Ausgabe 
4.8.1936
 
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mit einem guten Meter Vorsprung vor Metcalfe, der zum Schluß eine fabelhafte End­geschwindigkeit entwickelt und seinem berühmten Landsmann mehr zusetzt als man das erwartet hatte. Dritter wurde der Holländer Osendarp knapp aber dennoch klar vor dem dritten Amerikaner Frank Wykoff, dem Deutschen Borchmeyer und dem Schweden Strandberg.

Das Ergebnis: 1. Owens (USA.) 10,3 Sek.;

2. Metcalfe (USA.) 10,4; 3. Osendarp (Holland) 10,5; 4. Wykoff (USA.); 5. Borchmeyer (Deutsch, land); 6. Strandberg (Schweden).

Owens 10,2 Sekunden kein Weltrekord!

Wie soeben in Berlin bekanntgegeben wird, kann die Weltbestleistung von Jesse Owens im 100-Meter- Lauf mit 10,2, erzielt am ersten Kampftag der XI Olympischen Spiele im zweiten Zwischenlauf, nicht als Weltrekord anerkannt werden. Durch Messung ist festgestellt worden, daß eine zu st a r ke Begünstigung durch Rückenwind oorlag.

3000 Meter Hindernislauf.

In drei Dorläufen wurden die zwölf Endteilneh­mer für den 3000-Meter.Hindernislauf ermittelt. In jedem Lauf sind 32 Hürden und sechsmal der Was- graben zu nehmen. Als weitere Zugabe öffnete der Himmel für kurze Zeit seine Schleusen. Lippi führte fast während des ganzen beschwerlichen We­

ges vor Matllainen, Wihtols, Dompert, dem Schweden Ekmann und Evenson-Großbritannien, ßem Stil davon und führt mit 25 Meter vor dem Spitze vor Wihtols, Matilainen und gewinnt unter ohrenbetäubendem Jubel in 9:27,2 vor Matilainen, Wihtols, Dawson-USA., während der Italiener Lippi erschöpft aussichtslos zurückgefallen ist.

Im zweiten Dorlauf gibt der Finne Jsohollo, der Olympiasieger von Los Angeles, das Tempo an. Bereits drei Runden vor Schluß zieht er in gro­ßem Stil davon und führt mit 25 Metern vtor dem Amerikaner Manning, dem Schweden Holmqoift und dem deutschen Meister Heyn. Diese drei ha­ben einen beträchtlichen Vorsprung vor der näch­sten Gruppe, so daß der Ausgang ziemlich klar war Jsohollo siegte in 9:34 vor dem fast zum Schluß gut aufgekommenen Amerikaner. In fast gleichen, etwa 15 Meter großen Abständen, gehen dann Heyn und der Schwede Holmquist durchs Ziel.

Unsere dritte deutsche Hoffnung, Hans-Heinz Raff, blieb beim Start stecken. Durch eine Be­hinderung verlor er Boden und lag schon nach den ersten 40 Meter zurück. Entmutigt gab der Deutsche in der zweiten Runde auf. Ihm folgt in der vier­ten Runde der Oesterreicher Simacok. Der Finne Tuominen hatte sich wie vorher schon Jsohollo, frei- gemacht und lief vor dem amerikanischen Meister Mc Cluskey, dem Franzosen Rerolle und dem Schweden Larsson in 9:40,4 Minuten.

Hostin am Dienstagabend in der Deutschlandhalle im Olympischen Dreikampf die Goldene Medaille. Er brachte in den drei Hebungen Drücken, Reißen und Stoßen insgesamt 372,5 kg zur Hochstrecke. Für Deutschland errang D e u t sch - Friesenheim mit 365 kg die Silberne Medaille. Dritter wurde der Aegypter Wasif Ibrahim vor unserem zweiten Vertreter Helmut O p s ch r u f - Trier.

Mit herzlicher Freude wurde die prächtige Lei­stung unserer beiden Gewichtheber ausgenommen. Sie wurden von Reichsminister Dr. Frank und dem Reichssportführer, die sich unter den Zuschauern befanden, beglückwünscht.

ErsteDegegnungen im Futzball-Turnier

Norwegen Türkei 4:0 (1:0).

In der Vorrunde des Olympischen Fußball-Tur­niers standen sich am Montagnachmittag bei trü­bem Wetter die Mannschaften der Türkei und Norwegens gegenüber. Das Mommsen-Stadion hatte nur schwachen Besuch. Norwegen stellte die technisch bessere Mannschaft ins Feld, obwohl auch die Türken durch eine gute Spielauffassung und solide Technik Überraschten. Trotzdem konnten die Osmanen den Sieg der Nordländer nicht gefähr­den.

Italien USA 1:0 (0:0).

Wesentlich härter war das zur gleichen Zeit im Poststadion ausgetragene Spiel zwischen Italien und USA. Hier hatten sich rund 5000 Zuschauer eingefunden. Die Italiener spielten mit dem erwar­teten Elan. Unaufhörlich stürmten sie in schnellen Angriffen gegen die USA.-Hintermannschaft, die aber unentwegt und mit viel Können abwehrt. Die ganze erste Spielhälfte hält die Ueberlegenheit der Südländer an, ohne daß ihnen ein Erfolg beschie- den wäre. Erst in der neunten Minute der zweiten Halbzeit glückte dem italienischen Rechtsaußen Frossi ein Treffer, der auch der einzige des ganzen Spieles bleiben sollte.

Der Kampf

im Mannschafts-Florettfechten.

Allzu groß war der Unterschied im Stärkeverhält­nis zwischen den Nationen, die zum Mann­schafts-Florettfechten gemeldet hatten. So kam es, daß bereits nach dem zweiten Gang der Vorrunde die Zwischenteilnehmer ermittelt waren und sich der dritte Gang erübrigte. Es gab durchweg überlegene Favoritensiege. Den nachhaltigsten Eindruck hinterließen die französischen Fechter, die Brasilien mit 16:0 schlugen. Sehr fein fochten auch die Argentinier, die rein italienische Schule zeigten.

Die deutsche Mannschaft kam gegen Ka­nada zu einem überlegenen 15:l-Erfolg. Lediglich der Frankfurter Eisenecker verlor ein Gefecht gegen den Kanadier Boissonault. Casmir, Serben, Heim da­gegen errangen nur Siege. Durch diesen Erfolg hat Deutschland bereits die Zwischenrunde erreicht, in der es mit Argentinien und Großbritannien zusammen in der ersten Gruppe liegt.

Oblt. Handrick führt im Fünfkampf.

Zweite Hebung Degenfechten.

Als zweite Prüfung des Modernen Fünfkampfes wurde am Montag das Degenfechten auf den Ten­nisplätzen des Reichssportfeldes bzw. in den Turn­hallengebäuden der Reichsakademie für Leibes­übungen durchgeführt. Don früh um 9 Uhr bis 22.30 Uhr zogen sich die Kämpfe mit kurzen Unter­brechungen hin. Durch die Wertmessung war es möglich, ein einwandfreies Ergebnis sicherzuftellen. Bester Degenfechter war unser fit. fiemp, der es auf 25 Siege brachte; dem gegenüber standen nur sieben Niederlagen und achtCoup-Doubles". Der zweite Platz wurde zwischen Oblt. Weber-USA. und Hauptmann Ecuyer de le Court-Belgien geteilt, so daß jeder 2'/- Punkte erhielt. Vierter wurde Oblt. H a n d r i ck - Deutschland, während der fünfte Platz wiederum zwischen Scheere - Belgien und Oblt. Thofelt-Schweden geteilt werden mußten. Insgesamt waren zu den Kämpfen 41 Teilnehmer angetreten. Jeder hatte 40 Gefechte zu bestehen.

Nach den beiden ersten Uebungen des Modernen Fünfkampfes führt Oblt. H a n d r i ck - Deutschland mit 6,5 Punkten vor Hauptmann Ecuyer de le Court mit 7,5 Punkten und Oblt. Thofelt-Schweden mit 14 Punkten.

Beginn des Polo-Turniers.

Eine wenig glückliche Auslosung wollte es, daß schon im ersten Spiel des Olympischen Poloturniers zwei der stärksten Nationen, Großbritannien

und Mexiko aufeinandertrafen. Die Engländer, die schon im Jahre 1908 das Olympische Turnier gewannen, erkämpften erst vor zwei Monaten im Westchester-Cup gegen USA. mit 10:9 einen großen Erfolg. Vor 10 000 Zuschauern siegten sie diesmal auf dem Maifeld mit 13:11 über die starken Mexi­kaner. Heute nachmittag begegnen sich Ungarn und Deutschland.

Siegerehrungen.

Den Wettkämpfen am Nachmittag voran ging die olympische Siegerehrung der am Vortage ermittelten Sieger im Gewichtheben der Feder- und Leich tgewichtsklasse. Das Podest betrat in der Mitte der Federgewichts- Olympiasieger T e r l a z z o (USA.), zu seinen Seiten stellten sich die Aegypter S o l i m a n und Shaws auf. Die Musikkapelle intonierte die amerikanische Nationalhymne, anschließend fand die gleiche Zere­monie für die ersten drei der Leichtgewichtsklasse, für den Aegypter Mohammed Ahmed M e s b a h als Sieger, dem Oesterreicher Robert Fein als Zweiten und dem Deutschen Karl Jansen, der einen Son­derbeifall einheimste, als Dritten statt. Die ägyptische Hymne klang auf. Graf Baillet-Latour und Exzellenz Lewald verteilten die Medaillen.

Siegerehrung für die 100 Meter.

Die Siegerehrung für die Preisträger im 100- Meter-Laus gestaltete sich wie immer bei dieser olympischen Zeremonie ebenfalls zu einer kurzen, aber eindrucksvollen Feier. Jesse Owens, flankiert von seinem Landsmann Metcalfe und dem Hol­länder Osendarp, wurden aus der Hand von Graf Baillet-Latour die hohen Auszeichnun­gen zuteil. Die amerikanische Nationalhymne wurde gespielt und stehend, entblößten Hauptes,_ von den Deutschen mit ausgestreckter Hand, angehört.

(Siebener Gkijugend in Berlin.

Am Freitagabend verließ eine Gruppe jugend­licher Mitglieder vom Skiklub Gießen unsere Stadt, um am Olympia-Jugendlager des Fachamtes Skilauf im Rffi. teilzunehmen. Die Mädchen sind in der Nähe des Reichssportfeldes in der Weftend- schule untergebracht, während die Jungens in einem wundervoll hergerichteten Zeltlager am Stößenfee, gemeinsam mit der Turnerlugend, wohnen werden.

Sämtliche Mädels und Jungens find am 7. August am Staffellauf zur Ueberbringung des Olympischen Feuers nach Grünau (Regattastrecke) beteiligt.

Täglich werden unsere Gießener Jugendlichen auf den verschiedenen Sportfeldern und Sporthallen den gewaltigen Kämpfen der besten Sportler aus der Welt beiwohnen. So sind sie auch am 1. August (Samstag) Zeuge der Eröffnungsfeier im Olympi­schen Stadion gewesen, und abends wollten sie ge­meinsam das Festspiel besuchen.

Gießener Schwimmer in der Drei-Desten-Liste!

Die von dem Gießener Schwimmverein bei den diesjährigen Gaumeisterschaften in Marburg über­legen gewonnene Bruststaffel ist in der letzten Aus­gabe des Amtsblatts der Schwimmfportler mit der Zeit von 5.49,0 an zweiter Stelle der Jahresbest- leiftungen verzeichnet. Der Gießener S D. steht mitdiefer Leistung vor einem f o guten Verein rote dem Rekordhalter Hellas Magdeburg. Die Staffel wurde in der Besetzung Brüning, Baumann, Pascoe, Mewes geschwommen. Der erzielte Durchschnitt von 1.27,2 ist hervorragend, umsomehr, als der Siege ohne besonderes Kampfmoment errungen wurde.

Es ist bedauerlich, daß die Gießener durch die bezüglich des Schwimmsports unglückliche Lage so wenig in großen Kämpfen ihre Leistungen unter Beweis stellen können. Die Bruststaffel hat im gan­zen Gau keinen ernsthaften Gegner.

SportamtKraft durch Freude"'.

Der Kursus für Kindergymnastik, Dienstags von 17.15 bis 18.30 Uhr, in der Frankfurter Straße Nr. 60, Gartenhaus, fällt während der Schulferien aus! Der neue Beginn dieses Kursus wird noch an dieser Stelle bekanntgegeben.

Heute folgende Kurse:

Fröhliche Gymnastik und Spiele für Frauen von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Damm­straße 26.

Schwimmen (Anfänger und Fortge­schrittene) von 20 bis 21 Uhr (Frauen und Männer), Volksbad; von 21 bis 22 Uhr (nur für Frauen), Volksbad.

Der Kronprinz von Italien im Olympischen Dorf.

Am Montag besuchte Kronprinz Umberto vonItalien das Olympische Dorf, wo er von den Olympiakämpfern Italiens begeistert begrüßt wurde. (Scherl-Bilderdienst-M.)

W.

. 4Z

Vei den Schwerathleten in der Deutschlandhalle

Kämpfe der Freistilringer.

In der Deutschlandhalle gab es bei den Ringern am Montagvormittag wieder ausgezeichnete Kämpfe. Ein beträchtliches Programm konnte abgewickelt werden, das die zahlreichen Zuschauer restlos in feinen Bann zog. Besonders stark war die Anteil­nahme im oberen Ring, wo Sprechchöre die ein­zelnen Ringer immer wieder anfeuerten.

Im Mittelgewicht mußte der Hallenser Schedler eine glatte Punktniederlage durch den Tür­ken Kirecci hinnehmen. Der Türke konnte mehrfach seinen Beinhebel anbringen und brachte dadurch den Deutschen immer wieder zu Boden, wenn dieser feine Aktionen ausführen wollte.

Im Halbschwergewicht besiegte Siebert- Deutschland den Tschechoslowaken Prokop nach Punk­ten. Der Tscheche kam in der zweiten Hälfte des Kampfes sichtlich ins Hintertreffen und verlor schließlich glatt.

Im Bantamgewicht setzte in Anwesenheit des Reichssportführers der junge Stuttgarter Her­bert wieder mit ungeheurem Schwung Griff um Griff an und warf den Engländer Cazaux schon nach 4:50 Minuten. Bis dahin hatte sich der Eng­länder mehrfach aus der Brücke gerettet.

Im Schwergewicht waren Gehnng-Deutsch- land und Bürki-Schweiz fast gleichstark. Am Boden

war der Deutsche sogar leicht überlegen, doch ent­schieden sich die Richter mit 2:1 Stimmen für den Schweizer.

Frelstttringer beenden die 2. Runde.

In der Deutschlandhalle setzten am Montagnach­mittag die Freistilringer die Zwischenrundenkämpfe im Feder- und Leichtgewicht fort. Böck »land) mußte sich durch den schwedischen pezialisten Jönssen eine Punktniederlage gefallen lassen, die ihn vom weiteren Wettbewerb ausschließt. Der Deutsche konnte den Kampf zwar lange offen halten, verlor dann aber gegen den besseren Schweden eindeutig. Don den übrigen Be­gegnungen in der Federgewichtsklasse sind die Siege der Favoriten Pihlajamäki (Finnland) und Toth (Ungarn) hervorzuheben.

Im Leichtgewicht setzte sich Ehr (Deutschland) weiter durch und besiegte den Tschechen Brdek in 2:04 durch einen Seitenaufreißer. Im übrigen gab es hier zwei Ueberrafdjungen. Der Franzose Del- porte konnte den Dänen Meier in 12:48 werfen und dem Türken Soganli gelang ebenfalls ein entschei­dender Sieg über Melin (Schweden).

Französischer Sieg im Gewichtheben.

LineSilberne für Deutschland.

Zum zweiten Male erkämpfte sich im Gewicht­heben der Halbschwergewichtsklasse der Franzose

Unbekannte Fracht.

Roman von Srant Z.vrann.

5. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Abgemustert. Da kann man nichts machen. Glaubst du, sonst läge ich hier noch vor Anker und ließe die Erziehungsversuche der guten Beate über mich ergehen? Ich wäre schon längst wieder vor Is­land, glaube mir das!" Er öffnete die Klappe des falten Kachelofens an der Wand und spuckte in die schwarze Höhlung. Es war, als wollte er einen bitteren Geschmack loswerden.

Hast du dich schon um ein anderes Schiff be­müht?"

Bemühungen, wie du dir das denkst, haben feinen Zweck. Es geht der Reihe nach. Ich mutz jetzt eine Weile ftilliegen, sagte man mir auf den Heuerbüros. Die Tintenfüchse wissen ja nicht, was das heißt für einen richtigen Seemann! Als ich Krach schlug, versuchten sie mich zu beruhigen; es geht Ihnen doch nicht schlecht, Herr Schnakenbeck, Ihre Frau hat die gutgehende Wirtschaft, Sie haben zu leben!"

Er lief wütend durch das Zimmer. Die Erinne­rung an die erlebte Szene brachte ihn von neuem auf. Die Dielen knarrten unter seinen ungestümen Schritten. Dabei war gar kein Platz in dem Zim­mer, sein Trab bestand aus steten Wendungen. Was habe ich mit Beates Wirtschaft zu tun. Soll ich hier herumsitzen und ihren Grog trinken, den sie besser verkauft? Soll ich Kellner spielen und die Kameraden, die von der Dora bedient werden wol­len, vergrämen? Muß ich mir die Gläser von mei­ner Frau in den Mund zählen lassen! John, trink nicht soviel, der Rum ist teuer! Wissen die Leute nicht, daß man überall, auch bei der eigenen Frau, immer nur ein paar Tage zu Gast sein kann! Denn ich bin doch hier ein Gast, nur kein zahlender. Diese Che ..." Er brach ab. Seine Handbewegung schnitt ben angefangenen Satz mitten in der fiuft durch.

Bist du nicht glücklich oder wenigstens zufrieden, Soim?" ...

Schnakenbeck wich aus. Seine Stimme veränderte sich. Er hüstelte, ehe er antwortete:Ein Seemann

ohne Schiff ist nicht zufrieden, noch weniger glück­lich, das wäre ein Witz." Hiernach schwieg er eine Weile. Dann meinte er nach einer Pause, die drückend für Terbrügge gewesen war:Ich allein hätte schließlich noch eine Weile stillgehalten. Aber nun bist du doch noch dazugekommen. Es wird also nichts übrigbleiben, als einmal mit dem alten Meßler zu sprechen. Der hat immer ein Schiff für unsereins. Freilich, was für ein Schiff, darf man nicht fragen."

Es gibt also doch eine Möglichkeit, hinauszu­kommen?" Terbrügge schöpfte wieder Hoffnung. Er sah seinen Freund groß an.

John Schnakenbeck nickte.Eine Möglichkeit, hin­auszukommen, ja; du drückst es ganz richtig aus. Wenn einer durchaus hier hinaus muß, dann geht er zu dem alten Gauner, dem Meßler. Er braucht keine Papiere ober so gut wie keine. Wenn er hur gesunde Knochen hat. verstehst du? Da treiben sich immer ein paar Schiffe herum, die keine Mann­schaft bekommen können und immer Ersatz brauchen. Solche Posten vermittelt mit Vorliebe der Meßler."

Weshalb bekommen diese Schiffe keine Mann­schaft zusammen, John?" Rudolf Terbrügge erkun­digte sich begriffsstutzig.

Sein Freund kniff ein Auge zu. Er näherte sich mit zwei Schritten dem Ofen, als wollte er erst noch einmal vor der Erklärung ausspucken; aber bann ließ er es.Weil sie zu hoch versichert sind, weißt du, weil es unwahrscheinlich ist, daß sie heil und richtig ankommen. Oder weil der Dampfkessel zu alt ist, daß er die Maschinisten verbrüht ober bei nächster Gelegenheit in bie fiuft geht. Du wirst es erleben, Meßler hat gleich ein paar biefer Klap­perkästen an ber Hanb. Sie haben alle gutklingenbe Namen. Sie fahren unter irgenbeiner Flagge; nur Nicht unter der beutschen. Deutsche sinb infolgebenen auch kaum barauf. Höchstens solche, bie rote bu eben richtig sagtest um jeben Preis hinaus muhten/ , , n

Unb du wolltest trotzdem zu Meßler gehen?

Man kann ja einmal Glück haben", jagte Schnakenbeck fatalistisch.Wenn wir bis drüben gelangen, hauen wir ab auf Nimmerwiedersehen. Die Brüder wissen bas natürlich unb passen auf wie bie Schießhunbe, aber zwei Kerle wie bu und ich sollten es trotzdem schaffen. Oder hast du es dir

überlegt, willst du lieber nicht mit? Sage jetzt nicht ja ober nein, Rubolf, warte bis morgen, überschlafe bie Geschichte." John Schnakenbeck meinte es gut, aber Rubolf Terbrügge wünschte keine Bebenkzeit. Er schüttelte ben Kopf.Ich habe nichts zu beben« ken, John", sagte er ehrlich,wenn du mich mit- nimmst, laß uns so balb als möglich zu dem Mann gehen, den du nanntest."

John Schnakenbeck nickte.Gut, Rudolf. Stehen wir also zusammen. Uebrigens: Meßler heißt der alte Schuft." Dann redeten sie nicht mehr von dieser Sache. Sie gingen hinunter, und der Grog lenkte sie ab.

Der Gauner Meßler, wie John Schnakenbeck den Mann gekennzeichnet hatte, wohnte in der Hafen­gegend. Er hielt in einer Nebenstraße der Reeper­bahn eine Art Büro offen.

Er war ein langer spindeldürrer Mann, von dem man sich erzählte, er sei in einer französischen Strafkolonie so mager geworden unb ausgebörrt. Deutscher schien er nicht zu sein; er sprach ein har­tes, rollenbes R unb flocht Zischlaute in seine Rebe ein, bie bie beutsche Sprache nicht kennt. Sein gelbes Gesicht wirkte pergamenten; so kam es, baß man ihn für recht alt hielt, was eine Täuschung fein konnte. Die Chinesen bes Viertels, bie ihn gut kannten, behaupteten, er sei Ostrusse. Die Nachbarn meinten, er sei Englänber, schon ber Name verrate bas. John Schnakenbeck, mit seinem Freunb nun auf bem Weg zu Meßler, von Rubolf Terbrügge befragt, zuckte erst bie Achseln unb äußerte bann: Däne ober Schwebe wirb er sein."

Meßler saß in seinem Büro. Es befanb sich im ersten Stock eines in nichts ungewöhnlichen Miet­hauses. Er hockte hinter seinem Schreibtisch, ber mit Papiere bebeckt war. Als bie beiben Freunbe eintraten, hatte er gerabe bas Telephon am Ohr. Ihr Klopfen war ihm entgangen, sie roieberum hat­ten seine Stimme gehört unb eine 2lufforberung, hereinzukommen, baraus entnommen. Metzler bängte sofort an.Schluß!" rief er,ich. werbe ge­stört." Aber dann lief ein gemachtes Lächeln über fein hageres Gesicht, daß sich die hautüber den Backenknochen spannte. Seine Freundlichkeit war verdächtig rasch da, obwohl er eben noch von einer Störung gesprochen hatte. Er schien John Schna­kenbeck zu kennen.Ah, der Herr Steuermann,

rief er und rieb sich die Hände vor dem Magen. Haben Sie es sich überlegt?"

Rudolf Terbrügge sah seinen Freund fragend an, unb John Schnakenbeck bekannte wiberwillig:Ich habe hier neulich schon einmal nachgefragt."

Sehr richtig. Wie war boch Ihr Name? Schna­kenbeck, ich erinnere mich, banke. Ich pries Ihnen bamals ben DampferQueen Elizabeth" an. Ein erstklassiges 5000-Tonnen-Schiff, fährt unter bri­tischer Flagge. Sie können es erreichen in warten Sie, er sah eine Liste nach,ja, es reicht gerabe noch mit ber Zeit. Sie mürben in Cuxhaven zu- rechtkommen, wenn Sie sich sofort entschließen. Die Queen Elizabeth" geht morgen früh in See."

Wohin geht die Reise?"

Mit Stückgut."

Wohin, fragte ich."

Das weiß ich nicht. Aber der Kapitän wird es Ihnen sagen."

John Schnakenbeck zog eine Grimasse.Das muß er wohl." Er sah Rudolf Terbrügge an.Wie ist es, Rudolf?" und dann zu bem Vermittler:Haben Sie bort auf berElizabeth" Platz für zwei Leute? Ich gehe nur mit meinem Freunb gemeinschaftlich auf große Fahrt."

Der Alte wiegte ben Kopf.Sie konnten als Heizer ankommen. Ein Heizer wirb noch gebraucht. Ihr Freunb müßte als Trimmer fahren. Aber bas wäre sicherlich vorübergehenb. Die Leute rücken mit ber Zeit immer roieber auf."

Das reben Sie, weil Sie keine Ahnung haben, Meßler!"

Erlauben Sie!"

Nichts für ungut. Aber waren Sie jemals in Ihrem Leben auf einem ber Dampfer, bie Sie an- priesen?"

Ich habe mein Geschäft hier in Hamburg. Es ist ausgeschloffen, bah ich alle bie Schiffe, beten Ka­pitäne sich an mich roenben, kennen kann."

Genau so bachte ich es mir. Aber lassen wir bas." Er nahm Rubolf Terbrügge ein bißchen bei­seite.Wie ist es, Rubolf, sollen wir anheuern? Ohne zu wissen, wohin bie Reise geht! Als Heizer unb Trimmer! Das ist eine Hunbearbeit auf biefen Kästen!"

(Fortsetzung folgt!)