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Kr. 154 vierter Blatt
Samstag, 4Juli 1936
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
-IVVZahre Männerbadeverein Gießen
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In der Folge entstanden Ankleidehallen für Kinder, eine große Ankleidehalle für Frauen, eine gleiche für Mädchen, 40 Kabinen für Frauen usw. Eine große Liegewiese mit gutem Grasbestand steht zur Verfügung, ein vierteiliges Turngerät wurde geschaffen, für Kinder gab es Sandkasten und Wippschaukel-, heute kann außerdem Tischtennis und Lochbillard gespielt werden. Die Jugend macht von all diesen Betätigungsmöglichkeiten in diesen schönen Tagen des Sommers ausdauernd Gebrauch.
Dem Verein blieben etliche Schicksalsschläge nicht erspart. Manches Hochwasser richtete Schaden an. Im Jahre 1923 schwammen einmal alle Brucken fort. Aber 'es wurde immer wieder aufgebaut. Heute bieten sich die Einrichtungen des Vereins in vorbildlicher Ordnung und Zweckmäßigkeit dar.
100 Jahre des Bestehens eines solchen Vereins sind eine lange Zeit. Aus den ersten 40 Jahren, wie auch aus der Gründungszeit sind nur noch wenige Namen bekannt, da kaum schriftliche Aufzeichnungen gemacht worden waren. Das Geschick des Vereins lag immer in verantwortungsbewußten Händen. Den älteren Mitgliedern, deren manche — wie wir noch hören werden — über 50 Jahre dem Verein angehören, sind die Namen der Vereinsvorsitzenden Dauernheim, Fritz Kuhn,
Mitgliedern, und zwar wiederum jener, die sich den Nimbus erworben haben, im Frühjahr, wenn das Wasser noch kalt ist, die ersten in der Lahn zu sein, im Herbst aber die letzten, die das Wasser verlassen. Unter den Eisbären befindet sich mancher hochbetagte Mann, dem das Baden in kühler Flut anscheinend viel Lebensfrische vermittelt hat. In dem schon erwähnten Liederbuch des „Eisbärenklubs" haben sich die „Eisbären" Hermann Elle und Michael K e ß - l e r mit vielen lustigen Liederversen verewigt.
Den Höhepunkt im Ablauf des Jahres stellten beim Männerbadeverein jeweils die im Hochsommer abgehaltenen Strandfeste dar, für die ja der schöne Platz an der Lahn die ideale Stätte ist. In biefepi
Drei jugendliche Schwimmerinnen zaghaft auf dem Weg in das Wasser.
(Aufnahmen [6]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
des Weltkrieges nahm der rasche Entwicklung, in erster Linie darin zu
Die Badeanstalt vor der Erweiterung.
Das Bild (aus dem Besitz des Vereins) stammt aus dem Jahre 1922.
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Der derzeitige Bademeister Seitz und seine Helferin sind in bester Laune.
Jahre soll das Fest eine besondere Ausgestaltung erfahren. Die über 25 Jahre dem Verein angehörenden Mitglieder werden mit Diplomen geehrt. Im Rahmen des Festes werden verschiedene sportliche Wettkämpfe ausgetragen, an denen sich insbesondere die Jugend beteiligen soll. Selbstverständlich gibt es auch das beliebte Büttenfahren und das Schiff erstechen zu sehen. Außerdem ist mancherlei Kinderbelustigung vorgesehen. Auch an Musit und Tanz wird es nicht fehlen. Die Schwimmwett- kämpfe werden schon am Vormittag ausgetragen.
Der Männerbadeverein wird mit diesem Strandfest, das im Zeichen herzlicher Volksgemeinschaft begangen wird, die Feier des 100jährigen Bestehens würdig begehen. Das Wirken des Vereins im Dienste der Volksgesundheit verdient alle Anerkennung und dürfte auch im Aufbau für das Dritte Reich als ein wertvoller Baustein zu erachten sein.
Mancher gute Wunsch wird den Verein in das zweite Jahrhundert seines Bestehens begleiten.
Nach der Beendigung Verein eine ungemein Der Grund dafür war sehen, daß von der Stadt ein beträchtlich größeres Gelände in Pacht genommen wurde, daß die Auskleidehallen und die Zahl der Kabinen vergrößert wurden, ferner kam Hinzu, daß im Zuge der Zeit das Bad zum Familienbad umgewandelt wurde, nachdem bis dahin nur den männlichen Mitgliedern und ihren Söhnen bis zum 14. Lebensjahr (ohne Beitragserhebung) die Möglichkeit zum Baden gegeben war. Da stieg nun die Mitgliederzahl steil an und heute zählt der Verein nicht weniger denn 50 0 Vollmitglieder; mit deren Angehörigen aber etwa 1200 Badeberechtigte.
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Die Bade-Einrichtungen des Vereins in der da- maligen Zeit waren sehr einfach. Große Geldmittel stunden nicht zur Verfügung. Eine Bretterbude nut etlichen Sitzbänken, eine Anzahl Kleiderhaken - das wa» alles, was die Badeanstalt ausmachte Leider fehlen schriftliche Aufzeichnungen aus der Fruhzeit des Vereins. Nach mündlicher Ueberl^ferung in Gießener Familien befand sich nach der Grundungs- zeit die Badeanstalt auf dem jenseitigen Ufer an Der Einmündung des Lahnmuhlsbaches m die Lahn,
Zu denrechts nebenstehenden Bildern. Links oben: Mitglieder des „Eisbärenklubs im Männerbadeverein. Reihe oben (von links nach rechts): Wilhelm Möhl, (der Name des Zweiten von links war nicht festzustellen), Fritz Weber, Ge g Todt. — Mitte: Heinrich Junker, Hermann Zulch, Wilhelm Hilgardt, Wilhelm Best, Hermann Elle, Wilhelm Kinzenbach sen., Bademeister Schmal!. Reihe unten: Julius Bräutigam, Wilhelm Erle, Wl beim Loh (im Weltkrieg vermißt), Fritz Jung. Das Bild aus dem Bestand des Vereins stammt aus dem Jabre 1903.
R e ch t s o b e n : Die Jugend beschäftigt sich gern mit dem unterhaltsamen Tischtennisspiel.
Links unten: Blick über den großen Wiesen- plan des Männerbadevereins.
■R echts unten: Blick über die Lahn zu dem von schönen Bäumen bestandenen Platz vor den Austleidehallen.
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lei Unzuträglichkeiten führte, wie man sehr wohl auch heute noch der Meinung sein kann, daß das wilde Bad nicht als die glücklichste Lösung der Erholung am Wasser betrachtet werden kann. Ereignen sich doch die meisten Unfälle, des Ertrinkens in der freien Lahn, außerhalb der Badeanstalten da ja keine ständige Möglichkeit einer Aufficht besteht, wenngleich die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft ihre vorzüglich ausgebildeten Wächter ausftellt. Mußten wir doch erst zu Beginn dieser Woche von einem Opfer der freien Lahn berichten, oon einem jungen Menschen, der versank und ertrank. In den Badeanstalten sind Falle des Ertrinkens denkbar selten denn der kundige Bademeister ist zur Stelle und kaum ein Badegast könnte versinken ohne bemerkt zu werden. •
Die erste öffentliche Kunde von der Existenz des Badevereins Gießens" ist im „Gießener Anzeige- blatt" (dem heutigen „Gießener Anzeiger ) vom Samstag, 2. Januar des Jahres 1836 noch zu lesen:
„Die verehrlichen Mitglieder des hiesigen Badeoereins werden hierdurch zu der auf Sonntag, 3. Januar nachmittags 4 Uhr auf der Pulvermühle stattfindenden Rechnungs- Abhör höflichst eingeladen.
Der Vorstand des Badevereins."
also kurz unterhalb der Pulvermühle. Der ur- prüngliche kleine Kreis der Mitglieder erweiterte ich im Laufe der ersten Jahrzehnte mehr und mehr und so wurde eines Tages die Frage nach einer Erweiterung der Anlage wichtig. Die Badeanstalt wurde auf das linke Ufer der 2 a h n verlegt. Noch immer waren die An- prüche bescheiden. Man begnügte sich mit einem mäßig großen Platz am Wasser, der von der Stadt gepachtet wurde. So blieb zunächst, gegeben durch die Raumverhältnisse der Badeanstalt, die Mitgliederanzahl immer noch beschränkt, betrug aber immerhin um die Jahrhundertwende etwa 135 Badefreunde. Viele unter ihnen waren ständige Gäste an der Lahn und benützten die Badegelegenheit gern. Die Geldmittel, die dem Verein aus Mitgliedsbeiträgen zur Verfügung stand, waren nicht allzu reichlich. Große Aufträge konnte der Verein nicht vergeben. Deshalb griffen schon immer die Mitglieder selbst zu, erweiterten die vorhandenen Auskleideräume und hielten sie in Ordnung, schufen höchstselbst die Uferbefestigung und taten mit Hammer, Zange und Säge in der Hand, was zu tun notwendig war.
Der Platz auf dem linken Lahnufer konnte schon immer als schön gelten. Einige mächtige Pappeln gereichten der Badeanstalt zur Zierde' und heute hat der Platz in mehreren Bäumen dieser Art seinen schönsten Schmuck.
Der Weltkrieg beeinträchtigte zwar den Badebetrieb, die älteren Mitglieder, soweit sie nicht im Felde standen, suchten die liebgewordene Erholungstätte aber immer wieder auf. Von denen jedoch, die in den besten Jahren standen, kehrten etwa 12 nicht mehr zurück. Sie fielen auf dem Felde der Ehre.
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Es ist nichts Alltägliches, wenn ein Verein das Jubiläum eines 100jährigen Bestehens feiern kann. Hauptsächlich für einen Verein, der der Leibesübung und der Gesunderhaltung des Menschen förderlich sein will, stellt ein solches Jubiläum ein stolzes Ereignis dar. Nicht zu aller Zeit war das Verständnis für Leibesübung und Körperpflege so ausgeprägt, wie es heute der Fall ist. Sicherlich schwebte den Männern und Gießener Bürgern, die im Jahre 1836 den Gießener Männerbadeverein gründeten, nicht nur eine lose gesellschaftliche Vereinigung vor, sondern sie mögen zweifellos auch von Gedanken der Förderung der Volksgesundheit geleitet gewesen sein. Anderseits geht aus spärlichen Ueberlieferungen hervor, daß man dem wilden Baden an der Lahn steuern wollte, das zu mancher-
Julius H o o s, Julius Bräutigam und Georg \ Todt bekannt und geläufig. Von ihnen leitete \ Georg Todt allein 20 Jahre lang die Geschicke 5 des Vereins. In Anbetracht seiner Verdienste wurde i er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Der gegenwärtige Vereinsführer ist Ortsgruppen- ■ leiter Hermann Thomas. Viele Mitglieder des : Männerbadevereins erinnern sich gern des vor einiger Zeit im Alter von 84 Jahren verstorbenen i Mitgliedes Lüdeking, der etwa 75 Jahre lang dem Verein angehörte und bis in sein hohes Alter hinein eifriger Gast an der Lahn war.
Nicht weniger denn 35 Mitglieder gehören dem Verein meist weit über 25 Jahre an. Sieben Mitglieder halten dem Verein seit 50 Jahren die Treue. Wir lassen hier die Liste dieser langjährigen Mitglieder folgen (die in Klammer gesetzte Zahl kennzeichnet die Jahre der Mitgliedschaft):
Georg Christian, Teufelslustgärtchen 28 (52 Jahre); Fritz Adami, Mäusburg 14 (50); Heinrich Balser, Kaiserallee 45 (50); Adam Bender, Schützenstraße 15 (50); Karl Faber, Marktplatz 1 (50); Wilhelm Michel, Ebelstraße 12 (50); Wilhelm Erle, Frankfurter Straße 45, (50); Heinrich Scherz, Weserstraße 2 (46); Heinrich Noll, Mäusburg 7 (46); Emil Geismar, Bahnhofstraße 18 (46); Josef Hebert, Jheringstraße 9 (42); Fritz Jung, Walltorstraße 10 (40); Wilhelm Kinzenbach, Diezstraße 8 (40); Heinrich Rau, Neuen Bäue 21 (40); Georg Todt, Blockstraße 11 (40); Christian Weeg, Neuenweg 11 (40); Karl Zülch, Bleichstraße 32 (40); Karl Flohr, Wilhelmstraße 60 (39); Louis Vogt, Neuenweg 19 (35); Heinrich Marx, Seltersweg 34 (35); Wilhelm Horn, Kreuzplatz 15 (35); Fritz Nennstiel, Seltersweg 52 (35); Heinrich Ruger, Kreuzplatz 4 (35); Erwin Semmler, Walltorstraße 15 (35); Dr. Kurt Spohr, Neuen Bäue 25 (35); Theo Heimes, Schanzenstraße 8 (33); Wilhelm Plank, Mühlstraße 3 (30); Willi Schwan, Mäusburg 16 (30); Professor Carl Bernbeck, Schanzenstraße 22 (30); Fritz Jullmann, Horst-Wessel- Wall 19 (27); Theodor Baumann, Neuenweg 7 (25); Theodor Keßler, Senckenbergstraße 13 (25); Friedrich Ost, Jheringstraße 7 (25); Professor Th. Schaumann, Stephanstraße 9 (25); Karl Heinrich ’ Kuhl, Roonstraße 25 (25 Jahre).
’ Im Rahmen des Männerbadevereins gibt es feit langer Zeit eine kleine Gruppe von Mitgliedern, die
: sich der „Eisbärenklu b" nennt. Der Klub wurde ; im Jahre 1895 gegründet, wie auf einem uns vor- ’ liegenden eigens gedruckten Liederbuch zu lesen ist. . Mancher mag fragen: „Eisbärenklub"!? Was ist - das? Die Frage ist rasch beantwortet. Der Eisbaren- klub ist eine lose Vereinigung der ältesten unter den


