogs (Kinder die Hälfte) vor dem Schlafengehen. Darauf schläft man gut, wacht häufig wie neugeboren auf und freut sich: Erkältung und Grippe gehen rasch zurück.
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Worten und dem Schweigen beschlossen, und nur sie, die Frau, verstand es nicht, sie sand den Schlüssel nicht zu dem, was die Männer erst gar nicht auszuschließen brauchten? Vielleicht waren Männergespräche nichts Besonderes, vielleicht gerade etwas sehr Besonderes? War des Geheimnisvollen nicht noch mehr, statt weniger geworden?
Später, als sie das Licht ausgeknipst hatte, lag die junge Frau noch lange mit offenen Augen wach. Gestand sie sich ein, daß sie sich auf einmal sehr, sehr schämte, schämte nicht vor sich selbst, sondern vor einem Ferneren, das da einst gelautet hatte in der Antwort ihres Mannes: „Männergespräche — das kann man nicht erzählen; das ist eben da ober nicht ba, unb hinterher gibts baran nichts hinzuzufügen ober wegzunehmen, noch viel weniger etwas davon auszusagen"... Unb erst als sie ihren Mann spät in ber Nacht behutsam unb leise kommen hörte, schloß sie bie Augen unb tat so, als schliefe sie schon lange.
"Zeitschriften.
—Mit bem Oktober-November-Hest ber „Deutschen Zeitschrift" (Verlag Georg D. W. Callwey, München) beginnt ber von Ferdinand 21 Dena r i u s begrünbete „Kunstwort" seinen 50. Jahrgang. Ein Rückblick bes Herausgebers Hermann Rinn roürbigt bie Bebeutung biefer Tatsache; ber alte „Kunstwort" war, was'vielen Heutigen nicht mehr ober überhaupt nicht bekannt ist, eine Zeitschrift, wie sie Deutschland kaum je besessen hat: ihr Einfluß war, mindestens vor dem Kriege, ganz außerordentlich; er ging zugleich in die Breite und in die Tiefe. Der „Kunstwort" und die anderen Veröffentlichungen des gleichen Kreises haben ganze Generationen unseres Volkes gebildet unb kulturell erzogen. Viele unter ben heute 40 unb 50jährigen verbanken bem „Kunstwort" (samt ben Meister- bilbern, ben Notenbeilagen, ben Mappenwerken unb Anthologien) entscheibenbe unb unoerlieroare Einbrücke unb Erlebnisse, innere Bereicherung und Festigung ihres Wesens. Wir wüßten unter ben heutigen Zeitschriften keine zu nennen, bie mit annähernd bem gleichen Anspruch auftreten könnte. — Das Jubiläumsheft, reichhaltig unb würbig ausgestattet, enthält neben bem Einleitunqsoufsatz bes Herausgebers eine Reihe wertvoller Beiträge, von denen wir die über ben späten Hölberlin von Winkler, über Grabbe von Petzet unb ben erschüttern- ben Tatsachenbericht „Der Hntergang" von Kalten- boeck, ber über ben Zusammenbruch ber alten öfter- reichischen Armee berichtet, heroorheben wollen. Im Bilberteil findet man Reprobuktionen nach Greco unb Goya unb aus bem Clouet-Kreise; bazu Holzschnitte von H. O. Schoenleber im Text.
Männergespräche.
(Sine Geschichte von Eberhard Meckel.
Die junge Frau hätte gar zu gern einmal er- ; sichren, wie es sich eigentlich mit ben sogenannten Männergesprächen" verhielte, von benen ne wußte, d aß ihr Mann beren mit Vorliebe pflog, wenn er I mit einem Freunb ober guten Bekannten zusarnrnen- oß, ja, baß er ihr nachher einen Abend besonders । lobte, wenn solche Gespr.ciche umgegangen waren. Wie beschaffen aber diese waren, davon sagte er •nie etwas. „Das kann man nicht erzählen", gab I r zur Antwort, als sie sich einmal danach er- : unbigte, und schnitt damit alle weiteren Fragen ; liurzerhand ab, „das ist eben da oder nicht da, und I interner gibts daran nichts hinzuzufügen ober weg- jiunehmen, noch viel weniger etwas bavon auszu- >ogen."
Seither umgab biefe Männergespräche ein Geheimnis; nicht baß bie Frau davon gestört wurde i über auf den Gedanken kam, es ginge ihr, ihrer Lhs oder dem Zusammensein mit Dem Mann dadurch etwas ab, nein, sie war erfahren genug, dem Mann solche Abende und Gespräche zuzugestehen, iie er brauchte, wie sie, die Frau, schließlich ihre Freundinnen und ihre Frouengesprache brauchte. sT'och Frauengespräche — man durfte sie nicht als (Gegenstücke zu den Männergesprächen betrachten; im diese schwebte noch etwas anderes, em Unbe- jimmhares, das mit der Sache der Männer über- loupt zusammenhing, das merkwürdige Fluidum stdwedes Männlichen mitbildete und von dem die i rau ja doch sich irgendwie ausgeschlossen fühlte. I m so lieber natürlich hätte sie es einmal naher c-grünbet... ... m
Eines Abenbs bot sich nun eine befonbere Ge- Itgenijeit bazu. Ein Freund ihres Mannes, em Änggeselle, ben er lange nicht gesehen hatte, war zu Besuch gekommen, man aß erst zu brüt Abenb- trot, saß bann noch, bis es zehn Hhr schlug, ploubemb unb sich mit bem unb jenem angeregt inb unverbinblich unterhaltenb, zusammen, bann ; q sich bie Frau, bie wußte, baß es nun bazu Zeit war, zurück, unb bie beiden Manner gingen ins andere Zimmer hinüber. 2Inftatt jedoch sich icidafen zu legen, wie sie es eigentlich vorhatte unb triie sie es auch sonst an ähnlichen Abenben immer Ritan, kam es plötzlich über bie Frau, für heu^ einmal bie Rolle einer Lauscherin zu spielen. Sich diswegen selbst fremd, im Grunbe verwirrt bar- A er, ihre ihr sonst selbstoerstanbliche Großzügigkeit jr-b Heberlegenheit vor sich selbst aus einmal bahin- idiroinben zu sehen, stand sie bald reglos unb mit hichciltenem Atem, aber herzklopfenb in einer klei- W dunklen Kammer, die als Abstellraum diente
und sich neben dem Zimmer befand, wo die Männer nun waren. Da die beiden Räume eine Art Tapetentür auch verband, konnte die Frau jedes Wort verstehen, das drüben gewechselt wurde, und jedes Geräusch, das zum Beispiel durch ein Räkeln auf bem Stuhl ober Sessel entstaub, vernehmen.
Eine ganze Weile hörte bie Lauscherin nichts. Ihr Mann unb sein Freunb saßen sich anscheinenb zunächst wortlos gegenüber, unb nur ein feines, beinahe unmerkliches Klirren von Gläsern verriet gelegentlich, baß ba irgenb etwas getrunken, auch roieber eingeschenkt würbe. Das Geräusch bes Einfüllens, kemlerhaft auf ber Zunge prüfenben Einschlürfens, enblich ein mehrmaliges Ratschen zum Streichholzonzünben, kurzes unb heftiges Saugen (nun würben die kurzen Pfeifen in Brand gefetzt) unterbrachen die Stille. Schließlich sagte eine Stimme — es war bie bes Freunbes: „Der Wein ist gut". Nach einer längeren Zeit kam als Bestätigung: „Hm, man kann ihn trinken".
Abermals vergingen danach einige Minuten, ohne baß ein Wort gewechselt würbe, bis bie Frage bes anbern erklang: „Was macht bein kleiner Sohn?" Es erfolgte jeboch keine Antwort, statt besten brang es wie Papiergeknister zu ber Frau an ber Tapetentür herüber; unb biefe wußte nun sogleich: Jetzt halte ihr Mann bie Photographien bes Kinbes aus dem kleinen Album, bas er immer bei sich trug, unb zeigte sie scheinbar gleichgültig, aber boch von innerem Stolz bis zum Raub gefüllt, vor... Dann ließ sich erneut bie Stimme bes Freunbes, unb Zwar mit unverkennbar berounbernbem Ton, vernehmen: „Er sieht bir sehr ähnlich". Darauf nach einer Pause beutlich ber Mann: „Aber bas Beste hat er boch von meiner Frau". Unb roieber ber Freund, diesmal mit einem Unterton gemischt aus Einsamkeit, Enttäuschung und Verzicht: „Du kannst überhaupt zufrieden fein". Und noch einmal der Mann: „Ja, sie ist die beste Frau". Leises Gläser- klingen. Die beiden Männer tranken sich roohl zu. Stille.
Die Zuhörerin im dunklen Abstellraum fühlte sich über und über rot werden, als sie das über sich selbst hörte. Nicht, daß sie ein solches Lob noch nie aus dem Munde ihres Mannes vernommen hätte, aber eben schwang noch etwas anderes darin mit, das sich in einer Tonart ausdrückte, die sie noch nicht kannte, eine besondere Wärme, Sicherheit und Gelöstheit, aber doch im Grunde wieder verhalten — und sie ahnte, daß es etwas völlig Verschiedenes sei, wenn ein Mann zum Mann von seinem Glück und seiner Liebe spricht...
Doch bie Frau hatte nicht lange Zeit, über biefe neue Erkenntnis nachzudenken, denn ihre Aufmerksamkeit wurde von Schritten nebenan roieber gefangen. Es schien aber nicht einer zu fein, ber ba I
nun plötzlich ging, sondern beide mochten wohl aufgestanden sein und wanderten ein wenig im Zimmer hin und her. Von den Gesprächen, welche in der Folge fast stoßweise zwischen den Männern liefen, konnte die Frau ohne genaue Unterscheidung der Stimmen nicht immer alles, sondern meist nur ein paar Sätze verstehen: es war, als gelte das, was der eine jeweils fragte und antwortete, auch ebenso für den andern. „Und was machst du sonst?" — „Man schlägt sich so durch." — „Es ist nicht leicht." — „Merkwürdig, wie das Leben verschlungen läuft." — „Je älter man wird, um so mehr muß man allein mit allem fertig werden." — „Aber es gibt doch eine ganze Menge Schönes, um das es sich lohnt." — „Weißt du es noch, wie es damals war?" — „Wenn der Umschwung nicht gekommen wäre..." — „Da hast du ja das Buch auch stehen." „Ja, ich lese und liebe es immer wieder von Neuem." — „Unser früherer Klassenkamerad, den wir immer Pepi nannten, ist gestorben." — „So holt es einen nach dem andern." — „Wir werden für feine Kinder etwas tun" ...
So wechselten, immer wieder von längeren Pausen unterbrochen, manchmal von zustimmendem Gebrumm, Gläserklirren, kurzem Auflachen, hastigem ober ruhigem Ziehen an ber Pfeife ober wohligem Ausatmen bes Rauches begleitet, wie es gerabe paßte, bie Reben unb Worte, eine ganze Zeit hinüber und herüber, bis sie schließlich ziemlich unvermutet abbrachen. Es hatte ben Anscheiy, als mußte nun roohl alles gesagt sein, roas unter Männern Sagensroertes für biefen Abenb war, benn es folgte brühen im Zimmer, nachbem auch bie Schritte sich gelegt hatten, fast eine Totenstille. Nur baran, baß ab unb zu ein Stuhlknacken ober Zurechtrücken vernehmbar war, ließ es sich ahnen, baß ba sich etwas Lebendes befand. „Nun schweigen sie, trinken und rauchen nur noch", buchte bie Frau unb wußte plötzlich, baß bies sehr wesentlich zu ben Männergesprächen gehörte, ja baß Männergespräche im Grunbe erst begannen, wenn nichts gesprochen wurde. Aber brachte sie dieses Wissen der Enthüllung des Geheimnisses näher?
Unb bei ber nächsten sich bietenben Gelegenheit, als es brühen beim Entkorken einer neuen Flasche roieber etwas mehr Geräusch gab (boch bas war erst nach breiviertel Stunben, während deren sie sich nicht rühren durfte), machte sich die junge Frau leise aus der Kammer und ging ins Schlafzimmer. Sie fühlte sich ein wenig enttäuscht und doch wieder befriedigt von dem, dessen ungebetene Zeugin sie eben gewesen. Trotzdem, sie hatte unter Männer- gesprächen etwas anderes erwartet. Vielleicht Allgemeineres, mehr ihr Geläufiges oder vielleicht auch Tieferes, Gültigeres, Schöneres, Edleres, Ungewöhnliches? Oder lag dies vielleicht alles hinter den


