Ausgabe 
3.9.1936
 
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Der»

ie, wirk-

Kleinigkeiten von -er Leipziger Messe

J. B.

3m Panzerzug nach Georgien.

B e r l i n, 2. Sept. (DNB.) Der Warschauer Korre­spondent des Zwölf-Uhr-Blattes berichtet über die Hintergründe einer angeblichen Urlaubereise Stalins nach Georgien, die er unter sehr merkwürdigen Umständen angetreten habe. Stalin soll sich entschlossen haben, in seine georgische Heimat zu reisen, da dort ebenfallsTrotz kische Umtriebe" ausgebrochen sind. Eine Opposition in den Reihen seiner Landsleute hält Stalin begreif­licherweise für besonders gefährlich. Die lange Fahrt von Nord nach Süd hat Stalin im Panzerzug angetreten. Inmitten der Panzerwaggons fuhr der Schlafwagen Stalins, aber man glaubt all­gemein, daß sich Stalin selbst nicht in dem Schlaf­wagen befand, der ja auch der empfindlichste Teil des Zuges war. Der ganze Zug wurde durch zwei weiterePanzerzüge gesichert, von denen einer voraus- und der andere hinterherfuhr. Ferner waren an der ganzen Strecke starkeWachender GPU. postiert.

So ermüdend, weil zu wenig abwechslungsreich auch der Vordergrund der palästinischen Bühne im Augenblick ist, so interessant ist nach wie vor der Hintergrund. Die Bemühungen, der Lage ein Ende zu machen, haben sich in den letzten Wochen stärkt. Die arabischen Kaufleute, die die Kosten des unvorbereiteten und unüberlegten Streikabenteuers mit dem Bankrott zuletzt bezah­len müssen, verstärken den Druck auf die Streiklei-

Bei der großen Parade aum Abschluß der fran­zösischen Manöver verlieh der französische Staats­präsident Lebrun dem polnischen Generalinspek­teur Rydz-Smigly das Großkreuz der Ehrenlegion. Eine Reihe anderer hoher pol­nischer Offiziere wurde zu Großoffizieren, Offizie­ren und Rittern der Ehrenlegion ernannt.

- Aber beim Verschluß einer Thermosflasche ärgern wir uns oft über den verlorenen Korken. Jetzt kommt als Neuheit die Thermosflasche mit Patentverschluß, natürlich so eingerichtet, daß man den Trinkbecher nach wie vor als Kappe über­schrauben kann. Das uns als Heilmittel be­kannte ultraviolette Licht hat die Eigenschaft, Keime schnell zu töten. Hierauf baut sich die Wirkungs­weise eines neuen Wasserentkeimers auf, der in Siedlungen, Arbeitslagern, auf Schiffen und in den Tropen gute Dienste leistet. Das Wasser wird über einen Quarzbrenner geleitet, der reichliches ultraviolettes Licht aussendet und im Vorbeifluh entkeimt. Auch für Kunsteisfabriken und Molkereien hat dieses Gerät Bedeutung. Voraussetzung für seine Arbeit ist das Vorhandensein elektrischen Stromes.

Die Zahl der für den täglichen Gebrauch be­stimmten Geräte, die die Messe zeigt, geht in die Tausende. Kinderspielzeuge und Eieruhren, Teppich­kehrmaschinen und Rauchzeuge, Bernsteinschmuck und Porzellangeschirre wechseln mit. vielen anderen Dingen Schritt für Schritt. Eine Ordnung der Aus­stellungen nach Branchen ist leider nicht möglich. So muß der Spezialist, der ein einziges Gebiet wie Türbeschläge oder Eßbestecks, Brotschneidemaschinen ober Vogelbauer sucht, in vielen Häusern treppauf und treppab laufen, um auch ja nichts zu übersehen. Wir werden daher bei unserem Rundgang auch vieles nicht entdeckt haben. Die Brotschneidemaschine, die man bei Nichtgebrauch so vom Tisch wegklappt, daß ihre Unterseite die Tischfläche vergrößert ober das Steppbecken ähnliche Heizkissen fanden wir zwar, aber befriedigt können wir die Messe nicht verlassen, weil uns. manches unentdeckt blieb. Nur eines wissen wir, in der Leipziger Messe kommt ein

, , , , Wirtschaft

überhaupt auf dem Spiele steht. Auf der anderen Seite verdoppeln auch die arabischen F ü r st e n, die Könige von Saudi-Arabia und Irak, der Imam

gewaltiger Lebenswille unserer Industrie, des Handwerks und des Handels zum Ausdruck, der den Aufbau der Wirtschaft fördert.

achsende Unzufriedenheit unter der sowjetrussischen Arbeiterschaft

Verschwörungen gegen Statin in Lndustriebezirken aufgedeckt.

tung, je näher die Orangenernte herannaht. Der Gedanke, das Orangengeschäft, das infolge be- sonders günstiger Ernteverhältnisse gerade in diesem Jahre vielversprechend ist, den Juden überlassen

Oie Lage in Palästina.

Von unserem W. M.-Berichierstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Jerusalem, 25. Aug. 1936.

Die Ereignisse in Spanien haben in den letzten Wochen das Interesse an dem arabischen Aufstand in Palästina ein wenig in den Hintergrund ge­drängt. Zu Unrecht: denn hier wie dort wird über wichtige Phasen in der Entwicklung des Mittel­meerproblems entschieden, das durch den abessinischen Krieg zu einer entscheidenden Aktualität der Weltpolitik überhaupt geworden ist. Der Man­gel des Interesses mag vielleicht nicht nur in der größeren Dramatik der spanischen, sondern auch in dem Stillstand der palästinischen Ereignisse seine Erklärung finden. In der Tat vollziehen sich seit April d. I. die Geschehnisse im Heiligen Lande in einer ermüdenden Wiederholung ihrer selbst: Der arabische Sektor der Bevölkerung streikt in Handel und Verkehr, Versuche des Streikbruchs werden terrorisiert, täglich wird ein bestimmtes Quantum Menschen auf beiden Seiten im Rahmen terroristi­scher Aktionen und militärischer Gegenaktionen er­schossen, werden Bomben geworfen, Eisenbahn­brücken in die Luft gesprengt, Schienen aufgerissen und von Zeit zu Zeit treffen neue militärische Ver­stärkungen ein. Es ist eine gewisse Regelmäßigkeit, ein gewisser Rhythmus eingetreten, die Anomalie ist normalisiert worden, die palästinische Bevölke­rung hat sich an den neuen Zustand gewöhnt, sich auf ihn irgendwie eingerichtet, das Bewußtsein, bah es früher einmal anbers war, unb baß es wie­der anders werden könnte, verliert täglich mehr an Deutlichkeit. Hierdurch verlieren Streiks und Ter­ror im Gunde an Sinn, denn ihre psychologischen Wirkungen beruhen gerade auf dem Charakter Des Außergewöhnlichen, der indessen allmählich ver­loren geht.

Wer sich in den Strudel der Leipziger Messe stürzt, wird von ihren Wirbeln bald hierhin bald dorthin getragen, nimmt die » verschiedenartigsten Eindrücke in sich auf und wird irgendwo wie aus einem Traum erwachen und feststellen, daß es doch allerlei zu sehen gibt. Jede Messe bringt Neues, kein Besucher scheidet unbelohnt von ihr. Das diesjährige Herbstereignis in Leipzig ist die Tex­til- und Bekleidungsmesse. Kunstseide triumphiert in Farben und Formen, wie man es bisher noch nicht gesehen hatte. Die zahlreichen Möglichkeiten, Kunstseide mit anderen Textilstof­fen zu mischen und den Waren durch Färbung unb wechselvolle Webtechniken ein bem Auge ungewohn­tes Aeußere zu geben, überzeugen von der Viel­seitigkeit deutscher Facharbeit. Kunstseide und Zell­wolle für Unterkleidung, für Innendekorationen und für Handarbeiten wollen von dem Besucher beachtet werden. Er entdeckt, daß man beipielsweise bei den Handarbeiten von den klassischen Kissen und Decken frei zu kommen bemüht ist, in­dem man die Handfertigkeit im Sticken oder Stricken an Kleidungsstücken nutzbringend anwendet. Auch tritt ein neuer Stil in die Er­scheinung, der sich von schreienden Farben und gekünstelten Mustern besonders in der Teppich­weberei zur Schlichtheit und zum Geschmack wendet. Neue Wirkungen erzielt auch die Gardinenindustrie durch grobfäbige Tülle in neuartigen Knüpfarten oder durch feinfäbige Muster in Voiles unb Marqui­settes. Wollte man bie Vielgestaltigkeit ber Textil­messe ganz erfassen, würben die wenigen Ausstel­lungstage im Herbst dazu nicht ausreichen.

Für Weihnachten werben" ein Ruf, der angesichts der Augustsonne etwas unzeitgemäß er­scheint. Aber der Kaufmann soll schon jetzt daran denken, wie er durch zweckmäßige Werbung die auf der Herbstmesse gemachten Einkäufe an den Ver­braucher heranbringen kann. Der Reichsstand des deutschen Handwerks veranstaltet daher mit der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel zusammen eine SonderschauFür Weihnachten werben!" und betont absichtlich darin, daß Oktober und Novem­ber die beiden wichtigsten Werbemonate für das Weihnachtsgeschäft sind. Schaufenster, Kino und Zeitungen werden zu den wirkungsvollsten Werbe­mitteln des Kaufmanns.

Musik ertönt in einem der Messepaläste. Ein Klavierchen wird vorgespielt, keine verkleinerte Form des gewöhnlichen Pianos, sondern eine neue Form, die etwas vom alten Klavier und etwas vom Flügel in sich vereinigt. Pianetto nennt sich das für Kleinwohnungen sicher gut geeignete und erstaunlich klangvolle neue Instrument. Man könnte auf den Gedanken kommen, daß auch der zu­sammenklappbare elektrische Kron­leuchter nur für Neubauten von Puppenstuben­format bestimmt ist. Das ist aber nicht der Fall, sondern die zurückgeklappten Leuchtarme sollen nur dem Händler die Lagerhaltung erleichtern Wer Auto fährt, überwacht mit Strenge Benzinverbrauch und Kilorneterzahl. Ist doch das Verhältnis beider Grö­ßen zu einander eine sichere Kontrolle über die Wirtschaftlichkeit des Betriebes. Damit man nicht vergißt, das Tanken bei Ablesen des Kilometer- Zählers zu notieren, hat ein ganz gewissenhafter Mann einen auch als Zündkerzenprüfer brauch­baren Drehbleistift mit Benzinmerker und Kilometerftandanzeiger gebaut. Ein ganz guter Ge­danke und eine nette saubere Arbeit, aber ein Re­zept dagegen, daß man nicht vergißt, die verschie­denen Einstellungen an diesem Ueberbleistift vor­zunehmen, hat der Erfinder auch noch nicht er­funden.

Oft fragt man sich, warum diese oder jene kleine Neuerung nickt schon längst bekannt ist. Den P a - tentbierflaschenverschluh kennt jeder.

Lloyd George nach Deutschland abgereist.

London, 2. Sept. (DNB.) Der frühere eng­lische Ministerpräsident Lloyd George ist am Mittwoch von London zu seinem bereits angekün­digten Besuch nach Deutschland abgereist. In seiner Begleitung befinden sich seine jochter Megan Lloyd George und fein Sohn Major Gwilym Lloyd George, die ebenso wie ihr Vater Mitglieder des Unterhauses sind, ferner fein Sekre­tär Sylvester und schließlich ein Freund des Staatsmannes, Professor Conwell-Evans, der das Amt des Dolmetschers übernimmt. Lloyd George wird etwa zwei oder drei Wochen in Deutschland bleiben, um eine Reihe öffentlicher Arbeiten, die das nationalsozialistische Deutsch­land erfolgreich in Angriff genommen hat, per­sönlich zu studieren.

Vor seiner Abreise gab der frühere Minister­präsident einem Vertreter der Preß Association gegenüber folgende Erklärung ab:Als ich Bot­schafter von Ribbentrop vor einiger Zeit in London sah, lud er mich zu einem Besuch Deutsch­lands ein, Hamit ich sehen könne, was dort zur Bekämpfung des A r b e i t s l o f e n p ro­dle m s getan worden ist. Diese Anregung, der ich jetzt Folge leiste, nahm ick bereitwillig an. Ich habe ein höchst interessantes Besuchspro­gramm, das mir Gelegenheit geben wird, zu sehen, was in Deutschland besonders auf dem Ge­biet der Siedlung städtischer Arbeiter, der Urbarmachung von Brachland, des Straßenbaues und der Entwicklung ber ßanb» wirtschaft geleistet worden ist".

zu müssen, ist für die arabische Kaufmannschaft um so unerträglicher, als hier das einzige lich lohnende Geschäft der arabischen W

wird ihm ein Blick in die Nachbarzelle gestattet, in der ein bequemes, sauber bezogenes Bett steht. Und wer drei, vier, fünf Tage nicht geschlafen hat,ge­steht" bann alles, was man von ihm verlangt. Oder ein Angeklagter erhält nur Salzheringe zu essen, bis er vor Dur ft wahnsinnig wird oder gesteht". Um diesen Prozeß zu beschleunigen, wird er womöglich noch in einer Zelle angefettet, in der von oben ständig ein Tropfen kaltes Wasser auf feinen Kopf tropft. Oder er kommt in bie Kork- zelle, bie bas Atmen ungeheuer erschwert, in ber eine Temperatur von 40 Grab herrscht, bie weber Fenster noch Luftlöcher besitzt, unb in bem man ihm bann Salzwasser zum Stillen bes Durstes verab­reicht. Das ist bie GPU. und das ist die Lubjanka, in der Grigorij Jagoda herrscht.

Gegenwärtig ist die Zahl der Beamten, die auf feinen Befehl die verschiedenen Arten der Einwir­kung auf die Häftlinge vornehmen, um dieFeinde bes Regimes" zu Geständnissen zu zwingen, vervier­facht worden. Tausende sind schon verhaftet und noch immer geht die Aktion unvermindert weiter. Von Leningrad bis zur Krim und von London bis Westfibirien erstreckt sich die Tätigkeit der GPU. und bald wird die Säuberungswelle auch Wladiwostok erreicht haben. Unruhe unb Aufre­gung gehen durch das Land, niemand ist mehr sei­nes Lebens sicher, unb wer sich mit bem Regime aut stellen will, ber tue möglichst alles, um bie Aufmerksamkeit von sich und auf andere a b = zulenken. Täglich enthalten auch die Sowjet- blätter üble Denunziationen, und wie in bem Pro­zeß gegen Sinowjew, Kamenew unb Genossen ist in der Tat jeder bestrebt, mit dem Finaer auf den anderen zu zeigen.Da seht mal der da! Er hat noch 1923 zu Trotzki gestanden. Und 1927 da hat er dies und das gesagt!" Solch ein Hinweis genügt, um wieder eine Zelle in ber Lubjanka zu besetzen.

Was bebeutet das alles? Was geht in ber Sow­jetunion vor? Alle Melbungen der letzten zehn Tage über die Vorgänge in Sowjetrußland lassen sich auf einen Nenner bringen: Stalin hält blutige Abrechnung. Geht man aber den Einzelheiten nach und versucht man, die Gründe und Hintergründe ber Ereignisse zu erforschen, so ergibt sich mit immer größerer Deutlichkeit, daß zwei Kraftfelder in dem Sowjetreich sich gegenüber­stehen: Stalin gegen Volk Volk gegen Stalin! Es ist freilich der alte Gegensatz, ber seit je das kommunistische Gewaltregime auszeichnet, und neu ist nur die Tatsache, daß dasVolk" diesmal nicht lediglich aus Bauern besteht, die sich gegen ein ihnen artfremdes Regime wehren, sondern daß auch Arbeiter unb Armee immer unverhüllter gegen bie Diktatur Stalins und seiner Satrapen Front machen.

Eine Reminiszenz, bie im Auslande vielleicht hi­storisch anmuten könnte, die in Moskau aber Ge­genwart ist: Die S t a ch a n o'w - B e w e g u n q, die Versuche, den Arbeitsprozeß und die menschliche Arbeit zu rationalisieren, und zwar durch die An­wendung eines überspannten und bei den Sowjet­methoden besonders verwerflichen Taylor-Systems, das auf der krassen Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft beruht, dieses System hat ver­sagt. Es ist jetzt gerade ein Jahr her, seit der Häuer im Donezgebiet Stachanow seinen märchen­haften Rekord in ber Kohlegewinnung aufgestellt bat, und heute müssen alle Spitzen des Staates unb ber Partei anerkennen, daß bie Produktion s i ch nicht wesentlich erhöht, ja stellen­weise sogar hinter dem Oktober 1934 zurückgeblie­ben ist. In den Reihen der Arbeiterschaft hat diese künstlich unb über Nacht geschaffeneBewegung" ungeheuer viel böses Blut gemacht. Die Rekorde einiger bevorzugter Arbeiter, die künstlich er­zeugt wurden, wurden zum Anlaß genommen, auch eine Erhöhung der allgemeinen Leistungen zu fordern und damit dieNorm", also das Ar­beits-Muß, zu erhöhen. Auf der anderen Seite wurden die Löhne aber nicht erhöht, so daß ber Arbeiter im Durchschnitt weniger oerbiente, ba er bie erhöhte Norm nicht zu erfüllen vermochte.

Dazu kommt, daß die Abschaffung der Le­bensmittelkarte zu einer allgemeinen Ver­teuerung der Lebenshaltung geführt hat ein Arbeiter verdient heute in Sowjetrußland kaum ein Drittel dessen, was er 1913 ver­diente. Unb schließlich steht der Sowjetunion e i n neues Hungerjahr bevor, da die Ernte 1936 eine ausgesprochene Mißernte werden wird. Ein schwerer Alpdruck lastet auf bem Lanb unb bie Gärung unter den Arbeitern unb Bauern ist groß. Es bürste bennoch nicht zutreffen, baß Sta­lin mit feinem Vorgehen gegen die Opposition etwa nur wieder einmal andereSchuldige" suchen wollte. In der Tat dürften Todesurteile, Verhaf­tungen und Säuberungsaktionen als ernste War­nungen an alle gedacht fein, die etwa noch den Mut zur Unzufriedenheit unb zur Kritik zeigen sollten.Seht! So wirb es allen gehen, die nicht unbedingten Gehorsam leisten."

Es sind Alarmmeldungen, die aus Moskau kom­men. Gegen den Kriegskommissar Woroschilow wurde ein Komplott entdeckt, in das vier Generale verwickelt sind; am Tage nach der Hinrichtung der Sechzehn lehnte an ber Kremlmauer ein Kranz für bie Opfer des Stalinschen Terrors; der Londoner Militärattache P u t n a , der Botschafter Maiski und der Han­delsvertreter O f e r f f i wurden nach Moskau be­rufen; sie sollen von der Ehefrau des Putna, einer GPU.-Spionin, verraten worden fein; die Gesandtin in Schweben, Kolontai, hat bie Rückkehr ver­weigert unb ebenso die Mitglieder der Londoner Bot­schaft. Das ist das europäische Wetterleuchten des Moskauer Gewitters. Dazu meutert die Rote Armee in Rjasan, die Bauern stehen gegen Stalin auf, Radek, Bucharin, Rykow und den anderen soll ein neuer Monstreprozeß gemacht werden, und selbst der Krupskaja, der Witwe Lenins, droht die Verhaftung. Ein Blick in die blutigen Geheimnisse : des Weltbolschewismus tut sich auf.

Stalin rechnet mit dem Trotzkismus ab, und wäh­rend fein größter Feind, Bronstein -Trotzki, in Norwegen interniert wird und niemand in Europa den gefährlichen Gast haben will, hat Litwinow alle Hände voll zu tun, um die außenpoliti­schen Rückwirkungen dieses Blutrausches zu : neutralisieren. Auch Litwinow war auch er nicht einmal Trotzki-Anhänger? Und ist er denn ganz . sicher? Heute nützen seine Proteste bei Stalin nichts, und er muß sehen, daß ein anderer, Dimitroff, ' ihm bei dem großen Kaukasier den Rang abgelaufen hat. Und niemand weiß weder in Moskau noch , im Ausland welche weiteren Entwicklungen diese neueste Tragödie der russischen Nachkriegsgeschichte l heraufbeschwören kann.

von Jemen und der Emir von Transjordanien ihre Anstrengungen, um zwischen dem Arabischen Komi­tee und England zu vermitteln.

Wenn es trotzdem noch nicht zu einem Frie­densschluß gekommen ist, so liegt dies in erster Linie an der inneren Problematik der politischen Struktur der palästinischen Araberschaft. Während noch zu Anfang des Aufstandes (April d. I.) ein Zusammenhang zwischen dem Streik und den terro­ristischen Aktionen bestand, so hat heute der Krieg in den Bergen ein eigenes Schwer­gewicht erhalten, der sich mehr unb mehr ber po­litischen Leitung bes Arabischen Komitees entzogen hat. Soweit bie Terroristen sich nicht in einzelne Banben, bie in ziemlicher Autonomie einen frisch- fröhlichen Krieg auf eigene Faust führen, aus- gelöst haben, erkennen sie praktisch nur jene Füh­rerkreise an, um bie sich ber mohammebanische Ju- genboerbanb von Nablus, Djenin unb Haifa grup­piert. Die Führerschaft des Arabischen Komitees be­steht diesen Elementen gegenüber nur scheinbar; der Schein beruht auf der Gleichheit der Losungen unb bie Männer der Komitees wissen genau, baß eine von ihnen zum Streikabbruch ausgegebene Losung sie ihre letzte Autorität bei jenen, heute sehr ent» scheibenben Kreisen unb auch bei der städtisch-ara­bischen Jugend kosten würde, die mit den Frei­korps passiv oder aktiv sympathisiert. Es ist die Ang st vor den eigenen Anhängern, die das Arabische Komitee hindert, jenen Schritt zu tun, der eine Lage beendet, die angesichts der Londoner Entschlossenheit, der Widerstandsfähig­keit des britischen Militärs und der relativen Un­versehrtheit der jüdischen Stellung als aus­sichtslos zu bezeichnen ist.

Auf der anderen Seite find es Differenzen in­nerhalb des arabischen Komitees selbst, die die Ent­scheidung hinausschieben. Diese Differenzen find nicht erst durch die gegenwärtigen Verhältnisse ent­zündet; sie beruhen vielmehr auf der überlieferten Erbfeindschaft zwischen den hervorragenden arabischen Familien, insbesondere zwischen den Fa­milien des früheren Bürgermeisters von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, unb ber Hüs- f e i n i s , deren Macht auf der Stellung eines ihrer Mitglieder, des Mufti von Jerusalem, als Präsident des Obersten Moslemischen Rates, beruht. (Par­teien im abendländischen Sinne gibt es unter den Arabern nicht, dieParteien" sind identisch mit den mächtigen Familien des Landes unb ihrer Klientel!) Die Spannung zwischen den einzelnen Gruppen, die das kann nicht scharf genug betont werden mit den gegenwärtigen Verhältnissen überhaupt nichts zu tun hat, verhin­dert stets die eine, einem Vorschläge der anderen zuzustimmen; das Prestigebedürfnis steht dazwi­schen. Es war der Mufti, der die Annahme der kürzlich unterbreiteten Vorschläge des Emir Abdal­lah von Transjordanien sabotierte; der Mufti, der in feiner Stellung als Präsident des Obersten Mos­lemischen Rates de jure und de facto von Eng­land abhängig ist und daher trotz scharfer Pro­pagandareden nach außen doch auf ein gutes Ver­hältnis zur Regierung bedacht fein muß, stieß sich gewiß weniger an der notorischen England-Freund­lichkeit des Emirs als vielmehr daran, daß es gerade die Nashafhibis sind, die die Aspiratio­nen des Emirs auf den Thron des Bereinigten Oft» und Westjordanlandes in Palästina lebhaft unter­stützen, um in feiner fürstlichen Autorität ein Ge­gengewicht gegenüber dem Obersten Moslemischen Rat zu heben. Es war auch der Mufti, der die Annahme des Vorschlages Ragheb Beys verhin­derte, das hunderttägige Jubiläum des Streiks zu dessen Abruch zu benutzen.

Umgekehrt wird es für Nashashibi schwer sein, einen Vorschlag des Mufti zu unterstützen. Der Ausgang des abessinischen Krieges, der den italie­nischen Interessen am östlichen Mittelmeer einiges von ihrer Aktualität genommen hat, scheint die Stellung des Mufti ein wenig erschüttert zu haben; denn dessen außenpolitische Konzeption beruhte auf der Spekulation auf die anglo-italienische Span­nung; ihre zunehmende Verringerung macht einen großen Teil der politischen Arbeit und politischen

Paris, 3. Sept. (DNB. Funkspruch.) DerMa- tin" berichtet, daß die Agitation in Sowjetrußland, nachdem sie bereits in den Kreisen der Beamten, der Militärs und vor allem der Studenten großen Umfang angenommen habe, nun auch bie A r - beitermaffen zu erfassen beginne. Eine gegen die Regierung gerichtete Verschwärung sei in dem Jndustriebezirk von Magnitogorsk entdeckt worden. Der Leiter der Tabakow-Bewegung, ein Freund des Tomsky, der im Zusammenhang mit dem Simonjeff-Prozeß Selbstmord begangen habe, seit mit zwölf weiteren Verschwörern ver­haftet worden. Dieser alte kommunistische Mit­kämpfer habe eine wichtige Rolle in dem Leben der Arbeitersyndikate gespielt und war vor allen Din­gen unter den Arbeitern bes Donezbeckens unter dem Spitznamen Zenobh bekannt. Es fei ihm ge­lungen, bie weniger bezahlten Arbeiter in verschiedenen Industriezweigen um sich zu sam­meln. Die durch die Stachanow-Bewegung hervor- gerufene Unzufriedenheit habe Tabakow zahlreiche Anhänger zugeführt. Die Polizei habe ein ganzes Netz von geheimen Komitees aufgedeckt, bie eine Streikbewegung vorbereiteten, mit ber zugleich Revolten ber Bauern unb auch 2luf- ftänbe in der Roten Armee Zusammen­gehen sollten. Im gesamten Industriegebiet, beson­ders aber im Ural wurden eingehende polizeiliche Untersuchungen geführt.

Wächter gegen den Bolschewismus.

Ein englischer Journalist über die Abwehr der bolschewistischen Gefahr.

London, 2. Sept. (DNB.) Der englische Jour­nalist Ward Price veröffentlicht in derDaily Mail" einen Aufsatz, in dem er u. a. ausführt, daß der Kampf zwischen ber faschistischen ober national­sozialistischen unb ber bolschewistischen Weltanschau­ung über alle Grenzen hinausreiche unb jedes Volk erfaßt habe. Obwohl der Bolschewismus in Frankreich und Spanien Fortschritte erzielt habe, sei ihm durch die Wiederaufrüstung Deutschlands ein neues und mächtiges Hindernis in Mitteleuropa entgegengestellt worden. Wie Luzifer vor dem Fall, wolle Stalin die Mäckte der Finsternis mobil machen, aber der Deutsche Erzengel Michael bereite sich schnell darauf vor, das Feld zu behaupten. Auf Grund von Erwägungen über die deutsche Landes­verteidigung und infolge der antikommunistischen Grundsätze des Nationalsozialismus sei der deutsche

Führer zum Wächter Westeuropas gegen den Bolschewismus bestimmt.

Obwohl die Verstärkung ber fomjetruf» sischen Rüstungen von ben übrigen west­europäischen Mächten kaum zur Kenntnis aenom- men worben sei, so seien sie nach beutscher Ansicht boch bebrohlich. Die Tschechoslowakei habe ben ersten Schritt zur Schaffung einer neuen Grup­pierung in Mitteleuropa ergriffen, inbem sie ein Militärbündnis mit der Sowjetunion abgeschlossen unb es dadurch ben Sowjetrussen ermöglicht habe, sich bem Herzen Deutsch! anbs zu- hern. Sowjetrussische Militärfluaplätze seien auf tschechischem Gebiet errichtet worden und sowjet- russische Militärflieger konnten dadurch Berlin unb München in zwei Stunben erreichen. Rumänien baue eine strategische Eisenbahnlinie, um Sowjet- rußlanb mit der Tschechoslowakei zu verbinden.

Ward Price verweist weiter auf die bitteren Er­fahrungen, die Ungarn mit dem Bolschewismus unter Bela Khun gemacht habe, und spricht die Uebergeugung aus, daß auch Oe st erreich, Italien und Polen auf Deutschlands Seite tehen würden. Die Stellungnahme Frankreichs ei von der Entwicklung des zur Zeit in Gang ve- indlichen sozialen Kampfes und von der tatsäch­lichen Wirksamkeit des Franko-Sowjettussischen Paktes im Kriegsfälle abhängig. England, so schließt der Verfasser, müsse im Falle eines Kon­fliktes zwischen dem Bolschewismus und dem Natto- nalsozialismus neutral bleiben.