Ausgabe 
4.9.1936
 
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Nr. 20? Erstes Blatt

Aettag, 4. September 1936

groniturtam niainnGss^Pruajiit^Derlag: Srvhl'sche Univerfitätz-Vuch- und Steindruckerei R.Lange in Gießen.Schriftieitung und Geschäftsstelle: Schuistrahe 7

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Die Schlacht um Jrun. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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kurzem Infanterie- und Maschinengewehrfeuer waren die roten Verteidiger zurückge­worfen, die in wilder Flucht sich über die inter­nationale Brücke bei hendaye auf französi­sches Gebiet zu retten suchten.

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Die Streitkräfte General Molas standen kurz nach 8 Uhr vormittag unmittelbar vor der inter­nationalen Brücke bei Hendaye. Einige Rote ver­suchen dort noch einen letzten verzweifelten Wider st and zu leisten. Die Brücke liegt im M a - schinengewehrfeuer der Nationalisten, so daß der Zustrom der Flüchtlinge, die in den Morgenstungen des Freitag noch zu vielen Hunder­ten eintrafen, plötzlich a b q e st 0 p p t ist. Aber nicht nur Frauen, Kinder und Kampfunfähige haben heute morgen das sichere französische Gebiet auf­gesucht. Auch Hunderte von Angehöri­gen der roten Miliz haben sich in wilder Flucht über den Grenzfluß in Sicherheit gebracht, wobei sie zum Teil Lastkraftwagen und Raupen­schlepper, die noch die roten Fahnen tragen, be­nutzen.

Die roten Flüchtlinge werden auf der französi­schen Seite der Brücke von Gendarmerie sorgfältig aufMunition und Waffen untersucht, und dann in Kolonnen zum Abtransport bereit­gestellt. Auf den Gesichtern der Roten malt sich Panikund Schrecken. Bon den stolzen Kämp­fern Moskaus, dielieber sterben wollten, als die unbesiegte Stadt Jrun in die Hände der Weißen fallen zu lassen", ist nicht mehr viel übrig geblie­ben, als ein trauriger Haufen veräng­stigter Menschen. An der Brücke und vor dem Bahnhof in Hendaye herrscht eine unbeschreib­liche Aufregung. Ein starker Regen macht das ganze Bild noch trostloser. Die Flüchtlinge sitzen auf ihren Decken und Kleiderballen im Freien, da in der Gegend am Bahnhof für sie nicht Obdach genug vorhanden ist.

Anarchie in Madrid.

Die rpte Tscheka an der Arbeit.

London, 4. Sept. (DNB. Funkspruch.) Eine hochgestellte spanische Persönlichkeit, die vor wem- gen Tagen aus Madrid e n t k o m m e n is, -

richtete derDaily Mail", die Kommunisten und Anarchisten hätten jetzt eine derartige Macht IN den Händen, daß die Exterritorialität der aus- ländischen Botschaften n i ch t m e h r re sp e ktIert werde. V°- wenigen Tagen fei der r°t° Mob ,n die venezolanische Gesandtfchaf /ingebrochen und habe vier Flüchtlinge mit Sem '

führt. Rote Tribunale, die sich nach so »I :uffi- \&em Vorbild Tschekas" nennen und 6ie in L wlnigen noch nicht durch Feuer zechor en / ; r ch e n ihre Sitzungen abhielten, hatten eine eu? Panik unter der Bevölkerung hervorge­rufen. Die Männer und Frauen wurden rn der Nacht aus ihren chdufern ge -hleppt und nach einem Scheinverfahren s o ^^^ung ö; ft«. S» * i ««7, h richtet worden, weil er eine Korn Navoleon roten Armee mit b(m Mortem könnte einen solchen Krieg nicht gewinnen avg

»"Berichterstatter der »Time^meldet,^d°^die anarchistischen Verbände in ad

suchungen Geld und Schm" Ahmten", um lebe Quittungb e f dj 1 rfShunasaftionSo­fie dar kommunistischen Unterstützung coro Rojo" zuzuleiten. In oer

Jrun in den Händen der Rationalisten.

Oie roten Verteidiger suchen sich in wilder Flucht auf französisches Gebiet zu retten.

welchem Maße Krauß sich nicht nur sein künst­lerisches Programm und sein Ensemble zu bilden, sondern auch ein Publikum sich zu schaffen versteht, das mit Begeisterung und persönlicher Zuneigung seinen Intentionen^ folgt.

Jronf vor 3run,4. Sept (DRV. Funkfpruch Dom Sonderberichterstatter des DRV.) Am Freitag früh um 7 Uhr ist es den Truppen General Motas gelungen, die heiß umkämpfle Stadt Irun zu erobern. Unter Ausnutzung des un­sichtigen Wetters konnten die nationalistischen Streit­kräfte überraschend aus den etwa 800 Meter vor der Stadt gelegenen Stellungen vorbrechen. Rach

Zweigniederlassung der französi­schen BankC r e d i t Lyonnais" hätten sie Juwelen, Goldbarren, Goldmünzen, Bons und Banknoten im Werte von 300 Millionen Peseten gestohlen. Einem Juwelier seien 100 000 Pe- ten an Geld, Juwelen und wertvolle Uhren abge­nommen worden.

Italienischer Arbeiter in Barcelona ermordet.

Ro m, 3. Sept. (DNB.)Giornale d'Jtalia" mel­det, daß in Barcelona ein italienischer Arbeiter, Vater von sieben Kindern, e r m 0 r - d e t wurde. Er ist der s e ch st e Italiener, der als Opfer der spanischen Marxisten fällt. Weil er in

seiner Wohnung religiöse Bilder hatte. Der italienische Generalkonsul in Barcelona hat energisch Verwahrung eingelegt. Der 10 000-Tonnen-Kreuzer P 0 l a" ist von Gaeta nach Barcelona zur Ver­stärkung der in den dortigen Gewässern stehenden italienischen Kriegsschiffe in See gegangen. Die italienische Botschaft in Madrid, ist nach Alicante verlegt worden. Begründet wird diese Maßnahme mit dem mangelhaften Schutz durch eine Regierung, die keine Autorität mehr besitzt. Weiter wird erklärt, daß die italienische Regierung trotz des neuengrausamen Mordes" vörerst keinen Antrag auf Sühnegeld stellen werde, da mit deraktionsunfähigen" Madrider Regierung Verhandlungen darüber nutz- l 0 s wären.

Die MWen bereiten die Räumung Malagas vor

Kommunistische Führer suchen sich in Gibraltar in Sicherheit zu bringen.

London, 4. Sept. (DNB. Funkspruch.) Wie Reuter aus Gibraltar meldet, stehen die Flug­platzanlagen in Malaga immer noch in Flammen. Kriegsschiffe der marxistischen Regierung sind durch die schweren Bombenangriffe gezwungen worden, den Hafen von Malaga zu verlassen. Zum ersten Male seit Beginn des Bürgerkrieges war kein marxistisches Kriegsschiff in der Meerenge von Gibraltar zu sehen.Daily Telegraph" meldet, die anhaltenden Bombenangriffe der Nationalisten hätten eine derartige Panik hervorgerufen, daß die freiwilligen Regierungsstreitkräfte den einzigen Wunsch hätten, sich sobald wie möglich aus dem Staube zu machen.

Die roten Behörden von Malaga hätten in Gi­braltar angefragt, ob die britischen Behörden eine Anzahl Flüchtlinge aufnehmen können, falls

die Stadt geräumt werde. Es bestehe jedoch nicht die gering ft e Aussicht, daß man in Gibral­tar auf diesen Vorschlag eingehen werde, da es b e- reite von Flüchtlingen überfüllt fei. Es handele sich bei der Anfrage im übrigen we­niger um den Wunsch, die Bevölkerung Malagas in Sicherheit zu bringen, als um die Absicht der kommunistischen Regierung in Malaga, sich noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Wahrscheinlich seien es Persönlichkeiten, die für die Massenhinrichtungen verantwort- l i ch seien und befürchten, von der Bevölkerung angezeigt zu werden, wenn die Nationalisten die Stadt eroberten. Auch die Ausschüsse auf den Re­gierungskriegsschiffen hätten den Wunsch, sich m Gibraltar in Sicherheit zu bringen.

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Eine seltene Aufnahme nationalistischer Stellungen an der G u a d a r r a m a - F r 0 n t in der Nähe von Madrid. (Associated-Preß.)

berliner Slaalsopemdirektor Siemens Krauß an die Bayerische Siaalsoper berufen.

München» 3. Sept (DRV.) Der Leiter der Obersten Theaterbehörde in Bayern gibt bekannt: Gauleiter Staatsminister Adolf Wagner hat im Einvernehmen mit Ministerpräsident Göring und Reichsminister Dr. Goebbels den Berliner Staatsoperndirektor Clemens Krauß als künst­lerischen Leiter der Bayerischen Staatsoper berufen.

Der Führer hat Clemens Krauß zum künf­tigen künstlerischen Leiter des neuen großen Opern­hauses in München, dessen Bau beschlossen ist, aus- ersehen. Er erhält den Sonderauftrag, bis zur Fertigstellung des Theaterbaues ein Opernenfemble zu schaffen, das in der Gestaltung der Aufführungen jenen Grad der Vollkommenheit erreichen soll, der der idealen Bestimmung des neuen Hauses gerecht zu werden vermag. Clemens Krauß tritt fein Amt als bayerischer Staatsopern- und General­musikdirektor am 1. Januar 1937 an.

Clemens Krauß wurde 1893 in Wien geboten. Er entstammt einer alten Wiener Familie. Seme Mutter war als dramatische Sängerin in Wien er­folgreich tätig. Krauß kam schon mit neun Jahren als Sängerknabe in die Hofburgkapelle, absowierte das Wiener Konservatorium und hatte als Neun­zehnjähriger seine erste Stellung am Brunner Stadttheater. Dann ging er als zweiter Kapell­meister an das Deutsche Theater nach Riga, war 1915/16 Kapellmeister am Nürnberger S adttheater und 1916/21 Opernchef in Stettin 1921/22 wirkte Krauß in Graz als Leiter der Sinfomekonzerte. 1922 wurde er Dirigent an der Wiener Staatsoper. 1924 folgte er einem Rufe nach Frankfurt am

Main, wo er durch vier Jahre Intendant des Opernhauses und Leiter der Museumskonzerte war. 1928 wurde er als Operndirektor an die Wiener Staatsoper berufen. 1930 wählten ihn die Wiener Philharmoniker auch zu ihrem ständigen Dirigenten, 1934 nahm Clemens Krauß den Ruf als Opern­direktor an die Berliner Staatsoper als Nachfolger Furtwänglers an, wo er bis jetzt wirkte.

Der hier in großen Zügen ausgezeichnete bis­herige Weg des Generalmusikdirektors Clemens Krauß ist ein Weg stetigen Erfolges und des Auf­stiegs zu den bedeutendsten Stellen gewesen, die das deutsche Musikwesen zu vergeben hat. Wenn Krauß jetzt vom Führer zum maßgebenden künst­lerischen Leiter der bayerischen Staatsoper in Mün­chen bestimmt worden ist, so wurde damit ein Mu­siker aus einen der verantwortungsvollsten, reprä­sentativsten und einflußreichsten Posten innerhalb des deutschen Musiklebens berufen, ein Mann, den vererbte Begabung und angeborenes Temperament zu einer ausgeprägten Musikerpersönlichkeit stem­peln. Seine Initiative und sein künstlerischer Im­puls haben bisher in Frankfurt, wie in feiner Heimatstadt Wien und zuletzt in Berlin den von ihm geleiteten Instituten ihr eigentümliches Gesicht gegeben: nicht allein durch seine persönliche künst­lerische Haltung als Opernchef und Orchesterleiter, sondern auch in der Auswahl und Zusammensetzung seines Ensembles. Clemens Krauß ist zweifelsohne der Mann, der solche Eigenschaften auch auf dem ihm soeben übertragenen neuen Posten eindrucks­voll bewähren wird. Wer sich seines Abschieds von Frankfurt im Jahre 1928 erinnert, weiß, in

Lloyd George.

Unter den zeitgenössischen Staatsmännern Eng­lands nimmt Lloyd George, der Feuerkopf von Carnarvon eine besondere Stellung ein. Er war der Staatsmann, der für England den großen Krieg gewonnen hat, denn ohne seine Findigkeit, ohne seine Tatkraft und ohne feine geistige und see­lische Energie wäre es für England schwer gewor-

Der ehemalige Minsterpräsident Lloyd George, der am Mittwoch seine Deutschlandreise in Beglei­tung seines Sohnes und seiner Tochter sowie meh­rerer Herren aus feiner Umgebung angetreten hat, traf, aus Rotterdam kommend, im Münchener Hauptbahnhof ein.

(Presfe-Bild-Zentrale-M.)

den, die politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Kräfte auf den Weg zu bringen, ohne deren rück­sichtslosen Einsatz kein Sieg möglich war. Dabei war Lloyd George niemals Gesinnungs- oder gar Par­teigenosse der Diehards gewesen, sondern hatte seine politische und parlamentarische Laufbahn in der Ge­folgschaft von Roseberry und Cambell-Bannermann begonnen, also jener Führer der Whigs, die nicht mehr unbedingt auf die alten Parteitafeln schworen.

Lloyd George hatte schon mit 21 Jahren den Be­ruf des Rechtsanwalts ergriffen, war mit 27 Jahren in Carnarvon zum Mitglied des Unterhauses ge­wählt worden. Wirtschaftliche und soziale Fragen waren es, die der junge Politiker bearbeitete, vor ollem in dem Sinne, daß er sich gründlich mit den soziologischen Zusammenhängen beschäftigte. Das Ergebnis dieser Untersuchungen hatte Lloyd George in Schriften niedergelegt, die zum Teil auch, wie Bessere Zeiten", ins Deutsche übersetzt worden sind. Gerade dieBesseren Zeiten" kennzeichnen den Menschen und den Politiker Lloyd George, der nicht nur im Unterbewußtsein ein Verständnis dafür hat, daß der soziale und wirtschaftliche Aufbau der Ge­sellschaft im Umbruch begriffen war. Lloyd George wurde 1905 Präsident des Handelsamtes, wenige Jahre später Finanzminister, der er auch noch war, als 1914 England in den Großen Krieghinein­schlidderte".

In diesem Großen Kriege war es wieder Lloyd George, der nacheinander schließlich auch gemein - fam die für jede Kriegführung wichtigsten Aemter verwaltete. Er wurde M u n i t i 0 n 5 m i n i ft e r, als es für England eine Frage von Sein oder Nichtsein wurde, das Material für die Kriegführung zu beschaffen: er wurde Ackerbaumini st er, als England 1917 infolge der Mißernten in den Weizenländern dazu übergehen mußte, aus Wiesen und Weiden wieder Aecker zu machen. Lloyd George war es, der das Wort von den silbernen Kugeln erfand, die den Krieg entscheiden würden, wie es auch Lloyd George war, der immer wieder Mittel und Wege fand, um dieSilbernen Kugeln" heranzuschaffen. Wie trotz alledem die Kriegswaage hin und her schwankte, das beweist überzeugend die Tatsache, daß der 9. November 1918 von dem eng­lischen Volke besonders aber von der Bevölkerung Londons mit einem wilden Aufschrei nach langer Erstarrung begrüßt wurde, weil bis zu diesem 9. November 1918 aus das englische Volk mit Zwei­fel über den Ausgang des Krieges belastet war.

Lloyd George war es, der für England d i e Verhandlungen in Versailles führte, der aber gerade bei diesen Verhandlungen sich ge­gen den verbohrten Haß Clemenceaus sowie gegen die Starrköpfigkeit und den Deutschland-Haß des Präsidenten Wilson nicht durchsetzen konnte. Lloyd George war als Finanz- und Wirtschaftspol'tiker viel zu geschult, um nicht deutlich und rechtzeitig zu erkennen, daß die Versailler Verträge nicht end­liche Befriedung, sondern neue Unruhe und neuen Krieg schassen würden. Dabei mag auch