Ausgabe 
4.8.1936
 
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Ur. 180 Dritter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Dienstag, 4. August (036

XL OLYMPISCHE SPIELE Q&P

Deutschland hat sich gern und freudig der Aufgabe unterzogen, die diesjährigen Wettkämpfe vorzubereiten in einer Form, die der großen Idee und den Traditionen der Olympischen Spiele gerecht zu werden versucht und es hofft damit zur Stärkung des völkerverbindenden Ideals beizutragen, das diesen Kampfspielen zugrunde liegt Aus der Rede des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler vor den Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees.

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Der Führer erfreute die glücklichen Olympiasiegerinnen im Speerwurf, die ihm nach der Siegerehrung in s^ner Loge vorgestellt wurden, damit daß er sich mit ihnen photographieren ließ. Rechts die Olympiasiegerin Tilly Fleischer mit dem Olympischen C 2Irm, Itnfs de

Zweitbeste Luise Krüger (Deutschland) und die Polin Kwasniewska. (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)

Der Kampf der Schnellsten.

Von unserem Or. G.St.-Sonderberichterstatter.

Berlin, den 3. August.

Am 100-Meter-Start graben sich sechs Läufer ihre Startlöcher für den in wenigen Minuten be­ginnenden Endlauf, der den Olympia-Sieger in dieser Kurzstrecke bringen soll. Die sechs schnellsten Läufer der Welt haben sich nach zahlreichen Vor­läufen, nach mehreren Zwischenläufen und nach zwei Vorentscheidungen für diesen Endlauf quali­fiziert. Mit größter Spannung verfolgten die im überfüllten Stadion dicht zusammengedrängten Zu­schauer die beiden Vorschlußläufe, aus denen je drei Mann in die Entscheidung aufrücken sollten. Im ersten Vorentscheidungslauf stehen Owens (USA.), Strandberg (Schweden), Penninaton (Groß- britannien, Hänni (Schweiz), Wykoff (USA.) und van Beveren (Holland) am Start. Der Deutsche Borchmeyer, der erst im zweiten Dorlauf anzu­treten hat, geht auf den schwarzen Negerstudenten Owens zu, drückt ihm kameradschaftlich die Hand und wünscht ihm wahrscheinlich viel Erfolg. Dieser Erfolg blieb auch nicht aus. Gleich nach dem Start schießt der Neger davon und gewinnt unangefoch­ten. Im zweiten Vorlauf erscheint der Deutsche Borchmeyer am Start. Nach schweren Kämpfen hat sich der 32jährige Deutsche Altmeister bis zu diesem Dorschlußrennen durchgesetzt. Ruhig und ge­sammelt steht er am Start, als der Starter ihm und seinen Konkurrenten das Kommando zum Fertigmachen gibt. Metcalfe zeigt sich weit über» leaen, und er gewinnt mit klarem Dorsprung vor Osendarp und Borchmeyer.

Und nun finden sich die sechs schnellsten Läufer der Welt am Start ein. Die beiden Negerstudenten Owens und Metcalfe machen den ruhigsten Eindruck, unaufhörlich trippeln sie am Start von einem F^ß auf den anderen, um bei dem unfreundlichen Wetter nicht kalt zu werden. Frank Wykoff trabt noch auf der Gegengerade spazieren, um restlos geschmeidig zu werden, während Osendarp unruhig am Start auf und ab läuft.

Der Deutsche Borchmeyer steht im dicken Trai- ningsanzua lange reglos vor der Startlinie und schaut versonnen vor sich nieder. Stört ihn der Lärm der Sprechchöre, die von den Deutschen in­szeniert werden, um ihm Rückhalt für das schwerste Rennen seines Lebens zu geben, oder denkt er über die Duplizität der Ereignisse nach, als vor vier Jah­ren auch ein Deutscherem Endlauf der Olympischen Spiele stand, und damals ebenfalls zwei Neger- Studenten das Rennen unter sich ausmachten?

Owens gräbt sich als Erster ruhig seine Start­löcher.

Der Starter Franz Miller aus München, dessen Ruhe sich so wohltuend auf alle Läufer aus­wirkt, daß sie in ihm den richtigen Nervenarzt sehen, geht im weißen Mantel gemütlich und bei­nahe behaglich vor dem Start auf und ab und er tut, als ob ihn das ganze Treiben nichts anginge. Dann ertönt die Trillerpfeife, die Antwort vom Ziel kommt, daß sämtliche Zielrichter mit den Uhren in der Hand ihren Platz eingenommen haben und dis elektrische Zeitnahme fertig ist. Das Brausen der Stimmen im Stadion klingt langsam ab, das erste Ruhezeichen ist zu hören und dann ist es ganz still. Auf der Pressetribüne ruht das Klappern der Tasten von hundert Schreibmaschinen, das Klingeln der Fernsprecher hört in diesem Augenblick auch auf und tiefe Ruhe liegt über den Menschen im Stadion, deren Blicke und Hoffnungen an diesen auserwähl­ten 6 Läufern hängen.

Der Starter hebt langsam seine Pistole, deutlich vernimmt man auch in der entferntesten Ecke seine klare StimmeFertig", dann eine lange Pause eine Ewigkeit schien sie denen, deren Herz vor Spannung einen Schlag lang stockte unb dann peitscht ein Schuß durch diese Stille. 6 Läu­fer rufen die Aschenbahn hinunter, 6 Läufer kämp­fen einen erbitterten Kampf um Olympischen Sieg in der klassischen Strecke und Hunderttausende schreien, toben, springen auf, fuchteln mit den Ar­men in der Luft herum und fallen einander um den Hals vor Freude, als dieses Rennen entschieden

er sich kurz vor dem Ziel noch nach vorn und kommt vor Frank Wykoff auf den dritten Platz.

Der Deutsche Borchmeyer hat sich tapfer ge­schlagen, mit geringem Rückstand kommt er an 5. Stelle noch vor dem Schweden Strandberg ans Ziel. Jesse Owens, der Sieger dieses denkwürdi­gen Laufes, geht nach diesem Rennen ohne beson­dere Zeichen der Anstrengung leächelnd auf den Ra­sen und will sich gerade die Rennschuhe ausziehen, als das Heer der Photographen und Filmoperateure ihn überfällt. Geduldig läßt er alles über sich er­gehen. Osendarp vollführt Luftsprünge vor Freude über seinen dritten Platz und wie vor dem Ren­nen, so geht er auch jetzt mit Borchmeyer zusam­men zu Owens und Metcalfe zu herzlicher Gratu­lation.

Die Deutschen bringen dem tapferen Borchmeyer die verdienten Ovationen. Sie sind glücklich, daß der Altmeister in diesem Rennen ehrenvoll abge­schnitten hat und erkennen seine Leistung an.

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Auf dem Rasen ist unterdessen das Hammer­werfen entschieden worden, das den Deutschen wieder größte Triumphe gebracht hat. H e i rt und Blask zeigen sich von Anfang an ihren Kon­kurrenten überlegen und überbieten beide den Olympischen Rekord. Zuerst ist es Blask, der mit famosem Wurf eine bessere Weite schafft, und dann gelingt in der Entscheidung dem Hamburger Hein ein wundervoller Wurf, der ihm Sieg und Goldene Medaille brachte. Tosender Beifall lohnt beiden Deutschen ihre Rekordleistung, und dankbar er­schallt der Sprechchor der erfinderischen Berliner über den Platz:

Blask und Hein, das war fein, Blask und Hein, das war fein!" Bescheiden nehmen die beiden die Glückwünsche ent­gegen, sie lassen alles mit sich geschehen, was Kameramänner von ihnen wollen.

Im Beisein des Führers und Reichskanzlers er­folgt dann die Siegerehrung. Das Hakenkreuz­banner geht an zwei Masten hoch und feierlich erklingen die beiden Nationalhymnen.

Auch in den anderen Konkurrenzen kann Deutsch­land mit feinen Athleten zufrieden sein. In den 400-Meter-Hürden-Vorläufen gelang es Nottbrock

und Kürten, in den Zwischenlauf zu kommen, wäh­rend der dritte Deutsche Scheele durch leichtsinniges Umsehen während des Laufes um diese Chance kam.

Im 100- Meter-Lauf für Frauen waren

In der ersten Entscheidung des zweiten Tages kam Deutschland vor 100 000 Zuschauern und in Anwesenheit des Führers wiederum zu einem Dop­pelerfolg. 3m Hammerwerfen holte sich der Ham­burger Karl Hein mit 56,49 Meter die Gold­medaille und erreichte gleichzeitig olympischen und deutschen Rekord. Die Silberne Medaille fiel an den Königsberger Erwin Blask mit 55,04 Me­ter, der mit diesem Wurf vorher ebenfalls einen olympischen Rekord aufstellte. Den dritten Platz belegte der Schwede Warngard mit 54,83 Meter.

Die Sonne blickt durch die blauen Lücken einer Wolkendecke. Ein scharfer Westwind läßt die Fahnen über dem noch nicht vollbesetzten Stadion flattern. Auf dem -saftgrünen Rasen heben sich zwei über­schneidende Sektoren in der Richtung Süd-Nord heraus, an ihrem Winkelpunkt stehen die Käfigen ähnlichen Schutzgitter, die die Wurfkreise zum Ham­merwerfen umrahmen. Unter Anführung des Ita­lieners Giovanni Cantagalli betreten die Hammer­werfer kurz vor 11 Uhr Im Gänsemarsch den Jn- nenraum. Dr. Ritter von Halt schart die Kämp­fer um sich, erklärt ihnen die neuen internationalen Bestimmungen über güftige und nicht gültige Würfe, nimmt dabei selbst den Hammer zur Hand und führt einen einwandfreien Wurf praktisch vor. In der Ausscheidung müssen mit einem der drei gestatte­ten Würfe 46 Meter erreicht werden, wenn der Teilnehmer in den Dorkampf gelangen will.

Alle Deutschen im Wettbewerb.

Von den 31 Gemeldeten find 27 gurrt Kampf angetreten. Dunkle Regenwolken ziehen über das Stadion von heftigem Wind getrieben, der die Fahnen immet stärker flattern läßt, als die Wer­

tste beiden Deutschen Krauß und Dollinger weit überlegen. In flüssigem Stil und leichten Laufes sprinteten sie vom Start bis ins Ziel. Hoffen wir, daß wir auch in dieser Konkurrenz im Endlauf ver­treten sind.

fer zum ersten Durchgang antreten. Von den 27 Teilnehmern glückt es nur zehn, sich auf Anhieb für den Vorkampf zu qualisizieren, aus dem die sechs Besten erneut drei Entscheidungswürfe haben. Unter großem Jubel der rund 50 000 Zuschauer vollbringen alle drei Deutschen das Glanzstück, mit dem ersten Wurf die rot abgesetzte Mindestmarke zu schaffen. Blask erscheint ruhig und beherrscht im Wurfkreis. Man merkt ihm die Konzentration und Sicherheit an. Er ist seiner Sache gewiß. Mit annähernd 50 Meter legt er eine der besten Lei­stungen hin, wird aber schon bald von Meister Hein, dem ein lebhaftesHummel-Hummel!" ent- gegenflingt, übertroffen. Mit über 51 Meter ist der Hamburger, der als 16. in den Kreis trat, der Achte, dessen Wurf über 46 Meter lag. Als Letzter des Teilnehmerfeldes stellt sich G r e u l i ch.Unge­fähr zwei Meter jenseits derominösen Marke" kommt seine Kugel auf.

Im zweiten Durchgang qualifizieren sich noch für den Vorkampf Koutonen-Finnland, Heino- Finnland und Favor - Amerika; Amerika, Finn­land und Deutschland haben alle drei Werfer durch­gebracht. Vier Werfer holen sich im dritten und letzten Durchgang noch die Teilnahme­berechtigung für den Vorkampf, und zwar Sinne, der dritte Schwede, Wirtz-Frankreich, Abee-Japan und Bartic-vic-Chile.

Von 27 Teilnehmern, die sich zu den Ausschei­dungen stellten, gelangten mit 17 Bewerbern eine verhältnismäßig große Anzahl in den Dor­kampf.

Wie Hein und Blask siegen.

Die 17 Hammerwerfer, die durch das Erreichen der Qualifikationsweite von 46 Meter in die Ent­scheidung kamen, lieferten sich einen großartigen Kampf. Schon nach dem ersten Durchgang lagen die beiden Deutschen Blask und Hein in Führung. Der Ostpreuße lag mit 52,55 Meter knapp vor dem Deutschen Meister Hein (Hamburg) mit 52,13 und dem ausgezeichneten Schweden Warngard mit 52,05 Meter. Von sechs Werfern, deren Würfe über 50 Meter lagen, waren allein drei Deutsche, da auch der Mannheimer Greulich mit 50,19 ausge­zeichnete Form an den Tag legte. Wie gefährlich der große untersetzte Schwede Warngard war, be­wies er gleich im zweiten Wurf des zweiten Durch­ganges, als er mit einer Weite von 52,98 Meter die Stellung der beiden Deutschen erschütterte und sich vor das gesamte Feld legte. Nicht lange aber sollte die Freude der stürmisch ihre Landsleute anfeuern­den 10 000 Schweden dauern. Noch jubeln die 100 000 Zuschauer dem gerade eintreffenden Führer und Reichskanzler zu, als Blask in Trainingshose und Trikot, mit schwerem Lederhandschuh an der linken Hand, zum Hammer griff und ruhig und beherrscht und überaus kraftvoll das schwere Gerät durch die Luft schleuderte. Langsam steigt die Kugel, um dann weit hinter der weiß markierten 50-Meter- Markeeinzuschlagen". Endloser Jubel, immer wieder einsetzende Sprechchöre undBravo Blask" werden laut, als der Sprecher verkündet, daß Blask mit 55,04 Meter einen neuen olympischen und deut­schen Rekord ausgestellt hat. Diese ausgezeichnete Leistung übertrifft den seit 1912 von dem Amerika­ner McGrat gehaltenen olympischen Rekord um genau 30 Zentimeter. Blask wurde mit dieser Weite während des ganzen Vorkampfes nicht mehr er­reicht, auch nicht von dem sich ständig verbessernden Schweden Warngard, der mit einem Wurf von

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Das Laufwunder Jesse Owens zieht unwidersteh­lich davon, keiner der Läufer kann mit diesem Ne­ger Schritt halten, nur fein Landsmann und Ka­merad Metcalfe auf der Außenbahn löst sich klar vom Felde und sprintet als Zweiter dem Ziele zu. Der Holländer Osendarp rettet die Ehre der euro- nnifrb0*1 (^nrinfpr hpnn mit fchartern Antritt reißt

Seife Dmens zerreißt mit 103 Sekunden das Zielband, gefolgt von feinem farbigen Landsmann Metcalfe und dem hErcher Ofendarp.

Leffe ro^be Fünfter hinter Wykoff (Amerika) vor Strandberg (Schweden). - (Scherl-Bildertnenft-M.)

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